Die Münchner Boulevardpresse auf Leserinnenfang.

Top: Perfekte Vorbereitung auf die nahende Erkältungssaison. Mit Zuwendung, Taschentuchkauf und Apothekenbesuch ist ja es definitiv nicht getan.

Flop: Huch! Nächstes Mal bitte 4 andere Frauen abstimmen lassen, für ein fescheres Ergebnis. Und bitte nicht in derselben Ausgabe zu Killerkeimen berichten, das irritiert.

Is there somethin‘ else you’re searchin‘ for?

Liebe Leserinnen,

wussten Sie, dass gestern Weltmädchchentag war? Hoffentlich! Und hoffentlich haben Sie sich anlässlich dieses hohen Feiertages auch etwas Schönes gegönnt!

Ich kaufte mir für 99 Cent eine pinkfarbene Haarspange, vereinbarte einen Friseurtermin für Ende Oktober, besuchte nachmittags kurz eine Freundin – auf die etwas zähen Stunden am Schreibtisch wollen wir an dieser Stelle ebenso wenig eingehen wie auf den spontanen Tierarztbesuch, weil das Dackelfräulein sich am Auge verletzt hatte – und ging abends noch ins Kino um die Ecke, inklusive Popcorn, versteht sich.

„A star is born“ hieß der Film. Er stand auf meiner inneren Merkliste, seit ich im August zufällig im Internet über den Trailer gestolpert war und sofort wusste: Das muss ich sehen und hören!

Alles drin, was mich anspricht: berührende Musik, ein fescher Kerl, eine Frau mit Nasentrauma, Open Air Konzerte, wichtige Väter, große Liebe, lodernde Leidenschaft – und sogar ein netter Hund!

Und sollten Sie, liebe Leserinnen, sich gestern nichts gegönnt haben, weil Sie entweder nichts von diesem Feiertag wussten oder keine Zeit hatten, ihn zu würdigen, das aber nachholen wollen, so kann ich Ihnen diesen Film nur wärmstens empfehlen.

Lassen Sie Ihren Mann daheim, nehmen Sie stattdessen ein Päckchen Taschentücher mit und werfen Sie gleich beim Betreten des Kinosaals eventuelle Hemmungen über Bord. Die anderen heulen nämlich auch alle, manche heimlich, andere unheimlich. Und lassen Sie sich am Schluss ausreichend Zeit: alle bleiben hier bis weit nach dem Abspann sitzen, bis der letzte Ton des Soundtracks verhallt und die letzte Träne getrocknet ist.

Durch die unerwartet milde Herbstnacht schwankt man schließlich heimwärts und weiß mal wieder ganz genau, dass es letztlich doch ein Segen ist, diese Art von Ergriffenenheit empfinden zu können.

I’m off the deep end, watch as I dive in
I’ll never meet the ground
Crash through the surface, where they can’t hurt us
We’re far from the shallow now

Privatissime.

Lieber Gatte,

es kam mir ja bereits etwas seltsam vor, dass du Anfang letzter Woche deinen Bademantel einpacktest, als du dich wegen dieses angeblichen Blockseminars für 10 Tage nach Frankfurt verabschiedet hast.
Blockseminar? Bademantel? Jaja, ich weiß, seit Bologna hat sich viel verändert an den deutschen Universitäten, und ich weiß auch, dass dein Blockseminar vom vergangenen Wochenende das Wort „systemisch“ im Titel trug – dennoch: Bademantel und Blockseminar passt für mich einfach nicht so recht zusammen.

Dann heute Morgen diese Abbuchung von einer Frankfurter Bar auf unserem Kontoauszug, hm…?!? Und kaum war das einigermaßen geklärt, rückt heute Mittag diese Friederike an. Langsam denke ich, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht: jetzt verschiebt sich also tatsächlich deine Heimreise und beschert mir eine weitere Nacht- und Morgenrunde mit dem hormonell ausgetickten, anhänglichen Dackelweib (nicht zu vergessen: die Stunden dazwischen).

Aber es kommt noch doller!

Abend(ge)mahl samt Lektüre.

