Weibaleitdog oder: Be happy.

Freitag. Frauentag im Kreuther Tal.
Das Fräulein und ich auf der Halserspitz, der Königsalm und danach in der Weißach. Mal wieder ganz ohne beruflichen Blick auf irgendwas, einfach nur gehen und gucken, keine Notiz, zu nichts, kein beim Gehen im Geiste verfasster Absatz zu einem Wegstück oder einer Beobachtung. Nur wir, der Berg und die Sonne.

Naja, nicht ganz. Wir gerieten etwas unerwartet mitten in den Almauftrieb, der dieses Jahr im Kreuther Tal so spät stattfand wie schon lang nicht mehr.
Überall Kühe, nicht ideal, wenn man mit Hund da durchmarschiert. Zumal die Kühe, wie ich gestern erleben durfte, ihren ersten Freilauf auf der Weide mit wilden Hüpfern und Sprüngen feierten – das verstört dann sogar den kuhgewohntesten Hund.
Also doch den Weg genommen, der als „gesperrt“ markiert war, wegen diverser Winter- und Sturmschäden. Klaro: vorher nachgefragt, ob man das riskieren dürfe, aber wenn der Almwirt meint, wir schaffen das, wenn wir trittsicher sind und über ein paar umgefallene Bäume klettern können, dann schaffen wir das auch).

Das Dackelfräulein liebt waldige Berghänge, Kraxeln über umgefallene Bäume und schmale Nebenpfade – und ich liebe es, wenn der Hund glücklich ist.
Auf den sonnigen Strecken weiter oben hechelt sie dann sehr und ich auch und ich sage zu ihr: „Mäuschen, wir sind nicht mehr die Jüngsten, mach langsam!“, was sie sogar beherzigt.
Hieve sie in jede Viehtränke (wirklich wie gemacht für die Dackelstatur, diese Wannen), hieve unseren Proviant den Berg hoch (der Rucksack, halb so voll wie bei den Wintertouren, kommt mir doppelt so schwer vor). Auf der Alm fast eingeschlafen, trotz Kaffee.
Demnächst, so denke ich dort im Schatten vor mich hin dösend, gibt’s hier im Blog mal einen Beitrag über Tabuthemen. Es ist zum Beispiel eine Schande, dass kaum jemand weiß, was Endometriose ist und was das im Alltag bedeutet. Und ebenso, dass über manche Symptome der Wechseljahre nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird.

Anschließend in Rottach-Egern im Garten des Papas die Füße hochgelegt (korrekt müsste es heißen: im Garten der Lebensgefährtin des Papas, denn er ist dort „nur“ Mitbewohner und ich somit keine Haus-am-Tegernsee-Erbin in spe, leider).
Ersten Aperol des Jahres serviert bekommen. Erstes Grillen in diesem Sommer genossen. Erstmals bis spätabends draußen gesessen.
Fräulein Hund hellauf begeistert von all den Gerüchen und Gaben und noch heller aufgeregt vom Kurzbesuch der Nachbarskatze. So ist das auf dem Land.

Wie oft wir wohl noch genau so dasitzen werden?, frage ich mich. Das frage ich mich schon lange und bei jedem Besuch. Eine unnütze Frage, und doch nicht abzuklemmen in diesem Hirn, das ständig vor sich hindenkt.

Der Papa und seine Lebensgefährtin zanken jetzt öfter als früher. Wenn im Alter alles immer beschwerlicher wird, sind manche Klüfte offenbar schwerer durch Humor oder Toleranz zu überbrücken.
Ihn nervt, dass sie so viel vergisst/verlegt/verdreht und sie nervt sein immer kleiner werdender Radius und sein immer größer werdendes Bedürfnis nach Struktur.
Ich sage es den beiden im Laufe des Abends, dass sie mittlerweile arg viel herumkeifen und dass sie doch froh sein sollen, dass jeder von ihnen noch Dinge kann, die der andere schon nicht mehr kann. Weil sich das doch immerhin ergänzt. Der Papa lächelt fast beschämt, die Lebensgefährtin guckt auf ihren Buchsbaum und ich bin nicht sicher, ob sie’s überhaupt gehört hat.

Spätnachts nachhause gefahren. Herrliche Fahrt durch die Sommernacht. Telefonat mit dem Gatten, der auf einer Theologen-Tagung weilt, seinen Vortrag hinter sich gebracht und sich auf sein protestantisch-asketisches Zimmerchen zurückgezogen hat, auf dem es eine Bibel, aber keinen vernünftigen Internetempfang gibt.

