Beyond and all over, 24/7.

[Und ich denke an N., den ich exakt heute vor 3 Jahren letztmals lachen hörte und lebendig vor mir sah, in unserer Nische im „La Fiera“, der war ein hohes Tier in der ehemaligen Firma und hat sich nie von seinem lässigen Stil oder seiner Storchennestfrisur abbringen lassen und stets ein Vokabular gepflegt, das schon damals ebenso wenig zeitgemäß war wie sein metallicmintgrüner, uralter Nissan.
Und ich denke an K. und D. mit denen ich mich seinerzeit – war das echt schon vor 10 Jahren? ja, so lang ist’s wohl her! – totlachte über dieses Video, das uns auf zynische Weise Trost spendete, wenn wir uns morgens noch vor 8 Uhr unlustig am Franz-Josef-Strauß-Airport trafen und uns aufmachten, um eine quälende Business-Week lang die User in Cologne oder in Saint Ingbert zu supporten… – ja was für Zeiten waren das noch, und was bin ich froh, dass ich damit nix mehr zu tun habe und die Woche nicht mehr mit dem Anblick der Blauhemden (geschmückt mit Gelbkrawatten) an irgendwelchen Flughäfen beginnt.]

Ich wünsche Ihnen eine gute weitere Arbeitswoche, ob Sie diese nun in Berlin, Köln, Frankfurt, München oder Bangkok verbringen – Hauptsache, Sie müssen möglichst wenig herumkaschpern und haben – trotz being brutally busy between Berlin and Bangkok (or only Munich and Frankfurt)– mal wieder ein bisserl Zeit für Ihre Freunde (oder was Ihnen sonst noch wichtig war ist im Leben).

Nicht dass Sie so enden:

Apropos: Das Dackelfräulein möchte jetzt Spazieren gehen (gotta walk the dog).
Tschüssikowsky oder cu, ganz wie es Ihnen beliebt (as you like it)!

Privatissime.

Lieber Gatte,

es kam mir ja bereits etwas seltsam vor, dass du Anfang letzter Woche deinen Bademantel einpacktest, als du dich wegen dieses angeblichen Blockseminars für 10 Tage nach Frankfurt verabschiedet hast.
Blockseminar? Bademantel? Jaja, ich weiß, seit Bologna hat sich viel verändert an den deutschen Universitäten, und ich weiß auch, dass dein Blockseminar vom vergangenen Wochenende das Wort „systemisch“ im Titel trug – dennoch: Bademantel und Blockseminar passt für mich einfach nicht so recht zusammen.

Dann heute Morgen diese Abbuchung von einer Frankfurter Bar auf unserem Kontoauszug, hm…?!? Und kaum war das einigermaßen geklärt, rückt heute Mittag diese Friederike an. Langsam denke ich, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht: jetzt verschiebt sich also tatsächlich deine Heimreise und beschert mir eine weitere Nacht- und Morgenrunde mit dem hormonell ausgetickten, anhänglichen Dackelweib (nicht zu vergessen: die Stunden dazwischen).

Aber es kommt noch doller!

Abend(ge)mahl samt Lektüre.

Beim Abendessen, das ich ja heute eigentlich für zwei geplant hatte und nun alleine verspeisen musste, sitz‘ ich da so und stochere im Auflauf herum, als mir plötzlich diese schwarzweiße Postkarte einfiel, über die wir mal so gelacht haben. Du weißt schon: die mit der Rückenansicht einer nackten Frau, die frivol und erwartungsfroh an der Tischkante lümmelt, als man den Herrn des Hauses nach einem langen Arbeitstag (oder Blockseminar) ganz hinten im Flur die Wohnung betreteten und auf die Frau zugehen sieht – über ihm die Denkblase „So ein Mist, schon wieder nichts gekocht!“.
Und weiter dachte ich: Mensch, die suchst du raus, machst noch schnell ein Foto vom Abendmahl, und stellst beides in den Blog rein, mit einem schmissigen Satz drunter (à la „Wie man’s macht, macht man’s verkehrt!“).

Esse zu Ende, stehe auf und gehe zu meinem Sekretär. Durschuche die ganze Box, in der ich meinen Kartenvorrat horte – nichts! Denke dann: Hm, vielleicht hast du ihm die Karte ja schon geschenkt, schließlich gab’s ja nicht zum ersten Mal abends bei Heimkehr eine warme Mahlzeit, dann musst du halt mal in seiner Box (die rote mit den zig Ehefrau-Postkarten, -Briefen und -Depeschen) kramen. Suche dann erstmal minutenlang diese Box (leider wohnt die nicht mehr dort, wo sie in der alten Wohnung stand), finde sie schließlich und durchforste die in über zehn Jahren aufgelaufene Sammlung (nebenbei bin ich ein wenig schockiert über die Entwicklung, die meine Handschrift nahm, außerdem ist es komisch, die eigenen Worte so kreuz und quer in einer Kiste gestapelt vorzufinden). Aber dort ist besagte Postkarte auch nicht!

