Die schöne Münchnerin oder: Ein Mäusefilm zum Weltkatzentag.

Öha – Weltkatzentag ist heut!

Und der Metzger packt auch noch aus, und das hiesige Traditions-Fotogeschäft verlost einen Workshop für schöne Münchnerinnen. Holla!

Hier ist unsere Antwort auf diesen spektakulären Schlagzeilen-Dreiklang der Abendzeitung:

1. Ab zum Choiffeur, damit man auf dem Bewerbungsfoto für den Workshop auch ausschaut wie eine schöne Münchnerin.

2. Nachfrage der Hundefriseuse bejahen: „Griaß di, Mausi, mogst a Wurschti?“ – Ja. Mausi mag jederzeit ein Wurschti. Auch zwei. Oder drei. Oder alle. Das sollte die liebe Sabine nach vier Jahren eigentlich langsam mal wissen.

3. Frisch getrimmt drehen wir dann einen MausiMäusefilm (*). Achten Sie bitte auf diese selten schöne Silhouette und die Geschmeidigkeit in den Bewegungen! Und bitte auch auf das inbrünstige Grunzgeräusch: das kriegt keine Katze niemals nicht hin.

Mit einem Prosit von unserer Beamtenrunde am See, die aus genau 7 Ritualen besteht (3x Wässerung, 2x Grabung, 1x Wälzung und 1x leichtes Weißbier nebst Streuselkuchen), in der immer gleichen Reihenfolge, worauf das Fräulein noch größeren Wert legt als ich, grüßen wir Sie recht herzlich und wünschen Ihnen einen sonnigen Feierabend 😎🐕👍

(*) Hinweis: Bei den Dreharbeiten kam kein einziges Lebewesen zu Schaden. Auch vorher und nachher nicht. Bestenfalls wurden ein paar Grashalme umgeknickt und das Erdreich hie und da etwas aufgelockert.

Ekstrem Turglede oder: Das Vorstellungsgespräch.

Zum gestrigen Tag der Liebe hatte ich mit dem Dackelfräulein vereinbart, dass wir uns diesmal keine Rosen/Knochen schenken, sondern stattdessen lieber was Gscheids für unsere Beziehung tun – etwas, das wir beide lieben.

Also ab in die Berge!
(Merke: Wähle einen Ort, an dem genug Ski-Firlefanz für die Faschingsleichen und Feriengäste angeboten wird und wähle dann den Berg gegenüber, an dem nix los ist.)

Lenggries!

Natürlich nicht das Gebiet rund ums Brauneck, sondern eben die andere Seite.
(Merke: Brich ruhig spät in München auf, dann kommen die paar Tourengeher schon wieder vom Berg runter, wenn du grad aufm Parkplatz eintriffst.)

Wenn es mich jemals aufs Land verschlägt, dann wohl hierher, in dieses Tal.

So sehr ich das Tegernseer Tal auch mag – in erster Linie mag ich es, weil der Papa dort lebt. Ein paar nette Berge dort, prima Loipen auch, schöne Ufer zum Baden, aber letztlich ist es mir dort zu eng (die Berge enden ja quasi im See) und in den Orten zu bonzig (Pelzmantelpublikum, teure Geschäfte, noble Lokale).

Biege ich hingegen von Tölz auf die Bundesstraße nach Lenggries ab, geht mir einfach – beim Gucken! – das Herz auf. Die Rückseite der Benediktenwand lugt hinterm Brauneck hervor, neben der Straße plätschert die Isar in ihrem breiten Bett dahin und auf den 9 km zwischen Tölz und Lenggries klebt beinahe an jedem Kilometer eine Erinnerung.
Alles dabei: vom Per-Anhalter-Fahren zum Tanzen nach Tölz über den Motorradunfall eines Jugendfreundes über Lagerfeuer auf Isarinseln mit Gitarren, Bierkästen und Küssen bis hin zum Kentern mit dem Kajak, damals, als ich an den freien Tagen meines Sommerferienjobs in der Jugendherberge die Zivildienstleistenden bei ihren Wasserausflügen begleiten durfte.

Dieses unerklärbare Gefühl, wenn ein Ort, eine Gegend, eine Landschaft einfach passt, wenn etwas in einem aufatmet und eine innere Stimme einem den Slogan der kurzen Spots im Bayerischen Fernsehen zuflüstert: „Da bin i dahoam.“ (in dem Fall mehr ein „Da kannt i dahoam sei.“).

Wir starten im Ortsteil Hohenburg bei bestem Bayernwetter und schönstem Schnee …

… und nehmen diesmal nicht den Sulzersteig, der überwiegend im Schatten liegt …

Blick bis ins Vorkarwendel.

