It’s raining cats and dogs.

Den dritten Tag in Folge ist alles grau in grau, nasskalt, verregnet. Keinen Hund möchte man da vor die Tür scheuchen (und sich selbst erst recht nicht).

Perfektes Steuererklärungswetter, da ich aber in einer zurückliegenden Regenphase schon vorgearbeitet hatte, ging das nun erstaunlich flott.

Ideale Witterung auch für Freibadbesuche während der bayerischen Sommerferien – man kann im menschenleeren Becken ausgiebig an der Technik feilen, wenn das Thermometer nur schlappe 13 Grad anzeigt.

Ebenfalls eignet sich so eine Auszeit, die der Sommer sich mal wieder nimmt, hervorragend zum Ausprobieren neuer Herbstrezepte: die Kürbis-Mangold-Lasagne gestern war ein Traum. Und zwar ein so großer, dass wir ihn nach der Rückkehr des Gatten vom DFB-Pokal-Glotz-und-Besprech-Nachmittag beim Nachbarn gleich weiterträumen werden, bevor wir dann zur 4. Abendsitzung in Folge auf die Couch sinken, um uns ganz „Elementary“ hinzugeben (nein, kein erotikbefeuerndes Spiel für Paare, sondern unser aktueller Serien-Favorit, in der 3. Staffel).

Oder man liest die Geschichten, die man selbst erlebt und verfasst hat…

…als einen noch die Sommersonne auf der Haut kitzelte und die Bergluft durch Haar und Fell blies.

Die neue WUFF wartet sogar schon mit Herbst- und Winterthemen auf…

… so dass sich die Lektüre auch für all jene lohnt, die an einem verregneten Wochenende gern mal die Stricknadel schwingen (oder Perücken basteln). Cuique suum.

Herzlich grüßt euch

Die Kraulquappe.

High above it all.

Pippa kurz vor dem Seekarkreuz.


Erkenntnis des Tages:

Am Vortag eines wichtigen Termins gibt es keine bessere Ablenkung als eine Bergtour (aber auch ohne jeglichen Termin morgen wär’s ein toller Tag gewesen).
Raus aus dem Kopf, rein in den Körper und die Natur.
Auch so ein steifes Schulterblatt verfliegt im Nu durch den stundenlangen Stocheinsatz. Super.


Bilder des Tages:

Start in Lenggries, Ortsteil Hohenburg.

 

Trinkpause am Hirschbach.

 

Die Rückansicht des vorigen Bildes.

 

Von Wasserfällen begleitet geht’s den Sulzersteig bergauf.

 

Ganz da hinten irgendwo: Der Gipfel vom Seekar (grüne Kuppe mit Kreuz drauf).

 

Anflugschneise zur Lenggrieser Hütte.

 

Zweite Trinkpause. Rüsten für den Gipfelsprint.

 

Das Dackelfräulein mal wieder topfit: Über 900 Höhenmeter, wie eine Nähmaschine!

 

Seekarkreuz erreicht! Spitzen-Aussicht von da oben (Richtung Tegernseer Tal).

 

Die Rückansicht des vorigen Bildes (Richtung Lenggries).

 

Und nochmal runter zur Hütte. Diesmal richtig Pause.

 

Echt jetzt? So schmecken die Berge?!

 

Da fällt die Entscheidung schwer!

 

Am besten nimmt man einfach eine halbe (!) Portion von beidem.

 

Aussicht von der Terrasse der Hütte (Richtung Sylvenstein, Karwendel und Wetterstein).

 

Über den Grasleitensteig geht’s zurück ins Tal.

 

Blick auf den Hausberg von Lenggries: Das Brauneck.

 

Wieder unten! Am Mühlbach, schönster Ortsteil von Lenggries.

 


Song des Tages: „Like a rock“ (Bob Seger)

I stood proud
I stood tall
High above it all
I still believe in my dreams

Das nächste Mal laufen wir da komplett rüber und besuchen den Papa in Rottach.

