Irish Passion.

Man kann ja über Facebook meckern, so viel man will: gezielt genutzt kann diese Plattform wirklich manchmal von Vorteil sein (und im Geiste danke ich dem, der mich vor gar nicht allzu langer Zeit überzeugt hat, mich da doch mal einzuklinken).

Nicht nur, dass man dort so gnadenlos gut ausgekundschaftet wird, dass man niemals eine Hunderampenwerbung für Doggen erhält, sondern exakt die für Dackel tauglichen Modelle empfohlen bekommt, genauso wie das lifehack-Filmchen zum korrekten Schälen einer Mango (oder Paprikaschote), oder dass Facebook einen über nahezu jeden Pups, den irgendein Mitglied der E Street Band gelassen hat (oder lassen könnte) in Echtzeit informiert – nein, man kann noch viel mehr Nutzen aus diesem Buch mit den vielen Gesichtern ziehen.

So auch am vergangenen Wochenende: nur wenige Stunden vor Beginn eines Glen Hansard-Auftritts noch eine Karte dafür zu ergattern, weil unter der auf Facebook kundgetanen Veranstaltung zahlreiche Kommentare herumgeistern. Da ist natürlich alles dabei von „Glen, I love you!“ über „Wie lange dauert das Konzert?“ und „Ich hasse die Akustik im Circus Krone!“ bis hin zu „Weiß jemand, ob es einen support act geben wird?“, aber mit etwas Zähigkeit findet man dort eben auch die eine oder andere Ticketofferte zu Nicht-Viagogo-Preisen.

C. aus dem Erzgebirge wurde am Samstag zum Beispiel sehr kurzfristig von jemandem versetzt und hatte nun ein Ticket abzugeben. Vor lauter Frust sogar um 50% günstiger, denn man weiß ja nie, ob man’s sonst loswird.
Da ich nicht nur im persönlichen Kontakt absolut zuverlässig bin, sondern auch unbekannterweise und schriftlich Zuverlässigkeit verströmen kann, wurden wir uns schnell einig, Uhrzeit und Treffpunkt für die Übergabe waren nach 5 Minuten via Messenger ausgemacht – und ein Konzert lang neben C. zu sitzen, auch das war ziemlich ok, denn der Dialekt hielt sich noch gerade so im Rahmen und bei Konzerten ratscht man ja sowieso nicht.

Glen Hansard war der Hammer, was ich allerdings auch genau so erwartet hatte, mir aber für 60€ nicht geleistet hätte, damals, als die Tickets in den Vorverkauf gingen und ich grad die Penunzen zusammenhalten musste für die große Nordlandfahrt.

Mein Erstkontakt mit Hansard war dieser hier:

Als ich das im Juli 2013 erstmals hörte, wusste ich: den musst du dir mal näher angucken! Und am besten auch mal solo & live erleben. Nun hat das also endlich geklappt!

Eine grandioses Stimmvolumen, und eine Inbrunst, mit der sich der Ire in jeden Song reinschmeißt – es war eine Freude, ihm zweieinhalb Stunden lang zuzuhören.

Und noch eine große Freude hielt dieser Abend bereit.

Bloggerkollegin Anna aus Göteborg war an dem Abend auch im Circus Krone, und weil der support act (eine nette, aber musikalisch belanglose Irin) so fad war, schrieb sie mir sehr bald per Messenger: „Ich hol mir jetzt ein Bier. Mag die Vorband nicht.“, und da es mir genauso ging, marschierte auch ich zur Bar, wo Anna bereits anstand.
So haben wir uns tatsächlich mal live gesehen, zusammen eine Halbe gezischt, uns unterhalten und die Zeit bis zum Auftritt von Glen Hansard bestens überbrückt.

Es war eine dieser schönen Begegnungen aus der Rubrik „Springsteen-Fans aller Länder, vereinigt euch!“, denn in der Blogosphäre war natürlich Bruce der Grund, wieso wir uns überhaupt „gefunden“ haben 🙂

Deutsch-schwedisches Bloggertreffen!

