Kontextuell.

Wir liegen in den letzten Zügen, der Handwerksfreund und ich.

Der Flur stinkt nach Paketklebeband und Styropor. Eine halbe Stunde lang haben wir die demontierte, brutal schwere, undichte Duschtrennwand (erst vor 2 Wochen gekauft und montiert) gemeinsam in den Karton der neuen, heute gekauften und hoffentlich dichten Duschtrennwand gezwängt. Styropor zum Abpolstern der Glasscheiben, meterweise Klebeband zum Verzurren der Retoure.

Gezwängt, weil die neue Trennwand 10cm kürzer ist als die bisherige. Da muss man tricksen: unterm Bett schlummern noch ein paar Umzugskartons, flugs wird das Teppichmesser gewetzt und ein Deckel daraus geschnitzt. Wie eine Mumie lehnt das Trum nun im Treppenhaus, bis Hermes, der Götterbote, es in ein paar Tagen abholt.

Der persönliche Orbit ist zusammengeschrumpft auf 1300cmx1400cm, glasklar, dreiteilig, zweifach faltbar, angeblich bruchsicher.

Aber wenn nun alles gut geht, kann ich bereits an meinem Geburtstag überschwemmungsfrei duschen. Was könnte man sich zum 46. sehnlicher wünschen? Dank des geschrumpften Orbits fällt mir da nichts weiter ein.

Fertig. Bald sind wir fertig.

Beim müden Entlangsschlurfen am Rande der Lindenallee, die die Theresienwiese säumt, fällt mein Blick auf die Lehne einer Parkbank. „Sense“ steht darauf. Ja, mit dem ganzen Gewerkel ist jetzt bald Sense, denke ich, und schlurfe weiter. „Fuck“ steht auf der Lehne der Parkbank daneben. Jawoll.

Erst auf dem Rückweg, als wir erneut an den beiden Parkbänken vorbeikommen, kommt mir der Gedanke, dass „sense“ ja auch „Sinn“ bedeuten könnte. Vor allem, wenn nebenan in derselben Sprayfarbe und Schriftart „fuck“ zu lesen ist.

Kontextuelle Wahrnehmung, nach 7 Wochen Wohnungsrenovierung.

Fucking sense & time to have a refreshing shower.

Eine Blume zum Abschied.

Vierte Woche in Folge drei Tage gerödelt – und wieder ist kräftig was vorangegangen im neuen Zuhause.

Heute die gesamte CD-Sammlung aus den Kartons geholt und in die frisch montierten Regale eingeräumt. Überhaupt: den letzten Karton ausgepackt!
Erste Bilder zieren bereits die Wände. Die Küche hat nun ein Deckenlicht und der Gatte ein maßgeschreinertes und wunschgemäß lasiertes Buchablagesideboard überm Bett. Das Dackelfräulein hat in der neuen Küchenzeile einen Liegeplatz eingerichtet bekommen, von dem aus der gierige Blick direkt auf die Anrichte geworfen werden kann, ohne sich den Hals zu verrenken.
Es wird wohnlich.

In den Pausen, die der Handwerksfreund und ich gelegentlich im „Privatgarten“ vor der Haustür verbringen (also am Rande der Wiesn), fand sich manchmal sogar ein bisserl Zeit für Speed-Sightseeing…

… ich mein, schließlich soll er ja auch was mitkriegen von der schönen Metropole, in der er da werkelt (man hat ja hier durchaus mehr zu bieten als die diversen Münchner Biersorten im Kühlschrank!).

Und dass das hier überwiegend richtig rund läuft, das merkt man vor allem an Kleinigkeiten.

Wenn „Service“ beispielsweise nicht nur ein leeres Wort ist, sondern wirklich gelebt wird – und zwar selbst innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Fäschprrzeiten Pausen!

Das Gebäckstückchen aus der Hofpfisterei hat offenbar gemundet – beschwingt und gestärkt ging’s zurück an die Bohrmaschine, ich kam mit dem Staubsauger kaum hinterher.

