I’m bouncing in a white Christmas!

Frohe Weihnachten aus den Bergen!

Was sonst noch so war (oder ist oder sein wird).

Der heutige Dienstag beginnt ungeahnt fröhlich: mit Lachtränen am Frühstückstisch. Mein Privater Pressespiegel, den ich seit Jahren abonniert habe und dessen morgendliche Präsenz neben meinem Schokostreuseltoast ich nicht mehr missen möchte, hat heute wieder ein paar besondere Schmankerl für mich vorgesehen, unter anderem einen Artikel von Max Scharnigg über das antiquierte Katalogwesen. Er lag ganz oben auf dem Stapel der sorgsam vom häuslichen Pressebeauftragten aus der Süddeutschen Zeitung herausgetrennten und gefalteten Seiten, auf denen jeweils mit buntem Leuchtstift der von mir zu lesende Artikel markiert ist, damit ich nicht aus Versehen meine wertvolle Lebenszeit mit nutzloser Lektüre vergeude. Aus allen Ressorts erhalte ich so stets das nach meinen individuellen Maßstäben Wichtigste (bzw. das nach denen des häuslichen Pressebeauftragten als solches Erachtete) – und das verzehrfertig portioniert. Besser geht es nicht, vor allem morgens.

Dem Gatten gebührt wirklich ein Orden dafür, dass er seine Nebentätigkeit als häuslicher Pressebeauftragter schon seit Jahren zu meiner vollen Zufriedenheit ausübt (genauso wie seinen Job als Serienbeauftragter, der besonders dann, wenn eine Serie von Feiertagen ansteht, gewissenhafteste Planung voraussetzt, um Pannen wie z.B. jene, dass einem plötzlich am 25.12. gegen 20:37 Uhr der Stoff ausgehen könnte und man womöglich hinaus ins Kino müsste – oder überhaupt irgendwie hinaus in die Welt des weihnachtsfeiernden Volkes -, unbedingt zu vermeiden) und mir dadurch das Hantieren mit der für meinen Geschmack einfach viel zu großen, unhandlichen Gesamtzeitung konsequent erspart (und bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Hinweis auf digitale Abos: eine Zeitung ist und bleibt etwas, das ich auch mal anfassen können möchte und das keine teuren Reparaturen verursachen darf, wenn es mir in die Badewanne fällt).
Da der Private Pressespiegel meist im Laufe von ein paar Tagen entsteht, da er ja von Hand gesammelt und erstellt wird (der Begriff handverlesen erschließt sich einem hier ganz neu, fällt mir gerade auf) – je nachdem eben, wie der Gatte neben seinem universitären Hauptjob halt grad die Zeit findet für diese nebenberuflichen Sperenzchen – erspart er mir sogar die Druckerschwärze an den Fingern, da die Seiten bis dahin oft schon gut abgehangen sind.
Sehr angenehm, so ein Pressespiegel, ich kann es Ihnen nur empfehlen, falls Sie auch zu denen gehören, die sich nicht gern beim Umblättern von diesen monströsen Tageszeitungen die Butter vom Brot nehmen lassen.

Zurück zu dem Katalog-Artikel von Scharnigg. Toll geschrieben zum einen, zum anderen eine herrliche Erinnerung an uralte Zeiten, in denen ich mir abendelang mit H., als es noch nett und entspannt war mit ihm, aus dem Manufactum-Katalog vorlas und wir aus dem Gegackere und den Begeisterungsstürmen ob dieser Sprache gar nicht mehr herauskamen.
H. war übrigens der schwäbische Theologe und Psychologe, mit dem ich seinerzeit einen nicht mal einjährigen Beziehungsversuch praktizierte, der dann aber an Hs Eifersuchtswahn scheiterte (Bsp.: Ich, mit nassen Haaren, auf dem Rad sitzend, vom Schwimmen heimkehrend und ihn freundlich grüßend – er, mit trockener Miene, vor meiner Haustür wartend und mich sofort anmeckernd, wen ich denn im Schwimmbad getroffen hätte, da ich ja so glücklich aussähe – und wehe, es entfuhr einem dann auch noch ein Lachen), was insgesamt gut so war, denn auf lange Sicht hätte mich dieser Dialekt sowieso zu sehr strapaziert.

Auch Gemütslage und daraus resultierende Handlungsaussetzer bei der Lektüre des Sport-Schuster-Katalogs fasst Scharnigg grandios zusammen (dasselbe gälte auch für den Globetrotter-Katalog, mein erklärter Liebling unter den etablierten Outdoor-Œuvres). Mit den anderen drei Katalogen habe ich persönlich kaum Erfahrung, dennoch habe ich mehrfach geschmunzelt beim Lesen.

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Stirnrunzeln und Kopfschütteln löste hingegen dieser Tage die bahnbrechende Erkenntnis aus, dass ich meine ersten drei Lebensjahre ja im Glockenbachviertel verbracht habe. Es war daheim immer nur die Rede von „Auenstraße“, die Eltern haben nie das Viertel dazu genannt.
Hätte man in 47 Lebensjahren durchaus schon ein klein wenig eher herausfinden können. Es verhielt sich hiermit aber wohl wie mit Liedern, die man in frühester Kindheit gelernt hat: manche Worte, Sätze, Refrains hat man nie so recht verstanden, sie in ihrer Bedeutungsentleertheit aber auch nie hinterfragt, und erst Jahrzehnte später fiel’s einem wie Schuppen von den Augen, dass der See gar nicht stahlig herumlag, sondern dass es schlicht und einfach still und starr liegt der See hieß. Holla!

