Rudirallala und Holladrio.

Der September war schon immer mein Lieblingsmonat: Das schönste Licht, die wärmsten Farben, der Sommer noch spür- und sichtbar, auf dem Rücken eine hübsch geschwungene tan line einer langen Freibad-Saison (dieses Jahr sponsored by „Adidas Infinity“), die Biergärten, Hütten und Autobahnen langsam wieder leerer, und zum Ende des Monats hin – quasi als abschließende Krönung – noch der Geburtstag des verehrten Barden aus Freehold, NJ.

So war es ein Leichtes, bei überwiegend septemberlichem Kaiserwetter die viertägige Pressereise durch die Region Hall-Wattens zu absolvieren, zumal wir weder in einer Menschen-, noch in einer Hundegruppe unterwegs sein mussten, sondern individuell betreut wurden und all unsere Änderungswünsche stets berücksichtigt wurden (Lokalbesuch bitte nur außerhalb der gewohnten Gassizeiten, geführte Wanderungen bitte nicht nur auf popligen Themenwegen, sondern in alpinem Gelände, Besuch der Kristallwelten bitte am vernieselten Abreisetag und nicht am sonnigen Bergtag davor usw.).

Der Donnerstag ganz nach unseren Wünschen: Nach üppigen Hundekeks-Kostproben aus Silber-Etagèren am Vormittag…

…trainierte sich Fräulein Hund die angefressenen Kalorien am Nachmittag im Berggelände wieder ab…

…und wir waren ziemlich froh, dass wir uns schon eine gewisse Bergtauglichkeit erlaufen haben in diesem Jahrhundertsommer, der nun hinter uns liegt, denn auf den Schildern fehlten manchmal die Gehzeiten und an manchen Wegstrecken kamen die Warnhinweise auch ein bisserl spät, nämlich erst dann, wenn man bereits zwei Stunden die steilsten Bergwälder und Geröllfelder gequert hatte und sich doch allmählich wunderte, wann man denn mal endlich diese Hinterhornalm erreichen würde, die unten auf der Wandertafel am Parkplatz eigentlich eher unschwierig zu erreichen wirkte (ein Fehler, ohne eigenes Kartenmaterial gereist zu sein!).

Aber is‘ ja auch wurscht, wir hatten schließlich sonst nix zu tun, und so war der Weg tatsächlich das Ziel, wir dann allerdings doch froh, irgendwann die Alm auch mal erreicht zu haben.
Dort dann so erschöpft angekommen, dass für einen Augenblick unklar war, ob man jetzt vielleicht schon deliriert oder halluziniert und Trugbilder am Horizont sieht…

…was gottseidank nicht der Fall war, wie mir das Schnüffeln und Knurren des Dackelfräuleins unterm Tisch schnell verriet: Hinter der Hütte hausten in der Tat knuffige Alpakas, die immer mal wieder um die Ecke lugten und denen beim Kauen zuzusehen eine wahre Wonne ist (diese Zähne! der bewegliche, beinahe frei schwenkbare Unterkiefer!).

Wir ließen uns nieder und ruhten, guckten hinüber zu den Zentralalpen, hinunter nach Wattens und Hall, tranken ein heimisches Weißbier, da die Tiroler kein eigenes haben, das schmecken täte, weshalb sie gleich das unsrige importieren.

Ruhen taten wir auch unten in der historischen Altstadt ganz gern…

…weil man sich zwischendrin ja einfach mal von der Kopfsteinpflasterlatscherei, den vielen Fotoshootings und all den Eindrücken erholen muss.
Und selbst in solchen Momenten konnte man sich neuer, beeindruckender Wahrnehmungen nicht entziehen.

Tiroler Schnäppchen: Halber Preis, doppelte Größe?!

Hall ist übrigens ein Einkaufsparadies, wenn man der Shopping-Typ ist oder zumindest ein passionierter Schaufensterbummler. Leider bin ich beides nicht, ich hatte dafür bislang entweder nicht die Zeit oder das Geld (oder keins von beidem) oder die Muße oder überhaupt das Bedürfnis – und seit wir einen Hund haben, kommt diese Art „Ausgang“ sowieso nicht mehr vor, außer man braucht neue Gassigeh-Treter oder eine neue Funktionsjacke oder endlich mal eine wirklich regendichte Hose.