Nach nur 51 Minuten die Ludwigsvorstadt erreicht.
Daheim Ankommen nach so einem Tag ist ein etwas größerer Akt.
Erst fahre ich in den Hinterhof, dort halte ich vor dem Garagentor an. Dann steige ich aus, schließe das Tor auf, hole mein Rad aus der Garage, schiebe es zur Seite, befestige die Flügeltüren des Garagentores. Danach klappe ich den rechten Außenspiegel ein, hole das Dackelfräulein aus dem Auto, binde sie an einem Dachrinnenabflussrohr im Hinterhof an. Öffne den Kofferraum, hole das ganze Glump des Tages heraus, stelle es neben dem Hund ab. Steige wieder ein, lasse den Motor an, fahre das Auto vorsichtig in die enge, miserabel ausgeleuchtete Garage (in den 1950er Jahren hat keiner damit gerechnet, dass die Menschen 70 Jahre später mal viel breitere Autos fahren würden).
Ein Moment höchster Konzentration, jedesmal. Vor allem das mit dem Außenspiegel sollte man nicht vergessen!
Aussteigen, Rad vors Heck schieben, Garage absperren, Sachen schultern, Hundeleine aus der Öse am Dachrinnenabflussrohr ausfädeln und ums Handgelenk legen.
So bepackt nochmal kurz vors Haus schlurfen, damit der Hund sein Nachtpipi auf dem Grünstreifen machen kann – und dann mit einer ziemlichen Verrenkung den Schlüssel aus der Hosentasche fummeln, die Haustür aufsperren und mit Hund und Gepäck zum Aufzug gehen.

Oben angekommen eine große nächtliche Freude vor der Tür: die Expresslieferung von Freund T. aus Z. ist eingetroffen. Das neue Springsteen-Album liegt endlich auf der Fußmatte, mit einem Tag Verspätung.
Ich mache einen Knicks, aus Dankbarkeit – und um es aufzuheben.

Und nun verabschieden wir uns in eine kleine Klausur: Ein Auftrag muss dringend fertig werden, eine Planung vollends abgeschlossen sowie ein paar andere Baustellen endlich zuende gebracht werden.

Aber wenn Sie mal ganz ehrlich sind, haben Sie ja fürs Erste eh genug Sommer-, See-, Dackel- und Bayernhimmel-Fotos gesehen, nicht wahr?

Be happy & bis bald –
Ihre Kraulquappe.

Kneippen in Kreuth.

Die auf dem Berg heißgelaufenen Pfoten kühlen.

Ein Wasservideo mit Elementen aus der Schnorchelkunde und der Gehmeditation.

Und nun zum Papa, Grillen im Garten. Schmeckt wie Urlaub.

Gedacht durch meine Augen.

Gestern war ein guter Tag.

Was nach der viel zu kurzen Nacht, ein paar gesundheitlichen Querelen und dem morgendlichen Ärger mit der per Post zugestellten Anonymverfügung der Magistratsabteilung 67 der Stadt Wien ja erstmal nicht zu erwarten war.

Dann aber pünktlich und wie geplant vom Schreibtisch an die südlicheren Wirkungsstätten geflüchtet. Dort eine letzte Exkursion zu Recherche- und Fotozwecken.
Nach dem Part am See sogar mit Begleitung von B. (einem ganz realen B., nicht dem aus den Träumen), der sich den Nachmittag freigenommen hatte, um nach seinem mittäglichen Pneumologentermin etwas durchzuatmen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Wenn B. mal wieder mit seiner Lunge kämpft, dann haben wir ein recht angenehmes gemeinsames Tempo, sonst ist er nämlich trotz seines Altersvorsprungs von 13 Jahren so beieinander wie ich es vielleicht vor 13 Jahren mal war.
Wie sich doch mit dem Älterwerden manche Differenzen nivellieren.

Ein guter Tag war es, weil die Mücken fernblieben, die Wege menschenleer waren, im Forsthaus mit See- und Alpenblick der schönste Platz in der Sonne frei war, die spontane Essenseinladung sehr gelegen kam, einem niemand den letzten Rhabarberstreuselkuchen vor der Nase wegfraß, neben der Knipserei und Lauferei noch genug Zeit und Ruhe für Gespräche blieb.
Zum Abschluss ein bisschen Kunst und Architektur, ein wunderschöner Abendhimmel am Seeufer und auf der gesamten Heimfahrt die Fenster offen, den Wind in den Haaren, den Bruce im CD-Player und auf der Rückbank ein zufrieden schlummerndes Hundefräulein.

