Zurück aus den Blaubergen.

Wie gestern schon angedeutet: Die zweitägige Tour durchs bayrisch-tirolerische Grenzland war ein Stück weit auch eine Wanderung zu meinen eigenen Grenzgebieten. Diese unbekümmerte Leichtigkeit, die ich früher mal hatte, ist perdu, im Gehen genauso wie hinsichtlich Kraft und Kondition.
Es ist zwar alles immer noch gut zu schaffen, aber es macht mir völlig anders zu schaffen als früher: der Osprey-Tourenrucksack sitzt perfekt, wird mir allerdings nach zwei Stunden zunehmend zur Last, die Konzentration, die vor allem das Bergabsteigen in schwierigerem Gelände erfordert, lässt viel schneller nach, die Sorge um Pippa lässt hingegen keine Sekunde nach und das, obwohl sie recht sorglos vorauswetzt. Die Ganzkörpererschöpfung, die solchen Touren folgt, ist mittlerweile auch eine andere, nachhaltigere, immerhin aber (noch) muskelkaterfrei.

Das Ausmaß an Achtsamkeit (im Sinne von Vorsicht und Voraussicht) erfüllt unterwegs meinen Kopf und Körper phasenweise so komplett, dass außer Gehen (nächster Schritt, Tempo, Gleichgewicht, Atmung) und Schauen (Weg, Hund, Aussicht, Landkarte, Schilder) nichts mehr möglich ist.
Wenn ich mal meinen Trott gefunden habe, so in etwa nach 45 Minuten kontinuierlichen Dahinsteigens, bin ich gefühlt nur noch Beine und Augen, in der Zone dazwischen schnauft und scheuert und schwitzt es, und ansonsten stellt sich eine paradiesische Leere ein, besser gesagt: ein Zustand, der ganz und gar Rhythmus ist, eine Komposition aus der umgebenden Natur, dem Dackelfräulein und mir und dem Weg, den wir gerade gehen.
Und ohne irgendein Wort entsteht in diesem gemeinsamen Takt eine Art von (Ver-)Bindung, für die mir schlicht die Worte fehlen, und ein Bezogensein aufeinander, das weit über die zurückgelegte Strecke hinausweist (nennen wir’s einfach den Dog-Owners-Flow oder das Hundehalter-High).

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(Durch Klick aufs einzelne Galeriebild, werden die Erläuterungstexte lesbar)

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Gehzeit: 4 Std.
Pausen: 45 Min.
Strecke: 17 km, 550 Hm bergauf, 1.040 Hm bergab
Konsumation: 1 geschmolzenes Duplo, 2 Liter Wasser (vor der Tour: Hüttenfrühstück, nach der Tour: Essen beim Papa)
Ausgaben: 16€ (Frühstück auf der Hütte, Getränke in Siebenhütten)
Blessuren: kleine, geplatzte Ader am rechten großen Zeh (wegen unerklärlicher Druckstelle im Socken), beidseitiger Ausschlag am Schulterblatt (Nobite im Nacken verträgt sich nicht mit Schwitzen und Rucksacktragen), zwei Bremsenstiche an Wade und Knie (so schnell wie die da sind, kannst du dich auf der Almwiese gar nicht mit Nobite einsprühen)

Die Highlights:
1. Der kleine Sohn der Potsdamer Familie, der bei der schweißtreibenden, ellenlangen Querung der östlichen Flanke der Halserspitz fröhlichst hinter mir herhüpfte und sich pausenlos unterhalten wollte („Du, warum bist du allein hier?“ / „Dann musst du das ganze Gepäck ja selbst tragen, oder?“) und alles über das Dackelfräulein wissen wollte („Gehen Hunde allein aufs Klo?“ / „Heißt der Dackel so, weil er so wackelt?“), ein ausgesprochen cleveres, aufgewecktes Bürschchen, kurz vor dem schwindelerregenden Stück mit Absturzgefahr hab‘ ich ihn aber lieber seinen Eltern zurückgegeben, die ein ganzes Stück hinter uns liefen.
2. Meine kleine Gefährtin (mal wieder). Neu ist, dass sie sich offenbar präzise gemerkt hat, an welchen Stellen im alpinen Gelände ich gelegentlich Probleme habe und nun direkt nach solchen Passagen stehenbleibt, sich umdreht und guckt, ob ich gut und sicher hinterherkomme. War zu Tränen gerührt von diesem Verhalten! Und wie sie auf dem Berg plötzlich folgen kann, grenzt auch an ein Wunder: „Warte mal!“ / „Geh hinter mir!“ / „Vorsicht – langsam!“ klappt da heroben so gut, dass man fast schon glauben möchte, so ein Hund würde in der sauberen Bergluft besser hören als zu Tale oder in der Stadt.
3. Das wirklich atemberaubende Panorama bei der Querung des Blaubergkamms: hinter uns die Tiroler Berge, vor uns das Mangfallgebirge, eine dermaßen gelungene Ergänzung der inneren Landkarte, noch dazu eine, die mir echt gefehlt hat, um diese Region endlich mal vollends zu überblicken.

Himmel der Bayern (76): Die Geierwaldi und ich.

…und im Traum sprach der bemooste Baum zu ihr:

Sobald dich morgens der Dackelbleschl im Ohr die Sonne im Gesicht kitzelt, springst du aus dem Bett, bewegst dich mit der Kaffeetasse an den Schreibtisch, arbeitest dort bis zur Mittagszeit, setzt danach dein Hündchen und deinen Pandemie-Popo ins Auto, fährst in die Berge und gönnst euch einen Nachmittag voller Sonne und Bewegung und guter Aussichten, fern der bellizistischen Sprachdeformationen in den Medien und fern der Texte, an denen du selbst gerade herumwürgst – das wird dir den Kopf wieder freipusten!“

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Erste Maiwoche in Bayern.

Die Ausgangsbeschränkungen wurden aufgehoben und durch eine neue Variante der Kontaktbeschränkungen ersetzt. Das erschwert sogleich die Arbeit an meinem akutellen (Neben-)Projekt, dem Wanderführer „Panoramaschleichwege durch die Pandemie“ (wir berichteten HIER und auch DORT).

Denn: es wandern und bergsporteln jetzt wieder alle. Es herrscht nämlich Nachholbedarf. Sehr großer Nachholbedarf. Die Wanderparkplätze sind voll. Sehr voll. Und das sogar mitten unter der Woche.
Das bedeutet: die Zielkoordinaten für weitgehend kontaktlose Bergausflüge müssen erneut gründlich angepasst werden.

Weil die Tour erst um 14 Uhr beginnt (bis der halbe Arbeitstag absolviert und die Anfahrt erfolgt ist), daher nicht zu weit/hoch/lang.

Wir parken auf einem coronaleeren Schwimmbadparkplatz ( 😦  ) und schleichen uns über einsame Frühlingswiesenpfade bis zum Einstiegspunkt in den Wanderweg…

… Fräulein Pippa immer glücklich voraus, weil sie von der Tourleitung genau die Wege serviert bekommt, die sie liebt: dackelbreite, halbschattige Trampelpfade, katzen- und fliegenfrei, links das Bächlein, rechts die Kuhfladen – ja, so muss es sein, das Hundeleben!