Das nächste Bier geht auf mich, Anna, und ich hoffe, dein erster München-Trip hat dir gefallen!

Von dem Konzertabend zehre ich noch heute, und das ist auch recht hilfreich so, weil wir uns zwischenzeitlich längst wieder in anderen Sphären befinden, da das sich schon seit fünf Wochen mit kurzen Unterbrechungen dahinziehende Kränkeln des Dackelfräuleins uns nun erneut in die Klinik führte, die Finanzamtfragen noch immer nicht alle beantwortet sind und der Installateur den Austausch der Badewannenarmatur nun schon mindestens so lange nicht hinbekommt, wie das Fräulein morgens vor lauter Übelkeit Gras frisst.

Ich sagte es ja, glaube ich, schon: der November, das ist mein Monat nicht.

Huidiei jodleiridldüeiouri. Zum 30. Mai 2019, für Papa.

Heast as nit
wia die Zeit vergeht
Huidiei jodleiri Huidiridi

Gestern nu‘
ham d’Leut ganz anders g’redt
Huidiei jodleiridldüeiouri

Die Jungen san alt wordn
und die Altn san g’storbn
Duliei, Jodleiridldudieiouri

Hab ich lang überlegen müssen, ob ich den Peter Cornelius nehme, die Jungs von S.T.S., den Harry Belafonte, den Paul Simon oder eben ihn hier – den Hubert von Goisern.

Hauptsache einen, den wir zusammen live gesehen haben. Und das waren ja einige, damals, als wir noch gemeinsam auf Konzerte gingen.

Für den Cornelius sprach, dass ich an das Schulhof-Lied so eine wunderbare Erinnerung mit dir habe. Wie wir das gesungen haben, in Hausschuhen durch den Flur tanzend, der Wellensittich ganz aufgeregt mitzwitschernd. Ich mochte den Text und ich mochte, wenn du dann ein bisschen was von Carla erzählt hast, deiner Mitschülerin in Kleve.

Für S.T.S. sprach, dass deren Hochphase sich exakt mit unseren wenigen gemeinsamen Wiesn-Jahren deckte, du und ich, im Zelt auf Bierbänken stehend, dein ganzes Büro mit dabei, diese lustige Bagage. Den Insel-Song liebten wir gleichermaßen, und auch den anderen, dort allerdings liebtest du die schwoarzn Lipp’n grüne Hoar-Stelle und ich die mit dem Rennbahnexpress-Titelblatt.

Für den anderen Insel-Barden sprach, dass das eigentlich das Lied ist, an das ich immer als Allererstes denke, wenn ich an dich und Singen oder dich und Musik denke. Nichts habe ich dich öfter singen hören als Island in the sun. Wenn du es beim Autofahren gesungen hast, trommelte stets dein linker Fuß mit, wenn du es beim Rasieren gesungen hast, wurden manche Zeilen durch Hmhmhmhm-Geräusche ersetzt, damit du die Rasur nicht unterbrechen musstest.

Für den Paul Simon sprach, dass das unser absurdestes Konzerterlebnis war. Alles, was du kanntest und dir gefiel, war mir unbekannt oder gefiel mir überhaupt nicht. Und umgekehrt. Unsere Schnittmenge an dem Abend war genau ein Lied: Graceland. Ich habe danach tagelang nichts anderes mehr gehört, nur wegen dieser einen Zeile (der mit dem Fenster im Herzen), und du konntest das Lied dann sehr bald nicht mehr hören. Und bei mir war’s genau umgekehrt.

