Von Poleposition und Schwellenwerten.

Am Wochenende schnell noch etwas Körper- und Seelenhygiene betrieben, so als innere und äußere Prophylaxe für das nun Anstehende.

Mit Mütze, Handschuhen und dem Fräulein in dichter Nebelsuppe hinauf zur Buchsteinhütte…

…die uns Tee und Guglhupf spendet bevor wir wieder hinabhupfen ins Tal…

…wo wir den Papa besuchen, der uns zum Küchen-Kehraus in ein Kreuther Lokal ausführt…

…und „Kehraus“ steht hier keinesfalls für schnödes Reste-Essen, sondern für vier Gänge Augen- und Gaumenschmaus, damit verabschiedet sich das Lokal in die Betriebsferien.

Gut durchgelüftet und gesättigt und nach einem wunderbaren Abend zu zweit mit dem Papa dann zurück nach München, dort alles vorbereitet für „Handwerksphase, die Letzte“:

Utensilienkisterl für den Handwerksfreund.

Die neue Woche beginnt um 7:13 Uhr mit dem Hämmern des Polen (heute ausnahmsweise nur Lolek, seinen Bruder Bolek hat er daheimgelassen – „Türschwellen is nix Arbeit für zwei“, achso ist das).

Runderneuerung: Schwellen, über die einen dann eh keiner trägt, aber wenigstens reißt man sich künftig nicht mehr die Socken dran auf.

Ich koche Kaffee.
Der Gatte trinkt ihn schwarz. Lolek mag ihn mit Milch, genau wie ich. Der nachher anreisende Handwerksfreund nimmt Milch und Zucker, und zwar reichlich. Wie der Jalousien-Reparateur, der dann auch noch vorbeischneien wird, den Kaffee präferiert, weiß ich noch nicht.
Man sollte eine Excel-Tabelle anlegen, zur besseren Verwaltung der Handwerkervorlieben und -nummern und -termine, mit Filter, versteht sich (nicht für den Kaffee oder die Kippen, sondern zur Sortierung).

In der Poleposition: Keine Lebkuchenhausverzierung, sondern beeindruckende Türschwellenklebekunst.

Es soll ja Menschen geben, die bestens damit zurechtkommen, wenn ihr Zuhause sich temporär in eine Baustelle verwandelt und die mühelos in der Lage sind, sich währenddessen bereits vorzufreuen auf die Reaparaturen, Erneuerungen, Verschönerungen und Verbesserungen, die irgendwann (hoffentlich) aus der Baustelle resultieren.
Mich strapaziert sowas leider überwiegend: Krach in den frühen Morgenstunden, all die strengen Gerüche, überall Staub und Dreck, von den diversen Kollateralschäden, die ja fast immer entstehen, mal ganz zu schweigen (in so einem Altbau gibt es kaum ein Handwerksgewurschtel, das nicht noch irgendeine weitere, natürlich ungeplante Arbeit nach sich zöge wegen bröselnder Wände, brechender Hölzer, idiotisch verlegter Leitungen oder sonstigen Verfallserscheinungen, mit denen kein Mensch vorher gerechnet hat).

Ich sollte mir eine Scheibe abschneiden von Loleks Gleichmut („Isse irgendeine Problem, musse eben lösen!“) oder von Pippas Perspektive auf das Ganze („Ui, lustige Holzresterl und feines Werkzeug, damit kann man ja toll spielen, und der nette Mann kniet ja eh schon spielbereit am Boden!“).

Für die nächsten 11 Tage wäre das die ideale Einstellung.

Auch Ihnen einen gelingenden Wochenstart und allzeit den richtigen Kaffee dazu.
Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (47): Herbsttag mit Hund.

Frauchen, es ist Zeit,
Der Berg heut‘ war sehr groß.
Leg meine Matte auf den Hüttenboden
Und auf den Weiden lass die Rinder los.

Befiehl all meinen Näpfen voll zu sein,
Gib ihnen die Chance zu füllen meinen leeren Magen,
Dränge sie zur Überbordung hin auf dass ich jage
Die letzte Gemse in den Wald hinein.

