Himmel der Bayern (57): It’s all about soul.

Wal(l)difahrt zum Heiligen Berg, beruflich quasi.

Lange Wanderung zu einem der touristischen Hotspots im Münchner Umland, dort Fotoshooting mit dem Fräulein, Material sammeln, das man demnächst in einer Reportage hundegerecht verwurschten (sic!) wird.
Muss jetzt alles recherchiert, marschiert, fotografiert und ausprobiert werden.

Schenk ich mir selbst zum Geburtstag, dieses Projekt, denn Aufwand und Ertrag stehen selbstredend in keinerlei vernünftigem Verhältnis, nicht mal dann, wenn es neben dem Honorar noch einen Sack begeisterte Leserbriefe gäbe. Das gedruckte Wort ist einfach nicht mehr viel wert, leider.
Egal, die Sache an sich tut dem grad etwas geschundenen Körper und dem derzeitigen Nervenkostüm wirklich gut:
Die Bewegung, der Hund, die Natur, die Heimat (die Seelenlandschaft!).

Allein die Fahrt durch diese seit Urzeiten vertrauten Gefilde.

Perchting. Ich denke an H., wie wir noch zu Schulzeiten dort im Dorfladen einkauften, für eine unserer Partys da draußen am Moorsee, in dem Häuschen, das der Papa uns vertrauensvoll überlassen hatte und das wir – Party hin oder her – stets blitzblank geputzt zurückgaben. Erinnere mich daran, wie bei einer Vollbremsung – H. hatte den Führerschein noch nicht lang und den Toyota ihrer Mutter ausgeliehen – die Bierflaschen aus der Kiste, die wir kreuzdämlich auf die Rückbank gestellt hatten, geschossartig und mit wildem Schäumen nach vorne flogen – eine unglaubliche Sauerei. Hatten wir noch mehr zu putzen.

Zwischen Landstetten und Frieding an der Einmündung zu dem Feldweg vorbeigekommen, wo ich mit 18 Fahrübungen im Mercedes des Papas machen durfte musste, zur Vorbereitung auf die Prüfung (Damit du mit der Pflichtstundenzahl hinkommst!).
Diese doofe Feststellbremse, die nur mit der linken Hand zu lösen war, irgendwo da unten neben dem Lenkrad. Der schnaufende, schwitzende und schimpfende Papa neben mir (Ja kruzifix, is‘ denn das so schwierig?!), als ich die Karre beim Berganfahren dreimal hintereinander abgewürgt habe, weil das halt mit dieser blöden Handbremsenkonstruktion nicht besser ging. Erst recht nicht auf einem Schotterweg. Geduld war nicht des Papas größte Tugend. Naja, war halt auch der Dienstwagen.

Und ich denke an unsere Radtouren hier in der Gegend, damals, als er noch der Bewegungsfreudigere und Unternehmungslustigere von uns beiden war. Den Frühstückstisch bereits mit Radkarten tapeziert, er frisch und munter, ich müde und muffig, dann ging es los, meist mit mehreren Zielen: See, Biergarten, Kirche, Eisdiele, Kloster, Wildgehege.
Er, der mir alles hier im Oberbayrischen gezeigt hat, dem es unermüdlich darum zu tun war, ans Töchterchen weiterzugeben, was er eben von diesem kleinen Ausschnitt der Welt wusste.

Ich staune heute manchmal, was doch so alles hängengeblieben ist, denn wenn ich zurückdenke an diese Jahre, dann seh‘ ich uns eher im Auto zanken: sein Vortrag über das von Konrad Lorenz gegründete Institut in Seewiesen (weil man grad dran vorbeifuhr und sich diese Lektion anbot) gegen meine Manie, den Sendersuchlauf dreimal rauf und dreimal runter zu betätigen (Musik interessierte mich! – und nicht Verhaltensforschung).

Kloster Andechs. Jahrzehntelang ein beliebtes Ziel solcher Ausflüge. Verhasst war mir das Krippeanguckenmüssen. Der Papa war nie gläubig, aber an Weihnachten meinte er, das Kind müsse nun eine Krippe zu Gesichte bekommen, obwohl das Kind lieber daheim den Baum geschmückt, Plätzchen gefuttert und Seidenpapiersterne auf die Fenster geklebt hat.

