Mukiku.

Viel Aufruhr in den letzten Wochen, in etlichen Lebensbereichen.
Ein bisserl viel und anstrengend war’s, wenngleich sich ein Trend zum Beflügelnden abzuzeichnen schien.
Dennoch: Der Akku muss jetzt ein bisschen aufgeladen werden, die Birne braucht Ruhe und neue Impulse, der Körper ebenso.

Wir sind dann mal für ein paar Tage weg – Richtung Berge, eine Art Crash-Mukiku (kurze Mutter-Kind-Kur) – und sollte uns danach sein, melden wir uns von unterwegs mal mit ein paar Ein- oder Aussichten (also einem Bild aus dem Schnee oder vor großen Kuchenstücken sitzend oder faul aus den Kissen hervorlinsend).

Bis bald & ein schönes restliches Wochenende!
Die Kraulquappe & das Dackelfräulein.

Ekstrem Turglede oder: Das Vorstellungsgespräch.

Zum gestrigen Tag der Liebe hatte ich mit dem Dackelfräulein vereinbart, dass wir uns diesmal keine Rosen/Knochen schenken, sondern stattdessen lieber was Gscheids für unsere Beziehung tun – etwas, das wir beide lieben.

Also ab in die Berge!
(Merke: Wähle einen Ort, an dem genug Ski-Firlefanz für die Faschingsleichen und Feriengäste angeboten wird und wähle dann den Berg gegenüber, an dem nix los ist.)

Lenggries!

Natürlich nicht das Gebiet rund ums Brauneck, sondern eben die andere Seite.
(Merke: Brich ruhig spät in München auf, dann kommen die paar Tourengeher schon wieder vom Berg runter, wenn du grad aufm Parkplatz eintriffst.)

Wenn es mich jemals aufs Land verschlägt, dann wohl hierher, in dieses Tal.

So sehr ich das Tegernseer Tal auch mag – in erster Linie mag ich es, weil der Papa dort lebt. Ein paar nette Berge dort, prima Loipen auch, schöne Ufer zum Baden, aber letztlich ist es mir dort zu eng (die Berge enden ja quasi im See) und in den Orten zu bonzig (Pelzmantelpublikum, teure Geschäfte, noble Lokale).

Biege ich hingegen von Tölz auf die Bundesstraße nach Lenggries ab, geht mir einfach – beim Gucken! – das Herz auf. Die Rückseite der Benediktenwand lugt hinterm Brauneck hervor, neben der Straße plätschert die Isar in ihrem breiten Bett dahin und auf den 9 km zwischen Tölz und Lenggries klebt beinahe an jedem Kilometer eine Erinnerung.
Alles dabei: vom Per-Anhalter-Fahren zum Tanzen nach Tölz über den Motorradunfall eines Jugendfreundes über Lagerfeuer auf Isarinseln mit Gitarren, Bierkästen und Küssen bis hin zum Kentern mit dem Kajak, damals, als ich an den freien Tagen meines Sommerferienjobs in der Jugendherberge die Zivildienstleistenden bei ihren Wasserausflügen begleiten durfte.

Dieses unerklärbare Gefühl, wenn ein Ort, eine Gegend, eine Landschaft einfach passt, wenn etwas in einem aufatmet und eine innere Stimme einem den Slogan der kurzen Spots im Bayerischen Fernsehen zuflüstert: „Da bin i dahoam.“ (in dem Fall mehr ein „Da kannt i dahoam sei.“).

Wir starten im Ortsteil Hohenburg bei bestem Bayernwetter und schönstem Schnee …

… und nehmen diesmal nicht den Sulzersteig, der überwiegend im Schatten liegt …

Blick bis ins Vorkarwendel.

… sondern den Grasleitensteig Richtung Seekarkreuz, auf dem der Blick nach vorn genauso schön ist wie der Blick zurück ins Tal, treffen keine Menschenseele …

Blick aufs Brauneck und nach Lenggries.

… und das Einzige, was ein bisserl beschwert, ist der spürbare Verlust der Kondition durch den Virus, so dass ich gar nicht anders kann, als die eine oder andere zusätzliche (Foto-)Pause einzulegen, damit wir die 650 Höhenmeter bis zur Hütte ohne Kreislaufkollaps schaffen (naja, das „wir“ ist gelogen, denn das Hündchen hat keine Schwierigkeiten und schaut dauernd von drei Serpentinen über mir hinab, wo ich denn nur bleibe) und auch die Marterl am Berg drosseln eher das Tempo, als Flügel zu verleihen …

… aber irgendwann guckt sie endlich hinter den Schneemassen hervor, die Hütte, das Ziel!