Wir begegnen auf dem Bergsteig niemandem, machen auf einer friedlichen Waldlichtung Brotzeit, und ich bilde mir ein, am Rande dieser Lichtung jene Stelle wiederzuerkennen, an der vor einer gefühlten Ewigkeit der Kanadier, der mich während meiner damaligen Sommerferienarbeitswochen hier im Ort besuchte (was für sich genommen ja bereits der Höhepunkt des Sommers war, weil dieser Kanadier aus dem Isartal nämlich nicht nur eine Gitarre und ein Motorrad besaß, sondern auch noch aussah wie einer, der Gitarrespielen und Motorradfahren kann – und es auch tatsächlich konnte, Freundin H. aus der Schweiz wird es noch wissen und beim lesenden Erinnern, so sie denn trotz Homeoffice und ihrer Jungs dazukommt, ein schmachtendes Stöhnen von sich geben) und mich an einem verregneten Nachmittag überredete, auf genau diesen Berg zu steigen, was nicht gelang, weil es regnete und weil ich damals noch dermaßen aus Zucker war, was sich aber als strategisch äußerst sinnvoll erwies, da der Kanadier sodann zu meinem Schutz vor den Unbilden des Lenggrieser Landregens ein kleines Zelt aus seinem Rucksack kramte und es am Waldrand aufschlug und – jetzt halten Sie sich fest! – mir im Inneren dieser kleinen, dunkelgrünen Polyesterburg ein Yes-Torty kredenzte (ich hoffe schwer, Sie erinnern sich noch an diesen legendären Werbespot?), also nicht, dass mir die labbersüßen, luftigen Dinger je wirklich geschmeckt hätten, es ging da mehr so ums (sagen wir mal:) Atmosphärische und das hätte besser nicht sein können, nur eine Ukulele hätte er noch mitnehmen können, denke ich nun, Jahrzehnte später, die hätte locker noch in seinen Rucksack gepasst, aber auch nichts dran geändert, dass wir nach dem Törtchenverzehr triefnass wieder unten in der Jugendherberge ankamen, weil das blöde Zelt nämlich (anders als in der Werbung) undicht war, und der Hammer-Tag dann leider im Keller an der Tischtennisplatte endete (weil wieder mal irgendein Depp den Ballauswurfhebel am Kicker verkeilt hatte, => kein Ball = kein Kickern), und das auch noch mit diesem unerträglichen Rundlauf, bei dem ich erst recht nie einen Ball erwischte, und wie der Besuch des Kanadiers dann zu Ende ging, das habe ich komplett vergessen, meine Erinnerung hat sich irgendwo in diesem unseligen, zerrupften Jugendherbergskellertischtennisplattennetz verfangen und verheddert.

Wo waren wir noch gleich stehen- bzw. sitzengeblieben?
Ach ja, auf einem Baumstumpf auf der Waldlichtung an der Nordwestflanke des Geiersteins, auf der das Dackelfräulein und ich gestern Nachmittag einen Imbiss einnahmen.

Und es war klug, sich dort ordentlich zu stärken, denn im Anschluss stellte sich bald heraus, dass der Maßstab der topografischen Wanderkarte für eine Tourplanung ohne Brille dann wohl doch etwas zu klein war.

Was nach Rundtour über den Geiersteingipfel aussah, war zwar auch eine Rundtour, aber die winzige Kletterpassage war in echt nicht ganz so winzig, und fast wäre ich umgekehrt als wir da plötzlich vor einer Felspassage standen, an der der weitere Weg nicht mehr erkennbar war, außer, er würde direkt und recht weglos über diese Gesteinsbrocken verlaufen, die sich vor uns auftürmten, was aber nicht zu hoffen und zudem eben uneindeutig war.

Karte raus, Rucksack runter, Hund angeleint. Brille aufgesetzt und in die Karte geguckt. Doch, da gibt es einen Weg!
Karte wieder eingepackt, Stöcke an den Rucksack geschnallt, Hund samt Rucksack an einer Wurzel festgebunden. „Sitz und bleib!“ und „Ich komm gleich wieder!“.

Nun erstmal alleine gucken gegangen, d.h. einmal über diese unwegsame Passage geklettert, um zu sehen, ob ich da auch mit Hund rüberkäme. Ja, das würde schon klappen, aber nur ohne Rucksack, weil eine Hand am Fels und die andere am Dackel, das reicht an Konzentrations- und Balanceübung völlig, da kann ich nicht noch ein Glumpp am Rücken brauchen, das mich womöglich nach hinten zieht oder sich irgendwo verhakt.

Schlussendlich dieses Stück dreimal gegangen, 1x zur Erkundung, 1x mit Pippa auf dem Arm und 1x um den Rucksack zu holen.
Wenn ich nicht genau wüsste, dass es Außenstehende langweilt, würde ich über diese Momente mit Hund glatt ein eigenes Büchlein schreiben!
Das ist nämlich der Wahnsinn, wie man da all die Beziehungsjahre und all das, was man in ihnen an Bindung, Vertrauen und Verständigung aufgebaut und erreicht hat, so intensiv spürt! Wie der Hund das weiß, was in solchen Momenten „dran“ ist (totales Vertrauen, totale Folgsamkeit, totale Ruhe), und was man als Mensch für eine Kraft entwickelt, um die kleine Seilschaft sicher über so eine Stelle zu geleiten!

Nach diesem Abenteuer sind es nur noch wenige, felsige Minuten bis zum Gipfel. Spitzenmäßige Aussicht von dort oben, obwohl nur knapp 1.500m hoch, im Osten die Tegernseer Berge und das Mangfallgebirge, im Süden das Karwendel, weiter westlich Wetterstein und Zugspitze und 800 Meter unter uns funkelt die Isar in ihrem Flussbett und zieht ihre Schleifen durch das saftiggrüne Lieblingstal.

Ich küsse das Dackelfräulein auf ihre schwarzglänzende Nase und sage ihr, was für eine unglaublich geländeclevere, mutige und großartige kleine Gefährtin sie doch ist und gebe ihr ein Viertel von meinem Käsebrot ab, woraufhin sie mir sagt, dass sie mich ebenfalls liebt, aber es ruhig die Hälfte des Käsebrotes hätte sein dürfen, weil das dieser extrem großen Sache zwischen uns angemessener gewesen wäre als dieser knausrige Happen.

Ein weiterer Mensch kommt von der anderen Bergseite zu uns hinaufgestiegen, ein kurzes Gespräch ergibt, dass auch er den Plan verfolgte, die beliebteren Ziele der Region zu meiden und es bestätigt desweiteren meine Befürchtung Annahme, dass auch der Abstieg nochmal mit ähnlichen Herausforderungen gewürzt sein würde wie der Anstieg, aber das kann uns jetzt auch nicht mehr erschüttern.

Denn es ist ein guter Tag und wir sind in guter Verfassung.

Beim Hinabsteigen fällt mir einer der Filme ein, die der heimische Serienbeauftragte mir eines Abends während der ersten Corona-Wochen angedeihen ließ: „Nordwand“ (aber auch „Gott des Gemetzels“ und „Shining“ waren durchaus pandemiepassend, vor allem nach „Shining“ wusste man endlich mal, wieso man so schlecht schlief und so mies träumte). Wirklich der krasseste Bergfilm, den ich je gesehen habe und der mich darin bestärkte, auch fortan mit meinen Mikroabenteuern vollauf zufrieden zu sein und vermeintlich verpassten Chancen im Alpinsport keine Träne mehr nachzuweinen.

Unterwegs noch eine kleine Rast auf einer Bank, für eher schwindelfreie Spaziergänger, und unten im Tal angekommen dann fürs Fräulein noch ein Sprung ins kühle Nass des Schlossweihers.