Beim Abendessen, das ich ja heute eigentlich für zwei geplant hatte und nun alleine verspeisen musste, sitz‘ ich da so und stochere im Auflauf herum, als mir plötzlich diese schwarzweiße Postkarte einfiel, über die wir mal so gelacht haben. Du weißt schon: die mit der Rückenansicht einer nackten Frau, die frivol und erwartungsfroh an der Tischkante lümmelt, als man den Herrn des Hauses nach einem langen Arbeitstag (oder Blockseminar) ganz hinten im Flur die Wohnung betreteten und auf die Frau zugehen sieht – über ihm die Denkblase „So ein Mist, schon wieder nichts gekocht!“.
Und weiter dachte ich: Mensch, die suchst du raus, machst noch schnell ein Foto vom Abendmahl, und stellst beides in den Blog rein, mit einem schmissigen Satz drunter (à la „Wie man’s macht, macht man’s verkehrt!“).

Esse zu Ende, stehe auf und gehe zu meinem Sekretär. Durschuche die ganze Box, in der ich meinen Kartenvorrat horte – nichts! Denke dann: Hm, vielleicht hast du ihm die Karte ja schon geschenkt, schließlich gab’s ja nicht zum ersten Mal abends bei Heimkehr eine warme Mahlzeit, dann musst du halt mal in seiner Box (die rote mit den zig Ehefrau-Postkarten, -Briefen und -Depeschen) kramen. Suche dann erstmal minutenlang diese Box (leider wohnt die nicht mehr dort, wo sie in der alten Wohnung stand), finde sie schließlich und durchforste die in über zehn Jahren aufgelaufene Sammlung (nebenbei bin ich ein wenig schockiert über die Entwicklung, die meine Handschrift nahm, außerdem ist es komisch, die eigenen Worte so kreuz und quer in einer Kiste gestapelt vorzufinden). Aber dort ist besagte Postkarte auch nicht!

Jetzt frage ich mich: Hast du sie an einem geheimen Ort versteckt (Vorsicht, Fangfrage!) oder etwa weiterverschenkt (Obacht!) oder sie dir gar auf deinen Schreibtisch in Frankfurt gestellt (was irgendwie zu der Bademantelsache passen würde)?
Oder hab ich sie anderweitig verschenkt (wenn ja: wem nur?) oder einfach nur verschmissen (wir wissen: das ist höchst unwahrscheinlich)?
Wo zum Teufel ist diese verdammte Karte abgeblieben?

Als Ersatz für die nicht auffindbare Karte, wegen der ich nun auf den Gag, den ich gern gemacht hätte, verzichten muss, bekommst du hier ein Hundefoto (just in dem Moment aufgenommen, als ich ihr mitteilte, dass du heute doch nicht kommst) samt Gustl, Schorschi, Söckchen und Bällchen. Eine geballte Ermahung quasi (letztlich angebrachter als jeder Gag).

So, wir müssen dann mal raus in den Sturm und Regen, wünschen dir noch einen schönen Abend in der Mainmetropole und pass gut auf, dass Friederike dir nicht den Bademantel aufweht!

Es grüßen –
Deine beiden Frauen.

Männer beim Einkaufen.

Heute Nachmittag im vorweihnachtlichen Trubel.
Ein zur „Brotmanufaktur“ geschickter und von vermutlich diversen vorangegangenen Einkäufen bereits reichlich strapazierter Familienvater (Anfang 50) vor mir in der Schlange. Zettel in der Hand, ganz klar von der Frau geschrieben (man erkennt das an den vielen Zusätzen, gelegentlich habe ich solche Männer schon bzgl. der korrekten Interpretation all der Zusätze beraten).

Es steht an: Brot-Hamsterkauf für die Groß-Sippe nebst 16 Semmeln zum Einfrieren (Sorten sind detailliert aufgeführt) und – Obacht! – einem von der Frau recht offen formuliertem Listeneintrag „versch. Gebäck, insges. 8 Stück“.
Familienvater kommt dran. Brot- und Semmel-Order verläuft reibungslos. Dann aber: Familienvater begutachtet Gebäcksortiment, man kann ihm ansehen, dass das Sortiment (ca. 12 verschiedene Plunderteilchen, Schnecken, Krapfensorten, Hefestückchen etc.) ihn völlig überfordert und er am liebsten 8x irgendwas kaufen würde. Aber auf seinem Zettel steht „versch. Gebäck, insges. 8 Stück“, puh!

