Zum Tag der Deutschen Einheit oder: Brandenburg meets Bayern.

Hätte man nach all den Vorreden und Vorwarnungen ja nicht gedacht, wie flott sich die Delegation aus Brandenburg, die wir für eine Urlaubswoche ins Tölzer Land gelockt hatten, aufs Seekar hinaufschraubte, alle Achtung!

Natürlich hatte ich sie zuvor mit einer krass kulant berechneten Gehzeit tiefenberuhigt, so dass schon klar war, dass das motivieren würde, wenn man da trotz Kniezwicken weit drunterbleibt, aber dass ich mich so verkalkuliere, hätte ich nicht gedacht. Sollten sie nochmal hierher reisen, werden sie ins Karwendel geschleift, so viel steht fest.

Der gesamte Donnerstag ein Herbsttag wie aus dem Bayernbilderbuch, sogar nochmal (vielleicht letztmalig?) T-Shirt-Wetter auf 1.400 m, die Lieblingshütte hübsch neu verschindelt und bedacht, das Reutberger Klostergebräu lecker wie lang nicht mehr und als Sahnehäubchen ein 1a Blick auf die bereits weiß eingestäubte Gipfelkette im Südwesten.

Alle glücklich und zufrieden, vor allem das Dackelfräulein, das ja selten ganztags mit 5-facher Zuneigung und Aufmerksamkeit bedacht wird, selbst der Leonberger-Rüde auf der Hüttenterrasse, der zu gern mal intensiver an dem Hotdog geschnuppert hätte, hielt sich angesichts der wachsamen Fünferkette brav im Abseits.

Jedenfalls ein gelungenes Blogger-Blind-Date heute vor einer Woche (wenngleich der Blind-Faktor nach einigen Jahren des Mailverkehrens und Geburtstagspäckchenpackens eher gering war) und ein schöner, dieser Erstbegegnung folgender Bergtag in meinem innig geliebten Tölzer Land.

Wir wünschen den Brandenburgern heute eine gute und sturmfreie Heimreise & hoffen, es möge Euch trotz aller bajuwarischen Urlaubswonnen ergehen wie einst Eurem Landsmann Fontane, der der ersten Auflage seiner Wander-Prosa die Erkenntnis voranstellte, dass einen erst die Fremde lehrt, was wir an der Heimat besitzen.

Himmel der Bayern (22): Gipfeltreffen.

Und gleich das nächste blind date – heute: Mr. Speedhiking, WordPress-Weggefährte seit ungefähr anderthalb Jahren und Top-Kommentator auf meinem Blog (bis dato 136 Kommentare, nur 1 weiterer fehlt noch zu meiner Lieblingszahl!).

„There’s no debate, we need a date“, kommentierte er flugs, kaum war das Kraulquappe-meets-hikeonart-Wochenende vorüber.

Gesagt, getan.

So kam’s dann heute, bei besten Bedingungen unter dem Bayernhimmel (sehr heiß, aber gottseidank ein Lüftchen und ein paar Wolken dazu), zum Gipfeltreffen in den Ammergauer Alpen.

Herr Speed hatte sich vernünftigerweise schon gestern speedmäßig ausgetobt – denn der heutige Bergtag mit zwei Frauen an der Hacke (1x müde und mit Schulterschmerzen, 1x schlapper Hormonjunkie) und nur 700 Höhenmetern Tagesleistung wäre dafür nicht geeignet gewesen (gleichwohl als Trainingsgelände mehr als passend).
So konnte er sich voll und ganz auf seinen ersten Einsatz als Wurst-Lieferant und Träger eines scheinträchtigen Dackelfräuleins konzentrieren und diesen mit Bravour meistern.

Pünktlich zur vereinbarten Minute rollten die Autos einmal von Osten, einmal von Westen kommend auf den Parkplatz. Zur Begrüßung wurde die Box mit den Mini-Wiener geöffnet – die beste Eintrittskarte in ein Hundeherz! – danach fix die Schuhe geschnürt und los ging’s.