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Bei frühlingshaften Temperaturen geht’s morgen endlich mal wieder an den See, der putzmunter und ohne jede Eisscholle drauf im Föhnsturm vor sich hinwogen wird.
Das Fräulein und ich wollen den Papa besuchen, ein paar Dinge für ihn regeln, gemeinsam ein vorgezogenes Weihnachtsessen verdrücken, auch wenn die für morgen angekündigten 17 Grad am Alpenrand dem Wallberg das dünne Schneekapperl, das er schon trug, schnell wieder abziehen werden und dort dann nicht viel an Weihnachten oder Winter erinnern wird.
Mir aber eh wurscht, da ich ja mit diesem Fest nicht viel am Hut habe (und ehrlich gesagt auch nicht mal einen Hut besitze).

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Apropos Redewendungen: ein netter Österreicher, mit dem ich gelegentlich Mails tausche, schreibt mir neulich „Wünsche Dir baldige Besserung mit Deiner Backe“ und ich stutze und frage mich, was er damit wohl meinen könnte. Zahnprobleme hab ich ja nun keine. Und auch kein Furunkel am Allerwertesten.

Scrolle dann in der Mail weiter runter, bis zu meiner letzten Mail, um zu gucken: hab ich mich da vielleicht irgendwo vertippt? Nein, hab ich nicht, ich schrieb ihm dort lediglich, ich hätte grad „gesundheitliche Probleme an der Backe“.
Das lässt in der Tat zwei Lesarten zu – und es erheitert mich wirklich sehr, welche der beiden er gewählt hat.

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Nicht minder erheiterte mich die vom Postillon vor einigen Tagen veröffentlichte Liste der 25 häufigsten Google-Suchanfragen der Deutschen in 2019. Tatsächlich konnte ich nach zweifachem Genuss dieser Aufzählung lange nicht einschlafen, vor lauter Gekicher. Es gibt wahrliche schlimmere Ursachen für Schlaflosigkeit, sagte ich mir, und las die Liste gleich noch ein drittes Mal.
Falls Sie auch mal nicht einschlafen können, nehmen Sie doch einfach an einem kleinen Gewinnspiel teil: Finden Sie meine drei Favoriten in dieser Liste und Sie gewinnen eine selbstgebrannte Mandel oder Musik-CD, ganz nach Gusto (oder meinetwegen auch ganz nach Gustl).

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Zurück zur Gesundheit und dem, was da so an der Backe haftet. Ziemlich hartnäckig pappt es da. Aber man muss auch kleine Erfolge wertschätzen sowie das Drumrum dieser kleinen Erfolge. Der Osteopath hat einige Schmerzpunkte weggezaubert, ich check‘ es zwar nicht, wie der das macht, aber er macht’s. Sogar zum Freundschaftspreis, weil man kennt einander nun seit 15 Jahren, 10 davon als Privatpatient, da ist man quasi für magerere Jahre schon ein wenig in Vorleistung gegangen. Der Ellenbogen nun um Welten beweglicher, die Schulter tageweise schmerzfrei, der Nachtschlaf auch besser.

Und weil sich’s so ergab – er ist nämlich wirklich ein sehr netter Mensch, dieser Osteopath – bot er an, sich das Fräulein auch mal anzusehen. Umsonst, weil er ja keine spezielle Ausbildung für Tierbehandlung hätte.

Die Sitzung hat mich extrem angerührt: diese großen Therapeutenhände auf dem kleinen Hundekörper, und so erstaunlich, wie schnell sie ganz ruhig wurde und still hielt und ihn, den sie noch nie zuvor gesehen hatte, einfach machen ließ. Beruhigendes Ergebnis zudem, dass der Knubbel rechts neben der HWS, den ich seit längerem beim Kraulen spüre, eine muskuläre Sache ist – mir fällt ein Stein vom Herzen.

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Wenn aber momentan ein Stein vom Herzen fällt, kippt das Schicksal sogleich ein paar Brocken nach. Der Obdachlose aus der Unterführung hier in der Nähe ist nur zwei Wochen nach seinem Hund gestorben.
Mir bleibt die Spucke weg und wird noch kälter als mir eh schon ist, als ich’s erfahre.

„Bubi, du darfst mir nicht erfrieren!“, das sagte er noch vor rund einem Monat zu seinem alten Hund. Ich hörte es, weil ich durch die Unterführung joggte und meinem Walkman just der Saft ausgegangen war (genau wie mir, nachdem ich Zeuge dieser Szene geworden war).

Brachte ihm später eine Decke für seinen Bubi. Hat aber nichts mehr geholfen, der Hund starb trotzdem wenige Tage später. Und neulich, wieder durch die Unterführung zum Park laufend, sehe ich die alte Decke bei einem anderen Obdachlosen und frage spontan nach, wo denn der ursprüngliche Besitzer der Decke sei. „Is‘ tot“, sagt der Unterführungskollege, rollt sich in die Decke ein und dreht sich zur Seite.
Da gefriert einem echt das Blut in den Adern und der heimische Wasserschaden wirkt auf einmal reichlich banal.

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Dennoch möchte ich Ihnen den Status quo zu diesem kleinen, heimischen Desaster nicht vorenthalten, zumal mir klar ist, dass manch eine/r von Ihnen mich sonst eh per Mail oder fernmündlich um Auskunft ersuchen würde. Weil das ja schon ein arg hässlicher und fieser Fleck war, der sich da in unserer Kammer ausbreitete und die Regalreihen eine nach der anderen zu okkupieren drohte. Da würde ich auch nachfragen, wenn ich wüsste, ein Freund oder eine Freundin hätte einen solchen Fiesling mitten in der Wohnung sitzen.

Sage und schreibe 13 Tage nach meiner Schadensmeldung klingelte hier – natürlich zur absoluten Lieblingszeit (vor 8 Uhr morgens) – ein Mitarbeiter einer Firma mit dem verheißungsvollen, aber verlogenen Namen „Schaden365“. Verlogen, weil mindestens 13 Tage gehören hier ja abgezogen und man weiß nicht, wie’s anderen ergeht.