Zum Abschluss dann am Freitag noch die unvermeidbaren „Kristallwelten“, Österreichs am zweithäufigsten besuchte Sehenswürdigkeit (nach Schloss Schönbrunn), ein Eldorado für nach buntem Kitsch und teuren Klunkern lechzenden Amerikanern und Indern (und anderen).

An der Kassa erhalten wir ein hinterlegtes Ticket, das einen an der langen Schlange vorbeilässt und direkt zum Schlund des Riesen schleust…

…dahinter wartet schon ein lispelnder, schwuler, niederländischer Scherge, der einem eine Privat-Einführung in die 17 Wunderkammern gibt, die einen in dieser Glitzerwelt erwarten.

Es ist dann besser als gedacht, viel besser sogar, also zumindest wirklich so gut, dass man an einem Regentag und noch dazu für umme da glatt hingehen und sich diese wahnwitzigen, schrillen, mehr oder minder ästhetischen, knallig-kitschigen und jenseits aller Budgetreglementierungen designten Erlebnishöhlen zu Gemüte führen kann.

Kristallwelten / Wunderkammer (1)

Kristallwelten / Wunderkammer (2)

Kristallwelten / Wunderkammer (3)

Ein paar preiswertere Stücke in der Shopping-Area der Kristallwelten.

Kristallweltenwolken vor echten Wolken vor Tuxer Alpen.

So sagten wir also vorgestern Hall und seinen Bewohnern „Servus, danke für alles & schee woars!“:

Nette Menschen, gutes Essen, hübsches Städtchen, tolle Bergwelt – das Dackelfräulein und ich hatten wirklich einen Spaß und eine Freude dort. Vielleicht kooperiert man demnächst mit den Hallern und schreibt noch einen Beitrag für deren Touristenmagazin übers bayerisch-tirolerische Grenzgebiet, das zu durchstreifen ja ein Hochgenuss ist, aber bis es so weit ist, spitzen wir nun den Bleistift und schreiben die Notizen zu der feinen, kleinen Reise mal ins Reine.

Gut gelaunt gondelten wir über den nebligen Achenpass wieder hinüber ins heimatliche Bayern, machten noch einen Zwischenstopp im Tegernseer Tal und dann ab nachhause, wo jetzt der Fünfer-Looping und alles andere fertig aufgebaut vor der Haustür steht und einen sogleich dran erinnert, dass man in gut einer Woche schon wieder das Weite suchen wird dürfen.

Beim Auspacken fiel mir dann nach Jahrzehnten das Lied aus Kindertagen wieder ein, das der Papa manchmal sang, wenn wir in Felix Austria unterwegs waren:

Wenn’S scho a Kriagal intus ham, hearn’S ruhig nei und wenn ned, dann hoid ned 🙂

Hall_uzinationen.

Diese Reise hat beinahe etwas Unwirkliches: Wenn wir nicht gerade von netten Tiroler Bergführern oder freundlichen Menschen vom Tourismusverband umhergeführt oder verköstigt werden, sitzen wir bei 30 Grad unter Palmen, gucken uns staunend um und können diese unglaubliche Bergwelt, die uns hier in Hall umgibt, einfach nicht fassen.

Und um sie vielleicht doch fassen zu können, gehen wir los – hinauf, hinab, hinüber, herum – und dennoch bleibt sie unfassbar.

Obwohl ich das Karwendel kenne, obwohl ich da einst komplett drübermarschiert bin und jedes Jahr Touren dort unternehme, obwohl mir all das ja eigentlich so vertraut ist, ergreift mich der bloße Anblick, die herbe Schönheit und die weiße, leuchtende Schroffheit dieser Kalkalpen immer wieder zutiefst: Verneigen möchte mich vor dieser stillen, gewaltigen Erhabenheit – oder aber meinen Tränen freien Lauf lassen.

Nirgendwo war ich je so verbunden mit Gesteinsmassen, nirgendwo je so verbunden mit dem, was man gemeinhin „Seele“ nennt. Allein dafür hat sich’s gelohnt, diese Einladung anzunehmen. Ob ich hernach in der Lage sein werde, einen Artikel darüber zu schreiben? Ich weiß es nicht.

