Ge_danke_n 2018 (1).

Zum Jahresausklang noch eine kleine Serie: Wofür ich im zurückliegenden Jahr dankbar war oder bin.

*****

Den Anfang macht mein großer Freund S.

Nie zuvor in unseren 15 gemeinsamen Jahren haben wir uns so oft gesehen wie 2018 – dafür bin ich dankbar, wenn auch die Umstände manchmal traurige und schwierige waren.

Aber zum einen hat uns das noch mehr zusammengeschweißt, zum anderen warf die Sonne ja trotzdem den einen oder anderen wärmenden Strahl auf unsere Ausflüge und Gespräche. So auch gestern am Staffelsee!

Wie wunderbar die Eisperlen an jedem Halm im Schilf glitzerten… – nehmen wir’s als wegweisendes Funkeln für 2019!

Pläne, Petitionen, Plätzchen, Plaque.

Das einzig Bunte im Winterhimmel über München.

*****

Frühmorgens, der Tag noch gänzlich unverletzt und unbesudelt, den Kalender für 2019 gewälzt, um passende Reisezeiten zu finden für Gotland 2.0. Erster Orientierungspunkt: die über zwei Monate dauernden schwedischen Sommerferien. DA NICHT. Das skandinavische Sylt wollen wir in aller Ruhe aufsuchen, damals war’s September, das war toll und die zahlreichen geschlossenen Lokale eh wurscht, weil die wenigen offenen uns wissen ließen, dass Hunde sowieso überall unerwünscht sind.
Hunde reduzieren die Optionen auf Reisen oft auf ein Minimum, das erleichtert die Planung und die Tagesgestaltung enorm.
Bleibt nach Beachtung anderer Termine und unter Einbeziehen von Klima- und Mückentabellen eigentlich nur Ende Mai bis Anfang Juni oder Ende August bis Anfang September übrig. Irgendwie wird sich der Traum von der Sommerfrische daraus schon zusammenbasteln lassen, ist ja noch ein Weilchen hin.
Mögliche Reisetermine dann gleich der Agentur mitgeteilt, den Namen der dortigen Kontaktperson mühsam reinkopiert (wegen der slawischen Sonderzeichen), dann ein bisserl rumgebastelt an der Antwort auf die Frage, was denn bei der Programmplanung zu beachten wäre – „da Sie ja mit Ihrem Hund anreisen“ – es aber dann doch aufs Wesentliche beschränkt (Beachtung der Gassizeiten, Natur besser als Stadt, Unterkunft mit Wiese vor der Tür, gern auch den Strand vor der Nase).

*****

Mitten in die Schreibtischarbeit hinein klingelt es und ein Jungspund von der Rolladenfirma, die hier seit August einen „Panzer“ (wie die Jalousie unter Fachleuten genannt wird) samt Zugband austauschen will, steht vor der Tür. Er schickt sich an, in nassen, verdreckten Stiefeln die Wohnung zu betreten. Wir klären das kurz und als der junge Mann sich sodann in die Hocke begibt, um sein triefendes Schuhwerk abzulegen, beschließt das Dackelfräulein, dass es sich um einen neuen Spielgefährten handeln muss, wenn der da schon so einladend kniet und einen halb geöffneten Werkzeugkasten neben sich parkt.
Mit dem neuen Zugband im Schnabel, das sich auf stolze 30 Meter ausrollen lässt, wenn man es nur heftig genug schüttelt und durch den Flur schleift, wird dem Handwerker der Weg ins Wohnzimmer gewiesen.
Nach 35 Minuten ist der Spuk vorbei, mechanisch sauge ich den Dreck weg, der beim Bohren und Montieren entstanden ist. Schon wieder verschwitzt, aber von Gesundheitlichem soll hier und heute nicht weiter die Rede sein.

