Rudirallala und Holladrio.

Der September war schon immer mein Lieblingsmonat: Das schönste Licht, die wärmsten Farben, der Sommer noch spür- und sichtbar, auf dem Rücken eine hübsch geschwungene tan line einer langen Freibad-Saison (dieses Jahr sponsored by „Adidas Infinity“), die Biergärten, Hütten und Autobahnen langsam wieder leerer, und zum Ende des Monats hin – quasi als abschließende Krönung – noch der Geburtstag des verehrten Barden aus Freehold, NJ.

So war es ein Leichtes, bei überwiegend septemberlichem Kaiserwetter die viertägige Pressereise durch die Region Hall-Wattens zu absolvieren, zumal wir weder in einer Menschen-, noch in einer Hundegruppe unterwegs sein mussten, sondern individuell betreut wurden und all unsere Änderungswünsche stets berücksichtigt wurden (Lokalbesuch bitte nur außerhalb der gewohnten Gassizeiten, geführte Wanderungen bitte nicht nur auf popligen Themenwegen, sondern in alpinem Gelände, Besuch der Kristallwelten bitte am vernieselten Abreisetag und nicht am sonnigen Bergtag davor usw.).

Der Donnerstag ganz nach unseren Wünschen: Nach üppigen Hundekeks-Kostproben aus Silber-Etagèren am Vormittag…

…trainierte sich Fräulein Hund die angefressenen Kalorien am Nachmittag im Berggelände wieder ab…

…und wir waren ziemlich froh, dass wir uns schon eine gewisse Bergtauglichkeit erlaufen haben in diesem Jahrhundertsommer, der nun hinter uns liegt, denn auf den Schildern fehlten manchmal die Gehzeiten und an manchen Wegstrecken kamen die Warnhinweise auch ein bisserl spät, nämlich erst dann, wenn man bereits zwei Stunden die steilsten Bergwälder und Geröllfelder gequert hatte und sich doch allmählich wunderte, wann man denn mal endlich diese Hinterhornalm erreichen würde, die unten auf der Wandertafel am Parkplatz eigentlich eher unschwierig zu erreichen wirkte (ein Fehler, ohne eigenes Kartenmaterial gereist zu sein!).

Aber is‘ ja auch wurscht, wir hatten schließlich sonst nix zu tun, und so war der Weg tatsächlich das Ziel, wir dann allerdings doch froh, irgendwann die Alm auch mal erreicht zu haben.
Dort dann so erschöpft angekommen, dass für einen Augenblick unklar war, ob man jetzt vielleicht schon deliriert oder halluziniert und Trugbilder am Horizont sieht…

…was gottseidank nicht der Fall war, wie mir das Schnüffeln und Knurren des Dackelfräuleins unterm Tisch schnell verriet: Hinter der Hütte hausten in der Tat knuffige Alpakas, die immer mal wieder um die Ecke lugten und denen beim Kauen zuzusehen eine wahre Wonne ist (diese Zähne! der bewegliche, beinahe frei schwenkbare Unterkiefer!).

Wir ließen uns nieder und ruhten, guckten hinüber zu den Zentralalpen, hinunter nach Wattens und Hall, tranken ein heimisches Weißbier, da die Tiroler kein eigenes haben, das schmecken täte, weshalb sie gleich das unsrige importieren.

Ruhen taten wir auch unten in der historischen Altstadt ganz gern…

…weil man sich zwischendrin ja einfach mal von der Kopfsteinpflasterlatscherei, den vielen Fotoshootings und all den Eindrücken erholen muss.
Und selbst in solchen Momenten konnte man sich neuer, beeindruckender Wahrnehmungen nicht entziehen.

Tiroler Schnäppchen: Halber Preis, doppelte Größe?!

Hall ist übrigens ein Einkaufsparadies, wenn man der Shopping-Typ ist oder zumindest ein passionierter Schaufensterbummler. Leider bin ich beides nicht, ich hatte dafür bislang entweder nicht die Zeit oder das Geld (oder keins von beidem) oder die Muße oder überhaupt das Bedürfnis – und seit wir einen Hund haben, kommt diese Art „Ausgang“ sowieso nicht mehr vor, außer man braucht neue Gassigeh-Treter oder eine neue Funktionsjacke oder endlich mal eine wirklich regendichte Hose.

Zum Abschluss dann am Freitag noch die unvermeidbaren „Kristallwelten“, Österreichs am zweithäufigsten besuchte Sehenswürdigkeit (nach Schloss Schönbrunn), ein Eldorado für nach buntem Kitsch und teuren Klunkern lechzenden Amerikanern und Indern (und anderen).