Jetzt frage ich mich: Hast du sie an einem geheimen Ort versteckt (Vorsicht, Fangfrage!) oder etwa weiterverschenkt (Obacht!) oder sie dir gar auf deinen Schreibtisch in Frankfurt gestellt (was irgendwie zu der Bademantelsache passen würde)?
Oder hab ich sie anderweitig verschenkt (wenn ja: wem nur?) oder einfach nur verschmissen (wir wissen: das ist höchst unwahrscheinlich)?
Wo zum Teufel ist diese verdammte Karte abgeblieben?

Als Ersatz für die nicht auffindbare Karte, wegen der ich nun auf den Gag, den ich gern gemacht hätte, verzichten muss, bekommst du hier ein Hundefoto (just in dem Moment aufgenommen, als ich ihr mitteilte, dass du heute doch nicht kommst) samt Gustl, Schorschi, Söckchen und Bällchen. Eine geballte Ermahung quasi (letztlich angebrachter als jeder Gag).

So, wir müssen dann mal raus in den Sturm und Regen, wünschen dir noch einen schönen Abend in der Mainmetropole und pass gut auf, dass Friederike dir nicht den Bademantel aufweht!

Es grüßen –
Deine beiden Frauen.

O-wimoweh, o-wimoweh, o-wimoweh. Zum 27. März 2017.

Liebster R.,

der Status „Gatte“ bewahrt dich vor nichts: Weder vor dem Geburtstaghaben an sich, noch vor der Gratulationsserie auf meinem Blog. Zumal dein heutigre Geburtstag ein – wie sage ich’s nur? – irgendwie besonderer ist.

Vielleicht ist er am besten durch ein kleines Bildchen zu umschreiben, das ich letztes Jahr an einem Sommermorgen in Tirol schoss, als du schon deinen Pflichten als Hunde-Vater nachgingst, während ich noch im Nachthemd auf dem Balkon unseres Domizils stand und den Sonnenaufgang bestaunte, der hinter dem Lamsenjoch hervorkroch.

Verwackelt, da zu früh am Morgen.

Heute übernehme ich das Morgengassi, so dass du schon mal den Tisch decken noch gemütlich liegenbleiben kannst, bis ich mit frischen Semmeln heimkommen und dich an den Gabentisch bitten werde. In der ganz oben auf dem Geschenkeberghügel thronenden Karte steht dann auch all das, was hier nicht steht (also nicht mehr viel).

Und bitte reiß dich zusammen und beginn mit der Karte! Denn wenn du die zwei Präsente auspackst, besteht Gefahr, dass du womöglich vor lauter Tränen (Freudentränen, hoffe ich!), keinen Buchstaben mehr lesen kannst.

Apropos Freudentränen. Die vergoss ich seinerzeit auch, als wir in unseren Anfangsjahren noch ständig durch die Berge marschierten und ich dich eines Tages, es war auf dem Soiernhaus, dabei ertappte, wie du ganz versonnen Otto, den Hund des Hüttenwirts, deinen Käsebrotfinger hast abschlecken lassen.

Denn da war mir klar: Mit dem kannste zusammenbleiben, der liebt nicht nur dich, sondern auch Dackel. Ein äußerst entscheidendes Kriterium!

Otto vom Soiernhaus.

Wenig später schleifte ich dich – quasi als letzten Lackmustest – zu deinem ersten Springsteen-Konzert und auch da erlebte ich dich so, wie man den, mit dem man sich jung fühlend altern will, erleben möchte: Begeistert, beschwingt, beseelt. Du hattest zwar sehr bald andere Lieblingssongs als ich, aber da auch diese noch in dem Kompendium „Die 300 besten Songs von Bruce Springsteen“ enthalten sind, sagte ich mir: Schwamm drüber. Ohne etwas Toleranz haut so eine Beziehung ja eh nicht hin.

Und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Ein paar Jahre später heirateten wir und wurden genau 9 Monate nach der Hochzeit stolze Eltern. Zeit wurde es, wir waren schließlich nicht mehr die Jüngsten! Im Unterschied zur Situation vieler anderer Eltern in unserem Umfeld hatten wir allerdings das große Los gezogen, da unsere Kleine von Anfang an gern und viel schlief. Schon nach 4 Wochen schlief sie durch, und zwar voll 8 Stunden!

Als sie sich dann eines Tages aus ihrer Wiege raus- und in unser Bett reingeschlichen hatte, schlief sie gleich noch länger und lieber.

Sie ist nämlich – genau wie du! – kein Morgenhektiker und lässt sich gern erstmal die Sonne auf den Bauch scheinen, bevor sie aufsteht und in der Küche Stress macht wegen des Frühstücks (was ja mein Job ist).

