Hund haben (15).

Fixlaudon no amoi!

Müsst’s eich so aufpudeln? Kenna mia ned oafach durchs Grätzel dackeln ohne diesen Amtskapplschaaß?

Eh kloar, das mir unserne Gackerln, wie ihr des nennts, wegdoa! Wobei: Begriffe wie Hundekotsackerlspender und Hundekotsackerlautomaten, des is klass – vui besser ois des bleede Dog-Station bei uns! Und dann noch in der Dichte und im Onlinestadtplan!
Ein Misttelefon hobd’s a no, ja gibt’s des?! Und Haufen in der Größe, fast höher als der Fernsehturm (ist Gackerl dafür noch das passende Wort?)!?

Oba fast überoi da depperte Leinenzwang oder a Beißkorbpflicht oda beides, selbst in dene Beserlparks!?
Oda glei a kompletts Verbot im ganzn Park? Muass des sei? Des fäult mi echt o!

Dabei hod’s so leiwand ogfangt…

Erst die erfolgreiche Theaterkartenjagd im Feber: nach 45 Minuten glatt zwei halbwegs günstige Sitze in der Burg ergattert.
Dann die Quartiersuche: die Hotels in summa teuer (entweder 20€ pro Nacht und Hundenase oder 25€ am Tag fürs Parken oder beides), also lieber Airbnb, direkt nebam Belvedere, in der Wieden (schöner Bezirk, klingt auch so heimisch-vertraut!), samma fündig worn.

Zwei-Zimmer-Wohnung, gepflegt, gut ausgestattet, keine hässlichen Vorhänge oder unappetitlichen Teppiche. Altbau, Hochparterre, so dass das Fräulein nicht durch Stiegenhäuser hochgetragen werden muss mit dem vom Frühjahrsputz ruinierten Ellbogen.
Eine rundum adäquate Bleibe (wenn Bilder und Bewertungen nicht lügen) für lädierte Herrschaften in den mittleren Jahren, mit Badewanne sogar, damit sich die Dackelreinigung nach eventuellen Dreckswettermärschen ebenfalls kommod gestaltet (ich hasse es, den Hund in diesen top-modernen, komplett ebenerdigen Dusch-Oasen zu säubern: eine Riesensauerei jedesmal, inkl. nasser Socken)

Netter Kontakt zu nettem Vermieter, derzeit in Bochum lebend, selbst Hundehalter und daher grashalmpräzise auskunftsfähig, was alle möglichen (viele san’s eh ned) Pipiplätzchen in unmittelbarer Wohnungsnähe angeht, dazu noch ein Spitzentipp für ein Kaffeehaus zum Geburtstagsfrühstück, gleich ums Eck.

Nur einen Steinwurf entfernt die Haltestelle der Bim, die einen in 13 (!) Minuten direkt vors Burgtheater befördert, ebenso die U-Bahn-Station, mit der man zum am Stadtrand gelegenen Park&Ride gelangt (super Tipp von der Freundin vor Ort), wo der Kombi preiswert abgestellt wird, nachdem wir unser ganzes Glump in der angemieteten Wohnung ausgeladen haben.
Logistisch also alles bestens!

Noch von daheim aus zwei Verabredungen fix gemacht – der Gatte besucht einen Wiener Uni-Kollegen auf dem Sport-Campus und zeitgleich wird Freundin S. mir irgendwo zwischen Pötzleinsdorf und Neuwaldegg schöne Hundeauslaufgebiete (sic!) und Cafés zeigen. Im Anschluss daran dann alle miteinander in das Lieblings-Beisl von der S.

Zum Geburtstagsabend vom Gatten auf den letzten Drücker den Gunkl im Alsergrund buchen können (der uns vor Jahren mal einen Abend lang dermaßen begeistert hat), der kommt zwar im Herbst auch nach München, aber es ist natürlich netter, den dort zu sehen, wo er ist bzw. herkommt.