Geliebt habe ich hingegen die sommerlichen Besuche in Andechs: da gab es (bis ca. 10) ein Aufess-Armband vom Kiosk bzw. (ab der Teenagerzeit) eine Riesenbreze ganz für mich alleine und später (ab der Studienzeit) konsumierten wir dann tatsächlich mal eine zeitlang dasselbe.

Man staunt ja auch immer wieder, wer so alles tagsüber an einem gewöhnlichen Dienstag unterwegs ist und mit wem man die wenigen Premiumplätze an der sonnigen Klosterbiergartenmauer teilen muss (hat NRW immer noch Ferien oder wat machen die alle hier?).
Jedenfalls: der Kölner am Nebentisch mampft unter großem Gelabere und mit noch größerem Genuss eine Blutwurst und freundet sich währenddessen – der Kölner an sich ist ja freundlich und offen – mit dem Dackelfräulein an, die noch nie zuvor ein Stück Blutwurst gegessen hat, aber spontan sichtlich angetan davon ist und gern noch ein zweites nimmt.
Hast du einen Hund, musst du Menschenkontakt haben, sogar Blutwurstmenschenkontakt.

Ich packe mein Käsebrot und die Tomaten aus und hole mir dazu an der Klosterschänke eine Maibock-Halbe.
Geradeaus guckend: die nun wieder tief verschneiten Alpen. Unter den Tisch guckend: der nun wieder tief zufriedene Hund.
Lese in einem Reiseführer, mache mir Notizen.
Schicke dem Papa eine Live-Foto von Fräulein Hund, Maibock und mir aus dem Klosterbiergarten.
Das freut ihn. War die Bildungsarbeit ja doch nicht umsonst, schreibt er.

Anschließend ein Rundgang durch die klösterlichen Anlagen.
Ein Fotoversuch hier und dort, aber ohne Assistenz ist das heute schwierig, Pippa hat keine Lust oder die Sonne steht ungünstig oder der Maibock ist schuld am Misslingen. Gehen wir halt demnächst nochmal hin.

In der Kapelle wie immer ein Kerzlein angezündet.
Ein Weilchen dort im Dunkeln gesessen, den warmen Wachsgeruch eingeatmet, ein bisschen den Gedanken nachgehangen. Auf einmal an ein Lied von Billy Joel gedacht, bekam die Strophen nicht mehr alle zusammen (dank YouTube kann man auf dem einsamen Weg zurück zum Auto dem Gedächtnis gleich auf die Sprünge helfen: meine Güte, auch schon wieder ein Vierteljahrhundert her, der Song).

It’s all about soul
It’s all about faith and a deeper devotion
It’s all about soul
‚Cause under the love is a stronger emotion
She’s got to be strong
‚Cause so many things getting out of control
Should drive her away
So why does she stay?

Und auf dem Rückweg gelingen uns doch noch ein paar Verrenkungen Zeckenaufklaubungen Übungen in den Frühlingswiesen mit dem Smartphone.

Exactly, it’s all about soul.

Von Schwindegg über Gmund nach Andechs.

Spielen liebe ich ja, seit ich auf der Welt bin.

Die ersten Objekte meiner Spielliebe waren die alljährlich vom Papa zu Weihnachten angeschafften Gesellschafts-/Brettspiele, mit denen wir uns dann (als wir noch eine Familie waren) bis zum Dreikönigstag in Klausur begaben.
Unterjährig vergnügte ich mich vor allem mit Lego und Playmobil oder versaute mit Slime oder Fimo die elterliche Wohnung.
Nicht zu vergessen: die Welt da draußen, die Wohnanlage, das Wäldchen hinter der Schule – alles herrliche Spieloasen, vor allem jene, an denen der mütterliche Ruf „Essen ist fertig!“ nicht mehr zu hören war.

