Weibaleitdog oder: Be happy.

Freitag. Frauentag im Kreuther Tal.
Das Fräulein und ich auf der Halserspitz, der Königsalm und danach in der Weißach. Mal wieder ganz ohne beruflichen Blick auf irgendwas, einfach nur gehen und gucken, keine Notiz, zu nichts, kein beim Gehen im Geiste verfasster Absatz zu einem Wegstück oder einer Beobachtung. Nur wir, der Berg und die Sonne.

Naja, nicht ganz. Wir gerieten etwas unerwartet mitten in den Almauftrieb, der dieses Jahr im Kreuther Tal so spät stattfand wie schon lang nicht mehr.
Überall Kühe, nicht ideal, wenn man mit Hund da durchmarschiert. Zumal die Kühe, wie ich gestern erleben durfte, ihren ersten Freilauf auf der Weide mit wilden Hüpfern und Sprüngen feierten – das verstört dann sogar den kuhgewohntesten Hund.
Also doch den Weg genommen, der als „gesperrt“ markiert war, wegen diverser Winter- und Sturmschäden. Klaro: vorher nachgefragt, ob man das riskieren dürfe, aber wenn der Almwirt meint, wir schaffen das, wenn wir trittsicher sind und über ein paar umgefallene Bäume klettern können, dann schaffen wir das auch).

Das Dackelfräulein liebt waldige Berghänge, Kraxeln über umgefallene Bäume und schmale Nebenpfade – und ich liebe es, wenn der Hund glücklich ist.
Auf den sonnigen Strecken weiter oben hechelt sie dann sehr und ich auch und ich sage zu ihr: „Mäuschen, wir sind nicht mehr die Jüngsten, mach langsam!“, was sie sogar beherzigt.
Hieve sie in jede Viehtränke (wirklich wie gemacht für die Dackelstatur, diese Wannen), hieve unseren Proviant den Berg hoch (der Rucksack, halb so voll wie bei den Wintertouren, kommt mir doppelt so schwer vor). Auf der Alm fast eingeschlafen, trotz Kaffee.
Demnächst, so denke ich dort im Schatten vor mich hin dösend, gibt’s hier im Blog mal einen Beitrag über Tabuthemen. Es ist zum Beispiel eine Schande, dass kaum jemand weiß, was Endometriose ist und was das im Alltag bedeutet. Und ebenso, dass über manche Symptome der Wechseljahre nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird.

Anschließend in Rottach-Egern im Garten des Papas die Füße hochgelegt (korrekt müsste es heißen: im Garten der Lebensgefährtin des Papas, denn er ist dort „nur“ Mitbewohner und ich somit keine Haus-am-Tegernsee-Erbin in spe, leider).
Ersten Aperol des Jahres serviert bekommen. Erstes Grillen in diesem Sommer genossen. Erstmals bis spätabends draußen gesessen.
Fräulein Hund hellauf begeistert von all den Gerüchen und Gaben und noch heller aufgeregt vom Kurzbesuch der Nachbarskatze. So ist das auf dem Land.

Wie oft wir wohl noch genau so dasitzen werden?, frage ich mich. Das frage ich mich schon lange und bei jedem Besuch. Eine unnütze Frage, und doch nicht abzuklemmen in diesem Hirn, das ständig vor sich hindenkt.

Der Papa und seine Lebensgefährtin zanken jetzt öfter als früher. Wenn im Alter alles immer beschwerlicher wird, sind manche Klüfte offenbar schwerer durch Humor oder Toleranz zu überbrücken.
Ihn nervt, dass sie so viel vergisst/verlegt/verdreht und sie nervt sein immer kleiner werdender Radius und sein immer größer werdendes Bedürfnis nach Struktur.
Ich sage es den beiden im Laufe des Abends, dass sie mittlerweile arg viel herumkeifen und dass sie doch froh sein sollen, dass jeder von ihnen noch Dinge kann, die der andere schon nicht mehr kann. Weil sich das doch immerhin ergänzt. Der Papa lächelt fast beschämt, die Lebensgefährtin guckt auf ihren Buchsbaum und ich bin nicht sicher, ob sie’s überhaupt gehört hat.