Für den Theaterabend eine prima Betreuung für Fräulein Hund gewonnen, schließlich ist das Stück recht lang, und hin und zurück muss man ja auch und – wer weiß – vielleicht will man ja sogar danach noch ein bisserl ofczarecken am Künsterausgang (so wie damals vor 15 Jahren, um den Herrn Brandauer abzufangen), aber eventuell bin ich aus dem Alter jetzt doch mal raus (?), jedenfalls ist’s aufgrund des langen Abends sehr beruhigend, dass die liebe S. dem Dackelfräulein ein Weilchen Gesellschaft leisten mag (@S: den Gustl hamma ned gfundn, wir bringen nun die Akka mit, i hoff, des bassd).

Auch schon ein Schwimmbad recherchiert, das vom Quartier aus gut erreichbar ist. Ein kleines architektonisches Highlight: Grundriss einer römischen Therme und innen im Art-Déco-Stil gehalten. Cool schaut das aus dort – und es gehört ja zu meinen großen Hobbys, mir so gut wie überall, wo ich hinkomme, andere Schwimmbäder anzusehen (und natürlich auch drin zu schwimmen), denn nirgends ist der Einheimische so unverstellt eins mit sich und überhaupt so heimisch, wie in einer Umkleide, unter der Dusche oder in der Sauna (außer vielleicht in seinem Stamm-Beisl).

Lauter angenehme, anregende Sachen geplant und daneben noch eine Menge Zeit „zur freien Verfügung“, wie man so sagt.
Zeit zum Umanandersandeln und Rumgucken, zum Treibenlassen durch die Gassen und zum entspannten Herumrühren in Kaffeetassen, die man uns an altbekannten und neu zu entdeckenden Orten servieren wird. In die Gumpendorferstraße will ich, ins „Sperl“, und endlich auch mal in die Leopoldstadt, auf den Karmelitermarkt und in den Augarten. Die persönliche Wien-Landkarte erweitern, sofern das halt zusammen mit Hund gut machbar ist.

Alles lief bei den Reisevorbereitungen zunächst wie am Schnürchen, aber dann ging’s an die Details.

Der Wochenkartenkauf für die Öffentlichen (bis die dämlich App das Zahlungsmittel mal akzeptiert hatte… – es hätte die Kreditkarte beinahe ihr Leben gekostet), die Organisation eines Zweitschlüssels vom Hausverwalter (es gibt Menschen, die sind von 2 simplen Fragen in 1 Mail einfach komplett überfordert), das genauere Ausloten der hundefreundlichen Grünflächen im Viertel und den Nachbarbezirken (gruselig kleine, eingezäunte Hundeauslaufzonen wie ich sie in Finnland und Schweden sah, herrje), die Entdeckung, dass ein Dackel in den Öffentlichen einen Einzelfahrschein braucht (1,20€ pro Strecke im Vergleich zu umsonst in München, egal wohin und wie oft) und einen Maulkorb, resp. Beißkorb (allein der Begriff!) tragen muss (wir haben jetzt einen für 3€ gekauft, das Fräulein war todbeleidigt bei der ersten Anprobe), das Surfen auf den Seiten der Stadtverwaltung, um sich mit all den Verboten für Hunde vertraut zu machen (die Liste der Parks, die tabu sind, ist zwar ordentlich sortiert, aber erschreckend lang).

Genug gesudert.

Wien ist meine zweitliebste Stadt und wird es auch bleiben.
Nirgends hab ich mich je sofort auch nur annähernd so wohl gefühlt wie dort.

Betrachten wir’s einfach als Herausforderung, das jetzt auch mal zusammen mit Hund nicht nur zu managen, sondern auch zu genießen.
Gucken wir halt keine Schlossgärten an. Und betreten auch keine Museen. Fretten wir uns tagsüber einfach nicht ab mit all diesem Kulturkram. Spazieren wir eben auf den Hügeln vor der Stadt herum, fahren da beißkorbfrei mit dem Auto hoch, laben uns an der guten Luft und der Aussicht und den Mehlspeisen in Ausflugscafés und freuen uns, dass wir mal was anderes sehen als immer nur die Stadt, da unten.

Gerade auf Reisen eröffnet einem ein Hund ja immer wieder ganz neue Möglichkeiten, Perspektiven, Erlebnisse – spannende Abenteuer off the beaten path, wie es immer so schön heißt und wie es sich als Untertitel auf Reiseführern exzellent verkaufen lässt.

