Kängurumutter im Tiefschnee oder: Wozu ein bewegtes 2018 gut war.

2018 ist nun vorbei und fertig archiviert. „Zahltag“ ist ja immer der 31.12., jener Tag, an dem man sich als Hundebesitzer irgendwohin verkriecht, wo Ruhe herrscht und einem keine 500 Öcken pro Nase (oder mehr) für irgendeinen zwei- bis dreitägigen Jahreswechselvollfressverwöhnpensionbespaßungszinnober abgeknöpft werden.

Nicht einfach, da was zu finden für nur eine Nacht, vor allem wenn man erst kurz vor Weihnachten zu suchen beginnt.

In der niederbayerischen Einöde zwischen Deggendorf, Plattling und Isarmündung bot uns ein Gutshof noch einen bezahlbaren Unterschlupf für die anstehende Hundehorrornacht. Das Landgut ist wohl sonst eine Location für Hochzeiten, aber bei 4 Grad und Pissregen am Silvestertag kaum frequentiert. Also auch keine Rüden weit und breit. Stattdessen Matsch und Grau so weit das Auge reicht – und es reichte kaum bis Deggendorf hinüber und die dahinter beginnenden Hügel des Bayerischen Waldes konnte man auch nur mit viel Fantasie aus den Formationen der Regenwolken imaginieren.

Das große Doppelzimmer in jagdlicher Optik gestaltet und mit ebensolchem Interieur versehen, was dem kleinen Jagdhundfräulein freilich bestens zu Gesichte stand, aber auch meinem verregneten Gemüt taten die Wände in hoffnungsfrohem Grün (ein mittleres Dunkelgrün, so dass es auch nicht zu aufdringlich und heiterkeitsheischend daherkam) recht gut.

Zahltag also. In der niederbayerischen Einöde ein bisserl Bilanzieren (= alten Kalender durchblättern, neuen Kalender beginnen, maßvoll Reflektieren, keine Vorsätze notieren, wohl aber ein paar Nachsätze zu diesem doch insgesamt sehr speziellen Jahr, das sich nun bucklig seinem Ende zuneigte), an den Kachelofen gelehnt, im Teeglas rührend und mit dem Herrn Jesu im Gnack, wie sich das auf dem Land so gehört. Aus den Lautsprechern der Bibliothek ertönt „Sempre, sempre“, wird alsbald von Austropop abgelöst, und weil wenig später Costa Cordalis die Stimme erheben will, wird schließlich alles von einem Fausthieb des Gatten erlöst (dieses Satzende fügt sich auf einem Gutshof, der lange ein Jagdsitz war, gefälliger in den Text als: „Wir ersuchten die Bedienung höflichst, das unsägliche Radio abzuschalten.“).

2018.
92x geschwommen, 35x Berge erklommen, 41x gelaufen im Wald/Park, 204x große Spazierrunden mit dem Dackelfräulein absolviert, insgesamt 1972 km per pedes (im Wasser: ca. 150 km) fortbewegt.
Nicht, dass ich das wirklich so exakt errechnen könnte, aber als beim groben Überschlagen der Wegstrecken 1.970 km rauskamen, hab‘ ich einfach noch 2 dazugegeben, um bei meinem Geburtsjahr zu landen.

Ist das jetzt viel oder wenig?
Keine Ahnung. Es hat mir jedenfalls gut getan.

Und am dritten Tag des neuen Jahres offenbarte sich mir dann auch, wozu all der Sport, all die Bewegung, all die gelaufenen, hinauf- und hinabgestiegenen Kilometer gut waren. Wozu der wohltrainierte Arm- und Beinschlag beim Kraulen in Wahrheit dienen sollte. Worauf das alles abzielte und hinauslief.

Auf einen Einsatz als Kängurumutter im Tiefschnee.

Denn wenn Sie da nicht einigermaßen im Training sind, keine Kraft in Armen und Beinen haben oder zu wenig Übung oder Kondition im Berggelände – dann können Sie das knicken. Dann versagen Sie nämlich als Kängurumutter im Tiefschnee kläglich!

Heut‘ Nacht hat’s dick geschneit im Voralpenland. Das Kreuther Tal, gleich hinterm Tegernsee gelegen, ist ohnehin ein Schneeloch, ein Kälteloch ebenso.
Wir (viel zu spät und viel zu wetteroptimistisch) hinauf Richtung Roß- und Buchstein, unterwegs setzt erneuter Schneefall ein, man muss die Grödel aufziehen, damit man im steileren Gelände nicht abrutscht. Der Gatte, früher zwar mal Gebirgsjäger, aber heutzutage mehr Tagungsjäger, ist an seinem ersten Urlaubstag seit Monaten nicht wirklich begeistert von diesen Strapazen, schlägt sich aber wacker. Am wackersten schlägt sich allerdings das Dackelfräulein: immer drei Schneepfluglängen voraus, trotz der kurzen Beinchen, unterwegs noch ein paar Tannenzapfen unter der Schneedecke ausbuddelnd, um den Zweibeinern mit lustigen Spielangeboten noch zusätzlich einzuheizen, obwohl der Schweiß eh schon rinnt. Ein Bollwerk an Ausdauer, an Lebens- und Bewegungsfreude sowieso. Irgendwann ist die Hütte erreicht, zu dritt sitzen wir auf der Bank, bei Heißgetränken und Kalorien, die uns für den Abstieg präparieren sollen.

