Du bist so groß und i nur a Zwerg!

„Du bist so groß und i nur a Zwerg!“ (Des Dackelfräuleins Ode an den Watzmann und Bobby)

Für 36 Stunden raus aus der Stadt, der Wohnung, dem Umzugs-, Umbau- und Ausbaukosmos. Auch mal wieder ein Segen, zumal bei der Gegend, dem Wetter und in der Gesellschaft!

Gestern Abend in Bad Reichenhall: Gustl vom Fass und zwei Ungustl unterm Tisch.

Süffig, süffiger, Suffikator.

Alpenländische Bierkultur.

Für den Großen Braunen immerhin eine Hundmaß.

Heute dann zu sechst in die Berge bei Berchtesgaden: „Gasthof Sahnegletscher“ klingt ja schon mal verlockend.

Mit Dog&Blog-Freundin Andrea morgens vor Watzmann-Kulisse.

Auf dem Soleleitungsweg oberhalb von Ramsau.

Noch zwei Minuten bis zum Toten Mann!

„Jetzt reicht’s aber langsam mit Bergaufgehen bei der Hitze!“

Oben angekommen: Während die Männer „Toter Mann“ spielen…

…halten sich die Frauen an den Hunden fest.

Pures Bergglück eben!

Danke an Andrea, Wolfgang, und Bobby für den wunderbaren gemeinsamen Tag – kommt gut nachhause & kommt bald wieder!

Anschließend noch einen Abstecher in die Vergangenheit des Gatten unternommen, zur Gebirgsjäger-Kaserne nach Berchtesgaden…

…wo das Dackelfräulein sogleich dem Löwen den Rang streitig machte…

…derweil wir herzliche Grüße an Mr. Speedhiking ins Allgäu sandten, der hier einst ebenfalls mit Watzmannblick diente.

Danach noch schnell ein Bad im Königssee…

…und anschließend mit einer Schlafenden Hexe vor uns (und einer hinten auf der Rückbank) zurück nach München.

Vor zwei Jahren stand ja mal kurz im Raum, ob wir uns vielleicht Richtung Frankfurt verlagern, um dem Gatten das Pendeln zu ersparen, aber nach solchen Tagen sag‘ ich immer: „Gottseidank hat’s mich nicht in den Taunus verschlagen, denn da wär‘ ich nie und nimmer glücklich geworden.“

Soweit das Wort zum Sonntag und herzliche Grüße an die treue Leserschaft!

Magazin der Woche.

Hätte der Kiosk nicht wegen des Feiertages geschlossen – ich hätte sofort zugeschlagen, obwohl ich sonst nie den doofen Focus lese:

Eine – wie ich finde – äußerst gelungene, sinnvolle, zeitgemäße Kombination der Titelthemen: Raus aus der Einsamkeit & rein in die neue Bude.

Und das klappt bei den teuren Mieten hier in München einfach besser, wenn einem Freunde unter die Arme greifen. Und es ist doch geradezu spitze, wenn es da so viel zu tun gibt, dass der Einsamkeitsfaktor dadurch nicht nur für die klägliche Dauer von ein paar Hand- oder Ratschlägen, sondern gleich auf Wochen (!) gegen Null sinken wird.
Lebenslänglich stabile Arbeitsplatten und Speisekammer-Innenausbauten werden in lebensverlängernder Gemeinschaftsarbeit montiert werden, dazu noch eine gratis Leberkässemmel (vom Vinzenzmurr, versteht sich) in der Mittagspause und ein Freibier nach Feierabend (aber dann muass a Rua sei, man soll’s ja a ned übertreibn mit de Spezln).

Super Deal, für alle Beteiligten (erst recht, wenn a Schwob mit von der Partie is‘!), nicht wahr?
Sie werden das hier mitverfolgen dürfen, sofern Vodafone das mit dem Internetanschluss zustande bringt – in 2 Wochen geht’s los!