Wer jetzt keine Paus‘ macht,
Braucht auch keine mehr.
Wer jetzt an der Lein‘ ist,
Wird es lange bleiben.
Wird wachen, bellen, sehr viel Unfug treiben.
Und wird träumen, auf Bergsteigen rauf und runter rastlos zu wandern
Während die andern im Tale weilen.

(Mal ein bisserl gerilkt, auf dem Heimgarten sitzend, so nach leichtem Weißbier & schweren 1.100 Höhenmetern, zur Feier des Saisonendes hier heroben.)

Tre Cime di Lavaredo oder: Umrundung mit Verwundung.

Die Drei Zinnen.

Wenn man sich grad am Unverwundbarsten und Fittesten fühlt und also am Allerwenigsten damit rechnet, haut’s einen auf die Fresse. So ist das im Leben – und auch im Gebirge.

Allein das Dackelfräulein hat die Umrundung der Drei Zinnen unbeschadet überstanden. Überhaupt bewegt sich so ein Hund einfach geschickter als ein Zweibeiner und gerät dank seines Allradantriebs auch nicht gleich ins Schlingern, wenn er am 4. Oktober auf 2.400 Meter Höhe vom ersten Schnee des Jahres überrascht wird – im Gegenteil: er wirft sich voller Wonne hinein, kühlt sich den Pelz und surft erfrischt und munter auf allen Vieren geschickt die Schneeschneisen hinab.

Das Fräulein freut sich über den ersten Schnee des Jahres.

Und wir?
Der Gatte, vor lauter Wärme dort oben mit hochgekrempelten Ärmeln und ausnahmsweise mal ohne Trekkingstöcke unterwegs (ist ja nur ein poplige Umrundung, dachten wir uns), stürzt in einer verschneiten Serpentine und schlägt sich am Dolomit den Unterarm auf. Mit einem schicken Verband aus geeistem Taschentuch mit Gassisackerl ummantelt (damit das Blut nicht rausrinnt) und alles von außen noch mit meinem Stirnband fixiert, wird weitergegangen.
Mich haut’s eine halbe Stunde später saublöd nach hinten um, als ich aus der grellen Sonne in den Schatten trete, mich dort zu schnell in die Hocke begebe, um die Drei Zinnen im Gegenlicht zu fotografieren und mich ein leichter Schwindel ergreift. Die rechte Hand an der Außenkante am Fels blutig geschlagen, der kleine Finger fühlt sich spontan an, als sei er in allen Gelenken gebrochen (ist er nicht, nur geprellt und gestaucht und mittlerweile hübsch lila).

Je älter man wird, desto dämlicher fällt man. Aber immerhin hat man sich am Fuße der Drei Zinnen verletzt und nicht beim Ausrutschen im nassen Herbstlaub vor der Haustür oder beim Hängenbleiben mit dem Fahrradreifen in einer altbekannten Trambahnschiene oder gar beim Stolpern übers Staubsaugerkabel im heimischen Flur.

Panorama-Terrasse des Rifugio Auronzo auf 2.333m.

So marschierten wir mit etwas gedämpftem alpinen Übermut die große Runde unter den Drei Zinnen zuende, die grandiosen Ausblicke ringsum lenkten hervorragend von den Verletzungen ab, der kleine Hund wetzte Stunde um Stunde in Top-Laune voraus und fand wie immer den besten Pfad. Abschließend noch eine Stärkung im Rifugio Auronzo (Top: die erstaunlich preiswerten Nudelgerichte / Flop: die echt italienischen Toiletten) und dann beseelt wieder über die Mautstraße (Hinweis: 30€ pro Tag inkl. Parken am Rifugio, aber die Unsumme lohnt sich) hinab ins Höhlensteintal.

Auf dem Heimweg eine stattliche Summe in der Apotheke gelassen (ein teurer Tag war das), den restlichen Abend mit Desinfizieren und Verbinden verbracht, dazu noch einen innerlich desinfizierenden Absacker und die zweite Serie geguckt, die der Serienbeauftragte für den Urlaub besorgt hat.