Spätnachts nachhause gefahren. Herrliche Fahrt durch die Sommernacht. Telefonat mit dem Gatten, der auf einer Theologen-Tagung weilt, seinen Vortrag hinter sich gebracht und sich auf sein protestantisch-asketisches Zimmerchen zurückgezogen hat, auf dem es eine Bibel, aber keinen vernünftigen Internetempfang gibt.

Nach nur 51 Minuten die Ludwigsvorstadt erreicht.
Daheim Ankommen nach so einem Tag ist ein etwas größerer Akt.
Erst fahre ich in den Hinterhof, dort halte ich vor dem Garagentor an. Dann steige ich aus, schließe das Tor auf, hole mein Rad aus der Garage, schiebe es zur Seite, befestige die Flügeltüren des Garagentores. Danach klappe ich den rechten Außenspiegel ein, hole das Dackelfräulein aus dem Auto, binde sie an einem Dachrinnenabflussrohr im Hinterhof an. Öffne den Kofferraum, hole das ganze Glump des Tages heraus, stelle es neben dem Hund ab. Steige wieder ein, lasse den Motor an, fahre das Auto vorsichtig in die enge, miserabel ausgeleuchtete Garage (in den 1950er Jahren hat keiner damit gerechnet, dass die Menschen 70 Jahre später mal viel breitere Autos fahren würden).
Ein Moment höchster Konzentration, jedesmal. Vor allem das mit dem Außenspiegel sollte man nicht vergessen!
Aussteigen, Rad vors Heck schieben, Garage absperren, Sachen schultern, Hundeleine aus der Öse am Dachrinnenabflussrohr ausfädeln und ums Handgelenk legen.
So bepackt nochmal kurz vors Haus schlurfen, damit der Hund sein Nachtpipi auf dem Grünstreifen machen kann – und dann mit einer ziemlichen Verrenkung den Schlüssel aus der Hosentasche fummeln, die Haustür aufsperren und mit Hund und Gepäck zum Aufzug gehen.

Oben angekommen eine große nächtliche Freude vor der Tür: die Expresslieferung von Freund T. aus Z. ist eingetroffen. Das neue Springsteen-Album liegt endlich auf der Fußmatte, mit einem Tag Verspätung.
Ich mache einen Knicks, aus Dankbarkeit – und um es aufzuheben.

Und nun verabschieden wir uns in eine kleine Klausur: Ein Auftrag muss dringend fertig werden, eine Planung vollends abgeschlossen sowie ein paar andere Baustellen endlich zuende gebracht werden.

Aber wenn Sie mal ganz ehrlich sind, haben Sie ja fürs Erste eh genug Sommer-, See-, Dackel- und Bayernhimmel-Fotos gesehen, nicht wahr?

Be happy & bis bald –
Ihre Kraulquappe.

Sie hat manchmal wollen den Sonnenschein auf ihren Hut stecken und die Abendröte umarmen.

[Blogbeitragsüberschrift frei nach Adalbert Stifter]

Weil die liebe B., die derzeit in N. auf U. weilt, sich schon latent sorgt, ob wir womöglich im See oder Freibad ertrunken sein könnten, weil es hier derzeit etwas ruhig geworden ist, nun ein kleines Lebenszeichen in Bildern, quasi eine Dokumentation so mancher Stationen oder Aktivitäten der letzten Tage:

Ausflug an den Ammersee: Diesmal Westufer, wieder viele Fotos, vor allem von Fräulein Seehund…

…aber auch von den Sehenswürdigkeiten in Dießen.

Erstes Selfie mit dem neuen Handy: Schön schattig, das kaschiert fast alle Falten.

Begleitung hatten wir auch: Meinen großen Freund S. und seine Kamera, die viel besser ist als meine.

Wanderung von Dießen zur Schatzbergalm: Könnte eine sehr schöne Tour sein, wenn wir nicht auf dem Schatzberg von einer Mückeninvasion heimgesucht worden wären.

