Gegenmaßnahme.

Danke, München! Danke, Dieter!
Endlich greift die Stadt den verzweifelten Wohnungssuchenden (und den luxussanierten Entmieteten) sinnvoll unter die Arme, nachdem die Mietpreisbremse hier eh nie funktioniert hat (hätten wir vor einem Jahr auch mal gut brauchen können…).

Song des Tages (28).

Nachts unterhalb der Bavaria getroffen:

Einen echten Schneehasen (lepus timidus verus).

Was nur das „timidus“ im Namen soll? Mit einer Größe von fast 2 Metern wirkte er so völlig unerschrocken…

(Muss ich gleich an eine uralte Kassette denken. Jefferson Airplane – White rabbit. Eine gruselige Aufnahme von einem Freund: drei Minuten lang einfach das Mikro seines Kassettenrecorders vor den Lautsprecher seines Plattenspielers gehalten, im Hintergrund pfiff der Kanarienvogel – oder war’s seine bekiffte Schwester?)

When logic and proportion have fallen sloppy dead
And the white knight is talking backward
And the red queen, she’s off with her head
Remember what the dormouse said
Feed your head, feed your head, feed your head!

Himmel der Bayern (51): Silhouetten.

Nach den heftigen Schneefällen vom Freitag und Samstag folgte heute Morgen der große Matsch. Der Gatte ist unterwegs in einen östlich der Landeshauptstadt gelegenen Landkreis, zu einem ganz gut zum Wetter passenden Besuch bei der Herkunftsfamilie, der nun unvermeidbar war.

Ich betrachte es insgesamt als positives Zeichen, dass es seit 30 Minuten wieder unaufhörlich schneit und der elende Matsch in Kürze weiß zugedeckt sein wird. Auch der kleine nachmittägliche Ausflug ins Café, wo ich mich mit D. treffen werde, wird dadurch viel angenehmer und ich laufe nicht wieder – wie gerade eben beim Gassigehen an der Isar – mit triefnassem Mantel herum. Die Goretexmembran hat sich heute erstmals als undicht erwiesen. Und die Winterstiefel haben plötzlich ein fieses Loch.

Es war einer dieser Spaziergänge, bei denen man sich unterwegs nass und klamm und irgendwie rundum erschöpft fragt, ob die Anschaffung eines Goldfisches nicht doch die angenehmere gewesen wäre. Könnte man mal einen ganzen Tag drinnen bleiben, im Warmen, auf der Couch, Musik, Buch, Kakao und alles wäre prima.

Aber ob mich die Silhouette eines Goldfisches je so begeistert hätte wie die meines Dackelmädchens?
So schlank, so schön, so schwungvoll diese ihre Linie, ihr Kopf, ihr Brustbein… und wenn sie läuft und springt, eine Augenweide ist das!

Was ist schöner: die Taufkirche oder der Teckel?

Das Fräulein auf Karottenjagd hier vor der Haustür.

Auf der Theresienwiese steht eine ganze Armee von Schneemännern. Die Hänge neben der Bavaria werden zum Rodeln genutzt. Über die gesamte Wiesn verteilt herrscht ein winterliches Treiben: Familienväter, die schnaufend riesige Schneekugeln vor sich herwälzen, Kinder, die freudig ihre Schlitten hinter sich herziehen oder draufsitzen und gezogen werden, Spaziergänger und Hundebesitzer überall. Es wird gekitesurft, Schneebälle fliegen, Paare schleppen ihre Christbäume zur Sammelstelle, Hunde toben über die weite, weiße Fläche, jagen nach Frisbees und Bällen oder kugeln einfach völlig zweckfrei durch den Schnee. Die Silhouette der Paulskirche wirkt hinter dem dichten Schneeflockenvorhang wie eine graumilchige Raumstation.
Ich liebe diese Vielfalt, diese Eindrücke, diese Möglichkeiten, diese Stadt.

Also rein in die Zweitstiefel und den Zweitmantel (als Hundebesitzer hat man derlei Glump grundsätzlich doppelt) und nochmal raus in den Schnee und rüber ins Westend, in die Gollierstraße, in dieses kleine Stübchen mit dem krass leckeren Kuchen.

Ihnen allen auch einen wohlschmeckenden, wohltuenden letzten Tag in dieser Serie von Feiertagen!
Herzlich grüßt Sie –
Die Kraulquappe.

