Song des Tages (60).

Zum 23. September 2020.

„His hair is silver and black, cropped short, and on his still-lean torso is a thin white undershirt not unlike the one he wore on the cover of Darkness on the Edge of Town, with a low, ribbed neck and a tiny hole on the side.“
[Brian Hiatt: „Ghosts, Guitars, and the E Street Shuffle“, in der aktuellen Ausgabe des Rolling Stone]

Gemeint ist dieses Cover aus dem Jahre 1978.

Muss man(n) auch erstmal hinkriegen, den still-lean torso, mit 71 Lenzen.

Aber das ist natürlich nicht der Grund, weshalb es sich – womöglich sogar für Nicht-Fans – lohnt, das lange Feature zu lesen (und das Video vom Fotoshooting am Ende des Artikels rückt das mit dem Oberkörper dann eh etwas zurecht: müde schaut er aus, und der depressive Zug um die Augen, der ist auch wieder stärker erkennbar).

Das Geburtstagsständchen haben andere Tramps bereits vorbereitet, dem schließe ich mich voller Inbrunst an und danke an dieser Stelle dem geschätzten Mr. Spike ganz herzlich für seinen diesbezüglichen Hinweis samt Link sowie der impliziten Aufforderung, dass das doch was für meine Blog-Rubrik „Song des Tages“ wäre.
So einem Leserwunsch kommen wir freilich gerne nach!

Achten Sie übrigens unbedingt auf die Deko in den diversen Fan-Haushalten, die herrlichen Tanzstile und diese köstliche Mischung aus Andacht und Pausbackigkeit in mindestens 50% der Gesichter (mein klarer Favorit ist der nette, langhaarige und äußerst dynamische Bursche vor seiner rauchgraublauen, mit Devotionalien verzierten Wand, dicht gefolgt von dem coolen, jungen Saxophonisten im weißen Muskelshirt).
Nach 35 Fanjahren, die ich nun auf dem Buckel habe, fühl‘ ich mich da vergleichsweise harmlos!

In diesem Sinne: Happy Birthday, Bruce 💙💛💙 & special greetings to Oberkirch, Kos, Göteborg, Küsnacht, Köln, Zweibrücken, Berlin &Teisendorf!

Juli.

Ganz unerwartet ist er mir dieses Jahr ein solch geballtes Glückspaket, der Juli: die Traumtour, die Freunde, die Begegnungen, die Bewegung, die Feiertage, meine kleine Familie, mein kleiner Hund, die Seen, die Berge, die Heimat, die guten Aussichten auf die kommenden Wochen – wirklich eimerweise Glück!

(Wieso nur? Und warum ich? Und lauert da nicht schon der Dämpfer im Uferschilf? Oder soll man sich kopf- und bedenkenlos hineinstürzen in diese Julitage, so wie heute in den weichen, weiten See?)

Sogar die Staubläuse Psocoptera hüpfen mittlerweile vor Freude, was wahrscheinlich daran liegt, dass sie sich etwas legaler fühlen in ihrer lausigen Untermieterexistenz, sie zahlen jetzt nämlich Miete, der kleine Rechtsstreit hat sich also gelohnt, nun bräuchte ich nur noch einen neuen Badeanzug, weil die drei vorhandenen allesamt durchgeschwommen sind, so dass ich mich heute im Strandbad beinahe ein wenig schämte wegen der weißen, sich kräuselnden Gummifäden, die überall aus dem zerschlissenen Gewebe herausguckten. Probleme, wie ich sie gern öfter hätte, weil man zu ihrer Beseitigung weder große Geduld noch viel Geld noch einen Kammerjäger braucht.

Beim Hinausschwimmen an die Tour mit den Freunden gedacht, im See ständig die Benediktenwand im Blick, heute Strandbad Tutzing, vor einer Woche Tutzinger Hütte, so schließt sich ein Kreis, unglaublich, dass das schon erst 7 Tage her ist, dass wir dort oben waren, die Zeit rennt, wenn das Glück ihr Motor ist, und sie kriecht, wenn sie von Quälendem durchtränkt ist, ein fieses Phänomen, und umso mehr Grund, sich mitreißen zu lassen, sich diesem Juliglücksgalopp einfach mal anzuvertrauen.

Freischankflächen- und Frisurfeiertag.

