Es geht ans Eingemachte oder: So schlecht bin ich gar nicht, im Werfen.

Absurd. Bereits zwei saukalte, verregnete Tage fühlen sich mittlerweile (innerlich und äußerlich) an wie früher eine ganze Mistwetterwoche. Ist diese Wahrnehmung etwa auch so ein Nebeneffekt des Älterwerdens? Keine Ahnung.
Heute jedenfalls schon beim Genuss des Frühstückseis erleichtertes, frühmorgendliches Aufatmen, dass es draußen wieder lichter ist (im Hinterkopf pocht die bange Frage, wie man ihm begegnen wird, dem ja erst noch bevorstehenden Novemberregen, geschweige denn dem langen Wintergrau).

Die Brandenburger Freunde bringen einen Geschenkkarton gefüllt mit Erträgen aus dem eigenen Garten und der heimischen Töpferwerkstatt mit, der uns noch den halben Winter über nähren und erfreuen wird: So viele Gelees, Eingemachtes, Brot, zwei dekorative (und sogar schmackhafte) Weißbierproben aus der Hauptstadt, allerlei Obst, schönstes Gemüse (besonders hervorzuheben: ein Potpourri aus den 28 selbst gezogenen Tomatensorten) und gleich noch die entsprechende Keramik dazu, auf der das alles aufbewahrt, angerichtet und serviert werden kann.
Ja ist denn heut schon Weihnachten?, denkt man da kurz, staunt dann aber einfach weiter, wozu die Bloggerei so geführt hat über all die Jahre, und freut sich dran.
Zwischenzeitlich sind die beiden im empfohlenen Ferienort angekommen, sogar ohne Schneeketten, stattdessen bei Sonnenschein und blauem Himmel, was leider nicht den gesamten Aufenthalt über so bleiben wird, wenn man den Prognosen glauben möchte.

Die Gemeinden Murnau, Mittenwald und Lenggries (und demnächst auch Schliersee) dürften mir langsam Provisionen zukommen lassen für die kostenlose Werbung und die erfolgreiche Vermittlung von Gästen. Überhaupt sollte ich ernsthaft drüber nachdenken, ob Individuelle Urlaubsberatung (inkl. -betreuung vor Ort) nicht jenseits des Freundeskreises ein Metier wäre, aus dem sich ein wenig Kapital schlagen ließe.
Das Coronajahr bescherte so einige Anfragen aus der Leserschaft (teils auch von Lesern, von denen ich gar nichts wusste/ahnte): ob ich nicht einen Tipp hätte für eine passende Urlaubs-/Wanderregion, dann wurden die Begleitungen, die Vorlieben, der finanzielle und zeitliche Rahmen sowie die sportlichen und sonstigen Ambitionen zu Berg und Tale genannt, und man stellte mir für meine Bemühungen stets etwas in Aussicht, das über ein herzliches Dankeschön hinausging.
Nicht schlecht eigentlich. Werde ich mal durchdenken und demnächst mit meinem österreichischen Privat-Coach besprechen.

Einstweilen kann ich Ihnen anbieten: Wenn Sie (oder jemand, den Sie kennen), Urlaub in Oberbayern planen und ein paar Tipps brauchen, die Sie mit einem ordentlichen Mahl honorieren möchten – kommen Sie ruhig auf mich zu!
Auch andere Naturalien oder Dienstleistungsen nehme ich gern an, ebenso sind Globetrotter- oder Sport-Scheck-Gutscheine jederzeit willkommen.

*****
An der nördlichen Spitze der Theresienwiese wurde gestern anlässlich der Gedenkfeier zum 40. Jahrestag des Oktoberfest-Attentats im strömenden Regen eine Dokumentationsstätte eröffnet.

Ich erinnere mich noch gut an jenen Abend: Die Schlange vor dem Riesenrad war außergewöhnlich lang. Die Mutter wollte, dass wir uns anstellen, weil die Riesenradfahrt jedes Jahr unseren Familien-Wiesn-Abend abrundete, und so sollte es auch diesmal sein. Der Papa war dagegen, weil er keine Lust hatte, eine halbe Stunde für eine wegen des enormen Andrangs womöglich auch noch verkürzte Fahrt anzustehen.
So durfte ich damals entscheiden, ob wir bleiben oder gehen sollen, und wie so oft, schlug ich mich auf die Seite des Papas, und plädierte für den Aufbruch. Die Fahrt mit dem Riesenrad war mir vergleichsweise wurscht, ich war damals deutlich mehr an Geisterbahn, Kettenkarussell, Schießständen (wegen der Riesenteddybären, nicht wegen der Gewehre!) und gebrannten Mandeln interesssiert. Als wir die U-Bahn-Station Goetheplatz erreicht hatten und gerade die Rolltreppe betreten wollten, hörte man die gewaltige Detonation, alles zuckte zusammen, und der Papa packte die achtjährige Tochter fest an der Hand, hakte die Mutter unter, sagte in einem für ihn ungewohnt strengen Ton „Da ist etwas ganz Schreckliches passiert – lasst uns zusehen, dass wir sofort von hier wegkommen!“, und mit zig anderen Menschen stürmten wir zur U-Bahn hinunter.

*****

Beim Sonntagslauf im Park sehe ich nach Längerem mal wieder den alten Mann mit seinem einäugigen Hund.
Runde 1: Der Mann sitzt auf einer Bank, der Hund liegt vor der Bank im Gras und reckt seine graue Schnauze der Nachmittagssonne entgegen.
Runde 2: Drei Kinder bewerfen den Hund abwechselnd mit Steinen und Kastanien. Der Hund ist zu schwach, um sich zu wehren oder davonzurennen, außerdem würde er seinem Herrchen nicht von der Seite weichen. Das Herrchen guckt verzweifelt und schimpft mit gebrochener Stimme ein bisschen. Die Kinder lachen und verspotten den hässlichen Hund. Ich spüre ein Stechen in Herzgegend, das nichts mit der sportlichen Betätigung zu tun hat.
Runde 3: Die Kinder kreischen nun vor Vergnügen und schmeißen immer noch Steine und Kastanien auf den Hund, der sich mal in die eine, mal in die andere Richtung wegzuducken versucht. Ich unterbreche meinen Lauf. Gehe auf die drei Jungs zu und bitte sie, sofort mit der Quälerei aufzuhören. Einer der Bengel knallt mir eine Kastanie gegen die Wade.
Ich frage ihn, wo seine Eltern sind. Die sind drüben im Biergarten!, sagt er, Wir dürfen hier spielen!, meutert der andere, und der dritte sammelt bereits neue Wurfgeschosse – und genau den knöpfe ich mir als Erstes vor. Halte ihm beide Arme fest, entwende ihm Kastanien und Steine und zische ihn an, dass er jetzt sofort mit diesen Attacken gegen das Tier aufzuhören hat. Eine weitere Kastanie knallt gegen mein Bein und auch der einäugige Hund bekommt wieder eine ab.
Da platzt mir der Kragen, ich brülle den Jungen, der sie geworfen hat, an, was ihm einfiele, den Hund so zu piesacken, flink dreht er sich um und flitzt davon, ich bücke mich, hebe eine Kastanie auf und werfe sie ihm hinterher. Sie trifft ihn an der Schläfe, er quiekt beleidigt auf und greift sich theatralisch an den Kopf, und ich kann es nicht fassen, dass meine Kastanie ihn überhaupt getroffen hat, denn zeit meines Lebens war ich im Werfen eine völlige Nulpe, aber siehe da, wenn’s einmal drauf ankommt, und nicht um irgendwelche dämlichen Bundesjugendspiele geht, da kann ich das offenbar doch!
Runde 4 und 5: Die zuvor ausgesprochenen Drohungen haben Wirkung gezeigt und die drei Burschen haben sich in eine andere Ecke der großen Wiese verkrümelt und quälen jetzt mit ihren Wurfgeschossen andere Kinder, deren Eltern sicherlich ebenfalls irgendwo im Biergarten sitzen und sich dort um nix scheren.
Der alte Mann nickt mir müde zu. Sein Hund hat sich ins Gras gekauert, sicherheitshalber ist er ein Stück näher zur Bank gerückt.