Three little birds.

Don’t worry about a thing…

…’cause every little thing gonna be all right 🐕

(ja, wollen wir’s hoffen, und gern beginnen wir auch bei den kleinen Dingen – Hauptsache all right)

Doppelbock.

Ein echtes Münchner Zamperl findet jeden Bock.

Himmel der Bayern (50): In der Energiezentrale.

Zwischen Penzberg, Urthal, Bichl und Benediktbeuern: 12km Rundweg durchs Loisachfilz.

Wirklich ein Spitzentipp für einen Lauf mit der läufigen Hündin. Quasi ein Keuschheitsmarsch: Klösterliche Ruhe und Einsamkeit, kein Rüde weit und breit. Auch sonst niemand unterwegs. Lediglich die Benewand kommt am Nachmittag noch unter dem Wolkenbrett hervorgekrochen.

Darauf eine heiße Schokolade und ein paar warme Gedanken!

Pläne, Petitionen, Plätzchen, Plaque.

Das einzig Bunte im Winterhimmel über München.

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Frühmorgens, der Tag noch gänzlich unverletzt und unbesudelt, den Kalender für 2019 gewälzt, um passende Reisezeiten zu finden für Gotland 2.0. Erster Orientierungspunkt: die über zwei Monate dauernden schwedischen Sommerferien. DA NICHT. Das skandinavische Sylt wollen wir in aller Ruhe aufsuchen, damals war’s September, das war toll und die zahlreichen geschlossenen Lokale eh wurscht, weil die wenigen offenen uns wissen ließen, dass Hunde sowieso überall unerwünscht sind.
Hunde reduzieren die Optionen auf Reisen oft auf ein Minimum, das erleichtert die Planung und die Tagesgestaltung enorm.
Bleibt nach Beachtung anderer Termine und unter Einbeziehen von Klima- und Mückentabellen eigentlich nur Ende Mai bis Anfang Juni oder Ende August bis Anfang September übrig. Irgendwie wird sich der Traum von der Sommerfrische daraus schon zusammenbasteln lassen, ist ja noch ein Weilchen hin.
Mögliche Reisetermine dann gleich der Agentur mitgeteilt, den Namen der dortigen Kontaktperson mühsam reinkopiert (wegen der slawischen Sonderzeichen), dann ein bisserl rumgebastelt an der Antwort auf die Frage, was denn bei der Programmplanung zu beachten wäre – „da Sie ja mit Ihrem Hund anreisen“ – es aber dann doch aufs Wesentliche beschränkt (Beachtung der Gassizeiten, Natur besser als Stadt, Unterkunft mit Wiese vor der Tür, gern auch den Strand vor der Nase).

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Mitten in die Schreibtischarbeit hinein klingelt es und ein Jungspund von der Rolladenfirma, die hier seit August einen „Panzer“ (wie die Jalousie unter Fachleuten genannt wird) samt Zugband austauschen will, steht vor der Tür. Er schickt sich an, in nassen, verdreckten Stiefeln die Wohnung zu betreten. Wir klären das kurz und als der junge Mann sich sodann in die Hocke begibt, um sein triefendes Schuhwerk abzulegen, beschließt das Dackelfräulein, dass es sich um einen neuen Spielgefährten handeln muss, wenn der da schon so einladend kniet und einen halb geöffneten Werkzeugkasten neben sich parkt.
Mit dem neuen Zugband im Schnabel, das sich auf stolze 30 Meter ausrollen lässt, wenn man es nur heftig genug schüttelt und durch den Flur schleift, wird dem Handwerker der Weg ins Wohnzimmer gewiesen.
Nach 35 Minuten ist der Spuk vorbei, mechanisch sauge ich den Dreck weg, der beim Bohren und Montieren entstanden ist. Schon wieder verschwitzt, aber von Gesundheitlichem soll hier und heute nicht weiter die Rede sein.