*****

Beim Mittagessen mit B. zunächst eine lästige Diskussion mit der ziemlich ahnungslosen, asiatischen Bedienung, die unsere Nachfrage, ob es wirklich sein könne, dass von 16 Gerichten auf der Mittagskarte nur ein einziges vegetarisch sei, mit Dauergrinsen und Kiekslauten beantworten möchte, womit wir sie natürlich nicht davonkommen lassen. Aber es hilft nichts: der lauwarme Linsensalat ist das einzige Angebot und kann uns gestohlen bleiben. Wir bestellen notgedrungen ein sauteures, vegetarisches Gericht von der normalen Karte.
B., der sein Haus gerade abbezahlt hat, meint, das sei jetzt schon drin, und ich freue mich über die Einladung.
Das dampfende Wokgemüse an Basmatireis schmeckt super, beinahe gelingt es uns – konzentriert aufs leckere Essen und unser Gespräch über wichtige Lebensdinge – das proppenvolle Lokal samt seiner ohrenbetäubenden Akustik auszublenden.
Da bläst es plötzlich eine Sequenz an Sätzen vom Nachbartisch herüber. Ein Business-Bürscherl mit Toni-Kroos-Frisur und zu kurzen Anzughosen brüstet sich vor seinen drei Kolleginnen lautstark damit, gestern die Petition für die Umbenennung der Schamlippen in Vulvalippen unterschrieben zu haben (ich habe noch nicht gegoogelt, ob es die wirklich gibt, also die Petition!). Die Kolleginnen gucken verschämt in ihr Gulasch, eine errötet leicht. Mindestens 10 Paar Augen von benachbarten Tischen sind auf das Bürscherl gerichtet, dem man, wenn man ihn sich so ansah, speziell diese Unterschrift definitiv nicht zugetraut hätte.
Fast noch überraschender: des Bürscherls Nachtrag, dass das doch eine gute Sache sei, weil Sprache ja schließlich die Wirklichkeit formen würde, und wie die Damen das denn sähen. Aber die sahen lieber weiterhin in ihre Teller. Das Aufsehen fand drumherum statt, bis dann alle wieder wegsahen.

*****

Auf unserem grauen und etwas drögen Spaziergang begegnen wir dem Mann mit dem uralten Hund. Die Hinterläufe sind erlahmt und in eine rollstuhlartige Konstruktion hineingeschnallt, die es dem Hund ermöglicht, sich langsam, aber eigenständig fortzubewegen. Der Hund wirkt gebrechlich, aber nicht leidend, nicht mal tapfer oder hadernd, sondern weitgehend mit seinem Schicksal im Einklang.
Mit einer Engelsgeduld begleitet der Mann seinen greisen Gefährten, hetzt diesen nicht, sondern lässt ihm Zeit zu schnuppern und seine Geschäfte zu verrichten. Dreimal am Tag, dreimal diese wenigen Meter, die der Hund noch schafft. Der Anblick der beiden rührt mich jedesmal zu Tränen, zu deren Vergießen es aber nie kommt, weil ich mich schon bei der ersten Aufwallung in Grund und Boden schämen muss: das Dackelfräulein verbellt den altersschwachen Artgenossen nämlich sofort voller Inbrunst. Jedes Mal. Alles, was vom normalen Phänotypus „Hund“ abweicht (Verband, Amputation, Humpeln, Gehhilfen, Leuchthalsbänder etc.), erregt ihren Unmut aufs Heftigste. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich ihr spontan einen dämlichen Satz wie „Pippa, das macht man nicht!“ oder „Spinnst du? Der ist doch nur alt!“ zuzischen. Überhaupt ist es erstaunlich, dass ich mir nach bald 7 Jahren Hundhaben immer noch nicht dieses absurde Kommunikationsverhalten abgewöhnt habe, ihr mehrere Sätze am Stück mit gänzlich unbekanntem Vokabular vorzusetzen, anstatt die Botschaft auf ein schlichtes (und zumindest theoretisch bekanntes) „Nein!“ oder „Schluss!“ zu beschränken.