Die Bäckereifachverkäuferin (Typ Mehlmade: bleich, hefige Optik, etwas verschwitzt, spröde im Ton und schon recht müde vom langen Tag) will genau wissen, was denn jetzt und wieviel wovon. Da die Schilder fehlen, deutet der Familienvater verzweifelt mit dem Finger auf die gewünschten Stücke. Mehlmade kann den Fingerzeig nicht genau erkennen und verlangt nach dem Produktnamen. Familienvater ist genervt, aber in Gottes Namen, dann versucht er’s eben: „2 Quarktaschen, 2 Krapfen, 2 Nussschnecken und 2 von denen da in der Mitte“.

Verkäuferin ist noch mit den Zwischenlegpapierchen zur Trennung der klebrigen Quarktaschen von den Nussschnecken beschäftigt und fragt nach: „Welche da in der Mitte?“ (was in der Tat schwierig ist, da es bei den 4 Sorten direkt vor ihrer Nase keine Mitte gibt, wenn man die Sache sortenrechnerisch betrachtet, räumlich – wie es vom Familienvater natürlich gemeint war -, gäbe es die sehr wohl).

Familienvater zeigt mit den Finger drauf und sagt etwas ungehalten: „Na zwei von diesen Busen-Dingern da!“ – und treibt damit der Mehlmade eine entzückende Schamesröte auf ihre ansonsten so blassen Bäckereifachverkäuferinnenbäckchen. Ihr entfährt sogar ein kleines Kichern, während sie zielsicher und beherzt nach den Busen-Dingern greift (und auch die nachfolgende Kundschaft schmunzelt vor sich hin ob dieser netten Unterbrechung der allgemeinen Vorweihnachtshektik).

Frohe Weihnachten all den tapferen Männern, die ihre Einkaufslisten ähnlich erfolgreich abgearbeitet haben
wünscht
Die Kraulquappe.

Die Darmspiegelung oder: A Rua is.

Nach etlichen Tagen des strohwitwernden Hundhabens hatte ich gestern meinen wohlverdienten hundefreien Tag.

Während der Erledigung diverser Arbeiten im Haushalt und am Schreibtisch beschloss ich, mir nachmittags einen Saunabesuch zu gönnen. Wärme und Ruhe täten dem entzündeten Ellenbogen, mit dem ich seit Wochen rumziehe, bestimmt mal ganz gut (und mir sowieso).
Ich fahre zu meinem Lieblingsbad, dem einzigen Münchner Bad, das ganzjähriges Open-Air-Schwimmen im 50m-Becken ermöglicht, um die Unternehmung gleich noch mit einer Runde Schwimmen kombinieren zu können und freue mich wie ein Schnitzel auf die vor mir liegenden 4 Stunden.

Beim Betreten des Bades fällt mein Blick auf eine Hinweistafel neben dem Eingang: „Heute ganztägig Damensauna“.
Nun gut, denke ich, wird schon gehen, so in der Vorweihnachtszeit, wo doch alle so vielbeschäftigt sind.

Ich bin kein Freund von diesen Frauentagen. Zwar bieten sie den Vorteil, sich unbehelligt von gelegentlich vorkommendem verstohlenen oder unverhohlenen Geglotze überall einseifen, abtrocknen und eincremen zu können sowie in der Sauna liegend ganz entspannt auch mit angewinkelten Beinen vor sich hin zu schwitzen ohne zuvor sorgfältigst den passenden Liegeplatz (und das Gegenüber) auszuwählen, aber das war’s dann auch schon mit den Vorteilen dieser Frauentage. Denn in erster Linie sind sie: überfüllte und laute Horte entgrenzter Schamlosigkeit.