… sondern den Grasleitensteig Richtung Seekarkreuz, auf dem der Blick nach vorn genauso schön ist wie der Blick zurück ins Tal, treffen keine Menschenseele …

Blick aufs Brauneck und nach Lenggries.

… und das Einzige, was ein bisserl beschwert, ist der spürbare Verlust der Kondition durch den Virus, so dass ich gar nicht anders kann, als die eine oder andere zusätzliche (Foto-)Pause einzulegen, damit wir die 650 Höhenmeter bis zur Hütte ohne Kreislaufkollaps schaffen (naja, das „wir“ ist gelogen, denn das Hündchen hat keine Schwierigkeiten und schaut dauernd von drei Serpentinen über mir hinab, wo ich denn nur bleibe) und auch die Marterl am Berg drosseln eher das Tempo, als Flügel zu verleihen …

… aber irgendwann guckt sie endlich hinter den Schneemassen hervor, die Hütte, das Ziel!

Wir richten uns ein: Die Matte fürs Dackelfräulein wird ausgebreitet, ich geh‘ mich – klitschnass geschwitzt! – erstmal Umziehen, dann wird das DAV-Mitglieder-Essen bestellt, ein Hohentanner dazu und erstmal gradaus geschaut, geruht und gegessen.

Ein Blick über die Schulter hinüber zum Seekar (Gipfelkreuz links neben der mittigen Tanne) – nein, das wird heut‘ nix mehr, das pack‘ ma nicht (zumindest ich nicht)!

Und dann, nach dem Essen, die Hütte leert sich schon, der Wirt hat jetzt etwas Zeit, da gebe ich mir einen Ruck, gehe zum Tresen und sprech‘ den Aushang im Hüttenflur an: „Mitarbeiter gesucht“.
Immer schon wollte ich das ja mal machen, seit der Jugendzeit, aber immer sprach ‚was dagegen: der Papa, die Lebensphase, das Studium, der Job, der Partner, die Karriere, das Geld, die Gesundheit, der Zeitmangel, die Umstände.
Nun, da manche dieser „Hindernisse“ sich in Luft aufgelöst haben (der Job, die Karriere, das Geld, der Zeitmangel), ist da plötzlich diese Freiheit, einfach mal nachzufragen.

Der Wirt gibt ein Getränk aus und setzt sich zu mir. Wir bereden das. Ob, wie, wann, warum.
Es ist das entspannteste Vorstellungsgespräch meines Lebens: mit verklebten Haaren, rotgefrorener Nase, Pippa zu meinen Füßen, Bergstiefel offen, Bier in der Hand sitze ich da und fühl‘ mich prima. Kein „Was sind Ihre Stärken und Schwächen“-Schwachsinn, sondern die Ansage „Es sollt‘ scho oana sei, der wo si do herobn auskennt, falls mal a Gast frogt, wie die Berg‘ do heißn oder wo’s obi geht“.
Letzte Saison hat er eine gehabt, die „ned mal an Scharfreiter oder die Zugspitz kennt hod“, also das geht gar nicht! Zupacken können sollte man auch, und dann strahlt er, als ich von den Lenggrieser Sommern erzähle, von der Großküche (und dem anderen Gewurschtel) unten in der Jugendherberge und von all den Touren hier in der Gegend.

Zwischendrin kommt Hüttenhündin Tessa angeschwänzelt und will gekrault werden, wir reden über die Hunde, wie alt und woher und welche Macken, beide heißen sie „Mäuschen“, was eigentlich nicht sein kann, denn die Entlebucherin ist eine recht Stämmige („vom Nibelungenblut“) und das Dackelfräulein im Vergleich ja so zart (und nur eine „vom Schwindauer Land“).

Ein paar späte Skitourengeher betreten die Stube und wir unterbrechen unser Gespräch, der Wirt muss rüber zum Tresen und in die Küche. Während er den Eintopf für die Neuankömmlinge erhitzt, schaut er aus einer Luke neben dem Kachelofen nochmal rüber in den Gastraum und ruft mir zu: „Hosd an Dudn?“
„Äh, ja, daheim hab‘ ich einen Duden.“
„Also dann kannst ein Wort da drin gleich streichen: „Hüttenromantik“. Des gibt’s da herobn ned!“.
Er grinst breit, ich nicke zustimmend, proste ihm mit dem Noagerl zu und wir verabschieden uns bis demnächst oder bis zum Saisonbeginn – dann probier’n wir das vielleicht tatsächlich mitanand, so tageweise zwischen meinen Schreibarbeiten und einfach mal für eine Saison, da herobn.

Aschermittwoch 2018: Ekstrem Turglede (= außergewöhnliches Tourenglück)!