In der Schulzeit reduzierten sich die Spielmöglichkeiten etwas, vor allem, wenn man – wie ich – kein Fan von Mannschaftssportarten oder Wettkämpfen (und ehrlich gesagt von überhaupt keiner sportlichen Betätigung außer Schwimmen & Eisessen war) und die Mutter einem mit 11 die drei Boxen Playmobil einfach weggenommen (und verkauft) hatte. Sogar das geliebte Playmobil-Hausboot (was ich ihr nie verziehen habe).

Mit der Studienzeit begann dann wieder eine intensive Ära des Spielens, und dank der Liaison mit dem Wiener Medizinstudenten lernte ich großartige neue Spiele kennen.
„Activity“ hielt Einzug in mein Leben, vor allem die österreichische Version liebte ich über alles, weil wer mit dem österreichischen Vokabular nix am Hut hatte, der hatte einen eklatanten Nachteil, Begriffe wie „Gelsenkirchner Barock“ pantomimisch darzustellen – und so wurde daraus ein Spiel für Insider oder Hochbegabte, zumindest wenn man es mit den Würzburger Studentenfreunden abendelang spielte. Und wir spielten das damals ganze Wochenenden lang!
Gut, ab und zu auch mal unterbrochen von „Pictionary“ oder „Therapy“ oder eine Runde „Der wahre Walter“ (meine Güte: ganz wehmütig wird mir, wenn ich an diese Zeiten zurückdenke, das waren die besten alkoholfreien Räusche, die ich je erlebt habe!).
Aber hauptsächlich spielte ich 12 Semester lang „Activity“ in allen erdenklichen Versionen, die es auf dem Markt gab.
Paare gerieten in die Trennungszone an diesen Abenden, wenn der eine mal wieder nicht in der Lage war, aus dem Bleistiftgekritzel des anderen, das aussah wie die Kleinkindzeichnung eines Wollknäuels, binnen einer Sanduhrlänge den Begriff „Globalisierung“ herauszulesen!
Frauen gegen Männer war auch stets eine sehr stimmungsfördernde Variante, vor allem, wenn das Frauenteam fortwährend gewonnen hat (die wenigen Male, in denen das nicht der Fall war, hat man halt verdrängt).
Zum Schluss hin empfahl sich jedoch der Partnertausch als beste Team-Zusammenstellung, weil man dabei erleben durfte, dass auch andere Männer die von einem selbst für so kreativ & genial gehaltenen Paraphrasen, Zeichnungen oder Pantominen nicht sofort zu erraten befähigt waren, was einen sogleich mit dem eigenen Partner, den man kurz zuvor noch unter „Das musst du doch kapieren!“- oder „Wie kann man sich nur so anstellen!“-Rufen am liebsten in die Wüste geschickt hätte, wieder etwas aussöhnte.

Mit dem Diplom in der Tasche begann dann der sogenannte Ernst des Lebens, das Berufsleben nämlich, und das brach den Spielorgien leider alsbald endgültig das Genick.
Alle mussten plötzlich früh ins Bett, damit sie montags wieder fit waren oder bekamen Kinder und hatten deshalb eh keine Zeit und Energie mehr oder waren so fertig von ihren Überstunden und Dienstreisen, dass als einzig möglicher Abend für lange Spiel-Sessions bestensfalls noch der Samstag übrigblieb, der dann aber mit Grillabenden, Schwiegerelternbesuchen und Theater-Abos konkurrierte.
Kurz: im Wesentlichen war nun Schluss mit lustig. Sozusagen game over.
Allenfalls zu Silvester konnte ich noch gelegentlich meiner Spielsucht frönen… – im Grunde aber spiele ich nur noch mit dem Dackelfräulein.

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Vor ein paar Wochen dann plötzlich die seit Jahren allererste Spielaufforderung. Vom Herrn Spike.
Zu einem Sprachspiel, angelehnt an Der tiefere Sinn des Labenz. Hurra!

Als Studenten nannten wir’s das „Lexikonspiel“.
Einer suchte sich einen Begriff im Lexikon aus, von dem er überzeugt war, dass niemand ihn kennen würde, dann schrieb jeder eine im Lexikon-Stil verfasste Definition zu diesem Begriff nieder, der Wort-Geber sammelte alle Versionen ein, mischte die echte Erläuterung drunter, las die Definitionen dann vor und einen Punkt bekam schließlich derjenige, dessen Version von den meisten für „die wahre“ gehalten wurde.