Draußen schneit’s mittlerweile wie blöd. Der Zustiegsweg kaum noch zu erkennen. Um noch vor Anbruch der Dunkelheit wieder hinunter zu kommen, muss die Pause in der Hüttenwärme kurz gehalten werden: Umziehen, Essen fassen, was Trinken, Aufwärmen, Durschnaufen, neu Vermummen und Aufbruch.

Dann der fatale Fehler: Wir stehen nach dem Aufbruch ein paar Minuten im Schneesturm vor der Hütte, um die Grödel wieder aufzuziehen (kein Hüttenwirt hat das gerne, wenn man das drinnen tut). Es ist eiskalt, man sieht vor lauter Schneegestöber kaum die Hand vor den Augen. Das Fräulein fiept und fängt an zu zittern, weil sie ja warten muss, bis wir mit dem Schneekettengefummel fertig sind. Als wir endlich losgehen, läuft sie eng neben mir, bibbert erbärmlich und steckt bis zum Hals im Tiefschnee. Kalt loslaufen ist das Dämlichste, was man machen kann. Und so ein Dackel wird nun mal nicht mehr warm, wenn er zu 85% im Schnee versinkt, unsere Chancen stehen weitaus besser, da wir immerhin zu 85% aus der weißen Pracht herausragen. Wir versuchen alles, um sie zu ermuntern, ich renne mit ihr ein Stück, aber sie kommt nicht hinterher. Bleibt stehen, setzt sich sogar hin, guckt mich mit vereistem Bärtchen hilfesuchend an – und dann begreife ich: Sie schafft es nicht, das hatten wir noch nie, aber ihr ist so kalt, dass es einfach nicht geht. Also Rucksack runter, Stöcke rein, Rucksack wieder hoch, Hüftgurt festzurren, dann Jacke auf, Hund rein, Jacke zu, einmal tief Luft holen, höchste Konzentration und nun ohne Stöcke und im Trab bergab, eine Hand unter den Dackelpopo, die andere um das Köpfchen, das schon völlig eingeschneit ist. Die Sicht ist beschissen, der Weg von Schneewehen teils wie weggefegt, es schneit mir zum Kragen rein, ab und zu – so wacklig bergabsurfend – verdreht’s auch das Knie, aber tief in mir drin ist diese Gewissheit spürbar: Ich werde das schaffen. Das flüstere ich mit blaugefrorenen Lippen auch dem Fräulein zu, das erst noch friert wie ein Schneider, aber nach einer Viertelstunde – so gut und sicher eingepackt in seinem Kängurubeutel – doch langsam wieder auftaut und warm wird.

Nach einer halben Stunde schmerzen die Arme, vor allem die Handgelenke, eigentlich auch der Rücken und die Beine, aber eine Pause können wir uns um die Uhrzeit und bei den Wetterverhältnissen nicht erlauben.
Der Gatte holt uns immer mal wieder ein, rubbelt die Eisklümpchen vom Dackelkopf und putzt mir die Nase, denn eine freie Hand hab‘ ich ja nicht.

Nach anderthalb Stunden Dauerlauf erreichen die Kängurumutter und ihr Kleines schließlich und endlich mit erfrorenen Rüsseln, aber ansonsten gut durchwärmt das Auto.
Arme und Beine haben tatsächlich durchgehalten, keine Sehne ist gerissen, kein Muskel gezerrt, kein Finger gebrochen. Und der Hund ist wohlauf, was ja eh das Wichtigste ist.

Es lebe der Sport.
Und es lebe auch die Sitzheizung, die einem die triefnassen Klamotten bis München wieder trocknet.

Ge_danke_n 2018 (9).

„Dass mir der Hund das Liebste sei,
sagst du, o Mensch, sei Sünde?
Der Hund blieb mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde.“

Den heutigen Ge_danke_n wollte ich – garniert mit diesem Spruch vom Assisi Franze – meiner über alles geliebten Pippa zu ihrem 7. Geburtstag zueignen. Weil diese Sentenz absolut den Tatsachen entspricht. Eigentlich.

Denn ausgerechnet heute ist mir das Fräulein quasi untreu. Gestern auch schon. Und morgen vermutlich auch noch.

Man muss es so hart sagen: Madame Hot Dog würde uns gerade gegen jeden dahergelaufenen Rüden eintauschen ohne mit dem Barthaar zu zucken. Wirklich gegen jeden! Alter, Aussehen, Abstammung, Ausbildung – alles wurscht. Hauptsache Rüde. Zur Not auch kastriert. Oder Chihuahua.

Das ist hormonell gesehen zwar nachvollziehbar, aber menschlich betrachtet dennoch etwas enttäuschend. Was ich ihr auch gesagt habe. Schließlich würde ich sie umgekehrt für keinen Mann der Welt drei ganze Tage lang links liegen lassen außer vielleicht für Peter Quinn, Bruce Springsteen, Arjen Robben, Kiefer Sutherland,… .

