Futur II.

Was für eine krasse Umstellung.
Eben noch in der milden Herbstsonne die Bahnen gezogen, nun wieder zähneklappernd zum Beckenrand huschen und sich auf den ersten 500m kaum die Nase zum Luftholen aus dem Wasser recken trauen, weil der Wind so eisig ist und der Regen einem ins Gesicht peitscht (immerhin ist’s noch Regen und kein Schnee).
So ein Ganzjahresfreibad ist bisweilen schon eine Herausforderung.

Innerlich das Futur-II-Credo repetierend – „es wird gut gewesen sein“ – springe ich kopfüber hinein in die Wintersaison.

Einen warmen Wochenendausklamg wünscht Ihnen

Die Kraulquappe.

Bassotto.

Das Dackelfräulein am Pragser Wildsee.

Kennen Sie das auch? Sie sind irgendwo im Ausland unterwegs und freundlich lächelnde Einheimische rufen Ihnen einen Gruß zu, den Sie auch mühelos als solchen identifizieren können, aber nach dem „Hej hej“ oder „Grüezi mitenand“ oder „Buon giorno“ folgen dann noch ein paar Worte, die Sie freundlich zurückgrüßend und -nickend absegnen, obwohl Sie nur Bahnhof verstanden haben und bei denen Sie einfach mal in ihrer glücksdusseligen Urlauberlaune davon ausgehen, dass man Ihnen sowas Nettes wie „Genießen Sie den sonnigen Tag!“ (und eben nichts Unflätiges) zugerufen hat. Hinter der nächsten Wegbiegung zücken Sie jedoch sofort Ihr Handy, weil Ihnen dieses „So tun als ob“ zuwider ist und Sie natürlich verstehen wollen, was man Ihnen da mit auf den Weg gab, und befragen Mr. Google Translator.

So erging es uns gestern am Pragser Wildsee, als eine entgegenkommende italienische Familie herzlich grüßend und verzückt lächelnd eine nie gehörte Vokabel prononcierend an uns vorbeimarschierte. „Bellissima“ hatten wir noch verstanden, aber „bassotto“ mussten wir nachgucken. Wobei wir selbstredend sofort einen Verdacht hegten – wegen „bellissima“, was wir, schwitzend und unfrisiert bergauf wandernd, spontan erstmal nicht auf uns bezogen und uns zudem nicht entgangen war, dass die Familie eigentlich eh nicht allzu sehr auf uns blickte, sondern vielmehr unsere vierbeinige Vorhut fokussierte.

„Bassotto“ ist das italienische Wort für „Dackel“.
Erstmal wusste ich nicht, ob mich das nun eher belustigen oder kränken sollte, da das ja wörtlich sowas Ähnliches heißt wie „tiefergelegte Acht“ („basso“=“niedrig, tief“ und „otto“=“acht“).

Haha. Sehr witzig. Einen gestandenen bayerischen Hund mit der Persönlichkeit eines Löwen als „tiefergelegte Acht“ zu titulieren, das ist wirklich sehr ungehobelt. Allerdings passt es gut dazu, dass ich die Italiener eh nicht so besonders mag (v.a. sind sie mir zu laut und zu raumgreifend, außerdem essen sie unangenehm spät zu Abend und frühstücken – wenn überhaupt – viel zu süß).

Dennoch, „bassotto“ spricht sich schön. Sehr schön sogar.
Sagen Sie es ein paar Mal, und ich möchte wetten, es geht Ihnen ähnlich: bassotto, bassotto, bassotto. Ist das nicht klangvoll?!? Aus dem Wort sprüht förmlich der Vorwitz, das Kecke, das gesamte Mutig-Schlawinerhafte hervor, das dem Dackel zueigen ist!
Hören Sie es auch? Na, mit Sicherheit!

Ich beschloss also, Milde walten zu lassen und der italienischen Sprache die (ihr von mir etymologisch unterstellte und wahrscheinlich sowieso verkehrte) „tiefergelegte Acht“ nicht weiter nachzutragen, denn dieser kleine Hund ist ja tatsächlich von etwas spezieller Statur und meinetwegen kann man die auch als „tiefergelegt“ bezeichnen, so lange ein so schönes Wort wie „bassotto“ dabei rauskommt (und die Acht gilt je nach Kultur oder spiritueller/religiöser Richtung als heilige, harmonische oder glücksbringende Zahl, ist also auch nicht so verkehrt).

Pippa, unterwegs in den Pragser Dolomiten.

Am Südufer des Pragser Wildsees.

Bassottto stanco (auf Ottomane gebettet).