Wir richten uns ein: Die Matte fürs Dackelfräulein wird ausgebreitet, ich geh‘ mich – klitschnass geschwitzt! – erstmal Umziehen, dann wird das DAV-Mitglieder-Essen bestellt, ein Hohentanner dazu und erstmal gradaus geschaut, geruht und gegessen.

Ein Blick über die Schulter hinüber zum Seekar (Gipfelkreuz links neben der mittigen Tanne) – nein, das wird heut‘ nix mehr, das pack‘ ma nicht (zumindest ich nicht)!

Und dann, nach dem Essen, die Hütte leert sich schon, der Wirt hat jetzt etwas Zeit, da gebe ich mir einen Ruck, gehe zum Tresen und sprech‘ den Aushang im Hüttenflur an: „Mitarbeiter gesucht“.
Immer schon wollte ich das ja mal machen, seit der Jugendzeit, aber immer sprach ‚was dagegen: der Papa, die Lebensphase, das Studium, der Job, der Partner, die Karriere, das Geld, die Gesundheit, der Zeitmangel, die Umstände.
Nun, da manche dieser „Hindernisse“ sich in Luft aufgelöst haben (der Job, die Karriere, das Geld, der Zeitmangel), ist da plötzlich diese Freiheit, einfach mal nachzufragen.

Der Wirt gibt ein Getränk aus und setzt sich zu mir. Wir bereden das. Ob, wie, wann, warum.
Es ist das entspannteste Vorstellungsgespräch meines Lebens: mit verklebten Haaren, rotgefrorener Nase, Pippa zu meinen Füßen, Bergstiefel offen, Bier in der Hand sitze ich da und fühl‘ mich prima. Kein „Was sind Ihre Stärken und Schwächen“-Schwachsinn, sondern die Ansage „Es sollt‘ scho oana sei, der wo si do herobn auskennt, falls mal a Gast frogt, wie die Berg‘ do heißn oder wo’s obi geht“.
Letzte Saison hat er eine gehabt, die „ned mal an Scharfreiter oder die Zugspitz kennt hod“, also das geht gar nicht! Zupacken können sollte man auch, und dann strahlt er, als ich von den Lenggrieser Sommern erzähle, von der Großküche (und dem anderen Gewurschtel) unten in der Jugendherberge und von all den Touren hier in der Gegend.

Zwischendrin kommt Hüttenhündin Tessa angeschwänzelt und will gekrault werden, wir reden über die Hunde, wie alt und woher und welche Macken, beide heißen sie „Mäuschen“, was eigentlich nicht sein kann, denn die Entlebucherin ist eine recht Stämmige („vom Nibelungenblut“) und das Dackelfräulein im Vergleich ja so zart (und nur eine „vom Schwindauer Land“).

Ein paar späte Skitourengeher betreten die Stube und wir unterbrechen unser Gespräch, der Wirt muss rüber zum Tresen und in die Küche. Während er den Eintopf für die Neuankömmlinge erhitzt, schaut er aus einer Luke neben dem Kachelofen nochmal rüber in den Gastraum und ruft mir zu: „Hosd an Dudn?“
„Äh, ja, daheim hab‘ ich einen Duden.“
„Also dann kannst ein Wort da drin gleich streichen: „Hüttenromantik“. Des gibt’s da herobn ned!“.
Er grinst breit, ich nicke zustimmend, proste ihm mit dem Noagerl zu und wir verabschieden uns bis demnächst oder bis zum Saisonbeginn – dann probier’n wir das vielleicht tatsächlich mitanand, so tageweise zwischen meinen Schreibarbeiten und einfach mal für eine Saison, da herobn.

Aschermittwoch 2018: Ekstrem Turglede (= außergewöhnliches Tourenglück)!

Ganz neue Aussichten jedenfalls!

Himmel der Bayern (34): Queen of the mountain.

Nach 4 Wochen Bergpause, 1 Läufigkeit, 1 verschluckten Knochen und 1 elenden Norovirus geht’s nun endlich wieder aufwärts!

Song des Tages (16) oder: Eine Ode an das Wasser.