Zuhause muss ich eine halbe Tüte Fruchtgummi essen, um dieses Park-Erlebnis in mir zuzukleistern und dem verbleibenden Tag noch angemessen begegnen zu können. Schließlich ist es erst 15:30 Uhr und da kann man die Schotten ja noch nicht dicht machen.

*****

Die Sonnenblumen von M. halten sich wacker.
Mit jedem Tag, an dem ich sie ein Stück kürzen und ihnen frisches Wasser geben muss, schneide ich dem zurückliegenden Sommer zwei bis drei Zentimenter aus seinen Eingeweiden und verspüre eine tiefe Melancholie.

Abschiede waren noch nie meine Sache.

Ein morgendlicher Anblick…

…bei dem sich mir ganz spontan (und erstmals) die Bedeutung von „Grüß Gott!“ erschließt.

Loisachbrücke bei Oberau.

Denn wenn ich ihn je irgendwo träfe, diesen Herrn Gott, dann wohl am Ehesten hier.

Grüß Gott, Werdenfelser Land! Guten Morgen, Zugspitze!

Und ein wenig Schutz könnte ja nicht schaden bei dem heutigen Transzendenz-Vorhaben, das der Gatte frühmorgens, während ich den Rucksack mit Proviant bestücke, mit der Bemerkung „Du bist bergsüchtig“ quittiert.

Wo er recht hat, hat er recht (zumal das Sujet ja gut zu einem seiner aktuellen Forschungsprojekte passt, zumindest im weitesten Sinne).

Der September ist die Zeit, Gedichte zu machen, und aus dem Leben ein Gedicht.

[Überschrift des Blogbeitrags frei nach Wilhelm Raabe]

Jagdhund auf dem Jägerkamp.

Eine überaus ereignisreiche und bewegte Woche liegt hinter uns.
3 Schwimmbadbesuche, 2 Läufe, 1 Bergtag (letzterer sogar mit dem kompletten Rudel, denn ab und zu nimmt der Gatte ja doch mal einen ganzen Tag frei), 1 Ausflug mit dem hübsch Bewimperten (schließlich verlangte die Zeit in Pretty Prättigau noch eine gemeinsame Nachbetrachtung), 1 Wiedersehen nach vielen Monaten mit dem Berliner Freund, 1 Sonntagsteeplausch mit D., 1 große Vorfreude auf die nächsten Wochen (u.a. weil sich überraschend noch hoher Blogfreunde-Besuch angesagt hat), und nicht zuletzt 1 passabler Plan für den nahenden Herbst und die Winterzeit.

Unzugänglich schien der Gipfel
Nun begehn wir ihn so leicht.
Fern verdämmern erste Wege,
Neue Himmel sind erreicht.

Urgebirg und offne Länder
Schweben weit, in Eins verspielt.
Städte, die wir nachts durchzogen,
Sind ein einfach-lichtes Bild.

Helle Wolken streift herüber
Uns umweht ihr Schattenlauf.
Große blaue Falter schlagen
Sich wie Bücher vor uns auf.

[Alpinlyrik von Hans Carossa, den im Tölzer Land Geborenen, über den ich vor langer Zeit mal referieren durfte.]

Schauen Sie genau hin: Über dem Herrn Jesus gibt’s noch jemanden!

Nur gut, dass ich mir noch die Zeit nahm, die Tage im Dunstkreis der Drusenfluh ausgiebig zu würdigen, denn morgen machen das Dackelfräulein und ich uns erneut für ein Weilchen aus dem Staub, und das, obwohl es ja gar keinen Staub gibt da herin.
Und auch die nach diesem nicht existenten Staube benannten Mitbewohner gibt es nicht mehr, will heißen, dass wir mittlerweile hier in München endlich wieder psocopterafrei wohnen bzw. leben können, weil – ich wage es mal ganz vorsichtig, das auszusprechen – die kleinen Fieslinge auch nach dem Ende der großen Hochsommerhitze nicht wiedergekehrt sind.

Was ich ebenfalls kaum auszusprechen wage, aber heute Morgen, auf dem Weg zum Postamt, dem bleich dreinblickenden Laternenpfahl, der mich so direkt danach fragte, antwortete: Uns geht’s gerade wirklich gut.

Trotz Corona ist das ein wunderbarer Sommer geworden und der Herbst lässt sich bislang auch gut an. Ja, wer hätte das gedacht?!?

Nehmen wir es dankbar an, werten es als angemessenen Ausgleich für die mehrmonatige Wasserschaden-und-Badsanierungs-Ära (zzgl. diverser Nacharbeiten und dem den Nacharbeiten nachfolgenden Schädlingsbefall), genießen es und behalten im Hinterkopf, dass das Glück ja eh ein Vogerl ist.

So mein Handyvertrag oder ein funktionierendes WLAN in der Fremde es wollen, hören wir uns dann gern von unterwegs.

Machen Sie’s gut & haben Sie eine erfreuliche Woche!

Ich denke Sie mir im Zimmer sitzend, mehr Omelett als Mensch.

(Die Beitragsüberschrift, passend zu den hinter uns liegenden Hundstagen, wurde entnommen aus: Friedrich Nietzsche. Briefe. An Heinrich Köselitz, 30. Juli 1887. )

Nach der Rückkehr aus Österreich brauchte ich diesmal ein paar Tage: zum Ankommen, zum Sortieren und um mich wieder in das Hiesige einzuklinken.
Ein Bergtag bei Lenggries mit schöner Überraschungsbegegnung auf der Hüttenterrasse, ein Schwimmabend mit dem Gatten und dem Fräulein am Lieblingsplatz des Starnberger Sees (überhaupt: das Schwimmen und der Bergsport, was für eine wohltuende Kombination und endlich ist wieder beides regelmäßig möglich) und ein Morgengassi samt Zweitfrühstück mit dem hübsch Bewimperten halfen doch sehr dabei.

Vor der Haustür bzw. auf der Theresienwiese werden neue Corona-Teststationen errichtet und in Betrieb genommen, daneben wummert die Musik von der kleinen, bewundernswerten Initiative „Kunst im Quadrat“, gegenüber der Drive-In-Zelte für den kostenlosen Rachenabstrich lungert die daheimgebliebene Menschheit kostenlos unter Palmen herum und pinselt sich den Rachen mit Alkohol aus, ein paar turnen auch übermütig und teils sogar recht talentiert auf dem Parkourgelände herum.
An die morgendlichen Müllberge hat man sich zwischenzeitlich fast schon gewöhnt, an den immer noch mit Verschwörungstheorien hausierenden und nervenden Nachbarn allerdings nicht.

Es kommt zu einer kleinen Entgleisung in Form einer minimalen Beschimpfung, als besagter Nachbar einem bei einer Zufallsbegegnung im Treppenhaus mal wieder ungebeten eine coronakritische Frage vor den Latz knallt – ich kann diesen „Ihr armen Unwissenden, Massenmediengläubigen und Noch-nicht-Erleuchteten“-Gesichtsausdruck, den seine Visage bereits einnimmt, bevor die tendenziöse Frage seinen Mund verlässt, schlicht nicht mehr sehen.
Im Grunde sind das auch gar keine echten Fragen, die er an uns hat, sondern lediglich plumpe Aufhänger, um sein Reservoir seiner Antworten auf Fragen, die wir seiner Ansicht nach dringend haben sollten, ungefragt vor unseren Füßen ausleeren zu können.
Ohnehin stelle ich von Woche zu Woche eine größere Gereiztheit bei mir fest, wenn ich diese neunmalklugen oder zehnmalignoranten Egoisten bzw. in einer Diktatur Lebenden sehe, höre, erlebe oder von ihnen lese.
Umso froher bin ich, wenn ich Anderes lese (ohnehin ein äußerst empfehlenswerter Blog).

Die Ferienzeit hier in Bayern bringt im Coronasommer 2020 etliche Tücken mit sich, die eine Umstellung der Gewohnheiten nötig machen.
An die Isar gehen wir jetzt nur noch wochentags zur Morgen- oder Mittagszeit, bevor das Partyvolk (ich habe gelernt: „Feiern“ ist offenbar ein menschliches Grundbedürfnis wie Essen, Trinken, Verdauen und Schlafen) das Flussufer bevölkert und zumüllt.