Am Ufer einen Hundegassigänger nach dem schönsten Weg zum Schwimmbadparkplatz gefragt. Der Einheimische entpuppt sich als jemand, mit dem ich damals, in der Zeit jener Yes-Torty-Sommer und Ferienarbeitswochen, also vor rund 30 Jahren, stets unter einem Dach wohnte, weil er der Sohn der hiesigen Herbergseltern war.
Wir tauschen im Schnelldurchlauf die Eckdaten von drei Jahrzehnten aus (Ehen, Kinder, Ausbildungen, Berufe, Eltern, Hunde, Krankheiten, Wohnorte), er lässt den Papa grüßen, ich seine Mutter. Zum Abschied ruft R. mir noch zu, dass wir uns ja in 30 Jahren wieder mal hier am Schlossweiher mit unseren Hunden über den Weg laufen könnten.

Die Welt ist so klein.
Und je älter ich werde, desto mehr wächst das Bedürfnis, sie mir in gewisser Hinsicht auch so klein und überschaubar zu (er)halten, und es stimmt mich überaus froh und zuversichtlich, dass mir das meist auch gut gelingt, denn ich brauch‘ ja nicht viel zu meinem Glück und über die Jahre wird sogar das noch immer weniger (nicht das Glück, sondern die nötigen Zutaten dafür).

Jetzt nochmal 4 Tage Arbeitsklausur – und dann schauen wir mal, wo wir als nächstes unser Glück finden!

Love is a four-legged word. Zum 20.02.2020.

Die einen feiern heut Weiberfastnacht, die anderen den „Liebe-dein-Haustier-Tag“.

Tierisch liebgehabt. Und auch tierisch viel erlebt auf dem 12km langen Uferweg.

Vom toten Fisch über eine hölzerne Katze bis zum gassigehenden Ziegenbock war alles dabei. Auch Artgenossen. Und auch sonst alles genossen.

Unterwegs hat das Dackelfräulein die Badesaison eröffnet und sich während einer langweiligen Biergartenpause für morgen mit ihrer Freundin Shiva zu einer Bergtour verabredet.

Der hübsch Bewimperte und ich werden die beiden Damen begleiten, mit etwas Glück springt für uns ein Stück Kuchen mit Blick auf die noch verbliebenen Reste der oberbayerischen Winterwelt raus.

Nach den letzten, gelinde gesagt etwas zähen und grauen Tagen, sind das nun gute Aussichten. Genau wie die, dass heute in einer Woche die Corroventen abgebaut werden.

Gegrüßet seist du, November!

Zeitgleich mit dem November hält dieses Jahr winterliche Kälte Einzug, und mit den Temperaturen beginnt auch das Stimmungsbarometer zu sinken.
Auf den langen Märschen durch die Isarauen oder städtische Parks trage ich nun meist eine Mütze und immer Handschuhe, kehre ich unterwegs ein, löst die heiße Schokolade allmählich das kühle Weißbier ab.

Die erste dieser wärmenden Winterschokoladen an einem Ort getrunken, den ich nicht mehr aufsuchte, seit ich mit demjenigen dort war, den ich eine Weile für einen Freund hielt, der sich aber urplötzlich, kommentarlos und ganz ohne jede Wärme vom Acker machte und nichts hinterlassen hat außer ein paar gut eingebauten Regalbrettern und einer beachtlichen Menge Schutt aller Art.
Den Großteil davon habe ich längst beseitigt, erst gestern aber fand ich auf dem Boden einer Schublade – eigentlich auf der Suche nach einem Geschenkbändchen für die liebe K. – nochmal so ein Überbleibsel dieser hoffentlich letzten Blutegelepisode in meinem Leben: ein nett beschriebenes Kärtchen, einen hübsch glänzenden Talisman dazu. Schöne Worte und Symbole, nichts dahinter. Also weg damit, denn sich solche Andenken noch zu bewahren, das hieße auch weiterhin an denjenigen zu denken und sei es nur, wenn man grad ein Geschenkbändchen sucht.
Immerhin barg sie eine nachträgliche Lernchance, diese Geschichte (was beileibe nicht all solche Geschichten tun oder was ich, als bekennender Gegner der „Alles im Leben hat seinen tieferen Sinn“-Ideologie, eben nicht zu sehen imstande bin): Künftig noch genauer hingucken, denn mancher Blutegel kommt als Salamander verkleidet daher, bei den ersten Zweifeln gilt es, ordentlich an der Fassade zu rütteln, spätestens nach dem ersten Biss ist sofort das Weite zu suchen.

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Musikalisch geht’s jetzt auch hinüber in andere Gefilde, wieder mehr Tom Joad und Hattie Carroll (von Letzterem krieg ich den Hals grad gar nicht voll), garniert von gelegentlichen Versuchen, den grauen Himmel mit mehrminütigen Videoclips von Lofgrens Gitarrensoli wegzupeitschen.
Literarisch ist die Zeit nun reif für Walden, das schon viel zu lange von A nach B (und wieder zurück) geräumt wird und als blinder Passagier sogar quer durch ganz Gotland und halb Schweden gereist ist.

Das Dackelfräulein ist pünktlich läufig geworden (immer wieder faszinierend: ein so kleiner Körper und alles drin an Abläufen und Funktionen, an Möglichkeiten und Risiken), verbellt draußen eifrig die ersten interessierten Rüden, trägt drinnen ihr kesses Höschen mit routinierter Gelassenheit und schmiegt sich nachts noch enger an einen ran, was zu der Jahreszeit recht angenehm ist.

Der Ellenbogen schmerzt wieder, dafür kann man durch unsere Fenster die Eichhörnchen im Baum gegenüber nun viel besser beobachten. Ein Stück oberhalb dieser altbekannten Schmerzzone noch eine weitere, dort ächzt die Schulter vor sich hin, auch nichts Neues mehr. Und seit Wochen ein Stechen und Druckgefühl im Solarplexus, also exakt dort, wo gefühlt schon immer mein Ich hauste (merke: zu sowas niemals mehr Dr. Google befragen, sonst läuft man Gefahr, gleich aus sich selbst ausziehen zu wollen).
Der lästigen kleinen Oktober-Arztterminserie wird vermutlich bald eine weitere folgen, denn schließlich muss man in 9 bis 10 Monaten fit sein und beide Arme gen Himmel oder Bühne recken können, wenn Mr. Springsteen im Herbst seines Lebens dem selbigem des Jahres 2020 die Ehre erweisen wird (so die Gerüchte, die seit heute Mittag kursieren, sich bewahrheiten mögen).

Wenigstens beim Schwimmen macht der Arm noch gut mit, zwingt einen sogar zu technischer Gründlichkeit.
Das Experiment „Schwimmen mit Musik“ hingegen wurde heute Morgen endgültig für abgesoffen erklärt. Der Geburtstags-Sony-Sport-Walkman ist zwar federleicht, simpel zu bedienen und klingt über Wasser auch 1a, aber aus mir wird kein Mit-Musik-Schwimmer mehr.
Fast alles stört meinen Rhythmus, gerade mal drei Songs der langen Playlist konnten für kraultauglich erklärt werden, zur Rückenlage passt kein einziger und beim Brustschwimmen kommt nach ein paar Hundert Metern jedesmal Wasser in die Ohrstöpsel und verzerrt den Klang. Außerdem höre ich meine Blubberatmung nicht mehr, die ich aber gern höre, so als einziges Geräusch in dieser schönen Stille, die unter Wasser herrscht.