Wir aber spucken schon heute in die Hände und feilen noch ein wenig am Projektplan herum, passend zum Tag der Arbeit. Denn morgen rückt der Handwerker zur gründlichen Inspektion aller Wohnungen und Aufgaben sowie zum Verfassen der ersten Baumarkt-Einkaufsliste an (damit das dann auch zügig starten kann und man nicht unnütz Zeit verplempert mit Oho!- und Aha!-Sagen). Wir sind gespannt!

In diesem Sinne: einen schönen Feiertag allen Leserinnen und Lesern!

Song des Tages (17).

Neue Woche, neue Wege.

Eine Schreibarbeit voranbringen, die OP hinter uns bringen. Und manches mehr.
Hoffentlich wirft’s einen nicht aus der Spur.

Im Küchenradio spuin’s an Hubert, lang‘ nicht mehr gehört!

Ein Open-Air-Konzert in Coburg fällt mir ein, kurz nach dem Independence Day muss es gewesen sein, eine Ameisenstraße unter einer Wolldecke im Wald, irgendwo zwischen Würzburg und Coburg, heiß war es, der Honda von P. ohne Klimaanlage. Die Stimmung schwierig, aber nicht aussichtslos, was man damals vor 24 Jahren zu gern geahnt hätte, aber erst viel später wissen durfte. Immerhin.

An dieser Stelle herzliche Grüße nach Berlin an P., den Läufer mit der feschen Russenmütze (frohes Zehennägelschneiden!) – und allen anderen einen guten Start in die Woche!

De Fiass de gengan wia von selber und de Strass’n
de fangt an vor meiner Tür
nur wo’s aufheat woass ma nie
und wo’s hiführt woass ma nie
und ob ma‘ z’ruckkommt woass ma nie

Speedball (dreaming of).

Bis nach 3 Uhr wachgelegen, dafür in den wenigen Stunden Schlaf danach ein wahrer Reigen an Highlights.

Am Geburtstagsmorgen von Rumpeln im Wohnzimmer erwacht: Mit kindlicher Neugier auf leisen Sohlen in den Flur geschlichen und durch den Türspalt gelinst. Ein Kicker! Der Gatte, nicht so der Passionierteste unter den Handwerkern, mit Bohrmaschine in der Hand, das schwere Fußballgerät im Boden befestigend, damit es beim Spielen auch was aushält, den einen oder anderen trotzigen Tritt ebenso wie triumphierendes Trommeln. Wohlgemerkt: im nagelneuen Parkettboden der Mietswohnung verankert. Einfach so reingebohrt. Stuff it!
Ich bin entzückt. Ein Kicker, für mich!

Nächstes Traumbild: Am Kicker stehend, schon nicht mehr im Nachtgewand. In irgendeiner Art Saloon. Ein paar Gestalten am Tresen, ein paar am Billardtisch, Grüppchen um die beiden Kickertische. Dunkel, hölzern, verraucht, fast schon verrucht.
Neben mir U., der mittlerweile krebskranke Ex-Freund, mit dem ich es zu gemeinsamen Firmenzeiten mal recht weit gebracht hatte, nicht in Sachen Beziehung etwa, dafür aber als Team „Argentinien“, damals im großen Turnier gegen den Rest der Firmenfußballwelt.
Gegenüber der Gatte und der verstorbene Freund wie alte, verschworene Kameraden, alle sind wir in Rage und sowas von bei der Sache, die gegnerische Mannschaft führt knapp.

Und plötzlich höre ich es, was schon die ganze Zeit über aus den Lautsprechern dröhnt: „(…) he could throw that speedball by you, make you look like a fool“, der uralte Song aus Schulzeiten, von H. und mir, die wir „holidays“ statt „glory days“ hörten – und, zack!, semmelt U. den anderen einen geschickt angekurbelten Ball dermaßen speedy ins Tor rein, dass es nur so scheppert. Wir haben gewonnen!
Der Song ist mittlerweile ein paar Strophen weiter, ich singe lauthals mit, obwohl ich den Song heutzutage wenig leiden kann, wie so Einiges aus der Ära der Knackarsch-auf-USA-Flagge-Platte.