Machen Sie doch mal Urlaub in Oberbayern!
Ich führ‘ Sie gern mal einen Nachmittag lang herum, zum Bloggerbuddy-Bonus-Preis (= Sprit, Streuselkuchen, Schneider Weiße).

Museum der Phantasie.

Finde den Dackel!

Sind es zwei, die sich erlesen, dass man sie als eines kennt?

Ein gutes Ziel, so kurz vor dem kalendarischen Altern.

Noch ein Schnapp-Schuss.

Ein paar werden die Zahlenmystik entdecken und mich verstehen.

Ita est. Amen.

Song des Tages (34).

Schon der zweite Traum von B. innerhalb weniger Tage.
Und eine völlig neue Traumkategorie erlebt: den Traum im Traum, sozusagen.

*****

In dem zu Pfingsten geträumten war ich mal wieder (eine schon vertraute Traumsequenz) im selben Hotel gelandet wie B., und nicht die Einzige, die sich über das zufällige Entdecken dieser Prominenz freute. Nett, wie er in meinen Träumen immer ist, lässt er sich ganz spontan an der Bar zu einem kleinen Signier- und Plauderstündchen nieder.

Die anderen interessierten Hotelgäste rücken mit seiner Autobiographie unterm Arm an und wünschen sich ein Autogramm auf der vordersten Vakatseite, vielleicht noch mit ihrem Namen davor.
Mir ist das zu schnöde. Ich sause auf mein Hotelzimmer und hole ein Album im DIN A3-Format aus meinem Koffer. Seitliche Spiralbindung, schwarzer Karton mit breiten Rillen außen, die schwarzen Seiten im Inneren mit weißer Tusche beschriftet, alle Eintrittskarten, Zeitungsausschnitte etc. seit 1985 sorgsam eingeklebt (nein, ein solches Album gibt es in echt nicht bzw. nicht mehr). Zufällig habe ich dieses Riesending dabei, wie das halt in Träumen so ist.

Bis ich wieder in der Bar ankomme, ist von der kleinen Schlange vor dem Tresen nur noch eine Person übrig, B. signiert fix das Buch, die beiden tauschen noch zwei Sätze aus, dann bin ich dran. Ich lege das unhandliche Album auf den Tresen, er guckt verdutzt, ich schlage es auf, reiche ihm einen Silberlackstift und bitte ihn, er solle sich ein freies Fleckerl aussuchen. Er blättert es durch und bleibt auf der seltsamsten aller Seiten in diesem Buch hängen: eine schwarze Doppelseite, auf der lediglich links oben ein Aufkleber pappt: ein knallroter Kussmund mit herausgestreckter Zunge. Ja genau, der von den Stones. Was auch immer der in dieser Devotionaliensammlung verloren hat. Egal.

B. bleibt bei dieser Seite, zieht die Kappe vom Silberlackstift ab und guckt mich erwartungsvoll an. Siedend heiß fällt mir ein, dass ich mir ja noch gar nicht überlegt habe, was ich da gern für eine Widmung drinstehen hätte. Am liebsten freie Prosa, aber so läuft das ja nicht, wenn man sich nicht kennt.
Sonst ein wandelndes Songbook und überhaupt ja mit einer gewissen textlichen Spontaneität ausgestattet, ist mein Hirn in dem Augenblick wie leergefegt.

B. lacht mich an und kratzt sich mit der Hinterseite des Lackstifts im Nacken. Der erste Textfetzen, der mir wieder zu Bewusstsein kommt, ist eine eine Zeile aus Badlands. Zufällig auch der Untertitel des Blogs einer Freundin. Den stammle ich dann: It ain’t no sin to be glad you’re alive.
Er schmunzelt, fragt nach meinem Namen, schüttelt den Stift nochmal, das Kügelchen im Inneren des Stifts scheppert wie wild, und dann schreibt er – in dem Augenblick ganz ernst und konzentriert dreinblickend – diesen Satz quer über die schwarze Doppelseite. It ain’t no sin to be glad you’re alive.
Drunter noch eine persönliche Widmung, die ich nicht erinnere, weil ich ja wie gelähmt bin von dem Moment selbst, der Atmosphäre, der fehlenden Distanz, der Intimität dieses Augenblicks.

Wir unterhalten uns noch kurz – er spricht sogar ein paar Brocken Deutsch – und danach ziehe ich mit meinem monströsen Album, das ich wie einen Pokal in beiden Händen halte, selig von dannen.