Die abschließende Fäschprr am Abend wurde gern genommen (die klassische Handwerker-Brotzeitplatte: Südtiroler Schinken, Essiggurken, ein paar Tomaten drumrum, dazu ein kräftiges Ciabatta und ein würziges Feierabendbier) und irgendwie gelingt’s dem Handwerkerfreund jedes Mal aufs Neue, zum Abschied ein krasses Gewitter zu bestellen, so dass man’s nicht übers Herz bringt, ihn mit seinem schweren Gepäck zur U-Bahn marschieren zu lassen, sondern ihn zum Bahnhof fährt.

Aber das tut man auch wirklich von Herzen gern, erst recht, wenn einem zum Abschied noch völlig überraschend ein Blümchen überreicht wird:

Die sog. Handwerker-Rose: Ein Staubpinsel aus feinstem Ziegenhaar! Wie passend! Was hab ich mich gefreut!

Jetzt machen wir aber mal eine Woche Pause.
Schnaufen durch und brüten die Pläne für den Endspurt im Juni aus.
Sie wissen ja: Zum Geburtstag habe ich mir gestern spontan ein neues Bad gewünscht.

Vorher wird noch der Flurschrank innen ausgebaut (die eklige, abblätternde Schranktapete im Inneren entfernt, ebenso die windschiefen, versifften Bretter) und die sogenannte „Kleinkram“-Liste abgearbeitet (ein trügerischer Begriff übrigens, entpuppt sich doch jeder zweite Punkt dieser Liste unerwartet als Herausforderung).

Bleiben Sie also dran & für heute einen schönen Abend & an Mr. Speed besten Dank für Fleiß und Schrank!

Tomorrow will be too late…

…sagte sie, kippte den Sicherungsschalter wieder um (da es eigentlich ganz danach aussah, dass er die Küchendeckenleuchte bereits erfolgreich angeschlossen hatte) und nahm endlich, endlich ihr BOSE-Soundsystem in Betrieb, das nun auf dem zuvor endlich, endlich geradegerückten und befestigten Regal in der Diele thronte.

Es musste Elvis sein, denn draußen flirrte der Sommer, während die beiden hier drinnen zwischen Eckregalschreinereien, Alukantenprofilleisten, Schrankjustierungen, Aufputzsteckdosen, Koch- und Putzarbeiten und Deckenbeleuchtungen vor sich hin schwitzten.

Als „Wooden heart“ ertönt, steigt er doch glatt kurz von der Leiter hinunter und kommt kichernd in die Diele gelaufen, wo sie steht und vor sich hinsingt – „treat me nice, treat me good, treat me like you really should, ‚cause I’m not made of wood“ (genau!!!) – und er merkt an, dass das im Original ein schwäbisches Lied sei, was sie natürlich weiß, denn deshalb hat sie’s ja aufgelegt.

Danach noch „It’s now or never“ in schlagbohrerübertönender Lautstärke und dann packt sie die Leine und führt das Dackelfräulein zum mittäglichen Bade an die Isarauen (nicht ohne ihm vorher noch einen frischen Erdbeerquark zu servieren).

Es geht voran!

*****

Und soll ich Ihnen was verraten?!?
Vorhin hab ich ganz spontan zu ihm gesagt: „Wissen Sie was? Zum Geburtstag wünsch‘ ich mir ein Bad von Ihnen!“. Er ging bislang von einem Schlüsselbrett aus, aber Wünsche können sich ja ändern, was er als erfahrener Handwerker/Lebensgefährte natürlich eh weiß.

Da die Münchner tz heute schrieb, dass Handwerker immer teurer werden (wovon ich ein Lied singen kann, und zwar nicht „Wooden heart“!) und was man tun muss, um diesen Schmerz abzuschalten, dachte ich, ich äußere diesen Wunsch mal lieber früher als später (also solange die alten Konditionen noch gelten und bevor der schwäbische Preishammer zuschlägt).

Genießen Sie den schönen Sommertag!

Bis bald und herzliche Grüße
Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (39): Ozapft is.

Noch nie zuvor im Leben einen ersten Arbeitstag gehabt mit a) 66km Anreise zu einem Herzensort, b) ausgelatschten Trekkingsandalen an den Füßen und c) einer Kiste voller Sport- und Arbeitsklamotten für die kommende Saison im Kofferraum.