*****

Nach der Steuererklärung ist vor der Steuererklärung. Ich forste Ordner durch, werfe weg, hefte um, lege ab.
Dezember, das bedeutet Ausmisten, Abschließen, Sortieren, Aufräumen, Vorbereiten, in den Keller gehen (und zwar nicht nur in den des Mietshauses, sondern auch in den Seelenkeller, erst recht, wenn man den ganzen November lang noch nicht dort unten war).
Wenn ich das diesmal flott hinter mich bringe, dann backe ich glatt noch ein paar Bleche Plätzchen. Die von Rischart schmecken zwar phantastisch, sind aber zu teuer. Und der Papa wird dieses Jahr erstmals keine mehr liefern, zu stark zittert nun der rechte Arm und bevor die Vanillekipferl Hufeisengröße annähmen, ließe er es lieber bleiben, sagt er mir heut am Telefon mit müder Stimme.
Ich bin jetzt dran!, denke ich und sehe mich schon, wie ich puderzuckerbestäubte Kipferl Schicht für Schicht, mit zugeschnittener Zellophanfolie dazwischen, genau so wie er es immer tat, in die große, ovale Dose packe, die er mir jedes Jahr übergab. Die mit den Engeln der Sixtina drauf, ein Motiv, das ich eigentlich nie mochte, obwohl es über die Jahre zum Symbol geworden war für die Plätzchen vom Papa und beinahe den Pawlowschen Reflex auszuösen imstande war.

*****

Limited edition, Farbton „Karies“.

Am frühen Abend raffe ich mich trotz hämmernder Kopfschmerzen auf und gehe hinunter zu Nachbar K., denn sein Name steht auf der DHL-Benachrichtigungskarte, die seit heute Mittag an meiner Tür klebt.
K. ist in der Finanzbranche tätig und normalerweise von frühmorgens bis spätabends außer Haus. Ich lege mir auf dem Weg in den ersten Stock ein Intro-Sprüchlein zurecht („Na, hoffentlich Urlaub und nicht krank?“) und läute.
K. hat weder Urlaub, noch ist er krank, nein, er macht Homeoffice. Weil er gerade an einer Studie arbeiten müsse und dafür Ruhe bräuchte. Außerdem müsse er seine Frau entlasten und den Wocheneinkauf erledigen. Wozu er aber nicht gekommen sei, weil der DHL-Bote 10 Pakete bei ihm abgestellt hätte, die nun den ganzen Nachmittag über von diversen Nachbarn abgeholt worden wären. Mit jedem ein Viertelstündchen geratscht, so ginge der Tag auch rum. Wir erhöhen auf 20 Minuten, dann bekomme ich einen Niesanfall, nehme mein Päckchen und verabschiede mich.
Nebenbei: Amazon ist manchmal der Wahnsinn. Gestern Abend um 23:30 Uhr eine elektrische Zahnbürste bestellt (die alte hörte sich seit Wochen wie ein kaputter Rasenmäher an und gab gestern um 23 Uhr, am Backenzahn unten links angekommen, endgültig den Geist auf), heute ist das Ding schon da. Wie geht das bloß?
Mit im Karton: die einzigen Socken, in denen ich nie kalte Füße habe. Bergsocken von Veith (aus dem Allgäu zwar, aber Wolle ist ja gottseidank schweigsam). Es gibt nichts Besseres fürs klamme Frauenflossen.

Sauber und warm kann der Tag nun enden.
Eine Nacht mit mehr als 5 Stunden Schlaf am Stück wäre auch mal wieder was. Schließlich habe ich dem Dackelfräulein fest versprochen, dass wir morgen – grippaler Infekt hin oder her – nach gefühlten Ewigkeiten endlich mal wieder zusammen ausfliegen.

*****

Großstadt-Dackel, etwas depressiv.

Am Amazonas oder: Man kann überall gute Freunde finden.

Italienische Lampe über Amazon bestellt. Soll nächste Woche von Wiktor aufgehängt werden. Versandbestätigung schon vor 5 Tagen erhalten. Italienische Lampe immer noch nicht da. Kommt aber gar nicht aus Italien, sondern von einem Händler aus Norddeutschland, der italienische Lampen vertickt, Genaueres will man lieber nicht wissen und fühlt sich über Amazon abgesichert. Guckt man unter der vom Händler mitgeteilten Sendungsnummer nach, kommt auf der Website des Versanddienstleisters die Meldung „Sendungsnummer unbekannt.“. Das irritiert dann doch. Fragt man also beim Händler nach.