Nun gut. Übermorgen wird das Zitat wieder zutreffen. Und ein bisserl leid tut sie mir ja auch, weil wir ihr nicht gestatten, ihrer Natur zu folgen und sie dann einfach unterstützen, wenn in 9 Wochen ein paar maulwurfswinzige Welpen durch unseren Flur wuseln würden.

Mein Dank gilt also den anderen 362 Tagen voller Liebe, Treue, Abenteuer, Freude, Aufmerksamkeit und Aufrichtigkeit, auch das ist ja mehr als genug. Kriegt kein Mann Mensch hin.

Alles Gute zu Deinem Geburtstag, Du kleines Luder, Du mutiger, fröhlicher und kluger Hund, Du beste Gefährtin in allen Lebenslagen – meine ganz große Hundeliebe bist Du.

Hand in Pfote und Seite an Seite werden wir hoffentlich noch mindestens weitere 7 Jahre zusammen durch die Welt und das Leben wandern!

Be the person your dog thinks you are!

Ge_danke_n 2018 (7).

Er hat es doch nochmal getan. Trotz seiner zittrigen Hände.

Eine gut gefüllte Plätzchendose hat er mir überreicht.

„Es dauert halt jetzt“ – ich zitiere – „fast eine verdammte Woche, bis die 12 Bleche bzw. die 6 Sorten gebacken sind.“ Oh weh!

Dabei, lieber Papa, sag ich Dir doch schon seit Jahren, dass für uns eigentlich 3 Sorten reichen täten (die Spitzbuben, die Schoko-Zimt-Blätter und die Vanillekipferl). Dann allerdings gern von jeder dieser Sorten 4 Bleche, so gesehen wäre Dein Aufwand auch nicht geringer…

Egal, bis auf eine Sorte futtern wir das trotzdem mit großem Genuss weg (und dass diese Sorte auch in der Dose gelandet ist, lag sicher an deiner Lebensgefährtin, die die Dose bestückt hat, denn Du weißt natürlich, dass ich Marzipan nicht ausstehen kann. Der Gatte übrigens auch nicht. Pippa würde sie sofort verputzen, darf aber nicht.).

Aber der größte Part meines Dankeschöns gilt nicht Deinen leckeren Plätzchen, sondern der Tatsache, dass Du für mich der allerbeste Papa bist: weil ich mich immer auf Dich verlassen kann, Du immer für mich da warst, ich Dir so vieles zu verdanken habe und wir uns trotz zäher Dispute und unterschiedlicher Ansichten in den vergangenen vier Jahrzehnten immer wieder zusammengerauft haben (ja, „haben“, denn je älter du wurdest, desto milder wurdest du auch).

Es ist wunderbar, dass wir uns an Weihnachten nicht sehen müssen, um uns unserer Liebe zu versichern oder irgendwelchen Vorstellungen von „Familie“ Genüge zu tun (zumal es ja eh nur noch uns beide gibt), sondern dass mittlerweile jeder den anderen entspannt dort sein lassen kann, wo er eben sein muss oder möchte: Du im Kreise der Großfamilie Deiner Lebensgefährtin und ich lieber gemütlich, in kleinster Runde und aller Stille zuhause. Vor 20 Jahren war das noch in jedem Advent ein langwieriges Streitthema, seit 10 Jahren ist es endlich keine Frage mehr. Auch dafür bin ich dankbar, dass das jetzt so ist und sein darf.

Bevor es nun zu rührselig wird und weil heute sowieso jeder Anderes zu tun hat, als lange Texte in WordPress zu lesen, wünsche ich Dir – und allen Leserinnen und Lesern – einen schönen Weihnachtsabend sowie erholsame, harmonische, gemütliche, leckere und lockere Feiertage!

Ge_danke_n 2018 (4).

Ein besonderer Dank gebührt meinem Lieblingsschwimmbad.

Auch in 2018 hat es wieder konsequent einen großen Beitrag zu meinem Wohlgefühl oder zur Reparatur meines oft angegriffenen Nervenkostüms geleistet. Bis zum Jahresende werden wir uns wohl 92x gesehen haben, damit haben wir den Highscore mal wieder nicht geknackt, was uns aber auch wurscht ist, weil man die Innigkeit unserer Beziehung ohnehin nicht in Zahlen ausdrücken kann, erst recht nicht, wenn man schon so lange zusammen ist wie wir.

Ja, ab und zu gehe ich auch mal fremd.
Das Freibad in Rottach-Egern hat schon was. Auch der Starnberger See oder der Tegernsee. Und 2018 habe ich sogar ein tolles Schwimmbad in Straßburg kennengelernt!
Aber letztlich komme ich immer wieder zu „meinem“ Schwimmbad zurück. Es geht mir nichts über dieses Ganzjahresfreibad mit 50-Meter-Becken, über meinen Spind, das Wissen um die am besten funktionierende der 10 Duschen, um all die eingespielten Abläufe dort (5 Min vom Betreten des Bades bis zum Beckenrand, das bekäme ich anderswo nie hin, schließlich muss man sich ja erstmal orientieren).

Wir sind wie ein eingespieltes Ehepaar. Nun gut, es gibt bisweilen mal Krisen, sogar kleine Sendepausen und Zerwürfnisse, aber hier geht es ja um die Betrachtung dessen, was schön war im zuendegehenden Jahr 2018, deshalb soll das Ärgerliche an dieser Stelle unerwähnt bleiben.