Das Tölzer Land empfängt mich gestern – entgegen der frühmorgendlichen Wetterprognose! – mit blauweißem Bayernhimmel über der Benediktenwand…

…und am vertrauten Wanderparkplatz ist erstmals keine Gebühr zu zahlen…

…sondern ein Zettel hinter die Windschutzscheibe zu legen, der mich als Mitarbeiterin der Berghütte ausweist.

Die Wirtin nimmt mich und mein ganzes Glump von dort aus mit nach oben. Der Dienst beginnt quasi mit dem Zuschlagen der Jeeptür, denn ab da geht’s los mit dem Input und den zahlreichen Infos.

Mein Personalkammerl, das ich nach Ankunft beziehen darf, ist vergleichsweise luxuriös…

…und sogar mit eigenem Bad (samt warmer (!) Dusche) ausgestattet.

Die Einarbeitung dauert keine 15 Minuten und besteht aus dem Satz „Am besdn is lörning bei duing, des hod si hier herobn allwei bewährt“, einer Ultrakurzeinführung in die Bedienung der zwei Spülmaschinen und einem Blitzrundgang durch die gesamte Hütte.

Dann sind wir auch schon mittendrin im Arbeitsmarathon – und ich bin saufroh, durch die Umzugswochen bereits einigermaßen trainiert zu sein…

…weil so eine Großküche, die fordert einen scho gscheid und als allzu verzärtelter Städter hätt‘ man da eher schlechte Karten.

Nach etwa einer Stunde sitzt die Geschirreinschichttechnik…

…und man hat kapiert, warum in der Küche geschlossene Schuhe mit gutem Profil das einzig Wahre sind.

Für Zimperlichkeiten ist hier ohnehin weder Raum noch Zeit…

… – der Schweinsbraten muss um 18 Uhr resch und in einer Stückzahl aus dem Rohr kommen, dass es einem zunächst ein Rätsel ist, wie das eigentlich parallel zu all dem anderen Gewurschtel gelingen soll.

Die knappen Pausenzeiten richten sich ganz nach Witterung und Gästeandrang (@Hr. Speed: nix 5x am Tag Fäschprr nach Belieben oder gar mit a paar Minuten Kontemplation inklusive!), und man lernt extrem fix, die wenigen Lücken effizient zu nutzen, weil sonst verhungert man nämlich…

…während sich die Gästeschar drumherum spinatknödelrund frisst.

Was einem als Mitarbeiter aber schon auch passieren könnte, da man jederzeit Zugriff auf die frisch gebackenen Kuchen hat…

…daher dreh ich dem Süßkram lieber schnell den Rücken zu und erarbeite mir einen Platz am Ausschank.

Mein persönliches Highlight des Tages: Nach einigen Stunden Durchschuften steh‘ ich dann irgendwann tatsächlich allein an den 7 Zapfhähnen, der bräsige Hüttenhund Tessa vom Nibelungenblut liegt zu meinen Füßen (oder besser gesagt: mitten im Weg), bediene eigenständig einige Gäste sowie die Kasse, fülle ohne Überschäumen drei Russn in Maßkrüge ab und aus dem Küchenradio dröhnt Bruce Springsteen hierüber.

Ja, das war ein prima Gefühl! So konkret und unmittelbar: einfach Dastehen und Machen – und kein langes Gefasel und Gegrübel!

Der Wirt ist recht zufrieden mit meiner rasanten Karriere und weil eh grad zwei Fässer leer sind, weiht er mich gleich noch ins Ozapfn ein und bekräftigt dabei zum x-ten Mal, dass ich keine Hemmungen haben solle, mich am Faß zu bedienen („…wannsdes verdrogst“).

Aber schon kurz drauf komm‘ ich wieder an meine Grenzen, als die Stamperl mit dem Hochprozentigen befüllt werden sollen (eine neue Begriffswelt tut sich auf: „Gebirgsenzian“, „Hirschkuss“, „Willi“ u.v.m.)…

…es gibt also noch viel zu lernen da herobn.

