Shirley Jean hat kein Halsweh oder: Die Turbo-Woche.

Wochen gibt’s, in denen gefühlt ein Monats- oder gar Quartalspensum an Ereignissen, Emotionen, Terminen und Arbeiten abgefackelt wird, ohne dass man das zuvor hat kommen sehen.

Eigentlich wollte ich die verregneten letzten Wiesntage nutzen, um mich hier mit der Steuererklärung 2018 einzuigeln und danach mit dem Sortieren der 3.000 Schwedenfotos und den Vorarbeiten für die Reportage zu beginnen sowie mit dem Abarbeiten meiner „Herbstliste“ loszulegen, die ich klugerweise noch im Gemütszustand sommerlicher Leichtigkeit und Beschwingtheit angefertigt hatte (um nach den Reisewochen weder in ein Loch zu fallen, noch lang nachdenken zu müssen, was denn nun anstünde: man ist ja schon irgendwie komplett aus dem Takt und der Zeit gefallen nach solchen Unternehmungen, die einen so voll und ganz absorbieren).

Steuererklärung, das heißt: Drei Tage Suchen, Tippen, Abheften, Rechnen, Recherchieren in juristischen Datenbanken, Fluchen, Studieren diverser Steuerratgeber, Herumärgern mit Zertifikaten und anderem Technikmüll- dann war die Quälerei überstanden und wie jedes Jahr nach dieser zermürbenden Arbeit befielen mich immense Erleichterung und absurde Heiterkeit.
Nicht etwa, weil in Folge dieser Arbeit ein Geldsegen ins Haus stünde, nein, einfach nur, weil „es“ vollbracht ist. Es ist eine Art Arbeit, die ich Jahr um Jahr als zermürbender und nervtötender empfinde und um die ich mich herumdrücke, so lange es nur irgendwie geht – und es geht oft sogar länger als gut für mich ist (Stichwort: Fristverlängerung).

Die neue Woche beginnt also steuer- und wiesnbefreit, es kehrt wieder Ruhe ein im Viertel, die Aufräumarbeiten auf dem Festgelände gehen schneller vonstatten als man gucken kann, draußen darf wieder geparkt werden und beim Abendgassi leuchtet wieder die Bavaria herüber, das Lichtermeer der Fahrgeschäfte ist erloschen.

Die Linden werfen ihre Blätter munter ab, die Grünstreifen atmen auf, weil das Getrampel der Besucherscharen ein Ende hat und es sich als Grashalm nun wieder lohnt, sich mal aufzurichten.
Man trifft beim Gassigehen wieder die vertrauten Menschen und Hunde, die sich alle ein wenig verschanzt hatten während des Oktoberfesttrubels vor ihren Türen oder – wie wir ja auch – auf weniger frequentierte Gassirouten ausgewichen sind.

Der Arzttermin, vor dem es einem schon seit Wochen graut, rückt immer näher, aber bevor man nachts ins Grübeln kommen könnte, hat der Hund Magen-Darm und erbricht sich so oft, dass man vor lauter Hinterherputzen und Hundtrösten und Karottenkochen gar nicht zum Schlafen und erfreulicherweise auch nicht zum Grübeln kommt. Parallel dazu geht die Badewannenarmatur kaputt, so dass man sich mit Hausmeister, Vermieter und Installateur rumschlagen darf, um möglichst bald wieder störungsfrei Duschen zu können, zwischendrin bringt man den Wagen in die Werkstatt, wo sich das Geräusch, das außer mir im August niemand wahrnehmen wollte, auch in der Werkstatt nicht, nun doch (mittlerweile auch für jeden unüberhörbar) als kaputtes Radlager entpuppt, woraufhin ich den Serviceheini der Werkstatt runder mache als es das Rad und sein Lager je waren und einen ordentlichen Nachlass nebst Leihwagen rausschlage für die Missachtung meines Hörvermögens und meiner Vorahnungen (metaphorisch natürlich, das „schlagen“), damit das Fräulein und ich bei diesem Mistwetter trocken zum Rentnertreffen ans andere Ende der Stadt reisen können.

Ja, Sie lesen richtig: ich gehe bereits zu Rentnertreffen!
Die ehemalige Sekretärin des Papas organisiert das zweimal jährlich für ein gutes Dutzend der jahrzehntelangen, beruflichen Weggefährten des Papas, die in den 1970er Jahren alle in etwa gleichalt waren und in ihren Job ein- und somit in etwa auch zeitgleich aus diesem ausstiegen. Das ist ja noch die Generation, in der die Menschen ihr Berufsleben lang ein und dieselbe Anstellung hatten, das kennt man heute in dieser globalisierten, schnelllebigen, veränderungsanfälligen, effizienzterrorisierenden und mega-verdichteten Arbeitswelt ja gar nicht mehr.
Zweimal im Jahr trifft sich diese Truppe also zum Essen, Trinken und Ratschen. Jedesmal fehlen ein paar, ab und an fehlt nun sogar schon einer für immer.
Mich laden sie ein, weil ich meine gesamte Kindheit, Jugend und Studentenzeit viel mit von der Partie war: töchternd, feiernd und jobbend.
Gelegentlich gehe ich hin, zu diesen Treffen, weil ich die Menschen mag und lange kenne, und mich vom einen oder anderen dort auch gekannt fühle.

Übrigens ein Phänomen, dieses Sich-gekannt-Fühlen, über das ich in den letzten Monaten oft nachgedacht habe: Wer sind oder waren eigentlich die Menschen, mit denen ich mich in etwa so fühle, wie ich mich selbst empfinde? Es gab Freundschaften, da fühlte ich mich permanent wie die Ältere oder die Anführerin, und selten umgekehrt mal mitgezogen, aufgefangen oder gar getragen (warum hat man das jahrelang mitgemacht? was sollte das?), und es gab Beziehungen zu Menschen, in denen ich mich bei nahezu jeder Begegnung irgendwie falsch, klein, unfähig oder fehl am Platz fühlte (warum ist man dennoch ein Stück des Weges gemeinsam gegangen? was sollte das?), manche dieser Verbindungen existieren immer noch.
Und ein paar ganz wenige, bei denen ich mich redend, schweigend, lachend, weinend, und überhaupt in so gut wie allen Seinszuständen identisch mit mir und harmonisch mit der anderen Person fühl(t)e.
Anderes Thema und zudem ein weites Feld, demnächst vielleicht mal mehr dazu. Im Herbst packt mich jedenfalls immer so ein Ausmistbedürfnis auf mehreren Ebenen. Damit der erste Schnee nichts zudeckt, das man vorher noch hätte wegfegen können? Ich weiß es nicht genau.

Wo war ich stehengeblieben?!
Ach ja, beim Rentnertreffen. Der Papa heut in schlechter Verfassung und nach zwei Stunden so müde, dass er geht (früher war er immer der Letzte bei solchen Runden). Seine erste Sekretärin (84) weint, als sie sich von ihm verabschiedet, weil sie am Wochenende in ein Seniorenwohnheim einziehen wird und der Ansicht ist, dass sie dann nicht mehr zu diesen Treffen wird kommen können, ihn also nie wiedersieht. Die andere Sekretärin (68) ist gottseidank noch fröhlich wie eh und je (wie selten ist es geworden, denke ich mir so, als ich mit ihr spreche, mal jemandem zu begegnen, auch außerhalb solcher Rentnerkreise, der einem putzmunter erzählt, es ginge ihm „echt richtig gut“), auch der Rest der Runde hält sich mehr oder weniger wacker.
Der ehemalige Bilanzbuchhalter hat nun auch Parkinson, der Papa berät ihn ein wenig zum Umgang mit der Krankheit und fast blitzt dabei etwas von seiner früheren Chefmentalität durch („Jetzt machen Sie das erstmal so und so, und dann geht das schon wieder, alles klar?“).
Auch J. ist heute da, leider mit Rezidiv und zaundürr, aber er ist da und wir wollen dran glauben, dass er weiterhin der zähe Knochen ist, der er immer war und es auch bleiben wird.