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Beim Mittagessen mit B. zunächst eine lästige Diskussion mit der ziemlich ahnungslosen, asiatischen Bedienung, die unsere Nachfrage, ob es wirklich sein könne, dass von 16 Gerichten auf der Mittagskarte nur ein einziges vegetarisch sei, mit Dauergrinsen und Kiekslauten beantworten möchte, womit wir sie natürlich nicht davonkommen lassen. Aber es hilft nichts: der lauwarme Linsensalat ist das einzige Angebot und kann uns gestohlen bleiben. Wir bestellen notgedrungen ein sauteures, vegetarisches Gericht von der normalen Karte.
B., der sein Haus gerade abbezahlt hat, meint, das sei jetzt schon drin, und ich freue mich über die Einladung.
Das dampfende Wokgemüse an Basmatireis schmeckt super, beinahe gelingt es uns – konzentriert aufs leckere Essen und unser Gespräch über wichtige Lebensdinge – das proppenvolle Lokal samt seiner ohrenbetäubenden Akustik auszublenden.
Da bläst es plötzlich eine Sequenz an Sätzen vom Nachbartisch herüber. Ein Business-Bürscherl mit Toni-Kroos-Frisur und zu kurzen Anzughosen brüstet sich vor seinen drei Kolleginnen lautstark damit, gestern die Petition für die Umbenennung der Schamlippen in Vulvalippen unterschrieben zu haben (ich habe noch nicht gegoogelt, ob es die wirklich gibt, also die Petition!). Die Kolleginnen gucken verschämt in ihr Gulasch, eine errötet leicht. Mindestens 10 Paar Augen von benachbarten Tischen sind auf das Bürscherl gerichtet, dem man, wenn man ihn sich so ansah, speziell diese Unterschrift definitiv nicht zugetraut hätte.
Fast noch überraschender: des Bürscherls Nachtrag, dass das doch eine gute Sache sei, weil Sprache ja schließlich die Wirklichkeit formen würde, und wie die Damen das denn sähen. Aber die sahen lieber weiterhin in ihre Teller. Das Aufsehen fand drumherum statt, bis dann alle wieder wegsahen.

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Auf unserem grauen und etwas drögen Spaziergang begegnen wir dem Mann mit dem uralten Hund. Die Hinterläufe sind erlahmt und in eine rollstuhlartige Konstruktion hineingeschnallt, die es dem Hund ermöglicht, sich langsam, aber eigenständig fortzubewegen. Der Hund wirkt gebrechlich, aber nicht leidend, nicht mal tapfer oder hadernd, sondern weitgehend mit seinem Schicksal im Einklang.
Mit einer Engelsgeduld begleitet der Mann seinen greisen Gefährten, hetzt diesen nicht, sondern lässt ihm Zeit zu schnuppern und seine Geschäfte zu verrichten. Dreimal am Tag, dreimal diese wenigen Meter, die der Hund noch schafft. Der Anblick der beiden rührt mich jedesmal zu Tränen, zu deren Vergießen es aber nie kommt, weil ich mich schon bei der ersten Aufwallung in Grund und Boden schämen muss: das Dackelfräulein verbellt den altersschwachen Artgenossen nämlich sofort voller Inbrunst. Jedes Mal. Alles, was vom normalen Phänotypus „Hund“ abweicht (Verband, Amputation, Humpeln, Gehhilfen, Leuchthalsbänder etc.), erregt ihren Unmut aufs Heftigste. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich ihr spontan einen dämlichen Satz wie „Pippa, das macht man nicht!“ oder „Spinnst du? Der ist doch nur alt!“ zuzischen. Überhaupt ist es erstaunlich, dass ich mir nach bald 7 Jahren Hundhaben immer noch nicht dieses absurde Kommunikationsverhalten abgewöhnt habe, ihr mehrere Sätze am Stück mit gänzlich unbekanntem Vokabular vorzusetzen, anstatt die Botschaft auf ein schlichtes (und zumindest theoretisch bekanntes) „Nein!“ oder „Schluss!“ zu beschränken.