Du hast sie, kaum dass sie laufen konnte, mit deiner ganz großen Leidenschaft angesteckt. Und ganz wie bei dir wurde fast eine Sucht draus. Wenn der Ball mal nicht so rollte, wie sie sich das erhofft hatte, war sie stundenlang unleidig. Wenn das dann noch auf Tage fiel, an denen der große, ruhmreiche FC Bayern abgekackt hatte, hatte ich gleich zwei Mega-Muffel auf der Couch sitzen.

Philippa Gar-nicht-Lahm.

Pippas Ballsucht hast du mittlerweile durch zahlreiche Intelligenzspiele („Zieh“, „Acht“, „Blau“, „Tür zu“ etc.) und Erweiterung des Repertoires an Gassirouten einigermaßen in den Griff bekommen. Bei dir ist diesbezüglich Hopfen und Malz verloren, aber ich verstehe das schon: Einmal Fan, immer Fan, da helfen nicht mal mehr Intelligenzspiele, geht mir schließlich genauso. Sowas ist wie „lebenslänglich“, wenn es echt ist.

Und so ist es manchmal auch mit der Liebe und der Ehe. Darauf hoffe ich natürlich in unserem Falle sehr, und die Chancen stehen gut, da du nach 10 Jahren immer noch mein Lieblingsmensch bist! 🙂

Den Song vom Boss, den ich für dich ausgewählt hatte, habe ich wieder verworfen (es wäre „Outlaw Pete“ gewesen, obwohl du deine Säuglingszeit nicht im Knast verbracht und auch noch niemanden erschlagen hast). Ich habe ihn verworfen, weil ich dachte, du wirst eigentlich oft genug mit dieser Musik beschallt und hörst sie dir ja sogar freiwillig auf deinen Zugfahrten zwischen Frankfurt und München an, wenn du nicht gerade Sportfilme guckst oder im Gang stehen musst, weil der ICE mal wieder nur halb so lang ist wie er sein sollte.

Dein Geburtstagsständchen werden dir also nicht Bruce Springsteen & the E-Street-Band bringen, sondern Pat, the Hippo & Stanley, the Dog. Der Boss wäre einverstanden mit diesen Stellvertretern, da bin ich mir sicher.

Nach meiner Wahrnehmung ist das nämlich der einzige Song, dessen Erklingen dich absolut immer erheitert (also hoffentlich auch schon am frühen Morgen des heutigen Tages). Gleichwohl birgt der Text nicht allzu viele Highlights, so dass ich es mal auf diesen bedeutungsvollen Vers hier beschränke, den ich dir widmen möchte:

Hush, my darling, don’t fear, my darling
The lion sleeps tonight!

Aber bevor the lion sleeps (und wir neben ihm), feiern wir jetzt erstmal deinen runden GeburtsTag!

Alles Liebe und Gute wünscht dir
Deine Kraulquappenfrau.

Morgenstund‘ hat… (Ein Gruß nach Frankfurt.)

Lieber Gatte,

noch gestern Abend teilten wir telefonisch unseren Kummer über den schlechten Start in den Dienstag, den wir viel zu früh, viel zu laut und viel zu milchlos erdulden mussten. Und was erwartet mich dann am heutigen Mittwochmorgen? Na, ahnst du schon, was jetzt kommt?

Um 5:20 Uhr, also zu besten Hausmeisterkratzzeit werde ich von Würgegeräuschen geweckt. Unserer Dackelmadame war übel, sie verließ das Bett und hinterließ zwei Gallepfützen. Ich sprang auf, tappte halb blind in die Küche, holte die Küchenrolle und den Lappen, und beseitigte die Bescherung. Wohl wissend, dass unser Hund nie mehr als 2x hintereinander erbricht, stiegen wir wieder ins Bett und da es ansonsten herrlich ruhig war, konnte ich binnen 20 Minuten wieder einschlafen.

Aber nur eine schlappe Stunde später riss mich dann erneut ein alarmierender Ton aus dem schönsten Morgentiefschlaf. Ein schrilles Piepen ertönte! Pippa und ich rissen zeitgleich den Kopf hoch. Dein Wecker!!! Da du ihn gestern dank des Hausmeisters nicht benötigt hattest, hast du ihn einfach samt einprogrammierter Weckzeit zurück- und auch eingeschaltet gelassen.

Wecker, für immer zum Schweigen gebracht.

So kann man sich seiner Familie auch ins Gedächtnis rufen, schon klar. Wir haben intensiv an dich, unseren Ernährer, gedacht, sogar kurz erwogen, anzurufen und einen Satz wie „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ in den Hörer zu trällern!
Nächstes Mal machen wir das, versprochen.
Der Morgen begann also schneefalllos (und daher auch hausmeisterlos), aber keineswegs einfallslos.

Immerhin war wieder Milch im Kühlschrank. Es sind die kleinen Dinge, an denen man sich freuen soll.

Einer adäquaten Entschuldigung harrend grüßt dich
Deine müde Familie.