Nach drei Stunden löst sich die Runde auf und ich fahre nachdenklich, müde und etwas bedrückt durch den Regen nachhause.
Das Automatikgetriebe des Leihwagens ist dermaßen ungewohnt und weil ich deshalb das linke Bein vorsorglich komplett weggepackt habe, um nicht womöglich doch vor lauter Müdikgeit mit dem Kupplungsfuß reflexartig auf der Bremse zu landen, komme ich mit einem Krampf in der Wade zuhause an.

Dabei schmerzt das Gestell eh noch von gestern Abend.
Kiefer Sutherland was in town und nach drei Stunden Stehen, Rumhopsen und Klatschen spüre ich ebenso wie bei manch anderer Aktivität, dass ich auf die 50 zugehe und noch weniger belastbar werde als ich es eh schon immer war. Immerhin lag man gestern mal genau im Altersdurchschnitt des Konzertpublikums und so gab’s auch drumrum etliche andere, die mal in die Hocke gingen oder sich dezent an Rückenentlastungsübungen versuchten.

Vor wenigen Tagen bespielte Kiefer Sutherland das Wiener Publikum, gestern war München dran. Und 24 Stunden später muss ich sagen: ja, es war schon ganz gut, dieses Konzert, aber die ersten zwanzig Minuten haben das Gesamterlebnis doch etwas eingetrübt.
Stimmlich arg dünn, die Eröffnungssongs, das geliebte „Shirley Jean“ fiel dummerweise genau in diese Phase (ein Jammer, wenn die Studioversion um Welten besser ist als die Live-Version!), die Aussprache verwaschen, die Augen verquollen, die Bewegungen fahrig, und ich wollte dieses so ungewohnt flache, volumenlose Gekrächze schon auf eine Halsentzündung schieben und mitleiden mit dem guten Kiefer, da bekam er auf einmal doch noch die Kurve, bemerkenswerterweise nach einigen Gläsern karamellfarbener Flüssigkeit.

Man soll nichts unterstellen, was man nicht wirklich weiß oder wissen kann, dennoch meine ich in Mimik und Gestik Züge eines Trinkers zu entdecken, mindestens aber die Spuren von zu viel Alkohol, und vielleicht ist die Performance nur dann eine gute, wenn der passende Pegel erreicht ist?
Oder war er einfach nur müde oder sein Hund, den er im Tourbus dabei hat, hatte in der Nacht vorher Magen-Darm oder hatte er Streit mit seiner Freundin oder ist ihm sein Steak misslungen und war schon medium well statt English und hat ihm den Abend verdorben? Wer weiß das schon!

So wichtig ist das alles aber auch nicht, denn zwei Drittel des Auftritts hat der ehemalige Mr. Jack Bauer ja ordentlich hinbekommen, ich wünschte halt nur, er sähe auch noch ein bisschen mehr aus wie jener, und der hübsche Bursche aus „Flatliners“ würde nicht nur in den wenigen Momenten durchschimmern, wenn die Bühne in blaudunstiges Licht getaucht ist und er den Kopf tief zur Gitarre hinabsenkt (man muss das mal sagen: Springsteen sieht in egal welcher Beleuchtung/Pose mit 70 weit weniger verlebt aus und das ist nicht nur guten Genen oder guten Fotografen oder guten Therapeuten geschuldet).

Womöglicht war auch ich beim gestrigen Konzertabend noch zu benebelt von einer morgendlichen Aufregung und deren Folgen: denn eine viel mehr ans Herz gehende Musik lädt völlig überraschend dazu ein, tatsächlich live gehört zu werden – und das sogar noch in dieser Woche!

Zuvor geht’s wohl oder übel zum Arzt und hinaus zu einem weiteren Regenspaziergang und die radlagererneuerte Karre abholen – und noch allerhand anderes ist zu tun bis zu diesem so unverhofften Klang-Ereignis, auf das ich ja insgeheim warte und hoffe, seit diese Musik in mein Leben trat, was zwar erst ein paar Monate her ist, aber ich war halt noch nie besonders gut im Warten, erst recht nicht, wenn es um was Wichtiges und Emotionales geht – und dass das mit dieser Musik für mich was Großes ist, das war sehr schnell klar.

Nun aber eins nach dem anderen.
Bleiben Sie dran – wir berichten, wenn’s soweit ist!

Theorie und Praxis: Verschlusssachen.

Gestern Abend eine längere theoretische Unterweisung zur Vorbereitung auf den beruflichen Part der Skandinavienfahrt im Spätsommer.

Der Physiker hat seine Systemkamera in die Kneipe mitgebracht und hält mir eine 3 Getränke und 1 große Mahlzeit überdauernde Vorlesung zu Brennweiten, Verschlusszeiten, Schärfentiefen, Bildsensoren sowie Grenzen und Möglichkeiten eines Reisezooms, das er mir – etwas verblendet von seinen drei Gläsern Riesling – schlussendlich sogar zum Geburtstag spendieren möchte, sofern mir zuvor der Papa den entsprechenden Body gesponsert haben würde (denn ohne Gehäuse braucht man auch kein Objektiv, so viel habe ich am Ende des Abends bereits gelernt ;-)).

So schön Beschenktwerden ist – man sollte mit dem Geschenk ja idealerweise auch was anfangen können, und als mein Blick beim konzentrierten Zuhören auf das Bordbuch fiel, das der Physiker während seiner Ausführungen neben sich und seiner SONY liegen hatte, wurde mir etwas schwummrig, denn der für meine Profession zwar sicher überfällige und sinnvolle, aber doch enorme und nahezu quantensprungartige Wechsel von einer alten, ausgeleierten Kompaktkamera zu so einem Schwergewicht von Systemkamera samt Zubehör, erschien mir doch nicht ganz so simpel in Übergang und Handhabung wie es der Physiker ebenso begeistert wie mutmachend darzustellen versuchte.
(Schenke man mir bitte ein Fass voll Geduld, dazu ein nett illustriertes Kinderbuch à la „Conny lernt knipsen“ und später ein begleitendes Manual in Comic-Form!)

Heute dann ohne fremde Hilfe die erste praktische Reisevorbereitung getroffen: das wichtigste Kraulquappen-Utensil für den privaten Part des Aufenthalts in Schweden ist besorgt worden!

In skandinavischen Schwimmbädern gibt es nämlich nirgends Spinde mit Münzeinwurf, Schlüsselbändchen, Chip-Armbändern oder sonstigen hierzulande möglichen oder unmöglichen Verschluss-Varianten, sondern jeder muss sein Schloss selbst mitbringen. (Der Plural von „Spind“ hört sich ungewohnt bis gruselig an, stimmt aber.)