Heute also nicht wie geplant auf den Sarlkofel, weil dort bräuchte man zwingend Trekkingstöcke und die könnte ich nicht umgreifen mit dem kaputten Finger, stattdessen eine sogenannte „Genusstour“, von Altprags in zwei Stunden auf den Badmeisterkofel (der Name ein kleiner Ersatz fürs Schwimmen, das mir allmählich doch ziemlich abgeht) und von dort hinüber zur Putzalm, wo man vor 5 Tagen schon mal so schön und lecker s_aß.

Ein Prosit aus dem Pustertal oder: Pecunia non gustat.

Beim, äh, von Vögeln gebraut – und auch preislich in luftige Höhen abgehoben…

…oder in der Variante für den anglophilen Scherzbold und Krösus sogar für acht Euro pro Flascherl feilgeboten – sbronzo!

Welch glückliche Fügung, dass wir die Brauerei „Pustertaler Freiheit“ direkt ums Eck haben…

…und zwar samt kleinem Shop, wo’s neben gutem und günstigem Weißbier auch die netten, herzerfrischend genderfreien Glaserl gibt…

…mit der Patrona Pusteria drauf, in aller Freiheit!

Man muss sagen: der rotweintrinkende Gatte kommt hier in Südtirol definitiv besser weg. Schade, dass ich dieses Histaminfeuerwerk einfach nicht vertrage.

*****

Der heutige Blogbeitrag muss an dieser Stelle leider etwas abrupt enden – bitte verzeihen Sie mir! – ich hätt‘ zu gern noch ein bisserl mehr zu Brauereikunst und Brauchtum gesagt.

Aber was ich noch schlechter vertrage als den Histamingehalt im Rotwein ist die Zwangsberieselung mit Pop-Classics, soft & instrumental („Up where we belong“, „Nothing compares to you“, „Bridge over troubled water“ usw.), von enervierenden Panflöten nachgespielt, mit der (sehr erfolgreich) sichergestellt wird, dass Hotelgäste nicht zu lange im hauseigenen SPA rumlümmeln und dort vor lauter Langeweile oder Erholung mit Wäsche um sich werfen:

Feindbild aller Hoteliers: Der Wäschewurf.

Als verschärfte Variante zum Panflötenterror gibt es mancherorts auch Rondo Veneziano in Endlosschleife, mit Lautsprechern in jeder (!) Sauna (im Ruheraum sowieso).

Kann uns nicht mehr passieren, denn das frag‘ ich bereits vor Buchung ebenso akribisch ab wie Art des Interieurs, Farbgestaltung, Verdunkelungsmöglichkeiten, Zimmerböden, Kopfkissengröße, Hundeaufpreis für Dackel und Frühstückszeiten. Ab sofort wird mein Fragenkatalog noch um die SPAnflöten ergänzt.

Nach sechs Bergtagen in Folge hätt‘ man halt heut einfach mal gern in Ruhe die Flossen hochgelegt.

Buona serata!

Perché siamo qui.

Le Tre Cime – allüberall.

Start der Wanderung am Dürrensee mit Blick auf den Monte Cristallo.

„Schau, Pippa, da gehen wir nächste Woche hinauf!“

Der berühmte Blick auf die Drei Zinnen vom Höhlensteintal aus.

„Guckstdu Weltnaturerbe, Menschlein!“

Für die Gehfaulen: Best place for…

Edle Einheit & stille Grüße.

Alpinisti fortuna.

Rundtour auf der Plose: Ochsenalm auf 2.071m.

Marendenbrettl auf der Ochsenalm.

Überreste des Nachtfrosts auf der Ochsenalm.

„Zwischengipfel“ auf 2.365 m Höhe.

Foto der Woche: Die Silhouette des Kraxeldackels auf 2.400m.

Fast ganz oben: Pippa blickt auf Brixen hinab.

Geschafft!

…und nun brechen wir unsere Zelte in St. Leonhard ab, schlürfen noch einen Kaffee in Brixen, holen den Gatten am Bahnhof ab und reisen weiter ins Hochpustertal.