Ein freundlicher Mann in – mit noch schlafverklebten Augen betrachtet – Glen-Hansard-Optik, nur jünger und mit schlechter sitzenden Hosen, betritt schwer bewaffnet die Wohnung. Das Dackelfräulein begrüßt ihn aufs Herzlichste, denn sie weiß: Handwerker kommen grundsätzlich nur hier vorbei, um mit ihr zu spielen (und man muss sagen: manchmal ist das ja tatsächlich das einzig positive Ergebnis solcher Besuche). Sie bringen immer große Boxen mit, in denen viele Spielsachen drin sind, die sich toll von einer Dackelschnauze stibitzen lassen und wunderbar über den Parkettboden gekickt werden können. Außerdem gehen sie kurz nach Ankunft auf die Knie, um auch auf Augenhöhe mit ihr spielen zu können, nachdem sie sich zuvor intensiv die Ohren und den Bart säubern ließen. Pippa liebt Handwerker, Heizungsableser und Hausmeister, bislang beruhte das auch meist auf Gegenseitigkeit.

Der nette Herr von „Schaden365- minus-mindestens-13“ hat Spielsachen dabei, die auch ich noch nie gesehen habe. Eine Wärmebildkamera beispielsweise. Damit kann man den Verlauf der Rohre hinter der verschimmelten Wand nachvollziehen, wenn man Wasser hindurchschickt, und auch noch einiges andere wie heimliche Nebenpfade, die das Wasser sich gesucht hat, aufspüren. Klasse Sache!

Nach anderthalb Stunden ist die undichte Stelle hinter der Wannenarmatur gefunden und abgedichtet, in der Kammer der Putz oberflächlich, aber fürs Erste gründlich genug abgeschlagen und alles stinkt nach Chlorbleiche. Wir haben außerdem ein paar neue Begriffe aus der Wunderwelt der Wasserschäden gelernt und die Empfehlung erhalten, dass der gesamten Wand zwischen Bad und Kammer im Frühjahr, wenn das Bad erneuert wird, ein Neuaufbau gut täte. Na, das wird ein Spaß!

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Das habe ich Ihnen, glaube ich, noch gar nicht berichtet, oder? Im Zuge des Wasserschadens und des Begehungstermins letzte Woche hier vor Ort, habe ich unserem Vermieter die Zusage für ein komplett neues Badezimmer aus den Rippen geleiert. Das war eigentlich so ein Fernziel von mir, für 2021 oder 2022, man muss ja die Wünsche an diese Münchner Vermieter sehr wohldosiert platzieren und bloß nicht zu viele oder zu kostspielige auf einmal, aber jetzt bot es sich an, das vorzuziehen, denn so schnell kommt so eine Gelegenheit nicht wieder, dass der Vermieter höchstselbst die vergilbten Silikonfugen am Wannenrand und die fragwürdigen Fugen im gesamten Fliesenspiegel mal zu Gesichte bekommt und ich mich live sowohl sehr glaubhaft als spießige Hausfrau als auch als bemitleidenswerte Allergikerin präsentieren kann.

„Schauen Sie, wir halten Ihre Wohnung wirklich sehr gut in Schuss und haben hier auch schon viel investiert, das sehen Sie ja, da wäre es doch schön, wenn ich nicht dauernd niesen müsste und mir endlich mal keine Sorgen mehr machen bräuchte, wo vielleicht als nächstes der Schimmel durchbricht…“ – bei diesem (inhaltlich weit übertriebenem) Satz den Vermieter wie beiläufig ins ordentlich gewienerte Bad geführt, so dass ihm der Kontrast zwischen der schon seit weit vor Einzug vorhandenen Baufälligkeit dieser Nasszelle und meinem redlichen Bemühen, das Beste daraus zu machen, zwangsläufig auffällt, ja: auffallen muss, und als ich zum nächsten, die Notwendigkeit eines neuen Badezimmers untermauernden Argument ausholen möchte, unterbricht er mich bereits und meint „Ja dann wird das jetzt einfach mal gemacht. Und zwar gleich im Februar oder März. Was hätten Sie denn gern alles erneuert? Fliesen? Wanne? Der Boden, geht der noch?“
Nein, natürlich geht auch der Boden nicht mehr bzw. der vorhande wird dann nicht mehr zu den Fliesen passen, die wir uns vorstellen. Alles muss raus. Wenn schon, denn schon.

In die große Vorfreude auf eine nahende Badzukunft ohne Ekelsilikon und Schimmelsporen mischt sich allerdings auch bald blanker Realismus.
Zu präsent sind sie noch, die Wochen der Umzüge und der Handwerkeleien aus den Jahren 2017 und 2018, zu präsent ist auch noch die Erinnerung daran, dass Renovierungen jeder Art immer auch Baustellen jenseits der eigentlichen Baustelle mit sich bringen, neben all den anderen möglichen Seiteneffekten, dem Dreck, dem Terminchaos und dem unvermeidbaren Verhau hier herinnen.

Im Hinterkopf formiert sich daher schon seit Tagen ein Fluchtszenario: Wenn man das Ganze so richtig gut vorbereiten würde, sich da selbst organisatorisch reinhängen würde, anstatt das alles dem Vermieter zu überlassen, dann wäre es ja eventuell denkbar, dass man nach ein paar Tagen, in denen man Lolek & Bolek (treue Leser erinnern sich vielleicht noch an die beiden und tatsächlich besteht nun die Aussicht auf ein „Lolek&Bolek 2.0“, ja wer hätte das gedacht?, aber die können halt alles, von der Türschwellenschreinerei über Lackierungen und Anstriche bis hin zum Fliesenlegen) hier eingewiesen und ihnen ein bisschen auf die Finger geschaut hat, vielleicht die restliche Zeit allein werkeln lässt, sich währenddessen anderswo einquartiert, wo man auch Duschen und Baden kann – und erst dann wiederkehrt, wenn hier alles erledigt und alles wieder gut ist.