Der Herr Spike und ich spielen das nun seit Januar, schicken uns alle paar Wochen eine Mail, schlagen einander neue Begriffe vor, aus denen man sich einen aussuchen darf, aber ich muss erstmal wieder warm werden, merk ich, wohingegen mein Spielpartner schon auf Hochtouren läuft, was ich heut Abend daran sah, dass der ja gar keine Auswahl mehr trifft, sondern gleich alle drei Begriffe ausarbeitet…

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… und hier das Ergebnis, mit dem herzlichsten Dank an Herrn Spike, der heute diese großartigen Lexikoneinträge zu meinen drei Ortsvorgaben verfasst hat, die mich so amüsiert haben, dass ich sie unbedingt hier veröffentlichen möchte:

Schwindegg, der:
Das Gefühl, wenn man nichtsahnend und ohne Vorwarnung unvermittelt vor einem Abgrund steht und, sich leicht vorbeugend, einen prüfenden Blick in die Tiefe wirft.
Die Bandbreite des Schwindegg kann je nach Mentalität des In-die-Tiefe-Schauenden von einem wohlig-prickelnden Schauer bis hin zu purer Panik reichen, und je nach Veranlagung besteht durchaus Suchtgefahr.
So findet man immer wieder Schwindegg-Süchtige, die auf den Umrandungen der Dächer von Wolkenkratzern balancieren. Ein beliebter Treffpunkt von Schwindegg-Fetischisten ist die Trolltunga am Sørfjord in Norwegen, wo sich die Wagemutigsten unter den „Schwindeggern“ im Sprintduell der Vorderkante nähern, um auf dem letzten Meter vor der Kante abrupt abzustoppen oder sich, wie manche Speerwerfer es vor der Abwurflinie tun, per Hechtsprung im Liegestütz nur wenige Zentimeter vor der Kante abzufangen.

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Gmund, das:
Ein Speiserest, der sich in einem Zahnzwischenraum festgesetzt hat und sich hartnäckig allen Versuchen widersetzt, ihn mit der Zungenspitze zu lösen und ohne Zuhilfenahme der Finger oder eines Zahnstochers unauffällig zu entfernen.
In katholischen Gegenden auch weit verbreitet das Stück der Hostie, das sich bei der Heiligen Kommunion an der Gaumenplatte festsaugt und den gelegentlichen Kirchgänger nötigt, länger als geplant in scheinbar stummem Gebet zu verharren, während er mit versteinerter Miene versucht, mit der Zungenspitze das Problem zu lösen. Der tiefgläubige Kirchgänger nutzt die Gelegenheit, sämtliche Verblichene in seinem Stammbaum bis zurück zum Dreißigjährigen Krieg in seine stille Fürbitte aufzunehmen. Gelegentlich kommt es vor, dass Gläubige, versunken in diesen Kampf, das Gottesdienstende verpassen und vom Messner vorsichtig auf diesen Umstand aufmerksam gemacht werden müssen. Vereinzelt finden sich in Kirchen-Chroniken sogar Gmund-bedingte Todesfälle durch Herzinfarkt.

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Andechs (Adj):
Schläfrig, behäbig, leicht benebelt, jedoch eine Grundzufriedenheit ausstrahlend, wie man es z.B. von in der Sonne liegenden Waranen kennt. Ein Zustand, der sich z.B. nach ausgiebigem Genuss von der Gattung Weißbier zugeordneten Produkten von Klosterbrauereien einstellt.
Nicht unähnlich dem paulan genannten Zustand, der sich jedoch durch eine penetrante Note von überheblichem Gönnertum auszeichnet.

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Sollten Sie mal wieder in unser schönes Bayernland kommen, lieber Herr Spike, so ist Ihnen jetzt schon eine andechse Maß auf dem Heiligen Berg gewiss. Die geb‘ ich Ihnen aus, denn die haben Sie sich verdient!

Kommen Sie aber bitte nicht schon paulan hier an (und auch nicht spatian, augustian, löwisch, pschorrisch und erst recht nicht hofbräuslich), denn so ein klösterlicher Doppelbock, der hat’s in sich!