Hoff‘ ma nur, dass der Ellbogen es auch mitmacht!

[6:30 Uhr, am Tag nach dem Einstand: Wenn da Hahn kräht aufm Mist, woaßt, dass’s Zeit zum Aufstehn ist.]

Consummatum est.

Oder: perfectum est.

Handgesägt und holzdübelverbunden hochgepäppelt.

Die zu wenig überdachte Skizze der Kundin ließ sich mit etwas Mühe und gutem Willen dann doch umsetzen.

Die neue Arbeitsplatte, dem Aufbügeln der Kantenstreifen harrend.

Bei schwülwarmen 27 Grad fließt der Schweiß in Strömen, auch schon ganz ohne Handwerken.

Der Herkules Handwerksfreund aber schraubte und sägte unbeirrt weiter. Den ganzen, heißen Fronleichnamstag lang.
Ich sorge für regelmäßige Pausen und Stärkungen, kleine Ortswechsel und Rekreationspläuschchen, zwischendurch putze ich in mehrmals am Tag den Montagestaub weg.
Nur ganz selten darf ich mal mit anpacken – so eine Arbeitsplatte in 2,20 Meter Länge kann man(n) nämlich tatsächlich alleine tragen, obwohl es sich zu zweit besser rangieren (aber halt nicht so laut schnaufen) lässt.

Zeitgleich mit dem ersten Donnerschlag des spätnachmittäglichen Hitzegewitters über München ist es dann vollbracht!

Das Dackelfräulein und Dr. Schmitt dürfen sich auf die frisch geschreinerte neue Küchenzeile setzen…

…einen Pommery zwitschern und – auf Augenhöhe! – der Hausfrau beim Kochen zugucken.

Nach einem letzten Abendmahl und fahren wir den tapferen Handwerkshelden mit Schnittwunden an den Händen und Sägespänen im Haar (aber satt und zufrieden!) im tosenden Unwetter zum Bahnhof, geben ihm nach größten und herzlichsten Danksagungen zu seinem Salär noch etwas Lektüre für die Heimfahrt mit, wünschen eine angenehme Heimreise ins Allgäu und gute Erholung am Wochenende!

Und sollte Ihnen etwas fehlen, delektieren Sie sich einfach ein wenig an diesem erfrischenden Handerwerkerfilmchen, das definitiv Lust auf MEHR macht. Wie schön, dass wir in unserem Projekt „Vivat Bavaria!“ erst Halbzeit haben, nicht wahr?

In diesem Sinne: Man sieht sich!

Und hiermit verabschiede auch ich mich für die nächsten Tage, denn morgen ertönt erneut frühmorgens die Werkssirene (diesmal allerdings ausschließlich für mich). Da stürze ich dann mich mit meinem lädierten Ellbogen, aber ansonsten topfit dank des täglichen Trainings durch die Umzugs- und Handwerkswochen in meinen neuen Job als Saisonarbeiterin hoch droben aufm Berg.

Sollte das WLAN dort funktionieren und ich abends nach getaner Arbeit nicht im Stehen am Hüttengatter einschlafen, sende ich Ihnen ein paar alpine Arbeitsimpressionen, ansonsten hören wir uns nächste Woche in alter Frische.

Ihre Kraulquappe.

Lovely things.

Mit schwerem Rucksack und einer verheißungsvoll betitelten Tragetasche spazierte der Handwerksfreund gestern vom Münchner Hauptbahnhof zu seinem Einsatzort…

…drin aber nur ein neues Schrauben- und Dübelsortiment, sonst keine spannenden Mitbringsel für die Damen des Hauses.

Kurze Fäschprr (Vesper) und dann ab in den Baumarkt, wo ich mittlerweile kleine Aufgaben übertragen bekomme und eigenverantwortlich erledigen darf – gestern: Schleifpapier in 4 Körnungen besorgen. Eigentlich nichts weiter als ein fieser Trick, denn so wird man(n) die Frau für mindestens 20 Minuten los…

…und kann in Ruhe den ganzen Bretterkram besorgen.