Die schönen Seen in der Umgebung besuchen wir ausschließlich nach 19:30 Uhr, wenn dort keiner mehr meckert, weil man einen Hund dabei hat und man problemlos Abstände einhalten kann, weil kaum noch jemand dort herumliegt. Leider liege ich dort nicht mal abends lange herum, weil die Mücken mich sehr lieben, was leider nicht auf Gegenseitigkeit beruht.

In die bayrischen Berge geht es seit Sommerferienbeginn nur noch antizyklisch und nur noch dorthin, wo keine Bergbahnen/Sessellifte in der Nähe sind und die Anliegergemeinden noch nicht namentlich in der Presse erwähnt wurden (wegen verzweifelter Einwohner, die sich vor lauter Parkwahnsinn und Touristen nicht mehr zu helfen wissen und Ranger einsetzen, die die Wildparker,-camper und -biesler zur Räson bringen sollen).

Positiv zu erwähnen ist: Abgesehen von den üblichen Hotspots (ein Wort, das ich nun letztmals niederschreibe, weil ich dessen inflationäre und teils auch idiotische Verwendung nicht mehr ertragen kann) leert sich die Stadt zusehends. Zum Lieblingsbad sind es nur noch 10 Minuten statt 15, zum Englischen Garten nur noch 13 Minuten statt 20. Der Oberjägermeisterbach ist nicht mehr beidseitig belegt, so dass das Fräulein wieder ungestört ihr Bad nehmen kann und man läuft auch nicht mehr Gefahr, dass auf der Wiese, auf die sie saust, um sich nach dem Bade zu schütteln, ein Nackerter benetzt wird.

Ebenfalls erfreulich: Auch den Psocoptera scheint es zu heiß geworden zu sein, sie sind – bis auf vereinzelte Mitglieder ihrer Großfamilie, die eisern die Stellung halten – verreist. Dass sie im Begriff sind, komplett und für immer auszuziehen, möchte ich lieber noch nicht beschreien, das glaube ich erst, wenn wir ein paar kühlere, nassere Tage in Folge erlebt haben werden, in denen sie nicht erneut in Windeseile unser Bad okkupieren.
Die Prognose des Schädlingsbekämpfers hat sich ohnehin bewahrheitet: sowas dauert Monate. Drei waren es bis jetzt, hoffen wir, dass es bei dieser Quartalsqual bleibt und das Ganze nun ein Ende hat. Die Mietminderung nehme ich in jedem Fall so lange in Anspruch, bis die letzte Laus ihr Ränzlein geschnürt und sich aus dem Staub gemacht hat, den es hier wohlgemerkt nicht gibt, weil ich auch darauf allergisch reagiere (aber wie Sie dank des Ungezieferlexikons, das ich seinerzeit zur Thematik verlinkte, wissen, hat die Staublaus ja auch gar nichts mit Staub zu tun, es war nur irgendein Biologe zu doof, sie Schimmelsporenlaus zu taufen).

Apropos Staub. Die vor ein paar Tagen frisch geputzten Fenster sind schon wieder dreckig. Was nicht etwa am bösen Feinstaub der Großstadt liegt, sondern an dem Gewerkel von Lolek und seinen Jungs. Unten im Hof werden die Mauern renoviert. Der Vermieter hatte das seit einem Jahr angekündigt, dass er „dringend mal an das marode Mauerwerk ranmüsse“. Eigentlich wäre „kaschieren“ das bessere Wort gewesen für diese Pseudo-Ausbesserungsarbeiten, die da grad stattfinden: wie immer wird da nichts gründlich gemacht, sondern nur die gröbsten Schäden geglättet oder einfach drübergespachtelt und -gestrichen über all die Risse und Löcher. So ist das hier, da muss man mit leben.

Ansonsten gut gekocht und noch besser gegessen, ich bin ja ein bekennender Fan meiner eigenen Gerichte, allen voran den Quiches mit diversen Füllungen.
Am Samstag war der hübsch Bewimperte nebst seiner vierbeinigen Gefährtin zum Essen geladen, und auch zur Wohnungsbesichtigung, denn die beiden kannten die Räumlichkeiten hier noch gar nicht, weil wir uns ja fast immer draußen treffen.
Er beschenkt mich mit dem zweiten Blumenstrauß, den ich binnen zwei Tagen erhielt, normalerweise komme ich bloß alle zwei Jahre einmal in den Genuss von Schnittblumen. Wobei der Strauß, den ich am Freitag von Bekannten bekam, gar nicht so richtig zählt, weil das ein fertig gebundener war: zu bunt, zu kompakt, zu schnell welk und sowieso irgendwie lieblos, dieses aufgeblähte Büschel.

Die beiden Hundedamen liegen während des Abendessens harmonisch unterm Tisch, was allen Anwesenden das gute Gefühl vermittelt, dass das schon klappen würde mit dem geplanten, dreitägigen Dogsitting, sofern der hübsch Bewimperte seine kleine Reise diese Woche denn überhaupt antreten kann (wg. Reisewarnungen allerorten).

Es wäre jedenfalls kein Schaden, die beiden Fräuleins würden sich schon mal ans gemeinsame Übernachten gewöhnen, weil sie das wenig später ohnehin bewerkstelligen müssen, wenn wir uns dann zu viert ins Maiensäss verziehen, eine abgelegene Almhütte irgendwo in der Graubündner Bergwelt, wo sich Distanzfragen endlich mal wieder aus ganz anderer Perspektive verhandeln lassen: Wie weit ist es zum Bäcker im Tal? Kann man das Morgengassi bis zum Bergsee ausdehnen? Schaffen wir’s zum Abendessen ins Berggasthaus Gemsli (oder gibt es doch nur Nudeln mit Sauce aus dem in die Klause mitgenommenen Vorrat)?
In Google Maps schaut das ja alles recht nah beieinander aus, aber die dünnen Schlangenlinien sind vermutlich winzige Serpentinensträßchen und die topographische Darstellung lässt schon das eine oder andere Gefälle erahnen zwischen Hütte hier und Gasthaus dort.
Hoffen wir mal, dass die Schweizer uns noch einreisen lassen und uns ein paar schöne Spätsommertage dort oben beschieden sind.

Denn ab und an gibt es nun bereits Tage, die dezent nach Sommerende duften. Ich persönlich rieche zwar noch nichts, aber das Dackelfräulein reckt das Näschen an solchen Tagen auf eine andere Art schnuppernd in die Morgenluft, woran man untrüglich den nahenden Abschied der aktuellen Jahreszeit und die sich heranpirschende nächste erkennen kann, so war das schon bei meinem vorigen Dackel und darauf war immer Verlass und so wird es auch diesmal sein.
Vielleicht noch drei oder vier Wochen Sommer, vielleicht auch weniger. Womöglich nur noch drei oder vier Seebesuche an lauen Abenden. Spätestens, wenn der erste Spekulatius in die Supermärkte eingezogen ist, war’s das dann. Ich bin nicht unglücklich, wenn die momentane Affenhitze vorbei ist, nur das Laue der Nächte und das Sommerlichleichte an sich, das wird mir fehlen.
Der September ist ohnehin mein Lieblingsmonat und der Oktober kann in den Bergen schöner sein als die gesamte Sommersaison – erst im November wird’s atmosphärisch kritisch für mich.

Nebenbei endlich mal den Blog ausgemistet.
Die Speicherkapazität war nach viereinhalb Jahren und fast 900 Beiträgen endgültig am Anschlag, was vor allem an den vielen Schwedenreisen und -fotos lag, die ich Dussel seinerzeit dutzendfach unkomprimiert hier eingestellt hatte. Nun ist alles entrümpelt und aufgeräumt, quasi eine ganze Ära ausgelöscht (vieles sowieso überholt oder in der Versenkung verschwunden, Menschen wie auch die dazugehörigen Geschichten und vieles mehr, das meiste davon völlig verzichtbar), natürlich nicht ohne sie vorher zu exportieren, diese Ära, nur für den (zugegebenermaßen recht unwahrscheinlichen) Fall, dass ich als Autorin doch noch zu Lebzeiten so berühmt werde, dass sich die Verlage um jeden Schnipsel meines Schaffens reißen, um ihn in ein hübsches, mit „Die frühen Schriften (Band 1 von 7)“ betiteltes Bändchen zu packen und auf den danach lechzenden Markt zu werfen, man weiß ja nie, und endgültig wegwerfen kann man’s immer noch, das ganze Geschreibsel.