Von Alpen, Hörnern und Beschaulichkeit.

Heute kamen wir zunächst etwas schwer aus den Federn. Der gestrige Hitzemarsch steckte uns noch arg in den Knochen…

…so dass ich um ein Haar dem auffälligsten und am unstressigsten wirkenden Wegweiser gefolgt wäre…

…wenn das Dackelfräulein nicht plötzlich so verdammt fit gewesen wäre…

…und munter von Alpe zu Alpe bergauf wieselte und nur an manchen Gefahrenstellen mein Geleit suchte.

Nachdem ich 7 kg Dackel durch mehrere Kuhherden und meine müden Gebeine samt des vollen Rucksacks die 850Hm zum Immenstädter Horn geschleppt hatte, dankte ich beinahe dem Herrn, dass wir Gipfel Nr.1 sogar noch vor dem 12 Uhr-Läuten erreicht hatten.

Von den 3 Litern Wasser wurden wir hier oben die Hälfte los…

…danach ging’s weiter, und wenn ich etwas in den Bergen nicht mag, dann sind das Zwischenabstiege, bei denen man den nächsten Anstieg samt Ziel permanent vor Augen hat…

… so wie in dem Fall das Kemptener Naturfreundehaus, dessen Erreichen bei üblem Unterzucker und hochsommerlichen Temperaturen heute echt eine harte Nuss war…

…so hart, dass die eine oder andere schöne Aussicht kaum noch gewürdigt werden konnte.

Bei der Hütte angekommen, mussten zunächst noch die Nachbarschaftsverhältnisse geklärt werden…

…dann ließen wir uns zur wohlverdienten Stärkung nieder und wurden nicht enttäuscht: Bei der Portion hätte glatt noch ein Bernhardiner mitfuttern können!

Mit neuer Energie ausgestattet packten wir noch den Gipfel des Gschwender Horns und sogar den langen Abstieg in praller Sonne…

…die einzige Etappe, auf der ich mich heute besser schlug als mein Hund!

Dank einiger Bäder in Viehtränken hat Pippa dennoch tapfer durchgehalten…

…und geschafft und zufrieden kamen wir beide wieder beim Parkplatz an.

Game over!

Für die Madame hieß es, 2 Stunden bis München gemütlich auf der Rückbank durchratzen, während ihre verklebte, müde Chauffeuse erneut Fußarbeit leisten musste (wg. Landstraßen, Traktoren, LKWs, Entenfamilien).

Schön war’s im Allgäu, wir kommen auf jeden Fall wieder – der Grünten fehlt uns noch und auch Oberstdorf müsste man sich ja endlich mal im Sommer anschauen.

Als irgendwo hinter Huglfing der erste Blick auf Heimgarten, Jochberg und Benediktenwand möglich ist, da kriecht es massiv in mir hoch: Das Gefühl von Heimat, von Nachhausekommen, von Zugehörigkeit. Je älter ich werde, desto häufiger und deutlicher spüre ich das. Vor nicht allzu langer Zeit war mir das noch peinlich, mittlerweile kann ich es genießen.

Eine gute Nacht wünscht

Die Kraulquappe.

PS: Ach ja, liebe Allgäuer, erklärt mir doch bitte mal, was ein „beschaulicher Fußgänger“ sein soll?! Wir haben das Strandpromenaden- und Badevolk gründlich beschaut…

… und waren recht froh, dass wir kein Miteinander mit denen hatten.

Himmel der Bayern (24): Des möcht i ned Missen.

Da samma wieder!

Terminierte Arbeiten erledigt, einigen Ärger und Frust gehabt, ätzende Regenwoche durchgestanden, viel Grundsätzliches durchdacht, mit wenigen Ergebnissen. Den Pony selbst gekürzt. Das Auto endlich gereinigt. Erfreulichen Besuch aus Braunschweig und der Schweiz gehabt. Im See geschwommen, im Freibad sowieso.