Und letztlich ich kann wirklich aus tiefster Überzeugung sagen: Ich möchte mit dir zusammen alt werden, liebes Dantebad!

Von den blauen Bergen kommen wir.

Auf dem Blaubergkamm mit Blick Richtung Achensee.

Kennt noch irgendwer dieses Lied? Heute fiel es mir plötzlich beim Abstieg von der Königsalm ein. Leider bekam ich nur anderthalb Strophen hin, den Rest summte ich so vor mich hin. Zuletzt hab ich es mit dem Papa gesungen, das dürfte nun fast vier Jahrzehnte her sein…

Das Dackelfräulein und ich waren heute in den Blaubergen unterwegs. Die Königsalm war unsere letzte Raststation vor dem Endspurt ins Tegernseer Tal.

Was für eine Rundtour: Kreuth – Wildbad Kreuth – Siebenhütten – Große Wolfsschlucht – Blaubergkamm – Schildenstein – Königsalm – Goaßalm – Wildbad Kreuth – Kreuth (und danach noch weiter zum Papa an den Tegernsee). 15 km – 830 Hm – 4,5 Std Gehzeit – 3 Pausen – 3 Liter getrunken – gut 6 Std unterwegs.

Alles ja noch im üblichen Rahmen soweit, aber was neu – wirklich komplett neu! – war heute: die konkrete Erfahrung, ja geradezu das spürbare Be_greifen!, des Unterschieds zwischen „Trittsicherheit“ und „absoluter Trittsicherheit“. Letztere brettlbreit auf den Schildern gefordert, bevor’s dann so richtig in die Höhe ging.

Nach der Wolfsschlucht und etlichen Abkühlungen im Bachbett also in schrofigem Gelände steil bergauf gekraxelt – mehrere lange, drahtseilgesichterte Passagen waren zu bewältigen. Wir haben ja schon viele alpine Situationen zusammen gemeistert, aber noch nie derartige Kletterpartien!

Stehenbleiben, „Sitz und warte!“ für Pippa, Rucksack runter, Stöcke zusammengeklappt und verstaut, Rucksack rauf, Dackel unter den rechten Arm geklemmt, höchste Konzentration, linke Hand ans Drahtseil – und los. Schritt für Schritt nach oben. Zwischendrin kleine Pausen, Dackel mitten im Fels abgesetzt, „Sitz und warte!“, Durchschnaufen, Dackel wieder hochgehoben und weiter. Unterwegs Entgegenkommende, die nach Angstschweiß mieften und jammerten so gut es ging ignoriert, vor allem das aufgescheuchte Gerede („Oh Gott, Horst, schau nur, die Frau trägt einen Hund und einen Rucksack hier rauf, und ich sterbe bereits ohne jedes Gepäck!“). Natürlich auch noch Schwaben, die sind ja immer und überall.

Eine Stunde später sind wir oben, also zumindest fast.

Das Tolle an dieser etwas unerwartet herausfordernden Aktion: sie beschert einem Momente, die an Intensität kaum zu übertreffen sind. Mein Hundemädchen und ich, ganz und gar eine Einheit, 100% Vertrauen, hinter uns geht’s quasi in Falllinie runter in eine tiefe Schlucht, kein Gezappel, weder von ihr noch von mir, wir hecheln zwar beide, sind aber zugleich die Ruhe selbst, alles klappt dank absoluter Trittsicherheit, die ich mir neulich schon absprechen wollte (frisch gealtert, Knie-OP 2013 immer noch spürend, kaputten Ellbogen dazu, nachlassende Sehkraft etc.), ganz wunderbar.

Nach drei solchen Passagen stehen wir dann oben auf dem Blaubergkamm, links geht’s zur Halserspitz und zum Guffert, rechts zum Schildenstein, unserem heutigen Ziel.

Ich küsse Pippa mitten auf die Nase und sage ihr, wie stolz ich auf sie bin und dass sie der tollste Hund der Welt ist – und setze sie in die Almwiese unterhalb des Kamms. Sie saust zum nächstbesten dampfenden Kuhfladen und beißt hinein. Ich schimpfe sie ein Riesenferkel und drohe ihr übelst mit Futter- und Liebesentzug, sie wieselt unbeirrt und fröhlich weiter bergauf.

Und als wir wenig später zu zweit und ohne eine Menschenseele da oben auf dem Schildenstein sitzen, da sind wir über jeden Kuhfladen erhaben und aufs Innigste verbunden, und ich kann mir ein, zwei Tränchen nicht verkneifen, weil ich so dankbar bin, hier mit ihr zu sitzen und überhaupt: diesen mutigen, kleinen, wunderbaren Hund an meiner Seite zu wissen und mich an ihrer.

Nur Weniges im Leben hat mich je glücklicher gemacht.

You better run you little wild heart.

Für Andrea & Pippa.

Vor ein paar Tagen las ich morgens, noch gemütlich mit dem schnarchenden Dackelfräulein im Bett kuschelnd, den neuesten Blogbeitrag meiner Freundin Andrea aus Braunschweig.