Für den Hubert hab ich mich entschieden, weil da musstest du mich seinerzeit richtiggehend überreden und dann war das aber total klasse, dieser Abend im Circus Krone. Es war sein allererstes Konzert in München, ich hatte noch nie von Hubert von Goisern gehört. Fand das peinlich, dass wir zu einem Volksmusik-Abend gehen, aber du sagtest, das sei viel mehr als Volksmusik, das sei Alpen-Rock. Also bin ich mitgegangen. Und hab es nicht bereut, im Gegenteil.

Ja, die Jahre, die Jahrzehnte – sie sind so schnell vergangen, Papa.

Wenn ich heute so das obige Foto von dir angucke – du mit diesem Cowboyhut, den sie dir 1980 in Kanada verpasst haben, und den du dann von deiner Reise mit nachhause brachtest, und der mich so fasziniert hat, weil da mühelos mein gesamter Kopf reinpasste (diese so präzise Erinnerung: wie groß du mir vorkamst und wie klein ich mich fühlte, in deinem Hut) – dann wird mir klar:

Und gestern is‘ heit word’n
und heit is‘ bald morg’n
Huidiei jodleiri huidiridi

Heast as nit
Heast as nit
Huideridiri
Hollareiridiridldoueio hallouri

Alles Gute zum Vatertag, den du auf einer ionischen Insel verbringst (ein Kompromiss, diese Reise: denn die Lebensgefährtin wollte nicht ins Burgenland und du nicht nach Katalonien, und weil du seit ein paar Jahren ja tatsächlich Kompromisse schließt, bist du jetzt eben in Griechenland 😉 ) – bis bald in alter Frische am Tegernsee!

Meeting Wolfgang oder: Jraaduss.

Es ist nicht zu fassen. Der Wolfgang!

Da geht mal EINMAL ohne Handy aus dem Haus, und zwar auch noch alle beide OHNE Handy, was eigentlich quasi nie vorkommt, nur eben heute Abend. Meins hing daheim am Ladekabel, der Gatte hatte seins auf dem Schreibtisch liegen lassen. Schließlich wollten wir nur kurz was Essen gehen, weil mir nach meinem Hüttenwochenende schlicht und einfach die Kraft fehlte, mich heute Abend wie gehabt an den Herd zu stellen (Hüttenbericht folgt noch, aber klar!).

Im netten Lokalgarten angekommen, wies uns der Kellner den reservierten Tisch zu und als ich mich setzte und noch damit beschäftigt war, unterm Tisch das ideale Plätzchen für das alte, abgewetzte Restaurantkörbchen vom Dackelfräulein zu suchen, da raunt mir der Gatte schon zu: „Hast du das gesehen? Ist das nicht der Niedecken, da am Nebentisch?“

Und tatsächlich.
Ich gucke jraaduss und da hockt Wolfgang Niedecken (na klar, morgen und übermorgen spielt der ja hier! – fällt’s mir dann ein, ich seh ja schon seit Wochen immer beim Vorbeiradeln am Circus Krone die Plakate hängen).
Umringt von ein paar jungen Kerlen, vielleicht die Jungs, die als Vorgruppe auftreten (blöder Scherz) oder irgendwelche anderen Musiker-Spezln oder -Jünger, mit denen man sich halt so trifft, wenn man in der Stadt ist (der Gatte meint, es waren Journalisten, aber ich hätte gern, dass es Musiker waren). Ins Gespräch vertieft, bei einem frisch gepressten Obst-Gemüse-Saft. Nebst Gattin.

Jetzt bin ich kein riesiger BAP-Fan, aber ich mag manches von denen schon gern, sind halt so Ohrwürmer aus der Jugend (oder auch noch ein paar spätere) und zweimal hab ich die sogar live gesehen und fand’s doch recht gut (freilich auch, weil er „Hungry heart“ spielte 🙂 ). Einmal hab ich ihn solo erlebt mit dem „Niedecken singt Dylan“-Programm, bei dem mir seinerzeit sogar ein Tränchen über die Wange kullerte vor Rührung. Den Dylan ins Kölsche zu übersetzen, das hatte schon was, das war beinahe so gut wie „Ambros singt Waits“, damals im Circus Krone (die Waits-Songs ins Wienerische zu übertragen, das hat mich einfach noch mehr begeistert).
Ach ja, und als Gast auf Springsteens Bühne hab ich ihn auch erlebt, an jenem denkwürdigen Abend in der Kölnarena.