Bevor es ab Freitag weitergeht mit so entzückenden Angelegenheiten wie der Steuererklärung 2016, Fensterputzen, Keller ausmisten und dem Termin mit dem Gutachter der Versicherung des Umzugsunternehmens, sind das Dackelfräulein und ich noch schnell für 36 Std ausgeflogen.

Der bayerische Himmel erstreckt sich ja bis ins Allgäu, das in meiner ganz persönlichen Heimatgeografie ein sehr stiefmütterliches Dasein fristet.

Zu Unrecht, denn die Wanderwege sind mal eine willkommene Abwechslung zum Altbekannten daheim im Oberbayrischen. Nur den Dialekt hier, den bräucht‘ ich nicht. Aber auf der 16km-Tour haben wir außer Kühen eh niemanden getroffen (was auch gereicht hat, so wie die uns verfolgt haben).

Luft-Kuh-Ort im Allgäu.

Aus Missen – im Herzen des Allgäus (Geburtsort des Alpkönigs Carl Hirnbein!?!) – grüßt euch

Die Kraulquappe.

Der Tag in Bildern:

Der Wandertag beginnt auf kritischen Pfaden…

…wird dann aber wunderschön.

Blick auf die Allgäuer Alpen. Ned schlecht.

Jede schattige Wiese zum Kühlen nutzen.

Weiter geht’s! Scheiß-Hitze.

Zwischenziel auf dem Weg zum Hauchenberg.

Ahh – das da hinten ist also der Grünten!

Das Ziel zum Greifen nah: Aussichtsturm „Alpkönigblick“.

Ganz da hinten irgendwo: Die Zugspitze.

Kuhnigundenweg 😄! Ich liebe diese schlichten Sprachspiele.

Ein Hydrant, ein Hydrant! (Mit den besten Grüßen nach Paderborn.)

Brauereigasthof Schäffler, unsere Schnäppchenpreisbleibe für 1 Nacht.

Ein adäquates Nachtlager für uns zwei.

Up up and away.

Am Donnerstagabend hab ich den Gutschein vom Gatten doch noch gefunden!

Samstags wurden die Taschen gepackt…

…die neuen Schuhe geschnürt und los ging’s…

…ins Wochenende am Kochelsee.

 Für die Menschen: 1. Room with a view

2. Cruise with a view

3. Walk with a view

Für den Dackel: 1. Machtspiele mit Einheimischen.

2. Flugspiele mit Herrchen.

3. Ohrenspiele im Wind.

Morgen noch Berg oder Baden oder Tretboot. 45 sein ist bislang echt ok.

Einen schönen Sonntagabend wünscht – Die Kraulquappe.

Prolaktinsenkende Naturheilmittel.

Es geht bergauf – und zwar in jeder Hinsicht.

Auf dem Weg zur Benediktenwand (26.06.17)

Elende Anstrengung!

Wand und Hund in der Mittagssonne.

Nusskuchenstation erreicht!

Jede Woche zwei Bergtouren – ich bin jetzt fit wie ein Turnschuh (oder besser: wie ein Approach-Schuh).
Unterwegs reichlich alpine Animation für die Hundedame im Hormontaumel: allerorten fröhlichen Kuhfladenslalom, Kühen ausweichen, Seilbahn fahren, Hängebrücken überqueren, Suchspiele auf der Almwiese, Gipfelklettereien, Wildbäche durchqueren etc.
An den Tagen zwischen den Bergtouren möglichst oft zum Erlebnisparkour in die Wälder und Flüsse rund um München.

Aufstieg übers Ettaler Mandl zum Laber (04.07.17) oder: Jakobsweg ist überall.

Nochmal Innehalten: Schon wieder Kuhpassage und Kuhfladen.

Tanztheater im Voralpenland: Kann man verbellen.

Wenn man mit uralten Karten geht oder: Da unten war mal der Soilasee. Schade auch.