Es gibt ja so Tage, da wachst du auf, sofern du überhaupt geschlafen hast, und fühlst dich schon um 7:13 Uhr, als hätte dir jemand einen Hammer über den Kopf gehauen, gedankenschwer, bleierne Glieder, trüber Blick. Draußen greller Sonnenschein und Faschingsdienstag, tätärä, krasser könnte der Kontrast kaum sein. Alles geht schwer von der Hand, die Tagespost bedrückt, das Tagwerk überfordert.

Und dann gehst du hinein ins Wasser, unerklärlich leer das Feiertagsschwimmbecken, so schön und weich und weit, du kloppst es raus, ohne „es“ genauer benennen zu können oder zu wollen, kletterst nach einer Stunde aus dem Becken, und hast eine Idee, zwei Ideen, drei Ideen, jedenfalls ein freies Gefühl im Kopf und in der Brust, und so fährst du wieder heim, zurück an den Schreibtisch.

Packst etwas Neues an, triffst einfach eine Entscheidung, let’s get things going!, und während du das gerade tust, passieren parallel und ganz ohne dein Zutun noch ein paar Dinge, die dem Tag schließlich eine Wendung geben, die du morgens für ganz und gar undenkbar gehalten hättest, müde und bleigrau wie es da begann.

Wasser ist für mich neben dem Hinaufgehen auf den Berg das Belebendste, Erfrischendste und Rettendste, das es gibt, das vornehmste und reinste Element von allen, die tragende Basis für meine kleine Barke, in der ich durchs Leben schippere oder auch nur durch einen seltsamen Faschingsdienstag (immerhin ein 13.).

Beim abendlichen Kochen nach Langem mal wieder aus voller Kehle gesungen, auch so ein Wohlgefühl.

You can go all around the world
Trying to find something to do with your life, babe,
When you only gotta do one thing well,
You only gotta do one thing well to make it in this world, babe.

Winterschläfchen.

Hundemüde. Wenn Menschen zu früh aufstehen.

Wallberg im Nebel. Weiter oben auch nicht besser.

Hundeleben. Im Tal kann man auch Spaß haben.

Bei der Irmi. Endlich mal ein paar Stunden allein.

Bräustüberl und Tegernsee im Nebel. Die Faschingsseppln ebenso.

In der Irmi. Zum Hirschberg gucken oder ein Nickerchen machen?

Haifischzähne und Healing Tootsies.

Wir danken recht herzlich für all die Genesungswünsche!

Das Dackelfräulein ist längst wieder fit (was natürlich die Hauptsache ist), ich hingegen musste mich heute nach kurzer Morgeneuphorie und verfrühtem Kaffeegenuss doch wieder in die Koje hauen. Dabei war ich gedanklich schon auf dem Weg ins Schwimmbad, zumal nach peinlicher, 3-wöchiger Übergangszeit im ausgeleierten, zerfransten und leicht durchsichtigem Schwimmanzug dieser Tage endlich ein passender neuer eingetroffen war.

[Ein Graus, dieser Kauf: Badeanzüge, selbst die namhafter Hersteller, halten mittlerweile keine 100 Schwimmbadbesuche mehr durch, dann beginnt das Material sich bereits an den chlordurchflussstärksten Zonen aufzulösen. Einen neuen Schwimmdress erwirbt sich’s leider keinesfalls en passant, weil a) sich alle Hersteller massiv in Größen und Schnitten unterscheiden (was einen beim Anprobieren bisweilen an der eigenen Figur verzweifeln lässt), b) die Ausgestaltung von „normaler/mittlerer/hoher Beinausschnitt“ eine Wissenschaft für sich ist (nur 1cm Stoff zwischen Taille und Beckenknochen ist schon eher arg wenig statt normal) und c) aufgrund der Farben und Muster sowieso 85% aller Schwimmanzüge ausscheiden (und die Auswahl ist ja ohnehin begrenzt, da es viel mehr plantschorientierte Bademode als schwimmtaugliche gibt). Künftig werde ich mir diese jährliche Qual ersparen und bei einem gut sitzenden Badeanzug gleich doppelt zuschlagen.]

Müssen wir wohl beide noch eine Weile herumhängen bis zur Einweihung.

Schonung ist also angesagt, nicht Ungeduld, denn morgen muss man hier wieder fit sein, wenn der Ernährer&Versorger frühmorgens für ein paar Tage zum Dienstort entschwindet.