An der Kassa erhalten wir ein hinterlegtes Ticket, das einen an der langen Schlange vorbeilässt und direkt zum Schlund des Riesen schleust…

…dahinter wartet schon ein lispelnder, schwuler, niederländischer Scherge, der einem eine Privat-Einführung in die 17 Wunderkammern gibt, die einen in dieser Glitzerwelt erwarten.

Es ist dann besser als gedacht, viel besser sogar, also zumindest wirklich so gut, dass man an einem Regentag und noch dazu für umme da glatt hingehen und sich diese wahnwitzigen, schrillen, mehr oder minder ästhetischen, knallig-kitschigen und jenseits aller Budgetreglementierungen designten Erlebnishöhlen zu Gemüte führen kann.

Kristallwelten / Wunderkammer (1)

Kristallwelten / Wunderkammer (2)

Kristallwelten / Wunderkammer (3)

Ein paar preiswertere Stücke in der Shopping-Area der Kristallwelten.

Kristallweltenwolken vor echten Wolken vor Tuxer Alpen.

So sagten wir also vorgestern Hall und seinen Bewohnern „Servus, danke für alles & schee woars!“:

Nette Menschen, gutes Essen, hübsches Städtchen, tolle Bergwelt – das Dackelfräulein und ich hatten wirklich einen Spaß und eine Freude dort. Vielleicht kooperiert man demnächst mit den Hallern und schreibt noch einen Beitrag für deren Touristenmagazin übers bayerisch-tirolerische Grenzgebiet, das zu durchstreifen ja ein Hochgenuss ist, aber bis es so weit ist, spitzen wir nun den Bleistift und schreiben die Notizen zu der feinen, kleinen Reise mal ins Reine.

Gut gelaunt gondelten wir über den nebligen Achenpass wieder hinüber ins heimatliche Bayern, machten noch einen Zwischenstopp im Tegernseer Tal und dann ab nachhause, wo jetzt der Fünfer-Looping und alles andere fertig aufgebaut vor der Haustür steht und einen sogleich dran erinnert, dass man in gut einer Woche schon wieder das Weite suchen wird dürfen.

Beim Auspacken fiel mir dann nach Jahrzehnten das Lied aus Kindertagen wieder ein, das der Papa manchmal sang, wenn wir in Felix Austria unterwegs waren:

Wenn’S scho a Kriagal intus ham, hearn’S ruhig nei und wenn ned, dann hoid ned 🙂

Hall_uzinationen.

Diese Reise hat beinahe etwas Unwirkliches: Wenn wir nicht gerade von netten Tiroler Bergführern oder freundlichen Menschen vom Tourismusverband umhergeführt oder verköstigt werden, sitzen wir bei 30 Grad unter Palmen, gucken uns staunend um und können diese unglaubliche Bergwelt, die uns hier in Hall umgibt, einfach nicht fassen.

Und um sie vielleicht doch fassen zu können, gehen wir los – hinauf, hinab, hinüber, herum – und dennoch bleibt sie unfassbar.

Obwohl ich das Karwendel kenne, obwohl ich da einst komplett drübermarschiert bin und jedes Jahr Touren dort unternehme, obwohl mir all das ja eigentlich so vertraut ist, ergreift mich der bloße Anblick, die herbe Schönheit und die weiße, leuchtende Schroffheit dieser Kalkalpen immer wieder zutiefst: Verneigen möchte mich vor dieser stillen, gewaltigen Erhabenheit – oder aber meinen Tränen freien Lauf lassen.

Nirgendwo war ich je so verbunden mit Gesteinsmassen, nirgendwo je so verbunden mit dem, was man gemeinhin „Seele“ nennt. Allein dafür hat sich’s gelohnt, diese Einladung anzunehmen. Ob ich hernach in der Lage sein werde, einen Artikel darüber zu schreiben? Ich weiß es nicht.

Über das Innerste zu schreiben, das kostet stets so viel Kraft. Gelingt es, entsteigt man gestärkt seinem eigenen Text. Aber der Zeitpunkt, um hineinzuspringen in dieses noch unsortierte, aufgewühlte Wörtermeer, da hineinzuspringen und es erst zu zerteilen und dann zusammenzusetzen (und dies mehrfach, und manchmal so lange, bis man fast nicht mehr kann, und dann doch weiterzumachen, weil man auch nicht aufhören kann damit) – dieser Zeitpunkt, den wählt man nicht, sondern er erwählt einen.

Man spürt es sofort, wenn es soweit ist.

Und bis dahin sortieren wir eben Fotos.

Das Dackelfräulein besucht die erste Hundeboutique.

Madame Hund testet Gebäck in der zweiten Boutique.

Pippa gähnt Wolfi, den Coiffeur in der Bellness-Oase, an.

