High above it all.

Pippa kurz vor dem Seekarkreuz.


Erkenntnis des Tages:

Am Vortag eines wichtigen Termins gibt es keine bessere Ablenkung als eine Bergtour (aber auch ohne jeglichen Termin morgen wär’s ein toller Tag gewesen).
Raus aus dem Kopf, rein in den Körper und die Natur.
Auch so ein steifes Schulterblatt verfliegt im Nu durch den stundenlangen Stocheinsatz. Super.


Bilder des Tages:

Start in Lenggries, Ortsteil Hohenburg.

 

Trinkpause am Hirschbach.

 

Die Rückansicht des vorigen Bildes.

 

Von Wasserfällen begleitet geht’s den Sulzersteig bergauf.

 

Ganz da hinten irgendwo: Der Gipfel vom Seekar (grüne Kuppe mit Kreuz drauf).

 

Anflugschneise zur Lenggrieser Hütte.

 

Zweite Trinkpause. Rüsten für den Gipfelsprint.

 

Das Dackelfräulein mal wieder topfit: Über 900 Höhenmeter, wie eine Nähmaschine!

 

Seekarkreuz erreicht! Spitzen-Aussicht von da oben (Richtung Tegernseer Tal).

 

Die Rückansicht des vorigen Bildes (Richtung Lenggries).

 

Und nochmal runter zur Hütte. Diesmal richtig Pause.

 

Echt jetzt? So schmecken die Berge?!

 

Da fällt die Entscheidung schwer!

 

Am besten nimmt man einfach eine halbe (!) Portion von beidem.

 

Aussicht von der Terrasse der Hütte (Richtung Sylvenstein, Karwendel und Wetterstein).

 

Über den Grasleitensteig geht’s zurück ins Tal.

 

Blick auf den Hausberg von Lenggries: Das Brauneck.

 

Wieder unten! Am Mühlbach, schönster Ortsteil von Lenggries.

 


Song des Tages: „Like a rock“ (Bob Seger)

I stood proud
I stood tall
High above it all
I still believe in my dreams

Das nächste Mal laufen wir da komplett rüber und besuchen den Papa in Rottach.

Von Alpen, Hörnern und Beschaulichkeit.

Heute kamen wir zunächst etwas schwer aus den Federn. Der gestrige Hitzemarsch steckte uns noch arg in den Knochen…

…so dass ich um ein Haar dem auffälligsten und am unstressigsten wirkenden Wegweiser gefolgt wäre…

…wenn das Dackelfräulein nicht plötzlich so verdammt fit gewesen wäre…

…und munter von Alpe zu Alpe bergauf wieselte und nur an manchen Gefahrenstellen mein Geleit suchte.

Nachdem ich 7 kg Dackel durch mehrere Kuhherden und meine müden Gebeine samt des vollen Rucksacks die 850Hm zum Immenstädter Horn geschleppt hatte, dankte ich beinahe dem Herrn, dass wir Gipfel Nr.1 sogar noch vor dem 12 Uhr-Läuten erreicht hatten.

Von den 3 Litern Wasser wurden wir hier oben die Hälfte los…

…danach ging’s weiter, und wenn ich etwas in den Bergen nicht mag, dann sind das Zwischenabstiege, bei denen man den nächsten Anstieg samt Ziel permanent vor Augen hat…

… so wie in dem Fall das Kemptener Naturfreundehaus, dessen Erreichen bei üblem Unterzucker und hochsommerlichen Temperaturen heute echt eine harte Nuss war…

…so hart, dass die eine oder andere schöne Aussicht kaum noch gewürdigt werden konnte.

Bei der Hütte angekommen, mussten zunächst noch die Nachbarschaftsverhältnisse geklärt werden…

…dann ließen wir uns zur wohlverdienten Stärkung nieder und wurden nicht enttäuscht: Bei der Portion hätte glatt noch ein Bernhardiner mitfuttern können!

Mit neuer Energie ausgestattet packten wir noch den Gipfel des Gschwender Horns und sogar den langen Abstieg in praller Sonne…

…die einzige Etappe, auf der ich mich heute besser schlug als mein Hund!

Dank einiger Bäder in Viehtränken hat Pippa dennoch tapfer durchgehalten…

…und geschafft und zufrieden kamen wir beide wieder beim Parkplatz an.

Game over!