Auf der letzten Schwedentour hatte ich ein ausrangiertes, kleines Kellertürschloss dabei, das neben seiner Schwergängigkeit (klemmte wie blöd) und Hässlichkeit (Leukoplastbraun mit Platzwunden) vor allem zwei gravierende Nachteile hatte: entweder war der Bügel zu eng und das Umkleideschränkchen ließ sich damit gar nicht absperren oder der notdürftig an einem Gummiband befestigte Schlüssel kratzte mich während des gesamten Schwimmens am Hand- oder Fußgelenk.

Nun für 12€ die Profi-Version erstanden: Größeres U des Bügels und damit hoffentlich alle Schranktürschlossmodelle Schwedens mühelos umgreifend sowie kein doofer, pieksender und verlustanfälliger Schlüssel, sondern eine frei wählbare Zahlenkombination, die man – mit Bedacht gewählt – niemals verlieren wird, weil man sie schon ein Leben lang mit sich herumträgt.

Noch dazu diese positive Farbgebung: je nach Lichteinfall sonnengelb strahlend bis gülden funklend, jedoch mit leicht herber, dezent warnender Senfnote im Abgang (wie ein unterschwelliges und hoffentlich wirksames „Finger weg von diesem Schrank!“).

Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit dieser Wahl.
Kann ich sagen: „Ich hab mir dieses Jahr zum Geburtstag ein Schloss gegönnt!“ (muss ich gleich an den chinesischen Studenten denken, der mal auf einen Gefallen hin, den der Gatte ihm erwiesen hatte, in seiner Dankes-Email schrieb: „Sie haben ein Gut bei mir.“, ein Schlitzohr, dieser Student, denn es blieb bei den großen Worten).
Ein Schloss! Das klingt doch nach was!

Lediglich die auf dem Schloss eingestanzte 145/30 irritiert mich ein bisschen: Was will mir dieser Code sagen, in einer so denkwürdigen Woche und Lebensphase?

Nun aber weiter mit der Arbeit, damit damit da noch im alten Lebensjahr was abgeschlossen wird!

Himmel der Bayern (61): Auffe, umme, obbe.

Lang nimmer do gwen.

Niederbayern. Passau.

Zuletzt wohl mit U., fürchte ich, an irgendeinem Winterwochenende, das ich geflissentlich verdrängt habe.

Es dominieren eh die Kindheitserinnerungen an die idyllische Dreiflüssestadt. Der Papa hatte damals oft hier zu tun und nahm uns ab und zu mit. Wunderschöne Altstadt, viel Kopfsteinpflaster und rundum überall Wasser. Fein!

An einem alten Gebäude am Donauufer zeigte er mir – ich war vermutlich 6 oder 7 Jahre alt – die Hochwassermarkierungen und ich weiß noch, wie fassungslos es mich machte, dass die Donau hier höher gestanden haben sollte als ich groß war (stimmt das grammatikalisch? falls nicht, sehen Sie’s mir bitte nach: es hat 35 Grad und ich hab 3 Stunden Rumlaufen hinter mir).

Ich erinnere mich an Herrn W., den späteren Gründer des Passauer Musuems für Moderne Kunst, er schenkte mir damals ein hübsches, aber kompliziertes Holzspiel, für das mir die Geduld fehlte. Und an ein mittleres Drama zwischen den Eltern, weil die Mutter mit einem Absatz im Kopfsteinpflaster hängenblieb und der Tag dann gelaufen war (und das nicht etwa, weil sie sich verletzt hätte).
Überwiegend aber sehe ich den Papa, wie er uns in seiner beigen Freizeithose und seiner Frühe-80er-Jahre-Windjacke (modische, gerippte Bündchen!) vorausläuft und sich überall auskennt und uns auf dieses und jenes aufmerksam macht (das Kind soll ja was lernen!).

Zu Studienzeiten auch ein paarmal durch Passau gefahren, auf dem Weg zum Freund nach Wien, der wegen seiner zeitaufwändigen Facharztausbildung nicht so oft die Stadt verlassen konnte. Meist kurze Rast hier, einen Happen gegessen und weiter.

Einer der Passau-Stops gekrönt von einem spektakulären Schlüsselbruch an der Autobahntankstelle. (Für die Jüngeren unter den Lesern: Ja, Schlüsselbruch. Damals sperrte man ein Auto noch ab. Mit einem richtigen Schlüssel.)
Getankt, dann den Schlüssel ins Schloss gesteckt und umgedreht, ihn wieder abziehen wollen und – schwupps! – blieb einfach der halbe Schlüssel im Schloss des kirschroten Fiestas stecken. Sehr ratlos stand ich da an der Tanke, das weiß ich noch gut.
Zweitschlüssel lag daheim in Würzburg, Handys hatte damals noch niemand, aber wenigstens befand sich das Portemonnaie in meiner Hand, das gab ein wenig Halt.
Der Tankwart hatte einen Spezl unten in der Stadt, und dessen Bruder hatte eine Ford-Werkstatt. Also fuhr mich der Tankwart obbe in die Stadt zum Ford-Händler, ich lief zur Werkstatt umme, der dortige Kfz-Mechaniker fuhr mich wieder auffe, öffnete mein Auto ruckzuck auch ganz ohne Schlüssel, entfernte die Reste desselben aus dem Schloss und fertigte mir unten in der Werkstatt einen neuen Schlüssel an (im Handschuhfach lag ja ordentlich das Bordbuch samt Serviceheft, dort war die Schlüsselnummer notiert).
Drei Stunden später und 200 DM ärmer (zu Studentenzeiten eine mittelschwere Katastrophe) konnte ich weiterfahren nach Wien, der angehende Herr Psychiater machte sich schon Sorgen und der geplante Absacker im Heurigenlokal fiel wegen meiner späten Ankunft leider flach.

Ich glaube, es gab sogar mal ein Wochenende mit dem Wiener Freund in Passau, weil exakt in der Mitte gelegen zwischen Wien und Würzburg. Kann aber nicht so prickelnd gewesen sein, sonst wäre die Erinnerung deutlicher. Ein ibis-Hotel, glaub ich, ohne Fön, mit schlechtem Frühstück und grausligem Weichspülergeruch im Bettzeug.

Dann waren da noch zwei nicht mehr genau datierbare Besuche bei K., in Hacklberg, einem Vorort von Passau. Seinerzeit der engste Mitarbeiter vom Papa und ein enger Freund von mir. Der zeigte mir als Einheimischer und Ortskundiger die Museen und Beisln der Stadt.

So viel zur persönlichen Passau-Historie.

Diesmal reisen das Dackelfräulein und ich dem Gatten voraus, der hier ab morgen eine kleine Tagung zum Thema „Stress“ begleitet (als ob er davon nicht eh schon genug hätte). Hören wir uns vielleicht auch mal einen Vortrag an, falls der Hörsaal klimatisiert ist. Ich schwanke noch zwischen einem Vortrag über Husserls Beitrag zur Stressforschung und einem anderen mit dem verlockenden Titel „Sinn finden in der Arbeitswelt“ (hä?, aber kann ja u.U. mal nicht schaden).

Vielleicht belassen wir’s aber auch bei Streifzügen durch die schattigen Gässchen der Altstadt, Eisessen, Rumgucken, Fotografieren, Baden am Innufer (das Fräulein) und Schwimmen in einem der schönsten Freibäder Deutschlands (ich). Zwischendrin ein wenig Schreiben und Arbeiten, falls die Hitze zulässt es und die Lüftung des Laptops nicht schlapp macht. Morgen Abend hinauf nach Hacklberg, wo uns K. in seinem Garten bewirten möchte, der Gatte ist sowieso bis spätabends eingespannt mit dem Tagungsvolk.