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Dass alles gut sein möge, diese Sehnsucht wohnt ja nicht nur still und leise in jedem Einzelnen von uns, sondern auch unüberhörbar in urbanen Treppenhäusern. Die Nachbarin, im Grunde eine ganz Nette und Unkomplizierte, ist auf dem besten Wege, sich den Status nett und unkompliziert, den sie bislang bei mir genoss, nachhaltig zu ruinieren. Seit einiger Zeit schleudert sie mir bei unseren Zufallsbegegnungen im Treppenhaus jedesmal ein mit Hast rausgeprustetes „Und? Wie isses? Geht’s euch gut?“ entgegen. Bislang habe ich das mit einem sozialverträglichen „Ja“ quittiert, wohl wissend, dass ein „Nein“ ja nicht das wäre, was die nette, unkomplizierte Nachbarin zu hören beabsichtigt.

Diese nachbarschaftliche Anpassungsleistung meinerseits war jedoch ein großer Fehler, denn jetzt hat sie ihre unselige Floskelfrage zu einem noch zeitsparenderen „Na, alles super?“ umgemodelt und sich damit nun das längst fällige „Nö!“ von mir eingehandelt.
Woraufhin wir dann ins Gespräch kamen, was eigentlich auch nicht in meiner Absicht lag, da ich es vorziehe, Treppenhausbegegnungen kurz, nett und unkompliziert zu halten und mich nicht in längere oder gar persönlichere Unterredungen verwickeln zu lassen.

Womöglich ist mein Wunsch, es bei einem freundlichen „Hallo“ samt Blickkontakt zu belassen auch nichts wesentlich Anderes als das ehemalige „Und? Wie isses? Geht’s euch gut?“ der Nachbarin. Hätte sie es nur dabei belassen!

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Für heute belasse ich es bei diesen Einblicken und Ausblicken, sende Ihnen herzliche Grüße, verbunden mit dem Wunsch, dass bei Ihnen alles gut oder sogar super sein möge – und sollte das nicht rundum der Fall sein, so wie bei mir ja auch, dann wünsch‘ ich Ihnen, dass Sie’s auch nicht zu bitter oder zu ernst nehmen, erst recht nicht in dieser für viele ja eh schon recht anstrengenden Vorweihnachtswoche.

Beglückend.

Schwer zu sagen, welcher dieser Anblicke mich heute am meisten beglückt hat:

a) der des kleinen gelben Fischleins, das heute so überraschend meine Bahn kreuzte und quasi mitten im Kraulschlag entzückend an meine Schwimmbrille dotzte, in diesem schönen, erst diese Woche neu entdeckten Schwimmbad, das ich zunächst nur notgedrungen als Alternative zum Lieblingsbad, das wg. der üblichen Revision grad zu hat, aufsuchte, das aber glatt das Zeug hat, mein dauerhaftes Zweitbad zu werden

oder

b) der des Trailers, der mich via Whatsapp von M. aus Berlin erreichte und in dem ich sofort dieses Gefühl von Aufbruch und Verheißung und Zukunftsoffenheit, jenes übermütige, allen äußeren Widerständen trotzende „Alles ist möglich“-Empfinden wiedererkannte und wiederspürte, das sich am 18. Juni 1985 so tief und unauslöschlich in mich eingegraben hat:

oder

c) der des grünspargeligen Abendessens, wie es vorhin so duftend vom Ofen auf den Tisch hinüberwanderte und dann auch noch genau so geworden ist, wie’s gedacht war.

Das Wort zum Sonntag.

Ge_danke_n 2018 (9).

„Dass mir der Hund das Liebste sei,
sagst du, o Mensch, sei Sünde?
Der Hund blieb mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde.“

Den heutigen Ge_danke_n wollte ich – garniert mit diesem Spruch vom Assisi Franze – meiner über alles geliebten Pippa zu ihrem 7. Geburtstag zueignen. Weil diese Sentenz absolut den Tatsachen entspricht. Eigentlich.

Denn ausgerechnet heute ist mir das Fräulein quasi untreu. Gestern auch schon. Und morgen vermutlich auch noch.

Man muss es so hart sagen: Madame Hot Dog würde uns gerade gegen jeden dahergelaufenen Rüden eintauschen ohne mit dem Barthaar zu zucken. Wirklich gegen jeden! Alter, Aussehen, Abstammung, Ausbildung – alles wurscht. Hauptsache Rüde. Zur Not auch kastriert. Oder Chihuahua.

Das ist hormonell gesehen zwar nachvollziehbar, aber menschlich betrachtet dennoch etwas enttäuschend. Was ich ihr auch gesagt habe. Schließlich würde ich sie umgekehrt für keinen Mann der Welt drei ganze Tage lang links liegen lassen außer vielleicht für Peter Quinn, Bruce Springsteen, Arjen Robben, Kiefer Sutherland,… .

Nun gut. Übermorgen wird das Zitat wieder zutreffen. Und ein bisserl leid tut sie mir ja auch, weil wir ihr nicht gestatten, ihrer Natur zu folgen und sie dann einfach unterstützen, wenn in 9 Wochen ein paar maulwurfswinzige Welpen durch unseren Flur wuseln würden.

Mein Dank gilt also den anderen 362 Tagen voller Liebe, Treue, Abenteuer, Freude, Aufmerksamkeit und Aufrichtigkeit, auch das ist ja mehr als genug. Kriegt kein Mann Mensch hin.

Alles Gute zu Deinem Geburtstag, Du kleines Luder, Du mutiger, fröhlicher und kluger Hund, Du beste Gefährtin in allen Lebenslagen – meine ganz große Hundeliebe bist Du.