Szenen auf dem Tisch: Die König-Ludwig-Desinfektion der Mückenstiche von innen.

Szenen unter dem Tisch: „Warum esst ihr was und ich krieg nur einen doofen Napf voll Wasser?“

Der Sommerhitze trotzen: Erfrischung, und zwar für alle (sagt auch die Abendzeitung – ich check nur nicht, was die Gourmets mit Baden zu tun haben).

Absurd: Die längste Hundewurst der Welt, aus ihrem 60cm x 75cm-Korb gerutscht.

Mein erstes Erfolgserlebnis auf Balkonien (von der blauen Hortensie wollen wir lieber schweigen).

Pfingsten in München: Englischer Garten, große Gassirunde, Rast im Aumeister.

Clever Shoppen: Am Tag nach dem Mega-Unwetter im Münchner Westen in einen Pflanzenmarkt im Münchner Westen fahren und die wegen Topf- und Blattschäden stark reduzierte Ware als Ersatz für so manch misslungenes Balkonprojekt mitnehmen.

Unterschlagen wurden in dieser bunten Auflistung:

  • diverse langweilige Büroarbeiten
  • stundenlange Recherchen für den nächsten Magazinbeitrag
  • einige Akquisitonstätigkeiten
  • Matthias Forenbacher in Endlosschleife hören
  • zeitaufwändiges Einbalsamieren der zehn fetten Mückenstiche nach dem Ausflug mit S.
  • alle weiteren Haushaltstätigkeiten der letzten sechs Tage
  • zwei Läufe im benachbarten Park
  • zwei Schwimmbadbesuche, einer davon mit Kampfeinsatz (Pfingstandrang, Beckenquallen, Randspringer)
  • Kauf und Zubereitung eines sündteuren Bio-Rindersteaks zur Aufrechterhaltung des Ferritinwerts
  • kontemplative Stunden mit Sonne und Weißbier auf der Parkbank vorm Haus
  • Installation eines neuen Handys inkl. Datenübertragung vom alten Handy
  • Reiseplanungen für den Spätsommer samt haarsträubender Mailkommunikation mit etlichen Hotels im Ausland, die sich erdreisten, für einen kleinen Dackel pro Nacht 25€ kassieren zu wollen, was jeweils in keiner Relation zum Zimmerpreis für den Menschen steht
  • extensiver Konsum von Huberbuam-DVDs in den späteren Abendstunden, um den nachfolgenden Träumen ein paar neue Impulse zu geben (leider die 3D-Brille nicht vertragen)

Herzliche Grüße an die Leserschaft & der lieben B. noch eine erholsame Zeit an der Ostsee!
Die Kraulquappe.

Bassotto.

Das Dackelfräulein am Pragser Wildsee.

Kennen Sie das auch? Sie sind irgendwo im Ausland unterwegs und freundlich lächelnde Einheimische rufen Ihnen einen Gruß zu, den Sie auch mühelos als solchen identifizieren können, aber nach dem „Hej hej“ oder „Grüezi mitenand“ oder „Buon giorno“ folgen dann noch ein paar Worte, die Sie freundlich zurückgrüßend und -nickend absegnen, obwohl Sie nur Bahnhof verstanden haben und bei denen Sie einfach mal in ihrer glücksdusseligen Urlauberlaune davon ausgehen, dass man Ihnen sowas Nettes wie „Genießen Sie den sonnigen Tag!“ (und eben nichts Unflätiges) zugerufen hat. Hinter der nächsten Wegbiegung zücken Sie jedoch sofort Ihr Handy, weil Ihnen dieses „So tun als ob“ zuwider ist und Sie natürlich verstehen wollen, was man Ihnen da mit auf den Weg gab, und befragen Mr. Google Translator.