Sie, liebe Langzeitleserinnen und -leser, werden eh nix vermissen, weil Sie das alles ja kennen, gelesen und verinnerlicht haben, und wohl kaum eine/r der später hier Eingestiegenen oder der Neuankömmlinge wird sich je in die Frühphase dieses Blogs zurückverirren und alles nachlesen wollen, was hier in viereinhalb Jahren so geschah, gedacht, gefühlt und geschrieben wurde.

Meine drei Serien („Himmel der Bayern“, „Song des Tages“ und „Hund haben“), die sich über die Jahre hinweg doch einer gewissen Beliebtheit erfreuten, wurden in Gänze erhalten (weil wie sähe das denn aus, wenn auf einmal von 81 vorhandenen bayrischen Himmeln nur noch 48 auffindbar wären), ein paar der am meisten angeklickten/kommentierten Beiträge ebenfalls (und auch ein paar wenige, die mir aus persönlichen Gründen am Herzen liegen), die Bildergalerie hingegen habe ich – was vermutlich manch einen aus der geschätzten Leserschaft schmerzlich treffen wird (vor allem diejenigen, die hier überwiegend der Dackelfotos wegen vorbeischauen) – stark ausgedünnt.
Sollte das jemand gar nicht verkraften, bitte melden – wir haben sowieso einen „Best of Pippa“-Kalender in Planung, weil der Papa sich da immer drüber freut, und es macht keinerlei zusätzliche Mühe, ein paar Exemplare mehr drucken zu lassen und Ihnen eine pfotensignierte Ausgabe pünktlich zum Christfeste zuzustellen.

Vielleicht gibt’s demnächst auch noch ein neues Theme/Layout für den Blog, denn die Maid auf der roten Tretbootrutsche des Header-Bilds hat nun auch ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel und ihrer Haarpracht kam das Blond schon vor Langem abhanden, nur die Muskeln, das Muster des nicht vorhandenen Badeanzugs und die Grunddynamik sind noch annähernd dieselben wie auf dem Foto, das damals im Kalterer See aufgenommen wurde.

Naja, wir werden es sehen – und Sie dann natürlich auch.

Kommen Sie gut durch diese letzten Hochsommertage und seien Sie herzlich gegrüßt.

Schöckled and drawn.

So läuft das ja häufig im Leben.
Irgendwas verstopft kolossal den Kanal, es hakt hier und dort, manches verheddert sich, nichts kommt so recht ins Fließen, erst recht nichts ins Sprießen.

Und siehe da – kaum hatte ich gestern einen Schlussstrich gezogen unter dieses arg bemühte Projekt „Graz mit Hund“, das mir von ein paar Umgebungsvariablen hier nicht nur verhagelt, sondern auch insgesamt verleidet wurde, und kaum hatte ich diesen Beschluss mit einem kleinen, äußerst erholsamen Vormittagsnickerchen besiegelt, war es danach plötzlich, als hätte jemand den Badewannenstöpsel gezogen (oder den Wasserhahn wieder aufgedreht oder welches Bild auch immer Ihnen für das Freiwerden verstopfter Energiekanäle genehm ist).
Die Sache hier kam auf einmal wieder in Fluss!

Kein einziger Regentropfen fiel seitdem mehr vom Himmel, geschweige denn ein Hagelkorn, die Hundedame lief wieder flotter und fröhlicher mit mir herum, und mir ging’s genauso. Befreit von der schweren Kamera und dem ebenso schweren Moment der finalen Mitteilung an die netten Sponsoren, dass ich hierüber nichts schreiben kann (was ich freilich auch nicht muss), weil ich das Bildmaterial nicht zusammenbekommen werde bzw. es nur zusammenbekäme, wenn ich in jeder Regenpause loshetze und in einem Affenzahn die Foto-Spots abklappere, was ich aber nicht tun (und schon gar nicht dem Dackelfräulein antun) will, und dass ich allenfalls eine ganz andere Story über diese Tage in Graz anbieten kann (die von A bis Z sehr besonders und intensiv waren) oder eben gar nichts (und überhaupt: künftig erzähle ich nur noch meine Geschichten, ein Fazit, das mir durch die Gespräche mit dem Einheimischen endlich völlig klar wurde, dass es nur so gehen kann und nicht anders), und befreit von all dem hatte ich dann schlagartig wieder Lust, mich hier – egal bei welchem Wetter – zu bewegen und Stadt und Gegend zu erkunden.

Eine Architekturführung (danke an Roswitha!), ein Freibadbesuch (repariert bitte eure Wärmepumpe, 20°C sind einfach zu frisch!), ein Ausflug zu einer Ruine (super Tipp vom Einheimischen), ein Morgenlauf im Park (alles rausgeschwitzt) und schlussendlich haben wir es heute sogar noch auf den Schöckl geschafft (der Grazer Hausberg).

Und all das mit Freude, mit Genuss, ohne Fotografierzwang, ohne irgendeine Ambition außer der, dass wir hier was sehen und erleben möchten, was uns entspricht.

Lieber den Spatz auf dem Teller als die Taube auf dem Balkon! (Alte Großstädterweisheit)

Den Titel dieses Beitrags wählte ich in Anlehnung an Bruce Springsteens „Shackled and drawn“, hatte das Lied beim Bergaufsprinten auf einmal im Kopf.
Keiner meiner favourites, aber der Text passt im Rückblick einfach so gut und außerdem mag der Gatte den Song, also sei er ihm gewidmet – mit der Zusicherung, dass seine beiden Frauen demnächst in aufgeräumter und zufriedener Verfassung heimzukehren gedenken.

Gray morning light spits through the shade
Another day older, closer to the grave
Closer to the grave and come the dawn
I woke up this morning shackled and drawn

Shackled and drawn, shackled and drawn
Pick up the rock son, carry it on
I’m trudging through the dark in a world gone wrong
I woke up this morning shackled and drawn

Schluss mit dem elenden Schönwettertourismus für Hochglanzmagazine.

Eine etwas andere Pressereise diesmal.
Nix eitel Sonnenschein & null Probleme, wie bei den bisherigen Einladungen, denen wir folgten. Der Juli hatte es wohl einfach zu gut mit mir gemeint: zusammen mit Pippas Daumenkrallenabriss riss auch die Glückssträhne ab und der August begann.

Montagmorgen.
Kurz vor der Abreise nach Österreich reißt auch der Schnappverschluss am Karabinerhaken der Hundeleine ab. Der Regen reißt allerdings die gesamte Fahrt über nicht ab. Stattdessen reiße ich auf einem Rastplatz das Bordbuch aus dem Handschuhfach, weil das Auto mich mit einer Fehlermeldung traktiert, deren Inhalt ich nicht verstehe. Leider reißt mir bei der Lektüre des Kapitels „Warnhinweise“ der Geduldsfaden.

Dazu rundherum alles grau und düster, nur die Erinnerung sagt einem: da sind sonst tolle Berge und schöne Seen, die man sehen könnte, wenn man halt überhaupt irgendwas sehen könnte außer dem pitschnassen Asphalt, ein paar Rücklichtern und dem alles verhüllenden Schlechtwetterdunst. Ein Blitzgassi in der Nähe von Admont muss genügen, schließlich will ich uns danach nicht auf der Sitzheizung trocknen und im Auto einen triefnassen Pfotenverband wechseln müssen.

Erste Station in Graz: Fressnapf.
Eine Kette, die ich sonst ungern aufsuche, nun aber froh bin, dass es die so autobahnnah und im nördlichen Industriegebiet der steirischen Landeshauptstadt gibt, damit ich nicht lange suchen muss, um eine neue Leine zu erstehen.
Leider führt das Geschäft zwar ca. 50 Leinenmodelle, aber nicht die, die ich mir vorstelle, also entscheide ich mich notgedrungen für eine andere Länge und Kordeldicke. Als ich diese Entscheidung getroffen habe, folgt die Feststellung, dass es genau diese Leine nicht mehr in schwarz gibt, sondern nur noch in grün, blau, pink und rot. Na dann eben rot, passend zum Pfotenverband des Fräuleins, allerdings völlig unpassend zum Halsband, aber mei.
Beim Verlassen des Fressnapf-Marktes kommt plötzlich die Sonne zwischen den Wolken hindurch – hurra!