Il bassotto più bello e sportivo del mondo.
La mia amata Pippa.

Sehen Sie mir die emotionalen Superlative bitte nach.
Diese permanente Bergsonne und die gute Höhenluft setzen die Endorphine einfach kübelweise frei.
(Nie für möglich gehalten, welch extrem große Liebe man für einen so kleinen Hund empfinden kann!)

Mit den herzlichsten Grüßen aus Südtirol
Ihre Kraulquappe & ihr bassotto.

 

PS: Und sonst so? Immer noch schön hier.

PPS: Zwei touristische Anmerkungen noch, damit nicht wieder irgendwer darüber lamentiert, dass es hier zu sehr hundelt.
1. Der Pragser Wildsee wird meiner Meinung nach ziemlich überschätzt. Er ist keinesfalls schöner gelegen als der Eibsee, gleichwohl die Dolomiten rundum ein klein wenig spektakulärer daherkommen als das Wettersteingebirge. Und farblich kann der Walchensee locker mithalten – oder auch der Sylvensteinsee. Sparen Sie sich dieses Ziel also in der Hauptsaison. Es war bereits wochentags bei 11 Grad in der Nebensaison gut besucht, ein sonniges Wochenende im Juli möchte man sich da gar nicht erst vorstellen. Mit etwas Glück erwischen Sie dort in der Nebensaison Momente, in denen Sie auf den Wanderwegen in den Seitentälern des Sees oder sogar auf dem Rundweg um den Pragser Wildsee kurz alleine sind.
2. Besuchen Sie lieber die nicht so hervorgehobenen und nicht über alles gepriesenen Destinationen im Hochpustertal. Eine verrate ich Ihnen: das Gsierser Tal. Ich liebe Sackgassen in der Natur, alpine Endstationen (wir berichteten hier). Orte, an denen es nicht weitergeht, verkehrstechnisch. Parken Sie in St. Magdalena beim Talschluss-Häusl. Und suchen Sie sich dann eine der vielen tollen Almen-Wanderungen aus. 700 Höhenmeter hat man da schnell beieinander, spaziert dann bei herrlichem Weitblick auf über 2.000m herum, trifft (selbst Anfang Oktober) auf eine bewirtschaftete Alm nach der anderen und kann so völlig japanerfrei und abgeschieden einen ganzen sonnigen Herbsttag verbringen. Trinken Sie lieber ein Achtel Roten als ein Weißbier (das in ganz Südtirol deutlich teurer ist als in ganz München), als Grundlage empfiehlt sich vorher vielleicht eine Portion Schlutzkrapfen oder ein Kaiserschmarrn. Danach noch einen Kaffee und einfach mal ungestört geradeaus gucken.

Perché siamo qui.

Le Tre Cime – allüberall.

Start der Wanderung am Dürrensee mit Blick auf den Monte Cristallo.

„Schau, Pippa, da gehen wir nächste Woche hinauf!“

Der berühmte Blick auf die Drei Zinnen vom Höhlensteintal aus.

„Guckstdu Weltnaturerbe, Menschlein!“

Für die Gehfaulen: Best place for…

Edle Einheit & stille Grüße.

Alpinisti fortuna.

Rundtour auf der Plose: Ochsenalm auf 2.071m.

Marendenbrettl auf der Ochsenalm.

Überreste des Nachtfrosts auf der Ochsenalm.

„Zwischengipfel“ auf 2.365 m Höhe.

Foto der Woche: Die Silhouette des Kraxeldackels auf 2.400m.

Fast ganz oben: Pippa blickt auf Brixen hinab.

Geschafft!

…und nun brechen wir unsere Zelte in St. Leonhard ab, schlürfen noch einen Kaffee in Brixen, holen den Gatten am Bahnhof ab und reisen weiter ins Hochpustertal.

Ist schon schöner als 16 Tage Oktoberfest vor der Haustür 🙂

Himmel der Bayern (46): Vernunftbegabte und Irrationale on tour.

Der letzte Bergsommertag 2018.

Sonnenschein, 25 Grad, weiß-blauer Bayernhimmel, der gestandene Münchner, resp. Münchnerin, am Hackln oder am Dirndl-Aufbügeln – was man halt so macht an einem Freitag Ende September, wenn man in Lohn und Brot steht und/oder sich innerlich und äußerlich fürs morgige „Ozapft is“ präpariert.

Wir hingegen verbringen den Tag auf einer der unfreundlichsten Hütten in den Münchner Hausbergen: dem Hirschberghaus.

Einzig die Weißbiersorte reißt’s raus, aber abgesehen davon konzentriert man sich hier lieber komplett auf die herrliche Umgebung und den bewegten Part der Tour.