Yeah, just sitting back
Trying to recapture
A little of the glory of
Well, the time slips away
Leaves you with nothing, mister
But boring stories of
Glory days
They’ll pass you by
Glory days

Am Tresen schließt man sich meinem Jubel an, jemand ruft mit rauer Stimme durch den Raum: „Next round’s on me, guys!“, ich drehe mich um, um zu sehen, wer der edle Spender ist, und da steht Bruce Springsteen himself, im Holzfällerhemd mit hochgekrempelten Ärmeln, schön unrasiert und mit Out-of-bed-Frisur, so wie sich das gehört für einen anständigen Frauentraum.

So dann vor lauter Freude aufgewacht, das hab‘ ich auch nicht alle Tage, what a glory day.
Wenn das grundsätzlich der Preis wäre, fürs späte Einschlafen, dann wäre ich jederzeit gern bereit, ihn zu bezahlen.

Einen erfreulichen Mittwoch wünscht
Die Kraulquappe.

***

Nachtrag 45 Min nach Veröffentlichung des Beitrags:
Freundin H., jene, mit der ich „Glory days“ zuerst sang, whatsappte nach der Traumlektüre sogleich ein Foto aus der schönen Schweiz.

Hätte sie das mal eher geschickt! Wenn ich gewusst hätte, was der Zürichsee auch zur kalten Jahreszeit zu bieten hat, hätte ich das mit dem Besuch dort nicht schon 2x verschoben. Im Frühjahr dann aber! Und wehe, der graue Teppich rutscht.

Go West(falen).

Sägen Großstadt, November und Zwist an den Nerven

Hilft gelegentlich auch die Flucht nach vorn

Mit dem Fahrtwind den ganzen Ballast von sich werfen

Nur vier Stunden dreizehn bis Paderborn 😊

Bin dann mal weg & wünsche ein schönes Wochenende –

Die Kraulquappe.

Maybe everything that dies someday comes back.

Fridolin ist wieder da.
Ich habe ihn sofort erkannt, als ich ihn letzte Woche beim Morgengassi entdeckte. In Gestalt einer Krähe saß er auf einem Gartenzaun, putzte sein glänzendes Gefieder und hüpfte anschließend auf die Wiese hinab. Es war ein spezielles Hüpfen, nämlich das eines Vogels, der einen gelähmten Fuß hat. Exakt so hüpfte auch Fridolin.

Mein 2012 in sehr hohem Wellensittichalter verstorbener Gefährte hatte ein verkrüppeltes Füßchen, seit er im Jahre 2002 bei einer missglückten Landung meiner damaligen Dogsharing-Dackeldame Hummel in den Fang geraten war. Die hervorragenden Ärzte der Münchner Vogelklinik, in der wir bange Stunden wartend, hoffend und staunend zwischen Fasanen, Hühnern, Enten und anderem Geflügel zubrachten, haben ihm seinerzeit das Leben gerettet, indem sie sein streichholzdünnes, gebrochenes Beinchen kunstvoll geschient haben (eine teure Angelegenheit, aber die Versicherung von Hummels Herrchen hat alles bezahlt).

Wie ein humpelnder Pirat sah er aus, mein kleiner Vogel, aber er war zäh und tapfer, und hat den schlimmen Unfall überstanden. Der Bruch heilte, nur seine Zehen blieben lebenslang gelähmt, weshalb die hintere Zehe so nach vorn gebogen war, dass er nur alle vier Zehen als taubes Bündel auf der Stange aufsetzen konnte. Mit der Zeit lernte er, trotz seiner Behinderung das Gleichgewicht zu halten, sicher auf seinem Vogelbaum zu landen und mit Hilfe seines Schnabels und des intakten anderen Fußes genauso gut zu klettern wie zuvor mit zwei gesunden Füßen.