Für die Madame hieß es, 2 Stunden bis München gemütlich auf der Rückbank durchratzen, während ihre verklebte, müde Chauffeuse erneut Fußarbeit leisten musste (wg. Landstraßen, Traktoren, LKWs, Entenfamilien).

Schön war’s im Allgäu, wir kommen auf jeden Fall wieder – der Grünten fehlt uns noch und auch Oberstdorf müsste man sich ja endlich mal im Sommer anschauen.

Als irgendwo hinter Huglfing der erste Blick auf Heimgarten, Jochberg und Benediktenwand möglich ist, da kriecht es massiv in mir hoch: Das Gefühl von Heimat, von Nachhausekommen, von Zugehörigkeit. Je älter ich werde, desto häufiger und deutlicher spüre ich das. Vor nicht allzu langer Zeit war mir das noch peinlich, mittlerweile kann ich es genießen.

Eine gute Nacht wünscht

Die Kraulquappe.

PS: Ach ja, liebe Allgäuer, erklärt mir doch bitte mal, was ein „beschaulicher Fußgänger“ sein soll?! Wir haben das Strandpromenaden- und Badevolk gründlich beschaut…

… und waren recht froh, dass wir kein Miteinander mit denen hatten.

Himmel der Bayern (22): Gipfeltreffen.

Und gleich das nächste blind date – heute: Mr. Speedhiking, WordPress-Weggefährte seit ungefähr anderthalb Jahren und Top-Kommentator auf meinem Blog (bis dato 136 Kommentare, nur 1 weiterer fehlt noch zu meiner Lieblingszahl!).

„There’s no debate, we need a date“, kommentierte er flugs, kaum war das Kraulquappe-meets-hikeonart-Wochenende vorüber.

Gesagt, getan.

So kam’s dann heute, bei besten Bedingungen unter dem Bayernhimmel (sehr heiß, aber gottseidank ein Lüftchen und ein paar Wolken dazu), zum Gipfeltreffen in den Ammergauer Alpen.

Herr Speed hatte sich vernünftigerweise schon gestern speedmäßig ausgetobt – denn der heutige Bergtag mit zwei Frauen an der Hacke (1x müde und mit Schulterschmerzen, 1x schlapper Hormonjunkie) und nur 700 Höhenmetern Tagesleistung wäre dafür nicht geeignet gewesen (gleichwohl als Trainingsgelände mehr als passend).
So konnte er sich voll und ganz auf seinen ersten Einsatz als Wurst-Lieferant und Träger eines scheinträchtigen Dackelfräuleins konzentrieren und diesen mit Bravour meistern.

Pünktlich zur vereinbarten Minute rollten die Autos einmal von Osten, einmal von Westen kommend auf den Parkplatz. Zur Begrüßung wurde die Box mit den Mini-Wiener geöffnet – die beste Eintrittskarte in ein Hundeherz! – danach fix die Schuhe geschnürt und los ging’s.

Schon nach wenigen Metern schien es, als solle mein Plan, den Pürschling via Schleifmühlenklamm zu besteigen, heimtückisch torpediert werden. Ein Schild verstellte uns den Weg: „Durchgang gesperrt – Erdrutsch und Brückenarbeiten.“ Vermutlich ein perfide arrangierter Versuch von Herrn Speed, a) meine Flexibilität oder Risikofreude zu testen oder b) die Unerlässlichkeit seiner eigens für diese Unternehmung besorgten topografischen Wanderkarte zu demonstrieren?

Er endete mit dem Ergebnis, dass wir uns von Erdrutsch und Brückenarbeiten nicht abschrecken ließen, ebenso wenig von den hinreichend bekannten Zeitungsmeldungen, die solchem Übermut ja gern folgen („Tragisches Ende eines Ausflugs: Kleine Wandergruppe in Schleifmühlenklamm gestürzt, da die Warnhinweise der Gemeinde ignoriert wurden“).
Spaß beiseite, man hätte jederzeit umkehren können, die Klamm ist ziemlich harmlos. Von Erdrutsch war nirgends etwas zu sehen. Und die Brückenarbeiten bestanden aus einem fehlenden Brückenbodenstück, an dessen seitlicher Einfassung balancierend man aber mühelos die 2 Meter große Lücke überwinden konnte.

Nach einigen Badepausen für das hechelnde Dackeltier erreichten wir das Josephskircherl.