So erging es uns gestern am Pragser Wildsee, als eine entgegenkommende italienische Familie herzlich grüßend und verzückt lächelnd eine nie gehörte Vokabel prononcierend an uns vorbeimarschierte. „Bellissima“ hatten wir noch verstanden, aber „bassotto“ mussten wir nachgucken. Wobei wir selbstredend sofort einen Verdacht hegten – wegen „bellissima“, was wir, schwitzend und unfrisiert bergauf wandernd, spontan erstmal nicht auf uns bezogen und uns zudem nicht entgangen war, dass die Familie eigentlich eh nicht allzu sehr auf uns blickte, sondern vielmehr unsere vierbeinige Vorhut fokussierte.

„Bassotto“ ist das italienische Wort für „Dackel“.
Erstmal wusste ich nicht, ob mich das nun eher belustigen oder kränken sollte, da das ja wörtlich sowas Ähnliches heißt wie „tiefergelegte Acht“ („basso“=“niedrig, tief“ und „otto“=“acht“).

Haha. Sehr witzig. Einen gestandenen bayerischen Hund mit der Persönlichkeit eines Löwen als „tiefergelegte Acht“ zu titulieren, das ist wirklich sehr ungehobelt. Allerdings passt es gut dazu, dass ich die Italiener eh nicht so besonders mag (v.a. sind sie mir zu laut und zu raumgreifend, außerdem essen sie unangenehm spät zu Abend und frühstücken – wenn überhaupt – viel zu süß).

Dennoch, „bassotto“ spricht sich schön. Sehr schön sogar.
Sagen Sie es ein paar Mal, und ich möchte wetten, es geht Ihnen ähnlich: bassotto, bassotto, bassotto. Ist das nicht klangvoll?!? Aus dem Wort sprüht förmlich der Vorwitz, das Kecke, das gesamte Mutig-Schlawinerhafte hervor, das dem Dackel zueigen ist!
Hören Sie es auch? Na, mit Sicherheit!

Ich beschloss also, Milde walten zu lassen und der italienischen Sprache die (ihr von mir etymologisch unterstellte und wahrscheinlich sowieso verkehrte) „tiefergelegte Acht“ nicht weiter nachzutragen, denn dieser kleine Hund ist ja tatsächlich von etwas spezieller Statur und meinetwegen kann man die auch als „tiefergelegt“ bezeichnen, so lange ein so schönes Wort wie „bassotto“ dabei rauskommt (und die Acht gilt je nach Kultur oder spiritueller/religiöser Richtung als heilige, harmonische oder glücksbringende Zahl, ist also auch nicht so verkehrt).

Pippa, unterwegs in den Pragser Dolomiten.

Am Südufer des Pragser Wildsees.

Bassottto stanco (auf Ottomane gebettet).

Il bassotto più bello e sportivo del mondo.
La mia amata Pippa.

Sehen Sie mir die emotionalen Superlative bitte nach.
Diese permanente Bergsonne und die gute Höhenluft setzen die Endorphine einfach kübelweise frei.
(Nie für möglich gehalten, welch extrem große Liebe man für einen so kleinen Hund empfinden kann!)

Mit den herzlichsten Grüßen aus Südtirol
Ihre Kraulquappe & ihr bassotto.

 

PS: Und sonst so? Immer noch schön hier.