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Nach dem Fest ist vor dem Fest: die Reste der Wiesn sind noch nicht mal ganz abgebaut, da stellen sie direkt daneben bereits die Zelte fürs Winter-Tollwood auf. Immer was zu gucken, wenn man vor die Tür tritt. Ich empfinde das immer noch als belebend, erst recht, wenn ich an die Ödnis unseres kurzen Wohnexperiments am Stadtrand zurückdenke.

Und analog dazu: nach der Steuererklärung ist vor der Steuererklärung.
Noch keine 14 Tage befreit von dieser Zumutung, schon trudelt ein Schreiben vom Finanzamt ein. Mit Nachfragen, die Nachfragen aufwerfen und auf die alleine keine Antwort zu finden sein wird (auch das eine Zumutung: die müssten einem doch so schreiben, dass man versteht, was sie von einem wissen wollen). Erst im August den letzten Schikanemarathon vom Fiskus überstanden, schon steht eine neue Beschäftigungstherapie ins Haus, der man sich nur entziehen könnte, wenn man entspannt ein paar Tausender zu verschenken hätte. Haben wir nicht, also werten wir’s einfach mal als belebend, dass da jetzt wieder action ansteht.

Außerdem gibt es ja so Wünsche, die durchaus ein Geld kosten.
Gestern an einer Galerie vorbeigekommen, die sonst immer zu hatte, wenn ich da entlangspazierte, was ich jedes Mal bedauerte, weil in dem kleinen Raum eine exzellente Auswahl an Plakaten aus meinem Geburtsjahr hing, die Olympischen Spiele in München in allen Disziplinen, Farben und Formaten. Und gestern stand plötzlich der Galerist drinnen und winkte mich hinein. Das gesamte Sortiment durchgepflügt, das Schwimmerplakat ganz wunderbar, auch das der Kanuten, aber dann stieß ich auf das hier:

Limitierte Auflage, daher ein Sammlerstück, natürlich mit weiter steigendem Wiederverkaufswert, sofern man jetzt den Zeitwert berappen könnte und sich das Ding für nur 600€ (*schluck* – dafür bekommt man ja schon fast einen echten Waldi!) unter den Nagel reißen würde.

Sie müssen wissen: der Waldi ’72 ist mir sehr bedeutsam. Er wurde mir als mein allererstes Stofftier in die Wiege gelegt und mir 18 Jahre später gegen meinen Willen wieder genommen, die Mutter rückte ihn einfach nicht raus als ich von ihr ging, ich musste also den Waldi zurücklassen und den mit uns lebenden Dackel ja sowieso, es war ein einziger Graus (ein Grauen vielmehr!), die Mutter hat ihn irgendwann verkauft oder weggegeben, in fremde Hände, in ein Stofftierheim gar, ich hab’s verdrängt, denn verloren ist verloren.
Dementsprechend muss hier noch eine uralte Wunde genäht und geheilt werden, wie Sie nun sicher verstehen werden. Es war der wadlgroße bzw. -lange Waldi, der mit dem groben Stoffbezug, nicht die flauschige Plüschvariante. Ich weiß noch genau, wie ich ihm immer ganz sacht mit dem Zeigefinger auf die Nase tippte, wie er sich anfühlte, wie er roch, wie er guckte, wie er über meine Spielsachen und Hausaufgaben wachte, sogar die ersten Springsteenplatten haben wir noch gemeinsam gehört und den ersten Liebeskummer zusammen durchgestanden, kurz: es ist einer dieser Verluste, über die man nie wirklich hinwegkommt.

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Bei manchen der noch neueren Kontakte und Bekanntschaften zeichnen sich erste Grenzen ab (oder zumindest zeitweise Statuszementierungen), bedingt durch die eigentlich recht banale Erkenntnis, wie anders andere doch sind.
Steh ich neulich bei einem in der Wohnung herum, der mir mit Handy am Ohr die Tür öffnet, weswegen ich dann eben ein Weilchen dort herumstehe und warte, bis er fertig ist mit seinem Telefonat.
Nachdem er aufgelegt hat, begrüßt er mich auf eine Weise, die mir zutiefst sympathisch ist, weil er einen nicht so verhuscht umarmt, wie das viele tun (dieses eher angedeutete Innigkeitsgeste, ein Hauch von Berührung, vielmehr: ein Hauch von nichts, kaum ein Bartstoppel oder Brustkorb oder Geruch wahrnehmbar, wozu auch immer eine solche Pseudoumarmung gut sein soll oder was sie ausdrücken bzw. wovor sie sich drücken möchte), sondern weil er richtig „zulangt“, das hat was Verbindliches, das strahlt Präsenz aus, und Vitalität. Sehr schön!

Nach der Begrüßung saust er in sein Wohnzimmer, wo der Fernseher läuft (es ist ca. 15 Uhr und ich gebe zu: ich bin grundsätzlich erstaunt darüber, dass es Menschen gibt, die um diese Zeit fernsehen), auf dem Weg dorthin ruft er mir zu, er wolle den unbedingt mal schnell ausschalten. Ebenfalls sehr schön, denn bei privaten Unterhaltungen kann ich im Hintergrund Laufendes ebenso wenig leiden wie unnütze, ziellose Beschallung jeder Art im öffentlichen Raum.
Auf dem Rückweg zu mir fügt er seinem Tun noch erläuternd hinzu: „Ich mach‘ den manchmal an, wenn es mir in der Wohnung zu still ist!“.
Öha!?! – Innerlich zucke ich heftig zusammen bei diesem Satz, äußerlich bin ich bemüht, so zu gucken wie ich zuvor geguckt habe (ankommend, freundlich, zugewandt, frisch umarmt). Die Sprache verschlägt’s mir dennoch kurz, was nicht weiter auffällt, da er ohnehin der Plauderpart von uns beiden ist (er erinnert mich auch hierin an meinen ehemals besten Freund M., mit dem ich mich nach fast 15 intensiven Jahren auseinandergelebt habe, u.a. wg. eines massiven Überplauderungsgefühls, dessen ich mich nicht anders zu erwehren wusste als durch Distanz und Bennenung der Gründe dafür).

Als ich wieder gehe, denke ich darüber nach, ob das wohl je eine Freundschaft werden könnte oder ob mir ein Mensch, der die nachmittägliche Stille in den eigenen vier Wänden mit dem Einschalten der Glotze zum Verstummen bringen muss, mir nicht zu wesensfremd ist für das, was ich unter Freundschaft verstehe. Diese Grübelei mündet in eine Grübelei darüber, ob es unter sozialen Aspekten sinnvoll ist, mit zunehmendem Alter immer kritischer zu werden oder ob nicht doch eher das Gegenteil ratsam wäre.

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Apropos sozial.

Was mir nicht nur aus der Seele sprach, sondern mir auch das Herz erwärmte, ist dieser vorgestern erschienene Artikel von Juli Zeh, in dem es um Sozialakrobaten geht (und diese einmal mehr aufs Trefflichste von Untermietern unterschieden werden).
Wenn Sie ein Tierfreund und einigermaßen novemberfest sind, dann lesen Sie den mal.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen kuschligen Abend, mit einem Gefährten oder mit der Sofadecke, und verabschiede mich hiermit in meine allabendliche Streichelmeditation!

Mountaindog.

Die Goldigkeit dieses Oktobers nimmt einfach kein Ende.

So der Papa heut Morgen am Telefon. Und: Dort draußen in den Bergen sei schönstes Wetter.