Natürlich aber ist – Sie ahnten es vielleicht eh!? – der Hauptgrund unserer Fahrt nach Passau ein Besuch im hier ansässigen, weltweit ersten Dackelmuseum (!), das vor gut einem Jahr seine Pforten öffnete und diese auch für Besucher auf vier Beinen nicht verschließt (so gehört sich das auch).

Betrachten wir diese Ausflugstage also als Dienstreise und fachliche Fortbildung, außerdem muss man ja auch den Viecherln mal ein bisserl was für den Verstand bieten und nicht immer nur ein sportliches Programm.

Wir halten Sie auf dem Laufenden, wünschen erträgliche Saharatage und immer einen kühlen Fluss in der Nähe.

Aus Passau grüßen reichlich verschwitzt –

Die Kraulquappe & Fräulein Pippa

PS: Der Shop vom Dackelmuseum ist zwar schön kühl, aber sonst ein geballter Irrsinn.

PPS: Gerade das „Kowalski“ wiedergefunden. Mehr als 20 Jahre ist’s her…

So sollte es sein.

Notiz aus der Blogpause.

Unterwegs im Bierbichler-Country. Der Hammer, dieses Hinterland am Ostufer des Starnberger Sees. Warum ist man da nur so selten?

Wiesenpfade nach des Fräuleins Geschmack, zumal bei 27 Grad, wo jedwede Kühlung willkommen ist. Schönste Kircherl und Friedhöfe. Ein paar Kühe und Bächlein. Beste Aussicht auf See und Berge.

In Oberambach kurz das Hotel besichtigt, das man im Magazinbeitrag zu empfehlen gedenkt. Nette Chefin. Zeigt einem das Gelände und die Remise mit den sechs Zimmern für Urlauber mit Hund. Spendiert einem einen Hugo auf der schattigen Terrasse des Schlossguts, „(…) schreiben’S was Gutes über uns!“. Hätte ich eh, bei der Lage und dem Preis-Leistungs-Verhältnis.

So sollte es sein. Wenn man damit eines Tages mal mehr verdienen würde als den Hungerlohn, den so ein Beitrag einbringt, dann wär’s geradezu perfekt. Ambulare et delectare. Scribere et bibere.

Dann hinunter nach Ambach, wo der Bierbichler Sepp lebt, isst, trinkt und schreibt. Ins Familienlokal mit Biergarten – und eigenem Seezugang. Endlich mal ein Fleckerl in diesem Landkreis, wo der Hund ins Wasser darf. Wo keiner meckert. Dank der hohen Tennisballdichte hier hat Madame auch gleich wieder was zum Spielen gefunden.

Warum eigentlich irgendwohin in Urlaub fahren? Alles da.

Weibaleitdog oder: Be happy.

Freitag. Frauentag im Kreuther Tal.
Das Fräulein und ich auf der Halserspitz, der Königsalm und danach in der Weißach. Mal wieder ganz ohne beruflichen Blick auf irgendwas, einfach nur gehen und gucken, keine Notiz, zu nichts, kein beim Gehen im Geiste verfasster Absatz zu einem Wegstück oder einer Beobachtung. Nur wir, der Berg und die Sonne.

Naja, nicht ganz. Wir gerieten etwas unerwartet mitten in den Almauftrieb, der dieses Jahr im Kreuther Tal so spät stattfand wie schon lang nicht mehr.
Überall Kühe, nicht ideal, wenn man mit Hund da durchmarschiert. Zumal die Kühe, wie ich gestern erleben durfte, ihren ersten Freilauf auf der Weide mit wilden Hüpfern und Sprüngen feierten – das verstört dann sogar den kuhgewohntesten Hund.
Also doch den Weg genommen, der als „gesperrt“ markiert war, wegen diverser Winter- und Sturmschäden. Klaro: vorher nachgefragt, ob man das riskieren dürfe, aber wenn der Almwirt meint, wir schaffen das, wenn wir trittsicher sind und über ein paar umgefallene Bäume klettern können, dann schaffen wir das auch).

Das Dackelfräulein liebt waldige Berghänge, Kraxeln über umgefallene Bäume und schmale Nebenpfade – und ich liebe es, wenn der Hund glücklich ist.
Auf den sonnigen Strecken weiter oben hechelt sie dann sehr und ich auch und ich sage zu ihr: „Mäuschen, wir sind nicht mehr die Jüngsten, mach langsam!“, was sie sogar beherzigt.
Hieve sie in jede Viehtränke (wirklich wie gemacht für die Dackelstatur, diese Wannen), hieve unseren Proviant den Berg hoch (der Rucksack, halb so voll wie bei den Wintertouren, kommt mir doppelt so schwer vor). Auf der Alm fast eingeschlafen, trotz Kaffee.
Demnächst, so denke ich dort im Schatten vor mich hin dösend, gibt’s hier im Blog mal einen Beitrag über Tabuthemen. Es ist zum Beispiel eine Schande, dass kaum jemand weiß, was Endometriose ist und was das im Alltag bedeutet. Und ebenso, dass über manche Symptome der Wechseljahre nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird.

Anschließend in Rottach-Egern im Garten des Papas die Füße hochgelegt (korrekt müsste es heißen: im Garten der Lebensgefährtin des Papas, denn er ist dort „nur“ Mitbewohner und ich somit keine Haus-am-Tegernsee-Erbin in spe, leider).
Ersten Aperol des Jahres serviert bekommen. Erstes Grillen in diesem Sommer genossen. Erstmals bis spätabends draußen gesessen.
Fräulein Hund hellauf begeistert von all den Gerüchen und Gaben und noch heller aufgeregt vom Kurzbesuch der Nachbarskatze. So ist das auf dem Land.

Wie oft wir wohl noch genau so dasitzen werden?, frage ich mich. Das frage ich mich schon lange und bei jedem Besuch. Eine unnütze Frage, und doch nicht abzuklemmen in diesem Hirn, das ständig vor sich hindenkt.

Der Papa und seine Lebensgefährtin zanken jetzt öfter als früher. Wenn im Alter alles immer beschwerlicher wird, sind manche Klüfte offenbar schwerer durch Humor oder Toleranz zu überbrücken.
Ihn nervt, dass sie so viel vergisst/verlegt/verdreht und sie nervt sein immer kleiner werdender Radius und sein immer größer werdendes Bedürfnis nach Struktur.
Ich sage es den beiden im Laufe des Abends, dass sie mittlerweile arg viel herumkeifen und dass sie doch froh sein sollen, dass jeder von ihnen noch Dinge kann, die der andere schon nicht mehr kann. Weil sich das doch immerhin ergänzt. Der Papa lächelt fast beschämt, die Lebensgefährtin guckt auf ihren Buchsbaum und ich bin nicht sicher, ob sie’s überhaupt gehört hat.

Spätnachts nachhause gefahren. Herrliche Fahrt durch die Sommernacht. Telefonat mit dem Gatten, der auf einer Theologen-Tagung weilt, seinen Vortrag hinter sich gebracht und sich auf sein protestantisch-asketisches Zimmerchen zurückgezogen hat, auf dem es eine Bibel, aber keinen vernünftigen Internetempfang gibt.