Gucke YouTube-Videos über die Åland-Inseln (so viele Brücken, so viel Stein, so viel Wasser!), die Gemeinden tragen so schöne Namen wie Lumparland, Jomala und – nomen est omen – Hammarland. Sich ein paar Monate in so eine Hütte am Wasser verkriechen, mit eigenem Steg und Boot, dort ein Buch oder auch nur eine Reisereportage schreiben – das wär’s. Hin über Stockholm, zurück über Turku.
Im Hintergrund läuft der näherliegendere Traum in Endlosschleife: das 360-Grad-Panorama von der Skisprungschanze in Garmisch, wo es Neuschnee hat, die Sonne die Gipfel leuchten lässt und aus der Partnachklamm die letzten Nebelschwaden aufsteigen. Ich hasse Krankdaheimrumliegen und sehne mich nach frischer See- oder Bergluft.

Zu Wochenbeginn diesmal keinen Pressespiegel vom Gatten erhalten, sondern das großformatige Ungetüm selbst gelesen und so auch mal wieder amüsante Annoncen mitbekommen. Wäre ich ungebunden und zu Experimenten aufgelegt, tät‘ ich mich glatt melden auf eine Bekanntschaftsanzeige mit der Überschrift „Der Haifisch, der hat Zähne und die trägt er im Gesicht!“, ein Spitzen-Intro, wie ich finde, und das nicht nur im Vergleich zu „Gutsituierter Akademiker in den besten Jahren…“ oder „Einsamer Bengel sucht hübschen Engel“ oder dem brechreizerzeugenden „Nur mit dem Herzen sieht man gut“ (und offenbarte der Kandidat tatsächlich Haifischzähne oder ein Pferdegebiss, könnte man ja immer noch das versteckte Messer zücken und die Sache abkürzen).

Staubtrockener Zwieback rutscht besser with a little coke and sympathy & some music und das viele Liegen wird einem doch erheblich versüßt von einer kleinen Beiliegerin, die einem die reizenden Hasenfüßchen fast ins Gesicht streckt.

Well, we all need someone we can lean on
And if you want it, you can lean on me

She said „My breasts, they will always be open
Baby, you can rest your weary head right on me
And there will always be a space in my parking lot
When you need a little coke and sympathy“

We all need someone we can feed on
And if you want it, well you can feed on me
Take my arm, take my leg, oh baby, don’t you take my head.

[Das Video muss leider wegen der grimassierenden Fratze von Mr. Jagger, die meiner Übelkeit heute gar nicht zuträglich wäre, entfallen.]

Himmel der Bayern (33): Wanderer, kommst du nach GaPa…

verkündige dorten, du habest den Rucksack bestücket, wie es der Vater einst befahl.
(frei nach Simonides von Keos)

Nach einigen Pannen zu Berge halte ich mich ja nun wieder strikt an das früh mir Anerzogene, das da lautete:

  1. Bereite deine Tour am Vorabend gewissenhaft vor.
  2. Nimm immer ausreichend Proviant, ein Erste-Hilfe-Set, Kleidung zum Wechseln und allerhand weiteres Glump mit, das du zwar nur 1x in 10 Jahren brauchen wirst, aber dann sowas von froh bist, wenn du’s im entscheidenen Moment dabei hast.
  3. Konkret mahnte der Vater vor allem zu vier Dingen unter dieser von mir als Glump verunglimpften Rubrik: eine Karte, ein Taschenmesser, eine Wäscheklammer und ein Stück Schnur.

Und so trug es sich zu, dass wir gestern, bei unserem vierstündigen Marsch oberhalb von GaPa (für die Nicht-Bayern unter den Lesern: Garmisch-Partenkirchen) dieses eine Mal in 10 Jahren erlebten und wirklich sowas von froh waren, weil sonst wären wir glatt verhungert!

Oberhalb von Grainau beginnt der Kramerplateauweg…

… ein Höhenweg am Fuße des Kramers, der sich zu jeder Jahreszeit lohnt, besonders aber dann, wenn die allgegenwärtigen GaPa-Touristen mit anderen Vergnügungen abgelenkt sind (diesmal: Skifahren, neue Zugspitzbahn).

Diesen herrlichen Panoramaweg kann man bis zur Burgruine Werdenfels (über Burgrain, dem nördlichsten Ortsteil von GaPa) in sanftem Auf und Ab entlangmarschieren.

Aus den alten Gemäuern tun sich neue Perspektiven auf, selbst der sonst eher langweilige Hausberg der Garmischer, der Wank, macht mit dieser Umrahmung was her…

…aber auch der Blick nach Farchant und ins Estergebirge lohnt sich von hier oben.

