Gib ihnen noch drei südlichere Tage…

Drei Bayern in Südtirol.

Tag 1.

Kleine Bergtour zum Hexenbödele (klingt schwäbisch, war aber in den Sarntaler Alpen und schön dort) und große Almenwanderung mit Erdpyramidenbesichtigung. Am späten Mittag ein Teller Schlutzkrapfen, ein Schälchen Salat und ein Schluck Weißbier (wieso gibt’s hier ausschließlich Weihenstephaner?). Das Fräulein keift die italienischen Rüden an, ist ansonsten aber guter Dinge. Wir auch – die Aussicht auf Schlern und Latemar und das Wandern durch die kleinen Dörfer mit den hübschen Kirchen sind ein so unerwartetes Geschenk (und wir immer noch so überrascht von uns selbst, dass wir überhaupt hier sind). Abends spartanische Jause (Resteessen aus den Münchner Kühlschränken) in der kleinen Küche, die zu unserem unglaublich günstigen Zimmerchen in dem hübschen 700 Jahre alten Hof gehört (merke: je preiswerter das Zimmer und je älter das Gebäude, in dem es sich befindet, desto mehr Käfer sitzen in der Duschwanne und desto besser ist es insgesamt, die Brille daheim vergessen zu haben).

Tag 2.

Wir wollen nach Bozen. Autofahrt über schmale Sträßchen nach Oberbozen. Keinen Parkplatz gefunden. Von drei kleinen Parkplätzen darf auf zweien nur für 60 Minuten geparkt werden, der dritte Parkplatz ist rappelvoll. Nur 1 Stunde Zeit für Bozen ist natürlich völliger Käse, daher das Schicksal herausgefordert und auf einem der 60-Min-Parkplätze die Parkscheibe auf eine fiktive Ankunftszeit gestellt, die uns mit etwas Glück (oder gutmütiger Politesse) 4 bis 6 Stunden Aufenthalt in Bozen erlaubt. Hat geklappt. Genauso wie das Dackelfräulein in der Seilbahn, die uns von Oberbozen nach Bozen befördert, als Schoßhund (!) zu deklarieren – denn nur die dürfen dort ohne Maulkorb und Fahrschein mitreisen. Bozen empfängt uns mit T-Shirt-Wetter, zahlreichen maskierten Italienern und kaum Grashalmen (geschweige denn Wiesenfleckerln), so dass wir dem Fräulein zuliebe alsbald an den Stadtrand ausweichen, wo sich ein wahres Arboretum befindet, in dem auch ein paar italienische Rüden herumspazieren, deren Interesse auf keinerlei Gegenliebe stößt. Die hormonelle Situation ändert sich schlagartig gegen 17 Uhr, als uns in den Gassen der Altstadt (wir haben zwischenzeitlich fünf Stunden con bassotto a Bolzano hinter uns) ein unscheinbarer, zahnloser Malteserrüde begegnet. Das Fräulein ist nun paarungsbereit und wie immer sind Alter, Aussehen, Rasse, Benehmen und Bildungsstand egal. Nix wie zurück zur Seilbahn! Wir schweben hinauf nach Soprabolzano, erstehen dort noch ein paar Lebensmittel in einem winzigen Laden, fahren zu unserem Quartier zurück und feiern das Leben und dass wir dem biglietto entgangen sind.

Tag 3.

Laut Wetterbericht letzter Spätsommersonnentag. Wir sitzen müde beim Frühstück. Die Nacht war schwierig, weil das hormongepeitschte Teckelhirn stündlich Impulse zu ungewöhnlichem Verhalten sendete. Um 3 Uhr büxte sie aus meinem Bett aus, stürzte sich zu D. ins Bett und umarmte sie so heftig und innig, dass an entspanntes Atmen oder gar Schlafen nicht mehr zu denken war. Trotzdem will dieser Tag ausgekostet werden. Während D. an ihrem Teetässchen nippt, wälze ich die Wanderkarte. Noch einmal in diesem Jahr die 2.000m-Grenze überschreiten, das ist die Idee – wir setzen sie auf dem Rittner Horn um. Gute Entscheidung, denn der Hundumblick könnte besser nicht sein – schließlich will man der vierbeinigen Gefährtin ja was bieten am Welthundetag (erst recht, wenn sie schon nicht einen der vier Rüden haben darf, denen wir im Laufe des Bergtages begegnen). Sechs Stunden später noch ein letzter italienischer Kaffee kurz vor dem Parkplatz, der Schlern ist mittlerweile in dichte Wolken gehüllt, das war’s dann wohl mit der Nachspielzeit, die wir dem Sommer abgerungen haben. Um 20 Uhr fallen die ersten dicken Tropfen auf den Sims unseres Küchenfensters, beim Nachtgassi pfeift mir ein eisiger Sturm um die Ohren und das Einzige, was morgen, wenn wir (aller Voraussicht nach) bei leichtem Schneefall über den Brenner heimwärts fahren werden, noch an den Sommer 2020 erinnern dürfte, sind die Autoreifen.

Alpi Sarentine.

Ja wer hätte das gedacht? Völlig überraschend findet das Morgengassi heute in den Sarntaler Alpen statt. Mit Schlernblick!

Gestern Nachmittag in einer Hauruckaktion – nur 2,5 Stunden nach Geburt der Idee, was schon eine kleine Herausforderung ist hinsichtlich spontaner Quartiersuche und Zusammenpacken der Siebensachen – München verlassen und mit D. & dem Dackelfräulein in den Süden durchgebrannt. Schön hier!