Nach nur 51 Minuten die Ludwigsvorstadt erreicht.
Daheim Ankommen nach so einem Tag ist ein etwas größerer Akt.
Erst fahre ich in den Hinterhof, dort halte ich vor dem Garagentor an. Dann steige ich aus, schließe das Tor auf, hole mein Rad aus der Garage, schiebe es zur Seite, befestige die Flügeltüren des Garagentores. Danach klappe ich den rechten Außenspiegel ein, hole das Dackelfräulein aus dem Auto, binde sie an einem Dachrinnenabflussrohr im Hinterhof an. Öffne den Kofferraum, hole das ganze Glump des Tages heraus, stelle es neben dem Hund ab. Steige wieder ein, lasse den Motor an, fahre das Auto vorsichtig in die enge, miserabel ausgeleuchtete Garage (in den 1950er Jahren hat keiner damit gerechnet, dass die Menschen 70 Jahre später mal viel breitere Autos fahren würden).
Ein Moment höchster Konzentration, jedesmal. Vor allem das mit dem Außenspiegel sollte man nicht vergessen!
Aussteigen, Rad vors Heck schieben, Garage absperren, Sachen schultern, Hundeleine aus der Öse am Dachrinnenabflussrohr ausfädeln und ums Handgelenk legen.
So bepackt nochmal kurz vors Haus schlurfen, damit der Hund sein Nachtpipi auf dem Grünstreifen machen kann – und dann mit einer ziemlichen Verrenkung den Schlüssel aus der Hosentasche fummeln, die Haustür aufsperren und mit Hund und Gepäck zum Aufzug gehen.

Oben angekommen eine große nächtliche Freude vor der Tür: die Expresslieferung von Freund T. aus Z. ist eingetroffen. Das neue Springsteen-Album liegt endlich auf der Fußmatte, mit einem Tag Verspätung.
Ich mache einen Knicks, aus Dankbarkeit – und um es aufzuheben.

Und nun verabschieden wir uns in eine kleine Klausur: Ein Auftrag muss dringend fertig werden, eine Planung vollends abgeschlossen sowie ein paar andere Baustellen endlich zuende gebracht werden.

Aber wenn Sie mal ganz ehrlich sind, haben Sie ja fürs Erste eh genug Sommer-, See-, Dackel- und Bayernhimmel-Fotos gesehen, nicht wahr?

Be happy & bis bald –
Ihre Kraulquappe.

Sie hat manchmal wollen den Sonnenschein auf ihren Hut stecken und die Abendröte umarmen.

[Blogbeitragsüberschrift frei nach Adalbert Stifter]

Weil die liebe B., die derzeit in N. auf U. weilt, sich schon latent sorgt, ob wir womöglich im See oder Freibad ertrunken sein könnten, weil es hier derzeit etwas ruhig geworden ist, nun ein kleines Lebenszeichen in Bildern, quasi eine Dokumentation so mancher Stationen oder Aktivitäten der letzten Tage:

Ausflug an den Ammersee: Diesmal Westufer, wieder viele Fotos, vor allem von Fräulein Seehund…

…aber auch von den Sehenswürdigkeiten in Dießen.

Erstes Selfie mit dem neuen Handy: Schön schattig, das kaschiert fast alle Falten.

Begleitung hatten wir auch: Meinen großen Freund S. und seine Kamera, die viel besser ist als meine.

Wanderung von Dießen zur Schatzbergalm: Könnte eine sehr schöne Tour sein, wenn wir nicht auf dem Schatzberg von einer Mückeninvasion heimgesucht worden wären.

Szenen auf dem Tisch: Die König-Ludwig-Desinfektion der Mückenstiche von innen.

Szenen unter dem Tisch: „Warum esst ihr was und ich krieg nur einen doofen Napf voll Wasser?“

Der Sommerhitze trotzen: Erfrischung, und zwar für alle (sagt auch die Abendzeitung – ich check nur nicht, was die Gourmets mit Baden zu tun haben).

Absurd: Die längste Hundewurst der Welt, aus ihrem 60cm x 75cm-Korb gerutscht.

Mein erstes Erfolgserlebnis auf Balkonien (von der blauen Hortensie wollen wir lieber schweigen).

Pfingsten in München: Englischer Garten, große Gassirunde, Rast im Aumeister.

Clever Shoppen: Am Tag nach dem Mega-Unwetter im Münchner Westen in einen Pflanzenmarkt im Münchner Westen fahren und die wegen Topf- und Blattschäden stark reduzierte Ware als Ersatz für so manch misslungenes Balkonprojekt mitnehmen.

Unterschlagen wurden in dieser bunten Auflistung:

  • diverse langweilige Büroarbeiten
  • stundenlange Recherchen für den nächsten Magazinbeitrag
  • einige Akquisitonstätigkeiten
  • Matthias Forenbacher in Endlosschleife hören
  • zeitaufwändiges Einbalsamieren der zehn fetten Mückenstiche nach dem Ausflug mit S.
  • alle weiteren Haushaltstätigkeiten der letzten sechs Tage
  • zwei Läufe im benachbarten Park
  • zwei Schwimmbadbesuche, einer davon mit Kampfeinsatz (Pfingstandrang, Beckenquallen, Randspringer)
  • Kauf und Zubereitung eines sündteuren Bio-Rindersteaks zur Aufrechterhaltung des Ferritinwerts
  • kontemplative Stunden mit Sonne und Weißbier auf der Parkbank vorm Haus
  • Installation eines neuen Handys inkl. Datenübertragung vom alten Handy
  • Reiseplanungen für den Spätsommer samt haarsträubender Mailkommunikation mit etlichen Hotels im Ausland, die sich erdreisten, für einen kleinen Dackel pro Nacht 25€ kassieren zu wollen, was jeweils in keiner Relation zum Zimmerpreis für den Menschen steht
  • extensiver Konsum von Huberbuam-DVDs in den späteren Abendstunden, um den nachfolgenden Träumen ein paar neue Impulse zu geben (leider die 3D-Brille nicht vertragen)

Herzliche Grüße an die Leserschaft & der lieben B. noch eine erholsame Zeit an der Ostsee!
Die Kraulquappe.

Sozialtraining im Landkreis STA.

Fährt man für ein paar Sonnenuntergangsfotos, die man für den nächsten Magazinbeitrag braucht, zur Abendstunde nochmal raus an den noblen See.

Schloss Berg, Dampfersteg, Votivkapelle, Schlosspark – und natürlich die Stelle, wo der Kini ins Wasser ging.

Das Dackelfräulein macht dort, wo sie als Model gefragt ist, recht gut mit.
Alles bestens also, nach einer guten Stunde sind die Fotos im Kasten. Zur Belohnung noch ein neues Wegerl: hoch in den oberen Ortsteil, über einen steilen Waldpfad. Sehr lauschig, noch nie dort gewesen, man tendiert ja immer nur zum Seeufer. Ein bisserl durch den Ort spaziert, ein Haus schöner als das andere, keine Bausünden im Toskana-Stil oder pseudo-griechische Säulen auf der Veranda. Der 911er steht hier heroben eher etwas versteckt hinter der Thujenhecke anstatt protzig mitten vorm Haus.

Weil nix los ist, läuft das Fräulein schon den ganzen Abend friedlich ohne Leine vor sich hin. Auch dort oben im Wohngebiet.
Bis sie dann den klopsigen Garfield dummerweise eine Sekunde vor mir entdeckt, wie er da bräsig in einer Einfahrt hockt und sich putzt. Was er dann sehr schnell bleiben lässt, als Pippa mit Vollgas und sirenenartigem Spurlautgeheul auf ihn zuprescht. Er flüchtet, so gut das halt in seiner Gewichtsklasse geht, durch ein offenes Gartentor in den dahinter liegenden Garten. Pippa hinterher. Und ich ebenfalls.