Ist schon schöner als 16 Tage Oktoberfest vor der Haustür 🙂

Himmel der Bayern (46): Vernunftbegabte und Irrationale on tour.

Der letzte Bergsommertag 2018.

Sonnenschein, 25 Grad, weiß-blauer Bayernhimmel, der gestandene Münchner, resp. Münchnerin, am Hackln oder am Dirndl-Aufbügeln – was man halt so macht an einem Freitag Ende September, wenn man in Lohn und Brot steht und/oder sich innerlich und äußerlich fürs morgige „Ozapft is“ präpariert.

Wir hingegen verbringen den Tag auf einer der unfreundlichsten Hütten in den Münchner Hausbergen: dem Hirschberghaus.

Einzig die Weißbiersorte reißt’s raus, aber abgesehen davon konzentriert man sich hier lieber komplett auf die herrliche Umgebung und den bewegten Part der Tour.

Man nehme den Aufstieg vom Kreuther Ortsteil Point…

…übers Rauheck (zumal mit Rauhaardackel)…

Rauhaardackel

Rauheckalmen

…erfreue sich beim Blick über die Schulter der schönen Sicht auf den Wallberg samt der dazugehörigen hölzernen Kapelle…

…gehe direttissima hinauf zum Hirschberggipfel…

…wähle unbedingt den Weg für Vernunftbegabte und nicht den für Vollidioten…

…wische sich am Gipfelkreuz den Schweiß von der Stirn, reiche der vierbeinigen Begleitung ein Schüsserl Wasser…

…schaue von dort wahlweise ins Lenggrieser Tal…

…(und winke dem Seekar zu, das dort oberhalb der geliebten Hütte liegt, auf der man nun doch demnächst nochmal mithelfen wird)…

…bestaune die milchigen Konturen der Zugspitze am Horizont, oder blicke hinab zum Lago di Bonzo…

…der bilderbuchartig umrahmt von bewaldeten Hügeln und hübschen Berglein da unten im Tale liegt.

Anschließend – innerlich imprägniert von diesen Impressionen – hinab zum unfreundlichen Hirschberghaus, dort eine leichte Weiße auf der herrlichen Sonnenterrasse…

Roter Pfeil => Gipfel des Hirschbergs

…und dem Hündchen eine Zwischenmahlzeit unter den Tisch gereicht.

Man selbst mümmle heimlich die mitgebrachte Brotzeit, und zwar am besten auch gleich unterm Tisch, aber der unfreundliche Wirt wird’s eh sehen und von drinnen mit dem Zeigefinger fuchtelnd mahnen. Und wenn er grad da herin so gar nix zum doa hod, kimmt er a no aussi und grantelt umanand.

Tipp: Sagen Sie dann, Sie wären mindestens Diabetiker, besser noch: Diabetiker mit Histaminintoleranz und/oder Laktose- und Gluten-Unverträglichkeit, dann hält der Wirt sei Goschn und Sie für einen dieser depperten Städter, die wo moana, dass sie nix Normales mehr fressn kenna, und begnügt sich damit, dass Sie da herobn nur eine 4,30€ (!) teure Weiße konsumiert haben und leider, leider wega da Gsundheit Abstand von den diversen (gruseligen) Gerichten aus seiner Hüttenküche nehmen mussten (!), weil Ihr Arzt das nunmal so angeordnet hat – und schon können Sie entspannt in Ihr Käsebrot beißen und die Cocktailtomaten aus der Box holen.

Steigen Sie danach via Bolzeck wieder nach Kreuth hinab…

…und lassen Sie den Tag nach Möglichkeit im Gasthaus zum Hirschberg oder beim Hagn-Wirt in Kreuth ausklingen, die Seele baumelt dort erfahrungsgemäß vortrefflich vor sich hin.

Das Dackelfräulein und ich fahren freilich weiter nach Rottach zum Papa, bei dem wir eine Dusche, ein Abendessen und eine Hopf-Weiße bekommen.