Echt? Der Blick aus dem Fenster der Münchner Wohnung verlor sich nach wenigen Metern im dichten Nebelgrau!

Wenngleich in post-konzertanter und frauenspezifisch etwas angeschlagener Verfassung gab ich mir um 11 Uhr doch noch einen Ruck, packte die Bergsachen, etwas Verpflegung und natürlich das Dackelfräulein ein – und fuhr los.


Zu einem der Hausberge, der Benediktenwand. Wie oft ich da wohl in meinem Leben schon war? 20x, 25x, noch öfter? Und es wird nie langweilig!

Weil der Berg ja jedesmal anders ist zu dir, und du dich auf ihm auch jedesmal anders bewegst, weil du dich nie gleich fühlst, weil du immer in anderer Verfassung hochsteigst als du hinunterkommst, weil dein Gepäck stets ein anderes ist und weil sowieso nichts im Leben wiederholbar ist (wir gaukeln uns das manchmal nur gern vor).

Heute also von Benediktbeuern aus durchs Lainbachtal hinauf, ein Traumweg zu jeder Jahreszeit. Nicht ganz hoch auf die Wand, versteht sich, weil da muss man schon früher aufstehen und fitter sein, das dauert mit Auf-, Abstieg, Pausen und Grat-Querung mal locker 8 Stunden.

Heute nur auf die Tutzinger Hütte, aber was heißt „nur“? Bei flottem Tempo sind das hoch und runter auch schon gut viereinhalb Stunden, plus Rast auf der Hütte.

Übrigens eine der am schönsten gelegenen Hütten im Voralpenland, sollten Sie mal in der Gegend sein, lassen Sie sich das nicht entgehen. Herrliches Hochplateau am Fuße der Felswand. Wirkt viel höher und alpiner als es ist.

Eine Stunde dort gesessen und geradeaus geguckt. In der Ferne ein paar Steinböcke gehört. Die herbstliche Bergluft inhaliert. Dazu ein Reutberger. Mich sehr heimisch gefühlt dort oben und überhaupt.

Große Harmonie heute auch zwischen Pippa und mir. Perfekte Kommunikation unterwegs, einer achtet auf den anderen. Die Trageübungen klappen auch immer besser. Man muss sowas ja frühzeitig trainieren, damit es dann sitzt, wenn man mal regelmäßiger drauf angewiesen sein wird.

Heut erstmals das klare Gefühl: Sie wird das lernen, mir zu signalisieren, wenn sie nicht mehr kann. Und ich werde lernen, dass ich das Gewicht – hinten Rucksack, vorne Hund – so verteile, dass ich sicheren Schrittes weitergehen kann und sich die Nackenschmerzen anschließend in Grenzen halten.

Noch ein, zwei heftigere Herbststürme und das letzte Laub wird zu Boden gegangen sein. Der Lauf der Dinge: ein ewiges Erblühen und Verblühen. Alles Leben ist letztendlich kompostierbar – mich persönlich beruhigt das.


In der Dämmerung wieder unten im Tal angekommen.

Der Abendnebel wickelt sich gerade um die Türme des Benediktinerklosters. Ich wickle den müden Mountaindog in eine Decke, mich in meine Fleecejacke und fahre zufrieden heimwärts.

Himmel der Bayern (62): Unterwegs mit dem FSH.

Nein, nein, beim FSH handelt es sich nicht um eine Motorenbezeichnung.
Wobei, im übertragenen Sinne vielleicht doch. Aber der Reihe nach.

Die bisherige Zwischenbilanz in Sachen Bewegung ist zwar sehr passabel, allerdings hauptsächlich an der Schwimmfront und was die Kontinuität der Park-Läufe betrifft. Der Bergsport hingegen kam in letzter Zeit etwas zu kurz. Aus mehreren Gründen, von denen der mitteilbarste noch der ist, dass ich diese Zwischensaison in den Bergen einfach nicht mag. Wenn noch überall graue, harsche Schneereste herumliegen (und im Mai kam ja noch haufenweise Neuschnee dazu), es unten im Tal schon warm, aber oben noch arschkalt ist. Das ist nix für mich.
Wintertouren sind total ok, kalt, mit oder ohne Schnee, alles recht, aber diesen Mix kann ich nicht leiden. Jacke-an-Jacke-aus nervt mich.

Also sind wir erst seit ein paar Wochen wieder gelegentlich im Voralpenland unterwegs. Konditionell bringt einem das Schwimmen hier nur bedingt Vorteile und da demnächst eine größere Hüttentour ansteht, wird es nun Zeit, vorher ein paar kleinere alpine Unternehmungen gemacht zu haben, damit das dann auch gut klappt (bzw. keiner zusammenklappt bei dem 5-Stunden-Aufstieg auf weit über 2.000 Meter – die zur Expedition angemeldeten Teilnehmer sind das Dackelfräulein und meine Wenigkeit).

Nun gut. Sind wir heut sehr früh aufgestanden, damit ich bis 11 Uhr noch arbeiten konnte, dann ins Auto und los.

Die ersten 30 Minuten Aufstieg eine einzige Qual. Nicht für mich, es war eine schnöde, wenn auch etwas steile Forststraße. Aber Pippa hing in den Seilen wie noch nie, trotz bester Witterung (Wolken, Sonne, 20 Grad im Tal, keinesfalls zu heiß). Als die Forststraße dann in einen Waldweg überging, der weniger steil war, besserte sich die Lage ein bisschen, verschlechterte sich aber umgehend wieder, als das letzte steile Stück vor dem Ziel anstand.

Zwischendurch zog ich schon eine Umkehr in Erwägung, weil ich meinen Hund nicht schinden oder dauernd antreiben möchte. Grübelte, ob sie eventuell gesundheitliche Probleme haben könnte, beobachtete sie beim Hinaufschlurfen sehr genau – aber nichts wies auf irgendwelche Gelenkschmerzen oder andere Beeinträchtigungen hin. Fragte mich, ob sich nun einfach ihr Alter bemerkbar macht, mit siebeneinhalb Jahren ist sie ja jetzt kein junger Hund mehr, aber eigentlich doch für einen Dackel in den besten Jahren.

Auf der Hütte angekommen, wirkte alles wieder normaler: Der Hüttenhund wurde auf jeder seiner Patrouillen über die Terrasse 1x angewufft, nach jeder Fliege wurde geschnappt, der Napf in der üblichen Zeit geleert. Alles wie immer. Gottseidank! Ich schöpfte Hoffnung, dass es sich um eine vorübergehende Unpässlichkeit gehandelt hatte und beim Abstieg sowieso alles leichter liefe.

Beim Aufbruch – und nun ging’s ja wohlgemerkt ständig bergab! – Pippa aber sogleich wieder in Zeitlupe unterwegs, extremes Kriechtempo, unglücklicher Blick, sogar gelegentliches Hinsetzen. Sofort machte ich mir noch größere Sorgen als beim Aufstieg. Was war denn nur mit dem Hund los?

Nach den ersten 150 Höhenmetern Abstieg im Schneckentempo kamen wir an eine Abzweigung. Ein kleiner Steig ging rechts Richtung Sonnenspitze ab.
Ich wollte den breiten Wanderweg, den wir hinaufgegangen waren, auch wieder hinuntergehen. Pippa aber bog in den schmalen Bergpfad ein, sah dann, dass ich den anderen Weg nahm, hockte sich hin wie ein Pflock, ein Geschau dazu wie der personifizierte Vorwurf, und war nicht mehr weiterzubewegen.
Also gut, sagte ich, dann gehen wir eben deinen Weg, du kleiner, sturer Stinker.