Hier durften sich Herrn Speeds treuer Berggefährte Dr. Schmitt und Pippa erstmals beschnuppern und ausgelassen spielen. Zugegebenermaßen etwas zum Nachteil von Dr. Schmitt, dessen Kopfschmuck anschließend ein wenig derangiert wirkte, aber das ließ sich mit ein paar Handgriffen wieder richten.

Fast auf dem Pürschling angekommen nutzte Pippa unseren Abstecher zum Gipfelkreuz für eine schamlose Plünderung des Speedhikingschen Rucksacks (vermutlich handelte es sich bei der Beute um mindestens zwei weitere Mini-Wiener)…

… so dass wir die Beine und unser Gepäck unter den Arm nahmen und dem Winken der Himmel-der-Bayern-Fahne zur nahegelegenen Alpenvereinshütte folgten …

… um uns dort zu einer ausgiebigen Pause niederzulassen.

Mit Zugspitzblick genossen wir die Hopfengetränke…

… sowie das in Bayern stets unvermeidbare Lokalkolorit …

… und fütterten den vom Winde verwehten Schneehasen, der in Sachen Jause bisher mit dem Ofenrohr ins Gebirge schauen musste (immerhin ins Wettersteingebirge).

Satt, zufrieden, ausgepowert und mit Kletten übersät lümmelten die beiden dann einträchtig auf der Wiese herum…

… bis es schließlich „Kompanie, Marsch!“ hieß und wir wieder ins Tal abstiegen.

Alle anderen Details zum heutigen blind-date-mountain-trail wie neueste User Manuals zur Mechanik des Alpwesens, beeindruckende Excel-Tabellen mit unseren Gehzeiten, Anzahl der Badestopps inkl. Wassertiefe und -temperatur u.v.m. werden mit Sicherheit in Kürze hier nachzulesen sein.

Schee war’s!

Herzlichen Dank an Hr. Speed & Dr. Schmitt für den schönen gemeinsamen Wandertag!

(Man beachte den Untertitel! Schön, dass man da jetzt auch mal war.)

Himmel der Bayern (20): Die Zwiebel bzw. mein Beitrag zur Blogparade „Heimatorte“.

My Hometown.

Meine Dog&Blog-Freundin Andrea aus Braunschweig hat vor einiger Zeit zu einer Blogparade aufgerufen. Bislang habe ich einen Bogen um die Beteiligung an Awards und Paraden gemacht, ungefähr einen so großen, wie ich ihn um Kettenbriefaktionen, Treuepunktesammeln im Supermarkt oder Gewinnspiele à la „Lebenslange Sofortrente“ mache.

Andreas Aufruf zur Blogparade „Heimatorte“ aber berührt etwas in mir, das mir erst vor einiger Zeit als wichtiges, vielleicht sogar zentrales Thema in meinem Leben bewusst geworden ist: das Verhältnis zu meiner Heimat, zu München und Oberbayern. Vor allem im Augenblick beschäftigt mich das wieder sehr, da ich gerade einen Umzug hinter mir habe – zwar „nur“ vom Westen Münchens in den Süden, aber für jemanden wie mich ist selbst das schon ein großer Schritt und eine weitreichende Veränderung. Die Heimat-Orte haben gewechselt: es galt, Abschied vom vertrauten Umfeld zu nehmen und sich auf das Ankommen in der neuen Gegend einzulassen.
So definiert sich durch den Umzug momentan wieder ein Teil dessen, was Heimat für mich ausmacht, ganz neu.

Also, liebe Andrea, ich beteilige mich gerne an deiner Blogparade, wenn’s auch auf den letzten Drücker ist, da sie ja in drei Tagen endet.
Hier ist meine Geschichte!

Seit du die Blogparade gestartet hast, dachte ich zwischen Ausmisten und Kistenpacken immer wieder darüber nach, wo und wann in meinem Leben eigentlich das Heimatgefühl geboren wurde. Und fand heraus: Seine Wiege steht im Süden von München, in meiner frühen Kindheit, und geschaukelt wurde sie von meinem Papa.

Mit dem Papa in Siebenhütten.