Dort strecken wir die Haxn aus, denen der heutige Marsch hoffentlich die leichte Schwere der anstrengenden Gratquerung von vor ein paar Tagen genommen hat.

Aber der wahre Grund der heutigen Tour ist sowieso der Papa und der etwas irrationale Drang, dass man einander vor der Abreise nach Südtirol nochmal sehen sollte, was totaler Schmarrn ist, da wir uns ja sonst auch oft wochenlang nicht sehen (und dass man dann statt der üblichen 70km die vierfache Strecke voneinander entfernt ist, ändert ja rational betrachtet rein gar nichts).

Heut in einem Monat wird er 75 und je höher die Zahl hinter der 7 wird, desto irrationaler wird’s bei mir.

Übrigens: der dritte Freitag in Folge, den wir am Tegernsee verbringen, was ich jetzt allerdings nicht mit der Reise nach Südtirol begründen möchte und auch nicht mit dem Papa oder seinem Alter oder Zustand, weil das glatt geflunkert wäre.

Es ist nämlich wirklich schön hier. Vor allem wochentags. Und erst recht, wenn’s der letzte Bergsommertag ist.

Rudirallala und Holladrio.

Der September war schon immer mein Lieblingsmonat: Das schönste Licht, die wärmsten Farben, der Sommer noch spür- und sichtbar, auf dem Rücken eine hübsch geschwungene tan line einer langen Freibad-Saison (dieses Jahr sponsored by „Adidas Infinity“), die Biergärten, Hütten und Autobahnen langsam wieder leerer, und zum Ende des Monats hin – quasi als abschließende Krönung – noch der Geburtstag des verehrten Barden aus Freehold, NJ.

So war es ein Leichtes, bei überwiegend septemberlichem Kaiserwetter die viertägige Pressereise durch die Region Hall-Wattens zu absolvieren, zumal wir weder in einer Menschen-, noch in einer Hundegruppe unterwegs sein mussten, sondern individuell betreut wurden und all unsere Änderungswünsche stets berücksichtigt wurden (Lokalbesuch bitte nur außerhalb der gewohnten Gassizeiten, geführte Wanderungen bitte nicht nur auf popligen Themenwegen, sondern in alpinem Gelände, Besuch der Kristallwelten bitte am vernieselten Abreisetag und nicht am sonnigen Bergtag davor usw.).

Der Donnerstag ganz nach unseren Wünschen: Nach üppigen Hundekeks-Kostproben aus Silber-Etagèren am Vormittag…

…trainierte sich Fräulein Hund die angefressenen Kalorien am Nachmittag im Berggelände wieder ab…

…und wir waren ziemlich froh, dass wir uns schon eine gewisse Bergtauglichkeit erlaufen haben in diesem Jahrhundertsommer, der nun hinter uns liegt, denn auf den Schildern fehlten manchmal die Gehzeiten und an manchen Wegstrecken kamen die Warnhinweise auch ein bisserl spät, nämlich erst dann, wenn man bereits zwei Stunden die steilsten Bergwälder und Geröllfelder gequert hatte und sich doch allmählich wunderte, wann man denn mal endlich diese Hinterhornalm erreichen würde, die unten auf der Wandertafel am Parkplatz eigentlich eher unschwierig zu erreichen wirkte (ein Fehler, ohne eigenes Kartenmaterial gereist zu sein!).

Aber is‘ ja auch wurscht, wir hatten schließlich sonst nix zu tun, und so war der Weg tatsächlich das Ziel, wir dann allerdings doch froh, irgendwann die Alm auch mal erreicht zu haben.
Dort dann so erschöpft angekommen, dass für einen Augenblick unklar war, ob man jetzt vielleicht schon deliriert oder halluziniert und Trugbilder am Horizont sieht…

…was gottseidank nicht der Fall war, wie mir das Schnüffeln und Knurren des Dackelfräuleins unterm Tisch schnell verriet: Hinter der Hütte hausten in der Tat knuffige Alpakas, die immer mal wieder um die Ecke lugten und denen beim Kauen zuzusehen eine wahre Wonne ist (diese Zähne! der bewegliche, beinahe frei schwenkbare Unterkiefer!).