Kraxeldackel im Südkarwendel: SB-Theke in der Knappenkammer unterhalb des Lafatscherjochs.

Tiroler Landesfarben hinter Teckel auf 1.601m Höhe.

(Und bevor jemand fragt: Nein, wir, resp. ich, mögen Hundeboutiquen überhaupt nicht. Wir müssen da halt hin. Das ist nämlich eigentlich gar keine Pressereise, sondern eine Fressireise.)

Himmel der Bayern (36): Along the east bank.

Starnberger See, Ostufer. 8. März 2018.

The famous Eastbank (with Trainpeakview).

St. Ludwig bei Berg.

The Kini’s Grave.

Blick von der Votivkapelle auf den See.

Frühlingserwachen im Strandbad.

Seeluft schnuppern!

Nachdenken über den Traumjob.

Ausüben des Traumjobs!

Seehunde unter sich.

See la vie.

(Ostufer Starnberger See, am 01.02.2018]

„Zukunft – das ist jene Zeit, in der auf Freunde Verlass sein wird, das Glück gesichert ist und die Geschäfte gelingen“, meinte heute ein junger Mann zu mir, mit dem ich am trostlos grauen Seeufer bei Berg ins Gespräch kam, während wir beide einem Stand-Up-Paddler zusahen.

So jung war er, dass ich ihn in dem Glauben lassen wollte.

Wasted and wounded (it ain’t what the moon did).

In Neues, das sich gut anließ, zu viel Begeisterung und Hoffnung gesteckt.
In Bestehendem, auf das man vertraute, zu viel Erschütterung erfahren.
In Altem, das längst nicht mehr passte, zu viel Energie verloren.

Wo früher nachgefragt wurde, steht heute ein Punkt oder eine Unterstellung.
Wo einst geredet wurde, wird nun geschwiegen.
Wo Resonanz und Antworten fehlen, kann man entweder selbst mit dem Spekulieren beginnen und sich in einer Spirale aus Hoffen & Warten verheddern, oder sich darin üben, loszulassen, ohne zu verstehen.

Die Zukunft mal wieder nebulös und völlig offen.
Die Gegenwart so wechselhaft wie das Herbstwetter.
Die Vergangenheit etwas, das wider besseren Wissens verklärt wird oder unangemessen bedrückt.

Ich werde eine Schneise durchs Dickicht schlagen, über kurz oder lang.
Den Kahn wieder flott machen (oder ihn versenken, anstatt mit ihm zu versinken).
Die Septembersonne hinter den Wolken suchen und mich an ihr wärmen.
Mich auf meine Konstanten besinnen, umdrehen und andere Wege ausprobieren.

Es ist daher an der Zeit, hier eine Pause einzulegen.

Macht’s gut, trotzt euren Stürmen standhaft, habt schöne Herbsttage & bis bald wieder – hier oder dort.
Die Kraulquappe.

Talk about a dream, try to make it real. Zum 7. Februar 2017.

Liebe A.,

irgendwann musste es ja passieren: dass ich mich anlässlich dieser Geburtstagsserie nicht zwischen zwei Songs entscheiden kann und beide nehmen MUSS. Ich hoffe, das versaut dir deinen Geburtstagsmorgen nicht, denn immerhin kostet dich dieser Beitrag nun mindestens 11 Minuten Lebenszeit (und je älter wir werden, desto kostbarer ist diese ja).

Ich kann diese Misere aber erklären! Dachte ich an dich und den großen Umbruch in deinem Berufsleben im Herbst letzten Jahres, so kam mir sofort ein Vers aus „Badlands“ in den Sinn:

Talk about a dream,
Try to make it real
You wake up in the night
With a fear so real
You spend your life waiting
For a moment that just don’t come
Well, don’t waste your time waiting

Aber hör‘ es dir selbst an, vertont klingt es um ein Vielfaches besser als getippt!

Und weiter:

Badlands, you gotta live it everyday
Let the broken hearts stand
As the price you’ve gotta pay
We’ll keep pushin‘ ‚til it’s understood
And these badlands start treating us good.

Zur Illustration dessen, was beruflich hinter dir liegt und der Selbständigkeit, die du gerade auf die Beine stellst – eine Phase, die natürlich auch von Unsicherheiten und Zweifeln begleitet ist -, fand ich das absolut passend. Du hattest diesen Traum schon länger, du packst ihn nun an, wühlst dich tapfer durch Formalitäten und Regularien, brütest über Businessplänen und Finanzkram, besuchst Fortbildungen, lässt dich nicht von noch fehlender Theorie oder Praxis ins Bockshorn jagen und bietest so den badlands der Vergangenheit und Gegenwart mutig die Stirn. We’ll keep pushin‘ ‚til it’s understood – and these badlands start treating us good!