Mein Vater hatte den Niederrhein, seine Herkunftsgegend (wie ich es mal im Unterschied zu „Heimat“ bezeichnen möchte), nach dem Abitur verlassen, es zog ihn schon immer nach Bayern, genauer gesagt nach München (zu Bier, Brezen, Bergen). Als Chef des Bayerischen Jugendherbergswerks fand er dann einen Beruf, in dem er sich gleich noch enger mit dem geliebten Bayernland verbinden konnte: Ständig waren Herbergen im Neu- oder Umbau, häufig war er zwischen Mittenwald und Bad Kissingen, zwischen Donauwörth und Passau unterwegs. Oft nahm er meine Mutter und mich zu diesen Dienstreisen mit. Und wenn er das nicht tat oder tun konnte, wurden nahezu jedes Wochenende Ausflüge gemacht.

Hängengeblieben sind in meiner Erinnerung nicht etwa Schlösser, Kirchen oder andere städtebauliche Eindrücke, sondern Erlebnisse wie:

  • das Gefühl der ersten Lowa-Bergstiefel an meinen Füßen (und wie ich damit die vielen Holzstufen im Münchner „Sport Schuster“ Probe gehen musste/durfte)
  • der Geruch des smaragdgrünen Walchensees bei meinem Sturz in selbigen (als ich im Alter von 3 Jahren keine Schwimmflügel mehr anziehen wollte und auf dem Boot zu sehr rumzappelte)
  • der Geschmack der großen Eisportionen im Sollner „Monreale“ oder Neuhauser „Sarcletti“ (mit meinem Vater durfte man immer mehr als 3 Kugeln bestellen)
  • das wohltuende Alleinsein auf einer Alm unterhalb der Notkarspitze mit Aussicht hinunter nach Ettal (meine Eltern ließen mich auf halber Wegstrecke sitzen, weil ich nicht mehr weitergehen wollte und nahmen mich auf dem Abstieg wieder mit)
  • der sprechende Beo in der Jugendherberge Saldenburg, der jeden seiner Sätze mit dem „Sigi“ von Bayern 3 ankündigte (eine prägende Melodie für alle hier Aufgewachsenen)
  • meine roten Clogs mit der lächelnden gelben Birne drauf, die ich mir in einem Würzburger Schuhgeschäft erquengelt hatte (und in denen man sich sofort Blasen lief)
  • die sabbernden Bernhardiner der Jugendherberge auf dem Kleinen Arber (die uns nach der Motorschlittenfahrt hinauf freudig begrüßten und mit ihren riesigen Zungen ableckten)
  • mein 10. Geburtstag im „Trimini“ in Kochel (das Freibad mit dem damals legendären Slogan „Heit trimm i mi im Trimini“ und der längsten Wasserrutsche überhaupt, heute zum Wellnesstempel verkommen)
  • mein 11. Geburtstag in der JH Sudelfeld (mit Mitternachtsparty draußen im Schwimmbad, mitten auf dem Berg)
  • all die anderen Kindergeburtstage an oberbayerischen Seen oder im Oberammergauer „Wellenberg“ (seinerzeit das größte Wellenbad im Land)
  • die Beerdigung unseres Wellensittichs Cocolino in Thalkirchen (am Hinterbrühler See, unter einer Trauerweide)
  • die Kaulquappen vom Leutstettener Weiher (die ich in einem Kübel auf unserem Balkon großziehen durfte, bis sie ausgewildert wurden)
  • das Füttern der Frischlinge im Forstenrieder Park (und auf dem Rückweg das Kuchenholen im Café Kustermann)
  • die Radltouren zur Waldwirtschaft (wo ich Schiffschaukeln durfte, bis mir schlecht wurde)
  • das Pilzesuchen in den Wäldern bei Buchendorf (mit genauen Erklärungen zu den Standortvorlieben der diversen Schwammerl, die ich bis heute nicht essen mag)
  • die Ruderbootsfahrten an Sommernachmittagen auf dem Starnberger See (weil man da ohne von Steinen zerpiekte Fußsohlen mit einem Satz ins Wasser springen konnte)
  • der Osterspaziergang auf dem Pullacher Höhenweg, bei dem wir die Dackelwelpen trafen (von denen einer unser erster Hund werden sollte)