Das wär‘ ja glatt noch ’ne berufliche Option, denk ich grad so: eine Reiseagentur mit dem Namen „Hundum sorglos – das ausgewuffte Reisebüro für Zwei- und Vierbeiner“.
Ist nämlich eine Welt für sich, diese Reiserei mit Hund und eine knifflige, unergründliche oft noch dazu (erst recht, wenn’s eine Städtereise ist), zumindest wenn einem wichtig ist, dass es dort auch für den Hund gut passt und man den nicht nur mitschleifen will.

Slogan der Agentur: „Organisieren Sie noch oder genießen Sie schon?“
Oder in der österreichischen Variante: „Gackerln Sie ruhig – wir kümmern uns um die Sackerln!“
Kann man dann für die jeweiligen Destinationen noch ergänzen um zusätzlich buchbare special events wie „Bellen im Belvedere“ oder „Auf einen Rinderschlund in den Alsergrund“ oder „Such die Pasteten in ganz Margareten!“.

Jetzt aber mal den Koffer zugeklappt & die Klappe ebenso & noch eine Mütze Schlaf genommen –
Servus & Baba mitanand, und wanns dortige WLAN kaane Spomernadeln mochd, hear ma uns gwiss!

Weitermachen oder: The Mum&Dog-experience.

Es war ein Tag des Abschieds, innerlich wie äußerlich, und so kam ich gestern Nachmittag etwas gerädert und verheult in Abbekås (gesprochen: Abbekoos), ein paar Kilometer westlich von Ystad, an.
Aus Solidarität weinte auch der Himmel ein bisschen mit.

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Abendstimmung an abbekåsischen Küste.

Wieso Abbekås – wo Ystad doch so viel netter klingt?

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Fischerdorf Abbekås in der Gemeinde Skurup.

Weil hier die „Reichsstraße 9“ (für deutsche Ohren gefälligerer Name: „Südküstenstraße“) nicht den Ort halbiert und zugleich weitmöglichst von der Küste entfernt verläuft.
Anders gesagt: Wohnt man in Abbekås am Meer, hat man die Küstenstraße nicht im Nacken und hört sie nicht. Die ist zwar nur während der Hauptsaison wirklich stark befahren, aber ganz ohne Autogeräusche ist’s mir lieber.

Diese Pendanterie bei der Ortswahl und Quartiersuche rächt sich natürlich. Zwar bin ich es gewöhnt, für meine Spießerattitüden und Zwanghaftigkeiten vom Schicksal einen Klaps zu bekommen, aber es ist immer wieder spannend zu sehen, welcher Gestalt der Klaps wohl sein mag. Und diesmal war es sogar ein Doppelklaps.

Die Wohnung im Erdgeschoss eines Hauses auf dem Grundstück des pensionierten Schuldirektors und seiner Gattin (die im Nebenhaus leben), das am Ende einer Sackgasse liegt, ist von außen betrachtet ein Glücksgriff, vor allem für den überaus günstigen Nachsaison-Mietpreis. Außerdem sind wir die einzigen Gäste, so dass in der anderen Ferienwohnung über uns auch Ruhe herrscht.

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Im Garten: Bälle, Äpfel und noch keine Krater.

Was die Inneneinrichtung angeht, so wirkt das Interieur wie ein Streifzug durch etliche Generationen von Familienumzügen, Entrümpelungen und Renovierungsanfällen. Schönes Bad, schöne Küche, trostloses Schlafzimmer, zwei Wohnräume mit Stilmix, aber auch gemütliche Ecken und Plätzchen, alles in allem ein Kompromiss, aber ein guter.

Die Vermieter sind ausgesprochen freundliche Endsechziger, meine Befürchtung, sie könnten mir zu sehr auf die Pelle rücken (zumal das auch noch der Vorname des Schuldirektors ist), zerstreut sich bereits in den ersten Minuten des Kennenlernens. Sie zeigen mir die Wohnung, erläutern alle Besonderheiten und stellen Pippa und mir auch ihren Mini-Pudel vor, einen 8 Jahre alten, lebenslang von pädagogischen Maßnahmen verschonten Kläffer, der gelegentlich auf den Namen Diesel hört (gesprochen: Diiisssälll), aber bei Pippas Anblick tatsächlich sowohl verstummt als sich auch wie ein Kavalier zu benehmen weiß.