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Nach der Steuererklärung ist vor der Steuererklärung. Ich forste Ordner durch, werfe weg, hefte um, lege ab.
Dezember, das bedeutet Ausmisten, Abschließen, Sortieren, Aufräumen, Vorbereiten, in den Keller gehen (und zwar nicht nur in den des Mietshauses, sondern auch in den Seelenkeller, erst recht, wenn man den ganzen November lang noch nicht dort unten war).
Wenn ich das diesmal flott hinter mich bringe, dann backe ich glatt noch ein paar Bleche Plätzchen. Die von Rischart schmecken zwar phantastisch, sind aber zu teuer. Und der Papa wird dieses Jahr erstmals keine mehr liefern, zu stark zittert nun der rechte Arm und bevor die Vanillekipferl Hufeisengröße annähmen, ließe er es lieber bleiben, sagt er mir heut am Telefon mit müder Stimme.
Ich bin jetzt dran!, denke ich und sehe mich schon, wie ich puderzuckerbestäubte Kipferl Schicht für Schicht, mit zugeschnittener Zellophanfolie dazwischen, genau so wie er es immer tat, in die große, ovale Dose packe, die er mir jedes Jahr übergab. Die mit den Engeln der Sixtina drauf, ein Motiv, das ich eigentlich nie mochte, obwohl es über die Jahre zum Symbol geworden war für die Plätzchen vom Papa und beinahe den Pawlowschen Reflex auszuösen imstande war.

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Limited edition, Farbton „Karies“.

Am frühen Abend raffe ich mich trotz hämmernder Kopfschmerzen auf und gehe hinunter zu Nachbar K., denn sein Name steht auf der DHL-Benachrichtigungskarte, die seit heute Mittag an meiner Tür klebt.
K. ist in der Finanzbranche tätig und normalerweise von frühmorgens bis spätabends außer Haus. Ich lege mir auf dem Weg in den ersten Stock ein Intro-Sprüchlein zurecht („Na, hoffentlich Urlaub und nicht krank?“) und läute.
K. hat weder Urlaub, noch ist er krank, nein, er macht Homeoffice. Weil er gerade an einer Studie arbeiten müsse und dafür Ruhe bräuchte. Außerdem müsse er seine Frau entlasten und den Wocheneinkauf erledigen. Wozu er aber nicht gekommen sei, weil der DHL-Bote 10 Pakete bei ihm abgestellt hätte, die nun den ganzen Nachmittag über von diversen Nachbarn abgeholt worden wären. Mit jedem ein Viertelstündchen geratscht, so ginge der Tag auch rum. Wir erhöhen auf 20 Minuten, dann bekomme ich einen Niesanfall, nehme mein Päckchen und verabschiede mich.
Nebenbei: Amazon ist manchmal der Wahnsinn. Gestern Abend um 23:30 Uhr eine elektrische Zahnbürste bestellt (die alte hörte sich seit Wochen wie ein kaputter Rasenmäher an und gab gestern um 23 Uhr, am Backenzahn unten links angekommen, endgültig den Geist auf), heute ist das Ding schon da. Wie geht das bloß?
Mit im Karton: die einzigen Socken, in denen ich nie kalte Füße habe. Bergsocken von Veith (aus dem Allgäu zwar, aber Wolle ist ja gottseidank schweigsam). Es gibt nichts Besseres fürs klamme Frauenflossen.

Sauber und warm kann der Tag nun enden.
Eine Nacht mit mehr als 5 Stunden Schlaf am Stück wäre auch mal wieder was. Schließlich habe ich dem Dackelfräulein fest versprochen, dass wir morgen – grippaler Infekt hin oder her – nach gefühlten Ewigkeiten endlich mal wieder zusammen ausfliegen.

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Großstadt-Dackel, etwas depressiv.

Bruchstücke einer Biographie.

Gerade im Treppenhaus gesichtet – und sofort eine recht präzise Vorstellung der dazugehörigen Biographie gehabt…

…und ab sofort die Lauscher aufstellend, ob hier im Haus bald irgendein windiger BWLer unter den Nachbarn sein Ränzlein schnürt und Frau und Kind (und überhaupt alles) hinter sich lässt. Und das vor Weihnachten!!!

(„Biographie“ gehört übrigens zur Liste meiner persönlichen Unworte des Jahres 2018, dazu aber demnächst in aller Ruhe, wenn wir uns den üblichen Rückblicken widmen.)

Die Münchner Boulevardpresse auf Leserinnenfang.

Top: Perfekte Vorbereitung auf die nahende Erkältungssaison. Mit Zuwendung, Taschentuchkauf und Apothekenbesuch ist ja es definitiv nicht getan.

Flop: Huch! Nächstes Mal bitte 4 andere Frauen abstimmen lassen, für ein fescheres Ergebnis. Und bitte nicht in derselben Ausgabe zu Killerkeimen berichten, das irritiert.

Zeichen erkennen.

Schulds(ch)ein für 1€.

(Ja um Himmels Willen, dann aber mal nix wie weg hier!)