Meinem Vater habe ich es also zu verdanken, dass ich kreuz und quer durch München, Oberbayern und Bayern geschleift wurde, auf Berge hinauf, in Seen hinein, durch Wälder hindurch – und dass er mich vertraut machte mit den ihm wichtigen Tierarten (Hund, Wildschwein, Vogel, Frosch).
Man rutscht da ja so hinein, als Kind. Wird hineinsozialisiert in diese Welt, ob man will oder nicht. Wählt nichts selbst aus (bis auf Clogs und Eissorten), trabt mit (lustlos oder neugierig), guckt, hört, riecht, fühlt, denkt so vor sich hin und wächst halt auf. In einer Umgebung, die einem mehr oder weniger Heimat ist und die man sich ebenfalls nicht ausgesucht hat. Wahrscheinlich hat das kontinuierliche Bemühen meines Vaters um das gemeinsame Unterwegssein hier in der Region bei mir den Grundstein dafür gelegt, dass ich heute behaupten kann, meine Heimat sowohl zu kennen als auch zu lieben (was sich ja stets gegenseitig bedingt).

Sowas wie ein „Heimatgefühl“ kristallisierte sich bei mir allerdings erst durch Distanz-Erfahrungen (Ortswechsel, Umzüge, Reisen) heraus. Zunächst noch eher schleichend und unbemerkt, mit dem Älterwerden drang es dann stärker in mein Bewusstsein. „Heimat“ ist für mich nicht intellektuell begreif- oder beschreibbar, denn mein Herz hängt weder an den Bayern an sich, noch an ihrer Sprache, noch am Schweinsbraten, der Wies’n, der Blasmusik, der ewig regierenden CSU oder all dem, was gemeinhin als „typisch bayrisch“ kursiert und kultiviert wird. „Heimat“ ist etwas zutiefst Emotionales – sei es nun positiv oder negativ besetzt. Die Ausprägung des Heimatgefühls findet man ganz leicht heraus, indem man weggeht und nach räumlichem/zeitlichem Abstand zurückkehrt – und dann einfach in sich hineinhorcht, welche Schwingungen diese Rückkehr erzeugt.

Meine Studienjahre in Würzburg bescherten mir erstmals dieses konkret positive Heimatgefühl. Jedes Mal, wenn ich mit meinem kleinen Ford Fiesta das letzte Stück auf der A9 gen München zuckelte, kam irgendwann diese Stelle, von der aus man erstmals in der Ferne den Olympiaturm erspähen konnte – und bei Föhnwetter dahinter auch die Silhouette der Alpen.
Jedes Mal empfand ich in diesem Moment pure Freude, ein Gefühl von Heimkommen, Verbundenheit und Verbindung mit dieser Stadt und ihrem Umland sowie die spürbare Gewissheit, dass ich „da hingehöre“: Nach München, zur Isar, ins südliche Oberbayern, zu den Seen und den Bergen.

Meine heißgeliebte Bergwelt bei Mittenwald.

Für meinen ersten Job bin ich wieder „nachhause“ zurückgekommen. Ich habe es also nie aus Bayern herausgeschafft und nehme mir das auch für meine zweite Lebenshälfte nicht mehr vor, weil ich hier genau am richtigen Fleck bin.
Wenngleich es immerhin zwei andere Städte gibt, in denen ich mir das Leben und Wohnen gut vorstellen könnte: Wien und Köln. An Wien mag ich den gemütlichen Rhythmus der Stadt, die vor sich hinzuckelnde rote Bim, die Donau, das Essen und die Sprache. An Köln mag ich den Dom, die Mentalität der Menschen, den rheinischen Frohsinn, den Dialekt und den Rhein.
Als Kind habe ich immer behauptet: „Wenn ich mal groß bin, heirate ich einen Rheinländer oder Österreicher, wohne in einem Haus in den Bergen und habe einen Hund.“

Mit dem Dackelfräulein in den Ammergauer Alpen.

Geheiratet habe ich einen Oberbayern (na gut, im ersten Versuch einen Mittelfranken), bin jetzt wieder im Münchner Süden gelandet, wo ich auch aufgewachsen bin (also einigermaßen bergnah), habe einen Dackel (wenigstens ein Kindheitswunsch, der zu 100% in Erfüllung ging) und da die Preise links und rechts der Isar einen Immobilienerwerb für uns ausschließen, werden wir immer in einer Mietwohnung leben (und uns damit trösten, dass ein Haus letztlich eh ungeeignet wäre, da das Dackelfräulein mit ihren Platzhirsch- und Buddel-Attitüden ganz sicher ein Zaunkläffer und Gartenterrorist werden würde).