Er war eine große Vogelseele, konnte ganz wunderbar gluckern und schimpfen, liebte „Jungleland“ und Hirsekolben, quittierte jedes aus dem Bad ertönende Nagelknipsgeräusch sowie das morgendliche Abklopfen des Portionierlöffels an der Kaffeedose mit einem Spezialpiepton, der ausschließlich diesen beiden Geräuschen vorbehalten war.
Von all den Wellensittichen, die ich in meinem Leben hatte, war er der, mit dem ich am innigsten verbunden war. Als ich ihn nach über zehnjährigem Zusammenleben gehen lassen musste, war ich untröstlich. Was habe ich seine Stimme vermisst, wie sehr haben mir sein schräg gelegtes Köpfchen mitsamt dem neugierigen Blick, mit dem er mir beim Arbeiten zuguckte, gefehlt!

Und nun hüpfte er durch die morgendlich gefrorene Wiese, dieser schwarze Wiedergänger von Fridolin, wir hatten mehrmals Blickkontakt und mir schossen Tränen in die Augen.
Daheim angekommen, informierte ich sofort den Gatten, dass unser Wellensittich als Krähe zurückgekommen sei und ob er nicht auch fände, dass er sich doch dadurch  – so rein ornithologisch betrachtet – verbessert hätte.

Seitdem begegnen wir uns öfter, ab und zu sitzt er sogar auf der Dachrinne des gegenüberliegenden Hauses, legt seinen Kopf schräg und blinzelt mir zu, mit seinen klugen, schwarzen Knopfaugen.

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Unsere Fußbodenheizung muss ihren ersten Winter stemmen und weiß noch nicht so recht, wie das geht. In einem Raum verhält sie sich vorbildlich, im anderen ist sie launisch, im dritten rauscht sie.

Gestern traf ich zufällig den Heizungsinstallateur im Keller, der vom Hausmeister zur Behebung eines kleinen Wasserschadens gerufen worden war.
Schön, dachte ich, dann müssen wir den nicht extra kontaktieren und er kann sich gleich mal die Probleme bei uns in der Wohnung ansehen, wenn er eh schon im Haus ist.
Als ich seine Stimme hörte, zuckte ich zusammen. Sie kam mir sofort vertraut vor, aber so mitten im Gespräch – ein Dialog mit Heizungsvokabular erfordert meine volle Konzentration! – konnte ich dem nicht nachspüren. Erst als er oben in unserer Wohnung stand, ich seine schlacksige Gestalt, die lässige Haltung, die Mir-sind-doch-Haare-egal-Frisur und seine Gesichtszüge in Kombination mit dem unterdrückt-bayrischen Klang seiner Worte wahrnahm, wusste ich es.
Niklas, der vor noch nicht mal zwei Jahren nach dem abendlichen Joggen einfach tot umgefallen war, stand bei uns im Flur, um 10 Jahre verjüngt!

Diesmal hatte ich ob des Wiedergänger-Gefühls keine Tränen in den Augen, sondern empfand Freude, die vertraute Stimme wiederzuhören und mich erinnern zu dürfen.

Im Unterschied zu Fridolin, der statt eines erneuten Daseins als Kleinpapagei einen Karrieresprung gemacht hat und unter die großen Rabenvögel gegangen ist, hat Niklas das Gegenteil getan und anstelle der Juristerei diesmal einen Handwerksberuf erwählt. Was sich stimmig anfühlt, denn das viele Rumsitzen im Büro hat ihn ja immer genervt.

Da lag er also nun, in unserem Flur vor dem geöffneten Technikkasten der Heizung, fummelte an den Ventilen herum, erzählte uns was von Küken, Pumpen und Motoren, und das alles in demselben Tonfall, in dem er früher über Abeitsrecht, Datenschutz und Betriebsvereinbarungen gesprochen hatte.

Schön, euch beide so unerwartet wiedergesehen zu haben!

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Everything dies baby that’s a fact
But maybe everything that dies someday comes back

Hund haben (3).

