Dichtung und Wahrheit.

Das alte Lebensjahr geht nun doch noch ordentlich und gepflegt zu Ende.

Eine Punktlandung war das: Die Dichtung der neuen Duschtrennwand – gestern um 18:07 Uhr vom Handwerksfreund fertig montiert und silikoniert – lässt beim morgendlichen Testduschen tatsächlich keinen Wasserschwall (ja nicht mal mehr einen Tropfen!) über den Wannenrand rinnen. Hurra & nochmals herzlichen Dank ins Allgäu!

Das Auslaufen beschränkte sich daher heute ausschließlich auf 14km Wasserwanderweg.
Ich hatte dem Dackelfräulein, das in den letzten Tagen arg zu kurz kam und kaum eines ihrer Hobbies ausüben durfte, fest versprochen, dass wir uns heute fern aller Silikonreste und Styroporbrösel, die daheim noch die Böden dekorieren, einen richtigen Ausflug gönnen werden.

Man muss ja einfach mal wieder weiter gucken als bis zum Badewannenrand!

Das Fräulein findet ein verfaultes Ei und freut sich!

Und ich finde Ruhe – und freue mich.

Aber die Ruhe ist nur von kurzer Dauer, denn als nächstes findet Pippa einen Kugelfisch-Rahmen.

Also muss ich das Ding 20x in den See werfen, bis der Seehund einigermaßen Ruhe gibt.

Dann bin ich dran: einsamer Steg im Schilf, ab ins Wasser!

Nächste Pause in der nächsten Bucht oder: Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise!

Überhaupt machen wir heute auffallend viele Pausen – erfreulich, wenn die Lokalitäten derart durchdacht konzipiert sind: Zufluss neben Abfluss – ideal!

Nach 14 etwas mühsamen Kilometern ist es Zeit, länger die Füße hochzulegen. Hinweis: Wenn Sie vom „Zeigezeh“ meines rechten Fußes aus, der sich – Obacht! – im Bild links befindet, eine schnurgrade Linie gen Himmel ziehen, landen Sie direkt auf dem Heiligen Berg bzw. in der Klosterkirche. Das wollte ich Ihnen nicht vorenthalten!

Wieder ein Jahr vorbei.

Ich lasse es Revue passieren und blicke zurück auf eine beachtliche Menge Anstrengung, Kämpfe, Abschiede, Tränen, Wohnungen, Makler, Kartons und Sägespäne. Aber es gab auch viel Schönes, Neues, Wegweisendes, Bewegung, Freundschaft und Liebe.

War es rückblickend ein überwiegend gutes Jahr oder eher ein schwieriges? Oder hielt es sich die Waage? Was folgt daraus? Sollte ich was verändern oder darf es so weitergehen?

Die Wahrheit ist: Ich bilanziere seit ein paar Jahren nicht mehr.
Ich gucke mir das Vergangene nur noch an, wie eine Landkarte: Wo möchte ich wieder hin, wo hat es mir gar nicht gefallen, wohin möchte ich unbedingt mal, um zu sehen und zu spüren, wie es da so ist?

Gelegentlich besorge ich mir auch neue Landkarten.
Ist schon immer eine Leidenschaft gewesen: am Frühstückstisch sitzen und beim Morgenkaffee Landkarten angucken.

Für den morgigen Tag werd‘ ich die allerdings nicht brauchen, weil ich mich da überwiegend auf Lieblingswegen und in Lieblingsgewässern aufhalten werde, mit Lieblingsmenschen und Lieblingsmusik, versteht sich.

Ich wünsche mir ein Frühstück mit einer Breze vom Neulinger, einen nicht zu frühen Anruf vom Papa, einen Sack voll Sonne, freien Eintritt im Freibad – danke an D. für den klasse Vorschlag, dass wir uns dort treffen: du erkennst mich am roten Zinken (hatte heut die Sonnencreme vergessen) und den gelben Flossen!

Danach darf mich der Gatte zum See kutschieren, unterwegs hören wir Shirley Jean oder Bobby Jean, wenn wir da sind, ziehen wir die Jeans aus und hüpfen ins Wasser. Vom Tretboot aus, wenn möglich.

Vielleicht finden wir sogar eines mit Rutsche.
Und mit Sonnendach, damit das Dackelfräulein keinen Hitzschlag bekommt (und mein Zinken nicht noch mehr verbrennt).

So ungefähr jedenfalls.
Und die Lücken im Tagesplan füllen wir einfach mit Streuselkuchen auf.

Mal sehen, wo die Reise im nächsten Jahr hingeht. Ahoi!

Kontextuell.

Wir liegen in den letzten Zügen, der Handwerksfreund und ich.

Der Flur stinkt nach Paketklebeband und Styropor. Eine halbe Stunde lang haben wir die demontierte, brutal schwere, undichte Duschtrennwand (erst vor 2 Wochen gekauft und montiert) gemeinsam in den Karton der neuen, heute gekauften und hoffentlich dichten Duschtrennwand gezwängt. Styropor zum Abpolstern der Glasscheiben, meterweise Klebeband zum Verzurren der Retoure.

Gezwängt, weil die neue Trennwand 10cm kürzer ist als die bisherige. Da muss man tricksen: unterm Bett schlummern noch ein paar Umzugskartons, flugs wird das Teppichmesser gewetzt und ein Deckel daraus geschnitzt. Wie eine Mumie lehnt das Trum nun im Treppenhaus, bis Hermes, der Götterbote, es in ein paar Tagen abholt.