Tatsächlich ein Gefühl wie Geburtstag und Weihnachten zusammen (so rein gabenmäßig betrachtet):

Erst der überfällige Friseurbesuch (drei Monate ohne sind für Kurzhaarfrisuren eine lange Zeit!), dann den runderneuerten Pixie-Cut spazieren geführt (zum behutsamen Dran-Gewöhnen erstmal über Münchens schönsten Ruhe-Ort) und danach ein Straßencafé (!) angesteuert (krasse Sache: Draußensitzen, Cappuccinieren und Rhabarberisieren – beinahe verlernt, nach 9 Wochen Kaffeehaus-Askese).

Die Freischankflächensaison ist eröffnet!

Und weil mitten in diesen Glückstaumel noch eine Hammer-Mail hineinploppt (eine Versicherungsleistung, die ich im Leben nicht in der Höhe erwartet hätte), gleich noch einen Hugo obendrauf, den aufzusaugen das Kuchenstück definitiv viel zu klein war.

Aber wurscht. Man muss die Feste feiern wie sie fallen, gefühlt ist da ja jetzt länger nix mehr gefallen (außer ein paar Groschen), diese Woche kommt’s nun offenbar knüppeldick.

Daheim ist Lolek am Werkeln und morgen ist dann auch die letzte Fuge dicht, alles Ramponierte neu lackiert und gestrichen. Nur die Staubläuse, die kennt und sieht er nicht. Mei, auch Lolek ist halt nur ein Mann.

Es könnte, wenn das so weitergeht, die beste Woche seit Februar werden, also seit den Nachbarn über uns der Spülkasten platzte, womit ja einst die Wasserschaden-/Sanierungs-Ära begann, die dann nahtlos in die Corona-Pandemie überging.

Prost!

Love is a four-legged word. Zum 20.02.2020.

Die einen feiern heut Weiberfastnacht, die anderen den „Liebe-dein-Haustier-Tag“.

Tierisch liebgehabt. Und auch tierisch viel erlebt auf dem 12km langen Uferweg.

Vom toten Fisch über eine hölzerne Katze bis zum gassigehenden Ziegenbock war alles dabei. Auch Artgenossen. Und auch sonst alles genossen.

Unterwegs hat das Dackelfräulein die Badesaison eröffnet und sich während einer langweiligen Biergartenpause für morgen mit ihrer Freundin Shiva zu einer Bergtour verabredet.

Der hübsch Bewimperte und ich werden die beiden Damen begleiten, mit etwas Glück springt für uns ein Stück Kuchen mit Blick auf die noch verbliebenen Reste der oberbayerischen Winterwelt raus.

Nach den letzten, gelinde gesagt etwas zähen und grauen Tagen, sind das nun gute Aussichten. Genau wie die, dass heute in einer Woche die Corroventen abgebaut werden.

Tacktacktack.

Die Menschheit räumt die Supermärkte leer als stünde der Ausbruch einer mehrwöchigen Katastrophe bevor, die man nur mit entsprechender Bevorratung (und selbst dann nur vielleicht) überleben kann. Da sind wir mit der recht überschaubaren Bestückung eines Kühlschranks für lediglich drei Tage und unseren Zwei-Personen-Haushalt plus Hund vergleichsweise gut dran, meine Taschen sind auch so schon schwer genug, die Schlepperei und das Aufsuchen von vier Läden reicht mir bereits vollauf.

Die Weihnachtspost fällt heuer ebenfalls übersichtlich aus. Heute purzelt nur ein einziges Kuvert durch den Briefkastenschlitz in den Flur, das müssen die Karten für eine Veranstaltung sein, die ich vorgestern bestellt habe.
Wundere mich beim Öffnen kurz über die Geschenkverpackung, die ich mir selbst eigentlich nicht dazubestellt hatte, zumindest nicht wissentlich.
Klappe das Mäppchen auf und finde drinnen nicht meine Tickets vor, sondern einen Gutschein, den ich mir definitiv nicht bestellt habe, da ich mir üblicherweise selbst keine Überraschungen beschere, denn dafür sorgt ja das Leben mit all seinen Zu- und Unfällen – da braucht man gar nix ordern, das kommt ganz von allein daher.

In all den Papieren, die in dem Geschenkumschlag stecken, muss man lange und gründlich suchen, bis man im Kleingedruckten schließlich einen Hinweis auf den noblen Gutscheinschenker findet und ohne Brille fände man ihn überhaupt nicht.