Über das Innerste zu schreiben, das kostet stets so viel Kraft. Gelingt es, entsteigt man gestärkt seinem eigenen Text. Aber der Zeitpunkt, um hineinzuspringen in dieses noch unsortierte, aufgewühlte Wörtermeer, da hineinzuspringen und es erst zu zerteilen und dann zusammenzusetzen (und dies mehrfach, und manchmal so lange, bis man fast nicht mehr kann, und dann doch weiterzumachen, weil man auch nicht aufhören kann damit) – dieser Zeitpunkt, den wählt man nicht, sondern er erwählt einen.

Man spürt es sofort, wenn es soweit ist.

Und bis dahin sortieren wir eben Fotos.

Das Dackelfräulein besucht die erste Hundeboutique.

Madame Hund testet Gebäck in der zweiten Boutique.

Pippa gähnt Wolfi, den Coiffeur in der Bellness-Oase, an.

Kraxeldackel im Südkarwendel: SB-Theke in der Knappenkammer unterhalb des Lafatscherjochs.

Tiroler Landesfarben hinter Teckel auf 1.601m Höhe.

(Und bevor jemand fragt: Nein, wir, resp. ich, mögen Hundeboutiquen überhaupt nicht. Wir müssen da halt hin. Das ist nämlich eigentlich gar keine Pressereise, sondern eine Fressireise.)

S’Glück is a Vogerl…

… – wie’s in Österreich so schön heißt – und in diesem Sinne fliegen wir morgen dann mal los zu unserer kleinen Pressereise nach Tirol, wo wir auf ein paar schöne Tage, Erlebnisse, Eindrücke und Fotos hoffen, so dass im Anschluss ein feiner Artikel draus werden kann.

Das Fräulein in Vorfreude auf die Bellness-Oase.

Das Rad des Lebens dreht sich recht munter im Moment, größere Loopings brauch‘ ich dieses Jahr allerdings (nach allem, was so war und ist) keine mehr…

…irgendwelche Höllenfahrten schon gleich gar nicht…

…stattdessen gucken wir lieber der Lebensfreude unters Röckchen…

…oder bei einem Glaserl Gerstensaft in den Himmel der Bayern oder der Tiroler hinauf.

Slogans, die man sich zu Herzen nehmen sollte.

Sie hören von uns & haben auch Sie einen freudigen Wochenstart!

Kontextuell.

Wir liegen in den letzten Zügen, der Handwerksfreund und ich.

Der Flur stinkt nach Paketklebeband und Styropor. Eine halbe Stunde lang haben wir die demontierte, brutal schwere, undichte Duschtrennwand (erst vor 2 Wochen gekauft und montiert) gemeinsam in den Karton der neuen, heute gekauften und hoffentlich dichten Duschtrennwand gezwängt. Styropor zum Abpolstern der Glasscheiben, meterweise Klebeband zum Verzurren der Retoure.

Gezwängt, weil die neue Trennwand 10cm kürzer ist als die bisherige. Da muss man tricksen: unterm Bett schlummern noch ein paar Umzugskartons, flugs wird das Teppichmesser gewetzt und ein Deckel daraus geschnitzt. Wie eine Mumie lehnt das Trum nun im Treppenhaus, bis Hermes, der Götterbote, es in ein paar Tagen abholt.

Der persönliche Orbit ist zusammengeschrumpft auf 1300cmx1400cm, glasklar, dreiteilig, zweifach faltbar, angeblich bruchsicher.

Aber wenn nun alles gut geht, kann ich bereits an meinem Geburtstag überschwemmungsfrei duschen. Was könnte man sich zum 46. sehnlicher wünschen? Dank des geschrumpften Orbits fällt mir da nichts weiter ein.

Fertig. Bald sind wir fertig.

Beim müden Entlangsschlurfen am Rande der Lindenallee, die die Theresienwiese säumt, fällt mein Blick auf die Lehne einer Parkbank. „Sense“ steht darauf. Ja, mit dem ganzen Gewerkel ist jetzt bald Sense, denke ich, und schlurfe weiter. „Fuck“ steht auf der Lehne der Parkbank daneben. Jawoll.

Erst auf dem Rückweg, als wir erneut an den beiden Parkbänken vorbeikommen, kommt mir der Gedanke, dass „sense“ ja auch „Sinn“ bedeuten könnte. Vor allem, wenn nebenan in derselben Sprayfarbe und Schriftart „fuck“ zu lesen ist.