In einem fremden Garten zwischen Rhododendren stehend höre ich in einiger Entfernung meinen Hund wild jaulen. Renne dann durch den weitläufigen Garten, immer dem Gejaule nach, am Springbrunnen vorbei, am Gewächshaus vorbei, am japanischen Steingarten vorbei – bis ich vor einer Terrasse stehe.
Die Schiebetüren der idyllischen Villa stehen sperrangelweit offen. Drinnen sitzt bzw. saß ein gediegenes Paar beim abendlichen Glas Rotwein.
Garfield hat sich auf seinen Katzenbaum gerettet. Das Dackelfräulein steht davor und bellt, was das Zeug hält (und denken Sie bloß nicht, dass ein Dackel bellen würde wie andere kleine Hunde bellen, so blechbüchsenartig und hell und nicht weiter ernstzunehmen – nein, der Dackel hat eine Stimme wie ein Großer und er/sie fühlt sich auch so).

Was tun?
– Natürlich beherzt diese perfekte Gelegenheit für ein spontanes Sozialtraining ergreifen, sowas bietet sich an einem gewöhnlichen Dienstagabend um 21:23 Uhr ja eher selten!
Festen Schrittes und erhobenen Hauptes die Terrasse betreten, sich die vom Sprint etwas verrutschten Klamotten und die Frisur richten, andeutungsweise an die Glastür klopfen (die ja eh offen ist und man wurde ja eh längst gesehen, weil der Bewegungsmelder die gesamte Terrasse justament ausleuchtet wie eine Bühne), und freundlichst fragen, ob man hineinkommen dürfe, ja vielleicht gar solle.

Das ältere Paar übernimmt ebenso spontan die Gastgeberrolle wie ich die des Überraschungsbesuchs und bittet mich ohne Umschweife hinein.
Ich trete ein, gehe an der blütenweißen, ledernen Rolf-Benz-Eckcouch, vor der die beiden zur Begrüßung des Dackelfräuleins aufgesprungenen Eheleute etwas aufgeregt stehen und mit den Armen herumfuchteln, vorbei und tappe vorsichtig mit meinen Trekkingsandalen über das französische Eichenparkett in die hintere Ecke des riesigen Raumes, wo der Katzenbaum steht – und wo es so laut ist.

Es geziemt sich leider nicht, in solchen Momenten die Kamera zu zücken, um dies seltene Schauspiel festzuhalten, sondern sofortiges Handeln ist angesagt.
Hund zusammenstauchen, in möglichst distinguierter Wortwahl, versteht sich – man ist ja schließlich bei besseren Leuten eingekehrt -, Hund anleinen, dem dicken, fauchenden Kater ein paar tröstende Bemerkungen zurufen, sich dann mit dem angeleinten Hund umgehend wieder Richtung Terrasse bewegen.
Währenddessen mehrfaches Exkulpieren bei den Hausherren. Die das gottseidank locker nehmen und sich bereits an einem etwas gequälten Lächeln und ein paar lockeren Kommentaren versuchen: „kein Problem“ – „kann ja mal vorkommen“ – „ein Einbrecher wäre unangenehmer“ – „ist ja eigentlich ein recht hübscher Dackel“.

Wir danken Garfield und den Bewohnern der schönen Hütte in der Bäckerstraße in Berg für das gemeinsam erfolgreich absolvierte Sozialtraining und wünschen allseits eine gute Nacht!

Hund haben (16).

Wie könnte ein Dienstag schöner beginnen!?

Direkt aus dem Nachthemd in die Regenmontur gestiegen. Hund liegt noch im Bett, hebt ein Augenlid und guckt einen ungläubig an. Man fragt dann höflich, ob er, resp. sie, einen freundlicherweise begleiten würde, weil man unbändige Lust hätte, einen schönen Morgenspaziergang zu machen. Hund gähnt, räkelt und erhebt sich, dehnt sich ausgiebig und fällt beim Zweitgähnen seitlich um. Offenbar keine Lust.
Bevor man in der Ganzkörpergoretexhülle zu schwitzen beginnt, beschleunigt man das Ganze etwas, hebt den Hund aus dem Bett und trägt ihn zur Wohnungstür, legt ihm das Halsband an, was nicht so einfach ist, weil der Hund sich schon wieder zur Seite umfallen lässt. Dann steigt man in die wasserdichten Schuhe und verlässt die Wohnung, schiebt den Hund aus der Wohnung raus ins Treppenhaus. Hund sitzt nun wie ein Pflock auf dem Fußabstreifer und guckt einen groß an, schlurft nach dem dritten Rufen gnädig zum Aufzug rüber, der uns nach unten befördert.

Draußen dann zwei Meter durch die Pfützen gestakst. Igitt. Wie ungemütlich, das alles. Schnüffeln an den unteren Ästchen der Hecke vorgetäuscht (worum es eigentlich geht: unter der Hecke liegt ein aufgeweichtes Stück Breze). Erster kleiner Disput.

Zweiter Disput hundert Meter weiter, als – noch vor dem ersten Morgengeschäft – der asoziale Husky im Dackelterritorium aufkreuzt und das Fräulein vor lauter Wut abhebt (kennen Sie das: wenn sich der Hund bellenderweise so echauffiert, dass er vor lauter Bellen ein kleines Stück vom Boden abhebt?).

Dritter Disput drüben auf der Allee: Unterschiedliche Interpretations- und Umgehensweise mit einem halbleeren Pizzakarton, der unter einer Parkbank liegt.
Stimmung droht zu kippen. Der nette Beagle von Hausnummer 30 rettet die Situation. Große Begrüßung, Schwanzwedeln, Spielversuch mitten im Batz. Gute Sache – lockert den morgenmüden Körper, was den Geschäftsvorgängen dann sehr zuträglich ist.

Nach 7 Minuten wieder daheim, trotzdem triefnass und dreckig. Im Treppenhaus aus den Regenklamotten schälen, an der Tür den graubraune Sauce tropfenden Hund ins Handtuch wickeln und dem Gatten in den Arm drücken – ab in die Wanne.

Dezente Vorfreude auf weitere 48 Stunden bei ebendieser Wetterlage (nur ohne Duschassistenz).

Und die bange Frage, ob der Wonnemonat Mai wenigstens noch einen foto-freundlichen Tag beinhalten wird, da man allmählich dringend das Bildmaterial braucht für den nächsten euphemistischen Artikel über das Unterwegssein mit Hund.

Ab morgen am Kiosk: die neue Dog&Travel.

Schlagen Sie zu, wenn Sie – mit oder ohne Teckel – nach Tirol wollen. Und am besten auch, wenn Sie keinen Teckel haben oder da nicht hinwollen – denn vom Fortbestand solcher Magazine hängt ja auch unsere kleine Existenz ein Stück weit ab.

Lesen Sie ab Seite 18 von unseren großartigen Abenteuern im mittelalterlichen Hall und beim Kraxeln im Karwendel.
Leider haben wir es nicht auf den Großen Bettelwurf geschafft, auch nicht auf den kleinen. Dabei gibt es so Berge, die man allein aufgrund ihres Namens als bergsteigender Hundebesitzer eigentlich nicht auslassen darf (immerhin querten wir ein Kar unterhalb des Hundskopfes, leider ohne es fotografisch festhalten zu können, man geriet in ein Unwetter und es verhagelte einem die Ambitionen).