Je nach Tagesgestaltung war sie abends so platt, dass sie ihre imaginäre Welpenschar schlicht vergessen hat, keine Energie mehr hatte, um Wurfkistenbauversuche im Körbchen, auf dem Sofa, im Bett oder auf dem Badvorleger zu unternehmen und brav mit dem kalten Waschlappen auf dem Bauch (auch so eine Maßnahme…) einschlief und 8 Std. durchschnarchte.

Mein fast 3-wöchiges Prolaktinsenkungsprogramm war also von großem Erfolg gekrönt!

Das Ettaler Mandl vom Laber aus und aus Dackelperspektive.

Kurz vor dem Ziel: Erster Blick zum Wank und ins Karwendel.

Mein Berglauf-Partner: Philippa vom Schwindauer Land.

Aussicht ins Ammertal und zum „Wellenberg“, das Freibad aus Kindertagen (türkiser Punkt etwa in Bildmitte).

Der verregnete Sonntag vorgestern, den wir mehr daheim als draußen verbrachten, war nochmal ein Test: Wie verhält sich die Madame nun? Kehrt der Hormonirrsinn zurück, sobald an der Ausflugsfront etwas Ruhe herrscht? Und – hurra: Das Verhalten war annähernd normal! Einzig die Milchbar ist noch leicht gefüllt, aber das gibt sich auch bald.

Für 2017 haben wir’s hinter uns mit den Hormonen (zumindest mit denen vom Hund) 🙂

Sonnenterrasse Laber-Bergbahn: Blick auf Wettersteingebirge und Zugspitze (in Wolken).

Fliegende Schirme und müde Gämsen.

Himmel der Bayern (23): Auslüften.

Part I: Urban style.

Part II: Alpine style.

The stars are burnin‘ bright like some mystery uncovered. Zum 3. Juli 2017.

Lieber S.,

durch die Wälder streifend überlegte ich letzte Woche, ob ich dich nun schon gut genug kenne (und Blog sei Dank kennen wir uns überhaupt!), um deinen Geburtstag innerhalb der Bruce-for-everyone-Serie auf meinem Blog zu verewigen.

So herum funktioniert die Fragestellung aber meist nicht. Viel einfacher ist es immer, bei der Musik anzusetzen: Welcher Rhythmus, welche Dynamik, welche Tonart, welche Klangfarbe, welcher Text, welcher Interpret kommt mir in den Sinn, wenn ich an diesen Menschen denke, dessen Geburt sich da jährt.
Davon ausgehend wühle ich mich gedanklich durch die entsprechenden Segmente des Springsteenschen Gesamtwerks oder lasse mich von der 314er-Liste inspirieren (keinesfalls von der Wertung, nur von dem Kompendium an sich).

Irgendwann springt mich dann eine Hörerinnerung an, anschließend hör‘ ich mir den Song in ein paar Varianten an. Danach ist schnell klar, ob’s im Ganzen eher passt oder nicht.

Mein Fundstück für dich und heute ist dieses:

We played king of the mountain out on the end
The world come chargin‘ up the hill, and we were women and men
Now there’s so much that time, time and memory fade away
We got our own roads to ride and chances we gotta take

 

„This song lies somewhere between heaven and earth“, sagte mal ein anderer Fan während eines Konzerts zu mir. Ich fragte nach, was er damit genau meine, denn dort läge ja schließlich eine Menge, eigentlich fast alles. Er zitierte dann ein paar Textpassagen aus dem Song, die ihn besonders bewegten (es waren ehrlich gesagt fast die gesamten Lyrics, die er mir vorbetete). Bei einer Passage bekam er feuchte Augen, das hat mich berührt, denn genau die mochte ich auch immer besonders. Und sie scheint mir ebenfalls passend, um sie dir zuzueignen:

On through the houses of the dead
past those fallen in their tracks

Always moving ahead
and never looking back

Moving ahead, das ist es (unter anderem), was ich dir für dein nächstes Lebensjahr wünsche, ob auf dem Berg (hier ist auch gelegentliches looking back nicht verkehrt) oder im Tal (gern auch mit Fliege auf der Uhr, frei nach dem Motto „tempus fugit“/“time flies“), im Innen oder im Außen, für dich allein oder gemeinsam mit anderen: (Vorwärts-)Bewegung ist immer wohltuend, kraftspendend und vor allem eng mit dem verbunden, was wir Leben nennen.