Und ist dann hocherfreut und zutiefst beruhigt über folgende Antwort, die bereits zwei Stunden nach der Anfrage eintrifft:

Ist ja ein Geschenk des Himmels, so unverhofft neue Freunde zu finden.

Klickt man auf „Ja“, weil alle Probleme gelöst und die Waren ja bereits spielen und nix Sorge nötig mit diese Freund, denn ist gute Freund, und noch dazu innerhalb des Datums am Amazonas, wenn richtig verstehe Email.
Was will man mehr?!
Ist schön warm dort und hell, so dass italienische Lampe eigentlich sowieso überflüssig.

Buona sera!

But stories always end.

Da warst Du plötzlich wieder. Nachts um 3, im Zentrum eines Traumes, der ebenso zappenduster wie beschwingt war.

Eine Weihnachtsfeier in der Firma. Die beschwipsten Kollegen tanzen, wir stehen am Rande des Geschehens und schauen ihnen zu, die Szenerie hat was von abendlichem Apfelsinentanz unter Pauschaltouristen auf griechischen Inseln. Die Musik zu laut und zu klebrig, wie ein billiger Fusel, lediglich fürs schnelle Besäufnis geeignet, mit Schädelweh-Garantie. Wir schütteln den Kopf.

Da holst Du Dein iPhone aus der Hemdtasche, stöpselst zwei Kopfhörer dran und reichst mir eines der weißen Kabel. Ich drücke mir die beiden Knöpfe fest in die Ohrmuscheln.

Dann hören wir das hier und weinen und alles ist gut.

If I could read your mind
What a tale your thoughts could tell
Just like a paperback novel
The kind the drugstores sell
When you reached the part where the heartaches come
The hero would be me
But heroes often fail
And you won’t read that book again
Because the ending’s just too hard to take

If you could read my mind
What a tale my thoughts could tell
Just like an old time movie
‚Bout a ghost from a wishing well
In a castle dark or a fortress strong
With chains upon my feet
But stories always end
And if you read between the lines
You’ll know that I’m just tryin‘ to understand

The feelin’s that you lack.

Unter Fischen oder: Herbstangebote.

Plötzlich purzelt eine Postkarte aufs Parkett…

…etwas zerknittert und angegriffen wirkt sie (was ja recht gut passt) und man betrachtet ihr Motiv (fragt sich, wer eigentlich der Haifisch ist oder war und was der Schlawiner zu grinsen hat), dreht sie um, liest den Text (ist ein bisserl gerührt und ein bisserl nachdenklich zugleich) und denkt fortan nach über zweite Chancen in Freundschaften (oder ist’s schon die dritte oder vierte?) und entschließt sich dann zu einer Antwort.

Hier ist sie:

Versuchen wir’s also, die alten Baustellen zu beseitigen und zu schließen, bevor das Herbstlaub in die Baugruben rieselt und man da mit der Harke gar nicht mehr durchkäme.

Und wie das konkret vonstatten gehen könnte, sollte vielleicht alsbald bei einem gepflegten Glas Gerstensaft besprochen werden…

…zu dem ich hiermit einfach mal einlade.

Sollte man dabei (nüchtern betrachtet, versteht sich) übereinkommen, dass man gemeinsam eine neue Runde in verlässlicheren Gewässern unternehmen könnte… -, nun denn, warum nicht, man wird’s ja sehen, ob das unter Menschen so klappt wie unter (Hai-)Fischen und vielleicht wird ja doch nochmal ein nettes Filmchen draus.

Potenzial hätt‘ die Story mittlerweile allemal.

Steiler Zahn.

*****

Da kraxeln das Dackelfräulein und ich den recht steilen Zahn und die zackige Sonnenspitze hinauf und von dort wieder zur Alpenvereinshütte mit Zugspitzblick hinab, das Stimmungsbarometer (zumindest vorübergehend) ebenso im Aufwärtstrend wie das Thermometer, und dann sind da herobn auf der Hüttn kurz vor uns unerwarteter- und, wie die Wirtin grantig anmerkt, auch unangemeldeterweise zwei Schulklassen eingefallen und haben uns alle Portionen des AV-Bergsteigeressens weggefressen.