Außerdem lesenswert: der Artikel ab Seite 80 übers SUP, zusammen mit dem Vierbeiner.
Passt gerade gut. Ist einer meiner Geburtstagswünsche, neben zahlreichen anderen. Halt ein klassischer Kraulquappen-Wasserwunsch (und auch schon etwas zurechtgestutzt, da der Gatte mein „Ich würd‘ gern mal Surfen gehen“ mit einer ebenso amüsierten wie rüden Bemerkung abtat, irgendwas mit Alter und so, ich hab’s gleich wieder verdrängt).

Eigentlich wünsch ich mir, das SUP ohne Hund auszuprobieren, weil das in meinen Augen wenig Spaßpotenzial für den Hund birgt, aber wer weiß: das Dackelfräulein ist ja auch eine Wasserratte und in dem Beitrag ist von Hunden die Rede, die das wohl durchaus gern mitmachen.

Ansonsten drücken Sie uns bitte die Daumen, dass wir es hier bald mal wieder ein paar Tage am Stück (!) trocken und sonnig haben, damit Sie auch Ende August wieder in Dog&Travel von uns lesen können!

Kurz vor dem nächsten Gassi durch die Sintflut grüßt Sie herzlich –
Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (57): It’s all about soul.

Wal(l)difahrt zum Heiligen Berg, beruflich quasi.

Lange Wanderung zu einem der touristischen Hotspots im Münchner Umland, dort Fotoshooting mit dem Fräulein, Material sammeln, das man demnächst in einer Reportage hundegerecht verwurschten (sic!) wird.
Muss jetzt alles recherchiert, marschiert, fotografiert und ausprobiert werden.

Schenk ich mir selbst zum Geburtstag, dieses Projekt, denn Aufwand und Ertrag stehen selbstredend in keinerlei vernünftigem Verhältnis, nicht mal dann, wenn es neben dem Honorar noch einen Sack begeisterte Leserbriefe gäbe. Das gedruckte Wort ist einfach nicht mehr viel wert, leider.
Egal, die Sache an sich tut dem grad etwas geschundenen Körper und dem derzeitigen Nervenkostüm wirklich gut:
Die Bewegung, der Hund, die Natur, die Heimat (die Seelenlandschaft!).

Allein die Fahrt durch diese seit Urzeiten vertrauten Gefilde.

Perchting. Ich denke an H., wie wir noch zu Schulzeiten dort im Dorfladen einkauften, für eine unserer Partys da draußen am Moorsee, in dem Häuschen, das der Papa uns vertrauensvoll überlassen hatte und das wir – Party hin oder her – stets blitzblank geputzt zurückgaben. Erinnere mich daran, wie bei einer Vollbremsung – H. hatte den Führerschein noch nicht lang und den Toyota ihrer Mutter ausgeliehen – die Bierflaschen aus der Kiste, die wir kreuzdämlich auf die Rückbank gestellt hatten, geschossartig und mit wildem Schäumen nach vorne flogen – eine unglaubliche Sauerei. Hatten wir noch mehr zu putzen.

Zwischen Landstetten und Frieding an der Einmündung zu dem Feldweg vorbeigekommen, wo ich mit 18 Fahrübungen im Mercedes des Papas machen durfte musste, zur Vorbereitung auf die Prüfung (Damit du mit der Pflichtstundenzahl hinkommst!).
Diese doofe Feststellbremse, die nur mit der linken Hand zu lösen war, irgendwo da unten neben dem Lenkrad. Der schnaufende, schwitzende und schimpfende Papa neben mir (Ja kruzifix, is‘ denn das so schwierig?!), als ich die Karre beim Berganfahren dreimal hintereinander abgewürgt habe, weil das halt mit dieser blöden Handbremsenkonstruktion nicht besser ging. Erst recht nicht auf einem Schotterweg. Geduld war nicht des Papas größte Tugend. Naja, war halt auch der Dienstwagen.

Und ich denke an unsere Radtouren hier in der Gegend, damals, als er noch der Bewegungsfreudigere und Unternehmungslustigere von uns beiden war. Den Frühstückstisch bereits mit Radkarten tapeziert, er frisch und munter, ich müde und muffig, dann ging es los, meist mit mehreren Zielen: See, Biergarten, Kirche, Eisdiele, Kloster, Wildgehege.
Er, der mir alles hier im Oberbayrischen gezeigt hat, dem es unermüdlich darum zu tun war, ans Töchterchen weiterzugeben, was er eben von diesem kleinen Ausschnitt der Welt wusste.

Ich staune heute manchmal, was doch so alles hängengeblieben ist, denn wenn ich zurückdenke an diese Jahre, dann seh‘ ich uns eher im Auto zanken: sein Vortrag über das von Konrad Lorenz gegründete Institut in Seewiesen (weil man grad dran vorbeifuhr und sich diese Lektion anbot) gegen meine Manie, den Sendersuchlauf dreimal rauf und dreimal runter zu betätigen (Musik interessierte mich! – und nicht Verhaltensforschung).

Kloster Andechs. Jahrzehntelang ein beliebtes Ziel solcher Ausflüge. Verhasst war mir das Krippeanguckenmüssen. Der Papa war nie gläubig, aber an Weihnachten meinte er, das Kind müsse nun eine Krippe zu Gesichte bekommen, obwohl das Kind lieber daheim den Baum geschmückt, Plätzchen gefuttert und Seidenpapiersterne auf die Fenster geklebt hat.

Geliebt habe ich hingegen die sommerlichen Besuche in Andechs: da gab es (bis ca. 10) ein Aufess-Armband vom Kiosk bzw. (ab der Teenagerzeit) eine Riesenbreze ganz für mich alleine und später (ab der Studienzeit) konsumierten wir dann tatsächlich mal eine zeitlang dasselbe.

Man staunt ja auch immer wieder, wer so alles tagsüber an einem gewöhnlichen Dienstag unterwegs ist und mit wem man die wenigen Premiumplätze an der sonnigen Klosterbiergartenmauer teilen muss (hat NRW immer noch Ferien oder wat machen die alle hier?).
Jedenfalls: der Kölner am Nebentisch mampft unter großem Gelabere und mit noch größerem Genuss eine Blutwurst und freundet sich währenddessen – der Kölner an sich ist ja freundlich und offen – mit dem Dackelfräulein an, die noch nie zuvor ein Stück Blutwurst gegessen hat, aber spontan sichtlich angetan davon ist und gern noch ein zweites nimmt.
Hast du einen Hund, musst du Menschenkontakt haben, sogar Blutwurstmenschenkontakt.

Ich packe mein Käsebrot und die Tomaten aus und hole mir dazu an der Klosterschänke eine Maibock-Halbe.
Geradeaus guckend: die nun wieder tief verschneiten Alpen. Unter den Tisch guckend: der nun wieder tief zufriedene Hund.
Lese in einem Reiseführer, mache mir Notizen.
Schicke dem Papa eine Live-Foto von Fräulein Hund, Maibock und mir aus dem Klosterbiergarten.
Das freut ihn. War die Bildungsarbeit ja doch nicht umsonst, schreibt er.

Anschließend ein Rundgang durch die klösterlichen Anlagen.
Ein Fotoversuch hier und dort, aber ohne Assistenz ist das heute schwierig, Pippa hat keine Lust oder die Sonne steht ungünstig oder der Maibock ist schuld am Misslingen. Gehen wir halt demnächst nochmal hin.