Wir ließen uns nieder und ruhten, guckten hinüber zu den Zentralalpen, hinunter nach Wattens und Hall, tranken ein heimisches Weißbier, da die Tiroler kein eigenes haben, das schmecken täte, weshalb sie gleich das unsrige importieren.

Ruhen taten wir auch unten in der historischen Altstadt ganz gern…

…weil man sich zwischendrin ja einfach mal von der Kopfsteinpflasterlatscherei, den vielen Fotoshootings und all den Eindrücken erholen muss.
Und selbst in solchen Momenten konnte man sich neuer, beeindruckender Wahrnehmungen nicht entziehen.

Tiroler Schnäppchen: Halber Preis, doppelte Größe?!

Hall ist übrigens ein Einkaufsparadies, wenn man der Shopping-Typ ist oder zumindest ein passionierter Schaufensterbummler. Leider bin ich beides nicht, ich hatte dafür bislang entweder nicht die Zeit oder das Geld (oder keins von beidem) oder die Muße oder überhaupt das Bedürfnis – und seit wir einen Hund haben, kommt diese Art „Ausgang“ sowieso nicht mehr vor, außer man braucht neue Gassigeh-Treter oder eine neue Funktionsjacke oder endlich mal eine wirklich regendichte Hose.

Zum Abschluss dann am Freitag noch die unvermeidbaren „Kristallwelten“, Österreichs am zweithäufigsten besuchte Sehenswürdigkeit (nach Schloss Schönbrunn), ein Eldorado für nach buntem Kitsch und teuren Klunkern lechzenden Amerikanern und Indern (und anderen).

An der Kassa erhalten wir ein hinterlegtes Ticket, das einen an der langen Schlange vorbeilässt und direkt zum Schlund des Riesen schleust…

…dahinter wartet schon ein lispelnder, schwuler, niederländischer Scherge, der einem eine Privat-Einführung in die 17 Wunderkammern gibt, die einen in dieser Glitzerwelt erwarten.

Es ist dann besser als gedacht, viel besser sogar, also zumindest wirklich so gut, dass man an einem Regentag und noch dazu für umme da glatt hingehen und sich diese wahnwitzigen, schrillen, mehr oder minder ästhetischen, knallig-kitschigen und jenseits aller Budgetreglementierungen designten Erlebnishöhlen zu Gemüte führen kann.

Kristallwelten / Wunderkammer (1)

Kristallwelten / Wunderkammer (2)

Kristallwelten / Wunderkammer (3)

Ein paar preiswertere Stücke in der Shopping-Area der Kristallwelten.

Kristallweltenwolken vor echten Wolken vor Tuxer Alpen.

So sagten wir also vorgestern Hall und seinen Bewohnern „Servus, danke für alles & schee woars!“:

Nette Menschen, gutes Essen, hübsches Städtchen, tolle Bergwelt – das Dackelfräulein und ich hatten wirklich einen Spaß und eine Freude dort. Vielleicht kooperiert man demnächst mit den Hallern und schreibt noch einen Beitrag für deren Touristenmagazin übers bayerisch-tirolerische Grenzgebiet, das zu durchstreifen ja ein Hochgenuss ist, aber bis es so weit ist, spitzen wir nun den Bleistift und schreiben die Notizen zu der feinen, kleinen Reise mal ins Reine.

Gut gelaunt gondelten wir über den nebligen Achenpass wieder hinüber ins heimatliche Bayern, machten noch einen Zwischenstopp im Tegernseer Tal und dann ab nachhause, wo jetzt der Fünfer-Looping und alles andere fertig aufgebaut vor der Haustür steht und einen sogleich dran erinnert, dass man in gut einer Woche schon wieder das Weite suchen wird dürfen.

Beim Auspacken fiel mir dann nach Jahrzehnten das Lied aus Kindertagen wieder ein, das der Papa manchmal sang, wenn wir in Felix Austria unterwegs waren:

Wenn’S scho a Kriagal intus ham, hearn’S ruhig nei und wenn ned, dann hoid ned 🙂

Hall_uzinationen.