Hand in Pfote und Seite an Seite werden wir hoffentlich noch mindestens weitere 7 Jahre zusammen durch die Welt und das Leben wandern!

Be the person your dog thinks you are!

Domestikation oder: Ideen, auf die man kommt, wenn einem der Nikolaus nix bringt.

Tür geöffnet: Nix!
Nur die schmutzigen Stiefel vom gestrigen Marsch am See.

Raus zum Gassi. Im Treppenhaus bemerkt, was so alles in den Stiefeln der Nachbarskinder steckt. Holla, die Glücklichen!
An früher gedacht. Nikolaus, das war der Tag, an dem der Vortag, also der Geburtstag der Mutter, noch nachwirkte, das konnte die beste Lindt-Schokolade nicht übertünchen und Santa Claus konnte sich die Rute getrost sparen.
So gesehen war’s wurscht, was im Stiefel steckte oder nicht, denn die Granatenenttäuschung der Mutter steckte uns ja noch in den Knochen, obwohl wir uns die Hacken ausgerissen hatten für diesen Jubeltag und seine Würdigung.

Ich hätte da also nikolaustechnisch irgendwie einen Nachholbedarf, obwohl mir dieses ganze Advents- und Weihnachtsgedöns an sich ja egal ist. Denk ich mir so, als ich wieder hochkomme in die Wohnung.

Der Hund will spielen, ich auch. Prima, spielen wir also.

„Sind Sie vom Nikolaus eigentlich auch so enttäuscht wie ich?“

Der Hund hat sich das Spiel anders vorgestellt.
Aber für ein paar Hirschbröckerl ist es mir gestattet, die Spielregeln vorzugeben.

Hohoho!

Meine Laune ist jetzt besser.

Tipp des Tages: Sollten Sie’s irgendwie an der Seele haben oder gar zu Depressionen neigen, dann holen Sie sich doch einen Dackel ins Haus. Das ist wie ein Dauerrezept für ein Spitzen-Anti-Depressivum, weitgehend nebenwirkungsfrei, freilich nicht preiswert und auch in der täglichen Dosierung und Anwendung manchmal durchaus herausfordernd, aber Ihre Gesundheit und die Stabilität Ihres Nervenkostüms – speziell in der Vorweihnachtszeit – sollte Ihnen ja was wert sein.

Einen frohen Nikolaustag und -abend wünschen wir Ihnen!
Bleiben Sie locker, trotzen Sie der Domestikation, vor allem, wenn Sie ein Hund sind oder ein Rentier.

 

Herzlichst,
Ihre Kraulquappe.

PS: Ganz besondere Grüße gehen hiermit an die liebe B. aus O., die sich dieser Tage nichts sehnlicher wünschte als ein frontales, fröhliches Pippa-Foto und solche Wünsche nimmt der Nikolaus immer sehr ernst!

S’Glück is a Vogerl…

… – wie’s in Österreich so schön heißt – und in diesem Sinne fliegen wir morgen dann mal los zu unserer kleinen Pressereise nach Tirol, wo wir auf ein paar schöne Tage, Erlebnisse, Eindrücke und Fotos hoffen, so dass im Anschluss ein feiner Artikel draus werden kann.

Das Fräulein in Vorfreude auf die Bellness-Oase.

Das Rad des Lebens dreht sich recht munter im Moment, größere Loopings brauch‘ ich dieses Jahr allerdings (nach allem, was so war und ist) keine mehr…

…irgendwelche Höllenfahrten schon gleich gar nicht…

…stattdessen gucken wir lieber der Lebensfreude unters Röckchen…

…oder bei einem Glaserl Gerstensaft in den Himmel der Bayern oder der Tiroler hinauf.

Slogans, die man sich zu Herzen nehmen sollte.

Sie hören von uns & haben auch Sie einen freudigen Wochenstart!

Von Unschuld und Liebe oder: Die vierte der zwölf Rauhnächte.

Als ob Weihnachten einen nicht schon genug strapazieren würde. Mitten in diesem großen Familien-, Feier- und Fress-Spektakel beginnen auch noch die Rauhnächte. Zwölf an der Zahl und mythologisch recht aufgeladen, da für unsere Vorfahren jede dieser Rauhnächte (inkl. des dazugehörigen Tages) stellvertretend für einen Monat des folgenden Jahres stand und kräftig zum Deuten und Oraklen herhalten musste.
Alles wurde beobachtet: das Wetter, die Träume, das Befinden, die Bekömmlichkeit der Mahlzeiten, kleine Probleme, große Sorgen.
Alles hatte Bedeutung, und wer in der Lage war, diese herauszulesen oder hineinzulegen, der konnte für den dazugehörigen Monat des bevorstehenden neuen Jahres so kluge und hilfreiche Prognosen treffen wie: „im Januar führt einen jemand aufs Glatteis“ oder „der April wird ein regenreicher Monat“ oder „im Juni droht Durchfall“ oder „im Oktober erschlägt man die Nachbarin aus dem 2.OG“.

Dem 28.12. kommt innerhalb der Rauhnächte eine besondere Bedeutung zu: Es ist der Tag der unschuldigen Kinder.
Und es ist Pippas Geburtstag. Zwei Tatsachen, die nicht wirklich harmonieren.