Vorbereitungen, wenn man einige Stunden mit Möbelsuche zu verbringen gedenkt, aber der Hund nicht den halben Tag allein daheim sein soll:

Liebe D.,

du hast die implizite Herausforderung des morgigen Dogsittings schon hervorragend erkannt. Es ist diesmal nicht einfach nur Dogsitting, so wie sonst, sondern Hot-Dog-Sitting, weil Pippa läufig ist. Und sie befindet sich justament in den sogenannten „heißen Tagen“, an denen sie die Rüden nicht mehr zickig verbellt, sondern schon mal einen genaueren Blick auf den einen oder anderen Kandidaten wirft.
Aber ein Problem sollte das trotzdem nicht werden!

Denn deine Idee mit dem Schlosspark ist super, dort herrscht überall Leinenpflicht und das vereinfacht vieles, weil somit auch alle Rüden an der Leine sind. Zudem ist Pippa seit Jahren nicht mehr dort gewesen und eine neue Gegend ist immer interessant, so dass sie, obwohl sie an der Leine bleiben muss, genug Spannendes zu gucken und zu riechen hat. Da sie sich dort nicht auskennt, wird sie auch mehr auf dich achten als z.B. im Heimatrevier Olympiapark, den ich aber zu Läufigkeitszeiten eh meide, weil dort fast alle Hunde frei herumrennen. Also: geht da ruhig hin. Am besten von hier mit der Tram 12 bis Romanplatz, so spart ihr euch die städtischen Wege. Pippa ist das Trambahnfahren gewöhnt, nimm sie nur am Boden etwas zwischen deine Füße, ein Dackel wird leicht übersehen. Sie wird jammern, was sie in der Tram immer tut, weil sie vor dem Gassi ungeduldig ist – mehr hat das nicht zu bedeuten. Am besten ignoriert man das Gewinsel und geht auch nicht auf das Gewinsel von mitleidigen Omis rundum ein („Mei, wos hod er denn, da Kloane?“) 🙂

Jetzt noch zur Läufigkeit: Wir werden ihr das Höschen anziehen, bevor wir gehen. Denn wenn wir das nicht tun, könnte die Begrüßungsaufregung, wenn du die Wohnung betrittst, schon einige Blutspuren auf dem Teppich nach sich ziehen. Also begrüß sie im Höschen und zieh es ihr erst aus, wenn ihr aufbrecht.

Draußen können euch Rüden begegnen, die mit Sicherheit sehr interessiert an Pippas Hinterteil kleben. Dann einfach Herrchen/Frauchen informieren, dass dein Hund läufig ist, dann sind die anderen dran, ihren Rüden in Zaum zu halten. Sollte dir ein freilaufender Hund entgegenkommen, was in der Stadt ja eher unüblich und im Schlosspark verboten ist, musst du unter Umständen halt dem Besitzer eine entsprechenden Warnung entgegenrufen.

Sollte einer aufdringlich werden, bevor Herrchen/Frauchen einschreitet, hältst du Pippa kurz und stellst dich mit dem Bein zwischen die beiden. Der Rüde wird dir nichts tun, weil er nur auf eines fixiert ist: das duftende Hinterteil der Hündin. Aber uns ist es in allen bisherigen Läufigkeiten nur einmal passiert, dass es so massiv wurde, dass wir dazwischengehen mussten.

Auf dem Rückweg (falls ihr da auch die Tram nehmt) wird sie kein bisschen winseln, das ist ebenfalls immer so, denn dann hatte sie ja ihren Auslauf und kann sich wieder benehmen.

Auf die Anrichte in der Küche leg ich dir ein Mäppchen für unterwegs hin, da sind ein paar Leckerchen und 2 Kotbeutel drin. Wenn sie dir gut folgt, belohn sie ruhig mal (immer nur ein Stück). Leinen hängen am Treppengeländer vor der Wohnungstür: 1x Leder, 1x Nylon, welche du lieber magst (sie sind gleich lang). Das Pfotenhandtuch hängt auch am Treppengeländer – du weißt es ja sicher noch, einfach an Bauch und Füßen ein bisschen abputzen. Du kannst sie überall anfassen, sie kennt die Prozedur. Wenn du gehst, sag ihr bitte „Schön warten, ich komm gleich wieder“, auch das ist ein bekanntes Ritual und sie trollt sich dann ins Körbchen (den vorwurfsvoll-leidenden Blick muss man halt ertragen). Oder sie zieht alle Register, geht nicht ins Körbchen und wirft sich auf dem Dielenteppich auf den Rücken. Das sieht dann extrem erbärmlich aus, aber da musst du durch – bist ja gottseidank erprobt im Umgang mit kleinen Schlawinern und Schauspielern.

