Die Vier von der Tankstelle.

Singultus fluvialis (oder so ähnlich).

Mindestens ein Aufstoßen oder einen Schluckauf wünsch‘ ich ihm, dem canidenfressenden Gierschlund!

She’s only fly-fishing!

Heute war der große Tag. Dank akribischer Vorbereitung sollte gen Mittag die Restaurantpremiere stattfinden.
Ohnehin wollte ich dem Ort Mörrum einen Besuch abstatten, um dort den 14km langen Lachswanderweg zu gehen.

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Wahrzeichen von Mörrum: Das Lachsmädchen.

Da ich danach Hunger haben würde, für heute wechselhaftes Wetter vorhergesagt war, so dass ein Picknick im Grünen riskant wäre, hatte ich bereits gestern die zwei Lokale Mörrums per Mail mit der üblichen GretchenHundefrage behelligt (ich hasse negative Überraschungen vor Ort, erst recht, wenn ich Hunger habe). Das eine antwortete barsch „no dogs allowed“, das andere aber meinte „you’re welcome if no other guests complain“.

Nun ja, man fragt sich zwar, wie die sich das vorstellen: ich esse gerade gemütlich, mein Hund schläft ebenso gemütlich unterm Tisch und dann erscheinen Gäste, die beim Anblick des Dackels einen Entsetzensschrei ausstoßen und sich beim Kellner beschweren – soll ich dann die Gabel fallenlassen und rausrennen?!

Wie dem auch sein würde: Ich richtete mich also auf ein Mittagessen ein, freute mich, mal an einem Tag nicht kochen zu müssen.

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Ein Kleinod an Übersetzungskunst.

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Die königliche Lachsfischerei zu Mörrum.

Mörrum ist ein Dorado für Sportangler (eine dieser Sportarten, zu denen ich null Zugang habe), der Fluss berühmt für seinen reichen Fischbestand (überwiegend Lachs) und daher Magnet für Angeltouristen aus ganz Europa (allen Ernstes!).

Aber auch in Schwedens bekanntestem Lachsfluss neigt sich die Saison dem Ende entgegen…

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…am 30.09. ist Feierabend, weshalb die 32 Pools (das sind die Angelzonen entlang des Flusses – ich hab echt was gelernt heute!) nochmal ganz gut besucht waren.
Erlaubt ist nur Spinnfischen und Fliegenfischen (was es wohl sonst noch so geben mag?).

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Ich sah Lachse springen (oder Meerforellen?), Männer stumm im Wasser stehen, zwischendurch die Angel auswerfen und danach weiter stumm im Wasser stehen.

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Bestenfalls zu zweit, tendenziell alleine, gelegentlich auch alleine mit Hund. Auf dem gesamten Lachswanderweg habe ich keine einzige Frau gesehen, die diesen Sport ausübt. Angeln scheint ein Männersport zu sein. Vielleicht, weil es so ein stummer Sport ist.

Nach gut zwei Stunden Marschieren und Staunen…

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…nähern wir uns allmählich dem Highlight des Tages, dem Restaurant „Kronolaxen“, das täglich von 11 bis 15 Uhr geöffnet hat und ein Lunchbuffet anbietet (typisch für Schweden).

Drinnen hocken ca. 20 Sportangler oder Hobbyfischer (ist da ein Unterschied?) in ihren schlammgrünen Angelklamotten stumm beim Essen. Auch hier keine einzige Frau. Wie mir nach ein paar Minuten dämmert, bin ich in der Angel-Club-Kantine gelandet.

Die einzige anwesende Frau außer mir ist die Bedienung. Sie beäugt uns kritisch, als wir das Lokal betreten, und weil wir es wagen, weiterzugehen, fragt sie uns umgehend, was wir hier machen. Auf meine Email Bezug nehmend gebe ich artig Auskunft, dann zeigt sie auf den Hund und sagt „no dogs inside“, aber ich lasse mich nicht abwimmeln, sie muss den Chef fragen gehen und kommt dann zerknirscht an den Tisch zurück, an den ich mich gesetzt habe, kassiert den Buffetpreis und meint, der Hund müsse aber komplett unter dem Tisch liegen und brav sein. Selbstverständlich, entgegne ich (und bin insgeheim froh, keine Dogge zu haben, sonst hätte ich den Tisch wechseln müssen).
Nach über 2 Stunden Gassigehen ist das Dackeltier müde und entsprechend total brav. Geschafft! Ich sitze mit Hund in einem Lokal in Schweden!

Zur Auswahl gibt es Fisch, Fisch oder Fisch. Also entscheide ich mich tatsächlich für Fisch und greife vor allem bei den Beilagen gut zu. Zurück am Tisch beginne ich zu essen. Nach den ersten paar Bissen ruckelt es heftig am Tisch, weil die am Tischbein befestigte Leine durch einen Sprung des Hundes abrupt gespannt wurde. Ich sehe nach unten und sehe die Katastrophe (und den Grund für den Ruck) an der Wand sitzen: Eine Fliege! Eine fette, schwarze Fliege!

Es gibt genau zwei Dinge (äh: Lebewesen), die unser an sich gut erzogener Hund hasst wie die Pest: Katzen und Fliegen. Bei Katzen wird gebellt wie blöd. Bei Fliegen entwickelt sie Hau-den-Lukas-artige Kräfte, die schon mal Bistro-Tische oder Biergartenbänke umreißen können. So auch heute: sie springt wild hin und her, reißt den Tisch jedes Mal ein Stück mit, die Tischbeine quietschen laut über den Steinboden.

Natürlich bringt mir just in dem Moment, als die Bravheit meines Hundes in ihrem Zenit steht, die Bedienung das bestellte Getränk an den Tisch, will es abstellen, was aber nicht geht, da der Tisch schon wieder einen Hüpfer macht, weil Fliege und Hund immer noch wild Fangen spielen. Die Bedienung quittiert dies mit einem giftigen Blick nach unten und tritt pikiert einen Schritt zur Seite.

„She’s only fly-fishing!“ sage ich so charmant ich kann – in der Hoffnung, mit diesem brillanten Milieu-Witz die Situation zu entschärfen.

Niemand lacht. Die 20 Männer essen stumm weiter, die Bedienung stellt das Wasser auf dem Nachbartisch ab und geht.

Ihr könnt mich mal. Humor- und trostlose schwedische Gastronomie. Morgen koche ich mir wieder was.
Die Kraulquappe.