Die unterhalb der Ruine gelegene Werdenfelser Hütte hat ganzjährig geöffnet und bietet Riesenportionen für den Riesenhunger…

…und da wir uns gerade erst ein Paar Wiener (Würstchen!) geteilt haben, ziehen wir noch weiter, bergauf zum Pflegersee…

…der uns mit geschlossener Eisdecke, aber geöffneter Wirtschaft empfängt.

Der Magen knurrt, das Dackelfräulein wetzt schon zur Terrasse, ich pfeife sie zurück. Setze den Rucksack ab, öffne das obere Fach, um die Hundeleine herauszuholen – und greife ins Leere. Das ist das Doofe am Prinzip Zweitrucksack, der mit Thermoskanne und Hundefutter für danach – und heute auch mit Leine drin – auf dem Beifahrersitz schlummert, da kommt man beim Packen halt leicht durcheinander.

Aber: Nach Jahren nutzlosen Mitherumtragens ist nun die Stunde der Paketschnur gekommen!

Die drei Meter reichen problemlos für eine Kurzleinenkonstruktion samt Griffschlaufe und wenn der Hund nur 7kg wiegt, braucht man ja gottseidank kein Schiffstau, um ihn zu bändigen bzw. am Stuhlbein zu befestigen.

Ich schicke dem Papa live eine Mail mit diesem Foto, das ihm zwar spät, aber immerhin überhaupt beweist, dass seine Erziehungsbemühungen Früchte gezeitigt haben.

Noch schönere Früchte finden sich jedoch in dem Streuselkuchen, der mich auch darüber hinwegtröstet…

…dass ich wegen zu hoher Rüdendichte auf der Sonnenterrasse leider drinnen sitzen muss.

Anschließend wandern wir auf dem selben Weg die ganze Strecke retour…

…das Weißblau hat der Bayernhimmel zwischenzeitlich durch Weißgrau ersetzt, aber dem Hund ist das genauso wurscht wie der Alp- und Zugspitzblick und wahrscheinlich das gesamte Panorama unterwegs.

Und wenn man heute Morgen so aus dem heimischen Fenster schaut, weiß man, dass man gestern alles richtig gemacht und nun in aller Ruhe die nächsten Tage am Schreibtisch sitzen kann.

DRT – try it!

Stellen Sie sich mal Folgendes vor:

Sie haben einen kleinen, quirligen und tendenziell ungeduldigen Hund.

Sie sind allein unterwegs mit diesem Hund.
Die Umgebung ist so dermaßen aufregend für Ihren Hund (Wildgehege, Mäuselöcher, andere Hunde, neuer Weg), dass „Komm!“, „Sitz!“ und „Bleib!“ ohnehin nur mühsam funktionieren.

Sie wollen aber, um ein bescheidenes Zubrot zum Rudeleinkommen beizusteuern, unbedingt Fotos von diesem Hund schießen, um Ihre Magazinbeiträge, auf die die Welt nicht gewartet hat Hundehalter dieser Welt geradezu brennen, hübsch zu bebildern.

Sie sind kein Profi, haben kein Stativ dabei, haben im Grunde auch keine Ahnung von Fotografie, weil Sie ja eigentlich mehr dem Wort als dem Bild zugetan sind, führen also nur eine alte, aber gerade so für die von den Verlagen gewünschte Auflösung taugliche Kamera mit sich, und selbst die können Sie meistens nicht kompetent bedienen, weil Sie das ausführliche Lesen von Bedienungsanleitungen hassen.

Außerdem sind Sie ähnlich ungeduldig wie Ihr Hund.

Ihr Hund ist zudem eine Hündin und gerade läufig, befindet sich also gewissermaßen in einer Art Ausnahmezustand. Sie will sausen, schnuppern, aufdringliche Aspiranten erst anschwänzeln und dann verbellen, nach Fressbarem suchen und alle 5 Meter die Botschaft „Huhu, ihr feschen Gebirgsjäger des Werdenfelser Landes, ich bin’s, die kesse Pippa aus der großen Stadt, und in ein paar Tagen darf der Beste von euch auf mich drauf!“ an ein Grasbüschel oder auch wahllos an den Wegesrand pinnen.

Na, schwant es Ihnen schon?
Genau!
Ihr Vorhaben ist nicht gerade das, was man eine Routineübung oder ein leichtes Unterfangen nennen könnte!