Die Phase des kurzen Zwischenhochs beginnt.
Einen Steinwurf von Fressnapf entfernt, entdecke ich einen Wegweiser mit Skoda-Logo und folge ihm. Der riesige Autohändler trägt den schönen Namen KUSS und der Besuch dort hat auch ein bisschen was von Küss-die-Hand-gnä‘-Frau: ein sehr netter Servicemitarbeiter, früher noch ganz schnöde Kfz-Mechaniker genannt, liest die Fehlermeldung des Cockpits aus, erklärt sie mir, drückt die Reset-Taste und sichert mir Ruhe für die nächsten paar tausend Kilometer zu.

Das Uni-Viertel ist gut beschildert, ich finde problemlos in die Liebiggasse, wo ich in einem Hinterhof parke. Der Student, dessen Wohnung ich angemietet habe, steht schon vor dem Haus als ich vom Parkplatz zur Haustür gehe und reckt mir seinen Ellenbogen zum Corona-Gruß entgegen. In einer Hand die Hundeleine (mit Hund dran) und in der anderen einen Rucksack (mit viel Zeug drin), so kann ich beim besten Willen keinen meiner Ellenbogen heben, ohne ein Aufflammen der Epicondylitis zu riskieren.

Man zeigt mir die Wohnung: der Router erinnert an ein Objekt zwischen Babyflaschenwärmer und Dicoskugel, ist aber tatsächlich ein Router, das Passwort dann österreichischer Humor pur, ansonsten findet sich wenig High-Tech und Amüsantes, stattdessen viel IKEA, 80er-Jahre-Nichtcharme, zu jedem Raum eine 70er-Jahre Holztüre und an jedem Fenster Lamellenjalousien, deren Zugschnüre man nicht allzu oft anfassen möchte.

Der einzige mir bekannte Einheimische, den ich schon von München aus kontaktiert und um Tipps zu „Graz mit Hund“ gebeten hatte, hat einen nahegelegenen Park zum Spazierengehen empfohlen. Nach Auspacken, Einrichten und Pfotenverbandwechsel (mittlerweile eine Technik gefunden, wie wir das bewerkstelligen, ohne anschließend für Stunden zerstritten zu sein) geht es direkt dorthin.

Hügeliges Areal, saftig grün, teils urwaldähnlich, verschlungene Pfade, dazwischen kleine Teiche und weite Wiesen, auf einer besonders hohen Kuppe ein Café mit Blick über die hübsche Domstadt, weiter unten ein paar Spielplätze und die vom Einheimischen erwähnte Hundewiese, die genauso trostlos ist wie die Hundezonen in Finnland und Schweden. Ein völliges Miss- und Unverständnis von Hundhaben liegt dieser eingezäunten Ödnis zugrunde: kein Hund hat ernsthaft Lust, dort seine Runden zu drehen, man kann nur hoffen, dass derlei nie in Deutschland Schule macht.

Der Park ist menschenleer, ich lasse das Fräulein also frei laufen, die zwei Dutzend Enten in einer Wiese, an der wir vorbeigehen, sind ihr völlig wurscht (und umgekehrt), denn sie hat schon Witterung von etwas viel Spannenderem aufgenommen, es sind nämlich Tennisplätze in der Nähe, und legt mir wenig später die ranziggelbe Trophäe vor die Füße: der ca. 24ste Tennisballfund dieser Saison. Glückwunsch, Pippa!
Kurz drauf ist dann Schluss mit dem Sonnenintermezzo, wir laufen durch den Regen zurück und stellen uns „zuhause“ gleich gemeinsam unter die Dusche. Es folgt Pfotenverbandwechsel, der dritte. Und ein Nickerchen.

Dann ruft der Einheimische an und schlägt vor, dass er uns zu einem Stadtspaziergang abholt. Wir vereinbaren uns für 17:30 Uhr. Wegen eines Gewitters verschieben wir das nochmal um ein Stündchen, aber irgendwann muss man sich ja mal hinauswagen und so stiefeln wir schließlich mit Regenschirmen bewaffnet los, müssen uns ein paarmal unterstellen und kommen weitgehend trockenen Fußes in dem Beisl an, das M. für unsere Einkehr ausgesucht hat.
Herzl heißt es, dennoch schmeißt uns der Ober kurz nach Mitternacht mit einem schmallippigen Scherzl raus. Eh spät genug geworden, es war ein langer Tag.
Und ein schönes Ankommen in Graz. Es geht ja nichts über so einen Einheimischen, mit dem man nicht nur prima spazierengehen, sondern auch noch so gut ratschen kann, dass man glatt das Trinken vergisst (2 Bier sind für über 4 Stunden Sitzen & Sprechen ja ein Witz, findet vor allem der Kellner).

Dienstagmorgen.
Schwülwarme Luft flutet den Raum, als ich nach dem Aufwachen die Balkontür öffne. Die Sonne scheint. Ich beeile mich mit den morgendlichen Verrichtungen, notiere mir noch die diversen Tipps für besonders lohnende Fotospots, die M. mir am Abend gab und ziehe leichtbekleidet am Vormittag mit dem Fräulein Richtung Altstadt los.
Im Stadtpark werde ich von ein paar Junkies angepöbelt, die mit der um meinen Hals baumelnden Kamera ein Problem haben, dessen Kern ich gar nicht näher wissen möchte. Wir biegen schnell ab zum Schlossberg.
Es ist zwar nicht heiß, auch brennt die Sonne nicht vom Himmel, aber die Schwüle setzt dem Dackelfräulein zu. Sie wird immer langsamer, setzt sich gelegentlich hin, wirkt lustlos. Irgendwann mag sie gar nicht mehr, bleibt abrupt stehen und hebt ihr verbundenes Pfötchen hoch, mit einem Geschau dazu, das einen schon fast als Tierquäler anprangert.
Die Fotos, die ich da heroben machen wollte, kann ich vergessen, denn der Hund soll ja drauf sein, doch kein Reisemagazinleser fühlt sich animiert, den Grazer Schlossberg zu erklimmen, wenn dem Blick des Models zufolge schon ein Dackel dabei keine rechte Freude hatte.

Wir setzen uns hin und machen eine Trink- und Denkpause. Pippa legt sich nicht ab, sondern bleibt sitzen, mit gekrümmtem Rücken und zitternder Pfote. Ich werde immer unsicherer, ob da nicht doch was im Argen liegt. Es hat keinen Sinn, mit diesen Fragezeichen im Hinterkopf weiterzugehen. Ich google nach der nächstgelegenen Tierarztpraxis und wir kehren dem Schlossberg den Rücken.

In der Praxis muss ich vor dem Anmeldetresen warten, weil die Empfangsdame noch etwas zu tippen hat. Auf dem Tresen thront ein übergroßes Deko-Objekt: ein garfieldähnliches Katzenkaliber, täuschend echt schaut der aus. Und zu meinem Entsetzen ist er das auch, denn plötzlich bewegt die Dekofigur den Kopf und starrt mich an! Das entgeht auch Pippa nicht, ein Gezeter sondergleichen bricht los, der Garfield flüchtet mit einem Satz hinter den Tresen und meine eben noch so gehbehinderte, leidende Hundedame zieht mit der Energie eines ganzes Huskyrudels hinterher.

Die Empfangsdame wendet sich uns nun zwangsläufig zu und ich plärre ihr mein Anliegen durch den Spuckschutz entgegen, während Pippa sich die Kehle aus dem Leib bellt. Erfreulicherweise werden wir sofort in ein Behandlungszimmer geleitet und eine Minute später, das Fräulein hat sich gerade halbwegs beruhigt, kommt die Tierärztin hinein.