*****

Heute Nacht dann eine andere Szenerie.
My Hometown. Das Fräulein und ich abends auf dem Flauchersteg, große Abendgassirunde am Ende eines heißen Sommertages.
Dort steht ein Mann mit Stadtplan am Geländer und guckt abwechselnd in den aufgefalteten Plan oder gen Süden. In einer eher seltenen Aufwallung von sommerlicher Lockerheit und menschlicher Zugewandtheit gehe ich hin und frage, ob ich helfen könne. Kann ich bestimmt, sagt er, und als er sich zu mir dreht, erkenne ich B. Und er mich.
Wir hätten uns doch erst neulich im Hotel getroffen, meint er. Ich bin perplex, weil mir im Traum bewusst ist, dass diese Hotelbegegnung doch eine geträumte war, aber wie er das so sagt, bin mir dann nicht mehr sicher und nicke zustimmend.

Er suche einen Biergarten, sagt er, in dem er vor über 30 Jahren mal war, den Bruckenfischer. Himmel, der ist in Schäftlarn, antworte ich, da sei er hier aber reichlich falsch. Empfehle ihm den nahegelegenen Flaucherbiergarten. Aber er will unbedingt zum Bruckenfischer. Ob ich ihm den Weg erklären könne. Immer der Isar entgegen, sage ich, und zeige nach Süden. Es wären aber locker 18km, gebe ich zu bedenken.

B. schaut mich von der Seite an, die Abendsonne leuchtet auf seinen Hals und sein Gesicht, ich nehme wahr, wie alt er geworden ist, wie müde er aussieht, dann räuspert er sich und fragt mich, ob ich nicht Lust hätte, mitzukommen. 18km, das sind, wenn wir nicht rennen, knapp vier Stunden, denke ich. Aber vor allem denke ich: das ist eine dieser Chancen, die man nur einmal im Leben bekommt und die man ergreifen muss.
Also sage ich: Ja, sehr gerne. Und wir gehen gemeinsam auf dem schönen Flauchersteg weiter, durch die Isarauen, immer weiter, down to river.

*****

That night we went down to river, denke ich träumend und wache leider zu früh auf.

Sie hat manchmal wollen den Sonnenschein auf ihren Hut stecken und die Abendröte umarmen.

[Blogbeitragsüberschrift frei nach Adalbert Stifter]

Weil die liebe B., die derzeit in N. auf U. weilt, sich schon latent sorgt, ob wir womöglich im See oder Freibad ertrunken sein könnten, weil es hier derzeit etwas ruhig geworden ist, nun ein kleines Lebenszeichen in Bildern, quasi eine Dokumentation so mancher Stationen oder Aktivitäten der letzten Tage:

Ausflug an den Ammersee: Diesmal Westufer, wieder viele Fotos, vor allem von Fräulein Seehund…

…aber auch von den Sehenswürdigkeiten in Dießen.

Erstes Selfie mit dem neuen Handy: Schön schattig, das kaschiert fast alle Falten.

Begleitung hatten wir auch: Meinen großen Freund S. und seine Kamera, die viel besser ist als meine.

Wanderung von Dießen zur Schatzbergalm: Könnte eine sehr schöne Tour sein, wenn wir nicht auf dem Schatzberg von einer Mückeninvasion heimgesucht worden wären.

Szenen auf dem Tisch: Die König-Ludwig-Desinfektion der Mückenstiche von innen.

Szenen unter dem Tisch: „Warum esst ihr was und ich krieg nur einen doofen Napf voll Wasser?“

Der Sommerhitze trotzen: Erfrischung, und zwar für alle (sagt auch die Abendzeitung – ich check nur nicht, was die Gourmets mit Baden zu tun haben).

Absurd: Die längste Hundewurst der Welt, aus ihrem 60cm x 75cm-Korb gerutscht.

Mein erstes Erfolgserlebnis auf Balkonien (von der blauen Hortensie wollen wir lieber schweigen).

Pfingsten in München: Englischer Garten, große Gassirunde, Rast im Aumeister.

Clever Shoppen: Am Tag nach dem Mega-Unwetter im Münchner Westen in einen Pflanzenmarkt im Münchner Westen fahren und die wegen Topf- und Blattschäden stark reduzierte Ware als Ersatz für so manch misslungenes Balkonprojekt mitnehmen.