Kontextuelle Wahrnehmung, nach 7 Wochen Wohnungsrenovierung.

Fucking sense & time to have a refreshing shower.

Eine Blume zum Abschied.

Vierte Woche in Folge drei Tage gerödelt – und wieder ist kräftig was vorangegangen im neuen Zuhause.

Heute die gesamte CD-Sammlung aus den Kartons geholt und in die frisch montierten Regale eingeräumt. Überhaupt: den letzten Karton ausgepackt!
Erste Bilder zieren bereits die Wände. Die Küche hat nun ein Deckenlicht und der Gatte ein maßgeschreinertes und wunschgemäß lasiertes Buchablagesideboard überm Bett. Das Dackelfräulein hat in der neuen Küchenzeile einen Liegeplatz eingerichtet bekommen, von dem aus der gierige Blick direkt auf die Anrichte geworfen werden kann, ohne sich den Hals zu verrenken.
Es wird wohnlich.

In den Pausen, die der Handwerksfreund und ich gelegentlich im „Privatgarten“ vor der Haustür verbringen (also am Rande der Wiesn), fand sich manchmal sogar ein bisserl Zeit für Speed-Sightseeing…

… ich mein, schließlich soll er ja auch was mitkriegen von der schönen Metropole, in der er da werkelt (man hat ja hier durchaus mehr zu bieten als die diversen Münchner Biersorten im Kühlschrank!).

Und dass das hier überwiegend richtig rund läuft, das merkt man vor allem an Kleinigkeiten.

Wenn „Service“ beispielsweise nicht nur ein leeres Wort ist, sondern wirklich gelebt wird – und zwar selbst innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Fäschprrzeiten Pausen!

Das Gebäckstückchen aus der Hofpfisterei hat offenbar gemundet – beschwingt und gestärkt ging’s zurück an die Bohrmaschine, ich kam mit dem Staubsauger kaum hinterher.

Die abschließende Fäschprr am Abend wurde gern genommen (die klassische Handwerker-Brotzeitplatte: Südtiroler Schinken, Essiggurken, ein paar Tomaten drumrum, dazu ein kräftiges Ciabatta und ein würziges Feierabendbier) und irgendwie gelingt’s dem Handwerkerfreund jedes Mal aufs Neue, zum Abschied ein krasses Gewitter zu bestellen, so dass man’s nicht übers Herz bringt, ihn mit seinem schweren Gepäck zur U-Bahn marschieren zu lassen, sondern ihn zum Bahnhof fährt.

Aber das tut man auch wirklich von Herzen gern, erst recht, wenn einem zum Abschied noch völlig überraschend ein Blümchen überreicht wird:

Die sog. Handwerker-Rose: Ein Staubpinsel aus feinstem Ziegenhaar! Wie passend! Was hab ich mich gefreut!

Jetzt machen wir aber mal eine Woche Pause.
Schnaufen durch und brüten die Pläne für den Endspurt im Juni aus.
Sie wissen ja: Zum Geburtstag habe ich mir gestern spontan ein neues Bad gewünscht.

Vorher wird noch der Flurschrank innen ausgebaut (die eklige, abblätternde Schranktapete im Inneren entfernt, ebenso die windschiefen, versifften Bretter) und die sogenannte „Kleinkram“-Liste abgearbeitet (ein trügerischer Begriff übrigens, entpuppt sich doch jeder zweite Punkt dieser Liste unerwartet als Herausforderung).

Bleiben Sie also dran & für heute einen schönen Abend & an Mr. Speed besten Dank für Fleiß und Schrank!

Tomorrow will be too late…

…sagte sie, kippte den Sicherungsschalter wieder um (da es eigentlich ganz danach aussah, dass er die Küchendeckenleuchte bereits erfolgreich angeschlossen hatte) und nahm endlich, endlich ihr BOSE-Soundsystem in Betrieb, das nun auf dem zuvor endlich, endlich geradegerückten und befestigten Regal in der Diele thronte.

Es musste Elvis sein, denn draußen flirrte der Sommer, während die beiden hier drinnen zwischen Eckregalschreinereien, Alukantenprofilleisten, Schrankjustierungen, Aufputzsteckdosen, Koch- und Putzarbeiten und Deckenbeleuchtungen vor sich hin schwitzten.