Wer das Dackelfräulein beispielsweise gestern in den Wäldern gesehen hätte, wüsste sofort wieso, weil er/sie dann miterlebt hätte, wie der kleine Raubauz ins Unterholz abgehauen ist, um sich dort an einem halb verwesten Rehschädel zu laben (ja, da war immer noch ein bisschen was Leckeres zum Abnagen dran!), dass es nur so knusperte.
Bis Sie da hinterher kommen, um Ihrem Hund – der natürlich in solchen Augenblicken von Spontan-Taubheit befallen wird – am Tatort ein Stück Rehunterkiefer aus dem Maul zu fischen, rieseln Ihnen im Unterholz nur so die Tannennadeln zum Mantelkragen hinein, und während Sie dann grad versuchen, sich die stinkenden, klebrigen Finger abzuputzen, um sich im Anschluss daran die Jacke und den Pullover ausklopfen zu können (so Tannennadeln am Rücken pieken ganz ordentlich!), sehen Sie auch schon aus den Augenwinkeln, dass sich Ihr Hund in diesen 15 Sekunden hinterrücks nochmal ans Buffet gepirscht hat, um sich ein Dessert zu schnappen. Sie verbrauchen ca. fünf Taschentücher für die ganze Sauerei (Hund, Hände), ziehen für den Rückweg Ihre Handschuhe wegen eventueller Aasrückstände lieber nicht mehr an und marschieren fluchend und mit eiskalten Händen heimwärts, vor Ihnen schleicht Ihr Hund mit angelegten Ohren und hängender Rute übers Trottoir, dreht sich alle paar Meter zu Ihnen um und wirft Ihnen einen Blick der unterwürfigsten, leidvollsten, erbärmlichsten und treuherzigsten Sorte zu. Es geht nämlich auf 16 Uhr zu, Futterzeit am heimischen Napf, und da will man schon mal rechtzeitig beschwichtigen und sich wieder gut stellen mit dem Dosenöffner, der grad aus unerklärlichen Gründen so todbeleidigt herumschnaubt und grantig dreinschaut.

Das war nur ein Beispiel für die vielen freudigen Momente, die das Hundehalterjahr ebenso treu begleiten wie Zeckenpulen, Zähneputzen und Zyklusprobleme (um noch ein paar weitere zu nennen). Von Unschuld der am 28.12. Geborenen kann also keine Rede sein (handelt es sich zusätzlich um einen Dackel, gibt’s sogar „ab Werk“ noch das kostenlose Schlawiner-Upgrade obendrauf, Glückwunsch!).

Früher, so las ich, gab es am 28. Dezember den Brauch, dass Kinder den Erwachsenen lustige Streiche spielen durften, vereinzelt soll das in manchen Gegenden Bayerns und Österreichs noch heute der Fall sein. Aha.
Weil sich so ein Rauhaardackel um Rauhnächte genauso wenig schert wie um Brauchtum, Kirchentage und Jubiläen aller Art, spielt er einem ganzjährig lustige Streiche, tanzt einem mal mehr, mal weniger auf der Nase herum, versucht immer wieder hartnäckig, einem den Platz auf dem Chefsessel streitig zu machen oder einen wenigstens davon zu überzeugen, dass zwei Stunden im Regen aufregender sind als gemütlich daheim im Sessel zu hocken (ganz gleich, in welchem).

6 Jahre geht das nun schon so – und ungeachtet all der Gaunereien und Rangeleien gehören diese Jahre zum Besten, was mir je passiert ist: die Dosis an Freude & Liebe sowie an Naturerleben & Bewegung ist unübertroffen!

Dafür danke ich Dir, meine liebe Pippa, von ganzem Herzen und koche Dir, obwohl Du gestern im Wald schon Rehbraten hattest, für heute eine große Portion Hühnchenfilet.

Auf Dich, Deinen 6. Geburtstag & noch viele gemeinsame Jahre da draußen & hier drinnen!

Pippa, draußen (Hirschberg).

Pippa, drinnen (Haifisch).

Stets findet Überraschung statt…

…da wo man’s nicht erwartet hat.
(Wilhelm Busch)

Ein gruseliger Tagesbeginn bedeutet ja manchmal, dass es nur noch besser werden kann.

Der Grieche kam pünktlich um 8:30 Uhr. Als er klingelte, schreckte das Dackelfräulein hoch – es lag noch im Tiefschlaf unter der Bettdecke, um nach einer unruhigen Nacht erneut eine Mütze Schlaf zu nehmen, bevor es sich seinem Tagwerk würde widmen können.
Ich hingegen saß zu dieser Zeit schon wieder bzw. immer noch ermattet im Bürostuhl. „Die lange Nacht des Erasers“ lag hinter mir bzw. dauerte immer noch an.

Gestern hatte sich nämlich völlig überraschend ein Interessent auf mein wochenlang missachtetes Inserat hin gemeldet, eben jener eingangs erwähnte Grieche.

Seit einem Jahr haben wir einen neuen PC, seither habe ich vor, das alte, ausrangierte Gerät zu verkaufen. Nach nur 10 Monaten habe ich mich aufgerafft, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, mich überwunden, die technischen Daten herauszusuchen, abzutippen, eine Anzeige zu entwerfen und diese mit tollen Fotos vom eigens hierfür entstaubten PC zu bestücken und das Ergebnis in Quoka zu inserieren. Null Reaktion. Matratze und Monitor bin ich neulich vergleichsweise zügig losgeworden.

Beinahe hatte ich mein Vorhaben schon wieder vergessen, bis gestern der Grieche anrief. Er brauche das Gerät ganz dringend, da der PC seines Sohnes kaputtgegangen sei und dieser nur 14 Tage pro Monat bei ihm lebe (Scheidung, seither Sohn-Aufteilung nach dem Wechselmodell), das sei ab heute Abend wieder der Fall und da müsse er zusehen, dass er dem Sohn einen funktionierenden PC zur Verfügung stellen könne (erschütternd, unter welchem Druck die Geschiedenen heutzutage stehen!). Ob er ihn jetzt gleich (=gestern Abend, 30 Min nach seinem Anruf) abholen könne. Huch!