Schild stand keines an der Abzweigung, was sicher an den Holzarbeiten lag, die überall noch im Gange sind (wegen der zahlreichen Schäden, die der heftige Winter hinterlassen hat) und wo manch bekanntes Wegstück kaum wiederzuerkennen ist. Ich erinnerte mich aber, diesen Steig vor ca. 15 Jahren schon mal gegangen zu sein, vergaß allerdings, dass ich damals jünger, fitter und ohne Hund unterwegs war.

Und dann vollzog sich eine Wandlung, mit der ich heute nicht mehr gerechnet hätte: Als Pippa merkte, dass es ab sofort auf dem von ihr präferierten Weg weitergehen würde, peste sie voraus. Munter und bester Laune wieselte sie den schmalen Steig entlang, kein Hinsetzen mehr, der Blick ein völlig anderer, der ganze Hund wie ausgewechselt, und das, obwohl der Weg sich permanent bergauf und bergab dahinschlängelte und wirklich anstrengend zu gehen war.

Tja, hätte ich mal ein bisschen intensiver nachgedacht, hätte mir durchaus einfallen können, dass das Dackelfräulein ja Forststraßen hasst. Zumindest die, die bergauf führen (und nun offenbar auch bergabführende). Das ist schon seit Jahren so und im Nachhinein ist mir schleierhaft, wie ich nur nicht daran denken konnte, wo ich das doch eigentlich weiß.
Mein Fokus lag heute ausschließlich auf: Jetzt gehen wir mal ein paar bequemere Strecken, bis wir wieder in Übung sind.

Seit der Forststraßenhasser (kurz: FSH – womit wir die Kurve zum Beitragstitel bekommen hätten, was nach dem Tag und um die Uhrzeit keine Selbstverständlichkeit mehr ist) sich wieder auf einem Weg befand, der – und das scheint das entscheidende Kriterium zu sein – maximal dreimal so breit ist wie er selbst schmal ist, waren die Bergwelt und die performance für und von Fräulein Hund wieder vollkommen in Ordnung.

Ich war einerseits erleichtert, dass mit Pippa alles ok ist, andererseits ad hoc ziemlich gefordert. Denn mir war eigentlich nach Abstieg und Dahintrotten auf breiterem Weg. Nach ein paar Eingewöhnungsminuten ging’s dann schon. Bis der Pfad schmaler und schmaler wurde und irgendwann die erste drahtseilversicherte Stelle kam.

Ja verdammt, auch das hatte ich nicht mehr parat.
Also Stöcke an den Rucksack und Hund in die eine Hand, die andere Hand fest ans Seil. Wenn’s steil runtergeht, ist das aber vorwärts so nicht machbar (wegen der Gefahr des Übergewichts und Vornüberfallens), daher das Ganze rückwärts. Auf sowas war ich heut nicht vorbereitet und entsprechend hat’s mich beansprucht.

Ich kürze jetzt mal etwas ab, denn diese Alpinabenteuer anderer Leute, bei denen jeder Tropfen Angstschweiß und jede Serpentine wortreich gewürdigt wird, gehen einem ja schnell auf den Wecker.

Es ging eine Stunde lang so dahin: mal an der Seilsicherung nach oben, mal nach unten steigend, mal mit Hund im Arm, mal mit Hund im Tragetuch vor der Brust (wir haben jetzt so ein Baby-Ding, perfektes Dackelformat, nur ein elendes Gefummel, bis die Vergurtung fest sitzt und der Hund drin ist), vorwärts, rückwärts, freihändig, festgekrallt. Das Dackelfräulein hat das alles super gemacht, ist sofort stehengeblieben, wenn so eine Drahtseilstelle kam und hat toll stillgehalten während sie getragen wurde, ich wie eine Irre schnaufte und absurde Kurzmonologe hielt (alles dabei, was es an existenziellen Restgedanken so geben kann).
Physisch und psychisch war’s ein bisschen wie dies hier (nur ohne Schlucht in der Mitte) oder wie das (nur ohne Tiefschnee und Sturm).

Auf der ersten Almwiese nach dieser Kletterpartie – es war zwischenzeitlich nach halb sechs, was so auch nicht geplant war und auf dem anderen Weg nie passiert wäre – erstmal große Erleichterung: ein Gemeinschaftspipi und eine Verschnaufpause mit dem letzten Käsebrot (fair geteilt in der Seilschaft) und dem restlichen halben Liter Wasser.

Schließlich auch wieder auf den Weg gestoßen, den wir hochgekommen waren, dort eine Beschilderung entdeckt, die auf der anderen Seite des Berges, wo wir auf diesen Steig abgebogen waren, leider fehlte, aber echt hilfreich gewesen wäre, weil ich den Weg nach dem Hinweis nämlich nicht genommen hätte (auf das Risiko hin, dass der FSH dann halt einen Scheißtag gehabt hätte).

Ein paar Meter neben dem Schild noch der Beweis, dass solche Schilder wirklich wichtig und auch ernst zu nehmen sind, weil einfach nicht alle den Grat über die Sonnenspitze bewältigen.

Endlich den Kolbensattel erreicht, von dem aus es nur noch 40 Minuten bis ins Tal wären (wenn auch auf einer Forststraße), aber wegen etwas wackliger Knie doch mal am Sessellift gefragt, ob die einen da mit Hund noch hinunter befördern würden, obwohl sie schon Feierabend haben.

An meinem Charme kann’s nicht gelegen haben, dass das klappte, weil ich sah, wie Sie sehen können, schon etwas derangiert aus.
Das Dackelfräulein hingegen war bester Dinge und fand den Tag, den Abend, den Berg, die Menschen und sogar diesen Sessellift total prima, wedelte den Liftboy fröhlich an und der öffnete dann ebenso fröhlich nochmal den Zugang zum Lift („Kann er nimmer, der Waki? Ja dann kemmts her!“ – ich ließ das mal so stehen und konzentrierte mich aufs Einsteigen, denn Sessellift hatten wir zusammen auch noch nie).

Jedenfalls sind wir jetzt wieder in Übung. Ging wirklich ungeahnt schnell.
Das nächste Mal such ich vorher gleich Wege aus, die dem FSH liegen und auf die ich dann aber auch rundum vorbereitet bin.

Machen Sie so einen Mist, den wir heute gemacht haben, bloß nicht nach.
Egal, wie Ihr Hund Sie anguckt.
Bleiben Sie der Chef, sonst hängen Sie womöglich ungewollt in den Seilen – und das auch noch mit Ihrem Hund.

Gute Nacht!

Kängurumutter im Tiefschnee oder: Wozu ein bewegtes 2018 gut war.

2018 ist nun vorbei und fertig archiviert. „Zahltag“ ist ja immer der 31.12., jener Tag, an dem man sich als Hundebesitzer irgendwohin verkriecht, wo Ruhe herrscht und einem keine 500 Öcken pro Nase (oder mehr) für irgendeinen zwei- bis dreitägigen Jahreswechselvollfressverwöhnpensionbespaßungszinnober abgeknöpft werden.

Nicht einfach, da was zu finden für nur eine Nacht, vor allem wenn man erst kurz vor Weihnachten zu suchen beginnt.