Als „Wooden heart“ ertönt, steigt er doch glatt kurz von der Leiter hinunter und kommt kichernd in die Diele gelaufen, wo sie steht und vor sich hinsingt – „treat me nice, treat me good, treat me like you really should, ‚cause I’m not made of wood“ (genau!!!) – und er merkt an, dass das im Original ein schwäbisches Lied sei, was sie natürlich weiß, denn deshalb hat sie’s ja aufgelegt.

Danach noch „It’s now or never“ in schlagbohrerübertönender Lautstärke und dann packt sie die Leine und führt das Dackelfräulein zum mittäglichen Bade an die Isarauen (nicht ohne ihm vorher noch einen frischen Erdbeerquark zu servieren).

Es geht voran!

*****

Und soll ich Ihnen was verraten?!?
Vorhin hab ich ganz spontan zu ihm gesagt: „Wissen Sie was? Zum Geburtstag wünsch‘ ich mir ein Bad von Ihnen!“. Er ging bislang von einem Schlüsselbrett aus, aber Wünsche können sich ja ändern, was er als erfahrener Handwerker/Lebensgefährte natürlich eh weiß.

Da die Münchner tz heute schrieb, dass Handwerker immer teurer werden (wovon ich ein Lied singen kann, und zwar nicht „Wooden heart“!) und was man tun muss, um diesen Schmerz abzuschalten, dachte ich, ich äußere diesen Wunsch mal lieber früher als später (also solange die alten Konditionen noch gelten und bevor der schwäbische Preishammer zuschlägt).

Genießen Sie den schönen Sommertag!

Bis bald und herzliche Grüße
Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (39): Ozapft is.

Noch nie zuvor im Leben einen ersten Arbeitstag gehabt mit a) 66km Anreise zu einem Herzensort, b) ausgelatschten Trekkingsandalen an den Füßen und c) einer Kiste voller Sport- und Arbeitsklamotten für die kommende Saison im Kofferraum.

Das Tölzer Land empfängt mich gestern – entgegen der frühmorgendlichen Wetterprognose! – mit blauweißem Bayernhimmel über der Benediktenwand…

…und am vertrauten Wanderparkplatz ist erstmals keine Gebühr zu zahlen…

…sondern ein Zettel hinter die Windschutzscheibe zu legen, der mich als Mitarbeiterin der Berghütte ausweist.

Die Wirtin nimmt mich und mein ganzes Glump von dort aus mit nach oben. Der Dienst beginnt quasi mit dem Zuschlagen der Jeeptür, denn ab da geht’s los mit dem Input und den zahlreichen Infos.

Mein Personalkammerl, das ich nach Ankunft beziehen darf, ist vergleichsweise luxuriös…

…und sogar mit eigenem Bad (samt warmer (!) Dusche) ausgestattet.

Die Einarbeitung dauert keine 15 Minuten und besteht aus dem Satz „Am besdn is lörning bei duing, des hod si hier herobn allwei bewährt“, einer Ultrakurzeinführung in die Bedienung der zwei Spülmaschinen und einem Blitzrundgang durch die gesamte Hütte.

Dann sind wir auch schon mittendrin im Arbeitsmarathon – und ich bin saufroh, durch die Umzugswochen bereits einigermaßen trainiert zu sein…

…weil so eine Großküche, die fordert einen scho gscheid und als allzu verzärtelter Städter hätt‘ man da eher schlechte Karten.

Nach etwa einer Stunde sitzt die Geschirreinschichttechnik…

…und man hat kapiert, warum in der Küche geschlossene Schuhe mit gutem Profil das einzig Wahre sind.

Für Zimperlichkeiten ist hier ohnehin weder Raum noch Zeit…

… – der Schweinsbraten muss um 18 Uhr resch und in einer Stückzahl aus dem Rohr kommen, dass es einem zunächst ein Rätsel ist, wie das eigentlich parallel zu all dem anderen Gewurschtel gelingen soll.

Die knappen Pausenzeiten richten sich ganz nach Witterung und Gästeandrang (@Hr. Speed: nix 5x am Tag Fäschprr nach Belieben oder gar mit a paar Minuten Kontemplation inklusive!), und man lernt extrem fix, die wenigen Lücken effizient zu nutzen, weil sonst verhungert man nämlich…

…während sich die Gästeschar drumherum spinatknödelrund frisst.