Bevor’s dann so richtig losgeht, wird die Kundin noch mit zwei lang ersehnten Haken ruhiggestellt…

…und schon beginnt das Dauergesäge.
Abends steht dann der Sockel und die Arbeitsplatte darf bereits probeweise auf der Konstruktion nächtigen.

Mittwochmorgen.

Seit kurz nach 8 Uhr jault die Säge wieder vor sich hin, ich schleppe die Tagesration Getränke und Verpflegung ins Haus. Am Vormittag ersucht der Handwerksfreund um einen zweiten Baumarktbesuch – er braucht ein anderes Sägeblatt. Teures Teil, aber einen super Namen hat’s: „Craftomat“. Überhaupt haben sie dem Werkzeuggeraffel ja tolle Namen verpasst: „Herkules“, „Wolfcraft“ usw., soll ja schließlich den Käufer auch emotional ansprechen.

Tut es auch, er strahlt übers ganze Gesicht. Spontan schenken wir ihm das funklende Silberstück vorweg zum Geburtstag. Darauf erstmal ein „Jever fun“ (zur Zweit-Fäschprr)!

Die Tiere machen ebenfalls ein Päuschen und ich verzieh‘ mich jetzt ins Schwimmbad, da ich hier eh nur störe.

Dr. Schmitt bewacht die Konstruktionsskizzen und die To-Do-Listen.

Das Dackelfräulein bewacht die Sägestation auf dem Sonnenbalkon.

Kann man jetzt nicht meckern: die Männer arbeiten und man selbst schwimmt mal ein bisschen im güldenen Wasser des geliebten Freibads ein paar Erholungsrunden.
Trotz der vielen Planung, Arbeit und Ausgaben irgendwie eine durchaus erfreuliche Lebensphase!

Der Haken an der Sache.

Der Haken an der Sache ist der, dass man sich zunehmend so in das ganze Projekt verschraubt, dass man sich im tiefsten Werkel-Flow auf einmal an den dollsten Kleinigkeiten aufhängt, ja geradezu hineinsteigert!, und dann plötzlich feststellt, dass man jetzt womöglich mehr Haken hat als Aufzuhängendes, aber wer weiß, was die Zukunft einem noch alles aufbürdet, bei dem’s einem eine Wohltat sein wird, es dann mit einem zielsicheren Handgriff abzuhaken.

Für diese Woche mache ich jedenfalls einen Haken hinter das tagelange Frühaufstehen und einen weiteren hinter das Messen-Planen-Herumräumen-Putzen-Listenschreiben, sage dem fleißigen Dienstleister aus dem Allgäu herzlichsten Dank für alles (erholen Sie sich gut!) und begebe mich kurz ins Bergland, um auch mal wieder was Anderes zu sehen (und einem „Lagerkoller“ vorzubeugen, denn schließlich haben wir hier noch Einiges vor uns).

My home is my Kammerl.

8 Uhr. Der Handwerksfreund klingelt an der Tür.

So ein schwäbischer Arbeitstag beginnt meist früh und wortkarg…

…so dass den Damen des Hauses noch etwas Zeit für einen halbwegs gemütlichen Start in den Tag bleibt.

Eine der Werkzeugsboxen eignet sich hervorragend als Wurfkiste, in die sich das Dackelfräulein mit seiner eingebildeten Welpenschar nochmal für ein Stündchen einkuscheln kann…

… – kommt der Handwerker halt nicht vor 9 Uhr an die Holzsäge ran und hat auch mal Zeit für einen Zweitkaffee.

Im Schweiße seines Angesichts Rückens gelingt ihm bis zur Vesper (schwäb. „Fäschbrr“ 🤤) der komplizierte Innenausbau des Speisekammerls (der Grundriss der Regalböden erinnert an Tangram-Figuren, die einen einst als Kind fast in den Wahnsinn trieben).

Und als Sankt Paul zu Mittag läutete, da ward es geschehen:

Da schlagen nicht nur Hausfrauen-, sondern auch Hundeherzen höher (vielleicht noch ein samtener Vorhang fürs untere Abteil gefällig? so als Hundehüttenpforte? alles machbar gegen einen geringen Aufpreis und eine warme Mahlzeit!)…

…und wieder kann man eine Kiste leer räumen, gewinnt an Lauffläche…

…und erfreut sich der Strukturen, die täglich aufs Neue entstehen.