In der niederbayerischen Einöde zwischen Deggendorf, Plattling und Isarmündung bot uns ein Gutshof noch einen bezahlbaren Unterschlupf für die anstehende Hundehorrornacht. Das Landgut ist wohl sonst eine Location für Hochzeiten, aber bei 4 Grad und Pissregen am Silvestertag kaum frequentiert. Also auch keine Rüden weit und breit. Stattdessen Matsch und Grau so weit das Auge reicht – und es reichte kaum bis Deggendorf hinüber und die dahinter beginnenden Hügel des Bayerischen Waldes konnte man auch nur mit viel Fantasie aus den Formationen der Regenwolken imaginieren.

Das große Doppelzimmer in jagdlicher Optik gestaltet und mit ebensolchem Interieur versehen, was dem kleinen Jagdhundfräulein freilich bestens zu Gesichte stand, aber auch meinem verregneten Gemüt taten die Wände in hoffnungsfrohem Grün (ein mittleres Dunkelgrün, so dass es auch nicht zu aufdringlich und heiterkeitsheischend daherkam) recht gut.

Zahltag also. In der niederbayerischen Einöde ein bisserl Bilanzieren (= alten Kalender durchblättern, neuen Kalender beginnen, maßvoll Reflektieren, keine Vorsätze notieren, wohl aber ein paar Nachsätze zu diesem doch insgesamt sehr speziellen Jahr, das sich nun bucklig seinem Ende zuneigte), an den Kachelofen gelehnt, im Teeglas rührend und mit dem Herrn Jesu im Gnack, wie sich das auf dem Land so gehört. Aus den Lautsprechern der Bibliothek ertönt „Sempre, sempre“, wird alsbald von Austropop abgelöst, und weil wenig später Costa Cordalis die Stimme erheben will, wird schließlich alles von einem Fausthieb des Gatten erlöst (dieses Satzende fügt sich auf einem Gutshof, der lange ein Jagdsitz war, gefälliger in den Text als: „Wir ersuchten die Bedienung höflichst, das unsägliche Radio abzuschalten.“).

2018.
92x geschwommen, 35x Berge erklommen, 41x gelaufen im Wald/Park, 204x große Spazierrunden mit dem Dackelfräulein absolviert, insgesamt 1972 km per pedes (im Wasser: ca. 150 km) fortbewegt.
Nicht, dass ich das wirklich so exakt errechnen könnte, aber als beim groben Überschlagen der Wegstrecken 1.970 km rauskamen, hab‘ ich einfach noch 2 dazugegeben, um bei meinem Geburtsjahr zu landen.

Ist das jetzt viel oder wenig?
Keine Ahnung. Es hat mir jedenfalls gut getan.

Und am dritten Tag des neuen Jahres offenbarte sich mir dann auch, wozu all der Sport, all die Bewegung, all die gelaufenen, hinauf- und hinabgestiegenen Kilometer gut waren. Wozu der wohltrainierte Arm- und Beinschlag beim Kraulen in Wahrheit dienen sollte. Worauf das alles abzielte und hinauslief.

Auf einen Einsatz als Kängurumutter im Tiefschnee.

Denn wenn Sie da nicht einigermaßen im Training sind, keine Kraft in Armen und Beinen haben oder zu wenig Übung oder Kondition im Berggelände – dann können Sie das knicken. Dann versagen Sie nämlich als Kängurumutter im Tiefschnee kläglich!

Heut‘ Nacht hat’s dick geschneit im Voralpenland. Das Kreuther Tal, gleich hinterm Tegernsee gelegen, ist ohnehin ein Schneeloch, ein Kälteloch ebenso.
Wir (viel zu spät und viel zu wetteroptimistisch) hinauf Richtung Roß- und Buchstein, unterwegs setzt erneuter Schneefall ein, man muss die Grödel aufziehen, damit man im steileren Gelände nicht abrutscht. Der Gatte, früher zwar mal Gebirgsjäger, aber heutzutage mehr Tagungsjäger, ist an seinem ersten Urlaubstag seit Monaten nicht wirklich begeistert von diesen Strapazen, schlägt sich aber wacker. Am wackersten schlägt sich allerdings das Dackelfräulein: immer drei Schneepfluglängen voraus, trotz der kurzen Beinchen, unterwegs noch ein paar Tannenzapfen unter der Schneedecke ausbuddelnd, um den Zweibeinern mit lustigen Spielangeboten noch zusätzlich einzuheizen, obwohl der Schweiß eh schon rinnt. Ein Bollwerk an Ausdauer, an Lebens- und Bewegungsfreude sowieso. Irgendwann ist die Hütte erreicht, zu dritt sitzen wir auf der Bank, bei Heißgetränken und Kalorien, die uns für den Abstieg präparieren sollen.

Draußen schneit’s mittlerweile wie blöd. Der Zustiegsweg kaum noch zu erkennen. Um noch vor Anbruch der Dunkelheit wieder hinunter zu kommen, muss die Pause in der Hüttenwärme kurz gehalten werden: Umziehen, Essen fassen, was Trinken, Aufwärmen, Durschnaufen, neu Vermummen und Aufbruch.

Dann der fatale Fehler: Wir stehen nach dem Aufbruch ein paar Minuten im Schneesturm vor der Hütte, um die Grödel wieder aufzuziehen (kein Hüttenwirt hat das gerne, wenn man das drinnen tut). Es ist eiskalt, man sieht vor lauter Schneegestöber kaum die Hand vor den Augen. Das Fräulein fiept und fängt an zu zittern, weil sie ja warten muss, bis wir mit dem Schneekettengefummel fertig sind. Als wir endlich losgehen, läuft sie eng neben mir, bibbert erbärmlich und steckt bis zum Hals im Tiefschnee. Kalt loslaufen ist das Dämlichste, was man machen kann. Und so ein Dackel wird nun mal nicht mehr warm, wenn er zu 85% im Schnee versinkt, unsere Chancen stehen weitaus besser, da wir immerhin zu 85% aus der weißen Pracht herausragen. Wir versuchen alles, um sie zu ermuntern, ich renne mit ihr ein Stück, aber sie kommt nicht hinterher. Bleibt stehen, setzt sich sogar hin, guckt mich mit vereistem Bärtchen hilfesuchend an – und dann begreife ich: Sie schafft es nicht, das hatten wir noch nie, aber ihr ist so kalt, dass es einfach nicht geht. Also Rucksack runter, Stöcke rein, Rucksack wieder hoch, Hüftgurt festzurren, dann Jacke auf, Hund rein, Jacke zu, einmal tief Luft holen, höchste Konzentration und nun ohne Stöcke und im Trab bergab, eine Hand unter den Dackelpopo, die andere um das Köpfchen, das schon völlig eingeschneit ist. Die Sicht ist beschissen, der Weg von Schneewehen teils wie weggefegt, es schneit mir zum Kragen rein, ab und zu – so wacklig bergabsurfend – verdreht’s auch das Knie, aber tief in mir drin ist diese Gewissheit spürbar: Ich werde das schaffen. Das flüstere ich mit blaugefrorenen Lippen auch dem Fräulein zu, das erst noch friert wie ein Schneider, aber nach einer Viertelstunde – so gut und sicher eingepackt in seinem Kängurubeutel – doch langsam wieder auftaut und warm wird.

Nach einer halben Stunde schmerzen die Arme, vor allem die Handgelenke, eigentlich auch der Rücken und die Beine, aber eine Pause können wir uns um die Uhrzeit und bei den Wetterverhältnissen nicht erlauben.
Der Gatte holt uns immer mal wieder ein, rubbelt die Eisklümpchen vom Dackelkopf und putzt mir die Nase, denn eine freie Hand hab‘ ich ja nicht.