Schon nach wenigen Metern schien es, als solle mein Plan, den Pürschling via Schleifmühlenklamm zu besteigen, heimtückisch torpediert werden. Ein Schild verstellte uns den Weg: „Durchgang gesperrt – Erdrutsch und Brückenarbeiten.“ Vermutlich ein perfide arrangierter Versuch von Herrn Speed, a) meine Flexibilität oder Risikofreude zu testen oder b) die Unerlässlichkeit seiner eigens für diese Unternehmung besorgten topografischen Wanderkarte zu demonstrieren?

Er endete mit dem Ergebnis, dass wir uns von Erdrutsch und Brückenarbeiten nicht abschrecken ließen, ebenso wenig von den hinreichend bekannten Zeitungsmeldungen, die solchem Übermut ja gern folgen („Tragisches Ende eines Ausflugs: Kleine Wandergruppe in Schleifmühlenklamm gestürzt, da die Warnhinweise der Gemeinde ignoriert wurden“).
Spaß beiseite, man hätte jederzeit umkehren können, die Klamm ist ziemlich harmlos. Von Erdrutsch war nirgends etwas zu sehen. Und die Brückenarbeiten bestanden aus einem fehlenden Brückenbodenstück, an dessen seitlicher Einfassung balancierend man aber mühelos die 2 Meter große Lücke überwinden konnte.

Nach einigen Badepausen für das hechelnde Dackeltier erreichten wir das Josephskircherl.

Hier durften sich Herrn Speeds treuer Berggefährte Dr. Schmitt und Pippa erstmals beschnuppern und ausgelassen spielen. Zugegebenermaßen etwas zum Nachteil von Dr. Schmitt, dessen Kopfschmuck anschließend ein wenig derangiert wirkte, aber das ließ sich mit ein paar Handgriffen wieder richten.

Fast auf dem Pürschling angekommen nutzte Pippa unseren Abstecher zum Gipfelkreuz für eine schamlose Plünderung des Speedhikingschen Rucksacks (vermutlich handelte es sich bei der Beute um mindestens zwei weitere Mini-Wiener)…

… so dass wir die Beine und unser Gepäck unter den Arm nahmen und dem Winken der Himmel-der-Bayern-Fahne zur nahegelegenen Alpenvereinshütte folgten …

… um uns dort zu einer ausgiebigen Pause niederzulassen.

Mit Zugspitzblick genossen wir die Hopfengetränke…

… sowie das in Bayern stets unvermeidbare Lokalkolorit …

… und fütterten den vom Winde verwehten Schneehasen, der in Sachen Jause bisher mit dem Ofenrohr ins Gebirge schauen musste (immerhin ins Wettersteingebirge).

Satt, zufrieden, ausgepowert und mit Kletten übersät lümmelten die beiden dann einträchtig auf der Wiese herum…

… bis es schließlich „Kompanie, Marsch!“ hieß und wir wieder ins Tal abstiegen.

Alle anderen Details zum heutigen blind-date-mountain-trail wie neueste User Manuals zur Mechanik des Alpwesens, beeindruckende Excel-Tabellen mit unseren Gehzeiten, Anzahl der Badestopps inkl. Wassertiefe und -temperatur u.v.m. werden mit Sicherheit in Kürze hier nachzulesen sein.

Schee war’s!

Herzlichen Dank an Hr. Speed & Dr. Schmitt für den schönen gemeinsamen Wandertag!

(Man beachte den Untertitel! Schön, dass man da jetzt auch mal war.)

Himmel der Bayern (21): Zwischen Gespinstmotten und Russ’n.

Kann sein, dass ich noch ein Fan von blind dates werde.

Seit ich blogge, mache ich mit dieser Art des Kennenlernens nämlich ausnahmslos gute Erfahrungen. Damals, gefühlte Jahrzehnte ist’s her, zu Zeiten der Partnersuche, waren von den wenigen auf diese Weise angebahnten Begegnungen fast alle ein Griff ins Klo. Ob es wohl daran lag, dass ich mich damals ausschließlich an blind dates mit Männern versuchte?

Heute date ich Frauen. Und ganz so blind wie früher stolpere ich auch nicht mehr in diese Treffen hinein.

Im Gegenteil: Von der einen hatte ich schon etliche Geschichten und zig Zitate quer durch die Weltliteratur gelesen, bei der anderen wusste ich um jede Vorliebe und Abneigung ihres Hundes sowie um zahlreiche persönliche Details des „Rudel-Lebens“, mit der nächsten teile ich dieselbe große und einzig wahre, lebenslange Musik-Liebe und irgendwann tauchte dann auch die eine auf, die liebend gern schwimmt, ähnliches Equipment im Badezimmer verwendet und der Zahl 13 ebenso zugetan ist wie ich.