Und bis dahin lassen Sie uns frohgemut weiterspielen.

Herzlich grüßt –
Die Kraulquappe.

Doppelbock.

Ein echtes Münchner Zamperl findet jeden Bock.

Ein Prosit aus dem Pustertal oder: Pecunia non gustat.

Beim, äh, von Vögeln gebraut – und auch preislich in luftige Höhen abgehoben…

…oder in der Variante für den anglophilen Scherzbold und Krösus sogar für acht Euro pro Flascherl feilgeboten – sbronzo!

Welch glückliche Fügung, dass wir die Brauerei „Pustertaler Freiheit“ direkt ums Eck haben…

…und zwar samt kleinem Shop, wo’s neben gutem und günstigem Weißbier auch die netten, herzerfrischend genderfreien Glaserl gibt…

…mit der Patrona Pusteria drauf, in aller Freiheit!

Man muss sagen: der rotweintrinkende Gatte kommt hier in Südtirol definitiv besser weg. Schade, dass ich dieses Histaminfeuerwerk einfach nicht vertrage.

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Der heutige Blogbeitrag muss an dieser Stelle leider etwas abrupt enden – bitte verzeihen Sie mir! – ich hätt‘ zu gern noch ein bisserl mehr zu Brauereikunst und Brauchtum gesagt.

Aber was ich noch schlechter vertrage als den Histamingehalt im Rotwein ist die Zwangsberieselung mit Pop-Classics, soft & instrumental („Up where we belong“, „Nothing compares to you“, „Bridge over troubled water“ usw.), von enervierenden Panflöten nachgespielt, mit der (sehr erfolgreich) sichergestellt wird, dass Hotelgäste nicht zu lange im hauseigenen SPA rumlümmeln und dort vor lauter Langeweile oder Erholung mit Wäsche um sich werfen:

Feindbild aller Hoteliers: Der Wäschewurf.

Als verschärfte Variante zum Panflötenterror gibt es mancherorts auch Rondo Veneziano in Endlosschleife, mit Lautsprechern in jeder (!) Sauna (im Ruheraum sowieso).

Kann uns nicht mehr passieren, denn das frag‘ ich bereits vor Buchung ebenso akribisch ab wie Art des Interieurs, Farbgestaltung, Verdunkelungsmöglichkeiten, Zimmerböden, Kopfkissengröße, Hundeaufpreis für Dackel und Frühstückszeiten. Ab sofort wird mein Fragenkatalog noch um die SPAnflöten ergänzt.

Nach sechs Bergtagen in Folge hätt‘ man halt heut einfach mal gern in Ruhe die Flossen hochgelegt.

Buona serata!

Ozapft is oder: Mir san dann amoi furt!

Gestern: Morgens um 7 steh’n d’Leit scho o!

Auch danach heißt’s: Warten, Warten und nochmal Warten.

Die Zelte füllen sich allmählich, laut werd’s – nur der Löwe brüllt noch nicht.

Eine Stunde vor Anstich: alles kleinkariert und randvoll (mit Spezi und Wasser).

Wir drehen noch eine Runde übers Festgelände – fast 10 Jahre nimmer hier gewesen und noch ist ja nicht alles überfüllt.

Das Angebot für Familien: deutlich dürftiger als die Saucen-Auswahl.

Saftige Preise für saftiges Gebäck: Mit besten Grüßen an Mr. Brezel aus dem Allgäu (und nochamal: hier heißt’s „Brezn“!!!).

Und mir lassen uns hier auch sprachlich nix von dene Amis diktiern!

Huch! (Man möcht‘ die Kreidetafeln nicht in 16 Tagen nochmal sehn!)

Für 3€ gibt’s natürlich noch keinen Swinger.

Manche Herzerl-Aufschriften sind einem noch vertraut…

…andere eher weniger (Einhorn, hä? bedeutet das was? wenn ja, was?).

Um halb zwölf dann mittendrin im Humpfdada.

Kann man sich schon 1x im Leben anschaun, den Einzug der Wiesnwirte und Brauereien.