Fahren Sie also zeitig los und nicht erst am späten Vormittag, planen Sie für Weg und Bilder die doppelte Zeit ein. Oder die dreifache, wenn Sie der Kulisse wegen in den Bergen unterwegs sind, wo es ja auch mal unwegsames Gelände oder Höhenunterschiede geben kann. Oder biwakieren Sie gleich vor Ort auf dem schönen Höhenweg, Halbgefrorenes zappelt ja vielleicht auch weniger.

Wenn Sie aber nur ein paar Stunden Zeit haben, verrate ich Ihnen heute einen Trick.
In Insiderkreisen kursiert er unter dem Akronym DRT (Dried Rumen Trick).

In der Variante für kleine Hunde geht der so:

  • Locken Sie Ihr Fotomodell auf eine exponierten Platz (Tipp: ein Stück Brie auf die Stelle legen, wo der Hund hin soll, der riecht/klebt gut, so dass Sie Zeit gewinnen).
  • Schreien Sie „Halt-Sitz-Bleib!“ und werfen Sie sich dabei in Ihrer nagelneuen Thermohose in die hartgefrorenen Altschneereste vor Ihrer Versuchsanordnung.
  • Halten Sie währenddessen permanent Blickkontakt mit Ihrem schon wieder quengelnden Hund, damit er halbwegs bei der Sache bleibt.
  • Klemmen Sie sich so fix Sie können ein Stück getrockneten Pansen zwischen die Zähne und rufen Sie dann „Schau!“ oder verwenden Sie, falls „Schau!“ nichts bringt, das ultimative Schlüsselreizwort „Leckerlecker!“
  • Achten Sie auf behutsame Artikulation, damit Ihnen das Pansenstück nicht auskommt und der Hund es natürlich schneller aufhebt als Sie gucken können.
  • Passen Sie bloß auf, dass Sie beim Luftholen keinen bereits durch Ihren Speichel bzw. die vielen vorausgegangenen Fehlversuche aufgeweichten Pansenkrümel verschlucken, das schmeckt widerlich.
  • Drücken Sie ab!

Vergessen Sie übrigens nicht, zuvor die Kamerafunktion „Serienbild“ einzustellen, das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass eines der 10 Fotos vielleicht etwas wird.

Und wackeln Sie verdammt nochmal nicht mit Ihren eiskalten Händen herum!

Hund haben (10).

Woche 1 mit Waldi („Single-Version“).

Montag:
– hundefrei –

Dienstag:
[morgens: der Gatte verzieht sich für die nächsten 10 Tage nach Mainhattan]
Possenhofen bis Tutzing und zurück. Wunsch-Café hat zu (kein Verlass mehr aufs Internet). Verdammt. 16 km.

Mittwoch:
[morgens: kein Mann mehr im Haus => das Dackelfräulein legt los mit der Läufigkeit]
Frieding bis Kloster Andechs und zurück. Bräustüberl hat offen (auf Gott ist eben Verlass). 14 km.

Donnerstag:
[morgens: muss mal allein sein, gönne mir einen Schwimmbadbesuch]
Wald vor der Haustür bis Pullach im Isartal. Tee und Brot im Rucksack (am verlässlichsten). 11 km.

Freitag:
[vormittags: wir besuchen Freundin D. zwecks Maßkonfektion für den Dackelfräulein-Wintermantel und Zweitfrühstück]
Ehemalige Haus- und Hofstrecke durch den Olympiapark. 1 Becher Kaffee auf der Olympiaalm (ansonsten noch satt vom Frühstück). 7 km.

Samstag:
[morgens: zefix nochamal, kaputten Ellenbogen beim Getränkeholen erneut gezerrt => wo ist eigentlich der Gatte?]
Rundwanderweg Murnauer Moos. Ähndl hat offen, Kuchen ist alle (zu spät dran). Mist. 13 km.

Sonntag:
[vormittags: Care&Clean-Programm => vereinzelte Blutspuren auf dem Boden wegputzen, Slipeinlagen fürs Schutzhöschen halbieren, Hund bürsten, Ohren säubern usw.]
Umrundung Staffelsee. Keinen Bock auf Überraschungen, also von unterwegs aus im Ziel-Café Wunschplatz und -kuchen reserviert. 20 km.