PPS: Zwei touristische Anmerkungen noch, damit nicht wieder irgendwer darüber lamentiert, dass es hier zu sehr hundelt.
1. Der Pragser Wildsee wird meiner Meinung nach ziemlich überschätzt. Er ist keinesfalls schöner gelegen als der Eibsee, gleichwohl die Dolomiten rundum ein klein wenig spektakulärer daherkommen als das Wettersteingebirge. Und farblich kann der Walchensee locker mithalten – oder auch der Sylvensteinsee. Sparen Sie sich dieses Ziel also in der Hauptsaison. Es war bereits wochentags bei 11 Grad in der Nebensaison gut besucht, ein sonniges Wochenende im Juli möchte man sich da gar nicht erst vorstellen. Mit etwas Glück erwischen Sie dort in der Nebensaison Momente, in denen Sie auf den Wanderwegen in den Seitentälern des Sees oder sogar auf dem Rundweg um den Pragser Wildsee kurz alleine sind.
2. Besuchen Sie lieber die nicht so hervorgehobenen und nicht über alles gepriesenen Destinationen im Hochpustertal. Eine verrate ich Ihnen: das Gsierser Tal. Ich liebe Sackgassen in der Natur, alpine Endstationen (wir berichteten hier). Orte, an denen es nicht weitergeht, verkehrstechnisch. Parken Sie in St. Magdalena beim Talschluss-Häusl. Und suchen Sie sich dann eine der vielen tollen Almen-Wanderungen aus. 700 Höhenmeter hat man da schnell beieinander, spaziert dann bei herrlichem Weitblick auf über 2.000m herum, trifft (selbst Anfang Oktober) auf eine bewirtschaftete Alm nach der anderen und kann so völlig japanerfrei und abgeschieden einen ganzen sonnigen Herbsttag verbringen. Trinken Sie lieber ein Achtel Roten als ein Weißbier (das in ganz Südtirol deutlich teurer ist als in ganz München), als Grundlage empfiehlt sich vorher vielleicht eine Portion Schlutzkrapfen oder ein Kaiserschmarrn. Danach noch einen Kaffee und einfach mal ungestört geradeaus gucken.

Von den blauen Bergen kommen wir.

Auf dem Blaubergkamm mit Blick Richtung Achensee.

Kennt noch irgendwer dieses Lied? Heute fiel es mir plötzlich beim Abstieg von der Königsalm ein. Leider bekam ich nur anderthalb Strophen hin, den Rest summte ich so vor mich hin. Zuletzt hab ich es mit dem Papa gesungen, das dürfte nun fast vier Jahrzehnte her sein…

Das Dackelfräulein und ich waren heute in den Blaubergen unterwegs. Die Königsalm war unsere letzte Raststation vor dem Endspurt ins Tegernseer Tal.

Was für eine Rundtour: Kreuth – Wildbad Kreuth – Siebenhütten – Große Wolfsschlucht – Blaubergkamm – Schildenstein – Königsalm – Goaßalm – Wildbad Kreuth – Kreuth (und danach noch weiter zum Papa an den Tegernsee). 15 km – 830 Hm – 4,5 Std Gehzeit – 3 Pausen – 3 Liter getrunken – gut 6 Std unterwegs.

Alles ja noch im üblichen Rahmen soweit, aber was neu – wirklich komplett neu! – war heute: die konkrete Erfahrung, ja geradezu das spürbare Be_greifen!, des Unterschieds zwischen „Trittsicherheit“ und „absoluter Trittsicherheit“. Letztere brettlbreit auf den Schildern gefordert, bevor’s dann so richtig in die Höhe ging.

Nach der Wolfsschlucht und etlichen Abkühlungen im Bachbett also in schrofigem Gelände steil bergauf gekraxelt – mehrere lange, drahtseilgesichterte Passagen waren zu bewältigen. Wir haben ja schon viele alpine Situationen zusammen gemeistert, aber noch nie derartige Kletterpartien!

Stehenbleiben, „Sitz und warte!“ für Pippa, Rucksack runter, Stöcke zusammengeklappt und verstaut, Rucksack rauf, Dackel unter den rechten Arm geklemmt, höchste Konzentration, linke Hand ans Drahtseil – und los. Schritt für Schritt nach oben. Zwischendrin kleine Pausen, Dackel mitten im Fels abgesetzt, „Sitz und warte!“, Durchschnaufen, Dackel wieder hochgehoben und weiter. Unterwegs Entgegenkommende, die nach Angstschweiß mieften und jammerten so gut es ging ignoriert, vor allem das aufgescheuchte Gerede („Oh Gott, Horst, schau nur, die Frau trägt einen Hund und einen Rucksack hier rauf, und ich sterbe bereits ohne jedes Gepäck!“). Natürlich auch noch Schwaben, die sind ja immer und überall.

Eine Stunde später sind wir oben, also zumindest fast.