So wird das heut‘ eine sehr preiswerte Einkehr, nur mit einer leichten Weißen und dem Steckerleis aus der Kindheit, das grad ein Revival erlebt. Dolomiti, allein der Name ein Versprechen, heut‘ erneut gegeben unter dem Himmel der Bayern (übrigens: exakt da herobn begann sie seinerzeit, die gleichnamige Serie auf diesem Blog – ist das echt schon zwei Jahre her?!). Nur die grüne Schicht vom Dolomiti, die ist nicht mehr das, was sie vor 35 Jahren mal war.

Und ich lobe mir mein Proviantsackerl mit Käsebrot und Tomaten, da ist man unabhängig von Schulklassen und Nahrungsangebot und hat eh die bessere Qualität zwischen den Kiemen (nun, da man ja en detail weiß, was da so serviert wird, auf den Hütten).

*****

*****

Die Welt ist ja klein.

Am Nachbartisch ein junger Mann, der freundlicherweise das Dackelfräulein observiert während ich mich umziehen gehe. Das Observieren ist nötig, weil Pippa den permanent auf der Terrasse herumpatrouillierenden Hüttenhund noch mehr hasst als die zahlreich umherschwirrenden Fliegen.

Aus dem Waschraum kann ich hören, dass der junge Mann gut zu tun hat. Hernach danke ich ihm herzlich, wie souverän er die Bellattacken gemeistert hat. Wir kommen ins Gespräch. 6. Semester Klavier an der Musikhochschule (meine Güte, so jung!). Und er kennt natürlich den hochbegabten Sohn des toten Freundes (wie gesagt: die Welt ist klein). Er heißt jetzt nicht mehr wie sein Vater, erfahre ich. Hat seinen Nachnamen geändert, um den Vater und überhaupt die ganze Sippe zu vergessen. Als ob man seine Wurzeln loswürde, wenn man die Blätter oder die Rinde anders einfärbt. Der neue Nachname lässt mich dennoch auflachen (ins Deutsche übersetzt bedeutet er: „der Glückliche“) und ich weiß, dass der tote Freund mitlachen würde, wenn er davon erführe (später werde ich an einer einsamen Stelle am Berghang gen Himmel gucken – wenngleich es gen Erde logischer wäre – und es ihm sagen).

Das Piano bespielt der Sohn wohl immer noch göttlich. Möge er seinem neuen Namen die Ehre erweisen und glücklicher sein als sein Vater.

*****

*****

Unterwegs zwei Bergdialoge.

Nr. 1: (Ein Paar – dicker Bayernprolet mit angeheirateter, dünner Katalogthailänderin – kommt uns in Turnschuhen entgegengehatscht, die zierliche Frau kiekst vor Begeisterung als sie Pippa erblickt.)

Sie: „Bist du ein süßer Hund! Komm mal her!“

Er: „Des is a Dackl. A Rau-haar-dac-kel. Heast?“

(Dackelfräulein reagiert auf Weiberkieksen grundsätzlich mit wildem Gewedel und Wadln-Abschlecken. Auch bei dünnen thailändischen Wadln.)

Sie (kreischt nun): „Iiiii! Der hat ja eine Zunge!“

Er (dumpf, repetierend): „Des is a Rau-haar-dac-kel, heast?“

Nr. 2: (Vom lustlosen Kinde, der Hitze und einigen Wochen Sommerferien zermürbte Kleinfamilie schlurft durch den Bergwald. Tochter bleibt schon wieder stehen. Pippa und ich setzen zum Überholen an.)

Mutter (süßlich-streng): „Nein, Annalina, die Beere darf man nicht essen. Das ist eine Tollkirsche und die ist giftig.“

Tochter (sehr fix): „Aber warum heißt die dann ‚toll‘, wenn die so böse ist?“

Vater (lakonisch): „Vieles im Leben ist eine Mogelpackung.“

Tochter: „Was ist eine Mogelpackung?“

(Leider muss ich in dem Moment das Fräulein anleinen, weil ich Rotwild erspähe und bekomme daher die Fortsetzung der väterlichen Lebensweisheit nicht mehr mit.)