Man nehme den Aufstieg vom Kreuther Ortsteil Point…

…übers Rauheck (zumal mit Rauhaardackel)…

Rauhaardackel

Rauheckalmen

…erfreue sich beim Blick über die Schulter der schönen Sicht auf den Wallberg samt der dazugehörigen hölzernen Kapelle…

…gehe direttissima hinauf zum Hirschberggipfel…

…wähle unbedingt den Weg für Vernunftbegabte und nicht den für Vollidioten…

…wische sich am Gipfelkreuz den Schweiß von der Stirn, reiche der vierbeinigen Begleitung ein Schüsserl Wasser…

…schaue von dort wahlweise ins Lenggrieser Tal…

…(und winke dem Seekar zu, das dort oberhalb der geliebten Hütte liegt, auf der man nun doch demnächst nochmal mithelfen wird)…

…bestaune die milchigen Konturen der Zugspitze am Horizont, oder blicke hinab zum Lago di Bonzo…

…der bilderbuchartig umrahmt von bewaldeten Hügeln und hübschen Berglein da unten im Tale liegt.

Anschließend – innerlich imprägniert von diesen Impressionen – hinab zum unfreundlichen Hirschberghaus, dort eine leichte Weiße auf der herrlichen Sonnenterrasse…

Roter Pfeil => Gipfel des Hirschbergs

…und dem Hündchen eine Zwischenmahlzeit unter den Tisch gereicht.

Man selbst mümmle heimlich die mitgebrachte Brotzeit, und zwar am besten auch gleich unterm Tisch, aber der unfreundliche Wirt wird’s eh sehen und von drinnen mit dem Zeigefinger fuchtelnd mahnen. Und wenn er grad da herin so gar nix zum doa hod, kimmt er a no aussi und grantelt umanand.

Tipp: Sagen Sie dann, Sie wären mindestens Diabetiker, besser noch: Diabetiker mit Histaminintoleranz und/oder Laktose- und Gluten-Unverträglichkeit, dann hält der Wirt sei Goschn und Sie für einen dieser depperten Städter, die wo moana, dass sie nix Normales mehr fressn kenna, und begnügt sich damit, dass Sie da herobn nur eine 4,30€ (!) teure Weiße konsumiert haben und leider, leider wega da Gsundheit Abstand von den diversen (gruseligen) Gerichten aus seiner Hüttenküche nehmen mussten (!), weil Ihr Arzt das nunmal so angeordnet hat – und schon können Sie entspannt in Ihr Käsebrot beißen und die Cocktailtomaten aus der Box holen.

Steigen Sie danach via Bolzeck wieder nach Kreuth hinab…

…und lassen Sie den Tag nach Möglichkeit im Gasthaus zum Hirschberg oder beim Hagn-Wirt in Kreuth ausklingen, die Seele baumelt dort erfahrungsgemäß vortrefflich vor sich hin.

Das Dackelfräulein und ich fahren freilich weiter nach Rottach zum Papa, bei dem wir eine Dusche, ein Abendessen und eine Hopf-Weiße bekommen.

Dort strecken wir die Haxn aus, denen der heutige Marsch hoffentlich die leichte Schwere der anstrengenden Gratquerung von vor ein paar Tagen genommen hat.

Aber der wahre Grund der heutigen Tour ist sowieso der Papa und der etwas irrationale Drang, dass man einander vor der Abreise nach Südtirol nochmal sehen sollte, was totaler Schmarrn ist, da wir uns ja sonst auch oft wochenlang nicht sehen (und dass man dann statt der üblichen 70km die vierfache Strecke voneinander entfernt ist, ändert ja rational betrachtet rein gar nichts).

Heut in einem Monat wird er 75 und je höher die Zahl hinter der 7 wird, desto irrationaler wird’s bei mir.

Übrigens: der dritte Freitag in Folge, den wir am Tegernsee verbringen, was ich jetzt allerdings nicht mit der Reise nach Südtirol begründen möchte und auch nicht mit dem Papa oder seinem Alter oder Zustand, weil das glatt geflunkert wäre.

Es ist nämlich wirklich schön hier. Vor allem wochentags. Und erst recht, wenn’s der letzte Bergsommertag ist.

Himmel der Bayern (45): Über allen Wipfeln ist Ruh.

Etwas angeknackst und spät aufgebrochen…

…haben wir’s doch noch hinauf geschafft.

War da was, da unten im Tal, gestern, überhaupt?

Scho | Ja mei | Eh wurscht | Schlaf ma drüber.

Nur ein Flügelschlag.