Das Tolle an dieser etwas unerwartet herausfordernden Aktion: sie beschert einem Momente, die an Intensität kaum zu übertreffen sind. Mein Hundemädchen und ich, ganz und gar eine Einheit, 100% Vertrauen, hinter uns geht’s quasi in Falllinie runter in eine tiefe Schlucht, kein Gezappel, weder von ihr noch von mir, wir hecheln zwar beide, sind aber zugleich die Ruhe selbst, alles klappt dank absoluter Trittsicherheit, die ich mir neulich schon absprechen wollte (frisch gealtert, Knie-OP 2013 immer noch spürend, kaputten Ellbogen dazu, nachlassende Sehkraft etc.), ganz wunderbar.

Nach drei solchen Passagen stehen wir dann oben auf dem Blaubergkamm, links geht’s zur Halserspitz und zum Guffert, rechts zum Schildenstein, unserem heutigen Ziel.

Ich küsse Pippa mitten auf die Nase und sage ihr, wie stolz ich auf sie bin und dass sie der tollste Hund der Welt ist – und setze sie in die Almwiese unterhalb des Kamms. Sie saust zum nächstbesten dampfenden Kuhfladen und beißt hinein. Ich schimpfe sie ein Riesenferkel und drohe ihr übelst mit Futter- und Liebesentzug, sie wieselt unbeirrt und fröhlich weiter bergauf.

Und als wir wenig später zu zweit und ohne eine Menschenseele da oben auf dem Schildenstein sitzen, da sind wir über jeden Kuhfladen erhaben und aufs Innigste verbunden, und ich kann mir ein, zwei Tränchen nicht verkneifen, weil ich so dankbar bin, hier mit ihr zu sitzen und überhaupt: diesen mutigen, kleinen, wunderbaren Hund an meiner Seite zu wissen und mich an ihrer.

Nur Weniges im Leben hat mich je glücklicher gemacht.

Himmel der Bayern (25): Grüsse vom Thresen.

Während draußen ein düsteres Unwetter der Extraklasse wütet, erinnert es sich besonders gut an den gestrigen Bergtag.

Diesmal:
Von Fischbachau auf den Breitenstein. Gut 800Hm, schöne Rundtour. Reine Gehzeit knapp 4 Std, im Gipfelbereich etwas ausgesetzt und felsig.
Start am Parkplatz in Birkenstein, von dort über die Bucheralm auf den Breitenstein, Abstieg über Hubertushütte und Kesselalm zum Ausgangspunkt.

Besonderheiten:
a) der Gatte nimmt wochentags außer der Reihe frei und begleitet uns
b) wir fahren ausnahmsweise mal gen Westen, ins Mangfallgebirge
c) vom Gipfel toller Blick auf den Wendelstein und die Rotwand
d) eine Portion Käsebrot auf der Hubertushütte hätte auch für zwei gereicht
e) auf dem Heimweg Badestopp am Schliersee und Grillstopp beim Papa am Tegernsee

Blick nach Fischbachau und auf die Schlierseer Berge.

 

Erster Blick auf den Wendelstein.

 

Gipfelanstieg zum Breitenstein.

 

Das Dackelfräulein in luftiger Höh‘.

 

Da wollte noch wer aufs Bild 🙂

 

Hubertushütte, unterhalb des Breitensteins.

 

Klassischer Männerjob: Essen und Trinken holen.

 

Letzter Schatten vor dem Abstieg.

 

Rast auf der Kesselalm & Grüsse vom Thresen!

Nächste Ziele: Watzmann, Rotwand, Brecherspitz, Hirschberg, Kramer, Hörnle.
Watzmann rein beruflich (Arbeitstitel des Beitrags: „Mit Waldi auf den Watzmann“, kommt sicher gut), sofern mir das Glück hold ist und der Hüttenwirt den Dackel akzeptiert.

Hoffentlich reicht der Sommer noch für all das, dann wär’s eine Top-Saison gewesen. Und ein Top-Ersatz für den dank Umzug ausgefallenen Urlaub dieses Jahr.

Ein schönes Wochenende wünscht
Die Kraulquappe.