Entgegen meiner ansonsten fast durchgängig praktizierten Ordnungs- und Aufräumwut hatte ich just an diesem Punkt der Vorhabenplanung kläglich versagt. Der PC stand (erneut eingestaubt) im Keller und das Datenlöschen und Formatieren der Festplatte hatte ich auf irgendwann verschoben. Wäre ja noch genug Zeit dafür, wenn sich jemand gemeldet hätte und der Verkauf bevorstünde.

Ich wollte mir meinen einzigen Interessenten natürlich nicht vergraulen und war daher heilfroh, dass er sich darauf einließ, den Rechner erst am nächsten Morgen abzuholen und dem Filius bis dahin sein Laptop zur Verfügung zu stellen.

Ich ging in den Keller, schleppte das Ding nach oben, wischte es ab, nahm es in Betrieb (wie war doch gleich nochmal vor einem Jahr das Passwort? achso, dasselbe wie immer!), lud den Secure-Eraser runter und begann mein Werk, von dem ich um 20 Uhr noch voller Zuversicht annahm, ich hätte es bis zur üblichen Zubettgehzeit (23:30 Uhr) locker erledigt, ergo alles gelöscht und formatiert, so dass ich dem Griechen um 8:30 Uhr ausgeschlafen die Tür öffnen und die Kiste in die Hand drücken würde.

Nach 17-jähriger Maloche in einer großen IT-Abteilung hätte ich es besser wissen müssen, aber die 17 Jahre sind halt auch bald 4 Jahre her und wenn man mit dem Mist nicht mehr täglich konfrontiert ist, entfallen einem mit der Zeit gottseidank selbst die größten Frustmomente dieser Lebensphase. Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass das Programm mir fortwährend Fragen zu stellen gedachte, ohne deren Beantwortung es nicht weitermachen wollte mit seinem Ausnullen und -radieren. So hing ich noch um Mitternacht mit einem belebenden, heißen Ingwergesöff vor dem Monitor, drückte immer wieder brav <Enter>, wenn ich etwas gefragt wurde, das ich verstand (oder auch nicht verstand), klickte auf <ok>, wenn mir die Applikation zuraunzte, sie hätte ihr Tun wegen eines fatalen Fehler ab- oder unterbrechen müssen, und las währenddessen die letzten zwei Ausgaben der ZEIT quer, was dem Wachbleiben auch nur teilweise zuträglich war.

Gegen 2 Uhr nachts, Pippa wimmerte aus dem Schlafzimmer herüber, weil sie noch immer nicht in ihrer gewohnten Schlafposition (in meiner Achselhöhle) liegen durfte und demnach nicht zur Ruhe finden konnte, unterlief mir der fatale Fehler, eines der 18 Fenster, in denen psychedelisch flirrende, grüne Balken sogenannte „Fortschritte“ anzeigten, aus Versehen zu schließen. Einer der Löschvorgänge musste also erneut gestartet werden (fragte sich bloß, welcher) und ich überlegte kurz, einen erfrischenden Nachtlauf bei Minus 4 Grad zu absolvieren, um mich hernach wieder voll auf die Aufräumarbeiten konzentrieren zu können.

Aber es ging nichts mehr, die Augenlider wurden schwer und schwerer, ich überließ das Betriebssystem und den Secure-Eraser ihrem Schicksal, hoffte das Beste und kroch gerädert zu meinem Hund unter die Decke, natürlich nicht, ohne mir vorher den Wecker auf 4:30 Uhr zu stellen, um dann nochmal den „Fortschritt“ zu checken.

Um 4:30 Uhr schepperten die Klänge von Springsteens „Radio nowhere“ in meinen Betäubungsschlaf hinein, pflichtschuldig sprang ich auf, sauste ins Arbeitszimmer und drückte mit verklebten Augen ein paarmal <Enter> und bestätigte alle 34 Nachfragen. Zurück im Bett gab ich als neue Weckzeit 7 Uhr ein, um noch einen Puffer für die restlichen Arbeiten zu haben, bis der Grieche an der Tür schellen würde.

Mit einem starken Morgenkaffee saß ich überpünktlich wieder an meinem Arbeitsplatz. 87% der Löscharbeiten waren nach nur 11 Stunden erfolgreich abgeschlossen, für die restlichen 13% sah ich in den verbleibenden 90 Minuten eher schwarz. Viel sah ich ohnehin nicht, zu der Stunde und in dem Zustand.

Ich griff manuell ein, nahm dem Eraser ein paar Radierungen ab und als um Punkt 8:30 Uhr der Grieche die Treppe hinaufkam, schob ich ihm mit letzter Kraft den restlos erloschenen Dell-Rechner durch den Flur bis an die Türschwelle. Die noch überlebenden 8% des Datenbestands wären hoffentlich undramatischen Inhalts und man muss ja auch mal alle Fünfe gerade sein lassen können: Keine Sau (und erst recht kein gerade volljährig gewordener Halbgrieche) schaut sich doch die Unmengen an Dackelfotos an, studiert eingehend die Vortragsdokumente des Gatten oder hört sich durch die 300 besten Springsteen-Songs, selbst wenn da um die 40 echt seltene Bootlegs aus uralten Napster-Raubzügen mit von der Partie sind.

Erfreulicherweise begann der Grieche keine Preisverhandlungen, denn vermutlich hätte ich allem zugestimmt, nur um endlich von dieser Kiste befreit zu sein. Er nahm den Rechner, drückte mir die Scheine in die Hand, bedankte sich, strahlte übers ganze Gesicht und rief beim Hinuntergehen: „Mein Sohn wird mich lieben!“.
„Na dann ist ja alles gut“, sage ich, schließe die Tür hinter ihm, gieße mir mit zittriger Hand einen zweiten Kaffee ein und denke: Was für ein grausiger Start in den Tag, Griechenglück hin oder her.

Aber es sollte mein Glückstag werden, auch wenn ich das um 8:39 Uhr, als ich mir die Mütze über die Augenringe zog, um zum Morgengassi in die Welt hinaustreten zu können, noch nicht im Geringsten ahnte.

