Freitagabend, im Freibad.

Dichter Dampf steigt über dem menschenleeren 50m-Becken auf, das Thermometer an der Außentür zeigt 5 Grad. Ja haben wir da jetzt eine komplette Jahreszeit übersprungen oder was ist los?

Auf der Gufferthütte hat es geschneit, und das nicht zu knapp. Der Papa meldet auch schon weiße Berggipfel ringsum.

Morgen fahren die Freunde 613 km hierher, um den Wanderherbst in Oberbayern zu genießen. Gerade habe ich die Mitnahme von Mützen und Handschuhen empfohlen.

Was für ein schräges Jahr – aber wir machen einfach weiterhin das Beste draus. Gute Reise, liebe B.!

Das letzte Zeichen des Sommers brachte der hübsch Bewimperte erst vor 3 Tagen vorbei, hartnäckig strahlen die zwei Blumen nun gegen das Regengrau an.

Auf der Himmelsleiter.

Zum Frühstück schickt der hübsch Bewimperte eine Gassigehanfrage und einen verlockenden Kartenausschnitt aufs Smartphone…

…nebst dem noch verlockenderen Hinweis, dass das Ganze mühelos um einen Abstecher in ein Café abseits der Route und des Ausflüglerandrangs erweitert werden könne…

Das Café Max II im hübsch restaurierten Bahnhofsgebäude zu Feldafing.

…selbstverständlich erst, nachdem die beiden Fräuleins ausgiebig sausen und baden durften…

Der Hundeflüsterer bei der Arbeit.

…und wir es angesichts der zahlreichen Kampfradler auf dem seenahen Spazierweg den Gänsen zu gern gleichgetan hätten.

Einfach mal abtauchen!

Aber nach dem Verlassen des Uferwegs bei Possenhofen wurde es gottseidank deutlich ruhiger und in der lauschigen Wolfsschlucht waren wir dann weitgehend allein unterwegs, vor allem nach der Starzenbachquerung via Baumstamm und dem Herumturnen auf noch einsameren Pfaden im Steilhang.

Das Tortenstück in Feldafing war dann hochverdient und über die Himmelsleiter, die gegenüber begann, schwebten wir wieder hinab zum See.

Vielen Dank an M. für diese wunderbare Ausflugsidee am gestrigen Samstag: wir schätzen es neben vielem anderen wirklich sehr, dass Du unsere Trampelpfad- und Torten-Landkarte kontinuierlich zu erweitern verstehst 🙂

[Eigentlich sollte dieser Blogbeitrag Teil der Serie „Song des Tages“ werden, denn wenn es schon zufällig einen passgenauen (!) Titel von Bruce hierzu gibt…, aber ich konnt‘ mich dann doch nicht dazu durchringen, weil mir der Song einfach kolossal auf den Wecker geht mit seinem Bigband-Sound, den enervierenden Rhythmus und seinen schlichten Lyrics (ja, da staunen Sie jetzt, aber diese Rubrik Springsteen-Songs gibt es tatsächlich – und sie ist nicht zu knapp bestückt, leider!]

Einer fehlt noch oder: Der Weg ist das Ziel.

Lessen Sie heute aus der Reihe „Schicksalsberge„: Der Krottenkopf.

Zum sechsten Mal war ich nun dort oben. Zweimal habe ich auf der knapp unter dem 2.088m hohen Gipfel des Krottenkopfes gelegenen Weilheimer Hütte genächtigt, die anderen vier Male bin ich an einem Tag rauf & runter gelaufen.

Mindestens ein weiteres Mal werde ich noch auf diesen Berg hinaufgehen, denn: von den möglichen Zustiegen fehlt mir nur noch einer, und der Krottenkopf ist nun mal einer der Berge, den ich mir von allen erdenklichen Seiten erlaufen haben möchte, bevor ich ins Gras beiße.

Aussichtskanzel: Die Weilheimer Hütte.

Bayern par excellence: Was vom Wochenende übrig blieb.