Bergwandern allein hat schon auch was für sich.

*****

*****

Ein langer Marsch heute. Wir sitzen nun bei Zweitgetränk und Zweitnapf im Tal, kühles Gras unter unseren Füßen.

Erinnerungen an dieselbe Tour vor ca. 12 Jahren. Ich damals auf dem Höhepunkt meiner Rastlosigkeit, unterwegs zwischen mancherlei Extremen, citius-altius-fortius war die Devise, wie eine Getriebene, den Kopf voller Ziele, niemals frei ‚da oben‘.

Geschunden hab‘ ich mich, gerannt bin ich als wär‘ ich auf der Flucht, vielleicht war ich’s auch. Dabei ist Alpinismus weder Sport, noch Wettkampf, sondern eine Art Philosophie, eine Lebensform.

Meinem kleinen Hund sei Dank, dass ich das grad noch früh genug kapiert habe.

*****

Dr. Schmitt in der Landeshauptstadt.

Lieber Herr Speed,

als der Gatte heut‘ Ihre Renovierungsarbeiten in Suburbia besichtigt hat (Sie wissen schon: der Endergebnis-Test, den wir vereinbart hatten), kam ihm in der alten Wohnung ein leicht hospitalisiertes Haserl entgegengehoppelt: der werte Dr. Schmitt!

Er habe genug vom Stadtrand und auch vom Forstenrieder Park mit all den Keilern und Bachen, meinte er, und er wolle unbedingt mit in die City fahren (und wer überhaupt auf die Schnapsidee gekommen sei, ihn da draußen im Vorort zu parken, für vier lange Tage, und was das denn solle – nicht mal der Möhrenvorrat habe gereicht).

Den Wunsch hat ihm der Gatte natürlich nicht abschlagen können und so hat Ihr Begleiter noch ein nettes Nachmittags- und Abendprogramm in der bayerischen Landeshauptstadt erleben dürfen.

Wir können Ihnen versichern: es hat ihm sehr gefallen.
Übermütige Haken hat er geschlagen auf der Theresienwiese – die Stadtkarnickel kamen aus dem Staunen nimmer raus! – und ihm wurde kein Löffel gekrümmt. Im Gegenteil, er hat neue Freunde gefunden, im Schatten der Paulskirche und der Patrona Bavariae.

Nun ratzt er zufrieden neben einer seiner neuen Freundinnen mitten in Ihrem Werkzeugsortiment und freut sich auf Ihre morgige Ankunft.

In diesem Sinne: ruhen auch Sie wohl und bis morgen!

Du bist so groß und i nur a Zwerg!

„Du bist so groß und i nur a Zwerg!“ (Des Dackelfräuleins Ode an den Watzmann und Bobby)

Für 36 Stunden raus aus der Stadt, der Wohnung, dem Umzugs-, Umbau- und Ausbaukosmos. Auch mal wieder ein Segen, zumal bei der Gegend, dem Wetter und in der Gesellschaft!

Gestern Abend in Bad Reichenhall: Gustl vom Fass und zwei Ungustl unterm Tisch.

Süffig, süffiger, Suffikator.

Alpenländische Bierkultur.

Für den Großen Braunen immerhin eine Hundmaß.

Heute dann zu sechst in die Berge bei Berchtesgaden: „Gasthof Sahnegletscher“ klingt ja schon mal verlockend.

Mit Dog&Blog-Freundin Andrea morgens vor Watzmann-Kulisse.

Auf dem Soleleitungsweg oberhalb von Ramsau.

Noch zwei Minuten bis zum Toten Mann!

„Jetzt reicht’s aber langsam mit Bergaufgehen bei der Hitze!“

Oben angekommen: Während die Männer „Toter Mann“ spielen…

…halten sich die Frauen an den Hunden fest.

Pures Bergglück eben!

Danke an Andrea, Wolfgang, und Bobby für den wunderbaren gemeinsamen Tag – kommt gut nachhause & kommt bald wieder!