Wenn irgendwas wäre, was ich nicht hoffe und glaube, kannst du mich auf dem Handy anrufen, ich stelle es ausnahmsweise mal laut.

Dann mal viel Spaß im Schlosspark, vielen Dank und liebe Grüße!

Nachtrag am Abend des Hot-Dog-Sittings:
Zu 90% lief alles bestens. Nur auf dem Rückweg heftete sich ein herrenloser, aber hoffnungsvoller Rüde (nach Aussage von D. immerhin gepflegt und freundlich) an die Fersen der beiden und ließ sich trotz energischer Versuche lange nicht abschütteln. Kurz vor der entscheidenden Kreuzung (auf der ernsthaft Gefahr droht, dass ein frei laufender Hund unter die Räder geraten könnte) rief ihm D. mehrfach ein resolutes „Bleib!“ zu – und das hat schlussendlich gefruchtet. Der Freier setze sich hin, ließ die Ohren und den Kopf hängen und begrub seine Hoffnungen auf ein erotisches Abenteuer.

Hast du sehr gut gemacht, liebe D., vielen Dank nochmal!

Dorfstraße 13. 

Irgendwo in Brandenburg…

…zwischen Böcken, Blumen und Bestnoten …

…am Übergang von der Dorfstraße zur Dorfstraße…

… erholte ich mich bei einem langen Spaziergang im Hohen Fläming von der regenreichen Fahrt bis zur bayerischen Landesgrenze.
Das Abendprogramm: Mein Freund P. aus Berlin kam uns besuchen…

…und – weil Sonntag war – gottseidank mit grauem Kurzhaar-Toupet und ohne den psychedelischen Lolli, so dass wir im Provinz-Restaurant auch bewirtet wurden. 

Danke, dass du hier warst, lieber P.! Es war wie immer: Eine runde Sache.

I wish you all the very best. Die 44er Nachlese.

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Vorgestern bin ich 44 geworden. An sich ein relativ unspektakulärer Geburtstag. Keine Party, keine Besuche, keine Bergtour – nicht mal Sonne. Dafür umso mehr Zeit für angenehme, entspannende Dinge und Unternehmungen. Beispielsweise war ich in der Sauna. Kann mich nicht erinnern, das schon mal an einem 13. Juli gemacht zu haben, denn meist war das Wetter viel zu gut.

Ebenso Zeit, die im Laufe des Tages eingetrudelten Gratulationen am späteren Abend zu kategorisieren und gründlicher zu betrachten, als es bei Partygetümmel und Ausüben der Gastgeberrolle je möglich wäre.