An der Daumenkralle ist nichts, möglicherweise hat also „nur“ der Pfotenverband genervt oder beim Gehen gedrückt. Oder die angeschlagene Verfassung ist der schwülen Witterung geschuldet. Vielleicht ist’s auch der Ortswechsel oder die nahende Läufigkeit, was weiß man schon.
Die Ärztin rät, stundenweise auf den Verband zu verzichten und notiert mir den Namen eines Sprühverbands, den ich stattdessen – zum Schutz vor Dreck – in der Apotheke besorgen und auf die Daumenkralle auftragen soll.

Um 15€ (und auch sonst) erleichtert verlasse ich die Praxis. Klappe den Stadtplan auf und schaue, was wir von hier aus noch als kleine Unternehmung anschließen könnten. Pippa setzt sich aufs Trottoir und hebt die versehrte Pfote hoch und guckt mich dramatisch an.
Ich beschließe also, dass wir uns auf den Heimweg machen und zuhause erstmal ausruhen. Mittlerweile ist der Himmel wolkenverhangen und ein kräftiger Wind kommt auf.

Pippa verzieht sich zuhause sofort in ihr Körbchen. Ich hingegen ziehe nochmal los, um den Sprühverband und etwas zu Essen zu besorgen. Der Himmel ist nun pechschwarz, der Wind pfeift durch die Gassen, in der Ferne hört man bereits ein Donnergrollen. Als ich aus der Apotheke komme, beginnt es zu regnen. Wenige Meter später schüttet es wie aus Kübeln. Ich rette mich in einen Falafel-Laden. Dort sitze ich eine Dreiviertelstunde und gucke gemeinsam mit Ali, dem Falafel-Mann, auf die Straße hinaus: es hagelt, wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat. Nach Sekunden sind die Bürgersteige komplett übersät mit den weißen Kügelchen. Ein paar Äste und Fahrräder und anderes Zeug wird über die Wege geschleudert. Die Trambahn kommt zum Stillstand, die Autos halten ebenfalls größtenteils an. Menschen rennen vorbei, mit beiden Armen über dem Kopf.

Ali ruft seine Frau an und bittet sie, das Auto sofort unterzustellen. Etwas bang denke ich an mein Auto im Hinterhof der Liebiggasse – es steht dort unter einem alten Baum. Ich rufe meine Kontaktperson vom Tourismusverband an und frage, ob das geplante Abendessen in dem Buschenschank heute stattfinden wird, man verspricht, mich alsbald zurückzurufen.

Als der Hagel vorbei ist, renne ich durch den Regen nachhause. Unterwegs sieht man Ladenbesitzer, die mit Besen die Hagelkörner aus ihren Geschäften schippen, wegen der Schwüle stand die Tür offen und wurde zu spät geschlossen. Die Grünstreifen sehen aus als hätte es geschneit. Der Verkehr ist zum Stillstand gekommen. Wassermassen donnern die leicht abschüssige Straße hinunter. Teilweise bilden sich kleine Stauseen am Straßenrand oder auf Kreuzungen. Es ist nicht so einfach, eine Stelle zu finden, an der man die Straße überqueren kann. Die ersten Feuerwehrautos und Krankenwägen sind unterwegs. Überall Sirenen und Wasserrauschen. Triefnass erreiche ich die Liebiggasse. Das Dackelfräulein wirkt nun ausgeschlafen und kommt mir munter mit einem Spielzeug in der Schnauze entgegen als ich die Wohnungstür aufschließe.

Eine Stunde später, der Spuk scheint vorbei zu sein, machen wir uns nochmal auf zu einem Spaziergang. Es ist ein einziges Pfützenhopping, bis wir den Hilmteich, ein riesiges, hügeliges Naherholungsgebiet erreichen. Wir kämpfen uns ein Stück auf den Hauptwegen voran, die viel schöneren Nebenpfade sind alle überflutet, manche haben sich in reißende Bächlein verwandelt. Überall steigt Dampf auf, es riecht nach Erde, Laub und Tümpel. Ich kürze dieses zweifelhafte Outdoorvergnügen daher etwas ab.

Auf dem Rückweg sehen wir etliche verzweifelte Hausbesitzer mit dem Wasser kämpfen, das in ihre Kellerschächte gelaufen ist. Die Stadtbäche sind eine schlammbraune, tosende Flut, die über die Ufer zu treten droht.
Ganz Graz versinkt im Wasser.

Die Frau vom Tourismusverband ruft an und bestellt mich in ein anderes Lokal. Schöner Gewölbekeller in der Altstadt, schön trocken.
„Gelangen Sie und Ihr Hund da gut hin?“, fragt sie, und gibt zu bedenken, dass die öffentlichen Verkehrsmittel auch in den nächsten Stunden nicht oder nur eingeschränkt fahren werden. „Wir schaffen das schon“, entgegne ich.

Der Einheimische ruft auch an und erkundigt sich, wie wir zurechtkommen mit den krassen Wetterverhältnissen und fragt, ob er irgendwas helfen könne oder zumindest noch ein Getränk ausgeben dürfe zum Abschluss dieses Sintflut-Tages, und wir verabreden uns für nach dem Abendessen im Kunsthaus-Café.

Beim Abendessen überhäuft man mich mit Entschuldigungen für die misslichen Umstände hier vor Ort, als gäbe es einen Schuldigen für Wind und Wetter. Man verstünde vollauf, wenn es unmöglich sei, bei dieser Witterung werbetaugliche Fotos zu machen und eine einladende Reportage zu schreiben.
Das kommt mir sehr gelegen, da ich seit dem Hagelsturm darüber nachdenke, mal einen ganz anderen Bericht anzufertigen: Über das Reisen, wie es eben auch sein kann, wenn nichts mehr strahlt und glänzt, wenn es einem buchstäblich alle Pläne verhagelt, wenn die Reisebegleitung unpässlich ist, wenn man ständig die Klamotten wechseln muss, weil man zu dick oder zu dünn angezogen oder völlig durchnässt ist, wenn einem von Stunde zu Stunde mehr die Lust abhandenkommt, die angepriesenen Sehenswürdigkeiten überhaupt noch abzuklappern.

Wenn einem dafür mehr und mehr der Sinn danach steht, all das festzuhalten, was man stattdessen erlebt hat, einen Text zu verfassen über verdunstende Regenschwaden und verschneit wirkende Wiesen mitten im Hochsommer, über strahlendweiße K&K-Architektur vor pechschwarzem Himmel, über die Unterschiede zwischen deutschen und österreichischen Veterinären, über die wunderbaren sprachlichen Entdeckungen an jeder Ecke, auf Schildern, Speisenkarten und in Gesprächen, über die vielen Insidergschichtln, die der Einheimische erzählt, von Graz und Umgebung, von Land und Leuten, über die beiden Straßenmusiker, die auf dem Domplatz ein so schlechtes „Who’ll stop the rain“ zum Besten geben, dass es schon wieder gut ist, über Franz-Josef, den Bullterrier aus der Nachbargasse, der sich beim gemeinsamen Warten vor der Bäckerei ins Fräulein verguckt hat, über verregnete Stadtspaziergänge, auf denen nichts, aber auch gar nichts zum Verweilen einlädt, außer den Cafés, die allesamt überfüllt sind und in denen nasse Hunde ebenso unerwünscht sind wie Gäste, die sich zwei Stunden je an ein Glas klammern und dann noch zu laut lachen, als das abgenudelte „Summer of 69“ aus den Lautsprechern scheppert, während der nächtliche Regen im selben Takt gegen die Scheiben trommelt.

That summer seemed to last forever
And if I had the choice
Yeah, I’d always wanna be there
Those were the best days of my life

Danke an M. für die kurzweiligen Abende und die Gespräche über Gott und die Welt (Psalm 91 habe ich zwischenzeitlich nachgeschlagen, du auch?).
Danke, Graz, dass ich diese andere Seite an dir entdecken darf und du mich mit aller Wucht an deinem Ungemach teilhaben lässt.
Und danke an die Damen vom Tourismusverband für die Einladung, die Verköstigung und die gemeinsame Verständigung darüber, was journalistische Freiheit bedeutet.

Wir nutzen das jetzt. Legen die Arbeit nieder und uns auch.
Draußen regnet es.

 

Zurück aus den Blaubergen.