Anschließend noch einen Abstecher in die Vergangenheit des Gatten unternommen, zur Gebirgsjäger-Kaserne nach Berchtesgaden…

…wo das Dackelfräulein sogleich dem Löwen den Rang streitig machte…

…derweil wir herzliche Grüße an Mr. Speedhiking ins Allgäu sandten, der hier einst ebenfalls mit Watzmannblick diente.

Danach noch schnell ein Bad im Königssee…

…und anschließend mit einer Schlafenden Hexe vor uns (und einer hinten auf der Rückbank) zurück nach München.

Vor zwei Jahren stand ja mal kurz im Raum, ob wir uns vielleicht Richtung Frankfurt verlagern, um dem Gatten das Pendeln zu ersparen, aber nach solchen Tagen sag‘ ich immer: „Gottseidank hat’s mich nicht in den Taunus verschlagen, denn da wär‘ ich nie und nimmer glücklich geworden.“

Soweit das Wort zum Sonntag und herzliche Grüße an die treue Leserschaft!

Magazin der Woche.

Hätte der Kiosk nicht wegen des Feiertages geschlossen – ich hätte sofort zugeschlagen, obwohl ich sonst nie den doofen Focus lese:

Eine – wie ich finde – äußerst gelungene, sinnvolle, zeitgemäße Kombination der Titelthemen: Raus aus der Einsamkeit & rein in die neue Bude.

Und das klappt bei den teuren Mieten hier in München einfach besser, wenn einem Freunde unter die Arme greifen. Und es ist doch geradezu spitze, wenn es da so viel zu tun gibt, dass der Einsamkeitsfaktor dadurch nicht nur für die klägliche Dauer von ein paar Hand- oder Ratschlägen, sondern gleich auf Wochen (!) gegen Null sinken wird.
Lebenslänglich stabile Arbeitsplatten und Speisekammer-Innenausbauten werden in lebensverlängernder Gemeinschaftsarbeit montiert werden, dazu noch eine gratis Leberkässemmel (vom Vinzenzmurr, versteht sich) in der Mittagspause und ein Freibier nach Feierabend (aber dann muass a Rua sei, man soll’s ja a ned übertreibn mit de Spezln).

Super Deal, für alle Beteiligten (erst recht, wenn a Schwob mit von der Partie is‘!), nicht wahr?
Sie werden das hier mitverfolgen dürfen, sofern Vodafone das mit dem Internetanschluss zustande bringt – in 2 Wochen geht’s los!

Wir aber spucken schon heute in die Hände und feilen noch ein wenig am Projektplan herum, passend zum Tag der Arbeit. Denn morgen rückt der Handwerker zur gründlichen Inspektion aller Wohnungen und Aufgaben sowie zum Verfassen der ersten Baumarkt-Einkaufsliste an (damit das dann auch zügig starten kann und man nicht unnütz Zeit verplempert mit Oho!- und Aha!-Sagen). Wir sind gespannt!

In diesem Sinne: einen schönen Feiertag allen Leserinnen und Lesern!

Song des Tages (17).

Neue Woche, neue Wege.

Eine Schreibarbeit voranbringen, die OP hinter uns bringen. Und manches mehr.
Hoffentlich wirft’s einen nicht aus der Spur.

Im Küchenradio spuin’s an Hubert, lang‘ nicht mehr gehört!

Ein Open-Air-Konzert in Coburg fällt mir ein, kurz nach dem Independence Day muss es gewesen sein, eine Ameisenstraße unter einer Wolldecke im Wald, irgendwo zwischen Würzburg und Coburg, heiß war es, der Honda von P. ohne Klimaanlage. Die Stimmung schwierig, aber nicht aussichtslos, was man damals vor 24 Jahren zu gern geahnt hätte, aber erst viel später wissen durfte. Immerhin.

An dieser Stelle herzliche Grüße nach Berlin an P., den Läufer mit der feschen Russenmütze (frohes Zehennägelschneiden!) – und allen anderen einen guten Start in die Woche!

De Fiass de gengan wia von selber und de Strass’n
de fangt an vor meiner Tür
nur wo’s aufheat woass ma nie
und wo’s hiführt woass ma nie
und ob ma‘ z’ruckkommt woass ma nie