Bei der Heimkehr vom Gassi erwartete mich eine Paketabholkarte, die außen am Briefkasten klebte. Kaum zu glauben, dass DHL in den 11 Minuten, die wir unterwegs waren, vor dem Haus geparkt, geläutet und diese Karte ausgedruckt haben sollte, aber auf dem Zeitstempel stand 8:45 Uhr. Abholbar wäre das Paket, von dem ich nicht wusste, was es sein könnte, da ich nichts bestellt hatte, ab 12 Uhr an dem in den nahegelegenen REWE-Markt (der, den ich am meisten hasse) integrierten Postschalter.

Reihe ich mich da also zur Mittagszeit ein, stehe mir 20 Minuten todmüde die Beine in den Bauch, ertrage tapfer die muffelnden Gestalten vor und hinter mir und übe mich in Geduld, die ich noch nie hatte. Aber dann! Die freakige Schalterbeamtin mit den weggerupften Augenbrauen und dem Nasenring reicht mir im Austausch gegen den Abholschein und nach einem kurzen, ungläubigen Blick auf meinen Ausweis (ausgeschlafen, dynamisch und noch blond) ein kleines Päckchen über die Theke. Ich schiele auf den Absender und mein Herz klopft freudigst: Freundin H. aus P. hat mir etwas geschickt, wow, damit ich hätte ich ja echt gar nicht gerechnet!

Auf dem Heimweg überlege ich, die Sendung in meinen Händen hin und her wiegend, was sich wohl in ihrem Inneren befinden würde und träume bereits davon, dass sie mir eventuell eine Portion der leckeren Kokosplätzchen, die es neulich in P. gab, als ich sie besuchte, hätte zukommen lassen.

Zuhause schlitze ich den gut verklebten Karton auf, ramme mir dabei um ein Haar vor lauter Tatterigkeit das Teppichmesser in die Hand – und schon guckt mich das obenauf liegende Kärtchen an.

Den philosophischen Gehalt dieser tiefschürfenden Sentenz spontan zu erfassen überfordert mich heute leider komplett, aber das Rotkehlchen erkenne ich gleich. Ich mag Rotkehlchen sehr. Was für ein entzückender kleiner Vogel!

Umseitig eine handschriftliche Notiz von H., deren Sinn sich mir erst erschließt, als ich die Luftpolsterfolie im Karton beiseite schiebe und eine weitere kleine Pappschachtel finde, diese öffne und ein Präsent in Händen halte, mit dem ich im Leben nicht gerechnet hätte.

Keine Kekse, geschweige denn Kokosplätzchen, ist ja eigentlich auch logisch, da doch H. momentan einen verätzten Daumen hat , wie soll sie da einen Teig kneten und schmerzfrei Plätzchen formen – und nicht auszudenken, sie würde sich gar am heißen Backblech verbrennen…

Stattdessen eine vermutlich von ihrem Gatten hand-, fuß- oder mundbemalte Porzellantasse (Künstlerhaushalt eben), als beinahe noch pünktliches Trostpflaster für meine gestern entfallene Porzellan-Hochzeit, aber treffsicher an einem 13. zugestellt, und damit eindeutig als 7 Monate zu früh erhaltenes Geburtstagsgeschenk zu werten. Ich schätze es sehr, wenn Freunde meinen Jahrestag derart ernstnehmen und keinesfalls zu spät dran sein wollen mit ihren Gaben.

Besonders großen Freuden kann ein schlichtes „Danke“ kaum gerecht werden, dennoch, liebe H., hiermit meinen herzlichsten Dank – du hast meinem Tag so unerwartet eine neue, positive Wendung verliehen!

Meine Müdigkeit ist nach dieser gelungenen Überraschung wie weggeblasen, freudig hüpfe ich treppabwärts und mit federndem Schritt weiter zur U-Bahn, um das Dackelfräulein in den Englischen Garten zu begleiten, wo ich ganz erfüllt von neuer Energie (Freunde sind etwas Wunderbares!) putzmunter Bälle schießen und mit dem Hündchen um die Wette rennen werde.

Was für ein Tag! 🙂

Himmel der Bayern (6): Freibaden nach Dr. Karpfhammer.

Wir haben mal wieder einen neuen Reiseführer. Für die Heimat. Naja, besser gesagt, das Dackelfräulein hat neue Inspirationslektüre. 

Heute: Die große Ammerseetour. 16 km von Stegen nach Herrsching. Brote geschmiert, Rucksack gepackt, und los!
Der Weg führt uns immer am See entlang…

…vorbei an Häusern, gegen die man jede Stadtwohnung ohne mit der Wimper zu zucken eintauschen würde…

…weiter auf schattigen Uferwegen…

… die von einer ungeahnten Fülle an einsamen Badebuchten für Mensch und Hund gesäumt sind…

…und einer ebensolchen  Fülle an Badevorschriften.

Immer wieder schön, diese Werke für die Ewigkeit!
Mit Ach und Krach (resp. wegen zu viel Trödelei und Baden unterwegs) den letzten Dampfer in Herrsching erreicht.

Hund platt. Nicht mal mehr von grölender Jugendgruppe auf demselben Deck zu erschüttern. 

Urlaub kann man auch 30 Minuten von daheim entfernt machen. Und mit nur 20€ bewaffnet (reicht genau für Eis, Kaffee und Schifffahrt). 
Idee für ein neues Schreib-Projekt: „Viel Freude für wenig Geld. Freizeitgestaltung für arbeitslose Menschen und Hunde.“. Oder so ähnlich. 

Der Luxus dieser oft nicht angenehmen Situation liegt ganz klar im Zeit-Haben. 

Ein vom Winde verwehtes Ahoi schickt euch –

Die Kraulquappe, im Ammersee.