Als sie sich neulich meldete und mitteilte, dass sie mit Kind und Kegel ein paar Tage in München sein würde, hatte ich dank ihres an Kunstwerken/Zeichnungen/Selfies reichen Blogs bereits ein präzises Bild von ihr. (Gut, als wir uns dann vorgestern am Fischbrunnen verabredet hatten, kam sie in anderem Outfit daher, trotzdem haben wir uns gleich erkannt.)

Angedacht war erstmal ein blind date zu zweit und vielleicht an den folgenden Tagen noch eine Fortsetzung, bei der unser gesamter Anhang mit von der Partie sein sollte.
Für den Fall, dass wir uns mit diesem Vorhaben zu weit aus dem Fenster gelehnt hätten, wurde vorab sicherheitshalber eine Parole vereinbart, mit der man sich nach dem ersten Abend auf unpeinliche Art aus der Affäre hätte ziehen können, wenn die Chemie doch nicht gepasst hätte (meine: „Sorry, der Hund hat Durchfall, wir können leider nicht weg“).

Der Hund hatte weder real, noch fiktiv Durchfall und auch die andere Seite machte von ihrer Parole keinen Gebrauch.

Stattdessen haben wir viel gefuttert, geredet, gelacht und sind noch mehr gelaufen. Außerdem weiß ich dank ihrer botanisch-biologischen Expertise nun endlich, wie der Kokon der Gespinstmotte aussieht (und sie kann nun zielsicher „an Russ’n“ bestellen).

Danke, liebe Heike, für die Initiative – es waren zwei rundum schöne Begegnungen mit Dir und Euch!

Bis zum nächsten Mal gelobe ich, mich nachts nicht mehr im Gärtnerplatzviertel zu verlaufen, aber ich hoffe, ich konnte diesen faux pas durch die heute präzise vorbereitete und ohne jede Panne durchgeführte Groß-Expedition durch den nördlichen Englischen Garten wieder wettmachen.

Im Aumeister (vergrößern lohnt nicht, da ist keiner von uns drauf!).

Hikeonart & pseudopregnant Pippa & Kraulquappe.

Ein schönes restliches Wochenende wünscht allen Leserinnen und Lesern
Die Kraulquappe.

We told each other that we were the wildest… (The Bobby&Pippa-Theme)

Die neue Woche beginnt mit einem gemütlichen Hund-Mensch-Frühstück an einem eigens hergerichteten Tisch in der Lobby. Und sie beginnt sonnig.

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Beste Voraussetzungen also für ein BDBD, das für heute anberaumt war. BDBDs sind Blog-Dog-Blind-Dates, die sich aus der Bloggerei von Hunden und ihren Haltern ergeben, wenn die zentralen Interessen „matchen“ (wie man in der Partnerbörsensprache so sagt).

Für die Hunde-Singles wird von den jeweiligen Besitzern ein Treffen arrangiert, bei dem es Einiges zu beachten gilt:

  • stabile Wetterlage, denn niemand möchte seinen potentiellen Gefährten im Pissregen kennenlernen, wo es einem die Frisur verhagelt
  • gute Beschnupperbedingungen, d.h. kein Aufeinandertreffen in beengten Verhältnissen oder Räumen, in denen einer der beiden bereits Revieransprüche anmelden könnte
  • adäquater Spazierweg für einen ausgedehnten, leinenlosen Ausflug – möglichst auch ohne Konfrontation mit anderen Hunden, Katzen, Hasen, Rehen, Wildschweinen oder Fliegen, die das Kennenlernen stören könnten
  • ausreichend Zeit und Ruhe, um einander besser kennenzulernen als es z.B. das sogenannte Speed-Dating erlaubt, das ja mehr auf Quantität denn auf Qualität setzt

Mensch kümmert sich also um diese Parameter, während Hund Zeit hat, sich in aller Ruhe auf das Date vorzubereiten.