Darauf ein Prosit aus der Isarmetropole…

…dessen Etikett man Freunden des Gehopften einfach nochmal in groß zeigen muss…

…und für den Fall, dass so ein 0,33er-Flascherl doch ein bisserl zu dürftig ist, für so an gscheidn Durschd am Ehrentag, gibt’s auch gleich Nachschub…

… und weil’s so früh am Tag ist, sicherheitshalber auch noch in der alkoholfreien Variante:

Alles Liebe und Gute zum Geburtstag wünscht dir –
Die Kraulquappe.

Born in Bavaria: Zwei Eva-Schalen in Ghilly-Schnürung.

Shoppen ist nicht mein Ding, auch Schaufensterbummel nicht, ich bin insgesamt kein passionierter Konsument.
Ich kaufe mir selten spontan etwas, insgesamt auch nicht viel und überlege bei allem, was mehr als 50€ kostet, meist lange und gründlich.

Mindestens 98% aller Werbung geht mir am Arsch vorbei, sofern ich sie überhaupt wahrnehme. Aber die restlichen 2%, die haben es in sich. Da fühle ich mich im tiefsten Inneren angesprochen und nehme im Nullkommanix die Opferrolle ein. Freiwillig.
Meist ist es ein einziger Satz, manchmal nur ein Wort, gelegentlich genügt auch ein Bild oder die Haptik, ein Farbton oder Geruch, der mir bei der ersten Begegnung mit dem beworbenen Produkt glasklar signalisiert: DAS musst du HABEN, sonst bist du verloren.

So ging es mir mit einst mit meinem Trekkingrad. Eine wahre Odyssee durch Radgeschäfte, ein Vergleich von Marken, Funktionen und Preisen, ich war gut eingearbeitet und hatte einen Begleiter dabei, der sich spitzenmäßig auskannte. Um dann alle mühsam angeeignete und mitgenommene Expertise binnen Sekunden fahren zu lassen, nur weil ein sportlicher, sympathischer Verkäufer auf eines der Räder, die womöglich in die engere Wahl gekommen wären, deutete und sagte: „Mit dem können Sie durch die Wüste fahren!“. Das war nie mein Plan, aber der Satz hat einen Schalter in mir umgelegt. Justament entbrannte ich in Liebe, fackelte nicht mehr lang herum, zückte die EC-Karte und nahm das desert-bike mit. Es war einfach klar, dass es für mich bestimmt war.

Wir sind jetzt seit 16 Jahren liiert, das Giant Expedition und ich, unsere innigste und heißeste Phase ist zwar vorüber (was am Hundhaben liegt, nicht am Rad), aber ich bin nach wie vor glücklich mit ihm und habe es nie bereut, dass ich mich so schnell und kopflos dafür entschieden habe.

Ähnliches könnte ich von meinen Bergstiefeln, meiner Obstschale, meinen Langlaufski, meiner Lederjacke, meinem Tourenrucksack und meinem Ultrabook berichten. Da gab es auch jedes Mal so eine Initialzündung – ausgelöst durch gelungene Werbung, durch ein Gefühl beim Anfassen/Anziehen, ein Verkaufsgespräch oder auch bloß durch die richtige Hintergrundmusik im Geschäft.

Das war’s dann auch schon an Materiellem, woran ich wirklich hänge. Alles andere fühlt sich ersetzbar und daher unwichtig an, aber mit diesen paar Dingen bin ich verwachsen. Das kommt mir zwar irrational und dämlich vor, aber es ist so und ich opponiere nicht dagegen.