Zum einen: die wiederkehrende Feststellung, dass es kaum noch Menschen gibt (dieses Jahr: acht an der Zahl), die einem handschriftlich und auf dem Postwege gratulieren. Obgleich ich das am meisten schätze. Man kann sich die Kärtchen auf den Tisch stellen oder aufhängen und anschließend auch aufheben. Ich liebe die jährlichen Hundepostkarten meiner Freundin A., auch wenn der Gatte sie immer mit dem Satz „Bist du wieder 13 geworden?“ kommentiert (und auch die Katzenkärtchen, die ich an A. schicke, quittiert er mit dieser leicht zynischen Bemerkung).
Zum anderen: der Trend zu elektronischen Geburtstagsgrüßen nimmt weiter zu. Heuer: 14x per WhatsApp, 11x per Mail und 7x per SMS, 4x Facebook.
Dann gibt es noch die paar, die anrufen, in Ermangelung von Zeit, anderer Technik, aus familiären oder anderen persönlichen Gründen. Wie immer: der Papa, die Schwiegereltern, der Exmann, mein Freund S., der Vater meiner Schulfreundin H..
Und die Kategorie „fremde Gratulanten“. Darunter fielen diesmal: Galeria Kaufhof, DM, Telekom und der FC Bayern. Letzterer nicht etwa, weil ich Mitglied wäre, sondern weil ich im Fanshop mal was für den Gatten zum Geburtstag bestellt habe, der Fan ist, aber keine Gratulation vom FC Bayern bekommt (verkehrte Welt!).
Nicht zu vergessen: die Kategorie „Mehrfachgratulanten“. Eine Handvoll besonders guter Freunde gratuliert doppelt bis dreifach: per Post, frühmorgens dann noch per WhatsApp/SMS/Mail und ggf. nochmal auf einem dem Geschenk beiliegenden Kärtchen. Widerfuhr mir vorgestern 4x. Was auch klarstellt, dass ich nicht 44 Freunde habe, sondern – abzüglich der Mehrfachgratulanten – nur 38 bis 40. Was auch gelogen ist. Ich habe schwankend zwei bis acht Freunde (je nach Lebensphase und -einstellung sind es mal nur 2, dann wieder eher 8). Reicht mir auch.

Die besondere Beobachtung, die ich gemacht habe und über die ich hier schreiben wollte, ist aber eine ganz andere. Es ist der erste Geburtstag gewesen, an dem mir – durch welches Medium auch immer – auffallend oft alles erdenklich Gute gewünscht wurde. Alles erdenklich Gute!? Hm.

Bis zum 43. hat’s alles Gute oder, von den ganz Lieben, alles, alles Gute ja auch getan. Kaum wird man 44, ist das Gute neben allumfassend auch noch erdenklich geworden. Ist das nicht bedenklich, diese erdachte Steigerung von alles?

Zufall kann es jedenfalls nicht sein, da diese Formulierung in 6 von 44 Gratulationen auftauchte. Was will mir das sagen? Was wollen die Glückwünscher mir mit auf den Weg geben? Einfach nur ein Schippchen mehr Glückgesundheitfreudezufriedenheit, weil sie denken, dass man das mit 44, mit Kalkschulter und ohne Arbeit, besonders brauchen könnte? Hat jemand eine Idee? Oder möchte sich gar einer der Verfasser des erdenklich Guten hier öffentlich zu seiner hoffentlich unbedenklichen Intention äußern?

Wie oft in solchen Begriffsnöten bemühe ich den Duden.
Aha. Da haben wir’s.

erdenklich

Bedeutung: was, soweit überhaupt denkbar, irgendwie möglich ist. Um Himmels Willen.

Also soweit überhaupt noch etwas Gutes denkbar ist, das für die fragile, labile Mittvierzigerin drin ist in dieser Wundertüte, die man Leben nennt, muss es auch noch irgendwie möglich sein. Au weia. Das irgendwie schränkt die Möglichkeit ja auch irgendwie ein, finde ich.

Aber es kommt noch bedenklicher mit dem Erdenklichen. Die Synonyme für erdenklich sind nämlich: möglich, virtuell, denkbar und vorstellbar.
Wünscht man mir nur noch virtuell alles Gute, weil es real eh schon utopisch wäre? Oder wünscht man mir nur noch das defintiv vorstellbar Gute, wohingegen mir früher für ein neues Lebensjahr auch noch unvorstellbar Gutes zugetraut und gewünscht wurde? Fragen über Fragen!

Aber es gibt Trost! Denn es kann kein Zufall sein, dass dieses heimtückische, kleine erdenklich im Alphabet umrahmt wird von Erdenkind und Erdenlauf. Mittendrin zwischen dem Menschen und dem Lauf des Lebens erd_enkelt es vor sich hin!(*)

Das stimmt doch hoffnungsfroh. Da ist noch was drin!

In diesem Sinne wünsche ich euch ein erdenklich gutes Wochenende 🙂
Eure Kraulquappe.

(*) hab’s mir mal ausgeliehen – danke, kaschpar.