Ja sowas (ja is‘ denn heut schon Weihnachten?!?): M. spendiert 50 Öcken für meine zukünftige musikalische Erbauung und bezeichnet diese wunderbare Gabe als Dankeschön für die Bloglektüre, die er so sehr schätzen würde.
Wow, das gab’s ja noch nie, dass das Bloggen mal konkret was abwirft, also was Materielles, meine ich – ein ganz neues Gefühl!

Wenn das Schule machen würde, so denke ich einige Stunden später, als ich meine Bahnen im vorweihnachtlich leeren Schwimmbad ziehe und genüsslich Zeit habe für solche Gedankenspielchen, wenn also von den knapp 300 Followern meines Blogs auch bloß all diejenigen, die wirklich regelmäßig meine Ergüsse liken oder sogar lesen, sagen wir mal: so etwa 30 bis 40 Leserinnen und Leser, wenn die sich dazu entschließen würden, mir zu Weihnachten einen solchen Gutschein zuzusenden, und meinetwegen sogar den Betrag des heutigen Gutscheins halbieren würden, ja dann könnte ich glatt die gesamte Europatour 2020 von Mr. Springsteen begleiten und Sie könnten sicher sein: ich würde Sie zuschütten mit Konzertberichten voll lodernder Leidenschaft und lyrischer Luftsprünge, womöglich bedeutete das dann wiederum mehr traffic und mehr follower, und folglich zum nächsten Weihnachtsfeste noch mehr Gutscheine, und das brächte die Aussicht mit sich, Mr. Springsteen bis zu seinem Renteneintritt überall hin folgen zu können, was nun nicht die schlechteste Aussicht wäre, wenn ich ehrlich bin.

Aber Schluss damit – Weihnachten ist ja nicht das Fest der Gier und des Kalküls, sondern der Liebe. Und Freundschaft ist auch eine Erscheinungsform der Liebe, also danke ich M. für den Konzertgutschein, für die kontinuierliche und treue Lektüre meines Blogs und für unsere Verbundenheit über die Jahrzehnte, denn es war schließlich ein langer Weg von Richard Marx bis hierher, über 30 Jahre sind vergangen, seit wir uns so blutjung und blauäugig in Lenggries über den Weg liefen, mittlerweile betrachte ich ja solche Wegstrecken und die Tatsache, dass man sich unterwegs nie verloren hat, schon als Wert an sich.

Ach ja, falls Sie sich über den Beitragstitel wundern: das ist Schwedisch, denn nur so geht er als phonetische Analogie des vorigen Beitragstitels durch.

Nun wünsche ich Ihnen und Euch allen einen guten Rutsch in die Weihnachtstage, und ganz gleich ob Sie die nun im Großrudel oder auch allein im Körbchen verbringen, Hauptsache, Jingle bells!

(c) Dorthe Landschulz (unbedingte Empfehlung: „Ein Tag, ein Tier“)

Hier bellt noch niemand, sondern wir sammeln uns alle ein wenig, denn es stehen die Rauhnächte bevor, der Berg ruft, die dritte Matrjoschka scharrt schon mit den Hufen, Besuch aus der Hauptstadt naht und die Geburtstagsparty fürs Dackelfräulein will vorbereitet werden.

Auf bald,
Ihre/Eure Kraulquappe.

Nachträglich…

…alles Gute zum gestrigen Welthundetag, meine geliebte Pippa, und ich hoffe, es ist mir gelungen, die gestern buchstäblich ins Wasser gefallene Würdigung dieses wichtigen Feiertages wie versprochen heute angemessen nachgeholt zu haben.

Endlich wieder Sonnenschein, dazu eine kleine Bergtour ganz nach deinem Geschmack, also ohne Forststraßen und mit vielen schmalen Steigen sowie Pfotenkühlen im Schwarzenbach. Auf der Tegernseer Hütte dann eine Extraportion Futter für dich und anschließend noch ein ausgiebiger Besuch bei deinem Opi.

Zwei Täler weiter ist heute dein großer Freund Bobby angereist, damit du ihn endlich wiedersehen kannst. Und morgen darfst du zum Mantrailing-Schnupperkurs.

Zufrieden? Es sah zumindest ganz danach aus!

Tossing & turning.

Wasser, Sand, Wiese, Freilauf. Wir lieben diese Isarspaziergänge!