Unterschlagen wurden in dieser bunten Auflistung:

  • diverse langweilige Büroarbeiten
  • stundenlange Recherchen für den nächsten Magazinbeitrag
  • einige Akquisitonstätigkeiten
  • Matthias Forenbacher in Endlosschleife hören
  • zeitaufwändiges Einbalsamieren der zehn fetten Mückenstiche nach dem Ausflug mit S.
  • alle weiteren Haushaltstätigkeiten der letzten sechs Tage
  • zwei Läufe im benachbarten Park
  • zwei Schwimmbadbesuche, einer davon mit Kampfeinsatz (Pfingstandrang, Beckenquallen, Randspringer)
  • Kauf und Zubereitung eines sündteuren Bio-Rindersteaks zur Aufrechterhaltung des Ferritinwerts
  • kontemplative Stunden mit Sonne und Weißbier auf der Parkbank vorm Haus
  • Installation eines neuen Handys inkl. Datenübertragung vom alten Handy
  • Reiseplanungen für den Spätsommer samt haarsträubender Mailkommunikation mit etlichen Hotels im Ausland, die sich erdreisten, für einen kleinen Dackel pro Nacht 25€ kassieren zu wollen, was jeweils in keiner Relation zum Zimmerpreis für den Menschen steht
  • extensiver Konsum von Huberbuam-DVDs in den späteren Abendstunden, um den nachfolgenden Träumen ein paar neue Impulse zu geben (leider die 3D-Brille nicht vertragen)

Herzliche Grüße an die Leserschaft & der lieben B. noch eine erholsame Zeit an der Ostsee!
Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (59): Der Dino im Grundwassersee.

Die Uferbereiche des Starnberger Sees sind zwischen dem 15. Mai und dem 15. September für Hunde verboten.

Nicht mal an der Leine dürfen sie dem See zu nahe kommen. Und zwar überall & ausnahmslos. Und das hat nix mit brütenden Wasservögeln zu tun, nein!
Sondern das liegt daran, dass es zu viele Idioten gibt, die ihre Hunde am See nicht vernünftig zu beaufsichtigen oder zu beschäftigen wissen (oder die die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht beseitigen), so dass Badegäste sich gestört fühlen, weil ein triefnasser Hund sich auf ihrem Handtuch räkelt oder sich neben ihrer Picknickbox das Wasser aus dem Fell schüttelt und anschließend nach den Wurstbroten schnappt.
Und es liegt daran, dass es ebenso viele Idioten gibt, die denken, dass ein Hund beim Baden ins Wasser pieselt (völliger Unsinn einerseits und erstaunlich andererseits, dass sich über das tatsächlich munter in den See abgelassene Kleinkindpipi niemand echauffiert).

Es ist wie es ist.

Zumindest bis die diversen Petitionen im Landkreis vielleicht und hoffentlich Wirkung zeigen und Hundebadestrände eingerichtet werden. Bis dahin muss man an ausgesuchte Stellen am Ammersee ausweichen, an dem es deutlich liberaler zugeht – oder an einen der 27 anderen Seen.

Schön und gut, sofern man nicht gerade an einem Artikel übers Fünf-Seen-Land arbeitet, dessen Hauptsee (weil am größten und bekanntesten) nun mal der Starnberger See ist.

Also müssen Zeiten und Orte gewählt werden, wo man trotz der Restriktionen zu seinen Fotos kommt sowie eine Tour zurechtgeschnitzt werden, bei der einem unterwegs der Hund nicht schlapp macht (wegen der Affenhitze).

Zunächst hatte ich große Bedenken, dem Dackelfräulein bei 27 Grad die geplante 12km-Fotoshooting-Runde zuzumuten, obwohl ich den frühen Morgen damit zugebracht hatte, die Route so zu planen, dass sie alle 20 Minuten eine Badegelegenheit bietet und überwiegend auf schattigen Nebenwegen verläuft. Aber ein paar Asphaltstücke lassen sich halt ebenso wenig vermeiden wie einige sonnige Wegabschnitte.

Wider Erwarten war das alles dann gar kein Problem und der gesamte Ausflug ganz nach des Dackelfräuleins Geschmack.

Im Seeshaupter Hinterland gibt es ein paar kleine Seen, für die sich keine Sau interessiert, weil sich alle runter nach Seeshaupt und den Starnberger See orientieren.

Benediktenwandblick vom Seeshaupter Höhenweg.

Ein wunderschöner Höhenweg, den wir ganz für uns allein haben, so dass wir in aller Ruhe das Alpenpanorama genießen oder uns in Hasenkötteln wälzen können, führt uns über Wiesen und durch kleine Waldgebiete schließlich zum Grundwassersee, von dem ich bis heute noch nie gehört hatte.

Eine nette Anwohnerin, die wir ganz unkompliziert kennenlernen, weil das Dackelfräulein unbedingt die Hühner der Anwohnerin kennenlernen möchte, zeigt uns den Trampelpfad zu dem kleinen See.