Himmel der Bayern?!? Nun ja: Jedem seinen Horizont! 12 Böllerschüsse um 12 Uhr, der OB hat ozapft, die Lautsprecherdurchsage (erst auf Deutsch, dann auf Englich und schließlich auf Bayrisch) wünscht allen eine frohe und friedliche Wiesn. Prosit!

Halligalli und Holladrio bis in die Nacht hinein.

Heut Morgen dann der Trachten- und Schützenzug direkt am Haus vorbei (müsli-essend vom Logenplatz im Fenster fotografiert).

Heut Mittag doch nochmal hin, in memoriam juventute quasi.

Ganz so locker wie vor 30 Jahren hockt man da nimmer drin – mit den besten Grüßen an H. in der fernen Schweiz und mit der Frage: Packst du das eigentlich noch?

Aber das hier wär‘ definitiv schlimmer bzw. gänzlich ausgeschlossen!

Die zwei sind um 16 Uhr auch schon irgendwie durch mit dem schönen Sonntag.

Eine kleine Runde dreh’n wir noch…

…wobei „klein“ relativ ist, so wie vieles andere auch an diesem sonnigen Tag.

Der Verfasser der hochdeutschen Übersetzung muss auch schon arg ogschdocha gwen sei oder so („Rülpsler und Dekolte“ klingt mindestens nach einem miserablen Kabarettisten-Duo).

Meine ganze Kindheit lang war die Riesenrad-Fahrt der Abschluss des Familienausflugs auf die Wiesn – daher spar’n ma uns heut die 16€ (!).

Und mit diesen Impressionen verabschieden wir uns nun auch für ein paar Tage (oder länger, oder kürzer – das wird sich ergeben), jedenfalls ziehen wir hier nun Leine, weil ein Wochenende diesen Trubel vor der Haustür, das ist ja noch erträglich und sogar ganz nett, wenn man grad erst hergezogen ist, aber 16 Tage am Stück, das hält vermutlich kein Mensch aus und erst recht kein Hund.
Da strawanzen wir lieber ein bisserl durch die Dolomiten und über Almwiesen, auf denen es koa Sünd‘ ned gibt.

Aber schon schick, so ein VIP-mäßiger Anwohner-Zufahrtsschein in blau-weiß mit der Aufschrift „Wiesn 2018“ für diesen bunten, blinkenden Hochsicherheits- und Festivitätstrakt im Herzen der Stadt.
Unsere Straße leergefegt, nirgends ein Radl oder Auto, x-mal am Tag wird durchgeputzt, viel ruhiger und sauberer als sonst isses (dabei gäb’s sogar eine „Bei Anruf: sauber!“-Rufnummer, aber vielleicht braucht man die erst am Italiener-Wochenende?).

Das werden wir morgen Früh noch einmal beim Rausfahren genießen und dann doch lieber die gute Bergluft inhalieren.

Frei nach dem Motto:
Wenn uns stinkt die Wiesn-Chose,
Flanier’n wir halt am Fuß der Plose.

Lassen Sie sich’s gut gehen, ob mit oder ohne oans, zwoa, g’suffa.

Herzliche Grüße und bis bald in alter Frische –
Ihre Kraulquappe & Co.

Sommer in der Stadt.

Genießen Sie einfach den erfrischenden Bilderreigen!

Das Isardackelfräulein in ihrem Element.

Des Münchners Element in der Isar.

3x die Woche ins Freibad…

…und zwischendrin zum Wassertreten an die Isar.

Der private Vorgarten wird langsam für die fünfte Jahreszeit präpariert.

Das Löwenbräuzelt steht schon, nun warten wir noch gespannt auf die Ankunft des Löwen (der, vor dem jedes Münchner Kindl in der Kindheit staunend stand).

Abendidylle am Flauchersteg.

Abendidylle im Flaucherbiergarten.

Flowchart for tourists, expats & other Zuagroaste.

Von der Conwentz-Brücke aus trällern wir gern ein bisschen mit: ‚S is‘ wieder Sommer, Sommer in der Stadt (und danach nahtlos weiter mit Drafi Deutscher und einem Prosit der Gemütlichkeit).

Ich gehöre definitiv nicht zu den Hochsommerhassern, sondern ich liebe diese Hundstage – auch in der Stadt!