Wochenbilanz:
81 km gelatscht (ohne Morgen- und Abendgassi + andere Wege), das ist wie 1x von München nach Garmisch.
2x Schwimmen, 1x Waldlauf (Letzteres grauenhaft und zäh).
4 lästige, lang aufgeschobene Dinge endlich vom Hals geschafft (sogleich besserer Nachtschlaf).
400 Fotos sortiert (ab sofort: Artikel schreiben & verkaufen).

Zufriedenstellendes Pensum an Bewegung, innen & außen.

Diesen Modus noch 4 Tage beibehalten, bis die Verstärkung wieder anrückt.
Überwiegend eine Einstellungs- und Aufstellungssache.
Schön, wenn man’s nach nur 6 Jahren endlich mal raushat.

Vom Kiefer-Koma ins Kloster.

Orff-Zitat im Bräustüberl zu Andechs.

Zunächst erwog ich, den Beitrag mit „Von Passionen und Pilgern“ zu betiteln, aber das wäre reine Schönfärberei gewesen. Denn es geht um Kontrollverlust und den anschließenden (wie immer mühsamen) Versuch, den Verlust wieder loszuwerden, sprich: die Kontrolle zurückzugewinnen.

Nach acht Staffeln suchtartigem Konsum von „24“, von denen wahrlich nicht alle acht Staffeln exzellenter Stoff waren, fiel ich nach dem Finale nicht nur komatös von der Couch, sondern schlug am Morgen danach auch auf den Boden der Realität auf, die wohlgemerkt eine Realität ohne Kiefer Sutherland ist.

Es war, wie es immer war, wenn wir uns an einer Serie festgefressen haben: Wir ziehen das in einer Maßlosigkeit durch, die ihresgleichen sucht (wenn irgend möglich: täglich), schotten uns von der Außenwelt ab (Kontaktversuche werden ab spätestens 20 Uhr komplett ignoriert), bis das letzte Krümelchen Stoff verbraucht ist. Plötzlich ist es aus und vorbei, ein gleichermaßen katastrophaler wie befreiender Moment. Und dann? Gnadenloser Cold Turkey.
Wenigstens haben wir es diesmal gut terminiert, bewusst zum Feiertags- und Jahreswechsel-Leerlauf hin (quasi ein kontrollierter Kontrollverlust, was die Rekonvaleszenz aber kaum erleichtert).

Mein Suchtpotenzial erschreckt mich immer wieder.
Die 1x jährlich auftretende, mehrwöchige Kokos-Intensiv-Phase ist da mit Abstand das harmloseste Phänomen.
Musik, Berge, Sprache, Wasser, Verliebtheit, Bewegung, Essen, Reisen, Serien – ich bin für vieles offen. Hauptsache, es begeistert mich dermaßen, dass der Endorphinrausch zuverlässig eintritt und ich auf dieser Welle surfen kann, weg von hier, weg von mir, weg von unguten Gedankenschleifen (das könnte – ja: sollte! – noch gründlicher durchdacht und ausgeführt werden, vielleicht ein andermal).
Am jeweiligen Suchtmittel überfresse ich mich, bis es a) mir zu den Ohren rauskommt, mich der Selbstekel ergreift und ich es nie mehr sehen/hören/essen/tun will (bis es mich, variiert oder identisch, ein weiteres Mal heimsucht) oder b) mir unfreiwillig entzogen wird, oder zur Neige gegangen ist und nicht wiederbeschaffbar ist.

Just aus dem Kiefer-Koma erwacht, merke ich, dass ich ein schier unglaubliches Bedürfnis habe, das alles loszuwerden, frei zu werden von all diesen Bildern und Emotionen, für die die Serie nur den Anstoß gab zum Weiterspinnen und -spüren. Höchste Zeit ist es, anderes zu sehen, zu hören, zu lesen und wahrzunehmen.
Nicht, dass ich zwischendrin nicht draußen in der Natur gewesen wäre oder mich zu wenig bewegt hätte, aber jetzt, in diesen ersten Tagen des Entzugs, tut eine höhere Dosis frische Luft und flottes Gehen mehr als sonst not.

Vom Queriwirt in Frieding aus marschieren wir mit wohltuendem Weitblick über die sonnigen Felder…

…bis zu dieser einen wunderbaren Kuppe, hinter der das Ziel erstmals hervorlugt: Kloster Andechs!