Auch dort sind wir völlig ungestört. Pippa stürzt sich sofort ins Wasser…

…und kommt stolz wie Oskar wieder aus dem See heraus: mit einem Dino im Schnabel!

Oder ist es Nessie?!? Wurscht, denn…

…es gibt kaum ein größeres Hundeglück als eigene Beute!

Den neuen Gefährten nehmen wir dann natürlich mit und zeigen ihm noch den Garten-, Ur-, Lust-, Gröben-, Frechen- und Starnberger See. Wird auch nicht jeder Dino von sich behaupten können, sieben Seen an einem Tag geseen zu haben!

Jedenfalls ist die Stimmung seit dieser Erbeutung top und die Affenhitze quasi vergessen.

Weiter geht’s in einen neu entdeckten Lieblingsbiergarten…

Achten Sie auf die „Himmel der Bayern“-Schirme!

…in dem alles – vor allem der Rhabarberkuchen! – stimmt, nur die Marke der leichten Weißen nicht…

…aber dafür haben wir nette Gesellschaft.
Der mountainbikende Münchner Goldschmied, mit dem wir uns das Schattenplätzchen teilen und mit dem Pippa sofort Freundschaft schließt, als er sein Schnitzel serviert bekommt, macht noch ein paar richtig kitschige Bilder von uns…

…bevor es dann wieder retour geht, nach Seeshaupt, auf einem schattigen Uferweg, hie und da von kleinen Bächlein durchkreuzt, in denen wir uns die Füße kühlen (und heimlich lassen wir uns sogar in einer winzigen Badebucht nieder und schwimmen ein Stück).

Unterwegs die ganze Zeit über tiefe Dankbarkeit empfindend…

…gesund genug zu sein, dort lustwandeln zu dürfen, sogar mit einem Groschen in der Tasche, der Kuchen & Getränk ermöglicht – und überhaupt ein solches Paradies in gut 30 Minuten ab Haustür erreichen zu können.

Ich möchte meine Heimat nicht verlassen. Niemals.

Sozialtraining im Landkreis STA.

Fährt man für ein paar Sonnenuntergangsfotos, die man für den nächsten Magazinbeitrag braucht, zur Abendstunde nochmal raus an den noblen See.

Schloss Berg, Dampfersteg, Votivkapelle, Schlosspark – und natürlich die Stelle, wo der Kini ins Wasser ging.

Das Dackelfräulein macht dort, wo sie als Model gefragt ist, recht gut mit.
Alles bestens also, nach einer guten Stunde sind die Fotos im Kasten. Zur Belohnung noch ein neues Wegerl: hoch in den oberen Ortsteil, über einen steilen Waldpfad. Sehr lauschig, noch nie dort gewesen, man tendiert ja immer nur zum Seeufer. Ein bisserl durch den Ort spaziert, ein Haus schöner als das andere, keine Bausünden im Toskana-Stil oder pseudo-griechische Säulen auf der Veranda. Der 911er steht hier heroben eher etwas versteckt hinter der Thujenhecke anstatt protzig mitten vorm Haus.

Weil nix los ist, läuft das Fräulein schon den ganzen Abend friedlich ohne Leine vor sich hin. Auch dort oben im Wohngebiet.
Bis sie dann den klopsigen Garfield dummerweise eine Sekunde vor mir entdeckt, wie er da bräsig in einer Einfahrt hockt und sich putzt. Was er dann sehr schnell bleiben lässt, als Pippa mit Vollgas und sirenenartigem Spurlautgeheul auf ihn zuprescht. Er flüchtet, so gut das halt in seiner Gewichtsklasse geht, durch ein offenes Gartentor in den dahinter liegenden Garten. Pippa hinterher. Und ich ebenfalls.

In einem fremden Garten zwischen Rhododendren stehend höre ich in einiger Entfernung meinen Hund wild jaulen. Renne dann durch den weitläufigen Garten, immer dem Gejaule nach, am Springbrunnen vorbei, am Gewächshaus vorbei, am japanischen Steingarten vorbei – bis ich vor einer Terrasse stehe.
Die Schiebetüren der idyllischen Villa stehen sperrangelweit offen. Drinnen sitzt bzw. saß ein gediegenes Paar beim abendlichen Glas Rotwein.
Garfield hat sich auf seinen Katzenbaum gerettet. Das Dackelfräulein steht davor und bellt, was das Zeug hält (und denken Sie bloß nicht, dass ein Dackel bellen würde wie andere kleine Hunde bellen, so blechbüchsenartig und hell und nicht weiter ernstzunehmen – nein, der Dackel hat eine Stimme wie ein Großer und er/sie fühlt sich auch so).