Wie gestern schon angedeutet: Die zweitägige Tour durchs bayrisch-tirolerische Grenzland war ein Stück weit auch eine Wanderung zu meinen eigenen Grenzgebieten. Diese unbekümmerte Leichtigkeit, die ich früher mal hatte, ist perdu, im Gehen genauso wie hinsichtlich Kraft und Kondition.
Es ist zwar alles immer noch gut zu schaffen, aber es macht mir völlig anders zu schaffen als früher: der Osprey-Tourenrucksack sitzt perfekt, wird mir allerdings nach zwei Stunden zunehmend zur Last, die Konzentration, die vor allem das Bergabsteigen in schwierigerem Gelände erfordert, lässt viel schneller nach, die Sorge um Pippa lässt hingegen keine Sekunde nach und das, obwohl sie recht sorglos vorauswetzt. Die Ganzkörpererschöpfung, die solchen Touren folgt, ist mittlerweile auch eine andere, nachhaltigere, immerhin aber (noch) muskelkaterfrei.

Das Ausmaß an Achtsamkeit (im Sinne von Vorsicht und Voraussicht) erfüllt unterwegs meinen Kopf und Körper phasenweise so komplett, dass außer Gehen (nächster Schritt, Tempo, Gleichgewicht, Atmung) und Schauen (Weg, Hund, Aussicht, Landkarte, Schilder) nichts mehr möglich ist.
Wenn ich mal meinen Trott gefunden habe, so in etwa nach 45 Minuten kontinuierlichen Dahinsteigens, bin ich gefühlt nur noch Beine und Augen, in der Zone dazwischen schnauft und scheuert und schwitzt es, und ansonsten stellt sich eine paradiesische Leere ein, besser gesagt: ein Zustand, der ganz und gar Rhythmus ist, eine Komposition aus der umgebenden Natur, dem Dackelfräulein und mir und dem Weg, den wir gerade gehen.
Und ohne irgendein Wort entsteht in diesem gemeinsamen Takt eine Art von (Ver-)Bindung, für die mir schlicht die Worte fehlen, und ein Bezogensein aufeinander, das weit über die zurückgelegte Strecke hinausweist (nennen wir’s einfach den Dog-Owners-Flow oder das Hundehalter-High).

*****

(Durch Klick aufs einzelne Galeriebild, werden die Erläuterungstexte lesbar)

*****

Gehzeit: 4 Std.
Pausen: 45 Min.
Strecke: 17 km, 550 Hm bergauf, 1.040 Hm bergab
Konsumation: 1 geschmolzenes Duplo, 2 Liter Wasser (vor der Tour: Hüttenfrühstück, nach der Tour: Essen beim Papa)
Ausgaben: 16€ (Frühstück auf der Hütte, Getränke in Siebenhütten)
Blessuren: kleine, geplatzte Ader am rechten großen Zeh (wegen unerklärlicher Druckstelle im Socken), beidseitiger Ausschlag am Schulterblatt (Nobite im Nacken verträgt sich nicht mit Schwitzen und Rucksacktragen), zwei Bremsenstiche an Wade und Knie (so schnell wie die da sind, kannst du dich auf der Almwiese gar nicht mit Nobite einsprühen)

Die Highlights:
1. Der kleine Sohn der Potsdamer Familie, der bei der schweißtreibenden, ellenlangen Querung der östlichen Flanke der Halserspitz fröhlichst hinter mir herhüpfte und sich pausenlos unterhalten wollte („Du, warum bist du allein hier?“ / „Dann musst du das ganze Gepäck ja selbst tragen, oder?“) und alles über das Dackelfräulein wissen wollte („Gehen Hunde allein aufs Klo?“ / „Heißt der Dackel so, weil er so wackelt?“), ein ausgesprochen cleveres, aufgewecktes Bürschchen, kurz vor dem schwindelerregenden Stück mit Absturzgefahr hab‘ ich ihn aber lieber seinen Eltern zurückgegeben, die ein ganzes Stück hinter uns liefen.
2. Meine kleine Gefährtin (mal wieder). Neu ist, dass sie sich offenbar präzise gemerkt hat, an welchen Stellen im alpinen Gelände ich gelegentlich Probleme habe und nun direkt nach solchen Passagen stehenbleibt, sich umdreht und guckt, ob ich gut und sicher hinterherkomme. War zu Tränen gerührt von diesem Verhalten! Und wie sie auf dem Berg plötzlich folgen kann, grenzt auch an ein Wunder: „Warte mal!“ / „Geh hinter mir!“ / „Vorsicht – langsam!“ klappt da heroben so gut, dass man fast schon glauben möchte, so ein Hund würde in der sauberen Bergluft besser hören als zu Tale oder in der Stadt.
3. Das wirklich atemberaubende Panorama bei der Querung des Blaubergkamms: hinter uns die Tiroler Berge, vor uns das Mangfallgebirge, eine dermaßen gelungene Ergänzung der inneren Landkarte, noch dazu eine, die mir echt gefehlt hat, um diese Region endlich mal vollends zu überblicken.

Himmel der Bayern (81): Zeit für einen Grenzgang.

[Wir nennen den Beitrag diesmal bewusst nicht „Staubl_auszeit Nr. xy“, aber das nicht etwa, weil die Psocoptera den Haushalt verlassen hätten, sondern lediglich, um so viel Abstand wie möglich nötig zu dieser Thematik zu halten.]

Das Juliglück dauert noch an, zumindest weitgehend und im Rahmen des hier Berichtbaren.

Heute in einer Woche brechen das Dackelfräulein und ich in die steirische Landeshauptstadt auf und freuen uns auf die Grazer Grandezza in all ihren Facetten.
Reiseroute und Zwischenstopps sind nun geplant, die Unterkunft ist gebucht, der Termin mit dem Tourismusverband vereinbart und mit dem Online-Reservierungssystem der Auster habe ich mich auch schon mal vertraut gemacht. Die Auster ist ein Grazer Schwimmbad mit zwei 50 Meter-Becken, in dem ich im März 2011, kurz nach seiner Eröffnung (und im Rahmen einer Tagungsreise des Gatten, die mich damals nach Graz führte) meine Bahnen zog, und dessen topmoderne Schwimmbadarchitektur und Farbgestaltung mich schwer begeistert haben!
Überhaupt bietet Graz ja so Einiges in Sachen Design und Architektur. Weil ich ja überwiegend in Sachen Dog & the City unterwegs sein und mir die Stadt mit einem mittlerweile routinierten Hundumblick ansehen und erlaufen werde, muss ich mal gucken, was da zusätzlich noch für mich abfällt – außer Austernschwimmen.

Zur Einstimmung auf das Österreichische (und um Material für andere Projekte zu sammeln und den Psocoptera zuhause weder beim Krabbeln noch beim Krepieren zusehen zu müssen) verziehen das Fräulein und ich uns heute in luftige und (hoffenlich) lausfreie Höhen. Der triftigste Grund für diese Stadtflucht sind aber die für heute prognostizierten 28 Grad (und für morgen sogar 30), das brauchen wir nun wirklich nicht.

In den ausgeschilderten fünfeinhalb Stunden, die wir freilich auf vier bis viereinhalb verkürzen werden, um dann wiederum die Gesamtzeit des Unterwegsseins durch großzügige Pausen und Jausen auf mindestens sechs Stunden auszudehnen, geht’s von Kreuth aus über Gaiß- und Königsalm hinauf auf den Blaubergkamm, den wir entlangwandern werden (evtl. mit Abstecher zur Blaubergalm) bis wir von dem Grat, auf dem zugleich die Grenzlinie zwischen Bayern und Tirol verläuft, ein paar Meter zur Gufferthütte absteigen, die den nördlichsten Ausläufer des Rofangebirges markiert (in groben Zügen können Sie die Tour bei Interesse hier nachgucken).

Auf der Gufferthütte (auf 1.475m und in Tirol gelegen) ist der Winterraum für uns reserviert (falls noch jemand spontan Lust hat: wir hätten noch drei Schlafplätze frei!), denn als Bergsteiger mit Hund wird man ja immer in die Abstellkammer gesteckt (Ausnahme: Otto-Mayr-Hütte – mannomann, wenn ich diesen uralten Beitrag überfliege, fällt mir v.a. eines auf: wir haben noch immer keinen Dackelschlafsack, das ist eine Schande!!!) oder eben in den Winterraum, nun gut, wenigstens wird man da von niemandem vollgeschnarcht, hat einen eigenen Eingang und muss seine Schlafstatt nicht über Sprossenleitern erklimmen (und für 10€ Mitgliedernächtigungsgebühr sollte man eh über nichts meckern).