Das Dackelfräulein schlurft im Hormontaumel neben mir her und gibt nur dann Gas, wenn die Mäuselöcher im Acker besonders zahlreich locken oder ein zerstückelter Dachskadaver am Waldrand feilgeboten wird. Mit Dachsfellborsten um die Dachshundnase kommt sie nach dem dritten Abruf mit der Trillerpfeife sogar schmatzend zurückgeschwänzelt – und verfällt augenblicklich wieder in den PMS-Schlurfschritt.

Nach 7 Kilometern nähern wir uns dem Klosterberg und man staunt immer wieder, wer da an einem Mittwoch/Werktag außer uns noch so alles herumrentnert oder -touristet.

Einfachste bajuwarische Basis-Symbole weisen dem hungrigen und durstigen Wanderer den Weg:

Wir passieren den Kiosk (geschlossen), der in Kindertagen das einzig taugliche Argument war, mit dem ich mich zu einem Ausflug nach Andechs überreden ließ – hier gab mir der Papa stets eine Mark und ich durfte mir davon drei Liebesperlen-Armbänder oder fünf weiße Mäuse kaufen…

… eine pädagogisch äußerst wertvolle Maßnahme, da der ausgesprochen schön gelegene Wallfahrtsort sonst niemals so früh eine solch positive Konnotation erfahren hätte und wohl dem kindlichen Vergessen anheimgefallen wäre (wie all die Museumsbesuche).
Mit Tieren, Eis, Knödeln, Schwimmbädern, Tretbooten und Seilbahnen geködert lernte ich meine Heimat kennen (und später auch lieben). Hat er schon gut gemacht, der Herr Vater.

Auf dem Heiligen Berg angekommen, bekommt Pippa ein Würstchen und ich eine Aussicht auf die heute etwas diesig-verschwommene Alpenkette.

Sattes Orgelspiel ertönt aus der Klosterkirche und ich beschließe, kurz hineinzugehen, was meiner Begleitung so gründlich missfällt, dass sie das frisch verzehrte Würstchen – ummantelt von einem Stück borstigem Dachsfell – demonstrativ auf die Pflastersteine kotzt.

Da sich der Todestag des Freundes jährt, möchte ich ein paar Kerzen in der angrenzenden Kapelle anzünden…

…und weil sonst niemand da herin sitzt, kann ich das Dackelfräulein sogar mit hinein nehmen (warum sind eigentlich brave Hunde in Kirchen verboten, frage ich mich) und ein wenig dort verweilen.

Anschließend folgt der weltliche Part der Pilgertour:

Dank ausreichender Vorbildung muss ich nicht alle 7 Sorten probieren und dabei ein Vermögen verpulvern, sondern kann zielsicher das eine Lieblingsbier ordern und während der Wartezeit beratend tätig werden.

Einen Tisch weiter verlangt das junge Paar aus dem Norden höflich nach einem „kleinen, kräftigen Bier“, hat offensichtlich keine Ahnung vom bayrischen Bier, deutet übermütig an, mehrere probieren zu wollen, aber halt so, dass man danach noch Autofahren könne, und verfällt dann angesichts der barschen Antwort der Kellnerin („Dann nehmts hoid an 0,3 Doppelbock!“) in hilfloses Stottern und nervöses Blättern in der Karte.
Darin allein vier Seiten zum klösterlichen Brauereiwesen nebst detaillierter Beschreibung der sieben vor Ort gebrauten Sorten, die in je drei Ausführungen (normal/leicht/alkoholfrei) sowie drei Größen (0,3/0,5/Maßkrug) aufgeführt sind – das kann den Fremden schon mal verwirren.

Ungefragt schalte ich mich ein, rate klar vom Doppelbock ab (wg. des Alkoholgehalts von 7,1%) und empfehle das Helle (Variante „Spezial“), das noch Platz für ein zweites oder drittes Kleines ließe.
So machen sie’s dann – und zum Dank erhält das Dackelfräulein später ein Stückerl von der Surhaxn, die sich das Pärchen teilt und dabei zufrieden feststellt, dass auch hier auf meinen Tipp Verlass war, dass von einer Portion auch locker zwei sattwerden.

Nach dem Genuss meines Kleinen steige ich mit meiner Kleinen wieder von Heiligen Berg hinab und begebe mich zügig auf den Rückweg, damit wir noch vor Einbruch der Dunkelheit das Auto erreichen.

Soweit ein durchaus gelungener zweiter Entzugstag.
Auf der Heimfahrt die Sutherland-CD gehört, ein bisschen Substitution muss erlaubt sein.
Prosit.