Bei den Damen geht es um Fragen wie „Auf welches Parfum fährt der Rüde wohl ab – soll ich vorher noch duschen oder wälze ich mich besser in Kuhfladen?“, „Ist es geschickter, wenn ich mich bei der Begrüßung stürmisch gebe oder empfiehlt es sich, ein bisschen desinteressiert zu tun?“ und „Trage ich das lange Ohr eher offen oder bedeckt?“.

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Derweil wälzt der Herr Überlegungen wie: „Was mach‘ ich nur, wenn sie sehr klein sein sollte und ich spontan große Gefühle mit noch größeren Gesten zeigen will?“, „Wie lange muss ich wohl abwarten, bis ich endlich überall an ihr riechen darf?“ und „Welches ist das Outfit, in dem ich am besten als Gentleman rüberkomme und einen manierlichen Eindruck mache?“.

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Um 13 Uhr ist es dann soweit.

Das bayrische Isarfräulein Pippa und der gestandene Harzer Wanderkaiser Bobby treffen bei der alten Mühle des Burghotels Hardenberg – romantischer könnte die Kulisse kaum sein! –  aufeinander.

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Die Menschen haben eine 2,5 stündige Wanderung zur Nachbar-Burg Plesse vorbereitet und so zog man – nachdem die ersten aufgeregten Botschaften an das Brücklein und in die Wiese geschrieben und kommentiert worden waren – in zwangloser Runde plaudernd und einander beschnuppernd los.

Herrliche Waldwege luden ein zu ersten gemeinsamen Sprints, freie Felder animierten zur Teamarbeit bei der Mäusesuche und einige längere Steigungen sorgten auf natürliche Art und Weise für Gesprächspausen, in denen man auch mal schweigend nebeneinander her hecheln und den anderen dennoch an seiner Seite spüren konnte.

Fiel Pippa aufgrund ihrer kurzen Beinchen mal ein Stück zurück, wartete Bobby geduldig oder ging nach ihr schauen und kam gemeinsam mit ihr zurück. Als zwei Handtaschenhunde unseren Weg kreuzten und sich anschickten, ihre Nasen Richtung Dackeldame zu recken, intervenierte der selbstbewusste Labradoodlerüde umgehend und brachte dadurch unmissverständlich zum Ausdruck, dass die Kleine seine Verabredung war und die anderen nichts, aber auch gar nichts anging.

Und, was soll man sagen?! Hoch oben auf der Burg Plesse angekommen war alles geritzt. Einträchtig saßen die beiden nebeneinander…

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… man brauchte sie gar nicht mehr getrennt voneinander befragen, ob ihnen die andere Hälfte des Herzblatts zusagte …

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… denn während wir alle auf den Hotel-Shuttle-Bus für erdverkrustete Hunde und verschwitzte Menschen warteten, der uns zurück zur Burg Hardenberg kutschierte (kostenloser Service des wunderbaren Hotels!), wurden sowohl Wassernapf als auch Würstchen friedlich geteilt.

Nur schade, dass man den gelungenen Tag nicht noch gemeinsam bei einem anständigen Wildschweinragout in der Keilerschänke und anschließendem Kuscheln vor dem Kaminfeuer ausklingen lassen konnte, sondern die Menschen der Ansicht waren, dass man es beim ersten Mal nicht gleich übertreiben sollte.

So ging die Sonne schließlich hinter der Burgruine von Hardenberg ebenso einsam unter…

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… wie sich Pippa auf ihrem Lesesessel niederließ, um Bobby noch intensiv nachzuträumen.
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Ich schlich mich leise zu ihr hin, legte mein Ohr ganz sacht an ihres, und – siehe da! – ich konnte sie hören, die Melodie ihres Traumes.
Komponiert von den Erlebnissen des Tages und vollendet intoniert von der Atmopshäre an diesem magischen Ort, an dem nicht nur der große Bobby zu Besuch war, sondern auch the Boss himself, die beiden einander so ähnlich hinsichtlich Kraft, Vitalität und Energie – und so labradoodelte es in ihr:

Yeah, we told each other that we were the wildest
The wildest things we’d ever seen…

…. now I wished you would have told me
I wished I could have talked to you
Just to say goodbye Bobby (Jean).

Schön war’s, ihr beiden.
Danke, dass ihr hier wart & wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen!

Die Kraulquappe & ihr Dackel.