Der Garten, den wir in Gänze mitnutzen dürfen, endet – und das ist das Highlight der Unterkunft – im bzw. am Meer. Durch die Sackgassenlage des Grundstücks latscht einem da auch niemand durchs Bild, d.h. freie Sicht aufs Wasser, vom Esstisch aus, von der Couch aus.

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Blick durch die fast bodentiefen Fenster in den Garten und auf die Ostsee.

Eine Oase der absoluten Ruhe und der schönen Aussicht, offensichtlich eine gute Wahl.

Von zwei Kleinigkeiten abgesehen, eben jenem eingangs erwähnten Doppelklaps. Während der Stunden des Auspackens, Umräumens und Einrichtens werde ich mit solchen Mengen und Schichten an Staub konfrontiert, dass ich erstmal alle Schränke, Schubladen, Flächen und Gegenstände zu entstauben beschließe. Entweder bin ich so ein übertriebener Sauberkeits-Fan oder die Gäste vor mir waren spezielle Schmutzfinken (hier übernimmt der Gast die Endreinigung, schlechtes Konzept).

Als der Staubsauger in den spätereren Abendstunden längst wieder verstummt ist, wundere ich mich, dass ich noch immer ein Dröhnen in den Ohren habe. Ich gehe dem anhaltenden Brummton nach und lande vor dem Kühlschrank. Der Kompressor macht ein Dauergeräusch, das störender ist als jede 500m entfernte Küstenstraße!

Dummerweise steht der Kühlschrank in einer Nische direkt neben der Tür zum Schlafzimmer. Selbst bei geschlossener Schlafzimmertür dringt das Dröhen unüberhörbar durch dieselbe, sogar den Ohrstöpsel-Test meistert es mit Bravour.
Was tun? Den Kühlschrank ausschalten? Die Schlafzimmertür mit den Matratzen aus dem Babybett abdichten? Im Garten schlafen? Heimfahren?

Die Lösung liegt quasi in der Luft. Die Gastgeberin hat es gut gemeint und die Bleibe für die Feriengäste mit einem Raumduftspray bearbeitet. Statt der herrlichen und kostenlosen Meerluft durchzieht ein Hauch von unnatürlicher Apfelfrische (ich tippe auf Granny Smith) die gesamte Wohnung.

Ich lüfte sofort nach der Schlüsselübergabe überall. Für Stunden. Ist zwar abends ganz schön frisch draußen, aber da ich ja durchs Putzen gut in Bewegung bin, ist mir herrlich warm.

Als wir ins Bett gehen, will ich das Schlafzimmerfenster schließen.

Und da bemerke ich’s: Man hört das Meer rauschen, und wie! Ein kraftvolles, rhythmisches wusch-wusch-wusch. So laut, dass es sogar den Kühlschrank übertönt! Wir kuscheln uns in dem kühlen Raum unter der Decke eng aneinander – auf volle Länge ausgeklappt ist so ein Dackel eine Wärm-Wurst von über einem Meter! – und schlafen bei offenem Fenster, staub- und apfelfreier Luft sowie Meeresrauschen ein.

Beim Sonntagsfrühstück kratze ich nach dem Motto „Neuer Ort, neues Glück“ meinen Mut zusammen und riskiere bei den zwei Lokalen im Ort die Nachfrage, ob man mir samt Hund für die Dauer eines Abendessens Asyl gewähren würde. Fünf Minuten später antwortet das erste Restaurant:

Hej hej,
thank you for your e-mail.
Of course, you can bring your dog!
All doggies are welcome along with Mum & Dad 😉

Wishing you a warm welcome and let us know if you want to book a table.
Med vänlig hälsning
Erik.

Einerseits: Hurra. Andererseits: was soll dieses with Mum&Dad?! Hoffentlich genügt es auch with Mum 🙂
Aber ich werd‘ hingehen, in gut zwei Stunden, und wenn man uns nun die Tür weist, weil der Dad fehlt, also dann, liebe Schweden, dann könnt ihr mich endgültig mal gern haben mit euren schrägen Zugangsbestimmungen für eure überteuerten Restaurants!

Einen ebenfalls spannenden Sonntagabend wünscht euch –
Die Kraulquappe.