Was einem als Mitarbeiter aber schon auch passieren könnte, da man jederzeit Zugriff auf die frisch gebackenen Kuchen hat…

…daher dreh ich dem Süßkram lieber schnell den Rücken zu und erarbeite mir einen Platz am Ausschank.

Mein persönliches Highlight des Tages: Nach einigen Stunden Durchschuften steh‘ ich dann irgendwann tatsächlich allein an den 7 Zapfhähnen, der bräsige Hüttenhund Tessa vom Nibelungenblut liegt zu meinen Füßen (oder besser gesagt: mitten im Weg), bediene eigenständig einige Gäste sowie die Kasse, fülle ohne Überschäumen drei Russn in Maßkrüge ab und aus dem Küchenradio dröhnt Bruce Springsteen hierüber.

Ja, das war ein prima Gefühl! So konkret und unmittelbar: einfach Dastehen und Machen – und kein langes Gefasel und Gegrübel!

Der Wirt ist recht zufrieden mit meiner rasanten Karriere und weil eh grad zwei Fässer leer sind, weiht er mich gleich noch ins Ozapfn ein und bekräftigt dabei zum x-ten Mal, dass ich keine Hemmungen haben solle, mich am Faß zu bedienen („…wannsdes verdrogst“).

Aber schon kurz drauf komm‘ ich wieder an meine Grenzen, als die Stamperl mit dem Hochprozentigen befüllt werden sollen (eine neue Begriffswelt tut sich auf: „Gebirgsenzian“, „Hirschkuss“, „Willi“ u.v.m.)…

…es gibt also noch viel zu lernen da herobn.

Hoff‘ ma nur, dass der Ellbogen es auch mitmacht!

[6:30 Uhr, am Tag nach dem Einstand: Wenn da Hahn kräht aufm Mist, woaßt, dass’s Zeit zum Aufstehn ist.]

Consummatum est.

Oder: perfectum est.

Handgesägt und holzdübelverbunden hochgepäppelt.

Die zu wenig überdachte Skizze der Kundin ließ sich mit etwas Mühe und gutem Willen dann doch umsetzen.

Die neue Arbeitsplatte, dem Aufbügeln der Kantenstreifen harrend.

Bei schwülwarmen 27 Grad fließt der Schweiß in Strömen, auch schon ganz ohne Handwerken.

Der Herkules Handwerksfreund aber schraubte und sägte unbeirrt weiter. Den ganzen, heißen Fronleichnamstag lang.
Ich sorge für regelmäßige Pausen und Stärkungen, kleine Ortswechsel und Rekreationspläuschchen, zwischendurch putze ich in mehrmals am Tag den Montagestaub weg.
Nur ganz selten darf ich mal mit anpacken – so eine Arbeitsplatte in 2,20 Meter Länge kann man(n) nämlich tatsächlich alleine tragen, obwohl es sich zu zweit besser rangieren (aber halt nicht so laut schnaufen) lässt.

Zeitgleich mit dem ersten Donnerschlag des spätnachmittäglichen Hitzegewitters über München ist es dann vollbracht!

Das Dackelfräulein und Dr. Schmitt dürfen sich auf die frisch geschreinerte neue Küchenzeile setzen…

…einen Pommery zwitschern und – auf Augenhöhe! – der Hausfrau beim Kochen zugucken.

Nach einem letzten Abendmahl und fahren wir den tapferen Handwerkshelden mit Schnittwunden an den Händen und Sägespänen im Haar (aber satt und zufrieden!) im tosenden Unwetter zum Bahnhof, geben ihm nach größten und herzlichsten Danksagungen zu seinem Salär noch etwas Lektüre für die Heimfahrt mit, wünschen eine angenehme Heimreise ins Allgäu und gute Erholung am Wochenende!

Und sollte Ihnen etwas fehlen, delektieren Sie sich einfach ein wenig an diesem erfrischenden Handerwerkerfilmchen, das definitiv Lust auf MEHR macht. Wie schön, dass wir in unserem Projekt „Vivat Bavaria!“ erst Halbzeit haben, nicht wahr?

In diesem Sinne: Man sieht sich!