So viel kann passieren zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.

Oder von einem Sonntag bis zum nächsten.

Grad noch durch den warmen, weichen Sommersee gewatet, nur einen Flügelschlag später in der Fleecejacke wandernd den Herbst geatmet.

Wacken (Open Air) und andere Wasserfreuden.

Strasbourg.

Ein kleines Paradies, dieses Städtchen: durchzogen von verwinkelten Gassen, idyllischen Wasserwegen, blühenden Uferpromenaden, französischem Flair, gelungenem Stilmix aus Alt und Neu, unendlich vielen schönen Brücken. Und als Sahnehäubchen das Piscine du Wacken, ein Freibad vom Feinsten, für erfrischende 4€ Eintritt!

Straßburg.

Schwaden von stinkendem Munsterkäse durchziehen die Altstadt, ein Glas Bier ist in vielen Lokalen teurer als in Kopenhagen, überall stolpert man in rotblinkende Poller und astronomisch hohe Parkgebühren gefährden die Urlaubskasse (geschicktes System übrigens: Anfüttern mit 1 harmlosen Euro für 3 Std, danach wird ein Tagessatz von 35 bis 54€ fällig – die spinnen, die Franzosen!).

Verkraftbar aber, muss man halt ein bisserl flexibel damit umgehen: im Lokal je nach Geruch/Windrichtung mehrfach den Tisch wechseln, Wein trinken, ganztags die Sonnenbrille aufsetzen und den Parkautomaten zweimal täglich schamlos austricksen.
Ach ja, und Obacht vor adebarischem Overkill – in der Altstadt ist dem nur schwer zu entkommen!

Storchenwahnsinn überall in der Stadt.

Fazit: Ein absolut lohnenswertes Ziel für eine erholsame Städtereise. Am besten zu bereisen im Sommer und am allerbesten mit einem all-inclusive-Gutschein im Gepäck.

Auf der Passerelle des Deux Rives.

Meinen herzlichsten Dank an T. für das prima Geschenk – und sind wir doch mal ehrlich: ein Trip in ein Landhotel an der Mosel oder ins Schwabenländle, so wie du’s zunächst im Sinn hattest, hätte da niemals mithalten können, nicht wahr?

Ich hoffe, du bist gut heimgekommen und deiner Hüfte geht’s dank des ausgiebigen Schwimmens und des drei Tage hintereinander (locker) erreichten Schrittzahl-Highscores nun besser, und falls nicht, gönn‘ dir mal etwas Ruhe und hau‘ dich gemütlich mit einem Flammkuchen auf die Couch.
Von Dr. Oetker gibt’s hierzulande ’nen recht preiswerten, hab‘ ich gehört. Sogar ohne Munstermief.

Flammkuchen in der sozialverträglichen Variante.

In 4 Jahren, zum 50., dann wie gesagt gern Vancouver, Kapstadt oder Sydney, bis dahin tun’s natürlich auch Tickets für einen Bruce-on-Broadway-Abend (evtl. pünktlich geschickt, damit wir da etwas mehr Vorlauf haben als diesmal?).

Greetings from Munich! 😎
Deine N.

Dahoam.

(Ein Trugschluss, dass es zu heiß sein könnte für eine Bergtour, denn da herobn isses ja einige Grad kühler als druntn in der Stadt und ein Lüfterl weht auch und die leichte Weiße kostet einen jetzt auch nix mehr. Gut gelaufen. Darf ja auch mal sein.)

Stadtflucht.

Danke an D. für die schöne Wanderung durch den Wildbach, das gemeinsame Radeln zum See und all die guten Gespräche – und an den Papa fürs mehrtägige Hitzeasyl am bergnahen See, wo all das und mehr stattfinden konnte. An einem Ort sein zu dürfen, wo man einfach sein kann, wo man sich auskennt, wo man gekannt wird, wo es nach Heimat riecht, obwohl man dort nicht Zuhause ist.

Morgens frische Brezen, jeden Tag 2x zum Schwimmen und große Eisbecher mit Waffelröllchen drin: das fühlte sich vorübergehend so sorglos und leicht an wie Sommerferien zu Schulzeiten (dass man erwachsen ist, merkt man dann unangenehm plötzlich daran, dass einem während des Gassigehens irgendein Depp den Stoßfänger anfährt, übel verschrammt, sich einfach aus dem Staub macht und es einem leider niemand mehr abnimmt, sich mit so einem Sch*** rumzuschlagen).

Dennoch: Gut gewässert (ich) und mit allen Wassern gewaschen (das Dackelfräulein) sind wir wieder in die Stadt zurückgekehrt.