Huidiei jodleiridldüeiouri. Zum 30. Mai 2019, für Papa.

Heast as nit
wia die Zeit vergeht
Huidiei jodleiri Huidiridi

Gestern nu‘
ham d’Leut ganz anders g’redt
Huidiei jodleiridldüeiouri

Die Jungen san alt wordn
und die Altn san g’storbn
Duliei, Jodleiridldudieiouri

Hab ich lang überlegen müssen, ob ich den Peter Cornelius nehme, die Jungs von S.T.S., den Harry Belafonte, den Paul Simon oder eben ihn hier – den Hubert von Goisern.

Hauptsache einen, den wir zusammen live gesehen haben. Und das waren ja einige, damals, als wir noch gemeinsam auf Konzerte gingen.

Für den Cornelius sprach, dass ich an das Schulhof-Lied so eine wunderbare Erinnerung mit dir habe. Wie wir das gesungen haben, in Hausschuhen durch den Flur tanzend, der Wellensittich ganz aufgeregt mitzwitschernd. Ich mochte den Text und ich mochte, wenn du dann ein bisschen was von Carla erzählt hast, deiner Mitschülerin in Kleve.

Für S.T.S. sprach, dass deren Hochphase sich exakt mit unseren wenigen gemeinsamen Wiesn-Jahren deckte, du und ich, im Zelt auf Bierbänken stehend, dein ganzes Büro mit dabei, diese lustige Bagage. Den Insel-Song liebten wir gleichermaßen, und auch den anderen, dort allerdings liebtest du die schwoarzn Lipp’n grüne Hoar-Stelle und ich die mit dem Rennbahnexpress-Titelblatt.

Für den anderen Insel-Barden sprach, dass das eigentlich das Lied ist, an das ich immer als Allererstes denke, wenn ich an dich und Singen oder dich und Musik denke. Nichts habe ich dich öfter singen hören als Island in the sun. Wenn du es beim Autofahren gesungen hast, trommelte stets dein linker Fuß mit, wenn du es beim Rasieren gesungen hast, wurden manche Zeilen durch Hmhmhmhm-Geräusche ersetzt, damit du die Rasur nicht unterbrechen musstest.

Für den Paul Simon sprach, dass das unser absurdestes Konzerterlebnis war. Alles, was du kanntest und dir gefiel, war mir unbekannt oder gefiel mir überhaupt nicht. Und umgekehrt. Unsere Schnittmenge an dem Abend war genau ein Lied: Graceland. Ich habe danach tagelang nichts anderes mehr gehört, nur wegen dieser einen Zeile (der mit dem Fenster im Herzen), und du konntest das Lied dann sehr bald nicht mehr hören. Und bei mir war’s genau umgekehrt.

Für den Hubert hab ich mich entschieden, weil da musstest du mich seinerzeit richtiggehend überreden und dann war das aber total klasse, dieser Abend im Circus Krone. Es war sein allererstes Konzert in München, ich hatte noch nie von Hubert von Goisern gehört. Fand das peinlich, dass wir zu einem Volksmusik-Abend gehen, aber du sagtest, das sei viel mehr als Volksmusik, das sei Alpen-Rock. Also bin ich mitgegangen. Und hab es nicht bereut, im Gegenteil.

Ja, die Jahre, die Jahrzehnte – sie sind so schnell vergangen, Papa.

Wenn ich heute so das obige Foto von dir angucke – du mit diesem Cowboyhut, den sie dir 1980 in Kanada verpasst haben, und den du dann von deiner Reise mit nachhause brachtest, und der mich so fasziniert hat, weil da mühelos mein gesamter Kopf reinpasste (diese so präzise Erinnerung: wie groß du mir vorkamst und wie klein ich mich fühlte, in deinem Hut) – dann wird mir klar:

Und gestern is‘ heit word’n
und heit is‘ bald morg’n
Huidiei jodleiri huidiridi

Heast as nit
Heast as nit
Huideridiri
Hollareiridiridldoueio hallouri

Alles Gute zum Vatertag, den du auf einer ionischen Insel verbringst (ein Kompromiss, diese Reise: denn die Lebensgefährtin wollte nicht ins Burgenland und du nicht nach Katalonien, und weil du seit ein paar Jahren ja tatsächlich Kompromisse schließt, bist du jetzt eben in Griechenland 😉 ) – bis bald in alter Frische am Tegernsee!