Aufgekratze, kichernde Mädeltrupps, rudelweise ratschsüchtige, kiloweise mandarinenschälende Rentnerinnen und grimmig dreinblickende, männerfürchtende (und nicht selten für Männer zum Fürchten aussehende) Trullas aller Altersklassen bevölkern die Saunaanlage an diesen Frauentagen. Dazwischen vereinzelt ein paar Ruhesuchende oder aus Versehen Hineingeratene, verzweifelt nach Erholung suchend.
Es wird geschnattert, gefuttert, gebröselt, gegackert, geschmiert, gepeelt und geshaved, was das Zeug hält. Letzteres artet an diesen Tagen, an denen frau unter sich ist, völlig aus: Die Duschräume verkommen zu einem rutschigen Parkour durch glibberige Rinnsale aus wegrasierten Haaren aller möglichen und unmöglichen Herkunftsorte. Die albernsten Verrenkungen bei gegenüber oder nebenan Duschenden sind zu beobachten, und man darf schon froh sein, wenn einem nicht irgendein Schlonz, der gerade behände mit dem Lady-Shaver vom Nachbarbein abgezogen wird, an die eigene Wade spritzt. Ein Treiben, dem ein paar im Duschraum anwesende Männer sofort Einhalt zu gebieten wüssten – durch ihre bloße Präsenz würden die sich im Herumwerkeln krümmenden Leiber sofort wieder aufrichten, den Rasierer dort lassen, wo er hingehört (unter der heimischen Dusche) und sich stinknormal waschen.

Gestern scheint es zunächst so, als könne ich diesen Szenarien entkommen, denn anhand der noch freien Garderobenschränkchen stelle ich aufatmend fest: Allzu voll ist es noch nicht. Prima. Genüsslich breite ich mein Badetuch in der Sauna aus. Nur eine Frau dampft eine Etage über mir vor sich hin. Ich strecke mich aus und schließe die Augen. Sekunden später fliegt die Tür auf und Elvira tritt ein, als diese wird sie umgehend und lautstark von der über mir Schwitzenden – Margot heißt sie – begrüßt.
Die beiden beginnen einen dieser Saunadialoge, bei dem man Hoffnung auf ein schnelles Ende hegen kann.
Elvira: „Sakradi, is des wieda hoaß da herin!“
Margot: „Ja, es san weit über 90 Grad heid!“

Leider kennen sich die beiden offensichtlich schon länger, so dass diese Hoffnung sich alsbald zerschlägt. Es geht zunächst um Weihnachten und wer wo eingeladen ist oder welchen Besuch erwartet und was es zu Essen geben soll oder ja nicht schon wieder geben darf. Dauer dieser Sequenz: ca. 3 Minuten. Die Lautstärke steigert sich bei jedem Satz, was auch daran liegen mag, dass Margot sich währenddessen angestrengt schnaufend mit einem Sisalhandschuh den Schweiß abbürstet.
Das nächste Themenfeld ist das jeweilige Befinden, resp. Krankheiten. Elvira und Margot dürften, in der schummrigen Gnade des Saunalichts betrachtet, wohl um die Ende 60 sein, demnach gibt es da natürlich Einiges mitzuteilen. Rücken, Knie und Hüfte lasse ich noch tapfer über mich ergehen. Dann aber rückt Margot damit raus, dass ihr noch vor Weihnachten eine Darmspiegelung bevorstünde. Wegen dieser Sache am Dickdarm, woaßt scho, und weil die eine Behandlung ja nicht angeschlagen habe, „da will da Doktor doch nochamal genauer hischaun“, ihr tät‘ es jetzt schon grausen vor der Abführerei. Elvira antwortet, wie es so typisch ist für diese Gespräche, in denen jeder nur seins loswerden will, mit der Story zu dem Furunkel, den sie neulich am Steiß gehabt habe und wie langwierig das gewesen sei und das Aufschneiden ja so schmerzhaft (die Narbe bis heute eitrig und nässend).