Der persönliche Orbit ist zusammengeschrumpft auf 1300cmx1400cm, glasklar, dreiteilig, zweifach faltbar, angeblich bruchsicher.

Aber wenn nun alles gut geht, kann ich bereits an meinem Geburtstag überschwemmungsfrei duschen. Was könnte man sich zum 46. sehnlicher wünschen? Dank des geschrumpften Orbits fällt mir da nichts weiter ein.

Fertig. Bald sind wir fertig.

Beim müden Entlangsschlurfen am Rande der Lindenallee, die die Theresienwiese säumt, fällt mein Blick auf die Lehne einer Parkbank. „Sense“ steht darauf. Ja, mit dem ganzen Gewerkel ist jetzt bald Sense, denke ich, und schlurfe weiter. „Fuck“ steht auf der Lehne der Parkbank daneben. Jawoll.

Erst auf dem Rückweg, als wir erneut an den beiden Parkbänken vorbeikommen, kommt mir der Gedanke, dass „sense“ ja auch „Sinn“ bedeuten könnte. Vor allem, wenn nebenan in derselben Sprayfarbe und Schriftart „fuck“ zu lesen ist.

Kontextuelle Wahrnehmung, nach 7 Wochen Wohnungsrenovierung.

Fucking sense & time to have a refreshing shower.

Song des Tages (1).

 

Ein Top-Song!

Spiegelt in Text, Farben, Rhythmus und Intonation exakt meine Stimmung wider. War nämlich auch ein Top-Tag.

  • 7:00 Uhr, für unsere Verhältnisse früh aufgestanden. Um richtig was zu schaffen.
  • Entdeckung: Warm ist außer dem Morgenkaffee nichts. Heizung kalt, Wasser kalt. Ich dann auch kalt.
  • In Wolldecke gehüllt und mit Heizkissen unterm Hintern mit der Arbeit begonnen.
  • Um Punkt 8 Uhr Hausverwaltung zusammengefaltet.
    (Das mit den Stadtwerken war eine Lüge. Seit Montag wissen sie, dass der Gasbrenner der Heizungsanlage irreparabel defekt ist, am Dienstag lügen sie einen an, schieben alles auf die Stadtwerke und vertrösten einen, gestern ist der geizigen Hausbesiterin dann klar geworden, dass man den Brenner nicht mehr reparieren kann, also hat sie den billigsten Ersatzbrenner auftreiben lassen, der seit heute Morgen um 9 Uhr von einem Stümper eingebaut werden soll. Stümper deshalb, weil der Typ entweder Pause macht und raucht oder zum Baumarkt fährt, weil irgendein Teil fehlt.)
  • Kurze Konsultation des Tierarztes als Kreislauf-In-Schwung-Bringer eingeschoben, da sich gestern im Wald eine kleine Katastrophe ereignet hatte, deren Nachwirkungen ich dann doch lieber den Fachmann begutachten lassen wollte.
  • 10:30 Uhr, genug gefroren, als Eiszapfen zum Schwimmbad gefahren. Unter der Dusche aufgetaut, geschwommen, nochmal heiß geduscht. Danke, Stadtwerke!
  • 12:30 Uhr, Aufbruch zum großen Gassi. Mit großem Rucksack, um groß einzukehren, irgendwo, wo’s warm ist.
  • 13:30 Uhr, Mittagsmenü in der Menterschwaige. Beilage ist nur lauwarm, ich beschwere mich, denn meine Geduld für falsch Temperiertes ist heute bereits überstrapaziert.
  • Nach dem Essen einfach sitzengeblieben, Sachen aus dem Rucksack geholt – Lammfellmatte für Pippa, Laptop für mich – und dort ein bisserl gearbeitet. Kellner spendiert einen Kaffee, als Entschuldigung für das laue Gemüse. Kaffee ist sogar warm.
  • 15:00 Uhr, weiter an der Isar entlang. Nachbarin eine WhatsApp geschickt, ob die dämliche Heizung wieder läuft. Nein. Im Keller herrscht Ruhe, antwortet sie. Der Stümper ist vermutlich beim Zigarettenholen, denke ich. Ich warne den Papa vor, dass ich vielleicht heute noch zu Besuch komme.
  • 15:30 Uhr, Ankunft im Café Isarfräulein, wo das Dackelfräulein Stammgast ist. Matte und Laptop wieder ausgepackt. Tee bestellt. Dackelfräulein knurrt, weil der Rüde der Cafébesitzerin dauernd lüstern rüberschaut. Das Gezicke beende ich, indem ich verfrüht die Futterbox aus dem Rucksack hole. Hab‘ alles dabei – zur Not können wir über Nacht hier campieren.
  • 16:15 Uhr, WhatsApp von der Nachbarin. Die Heizung sei nun lauwarm. Wir packen langsam zusammen. Nochmal 30 Min Fußmarsch bis zum Auto. Dann stehen wir im Stau. Aber mit Sitzheizung. Und Tom-Waits-CD.
  • 17:30 Uhr, Ankunft daheim. Die Heizung läuft. Bis der Gatte nachher aus Frankfurt heimkommt, wird’s warm sein in der Bude.
  • Richtig was geschafft heute, wirklich.

Punktlandung.

Heute Morgen in Abbekås:

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Es ist jeden Tag dasselbe. Egal, an welchem Ort der Welt. Egal, welche Badezimmermatte, welche Größe, welche Form und welche Farbe. Immer ist sie belegt.

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Und zwar komplett.
Und zwar immer dann, wenn ich aus der Dusche komme.

Aber sonst ist hier alles wieder in Butter.