Ganz neue Aussichten jedenfalls!

Vorstellungen.

Alle paar Monate läuft mir eine Ausschreibung für eine Teilzeit-Stelle über den Weg, die zunächst so klingt als ließe sie sich gut mit meiner schreibenden, freiberuflichen Tätigkeit verbinden, weshalb ich mich entschließe, eine Bewerbung abzuschicken.

Meist gibt es aber einen Haken an der Sache, der sich im Vorstellungsgespräch offenbart, so dass aus der Idee, kontinuierlich und ohne Klinkenputzen etwas dazuzuverdienen, dann doch nichts wird.

Bei dem gestrigen Termin, der mit einer Abteilungsleiterin und der Gleichstellungsbeauftragten des Unternehmens stattfand, waren es gleich 3 Haken.

  1. Gewünscht wird eine Art ultraflexible Teilzeit, quasi nach Bedarf und auf Zuruf spontan ganztags, sonst halbtags. Ganztags bedeutet für mich, dass ich meine Dackeldame mitnehmen müsste, da ich sie nicht 8 Std. alleine lassen kann – was ich grundsätzlich auch offen anspreche.
  2. Es gab im Unternehmen irgendwann mal einen Vorfall (das Wort mit einem Grienen ausgesprochen und in einer Betonung, die mich irritiert, wieso nicht Klartext: Rottweilerbiss oder kotzender Mops – oder was?) mit einem Hund, seitdem sind die Vierbeiner tendenziell unerwünscht, aber: „Wenn mal jemand mit Hund vorbeikommt, um jemanden abzuholen, der hier arbeitet, ist das schon ok für uns.“. Wow, das ist ja toll. Der Gatte dürfte also glatt mit Pippa an der Leine im Foyer aufkreuzen, um mich von der Arbeit abzuholen!
  3. So ganz zum Schluss des an sich ganz netten Gespräch, bei dem ich mich freundlich, kompetent und sozial unauffällig verhalten habe, kacke ich schließlich völlig unerwartet ab – bei der Frage der bis dahin qua ihres Amtes nur dabeisitzenden und zuhörenden Gleichstellungsbeauftragten, die da lautete: „Wie stehen Sie als Bewerberin und als Frau zu der Tatsache, dass genderkonforme Kommunikation in unserem Unternehmen nicht nur eine Empfehlung, sondern eine Vorschrift ist?“. Als Mensch (und sogar als Menschin) rollen sich mir bei dem Thema leider meine unlackierten Zehennägel auf, ein Vorgang, der sich in meiner Mimik vermutlich nicht ganz verbergen ließ.

Als ich das Gebäude nach gut einer Stunde etwas desillusioniert und zergendert wieder verlasse, fällt mein Blick auf eine der wenigen Ingredienzen des Angestelltendaseins in großen Firmen, die ich schmerzlich vermisse.

Ein verwaister, sehnlichst auf SpielerInnen wartender Kicker im Foyer eines Münchner Unternehmens.

Eigentlich ist es überhaupt das Einzige, was ich vermisse, wenn ich an meine 17 Berufsjahre in der großen Forschungseinrichtung zurückdenke (*).
Die wenigen wichtigen Menschen und Erfahrungen aus der Zeit sind ja geblieben, aber der Kicker und die großen Turniere, die Zeiten, in denen sie mich dort total genderkonform Olivia Kahn (oder Jennifer Lehmann) nannten, das fehlt mir immer noch.

Erinnerungen an das Sommermärchen 2006: Argentinien beim Elfmeterschießen. Gute Handykameras gab’s damals noch nicht.

Wenn man das mal ernst nimmt, sollte man auch an einem Regentag wie diesem, an dem der Altschnee sich in braune Ströme auflösend durch die grauen Straßen der Stadt schiebt, nicht griesgrämig darüber sein, zu einem zweistündigen Mittagsspaziergang mit dem Hund aufbrechen zu müssendürfen und danach in aller Ruhe an den heimischen Schreibtisch zurückkehren zu können, um dort ungestört seinem Tagwerk nachzugehen oder gar bei einem Nachmittagstee mal darüber nachzudenken, wo und wie man in dieser schönen Stadt einen Kicker-Kreis ins Leben rufen könnte.

Eine gute und möglichst unverregnete (und unverhagelte) Woche wünscht euch –
die Kraulquappe.

 

(*) Stimmt nicht ganz. Ich habe auch immer gern auf der jährlichen Weihnachstsfeier eine unserer Betriebsrätinnen (?) beim Klau der Deko-Mandarinen und -Walnüsse, die auf den Stehtischen lagen, beobachtet. Dinge/Situationen, die so ritualisiert wiederkehren, mag ich nämlich sehr.