Obwohl ich kein Fan bin, denke ich sofort: Das ist ja toll, dass der Wolfgang da sitzt. Sieht man den mal aus der Nähe (hat sich verdammt lang gut gehalten) und hört den netten Dialekt (für mich gibt es außer München nur noch zwei andere deutschsprachige Städte, die ich – auch sprachlich – liebe: Wien und Köln). Ob man um ein Foto bitten soll? Wenn ja, wie macht man das, ohne dass es völlig peinlich ist? Und dann fällt mir ein, dass mein Handy daheim liegt, und ich frag den Gatten: „Hast du dein Handy dabei?“, er verneint und dann verwerfe ich diese vielleicht eh etwas kindische Idee.

Wir unterhalten uns, wir essen und trinken – und wir bändigen das Dackelfräulein beim Fliegenfischen.
Wie so oft ist es Pippa zu verdanken, dass Kontakte entstehen, wo ohne Hund nie welche zustande gekommen wären. Sie liegt nach einem ihrer zahlreichen und erfolglosen Nach-der-Fliege-schnapp-Versuchen sehr erbärmlich dreinblickend in ihrem Körbchen (in das sie zitiert wurde), in unglücklicher Seitenlage (weil sehr unfreiwillig), mit leicht irrsinnigem Blick nach schräg oben (die blöde Fliege könnte schließlich wiederkehren).
Dieses Bild des Jammers sieht einer der Jungs am Niedecken-Tisch, grinst breit und ruft schließlich etwas zum kläglichen Dackelchen herüber, worauf das Fräulein natürlich nicht antworten kann, also tun wir das. Daraufhin drehen sich alle am Nebentisch zu uns um. Auch der Wolfgang. Und schon ist man im Gespräch. Er hat auch einen Hund, einen Tibetterrier, hätte aber immer gern einen Dackel gehabt, weil er die toll findet, aber leider ist sein dreistöckiges Haus dafür nicht so geeignet. Tja, das stimmt natürlich, Treppen und ein Wursthund sind keine gute Kombination, da ist man als armer Mietwohnungsbewohner definitiv besser dran, denn da kann man problemlos einen Dackel halten.
Ein kleiner Plausch unter Hundefreunden. Anschließend wendet er sich wieder den Jungs zu.

Da das Eis aber nun gebrochen ist, greife ich meine kindische Idee wieder auf, überlege, wie wir das technisch lösen könnten und beim Bezahlen überreden wir die sehr junge Bedienung (die so jung ist, dass sie nicht mal weiß, wer oder was da am Nebentisch bappt), uns doch bitte ihr Smartphone zu leihen, damit wir ein Foto machen und es mir auf mein daheim ladendes Handy schicken können.

Ich klopf dem Wolfgang also auf die Schulter und frag ihn, ob er vielleicht mit dem schönen Dackelfräulein auf einem Bild verewigt werden möchte – und natürlich möchte er das unbedingt.

(Hundefotografie-Gesetz Nr. 1: So ein Hund guckt grundsätzlich nie wie gewünscht in die Linse, schon gar nicht, wenn’s mal schnell gehen muss.)

Aff un zo merk ich dann, wie joot et dunn kann,
Wemmer Luffschlösser baut un op Zofäll vertraut,
Jar nix mieh plant, op jar nix mieh waat – nur su!

Ja, so isses.
Danke, Wolfgang, und dann mal ein gelungenes Konzert an den nächsten beiden Abenden hier in unserer schönen Stadt!

Und natürlich darf das hier nicht fehlen (with special greetings to Sori in meiner österreichischen Herzensstadt!):