[Randnotiz: Ich war über viele Abende in Begleitung etlicher Weißbiere damit beschäftigt, die beste Version von „Badlands“ für dich rauszusuchen – es gibt schließlich Hunderte, der Song ist halt schon von 1978! In Fan-Kreisen ist das mit der besten Version eine Wissenschaft für sich. Da gibt es die Fraktion, die felsenfest davon überzeugt ist, dass es nur „Barcelona 2002“ sein könne oder jene, denen nichts über die Hyde-Park-Aufnahme von 2009 geht, und denen stehen wiederum die glühenden Verfechter der 1980er-Version vom Konzert in der Arizona State University gegenüber, auf deren Seite ich mich schlussendlich geschlagen habe. Sie ist mir zwar einen Tick zu schnell und stimmlich war er in späteren Jahren besser beieinander, aber nichts geht über den jungen Bruce aus der Prä-Muckibuden-Zeit, außerdem ist die Version ausgesprochen verständlich ohne dass sie dafür an Engagement einbüßen würde. Und die berühmte Strophe, die von den Fans fast gebetet wird – „(…) for the ones who had a notion, a notion deep inside (…)“ –, ist hier auch besonders gelungen. Möchtest du die 27 anderen, im Auswahlprozess auf der Strecke gebliebenen Versionen auch noch haben, gib einfach Bescheid :-).]

Ich war also ganz glücklich und zufrieden, endlich deinen Geburststags-Song in der richtigen Version herausgepickt zu haben. Und genau dann schreibst du mir in einer deiner letzten Mails unvorsichtigerweise folgende zwei Sätze (verzeih‘, falls ich nun Intimes preisgebe):

Ich habe so eine kleine innere Liste, auf was für Konzerte ich noch gehen möchte. Und da gehört ein Konzert von Bruce Springsteen dazu.

Da ich erstens ein Freund von Listen (inneren und äußeren, kleinen und großen) bin und zweitens ein noch viel größerer Freund von Springsteen-Konzerten, hat sich mir dieser Satz von dir natürlich eingebrannt. Und zwar so tief, dass ich unsicher wurde, ob es für dich und deinen Geburtstag mit dem Ströphchen aus „Badlands“ wirklich getan wäre, wo es doch noch das hier gibt: die ultimative 5-Minuten-Zusammenfassung, die wenigstens ein bisschen zusammenfasst, wie das so ist bei seinen Konzerten.

Ein kleiner Querschnitt durch alle Jahrzehnte, eingebettet in ein Klang- und Lichtermeer und einen Bilderreigen, ein Versuch, die Emotionen auf und vor der Bühne einzufangen – inklusive Crowdsurfing und der Gedenkmomente für jene, die die Bühne bereits für immer verlassen mussten. Und dazu das simple „Dream, baby, dream“, das man, einmal live und solo-acoustic erlebt, einfach nie mehr vergisst.

Wenn du ihn also je live erwischen kannst, dann nix wie hin (allzu lang sollte man nicht mehr warten, er wird 68)!

Du meintest in deiner Mail außerdem, dass du ihn am liebsten in Amerika erleben würdest. Ja, das war auch einer meiner Lebensträume, die Atmosphäre bei seinen Heimspielen in diesen Mega-Stadien ist tatsächlich eine besondere und man ist in der Arena noch näher an dran, weil er daheim mehr ins Publikum geht und kleine Details der Choreografie anders sind.

Solltest du ihn aber „nur“ in Europa abfangen können, kann ich dir zum Trost einen konservierten Schweißtropfen von Bruce anbieten (immerhin in D6er-Potenz), den ich seinerzeit nachts beim Händewaschen in einem Hotel in East Rutherford (NJ) mit Hilfe meines Freundes M. in einem leergespülten Hotelduschgelfläschchen aufgefangen habe, nachdem ich ihn Stunden vorher tatsächlich und leibhaftig an seinem rechten Arm berührt hatte, als er mit seinem hungrigen Herzen auf den Lippen direkt an mir vorbeistapfte.

The sweaty Grail (Sept 21, 2012).

In diesem Sinne wünsche ich dir für dein neues Lebensjahr, dass du mit der Realisierung deiner Träume unbeirrt weitermachst – in persönlicher, beruflicher, bloggender, knyologischer, wohnmobiliserender und musikalischer Hinsicht.
Und sollte dich dabei mal der Wind beuteln, na, du weißt schon, was du dir dann als Trostpflaster einverleiben kannst!

Alles Gute zum Geburtstag und einen tollen Tag mit deinen beiden Lieben wünscht dir
Deine Kraulquappe.