Da wäre man ohne die Beschriftung echt nicht draufgekommen…

Jede der bisherigen Touren erinnere ich präzise. Keiner der wesentlichen Eindrücke ist im Schweiß zeronnen oder über die Jahrzehnte verblasst, denn es waren stets denkwürdige Unternehmungen (logisch, sonst hätte er es ja auch nicht zum Schicksalsberg gebracht):

a) Die Erstbesteigung mit dem Ex-Ehemann im Jahre ’95, als wir noch blutjung, übermütig und unverheiratet waren und gerade erst so richtig anfingen, längere Touren zu gehen.
Von Eschenlohe stiegen wir über das Pustertal und die Hohe Kisten hoch zum Krottenkopf und über eine leicht östlich des Aufstiegsweges verlaufende Forststraße, die ziemlich dröge 12 km lang ist, wieder hinunter. Ich schwor mir damals, die Tour nie wieder auf diesem Weg zu beenden.

b) Die Zweitbesteigung von Wallgau aus, zusammen mit H., dem Mega-Sportler und Mega-Eifersüchtler, mit dem ich beim Abstieg in einer Diskussion über … (ach, vergessen Sie’s, es war einfach unschön) so heftig aneinandergeriet, dass Hs Brille, weil er sich gar so echauffierte, zu Boden fiel und dabei zu Bruch ging, genau wie diese unselige Beziehung, und ich sagte kein Wort mehr und heulte, bis wir wieder in Wallgau am Parkplatz waren (oder heulte ich sogar bis zur Ankunft in München?). Zwei Tage später brachte ihm eine Freundin von mir all sein Geraffel, das er in meiner Wohnung deponiert hatte, in einigen großen Tüten vorbei, und danach war erstmal für ein paar Jahre Schluss mit dem Krottenkopf, ich wollte ihn keinesfalls allzu bald wiedersehen, um mich ja nicht an H. und dieses Ende erinnern zu müssen. Das war 2001.

c) Die Drittbesteigung dann etliche Jahre später, im Sommer 2007, mit dem Mann meines Lebens, dem wenige Tage zuvor die Tour auf den Schachen zu gemütlich gewesen war und der sich nach Größerem sehnte. Sollte er haben! Der Krottenkopf war ihm dann allerdings etwas zu groß, nicht im Aufstieg (wieder von Eschenlohe via Pustertal), dafür aber im Abstieg via Forststraße. Jene, die ich lebenslang nicht mehr hatte gehen wolle , und dann gingen wir sie doch, weil der Gatte in spe keinesfalls durch das Kar voller Geröll, das wir beim Aufstieg im zähen Tippelschrittgang gequert hatten, auch wieder hinuntergehen wollte, also blieb uns nur diese Forststraße, und sie war leider immer noch 12 km lang, und der Zukünftige war gelinde gesagt not amused als wir erst spätabends im (eigentlich ja romantischen) Mondschein das Auto erreichten (die noch frische Verliebtheit half ihm gottseidank bald über dieses Tourerlebnis hinweg, heutzutage dürfte ich es nicht mehr wagen, mit so einem „Spaziergang“ daherzukommen).

d) Zum vierten Erklimmen des Krottenkopfes 2014 schien es mir ratsam, mal alleine zu gehen. No man, no cry, wie es ja schon in der uralten, weisen Reggae-Ballade heißt. Und überhaupt wollte ich diesmal alles anders machen: Nicht per Auto, sondern mit dem Zug anreisen, von Farchant aus auf einem neuen Weg hochgehen, oben auf der Hütte übernachten, über den Fricken nach Oberau hinunterlaufen, mit dem Zug wieder nachhause. Hat auch genauso geklappt. Problem diesmal: ich selbst. Zumindest während des Aufstiegs. Ich wälzte unablässig schwierige Themen (die Kündigung, die Zukunft, der Hirntumor der Mutter), die mir ebenso im Nacken saßen wie der übervolle Tourenrucksack. Auf der Hütte dann halb ohnmächtig vor Erschöpfung angekommen, nach dem sensationellen Sonnenuntergang wurde plötzlich alles besser bzw. leichter und tags drauf hätte ich Bäume ausreißen können, nahm ungeplant einen weiteren Gipfel mit, den Bischof, und hüpfte leichtfüßig hinunter ins Tal.