Einen schönen Start ins Wochenende wünscht –
Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (42): Unterm Wörner.

Nach ein paar anstrengenden Tagen drinnen heut‘ zur Abwechslung mal etwas Anstrengung draußen.

Zwecks der Balance.

Affenheiß, ziemlich steil, herrlich ruhig, grandiose Natur, tolle Sicht, feines Bier, lecker Kuchen, schwere Beine.

Hier oben zwischen dem Wörner und den Karwendelköpfen sitzt man wirklich gut (Gatte & Hund schlafen sogar gut).

Der Krottenkopf liegt völlig frei (sh. roter Pfeil, mit einem Gruß an S.!). Auf der Großen Arnspitze glitzern noch ein paar letzte Schneefelder. Und ganz langsam verzieht sich sogar das eine Wölkchen, das die Zugspitze verhüllt.

Was will man mehr?!

Himmel der Bayern (41): Blö.

Wochenlang nicht hier gewesen. Unverzeihlich!

Das Schilf zwischenzeitlich meterhoch. Der Biergartenkies erneuert. Das Badevolk im Wasser. Die Bremsen rudelweise unterwegs. Das Biersortiment um zwei Sorten erweitert. Und Werbepostkarten hat sich der Wirt jetzt zugelegt. Ja sowas. Sogar mit Dackel drauf.

Nur der Himmel ist noch, was er immer war, wenn wir hier sind: blö.

So möge er sich erhalten bis wir in wenigen Tagen den Löwenanteil der vielen Renovierungsarbeiten erfolgreich hinter uns haben und an diesem schönen Orte allen Paraskavedekatriaphobikern und Altersringen trotzen werden.

Prosit & ein schönes Wochenende wünscht

Die Kraulquappe.

Leipzig (1): Drinking warm beer in the soft summer rain.

Eigentlich müsste es heißen „barefoot girl sitting on the hood of a Dodge drinking warm beer in the soft summer rain“, aber wir waren nunmal nicht barfuß und hockten auch nicht auf einem Dodge rum.

Aber der Rest stimmt so – und nach 21 Stunden mit S. musste dieser Beitrag einfach mit einer Songzeile von Springsteen beginnen. Noch dazu mit einer, in der es regnet und aus der man zugleich spürt, wie unerheblich so ein Regen doch sein kann, wenn man in der richtigen Gesellschaft und am richtigen Ort ist.

Es war wirklich ein kleines, feines Open-Air.

In der „Parkbühne“ standen wir mit Bier und bester Sicht (schätzungsweise Reihe 13) umeinander. Kein Show-Schnickschnack, der abgelenkt hätte, kein Gedränge und Geschubse, das den Musikgenuss gestört hätte.

Im Gegenteil. Als der Sommerregen begann, flohen ein paar Sensibelchen aus den vordersten Reihen an den überdachten Rand der Arena, so dass wir ganz locker noch ein gutes Stück weiter vorsprinten und dort am Wet-T-Shirt-Contest in front of Mr. Sutherland teilnehmen konnten.

Da S. mir freundlicherweise kurz vor Konzertbeginn noch erzählt hatte, dass sich bei Kiefer-Sutherland-Konzerten auffällig viele Ü40-Frauen aufführen würden wie die Teenager, nahm ich das als Freibrief und tat mir von Anfang an keinerlei Zwang an.

Nach anderthalb Stunden hemmungslosem Mitsingen und -tanzen schwappten wir triefnass, aber glücklich zum Ausgang, holten uns noch einen Absacker und da eh schon alles wurscht war (die Welt so rund, die Seele so weit, das Herz so erfüllt von Musik!) nahm ich sogar eine der halbfeuchten Gauloises von S. – noch nicht ahnend, wie schicksalhaft diese erste Zigarette seit ewigen Zeiten sein würde.