Dass Andrea neulich mit Mann und Labradoodle Bobby in Berchtesgaden eine Woche „Hundeurlaub“ gemacht hatte – genauer gesagt: an einem „Antijagdtraining“-Kurs teilgenommen hatte – war mir natürlich nicht mehr neu, denn wir hatten die drei direkt nach Kursende dort besucht und anderthalb schöne Tage miteinander verbracht. Bei einer gemeinsamen Wanderung hatte Andrea mir auch bereits ausgiebig von der Trainingswoche berichtet und wir konnten live zusehen, wie sie die Kursinhalte fleißig unterwegs übten.

Nun reichte sie noch ein Interview zu der Thematik nach, das sie im Anschluss an den Kurs mit der Hundetrainerin geführt hatte.
Beim Lesen blieb mir an einigen Stellen die Spucke weg und die gerade noch so gemütliche Morgenstimmung wandelte sich zu einem Gefühlsmix aus Beschämung und schlechtem Gewissen.

Etwas benommen stand ich auf und wurschtelte mich so durch den Tag, immer wieder mit einem mulmigen Gefühl an diesen Beitrag denkend.

Warum?

Nachdem ich das Ganze ein Weilchen habe sacken lassen, ist es mir klar geworden: Weil mir manche Antworten der Hundetrainerin die Augen für die momentanen Defizite in der Beziehung zu meinem Hund ebenso geöffnet hatten wie für ein paar lang gehegte Fehlinterpretationen (wie z.B. dass Buddeln auch zum jagdlichen Verhaltensrepertoire gehört), für Gedankenlosigkeiten (im Umgang mit dem Hund) und für den üblichen, leider immer wieder mal einreißenden Alltagsschlendrian in unserem Zusammenleben (kein Miteinander, sondern ein Nebeneinander).

Seit drei Monaten dreht sich hier fast alles nur noch um die neue Wohnung, die Renovierung derselben, etliche berufliche Dinge und das Abhaken von diversen Erledigungslisten. Der Gatte ertrinkt ebenfalls in Arbeit und schleppt sich tapfer und ziemlich überarbeitet durch sein Sommersemester.

Nun bin ich zwar gut im Organisieren und auch ein passabler Stressphasen- und Umzugs-Manager, bekomme daneben sogar noch ein gewisses Maß an Sozialleben und Freundschaftspflege auf die Reihe, dasselbe gilt fürs Schwimmen und etwas Bewegung überhaupt.
Aber vor lauter Gewurschtel und Geplane ist Pippa im Laufe der Wochen ganz unmerklich zu einem Pflichtprogramm geworden, das ich zwar diszipliniert in den Tag einbaue wie alles andere Notwendige oder zu Erledigende auch, nur ließ die Freude an der Zeit miteinander, ein echtes Aufeinander-Bezogensein, die Intensität unserer Bindung mehr und mehr nach.

Bei Spaziergängen warf ich ein paarmal pflichtschuldig den Ball, ließ sie buddeln oder das Ufergebüsch durchstöbern, weil ich dann nicht weiter gefordert war, sie zu beschäftigen. Stand unbeteiligt daneben. War froh, einfach mal eine Weile irgendwo rumzustehen und irgendeinen Punkt zu fixieren: das Loch, das sie grub, die Stelle auf der Wiese, in der sie sich wälzte, ihr wackelndes Hinterteil, wenn sie vor mir her lief. Viel mehr ist zwischen uns in den letzten Wochen nicht passiert. Ich war einfach zu erschöpft – von den Wohnungsdingen, von manch zwischenmenschlichen Strapazen, von viel Arbeit mit einem kaputten Ellenbogen.

Es reicht, merkte ich plötzlich. Und zwar reicht’s mit Einigem (wovon heute nicht die Rede sein soll und vielleicht auch überhaupt nicht hier).
Manchmal braucht’s ja diesen Schubs von außen, damit man kapiert: Zeit wird’s, wieder in ein anderes Fahrwasser zu kommen. Höchste Zeit! Und genau diesen Impuls gab mir Andreas Beitrag.

Noch bevor nächste Woche das Bad renoviert wird und man wieder vor lauter Sägespänedunst, der den Handwerksfreund und mich hier Woche für Woche umgibt, kaum noch erkennen kann, welcher Wochentag eigentlich ist, habe ich beschlossen, ab sofort mein Dackelmädchen nicht mehr wie einen Programmpunkt zu behandeln und draußen überwiegend ermüdende Pflichtrunden abzuspulen, sondern schleunigst wieder zu der Beziehung zurückzukehren, die wir den Großteil unserer sechseinhalb gemeinsamen Jahre über hatten und die mich immer so froh gemacht hat (beinahe hätte ich gesagt: auf die ich immer so stolz war, aber mit Stolz und so Sachen hab‘ ich’s nicht so).
Zwei, die nacheinander gucken, die aufeinander achten, die miteinander durch die Welt und durchs Leben gehen – und sich dabei aneinander freuen.

Es gibt so viele Gelegenheiten dazu, man muss sie nur ergreifen und zulassen – und genau damit habe ich heute wieder begonnen.