Da reicht es mir. Ich richte mich auf und sage höflich, aber bestimmt zu den beiden, dass ich es schön fände, wenn sie ihre Unterhaltung draußen fortsetzen könnten, dabei deute ich auf ein hinter Elvira hängendes Schild, das dort schon seit Jahren stumm und vergeblich um Ruhe zu bitten versucht. Ein bajuwarisches Donnerwetter – noch heftiger als Darm-Malaise und Furunkel-Eiter – ist die Quittung dafür. Was mir einfiele, wo wir denn da hinkämen, wenn man sich in der Sauna nicht mehr unterhalten dürfe, warum mich das überhaupt störe und dass sie sich unterhalten würden, wo immer sie möchten.
„Mir red’n da herin seit 40 Jahr‘ und wenn eana des ned bassd, dann gehns hoid aussi!“

Ein Wort gibt das andere, bis ich mich schließlich erhebe und die beiden keifenden Weiber, die mich mittlerweile wegen meines Nicht-Dialekts als Zugroaste, die da herin eh nix verlorn hat beschimpfen, mit ihren Gebrechen in der Hitzekammer hocken lasse.
Ich gehe Schwimmen, extra lang, denn im Wasser ist es still, herrlich still. Einer der Gründe, weshalb ich das Schwimmen so liebe: Diese Ruhe, dieser Rhythmus, das Monotone, die Schwerelosigkeit.
Das nächste Mal, denke ich beim Bahnenziehen, gehe ich wieder an gemischten Tagen in die Sauna oder aber in Begleitung einer Freundin, mit der es sich zwischen den Saunagängen ebenfalls ratschen lässt, denn anders ist das ja nicht zu ertragen. Eigentlich wird es höchste Zeit, mal Freunde zu finden, die ein Eigenheim mit einer Sauna im Keller haben.

Auf dem Rückweg vom Becken zum Saunabereich laufe ich meinem Lieblingsbademeister über den Weg, Typ Bayrischer Bruce Willis in den 40ern. Er hat heute Saunameisterdienst, ist auf dem Weg zum stündlichen Aufguss. Wir unterhalten uns ein bisschen, ich berichte ihm von meinem Erlebnis mit Mrs. Darm und Mrs. Furunkel. Er sagt daraufhin, dass er diese Frauentage auch nicht leiden kann, den Krach, den Trubel, die Brotzeitorgien überall. Wir gehen gemeinsam zur finnischen Blockhaussauna. Er öffnet die Saunatür, hievt seinen Holzkübel mit dem Eukalyptusöl drin Richtung Saunaofen. Dort sitzen in vorderster Reihe – aufgusserwartend und natürlich ratschend – Elvira und Margot. Als sie Bruce Willis erblicken, der wegen der mörderischen Hitze beim Aufguss nur mit einem Lendenschurz bekleidet ist, geifern sie sofort los. „A Mo in der Sauna – am Damentag! Des geht fei überhaupts ned!“. Beschweren müsse man sich da, schließlich wolle man unter sich sein, da müsse eine Frau den Aufguss machen.

„A Rua is!“ schnautzt Bruce Willis in die Runde, „und wem’s ned bassd da herin, der soll si verzupfn.“ Sprach es und haut mit seinem tätowierten, muskulösen Arm drei Schöpfkellen Eukalyptusbrühe auf die heißen Steine, packt das über seinen breiten Schultern baumelnde Handtuch und fächert mit geräuschvollen Wedelbewegungen den aufsteigenden Dampf durch den Raum. Japsend und fluchend flüchten Elvira und Margot nach draußen, ich strecke mich auf der Holzbank aus, schließe die Augen und inhaliere den befreienden Duft.

Endlich is a Rua da herin.

Buddy the bitch.

Diese Wochen rund um den Umzug sind vor allem eines: Ein großer Streifzug durch einen Erlebnispark voll juristischer, kommunikativer, organisatorischer, logistischer, konsumatorischer und soziokultureller Irritationen, Absurditäten und Pathologien. 

Positiv formuliert: Man lernt mal wieder eine Menge dazu, und der eigene, begrenzte Horizont darf sich erweitern (ob er will oder nicht).

So gerade eben wieder geschehen, beim Kauf von Kleinkram, um alle in einer neuen Wohnung erforderlichen Schutzmaßnahmen korrekt umzusetzen.