Was tun?
– Natürlich beherzt diese perfekte Gelegenheit für ein spontanes Sozialtraining ergreifen, sowas bietet sich an einem gewöhnlichen Dienstagabend um 21:23 Uhr ja eher selten!
Festen Schrittes und erhobenen Hauptes die Terrasse betreten, sich die vom Sprint etwas verrutschten Klamotten und die Frisur richten, andeutungsweise an die Glastür klopfen (die ja eh offen ist und man wurde ja eh längst gesehen, weil der Bewegungsmelder die gesamte Terrasse justament ausleuchtet wie eine Bühne), und freundlichst fragen, ob man hineinkommen dürfe, ja vielleicht gar solle.

Das ältere Paar übernimmt ebenso spontan die Gastgeberrolle wie ich die des Überraschungsbesuchs und bittet mich ohne Umschweife hinein.
Ich trete ein, gehe an der blütenweißen, ledernen Rolf-Benz-Eckcouch, vor der die beiden zur Begrüßung des Dackelfräuleins aufgesprungenen Eheleute etwas aufgeregt stehen und mit den Armen herumfuchteln, vorbei und tappe vorsichtig mit meinen Trekkingsandalen über das französische Eichenparkett in die hintere Ecke des riesigen Raumes, wo der Katzenbaum steht – und wo es so laut ist.

Es geziemt sich leider nicht, in solchen Momenten die Kamera zu zücken, um dies seltene Schauspiel festzuhalten, sondern sofortiges Handeln ist angesagt.
Hund zusammenstauchen, in möglichst distinguierter Wortwahl, versteht sich – man ist ja schließlich bei besseren Leuten eingekehrt -, Hund anleinen, dem dicken, fauchenden Kater ein paar tröstende Bemerkungen zurufen, sich dann mit dem angeleinten Hund umgehend wieder Richtung Terrasse bewegen.
Währenddessen mehrfaches Exkulpieren bei den Hausherren. Die das gottseidank locker nehmen und sich bereits an einem etwas gequälten Lächeln und ein paar lockeren Kommentaren versuchen: „kein Problem“ – „kann ja mal vorkommen“ – „ein Einbrecher wäre unangenehmer“ – „ist ja eigentlich ein recht hübscher Dackel“.

Wir danken Garfield und den Bewohnern der schönen Hütte in der Bäckerstraße in Berg für das gemeinsam erfolgreich absolvierte Sozialtraining und wünschen allseits eine gute Nacht!

Himmel der Bayern (58): Endlich Sommer.

Die Bauern wissen’s wia die Städter:
Im Juni werd des Wetter netter.

In einer kurzen Regenpause oder: Hey, where did we go?

Dieser kleine Hund…
Was für eine Lebensfreude! Was für eine Lust zu spielen und sich zu bewegen!

Da kann man sich echt eine Scheibe von abschneiden.

(Gleich danach im Freibad gewesen, bei 11°C, im Wasser also deutlich wärmer als draußen. Regen prasselt auf den Rücken, leer isses im Becken. So lässt sich’s entspannt Kraulen, ohne Aufschauenmüssen, zwei Kilometer völlig ungestört, wirklich schön. Und trotzdem sehnt man sich nach dem Sommer.)

Hey, where did we go
Days when the rains came ?
Down in the hollow
Playing a new game,
Laughing and a-running, hey, hey,
Skipping and a-jumping
In the misty morning fog with
Our, our hearts a-thumping
And you, my brown-eyed girl,
You, my brown-eyed girl!

Sometime I’m overcome thinking about
Making love in the green grass
Behind the stadium
With you, my brown-eyed girl,
You, my brown-eyed girl.

Hund haben (16).

Wie könnte ein Dienstag schöner beginnen!?

Direkt aus dem Nachthemd in die Regenmontur gestiegen. Hund liegt noch im Bett, hebt ein Augenlid und guckt einen ungläubig an. Man fragt dann höflich, ob er, resp. sie, einen freundlicherweise begleiten würde, weil man unbändige Lust hätte, einen schönen Morgenspaziergang zu machen. Hund gähnt, räkelt und erhebt sich, dehnt sich ausgiebig und fällt beim Zweitgähnen seitlich um. Offenbar keine Lust.
Bevor man in der Ganzkörpergoretexhülle zu schwitzen beginnt, beschleunigt man das Ganze etwas, hebt den Hund aus dem Bett und trägt ihn zur Wohnungstür, legt ihm das Halsband an, was nicht so einfach ist, weil der Hund sich schon wieder zur Seite umfallen lässt. Dann steigt man in die wasserdichten Schuhe und verlässt die Wohnung, schiebt den Hund aus der Wohnung raus ins Treppenhaus. Hund sitzt nun wie ein Pflock auf dem Fußabstreifer und guckt einen groß an, schlurft nach dem dritten Rufen gnädig zum Aufzug rüber, der uns nach unten befördert.