Denn hätten wir nicht so gemütlich vor uns hingequalmt und herumgestanden, hätten wir vermutlich längst das Areal der Parkbühne verlassen gehabt. Was fatal gewesen wäre, weil wir dann nicht mehr mitbekommen hätten, dass an einem Hinterausgang des Geländes eine Handvoll Fans eisern an einem Tor ausharrten und als wir gucken gingen, was es da wohl zu gucken gäbe, kam auch schon der Kiefer zum Tor geschlendert, verteilte großzügig Autogramme und ließ sich cheek to cheek mit seinen Fans ablichten.

Klein isser, dafür umso großflächiger tätowiert. Und ein bisserl fertig und versoffen schaut er aus und gar nicht so muskelbepackt wie zu 24-Zeiten. Trotzdem immer toll, wenn man als Teenager mal so nah rankommt an seinen Star.

Ganz beseelt ins Hotelzimmer zurück, dort sofort raus aus den nassen Klamotten und rein in die skurrile Badewanne…

…in der auch zwei Platz gehabt hätten (und so ein kleiner Kanadier erst recht).

Nach dem Bade war’s nur noch ein Hupf rüber ins Bett und keine 5 Minuten später sind die Lichter ausgegangen (nicht nur die grünen).

Denn man ist halt doch kein Teenager mehr, sondern nach so einem Tag echt platt und richtig froh, wenn man in Morpheus‘ Armen ruhen kann.

Lesen Sie morgen dann „Leipzig (2)“, wo es weniger Kiefern, dafür umso mehr Brucen wird (schließlich war ich ja mit der Sori dort, und es war Sonntag, bekanntlich der Tag des Herrn 😉) oder – wenn Ihnen das Thema auf den Senkel geht oder Sie einer gänzlich anderen Glaubensgemeinschaft angehören – warten Sie einfach ein paar Tage ab, dann gibt’s hier wieder den gewohnten Hunde- und Handwerker-Content.

Herzlich grüßt –
Die Kraulquappe.

Du bist so groß und i nur a Zwerg!

„Du bist so groß und i nur a Zwerg!“ (Des Dackelfräuleins Ode an den Watzmann und Bobby)

Für 36 Stunden raus aus der Stadt, der Wohnung, dem Umzugs-, Umbau- und Ausbaukosmos. Auch mal wieder ein Segen, zumal bei der Gegend, dem Wetter und in der Gesellschaft!

Gestern Abend in Bad Reichenhall: Gustl vom Fass und zwei Ungustl unterm Tisch.

Süffig, süffiger, Suffikator.

Alpenländische Bierkultur.

Für den Großen Braunen immerhin eine Hundmaß.

Heute dann zu sechst in die Berge bei Berchtesgaden: „Gasthof Sahnegletscher“ klingt ja schon mal verlockend.

Mit Dog&Blog-Freundin Andrea morgens vor Watzmann-Kulisse.

Auf dem Soleleitungsweg oberhalb von Ramsau.

Noch zwei Minuten bis zum Toten Mann!

„Jetzt reicht’s aber langsam mit Bergaufgehen bei der Hitze!“

Oben angekommen: Während die Männer „Toter Mann“ spielen…

…halten sich die Frauen an den Hunden fest.

Pures Bergglück eben!

Danke an Andrea, Wolfgang, und Bobby für den wunderbaren gemeinsamen Tag – kommt gut nachhause & kommt bald wieder!

Anschließend noch einen Abstecher in die Vergangenheit des Gatten unternommen, zur Gebirgsjäger-Kaserne nach Berchtesgaden…

…wo das Dackelfräulein sogleich dem Löwen den Rang streitig machte…

…derweil wir herzliche Grüße an Mr. Speedhiking ins Allgäu sandten, der hier einst ebenfalls mit Watzmannblick diente.

Danach noch schnell ein Bad im Königssee…

…und anschließend mit einer Schlafenden Hexe vor uns (und einer hinten auf der Rückbank) zurück nach München.

Vor zwei Jahren stand ja mal kurz im Raum, ob wir uns vielleicht Richtung Frankfurt verlagern, um dem Gatten das Pendeln zu ersparen, aber nach solchen Tagen sag‘ ich immer: „Gottseidank hat’s mich nicht in den Taunus verschlagen, denn da wär‘ ich nie und nimmer glücklich geworden.“

Soweit das Wort zum Sonntag und herzliche Grüße an die treue Leserschaft!