Nach anderthalb Stunden Dauerlauf erreichen die Kängurumutter und ihr Kleines schließlich und endlich mit erfrorenen Rüsseln, aber ansonsten gut durchwärmt das Auto.
Arme und Beine haben tatsächlich durchgehalten, keine Sehne ist gerissen, kein Muskel gezerrt, kein Finger gebrochen. Und der Hund ist wohlauf, was ja eh das Wichtigste ist.

Es lebe der Sport.
Und es lebe auch die Sitzheizung, die einem die triefnassen Klamotten bis München wieder trocknet.

Ge_danke_n 2018 (9).

„Dass mir der Hund das Liebste sei,
sagst du, o Mensch, sei Sünde?
Der Hund blieb mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde.“

Den heutigen Ge_danke_n wollte ich – garniert mit diesem Spruch vom Assisi Franze – meiner über alles geliebten Pippa zu ihrem 7. Geburtstag zueignen. Weil diese Sentenz absolut den Tatsachen entspricht. Eigentlich.

Denn ausgerechnet heute ist mir das Fräulein quasi untreu. Gestern auch schon. Und morgen vermutlich auch noch.

Man muss es so hart sagen: Madame Hot Dog würde uns gerade gegen jeden dahergelaufenen Rüden eintauschen ohne mit dem Barthaar zu zucken. Wirklich gegen jeden! Alter, Aussehen, Abstammung, Ausbildung – alles wurscht. Hauptsache Rüde. Zur Not auch kastriert. Oder Chihuahua.

Das ist hormonell gesehen zwar nachvollziehbar, aber menschlich betrachtet dennoch etwas enttäuschend. Was ich ihr auch gesagt habe. Schließlich würde ich sie umgekehrt für keinen Mann der Welt drei ganze Tage lang links liegen lassen außer vielleicht für Peter Quinn, Bruce Springsteen, Arjen Robben, Kiefer Sutherland,… .

Nun gut. Übermorgen wird das Zitat wieder zutreffen. Und ein bisserl leid tut sie mir ja auch, weil wir ihr nicht gestatten, ihrer Natur zu folgen und sie dann einfach unterstützen, wenn in 9 Wochen ein paar maulwurfswinzige Welpen durch unseren Flur wuseln würden.

Mein Dank gilt also den anderen 362 Tagen voller Liebe, Treue, Abenteuer, Freude, Aufmerksamkeit und Aufrichtigkeit, auch das ist ja mehr als genug. Kriegt kein Mann Mensch hin.

Alles Gute zu Deinem Geburtstag, Du kleines Luder, Du mutiger, fröhlicher und kluger Hund, Du beste Gefährtin in allen Lebenslagen – meine ganz große Hundeliebe bist Du.

Hand in Pfote und Seite an Seite werden wir hoffentlich noch mindestens weitere 7 Jahre zusammen durch die Welt und das Leben wandern!

Be the person your dog thinks you are!

Ge_danke_n 2018 (7).

Er hat es doch nochmal getan. Trotz seiner zittrigen Hände.

Eine gut gefüllte Plätzchendose hat er mir überreicht.

„Es dauert halt jetzt“ – ich zitiere – „fast eine verdammte Woche, bis die 12 Bleche bzw. die 6 Sorten gebacken sind.“ Oh weh!

Dabei, lieber Papa, sag ich Dir doch schon seit Jahren, dass für uns eigentlich 3 Sorten reichen täten (die Spitzbuben, die Schoko-Zimt-Blätter und die Vanillekipferl). Dann allerdings gern von jeder dieser Sorten 4 Bleche, so gesehen wäre Dein Aufwand auch nicht geringer…

Egal, bis auf eine Sorte futtern wir das trotzdem mit großem Genuss weg (und dass diese Sorte auch in der Dose gelandet ist, lag sicher an deiner Lebensgefährtin, die die Dose bestückt hat, denn Du weißt natürlich, dass ich Marzipan nicht ausstehen kann. Der Gatte übrigens auch nicht. Pippa würde sie sofort verputzen, darf aber nicht.).

Aber der größte Part meines Dankeschöns gilt nicht Deinen leckeren Plätzchen, sondern der Tatsache, dass Du für mich der allerbeste Papa bist: weil ich mich immer auf Dich verlassen kann, Du immer für mich da warst, ich Dir so vieles zu verdanken habe und wir uns trotz zäher Dispute und unterschiedlicher Ansichten in den vergangenen vier Jahrzehnten immer wieder zusammengerauft haben (ja, „haben“, denn je älter du wurdest, desto milder wurdest du auch).

Es ist wunderbar, dass wir uns an Weihnachten nicht sehen müssen, um uns unserer Liebe zu versichern oder irgendwelchen Vorstellungen von „Familie“ Genüge zu tun (zumal es ja eh nur noch uns beide gibt), sondern dass mittlerweile jeder den anderen entspannt dort sein lassen kann, wo er eben sein muss oder möchte: Du im Kreise der Großfamilie Deiner Lebensgefährtin und ich lieber gemütlich, in kleinster Runde und aller Stille zuhause. Vor 20 Jahren war das noch in jedem Advent ein langwieriges Streitthema, seit 10 Jahren ist es endlich keine Frage mehr. Auch dafür bin ich dankbar, dass das jetzt so ist und sein darf.

Bevor es nun zu rührselig wird und weil heute sowieso jeder Anderes zu tun hat, als lange Texte in WordPress zu lesen, wünsche ich Dir – und allen Leserinnen und Lesern – einen schönen Weihnachtsabend sowie erholsame, harmonische, gemütliche, leckere und lockere Feiertage!

Ge_danke_n 2018 (4).

Ein besonderer Dank gebührt meinem Lieblingsschwimmbad.

Auch in 2018 hat es wieder konsequent einen großen Beitrag zu meinem Wohlgefühl oder zur Reparatur meines oft angegriffenen Nervenkostüms geleistet. Bis zum Jahresende werden wir uns wohl 92x gesehen haben, damit haben wir den Highscore mal wieder nicht geknackt, was uns aber auch wurscht ist, weil man die Innigkeit unserer Beziehung ohnehin nicht in Zahlen ausdrücken kann, erst recht nicht, wenn man schon so lange zusammen ist wie wir.

Ja, ab und zu gehe ich auch mal fremd.
Das Freibad in Rottach-Egern hat schon was. Auch der Starnberger See oder der Tegernsee. Und 2018 habe ich sogar ein tolles Schwimmbad in Straßburg kennengelernt!
Aber letztlich komme ich immer wieder zu „meinem“ Schwimmbad zurück. Es geht mir nichts über dieses Ganzjahresfreibad mit 50-Meter-Becken, über meinen Spind, das Wissen um die am besten funktionierende der 10 Duschen, um all die eingespielten Abläufe dort (5 Min vom Betreten des Bades bis zum Beckenrand, das bekäme ich anderswo nie hin, schließlich muss man sich ja erstmal orientieren).

Wir sind wie ein eingespieltes Ehepaar. Nun gut, es gibt bisweilen mal Krisen, sogar kleine Sendepausen und Zerwürfnisse, aber hier geht es ja um die Betrachtung dessen, was schön war im zuendegehenden Jahr 2018, deshalb soll das Ärgerliche an dieser Stelle unerwähnt bleiben.

Und letztlich ich kann wirklich aus tiefster Überzeugung sagen: Ich möchte mit dir zusammen alt werden, liebes Dantebad!