Alle paar Wochen schickt mir der Alpenverein sein Mitgliedermagazin zu. Ich blättere das Heft meist im Laufe von ein paar Frühstücken durch, lese selten einen Artikel komplett und schneide nur ab und an mal einen Tourenvorschlag aus. In erster Linie blättere ich es durch, so wie ich früher mal beim Friseur die Illustrierten durchblätterte.

Im aktuellen Heft stieß ich auf der allerletzten Seite – fast hätt‘ ich es vorschnell zugeklappt – auf eine Anzeige, bei der sich mir sofort das Gefühl aufdrängte, dass sie zu den glorreichen 2% Werbung gehörte, mit der man mich kriegt.

Die Trigger waren: „mountain boots“, „with passion“, „born in Bavaria“ sowie die roten Schnürsenkel auf graphitfarbenem Leder. Es war augenblicklich um mich geschehen. Selbst nach über 40 Jahren treuer Lowa-Trägerschaft war klar, dass DAS der Schuh ist, nach dem ich mich schon mein Leben lang unbewusst gesehnt hatte. Oder zumindest seit letztem April, seit ich wegen einer üblen Beule am unteren Schienbein (ein paar Deppen schubsten mich die Rolltreppe hinunter), die nie mehr ganz verheilt ist, in meinen hohen Bergstiefeln bei längeren Touren einen drückenden Schmerz empfinde.

Der Umzug hat ein ziemliches Loch in unser Budget gerissen, so dass ich derzeit mit allen Anschaffungen geize, deshalb ist es unbedingte Pflicht, die lodernde Leidenschaft erstmal zusammenzustutzen und sich dem Born-in-Bavaria-Schuh etwas rationaler zu nähern.

Ich recherchierte also gründlich, um dem Objekt der Begierde die Legitimation zu beschaffen, die es benötigte, um umgehend in mein Leben treten zu können. Und man staunt nicht schlecht, was in einem Schuh so alles drinstecken kann:

  • Der Hanwag Makra Low GTX ist ein leichter und zugleich robuster Approach-Schuh.
    Aha. Nie gehört: Approach-Schuh? Nachgeguckt: Approach-Schuh = Zustiegsschuh. Aha. Auch noch nie gehört. Also beim Master of Mountaineering, Mr. Speedhiking, nachgefragt. Umgehend Antwort erhalten, mit Grafik und Tabelle und Erläuterungstexten, so wie sich das gehört (besten Dank nochmal!).
    („Leicht und zugleich robust“ hab ich verstanden, so beschreibe ich immer das Dackelfräulein, das ja auch recht bergtauglich ist)
  • Leder und Cordura gehen hier eine starke und leichte Kombination ein.
    Cordura? Ich kenne noch Cortina, diesen Schöller-Nogger aus den 70er Jahren. Fast 40 Jahre später kreuzte noch eine gewisse Cortana meinen Weg, die nervtötende digitale Assistentin von Windows 10. Aber Cordura sagt mir gar nix. Ich lerne aus dem Netz: das ist ein Nylongewebe nach Schweizer Rezeptur. Kann man das nicht einfach auch hinschreiben?
    (Leicht & robust, leicht & stark, jetzt bitte nicht nochmal leicht.)
  • Das wasserdichte Gore-Tex-Futter bietet ein gutes Fußklima.
    Soso. Je wasserdichter, desto besser die Luftzirkulation. Klingt logisch. Nach 6 Std Bergtour duften Socken und Füße wie frisch gewaschen. So wie die Achselhöhlen, wenn sie endlich aus der Gore-Tex-Jacke befreit werden, das kennt man ja. Top-Klima, tolle Sache!
  • Der Zehenbereich verfügt über eine optimierte Ghilly-Schnürung.
    Wie jetzt? Kein Rundum-Ghilly? Spaß beiseite. Kenne diesen Ghilly und seine Bondage-Hobbys nicht. Wozu brauch ich den, peitscht der mich den Berg hoch?
  • Im Zehenbereich sind mehrere Profilblöcke in einer Höhe kombiniert und ergeben so eine Variation der profillosen Climbing Zone.
    Check ich nicht. Zu langer Satz. Profilblöcke klingt gut. Profillos hingegen weniger. Insgesamt zu starke Betonung des Zehenbereichs.
  • Passend zum Basisteil der Einlegesohle werden zwei EVA-Schalen mitgeliefert, die sich per Klett mit der Basis verbinden lassen.
    EVA-Schalen, zwei Stück. Unweigerlich drängen sich Assoziationen zum BH-Kauf auf. Gemoldete Cups und so’n Krempel. Was haben die in meinem Schuh verloren?
  • Der neu entwickelte Approach-Schuh zeigt eine aggressive Sohle für optimierten Antritt am Fels, die entspanntes Stehen erlaubt, selbst wenn nicht viel Platz gegeben ist.
    Jetzt reicht’s dann aber langsam. Was, bitteschön, ist eine aggressive Sohle? Ich will einen Schuh und keinen Kampfhund. Und selbstverständlich möchte ich in dem Schuh auch mal irgendwo entspannt stehen können und nicht nur aggressiv gegen den Fels treten!