Man stelle sich das arme Schwein vor, und zwar ein männliches!, das es wagen muss, die Dame an der Infotheke des Baumarkts mit folgender Frage zu behelligen: „Wo finde ich hier bitte die Bummsinchen?“

Hätte man das Glump nicht Klinkenkondom nennen können?!

Song des Tages (3).

Zum Tag der Frau heute der Song einer Frau,
die ich in den noch unvergenderten 1980er Jahren sehr bewundert habe
und auf deren Konto meine jahrelang getragene
(und bald wieder anstehende) Kurzhaarfrisur ging.

Now there was a time
When they used to say
That behind every great man
There had to be a great woman

But in these times of change
You know that it’s no longer true
So we’re comin‘ out of the kitchen
‚Cause there’s somethin‘ we forgot to say to you, we say

Sisters are doin‘ it for themselves
Standin‘ on their own two feet
And ringin‘ on their own bells, we say
Sisters are doin‘ it for themselves

Das „We’re coming out of the kitchen“ kann ich zwar nicht unterschreiben,
aber fairerweise muss ich dazusagen:
Es ist frei gewählt, das Küchenschicksal!

Am Weltfrauentag habe ich mir und dem Dackelfräulein allerdings eine warme Mahlzeit auswärts gegönnt 🙂

Einen schönen Abend
wünscht
Die Kraulquappe.

Sauber, sog i!

Gestern Früh, beim Blaubärmüsli mit kvarg (eine der schwedischen Vokabeln, die recht eingängig sind, wie ich finde), war der Himmel noch blau und wolkenlos. Wenig später, ich kam gerade aus der Dusche, war er wolkenverhangen und grau.

Just als ich das Haus verließ, spendierte er einen Begrüßungstrunk (immerhin: nur ein leichter, perlender Prosecco, nichts Härteres).

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Snorkfräulein, grantig. Mumin, gelassen.

Dennoch verwarf ich meinen Fahrrad-Ausleih-Plan und ging ins Museum für Moderne Kunst.

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11:01 Uhr. Erster!

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11:05 Uhr. Immer noch Erster. (Ich mag unberührte Szenerien. Und Symmetrien.)

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Alles hat zwei Seiten.

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Auch Erster sein.

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Nobody’s here. It’s just me, all alone (but not new).

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Zugeständnisse? Nicht nötig, so allein.
Video-Installationen sind eh besser, wenn keiner rumhustet, in den Taschen kruschelt oder sich kratzt.

Laufschuh-Installationen ebenfalls.

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Beim Rausgehen erneute Vokabelfreude…

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…bin statt paraply auch mit regnkappa sehr zufrieden (weil: Hände frei, für Kamera und Stadtplan).

Es folgt: ein Shoppingversuch. Zu viele Verlockungen!

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Dachshund, enlightened.

Und immer bleibe ich bei denselben Themen hängen!

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Kindheitserinnerungen: Tiere vom dänischen Designer Kaj Bojesen. Gemein: Ich hatte den Affen, nicht den Dackel.

Selbst im dritten Geschäft.

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„Folk å Rock“ in Malmö. Musikladen wie aus „High fidelity“.

Meine Vorlieben kommen mir manchmal vor wie Schallplatten…

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…die allesamt hängengeblieben sind. Endlosschleifen, Endloslinien.

Dementsprechend endete der Donnerstag auch: Im Wasser.

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Hylliebadet. 2015 erbaute Top-Schwimmhalle mit 50m-Becken.

Vor dem Schwimmen muss man sich aber erst noch in der Umkleide anpöbeln lassen…

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Die fünf Duscha-Zonen der Frau.

… – habt ihr sie noch alle?! (Wenn schon: und was ist mit dem Popo? Vergessen, oder wie?)

Am Samstag geh‘ ich da nochmal hin. Nicht nur zum Schwimmen.
Ich muss mir einfach das Pendant in der Männerumkleide angucken. Und wehe, der Mann hat nicht ebenfalls fünf signalrot umkringelte Schmutzbereiche!

Einen sauberen Freitag wünscht euch
Die Kraulquappe.