In der Kapelle wie immer ein Kerzlein angezündet.
Ein Weilchen dort im Dunkeln gesessen, den warmen Wachsgeruch eingeatmet, ein bisschen den Gedanken nachgehangen. Auf einmal an ein Lied von Billy Joel gedacht, bekam die Strophen nicht mehr alle zusammen (dank YouTube kann man auf dem einsamen Weg zurück zum Auto dem Gedächtnis gleich auf die Sprünge helfen: meine Güte, auch schon wieder ein Vierteljahrhundert her, der Song).

It’s all about soul
It’s all about faith and a deeper devotion
It’s all about soul
‚Cause under the love is a stronger emotion
She’s got to be strong
‚Cause so many things getting out of control
Should drive her away
So why does she stay?

Und auf dem Rückweg gelingen uns doch noch ein paar Verrenkungen Zeckenaufklaubungen Übungen in den Frühlingswiesen mit dem Smartphone.

Exactly, it’s all about soul.

Von Subway-Sheriffs und anderen Scherzen.

Da will man sich mal in Klausur begeben, um konzentriert zu arbeiten, zu schreiben und anderes zu erledigen – aber ständig wird man gestört!

Erst wird zu Wochenbeginn das Dackelfräulein von einem Airedale Terrier gebissen, was uns beide dermaßen aufgescheucht hat, dass an Arbeiten erstmal nicht mehr zu denken war, denn das ist kein Spaß, wenn die Kleine da jaulend vor Angst auf dem Rücken liegt und der andere Hund nicht aufhört, sich in den kleinen Dackelkopf und -hals zu verbeißen, und man sich mit ganzer Kraft von hinten auf diesen großen, fremden Hund stürzen muss, um den wegzuzerren, was leider nicht mal klappt (kein Halsband an, schwer zu greifen, da sehr in Rage), so dass einem schlussendlich – bevor noch Schlimmeres passiert – nichts anderes übrig bleibt, als sich richtig dazwischenzuschmeißen und zuzutreten, auf die Gefahr hin, selbst was abzubekommen, aber dann lässt der Angreifer für einen kurzen Moment von Pippa ab, so dass ich sie mir schnappen kann und mit beiden Armen hochreiße und an mich drücke und sie immer noch schreit wie am Spieß, und ich dem Erdölterrier nochmal einen Tritt verpasse, weil der so guckt als würde er gleich an mir hochspringen wollen, und es dauert und dauert, bis endlich dessen lahmarschiges Frauchen herbeigeschlurft kommt, um in Zeitlupe nach ihrem Hund zu fassen, und der erste Satz, den ich mir von dieser plumpen Gestalt anhören darf, während mir aus dem Dackelschlappohr Blut auf meine Jacke tropft, dann auch noch der ist, dass mein Hund zuerst gebellt hätte, was zwar korrekt ist, aber völlig gerechtfertigt, weil der Riesenköter wie wild auf sie zugaloppiert kam als sie gerade mitten bei der Verrichtung dringender Geschäftchen war – na, stellen Sie sich einfach vor, Sie sitzen auf dem Klo und jemand tritt überraschend die Tür ein und springt mit Vollkaracho auf sie drauf, ja, denjenigen möcht‘ ich sehen, der dann nicht losbellt! -, nach dem Auftakt besinnt sie sich und gesteht ein (im Hintergrund halten sich, wie ich sehe, schon zwei Zeugen bereit: ein Pärchen, das aufmerksam hinüberschaut), dass ihr Hund der Beißer war, mit zittrigen Händen notiere ich mir dann Namen und Nummer, untersuche an Ort und Stelle das wimmernde Fräulein und finde zwei Bisswunden, die bluten, aber nicht allzu tief zu sein scheinen, zumindest kein Durchbiss des Ohres, sofern ich überhaupt in der Lage bin, das in dem Moment, also drei Minuten nach dem Vorfall, wirklich zu beurteilen. Fix und fertig schwanken wir zum Auto zurück, halb blind vor lauter Geheule rufe ich den Gatten an, der im fernen Frankfurt sitzt, und während wir telefonieren hör‘ ich von der Seite eine Stimme, die fragt, ob denn alles in Ordnung sei, sie kommt von dem Mann des Zeugenpärchens, die beiden haben selbst einen Hund dabei und sind so anteilnehmend und nett und haben außerdem das Auto-Kennzeichen des Terrierfrauchens fotografiert, nur für den Fall, dass die nicht den richtigen Namen genannt hätte, was sie aber sicher getan hat, wie ich meine, zumindest traue ich solch schlichten Gemütern in derartigen Situationen keine spontanen Namens- und Adress-Erfindungen zu, jedenfalls tut es gut, dass jemand da ist und bei uns steht und wartet, bis wir beide im Auto sitzen, wo ich dann tatsächlich kurz überlege, meinen großen Freund S. in seiner Kanzlei anzurufen, damit er uns abholen kommt, weil ich gar nicht weiß, wie ich jetzt das Lenkrad ruhig halten und fahren soll, aber nach einer Weile geht es dann doch und so spare ich mir das Hilfeholen für daheim auf, wo ich den ebenfalls dackelhabenden Nachbarn aus der Etage unter uns rausklingle, damit er mir assistiert, Pippa rundum gründlich zu untersuchen, denn die hält natürlich nicht still, verschreckt wie sie ist, aber man muss ja nachsehen, um entscheiden zu können, ob eine Fahrt zum Tierarzt angeraten ist oder ob es mit Betaisodona-Tinktur und derlei Hausmitteln auch geht, was gottseidank der Fall ist.

Ja was für ein Glück, das hätt‘ auch ganz anders ausgehen können, und im Übrigen eine krasse Erfahrung, wie lang das braucht, bis man sich nach so einem Erlebnis psychisch und physisch wieder beruhigt hat, weil sich das alles in dem Moment sowas von existenziell bedrohlich angefühlt hat: das Leben, es ist ein so fragiles (was man ja theoretisch weiß, dennoch ist’s gut, dass man da praktisch nicht ständig dran denkt).

Und kaum hat man sich wieder in die Arbeit hineingefieselt, reißt einen die Abendzeitung beim mittäglichen Gassigang mit dieser Wahnsinns-Schlagzeile aus den Gedanken…

…was die aktuellen beruflichen Überlegungen gleich erneut ins Wanken bringt, denn das wäre ja mal eine adäquate Option für das Dackelfräulein, um höchstselbst einen Teil zum Familieneinkommen beizutragen.

Eine Stellenanzeige, die Sie sich echt mal im Original reinziehen müssen!

Die Münchner CSU ist also davon überzeugt, „(…) dass gerade Dackel als Streifenhunde für die U-Bahnwache sehr gut geeignet sind. Denn: Sie sind typisch münchnerisch, ein echter Sympathieträger und können in jeder Hinsicht zur Deeskalation beitragen.

Ausnahmsweise mal ein Statement aus dieser Fraktion, das ich voll und ganz teile: der Dackel ist wahrlich die Deeskalation in Person, ein Airedale-Terrier wäre beispielsweise nicht so geeignet.
Und ein schickes Dienstmäntelchen hätten wir auch schon für unseren schlappohrigen Sympathieträger, und die liebe D. wäre sicher gern bereit, uns noch ein Münchner-Kindl-Stadtwappen aufzunähen.

So, und nun sind wir auch wieder weg – in der Hoffnung, dass die nächsten Tage deutlich ungestörter verlaufen.