Aber halt, da kommt ja noch ein letzter Absatz in dem ellenlangen Beipackzettel.

  • Der Makra Low GTX punktet mit innovativem Materialmix für deutliche Gewichtsreduzierung.
    Gewichtsreduzierung? Nehm ich! Immer! (Selbst wenn’s implizit das dritte leicht ist, mit dem ihr mich ködert.) Klasse, wenn der Schuh das für mich erledigt, am besten auch noch beim entspannten Rumstehen und Brotzeit machen. Das nenn‘ ich wirklich mal innovativ. Volle Punktzahl für die Werbefuzzis von Hanwag!

So viel Hightech, Handgecraftedes, Design, Komfort, Bodyshaping, Selbstverteidigung und Stabilität für nur 179€. Her damit.
That must have been born in Bavaria (zwar ned unbedingt in Vierkirchen im Landkreis Dachau, aber mei).

Trotzdem lass ich das jetzt noch ein paar Tage sacken. So lange, bis das Sportgeschäft den Schuh in den drei möglichen Größen bestellt hat und anprobierfertig servieren kann.
Und bis ich dem Papa, der eh noch einen Geburtstagswunsch wissen wollte, Bescheid gegeben habe.

Guten Abend und allzeit guten Stand, selbst wenn nicht viel Platz gegeben ist, wünscht
Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (22): Gipfeltreffen.

Und gleich das nächste blind date – heute: Mr. Speedhiking, WordPress-Weggefährte seit ungefähr anderthalb Jahren und Top-Kommentator auf meinem Blog (bis dato 136 Kommentare, nur 1 weiterer fehlt noch zu meiner Lieblingszahl!).

„There’s no debate, we need a date“, kommentierte er flugs, kaum war das Kraulquappe-meets-hikeonart-Wochenende vorüber.

Gesagt, getan.

So kam’s dann heute, bei besten Bedingungen unter dem Bayernhimmel (sehr heiß, aber gottseidank ein Lüftchen und ein paar Wolken dazu), zum Gipfeltreffen in den Ammergauer Alpen.

Herr Speed hatte sich vernünftigerweise schon gestern speedmäßig ausgetobt – denn der heutige Bergtag mit zwei Frauen an der Hacke (1x müde und mit Schulterschmerzen, 1x schlapper Hormonjunkie) und nur 700 Höhenmetern Tagesleistung wäre dafür nicht geeignet gewesen (gleichwohl als Trainingsgelände mehr als passend).
So konnte er sich voll und ganz auf seinen ersten Einsatz als Wurst-Lieferant und Träger eines scheinträchtigen Dackelfräuleins konzentrieren und diesen mit Bravour meistern.