Die Tour:
Traubling – Golfplatz Tutzing – Deixlfurter Weiher – Ilkahöhe – Forsthaus – und über Obertraubling und Monatshausen zurück. 12 Kilometer. Passables Wetter. Nicht überlaufen, kaum störende Mountainbiker, keine Wildschweine oder Rehe.
Schöne Einkehr mit Weitblick aufs Alpenvorland und auf der Terrasse sogar herrlich Ruhe gehabt, weil das lärmende Sonntags-Familienvolk von einer dichten Hecke abgeschirmt nebenan im Biergarten tobt. Kostet nicht mal 2€ mehr, den Imbiss im Bedienbereich einzunehmen, das war’s wert.

Unterwegs kein stumpfsinniges Bällchenschießen, kein gedankenloses Buddelnlassen, stattdessen gemeinsam durchs mannshohe Schilf gekämpft, unwegsamste Wege ausprobiert, zweimal verlaufen, Schlangen bestaunt, auf wackligen Stegen herumgeturnt, Seerosen beschnuppert, im Moorsee gebadet, auf urwaldähnlichen Sumpfpfaden im Morast versunken (der Dackelpopo danach wie in Tonerde eingebacken, im nächsten Weiher gleich abgewaschen), über Bachläufe gesprungen, einen toten Fuchs gefunden, auf umgefallenen Riesenbäumen herumgeklettert, von Golfspielern angepöbelt worden und zusammen zurückgemotzt – und nach vielen Stunden müde und zufrieden wieder am Auto angekommen.

Auf der Heimfahrt wählt die Shuffle-Funktion des CD-Players aus der Musiksammlung das hier aus:

You make up your mind, you choose the chance you take
You ride to where the highway ends and the desert breaks
Out on to an open road you ride until the day
You learn to sleep at night with the price you pay
(…)
Now they’d come so far and they’d waited so long
Just to end up caught in a dream where everything goes wrong
Where the dark of night holds back the light of the day
And you’ve gotta stand and fight for the price you pay
(…)

Als Springsteen bei der Zeile „So let the games start, you better run you little wild heart“ angekommen ist, halte ich gerade an einer Ampel in Starnberg. Nutze die Gelegenheit, drehe mich um und gucke zu Pippa, die friedlich auf der Rückbank schläft. Ihre Pfötchen zucken ein bisschen, vermutlich träumt sie.

Ich verrenke mir den Arm, greife nach hinten und streiche über ihren kleinen Kopf.
My little wild heart, sage ich zu ihr – let the games start again!

(Dies, liebe Andrea, als Antwort auf deine Frage aus der Mail von heute Mittag.)

Hund haben (7).

Episode aus der Endlos-Serie „Please don’t go“.

Live the story you want to tell.

WUFF! Ab heute am Kiosk.

Mit mir.

In Farbe & in sechs heißen Posen.

Die Pfote ist von der Autogrammstunde wundgewetzt, daher der Verband.

Beileidsbekundungen, Trotswürstchen und Heilkraulungen werden dennoch jederzeit entgegengenommen (als Hund kriegt man den Schlund ja nie voll genug).

Eure Pippa.

Let me stand to show that you are blind. Zum 28. Dezember 2016.

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Meine geliebte Pippa,

auch Du entkommst meiner Geburtstagsserie für spezielle Menschen nicht! Und das, obwohl Du im strengen Sinne gar kein Mensch bist. Sondern der fröhlichste, schönste, unternehmungslustigste, sensibelste, liebevollste, kurz: der beste Hund, den ich mir je hätte wünschen können.

Natürlich habe ich auch für Dich nach dem passenden Springsteen-Song gesucht, so wie ich es für diese Serie immer zu tun pflege. Es gab auch einige, die aufgrund eines Verses oder einer Zeile in Frage gekommen wären. Aber das war mir zu wenig. Deshalb musste ich mich ausnahmsweise mal flexibel zeigen…
Der Song, der mir nämlich immer in den Sinn kommt, zu Dir und zu uns beiden, ist von Lou Reed – sei’s drum, dann halt mal nicht Springsteen. Könntest Du singen, wären das vermutlich deine Worte:

I’ll be your mirror
Reflect what you are, in case you don’t know
I’ll be the wind, the rain and the sunset
The light on your door to show that you’re home

When you think the night has seen your mind
That inside you’re twisted and unkind
Let me stand to show that you are blind
Please put down your hands
‚Cause I see you

Ja, so ist es: Du bist mein Spiegel! Jeden Tag spielgelst du mir, wer ich bin, wie ich bin und – wenn ich mich aufs Nachdenken darüber einlassen kann – auch, warum ich so bin, wie ich bin. Du zeigst mir oft, wie blind ich für mich selbst bin und wie viel Schönes es da draußen in der Welt zu entdecken gibt, wenn der Blick nicht so oft verstellt würde von Alltagsmist, Ärger, Grübeleien und Ablenkungen.

Man hört ja immer wieder Hundebesitzer über ihren Liebling sagen: „Der versteht alles!“. Leider muss ich dazu sagen: Das ist Quatsch. Du verstehst nicht alles (und damit meine ich nicht Worte wie „Pfui“, die Du einfach nicht verstehen willst). Wohl aber spürst Du immer, wie es mir wirklich geht. Und so gesehen verstehst Du das Wesentliche – das ist wichtiger und wertvoller, als all die vielen Worte und Sätze zu verstehen, die wir Menschen so reden.