Draußen dann zwei Meter durch die Pfützen gestakst. Igitt. Wie ungemütlich, das alles. Schnüffeln an den unteren Ästchen der Hecke vorgetäuscht (worum es eigentlich geht: unter der Hecke liegt ein aufgeweichtes Stück Breze). Erster kleiner Disput.

Zweiter Disput hundert Meter weiter, als – noch vor dem ersten Morgengeschäft – der asoziale Husky im Dackelterritorium aufkreuzt und das Fräulein vor lauter Wut abhebt (kennen Sie das: wenn sich der Hund bellenderweise so echauffiert, dass er vor lauter Bellen ein kleines Stück vom Boden abhebt?).

Dritter Disput drüben auf der Allee: Unterschiedliche Interpretations- und Umgehensweise mit einem halbleeren Pizzakarton, der unter einer Parkbank liegt.
Stimmung droht zu kippen. Der nette Beagle von Hausnummer 30 rettet die Situation. Große Begrüßung, Schwanzwedeln, Spielversuch mitten im Batz. Gute Sache – lockert den morgenmüden Körper, was den Geschäftsvorgängen dann sehr zuträglich ist.

Nach 7 Minuten wieder daheim, trotzdem triefnass und dreckig. Im Treppenhaus aus den Regenklamotten schälen, an der Tür den graubraune Sauce tropfenden Hund ins Handtuch wickeln und dem Gatten in den Arm drücken – ab in die Wanne.

Dezente Vorfreude auf weitere 48 Stunden bei ebendieser Wetterlage (nur ohne Duschassistenz).

Und die bange Frage, ob der Wonnemonat Mai wenigstens noch einen foto-freundlichen Tag beinhalten wird, da man allmählich dringend das Bildmaterial braucht für den nächsten euphemistischen Artikel über das Unterwegssein mit Hund.

Ab morgen am Kiosk: die neue Dog&Travel.

Schlagen Sie zu, wenn Sie – mit oder ohne Teckel – nach Tirol wollen. Und am besten auch, wenn Sie keinen Teckel haben oder da nicht hinwollen – denn vom Fortbestand solcher Magazine hängt ja auch unsere kleine Existenz ein Stück weit ab.

Lesen Sie ab Seite 18 von unseren großartigen Abenteuern im mittelalterlichen Hall und beim Kraxeln im Karwendel.
Leider haben wir es nicht auf den Großen Bettelwurf geschafft, auch nicht auf den kleinen. Dabei gibt es so Berge, die man allein aufgrund ihres Namens als bergsteigender Hundebesitzer eigentlich nicht auslassen darf (immerhin querten wir ein Kar unterhalb des Hundskopfes, leider ohne es fotografisch festhalten zu können, man geriet in ein Unwetter und es verhagelte einem die Ambitionen).

Außerdem lesenswert: der Artikel ab Seite 80 übers SUP, zusammen mit dem Vierbeiner.
Passt gerade gut. Ist einer meiner Geburtstagswünsche, neben zahlreichen anderen. Halt ein klassischer Kraulquappen-Wasserwunsch (und auch schon etwas zurechtgestutzt, da der Gatte mein „Ich würd‘ gern mal Surfen gehen“ mit einer ebenso amüsierten wie rüden Bemerkung abtat, irgendwas mit Alter und so, ich hab’s gleich wieder verdrängt).

Eigentlich wünsch ich mir, das SUP ohne Hund auszuprobieren, weil das in meinen Augen wenig Spaßpotenzial für den Hund birgt, aber wer weiß: das Dackelfräulein ist ja auch eine Wasserratte und in dem Beitrag ist von Hunden die Rede, die das wohl durchaus gern mitmachen.

Ansonsten drücken Sie uns bitte die Daumen, dass wir es hier bald mal wieder ein paar Tage am Stück (!) trocken und sonnig haben, damit Sie auch Ende August wieder in Dog&Travel von uns lesen können!

Kurz vor dem nächsten Gassi durch die Sintflut grüßt Sie herzlich –
Die Kraulquappe.