Pünktlich zur vereinbarten Minute rollten die Autos einmal von Osten, einmal von Westen kommend auf den Parkplatz. Zur Begrüßung wurde die Box mit den Mini-Wiener geöffnet – die beste Eintrittskarte in ein Hundeherz! – danach fix die Schuhe geschnürt und los ging’s.

Schon nach wenigen Metern schien es, als solle mein Plan, den Pürschling via Schleifmühlenklamm zu besteigen, heimtückisch torpediert werden. Ein Schild verstellte uns den Weg: „Durchgang gesperrt – Erdrutsch und Brückenarbeiten.“ Vermutlich ein perfide arrangierter Versuch von Herrn Speed, a) meine Flexibilität oder Risikofreude zu testen oder b) die Unerlässlichkeit seiner eigens für diese Unternehmung besorgten topografischen Wanderkarte zu demonstrieren?

Er endete mit dem Ergebnis, dass wir uns von Erdrutsch und Brückenarbeiten nicht abschrecken ließen, ebenso wenig von den hinreichend bekannten Zeitungsmeldungen, die solchem Übermut ja gern folgen („Tragisches Ende eines Ausflugs: Kleine Wandergruppe in Schleifmühlenklamm gestürzt, da die Warnhinweise der Gemeinde ignoriert wurden“).
Spaß beiseite, man hätte jederzeit umkehren können, die Klamm ist ziemlich harmlos. Von Erdrutsch war nirgends etwas zu sehen. Und die Brückenarbeiten bestanden aus einem fehlenden Brückenbodenstück, an dessen seitlicher Einfassung balancierend man aber mühelos die 2 Meter große Lücke überwinden konnte.

Nach einigen Badepausen für das hechelnde Dackeltier erreichten wir das Josephskircherl.

Hier durften sich Herrn Speeds treuer Berggefährte Dr. Schmitt und Pippa erstmals beschnuppern und ausgelassen spielen. Zugegebenermaßen etwas zum Nachteil von Dr. Schmitt, dessen Kopfschmuck anschließend ein wenig derangiert wirkte, aber das ließ sich mit ein paar Handgriffen wieder richten.

Fast auf dem Pürschling angekommen nutzte Pippa unseren Abstecher zum Gipfelkreuz für eine schamlose Plünderung des Speedhikingschen Rucksacks (vermutlich handelte es sich bei der Beute um mindestens zwei weitere Mini-Wiener)…

… so dass wir die Beine und unser Gepäck unter den Arm nahmen und dem Winken der Himmel-der-Bayern-Fahne zur nahegelegenen Alpenvereinshütte folgten …

… um uns dort zu einer ausgiebigen Pause niederzulassen.

Mit Zugspitzblick genossen wir die Hopfengetränke…

… sowie das in Bayern stets unvermeidbare Lokalkolorit …

… und fütterten den vom Winde verwehten Schneehasen, der in Sachen Jause bisher mit dem Ofenrohr ins Gebirge schauen musste (immerhin ins Wettersteingebirge).

Satt, zufrieden, ausgepowert und mit Kletten übersät lümmelten die beiden dann einträchtig auf der Wiese herum…

… bis es schließlich „Kompanie, Marsch!“ hieß und wir wieder ins Tal abstiegen.

Alle anderen Details zum heutigen blind-date-mountain-trail wie neueste User Manuals zur Mechanik des Alpwesens, beeindruckende Excel-Tabellen mit unseren Gehzeiten, Anzahl der Badestopps inkl. Wassertiefe und -temperatur u.v.m. werden mit Sicherheit in Kürze hier nachzulesen sein.

Schee war’s!

Herzlichen Dank an Hr. Speed & Dr. Schmitt für den schönen gemeinsamen Wandertag!

(Man beachte den Untertitel! Schön, dass man da jetzt auch mal war.)