Statt vieler Worte schenken wir Dir also lieber einen Tag ganz nach deinem Geschmack: vor dem Aufstehen Kuscheln, vormittags Käsewürfel suchen, dann raus in die Natur, um die Wette rennen und spielen, abends ausgiebig Kraulen – und 2x einen besonders großen Napf voll mit Filetstückchen.

Alles Gute zu deinem 5. Geburtstag, Du wunderbares Dackelmädchen, bleib‘ noch lange bei uns, damit ich durch Dich besser sehen lerne und wir einander noch bei vielen Abenteuern begleiten können!

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Phos for you, phos for me, phos for us.

Die Überschrift?!? Bloß ein kongeniales Wortspiel. Eines von der Sorte, das einem bei zwei Stunden mit Hund im Pissregen, wenn einem das Wasser bereits zu den angeblichen Goretexschuhen reinschwappt, zumindest für 13 Sekunden von dem meteorologischen Ungemach und anderem Lebensmist abzulenken vermag.

Um gleich zur Sache zu kommen: es geht um Phosphorus. Ein homöopathisches Mittel, ein sogenanntes Konstitutionsmittel. Das sind die, die es auf die gesamte Person mit all ihren Macken abgesehen haben.
Ich bin kein Fan der Homöopathie, bin aber auch insofern nicht mit ihr verfeindet als ich denke: wenn’s hilft, soll’s mir recht sein, auch wenn ich nicht dran glaube (und schaden tut’s auf keinen Fall).

Heute waren wir beim Tierarzt. Ich schreibe ganz bewusst „wir“ und das nicht nur, weil der Hund da nun mal nicht allein hingehen kann (und selbst wenn sie es könnte, so täte sie es niemals). Also liegt es in der Natur der Sache, dass einer von uns mit ihr hingeht.
Unser Tierarzt ist ein gemütlicher, empathischer, in sich ruhender Alt-68er, Typ „Dr. Dolittle“, immer freundlich zu Mensch und Tier, mit viel Zeit und ohne jegliches Gequieke, was ich neben seiner langen Erfahrung am meisten schätze. Die beiden Tierärztinnen, die wir vor ihm konsultierten, gingen uns mit ihrem Gequieke auf die Nerven: unsere Hündin ist selbstverständlich zutiefst entzückend und natürlich auch der schönste Dackel weit und breit, dennoch war es bei Arztbesuchen eine Plage, wenn die Tierärztin sich im infantilsten Duziduzi-Ton unserem Hund zugewandt und das sogar noch intensiviert hat, wenn Pippa ihre große „Ich bin der weltärmste Hund“-Nummer (aus Angst davor, was ihr vielleicht widerfahren könnte, wenn man sie gleich auf den Behandlungstisch hebt) abzog. Unerträglich! Dackel sind begnadete Schauspieler, ich erwarte von einem Tierarzt, dass er das sowohl weiß, als auch damit umzugehen weiß, und diese Tour nicht noch verstärkt. Aber zurück zum Thema.

Unser Tierarzt hat sich heute in aller Ruhe mein Klagelied angehört: Hund ist schlapp seit der Läufigkeit, schleicht seit Wochen häufig müde hinter uns her (Ballspielphasen ausgenommen), ist arg verfressen usw.. Ich bin ein genauer Beobachter und da kommt in den paar Wochen, die Pippas Unpässlichkeit nun schon andauert, Einiges zusammen. Das Ganze dann noch garniert mit meinem Hang zur Sorge um das geliebte Hundetier… – es wurde ein 30-minütiges Arztgespräch. Kein Problem für unseren Tierarzt. Er hörte genau zu, machte sich Notizen, fragte nach, stellte Vermutungen an, verwarf sie wieder, erklärte Zusammenhänge. Währenddessen hatte sich das Dackelchen unter ein Regal gezwängt und zitterte dort schon mal vorsorglich vor sich hin, was Dr. Dolittle nicht entging.
Was ihm ebenfalls nicht entging, waren meine Reaktionen auf den Hund („Mäuschen, komm‘ doch mal her!“) – gelegentlich kommentiert er sowas augenzwinkernd. Momente, in denen ich mich frage: Wer ist hier eigentlich der Patient? Pippa? Ich? Wir beide? Sind wir wirklich beim Tierarzt oder nicht aus Versehen beim Psychotherapeuten gelandet? Fragen wie: „In welcher Stimmung sind Sie denn in den letzten Wochen gewesen? Könnte Ihr sensibler Hund das nicht ein Stück weit spiegeln?“ lassen einen da schon mal kurz stutzig werden.

Der Moment der Untersuchung nahte, Pippa kroch sogar mit Hilfe einiger Bestechungshäppchen völlig verstaubt unter dem Regal hervor und setzte ihr Zähneklappern nach der Zwischenmahlzeit auf dem Behandlungstisch fort. Tastbefund in Ordnung, Herztöne ebenfalls, alles andere auch.
Schlussendlich die Diagnose: der Hund ist sehr sensibel, hormonelle Vorgänge und Psyche haben sich ungut verheddert, eines bedingt das andere und – jetzt kommt’s! – ist die Bindung zwischen Mensch und Hund eine besonders enge und intensive, dann spielt die Verfassung des Menschen eine nicht unerhebliche Rolle für die Verfassung des Hundes. Er riet dazu, dem Ganzen einfach etwas Zeit zu geben und nur homöpathisch zu behandeln, denn organisch sei alles bestens.