Diese Reise hat beinahe etwas Unwirkliches: Wenn wir nicht gerade von netten Tiroler Bergführern oder freundlichen Menschen vom Tourismusverband umhergeführt oder verköstigt werden, sitzen wir bei 30 Grad unter Palmen, gucken uns staunend um und können diese unglaubliche Bergwelt, die uns hier in Hall umgibt, einfach nicht fassen.

Und um sie vielleicht doch fassen zu können, gehen wir los – hinauf, hinab, hinüber, herum – und dennoch bleibt sie unfassbar.

Obwohl ich das Karwendel kenne, obwohl ich da einst komplett drübermarschiert bin und jedes Jahr Touren dort unternehme, obwohl mir all das ja eigentlich so vertraut ist, ergreift mich der bloße Anblick, die herbe Schönheit und die weiße, leuchtende Schroffheit dieser Kalkalpen immer wieder zutiefst: Verneigen möchte mich vor dieser stillen, gewaltigen Erhabenheit – oder aber meinen Tränen freien Lauf lassen.

Nirgendwo war ich je so verbunden mit Gesteinsmassen, nirgendwo je so verbunden mit dem, was man gemeinhin „Seele“ nennt. Allein dafür hat sich’s gelohnt, diese Einladung anzunehmen. Ob ich hernach in der Lage sein werde, einen Artikel darüber zu schreiben? Ich weiß es nicht.

Über das Innerste zu schreiben, das kostet stets so viel Kraft. Gelingt es, entsteigt man gestärkt seinem eigenen Text. Aber der Zeitpunkt, um hineinzuspringen in dieses noch unsortierte, aufgewühlte Wörtermeer, da hineinzuspringen und es erst zu zerteilen und dann zusammenzusetzen (und dies mehrfach, und manchmal so lange, bis man fast nicht mehr kann, und dann doch weiterzumachen, weil man auch nicht aufhören kann damit) – dieser Zeitpunkt, den wählt man nicht, sondern er erwählt einen.

Man spürt es sofort, wenn es soweit ist.

Und bis dahin sortieren wir eben Fotos.

Das Dackelfräulein besucht die erste Hundeboutique.

Madame Hund testet Gebäck in der zweiten Boutique.

Pippa gähnt Wolfi, den Coiffeur in der Bellness-Oase, an.

Kraxeldackel im Südkarwendel: SB-Theke in der Knappenkammer unterhalb des Lafatscherjochs.

Tiroler Landesfarben hinter Teckel auf 1.601m Höhe.

(Und bevor jemand fragt: Nein, wir, resp. ich, mögen Hundeboutiquen überhaupt nicht. Wir müssen da halt hin. Das ist nämlich eigentlich gar keine Pressereise, sondern eine Fressireise.)

Nickerchen vor 4-Sterne-Kulisse.

Mit der Beschränkung aufs Allernötigste, was Frauchen und Wauwauchen halt so benötigen für 4 Tage in der Fremde…

…sind das Dackelfräulein und ich heute Morgen in München losgedüst Richtung Berge.

Das angebliche 4-Sterne-Hotel empfängt uns mit verhaltener Tiroler Freundlichkeit, dafür aber einem erstklassigen Panoramablick aus unserem Turm-Zimmer:

Zur einen Seite das Karwendel, zur anderen die Haller Altstadt mit den Tuxer Alpen im Hintergrund. Wau!

Da kann man nicht meckern und sieht gnädig über den nicht geleerten Mistkübel und die Bartstoppeln des Rauhaardackels oder Geschäftsreisenden, der vor uns hier logiert hat, hinweg.

Machen wir also noch ein kleines Nickerchen mit Aussicht hinüber zur Bettelwurfhütte, über die ich einst, als ich noch jung und topfit war, die dritte Etappe meiner Alpenüberquerung ging und von dort ins Inntal hinabstieg…

…und freuen uns auf die Delegation, die uns nachher in der Lobby zur Stadtführung abholen wird.