Und hiermit verabschiede auch ich mich für die nächsten Tage, denn morgen ertönt erneut frühmorgens die Werkssirene (diesmal allerdings ausschließlich für mich). Da stürze ich dann mich mit meinem lädierten Ellbogen, aber ansonsten topfit dank des täglichen Trainings durch die Umzugs- und Handwerkswochen in meinen neuen Job als Saisonarbeiterin hoch droben aufm Berg.

Sollte das WLAN dort funktionieren und ich abends nach getaner Arbeit nicht im Stehen am Hüttengatter einschlafen, sende ich Ihnen ein paar alpine Arbeitsimpressionen, ansonsten hören wir uns nächste Woche in alter Frische.

Ihre Kraulquappe.

Lovely things.

Mit schwerem Rucksack und einer verheißungsvoll betitelten Tragetasche spazierte der Handwerksfreund gestern vom Münchner Hauptbahnhof zu seinem Einsatzort…

…drin aber nur ein neues Schrauben- und Dübelsortiment, sonst keine spannenden Mitbringsel für die Damen des Hauses.

Kurze Fäschprr (Vesper) und dann ab in den Baumarkt, wo ich mittlerweile kleine Aufgaben übertragen bekomme und eigenverantwortlich erledigen darf – gestern: Schleifpapier in 4 Körnungen besorgen. Eigentlich nichts weiter als ein fieser Trick, denn so wird man(n) die Frau für mindestens 20 Minuten los…

…und kann in Ruhe den ganzen Bretterkram besorgen.

Bevor’s dann so richtig losgeht, wird die Kundin noch mit zwei lang ersehnten Haken ruhiggestellt…

…und schon beginnt das Dauergesäge.
Abends steht dann der Sockel und die Arbeitsplatte darf bereits probeweise auf der Konstruktion nächtigen.

Mittwochmorgen.

Seit kurz nach 8 Uhr jault die Säge wieder vor sich hin, ich schleppe die Tagesration Getränke und Verpflegung ins Haus. Am Vormittag ersucht der Handwerksfreund um einen zweiten Baumarktbesuch – er braucht ein anderes Sägeblatt. Teures Teil, aber einen super Namen hat’s: „Craftomat“. Überhaupt haben sie dem Werkzeuggeraffel ja tolle Namen verpasst: „Herkules“, „Wolfcraft“ usw., soll ja schließlich den Käufer auch emotional ansprechen.

Tut es auch, er strahlt übers ganze Gesicht. Spontan schenken wir ihm das funklende Silberstück vorweg zum Geburtstag. Darauf erstmal ein „Jever fun“ (zur Zweit-Fäschprr)!

Die Tiere machen ebenfalls ein Päuschen und ich verzieh‘ mich jetzt ins Schwimmbad, da ich hier eh nur störe.

Dr. Schmitt bewacht die Konstruktionsskizzen und die To-Do-Listen.

Das Dackelfräulein bewacht die Sägestation auf dem Sonnenbalkon.

Kann man jetzt nicht meckern: die Männer arbeiten und man selbst schwimmt mal ein bisschen im güldenen Wasser des geliebten Freibads ein paar Erholungsrunden.
Trotz der vielen Planung, Arbeit und Ausgaben irgendwie eine durchaus erfreuliche Lebensphase!

Der Haken an der Sache.

Der Haken an der Sache ist der, dass man sich zunehmend so in das ganze Projekt verschraubt, dass man sich im tiefsten Werkel-Flow auf einmal an den dollsten Kleinigkeiten aufhängt, ja geradezu hineinsteigert!, und dann plötzlich feststellt, dass man jetzt womöglich mehr Haken hat als Aufzuhängendes, aber wer weiß, was die Zukunft einem noch alles aufbürdet, bei dem’s einem eine Wohltat sein wird, es dann mit einem zielsicheren Handgriff abzuhaken.

Für diese Woche mache ich jedenfalls einen Haken hinter das tagelange Frühaufstehen und einen weiteren hinter das Messen-Planen-Herumräumen-Putzen-Listenschreiben, sage dem fleißigen Dienstleister aus dem Allgäu herzlichsten Dank für alles (erholen Sie sich gut!) und begebe mich kurz ins Bergland, um auch mal wieder was Anderes zu sehen (und einem „Lagerkoller“ vorzubeugen, denn schließlich haben wir hier noch Einiges vor uns).