Nun lautet der Titel der Blogparade nicht „Heimat“, sondern „Heimatorte“ (wenngleich Andreas Fragen sich überwiegend auf das Phänomen „Heimat“ generell beziehen), und im Nachdenken über den räumlich-lokalen Aspekt kam ich zu dem Ergebnis, dass „Heimatorte“ für mich wie eine Zwiebel sind.

Das Herzstück der Zwiebel ist mein Zuhause, meine Heimat im engsten Sinne: Die vier Wände, in denen ich lebe, der Balkon, mein eigenes Zimmer. Wenn’s hier nicht passt (warum auch immer), verfault das ganze Knollengewächs quasi von innen heraus. Ohne meinen festen Rückzugsort „daheim“ wäre ich verloren!
Folglich gehöre ich nicht zu den Menschen, die überall heimisch werden könnten, in Zelten oder Hotelzimmern oder Ferienwohnungen oder gar im Unterwegssein selbst, sondern ich bin passionierter „Wohner“. Zwar bewege ich mich genauso gern von meinem Wohnmittelpunkt weg, ich unternehme auch durchaus längere Reisen, dies aber nur vor dem beruhigenden Hintergrund, dass mir das Herzstück meiner Zwiebel erhalten bleibt und ich wieder heimkommen kann.

Monatelange Auslandsaufenthalte oder Auswander-Pläne sind meine Sache nicht. Das finde ich etwas schade, einfach wegen der Horizonterweiterung, die damit verknüpft wäre, aber für mich kommt das nun mal nicht in Frage. Ich bin mit meinem „oberbayrischen Horizont“ rundum zufrieden. Ich finde es hier so schön, dass ich gar nicht oft weg muss oder will. Meist genügt es mir, wenn ich mit Bergblick am Seeufer sitze und eine Breze verzehre oder umgekehrt: wenn ich mit Seeblick brezenessend auf einem Berggipfel sitze. Je nach Tageszeit noch ein Weißbier dazu und „ois bassd“, wie man hier sagt.

Ohne Breze in Dießen am Ammersee.

Zurück zu meinem Zwiebelmodell der „Heimatorte“. Die weiteren Schichten, die den Zwiebelkern umgeben, sind (von Kern ausgehend): das Haus & die Nachbarn, die Straßen rund ums Haus, die unmittelbare Umgebung, die Freunde in der Nähe, der Stadtteil & seine Bewohner, Geschäfte, Institutionen und schließlich die weitere Umgebung.

Ich habe mich mal vor Google Maps gehockt und geguckt, wo eigentlich die äußerste Schicht meiner Zwiebel liegt. Oder anders gesagt: Wo mein Heimatgefühl und meine Heimatorte enden. Es ist eine relativ klar umrissene Grenze: Nördlich ist kurz hinter Dachau Schluss, westlich bei Landsberg, östlich bei Wasserburg und südlich bei Mittenwald. So gesehen wohne ich gar nicht im geografischen Mittelpunkt meiner persönlichen Heimatzwiebel, sondern zu weit nördlich! Wenn ich das ernst nähme, sollte mich der nächste Umzug nach Königsdorf im Tölzer Land (und dort am besten in den Alpenblickweg 13) verpflanzen. Mal schaun. Vielleicht ließe sich dort ja das finden, was heutzutage ebenso intensiv wie verzweifelt gesucht wird: die innere Mitte 🙂

Bis dahin wohne und heimat(m)e ich einfach mal weiter vor mich hin, hege und pflege die kleine Heimatzwiebel, auf dass sie weiter wachsen, gedeihen und niemand ihre Schale anritzen möge, was ja bekanntlich zu Tränen führt.

Die hebe ich mir lieber für die Glücksmomente auf, in denen ich fühle: „Da bin i dahoam.“

(Von links nach rechts: 3x Karwendelgebirge mit Hund, Gatten und Rind, 1x Sylvensteinstausee mit Vorkarwendel, 1x Kochelsee mit Jochberg, 1x Dante-Freibad-Foto mit Erlaubnis des Bademeisters.)

Jetzt muss ich hier weiterwurschteln, damit das Heimischwerden voranschreitet!

Und nicht zu vergessen: Home is where your dog is!

Ein schönes Wochenende wünscht dir, liebe Andrea, und allen anderen Lesern und Blogparadenteilnehmern,
Die Kraulquappe.