Das Highlight wird neben der Dusche, über die die Hütte verfügt (1€ für 2 Min. – ich werde es vielleicht krachen lassen und glatt das Doppelte investieren), die Mega-Aussicht von der Hüttenterrasse auf Schneidjoch und Guffertspitze sein (und auf weitere herrliche Berggipfel mit so herrlichen Namen wie Hochunnütz, Voldöpperspitze und Zunterköpfl).

Sofern wir ein wenig mehr Schlaf abbekommen sollten als neulich auf der Tutzinger Hütte und ich nachts nicht erfriere, weil so ein Dackel ja nicht ganz so viel Heizfläche bietet wie ein Labradoodle, und ich nach wie vor nur diesen mitteldicken Schlafsack dabeihabe (in dem ich natürlich nächtens meine Skiunterwäsche trage), weil ich nicht gewillt bin, mir coronabedingt noch einen Drittschlafsack zuzulegen, steigen wir morgen über eine andere Route wieder hinab nach Kreuth und laden uns – weil’s auf dem Weg liegt – gleich noch auf das übliche Dusche-Terrasse-Abendessen-Programm beim Papa am Tegernsee ein, der dank des Canasta-Treffens seiner Lebensgefährtin erfreulicherweise allein daheim sein wird.
Ich sag’s ja: das Juliglück.

Ihnen auch einen guten Wochenbeginn & (je nach Empfang) bis später oder die Tage!

Staubl_auszeit Nr. 1.

Vielleicht haben Sie sich ja schon gefragt, ob der Kammerjäger mich am Freitag zusammen mit den Psocoptera ausgeräuchert hat?

Vielleicht hatten Sie aber auch andere Sorgen oder einfach Wichtigeres zu tun.

Für den Augenblick nur so viel: Der Kammerjäger war ein sympathischer Typ im Holzfällerhemd, mit Vollbart, ein Touch Harleyfahrer, in etwa mein Alter, nettes Münchnerisch.

War eine Stunde zu Besuch, hat viel geguckt und geredet. Die Vertreibung der ungebetenen Mitbewohner wird sich hinziehen. Ausräuchern is nich. Was ja gut ist.

Aber die Perspektive, die Genossen im übelsten Fall noch bis zum Herbst dulden zu müssen, die ist nicht so gut.

Danach noch ein bisschen Vermietergedöns bzw. Kommunizierenmüssen von Sachverhalten, die ähnlich unangenehm sind wie die Psocoptera selbst. Rechtsberatung beim Mieterverein folgt noch. Hurra.

Steuererklärung fertiggestellt und abgegeben. Hurra.

Dazwischen Regen, Regen und nochmal Regen.

Viel Gassigehen im Regen, einmal sogar mit Kuchenessen im Regen. Ausflug mit dem hübsch Bewimperten und seiner Hundedame, im Regen.

Freibadbesuche im Regen mit kalt Duschen im Regen und An- und Ausziehen im Regen. Hurra, hurra, hurra.

Und dann plötzlich beim Aufwachen das glasklare Gefühl, dass es jetzt mal reicht mit den lausigen Themen und Tätigkeiten.

Und auch mit dem Regen.

Der Papa schickt einen Geburtstagsvorschuss, ich schicke eine Mail gen Süden und informiere den aus Frankfurt heimkehrenden Gatten, dass er nun ein paar Tage ganz tapfer und ganz alleine das Dackelfräulein und die Psocoptera beaufsichtigen darf.

Weil die Hausherrin sich jetzt mal eine Staubl_auszeit nimmt.

Die Bergluft wird’s schon wieder richten. Prosit!

(Wie k.o. man ist, merkt man u.a. auch daran, dass man, wenn man auf dem Weg in die Auszeit auf einem Parkplatz anhält, um dort ein WC aufzusuchen, vor dem Verlassen des Autos doch tatsächlich der dackelleeren Rückbank ein „Ich komm gleich wieder!“ zuruft.)

Himmel der Bayern (75): Über den Berg.

Alle Sommerkonzerte abgesagt, das Tollwood abgesagt, die Wiesn abgesagt – und obwohl mir von den drei genannten Absagen zwei ziemlich wurscht sind, war diese Stornoserie für mich der Anlass, endgültig umzudenken und umzuplanen, was die nächsten Monate angeht. Merkel, Söder, Reiter – alle sagen’s, mia san no lang ned überm Berg.

Dann ist das wohl jetzt so.

Bis man also wieder Schwimmen gehen auf Almen oder Hütten ein frisch gezapftes Weißbier wird konsumieren können, kann es noch dauern. So muss eben künftig das Weißbier mit auf den Berg kommen. Da hat es der Fan vom Hellen, vom Pils oder vom Kölsch eindeutig leichter, weil diese Biersorten auch problemlos aus der Flasche getrunken werden können. Nicht so das Weißbier. Allein schon wegen des Schaums haut das nicht hin und auch sonst wär’s ein Sakrileg.

Flasche und Glas mit in die Höhe zu schleppen behagt mir aber gar nicht und würde auch allmählich zum Platz- und Gewichtsproblem ausarten (nein, nein, nicht das Biertrinken, sondern Stauraum und Schwere des Rucksacks!). Mit Proviant für Mensch und Hund, Wechselwäsche, Verbandskasten, Hundetrage und -decke schlepp ich ja schon genug Krempel durch die Gegend.

Deshalb mal ganz zaghaft nach „Weißbierglas Plastik“ und – noch kühner! – nach „Weißbierglas faltbar“ gegoogelt, und siehe da: das gibt’s alles!
Das faltbare Modell nehm ich dann doch nicht, es ist potthässlich, wirkt arg instabil und erinnert mich zu sehr an den faltbaren Trinknapf des Dackelfräuleins. Man wird einander im Laufe der gemeinsamen Jahre ohnehin immer ähnlicher (optisch, mental, emotional und habituell), diese Entwicklung muss jetzt nicht noch durch die Anschaffung fast identischer Schlürfschüsseln forciert werden.

Trotz der COVID-19-bedingt deutlich längeren Lieferzeit, auf die Amazon auf jeder Seite fettgedruckt hinweist, rechne ich noch vor Pfingsten mit einem ersten glücksüberschäumenden Gipfelschluck aus meiner geschätzten Schneider Weissen TAP7. Gute Aussichten (und bis dahin behelf ich mir halt irgendwie).

Nach einem Arbeitsvormittag dann mittags rausgefahren, zur Vor-Ort-Recherche. Sie wissen schon: Strecken erkunden für das Büchlein „Panoramaschleichwege durch die Pandemie“.

Heute: der Rechelkopf.

Wir grasen jetzt einfach nacheinander alle Touren ab, die wir in den letzten 30 Jahren ebenso arrogant („Ein Berg unter 1.565m Höhe ist kein richtiger Berg!„) wie ignorant („Zwiesel, Rechelkopf, Sonntratn – nie gehört! Wo soll das denn sein?“) links liegen ließen.

Bis wir damit durch sind, ist das Coronavirus längst über alle Berge. Und wir auch.

Dem Dackelfräulein gefällt das neu organisierte Programm ganz ausgezeichnet, bietet es doch ein ideales Ventil, den urbanen Überdruss abzubauen und sich fern aller kritischen Blicke und Streifenwagen mal so richtig auszutoben.

Zwar hadere ich etwas mit dem Hellen, aber übergangsweise geht’s schon mal.

Ein Prosit der Gemütlichkeit aus der Abendsonne in der vollkommenen Stille auf der Schwaigeralm!

Auf dem Abstieg entdeckt: die Schwaigeralm.

Windgeschützt kann das Fräulein sein Abendmahl einnehmen…

…leider ist die Portion wie immer lächerlich klein…

…weshalb direkt danach gebettelt wird…

…aber nix da, mein Brot gehört mir!