Heute hatten wir einen sehr guten Tag. Denn neben den Strukturen entstehen nun auch Routinen und die erleichtern die Zusammenarbeit ungemein.

Voller Elan wird nachmittags noch in die alte Wohnung gefahren, wo ich letzte Flecken und Farbunterschiede suchen soll und dann mit dem Dackelfräulein in den Wald geschickt werde, während der Handwerksfreund nochamal rumpinselt.

Anschließend erklären wir nach einem letzten Rundgang durch die alte Wohnung das Projekt „Übergabefähige Renovierung“ für beendet, klauben das Hündchen aus der schwäbischen Schlafstatt (wie man nur auf Malervlies so gut schlafen kann, dass solche Arbeitseinsätze möglich sind, ist mir ein Rätsel!) und fahren wieder in die Stadt zurück.

Daheim noch drei Schweberegale an die Wand gedübelt und dann runter auf die Wiesn.
Feierabend!

Ergo bibamus!

Holy Spirit oder: Freude und Hoffnung.

Zu Pfingsten, dem Fest der Freude und der Hoffnung, erschien manchem der Heilige Geist – und uns erneut der Handwerksfreund.


Die übergabefähige Renovierung der alten Wohnung – der Handwerksfreund erledigte das während der Pfingsttage quasi en passant und in gewohnter Perfektion (Satz des Tages: „Ich find‘ meine eigenen Löcher nimmer, so gut sind die übermalert!“) – feierten wir alle miteinand bei Speis und Trank hinter dem Rücken der Patrona Bavariae, im schönen Westend.
Die Herren über ihre Gebirgsjägerzeiten am Fuße des Watzmanns plaudernd, das Dackelfräulein knochenkauend und ich mit einer Portion Spargel (man kommt ja vor lauter Werkeln nicht mehr zum Kochen).

Die Party war leider nur von kurzer Dauer, denn das Ende der einen Arbeit markiert momentan ja zugleich den Beginn der nächsten (und so wird das hier noch ein paar Wochen weitergehen – das Ganze ist, nebenbei bemerkt, für alle Beteiligten auch ein großes Selbsterfahrungsprojekt, jeder kommt da auf seine Art und Weise an seine Grenzen oder wächst über sie hinaus, eine spannende Sache!, und wie ich ja schon mal sagte: wenn wir das hier gut überstehen, dann samma Freunde fürs Leben oder gar für zwei Leben, denn das ist echt nicht ohne, dieses gemeinsame Gewerkel).

Seit heute Morgen geht’s nun dem Speisekammerl an den Kragen. Nach präzisem Aufmaß und Skizzen ab in den Baumarkt, da hat man jetzt schon eine gewisse Übung beim Parken-Suchen-Schleppen (nächste Woche können wir da blind durchwandern).

Wieder daheim dann raus mit dem alten, maroden, muffigen Holzglump und ab zum Wertstoffhof…

…wo ich mit den sonnengegerbten Haudegen, die einen bayrisch-charmant von Container zu Container kommandieren, bereits auf Du und Du bin.
Anschließend das Dackelfräulein an in der Isar ausführen…

…die Verpflegung für die nächsten beiden Tage organisieren, die Infrastruktur am Laufen halten (und so den Handwerksfreund bei Laune).

Derweil der Handwerker daheim handwerkt und es ist ein einziges Gesäge und Gehämmer und Gestaube…

…was auch an den Nerven sägt, aber hoffnungsfroh blick‘ ich nach vorn, dem Ergebnis entgegen, das sich schon abzuzeichnen beginnt…

…und wieder schön nach Fichte duften und jeden Ordnungsfanatiker frohlocken lassen wird.

Die Hundemadame: selig, permanent mit von der Partie zu sein, gelassen inmitten all der Sägespäne fläzend…

…und sich keinen Millimeter rührend, gemütlich in der Sonne dösend – und wie immer im Hier und Jetzt vollkommen zufrieden.