Donnerstags zwischen Berg und Ammerland.

Empfehlenswerter 17 Kilometer-Spaziergang am Ostufer des Starnberger Sees.

Start: Schloss Berg. Ziel: Ammerland. (Und retour.)

Brandung vor der Kulisse des Wettersteingebirges und der Ammergauer Alpen

 

Ländliche Villa bei Allmannshausen

 

Die üblichen Scheiß-Ängste

 

Alte Fischerhäuser an der Uferpromenade

 

Das Pendant zum „Bett im Kornfeld“

 

Eröffnung der Badesaison 2017 dank Föhn und 20°C

 

Besser kann man Rettungswege nicht beschildern

Auf eine „fangfrische Brotzeit“ im Café „Fischermeister Gastl“ eingekehrt: Hunde herzlich willkommen, Pastinakencremesuppe köstlich, Torten & Kuchen sicher noch köstlicher, Preise nicht allzu starnbergerisch.

Ein bisschen störend nur das Pausenvolk des nahegelegenen Edel-Seminarhauses der Münchner Volkshochschule (Außenstelle Buchenried), diese Woche ein Mix aus: Pranayama, Stimmtraining, Trommelkurs und Burnoutprophylaxe für Manager. Alle furchtbar laut und atemlos.

Auf dem Rückweg wieder herrliche Ruhe. Und das an Weiberfastnacht.

[Kurz zuckt eine Erinnerung an alte Bürozeiten auf: Bunt glasierte und überfüllte Krapfen & klebrige Pappnasenheiterkeit im Innenhof der Firma, 30 Minuten Zeitgutschrift für alle – Helau! – ich vermisse nichts. Zumal ich sowieso nur Krapfen mit Hagebuttenfüllung mag, die es ja fast nirgends gibt.]

Gutes Überstehen der närrischen Zeit wünscht Euch
Die Kraulquappe.

Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl.

Beinahe Covergirl – wau!

Natürlich nicht ich, wo denkt ihr hin?

Pippa ist auf dem besten Weg, Titelblatt-Waldi zu werden! Zwar sind wir beide dunkelsaufarben, verfressen und sportlich, aber sie bekommt dafür deutlich mehr Anerkennung als ich.

Zweimal hintereinander hat sie’s nun in das Magazin „Dog&Travel“ geschafft.
Im August als Exklusiv-Star des Titel-Themas „München“ und heute, wie ich beim Erhalt meines Belegexemplars entdeckte, als zweite Haupt-Protagonistin des großen Alpen-Specials. Juhu!

Beim dritten Mal gelingt dann vielleicht der Sprung aufs Cover :-).

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Wer also knapp 5 Euro übrig hat, der sause zum nächsten gut sortierten Kiosk und schlage zu. Auf Anfrage signiert die Dackelmadame euer Exemplar auch gern – das macht sich dann besonders nett unterm Weihnachtsbaum.

Wem derlei Lektüre zu banal ist, der kann sich auch auf intellektuellere Weise der Dackologie widmen: Vor Kurzem ist im Springer-Verlag der Sammelband „Auf den Hund gekommen“ erschienen, in dem Pippa mit dem Beitrag „Der Dackelblick. Phänomenologie einer besonderen Hund-Mensch-Vergemeinschaftung“ vertreten ist.
Frei nach dem Motto: „Die genaueste Vorstellung von der Machtlosigkeit des Menschen haben zweifellos Gott und der Dackel.“ (Georges Mikes).

Wer sich weder für Hunde, noch für Dackel, Berge, München und Phänomenologie interessiert, der gucke einfach die Tage mal wieder hier vorbei – manchmal gelingt mir ja auch ein hundefreier Blogbeitrag.

Einen schönen Abend wünscht
Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (4): Sogar in Tirol.

4km jenseits der Grenze zum Freistaat:

Drei Tage zu dritt nachholen, was letzte Woche ins Wasser fiel. 

Kraxeln, Kühe, Kasnudeln. Karwendel eben.

Morgen: Falkenhütte.

Servus aus dem Rißtal, beim Warten aufs Alpenglühen –

Die Kraulquappe.

PS: Ein großes Dankeschön an unsere Trauzeugin D., die uns durchs Gießen der heimischen Balkonpflanzen den Verlängerungstag ermöglicht 🙂 !