Das Mittel der Wahl: Phosphorus D30, für zwei oder drei Wochen, alle paar Tage ein paar Kügelchen. Damit sollte alles wieder ins Lot kommen.

Und: „Sie können das Mittel ruhig auch nehmen.“
„Wie bitte? Ich soll dieselben Globuli nehmen wie mein Hund?“
Dr. Dolittle schmunzelt in seinen Bart hinein und meint: „Bei enger Bindung prägen sich bei sensiblen Hunden nach ein paar Jahren mehr und mehr menschliche Züge aus, die denen der Bezugspersonen ähneln. Ihr Hund ist ein klassischer Phosphorus-Typ.“

Aha. Botschaft angekommen. Nur gut, dass ich nicht an die Homöopathie glaube. Eigentlich. Denn ich muss zugeben, dass Ignatia D200 unserem Hund schon mal ganz toll geholfen hat. Oder es war Zufall, was ja leider im Nachhinein nicht zu klären ist. Oder war es ein Fehler, dass ich es nicht auch genommen habe. Wie dem auch sei: ich werde ihr natürlich auch Phosphorus verabreichen, logisch.

Nach 50 Minuten Therapiesitzung schlurfen wir beide – organisch gesund, psychisch verstört, aber wenigstens noch nicht phosphoreszierend – nachhause. Auf dem Heimweg holen wir uns Phosphorus D30 aus der Apotheke.

Daheim schlage ich bei Dr. Google nach, was eigentlich der „klassische Phosphorus-Typ“ sein soll:

„Der Phosphorus-Typ zeichnet sich durch seine körperliche und geistige Lebendigkeit aus. Er ist sehr schnell für allerlei Dinge zu begeistern, aber genauso schnell auch wieder gelangweilt oder gar enttäuscht. Jegliche Reize aus seiner Umgebung beeindrucken den Phosphorus-Typen. Sowohl visuelle, als auch akustische oder taktile Sinneswahrnehmungen beeinflussen ihn stark und sorgen für eine ausgeprägte emotionale Reaktion.
Jene Personen werden darüber hinaus häufig von diversen Ängsten geplagt wie beispielsweise Angst vor Gewitter, dem Eintritt der Dunkelheit oder auch Angst vor zukünftigen Erkrankungen. Da diese Menschen schnell auf äußere Einflüsse reagieren, können jene Ängste gut durch Zureden anderer Personen gebessert werden.
Ein starkes Leeregefühl im Bauch ist geradezu klassisch für den Phosphorus-Patienten. Zusätzlich wird als häufiges Leitsymptom ein vermehrtes Hungergefühl beschrieben. Der Kranke ist meist direkt nach einer Mahlzeit wieder hungrig und isst somit über den Tag verteilt mehrere Mahlzeiten. Er wird dann oft von starkem Heißhunger geplagt, wobei klassischerweise kalte Speisen bevorzugt werden. Durst hingegen empfindet der Phosphorus-Typ häufig zwischen 15 und 18 Uhr. Diesen stillt er ebenfalls am liebsten mit kalten Getränken. Typischerweise zeichnen sich jene Personen durch schlanke Statur aus. Zudem läuft der Phosphorus-Typ die meiste Zeit mit nach vornüber gebeugtem Oberkörper.
Erleichterung verspürt der Patient bei aufrechtem Sitzen oder bei Liegen auf dem Bauch. Generell tun ihm Ruhe und Entspannung gut, weshalb auch nach einem kurzen Nickerchen meist viele Beschwerden abgeklungen sind. In Gesellschaft von vertrauten Menschen fühlt er sich grundsätzlich gut aufgehoben und genießt die Geborgenheit durch andere. Zusätzlich kann das Massieren einer schmerzhaften Körperstelle zu einer Symptomlinderung führen.“

Nun ja, was soll ich sagen? WIR fühlen uns erkannt. Durchschaut geradezu. Die schnelle Begeisterungsfähigkeit, die hohe Emotionaliät, die ständige Leere im Bauch, die diversen Ängste, das komische Essverhalten, die häufige Müdigkeit, die Sehnsucht nach Geborgenheit. Und endlich haben wir es mal schwarz auf weiß, dass wir trotz unseres Heißhungers eine schlanke Statur haben, das hören alle Frauen gern.
Wenn uns dann noch jemand gut zuredet, krault und auch tagsüber schlafen lässt, kommen wir schon irgendwie über die Runden, wir zwei Phosphörchen, selbst wenn wir bei verhassten Unwettern durch die Gegend hatschen wie ein Doppelpack des Glöckners von Notre-Dame.

Ich werde euch auf dem Laufenden halten, was der Phosphor mit uns anstellt.
Jetzt müssen wir erstmal was essen und danach nochmal durch den Regen um den Block buckeln.

Die Kraulquappe und ihr kleiner Hund.

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Der Phosphorus-Typ: ein Freund des gepflegten Nickerchens.