Hauptsache, ihre Futterdosen sind alsbald wieder gut zugänglich.
Völlig wurscht, in welchem Kammerl.

Song der Woche.

Rain pourin‘ down, I swing my hammer
My hands are rough from working on a dream
I’m working on a dream

Let’s go!

I’m working on a dream
Though trouble can feel like it’s here to stay

Drei Tage hatten wir hier bei absolutem Mistwetter Besuch vom Handwerksfreund – und ich muss sagen: Diridari hin oder her, es hat sich dermaßen gelohnt, die ganze Aktion, und am Ende waren alle glücklich und zufrieden.

Das Gepäck vom Handwerksfreund aus dem Allgäu (ein Ausschnitt).

Gemeinsame Unternehmungen wie Baumarktbesuche können die Freundschaft festigen (alleine Ausladen ebenfalls).

Kammerspiel, Part I: Rohrumbauungen.

Kammerspiel, Part II: Weitere Rohrumbauungen.

Kammerspiel, Part III: Rohrkurven ohne Ende.

Kammerspiel, Part IV: Die Kammerzofe erhält ein maßangefertigtes Stiefelfach.

Kammerspiel, Part V: Sonderschnitzerei für den Sicherungskasten.

Kammerspiel, Part VI: Das Kammerkonzert kann beginnen!

Eine Spitzen-Abstellkammer ist das geworden, sag‘ ich Ihnen!

Individuellst gestaltet, jeder noch so schräge Wunsch wurde berücksichtigt („Könntest du die Regalhöhe bitte an die Klorollenhöhe anpassen?“ / „Ich bräuchte bitte noch einen Haken für die Fliegenpatsche!“).

Gut, ein bisserl viel Leergut ist zammkemma, aber im Kammerl drin ist’s halt recht warm, da laufen die Heizungsrohre durch, die man jetzt auf einer Seite gar nimmer sieht, weil sie – schick holzverschalt – das kritische Hausfrauenauge nicht mehr beleidigen.
Also hat er eben an Durscht ghabt, der Herr Handwerker. Zum äußeren Abkühlen isser eh immer raus aufn Balkon – immerhin eine Loggia! – so dass er nicht im strömenden Regen hat sägen müssen.

Mit dem Dackelfräulein hat er lustiges Werkzeug- und Krepprollen-Kullern im Flur gespielt und tapfer das Scheinmutterschaftsgejammer ertragen.
Gekehrt hat er auch ordentlich und für die im Sitzen eingenommenen Imbisse auf den cremeweißen Vitra-Stühlen hat er sich stets brav alle Sägespäne vom Gwand geklopft. Solche Sperenzchen würd‘ ein „normaler“ Handwerker, den man sich ins Haus bestellt, ja niemals mitmachen (aber dem serviert man auch kein indisches Curry oder einen Quinoa-Salat nebst einem Schoppen Roten).

Letzter Akt nach dem Kammerspiel: Zusammenpacken der Gerätschaften für das Pfingstprojekt (Renovierung der alten Wohnung).

Insgesamt waren und sind wir hochzufrieden mit der ersten Werkelwoche im neuen Zuhause.
Es lebe das Handwerk & das Hausmöbel!

„Das Hausmöbel“ (Aus dem Konversationslexikon „Der Große Polt“)

Und genau so war’s: zum Abschied sagte er leise „Service!“ und „Bis Sonntag!“, man klopfte einander anerkennend für das gemeinsam Durchgestandene und Entstandene auf die Schulter (schnaufte dann unbeobachtet erst amal durch) und versprach zum Abschied, nach einem wohlverdienten Pausentag dahoam die To-Do-Liste für die vier Tage ab Pfingsten zu studieren (Schwerpunkt „Speisekammer“ und „Kleinkram, vermeintlicher“).

Wir wünschen der Leserschaft schöne Feiertage, tolle Ferien und erholsame Urlaube und was die Menschheit halt so macht, wenn sie nicht gerade den letzten Zaster in den Um- und Ausbau der Wohnung steckt.

Herzlich grüßt Euch –
Die Kraulquappe.