e) Fünfte Begehung vor drei Jahren, 2017, mit Übernachtung und mit einem, der vorgab, ein Freund zu sein und keiner war (oder sein konnte), weil er fortwährend nur in sich selbst verschraubt war und zur Tour nicht nur eine Überdosis Unausgeschlafenheit mitbrachte, sondern auch ein zu Viel an Unaufrichtigkeit, aber wir wollen das jetzt nicht vertiefen oder wiederkäuen. Denn die Tour, erneut von Eschenlohe aus gestartet, war eine äußerst schöne, zumal ich den ganzen langen Abend (inklusive Alpenglühen drüben im Zugspitzmassiv) für mich allein hatte, weil der Nichtfreund vor lauter Müdigkeit bereits nach dem Abendmahl in die Koje gekippt war und sich erst am nächsten Morgen wieder regte. Der Abstieg via Esterbergalm nach Farchant war dann eine interessante neue Variante und wäre die der Tour folgende Entwicklung mit dem Begleiter eine erfreulichere gewesen, hätte mich Farchant mit Sicherheit nicht erst drei Jahre später wiedergesehen.

f) Der sechste Marsch auf diesen besonderen Berg also vor drei Tagen, mit dem Morgenzug nach Oberau, den Oberauer Steig hinauf, zu Füßen des Hohen Fricken kurze Tomaten-Mozzarella-Rast (keine Alm, eigener Proviant), am Bischof vorbei, an dessen Nordflanke noch eine kleine Trinkpause (dabei an den passenden Springsteen-Song gedacht und fast ein Freudentänzchen vollführt), danach mit Krottenkopfblick flott weiter, erst hoch zum Gipfelkreuz, danach ziemlich bedient von dem stundenlangen Gesteige auf der Hüttenterrasse niedergelassen. Der Wirt weist mir einen Tisch in der Sonne an der Hauswand zu, dort sitzt schon eine Einzelperson. J. ist auch aus München, wir kommen beim Anstoßen mit dem verdienten Weißbier ins Gespräch, über Kuchensorten, über Corona und über die jeweils hinter uns liegenden Aufstiege, und kommen dann gar nicht mehr raus aus dem Gespräch, brechen schließlich gemeinsam auf und als wir die Esterbergalm passieren, liegen nicht nur über 700 Höhenmeter Abstieg in erstaunlicher Harmonie des Gehtempos hinter uns, sondern auch zwei in Auszügen erzählte Biografien, die bis zum Abschied vor meiner Haustür noch diverse weitere Ausschmückungen erfahren, denn J. hat sein Auto unten in Farchant auf dem Wanderparkplatz stehen und ich bin so dermaßen platt von dem Tag, dass ich heilfroh bin, nicht mehr über die ruppigen Asphaltsträßchen bis zum Farchanter Bahnhof laufen zu müssen, sondern direkt am Ende des Bergsteigs die schweren Stiefel ausziehen und mich in den Beifahrersitz plumpsen lassen kann.

Auf geht’s, hinab!

Die spinnen, die Bayern (abgelegene Alm auf 1.300m).

Zurück im Tal & ein Schatten meiner selbst.

Offenbar ist der Krottenkopf für mich ein Berg, mit dem ich so Einiges auszutragen habe, und wenn der Begegnungsrhythmus mit diesem einzigen Zweitausender in der Region sich wie gehabt fortsetzt, dürfte irgendwann zwischen 2023 und 2026 die nächste Begehung anstehen. Und die wird von Krün aus starten, denn das ist der einzige Weg, der mir noch fehlt in meiner Krottenkopfserie (und wer weiß; vielleicht ist es der Zustieg, der alles abrundet und zu einem Ganzen fügt, vielleicht ist es aber auch bloß ein weiterer Zugang, der mich in die Höhen des Estergebirges führt und mit meinen Abgründen bekanntmacht, ich werd’s sehen).

Der Weg ist das Ziel (oder auch einfach nur ein Weg).

Jedenfalls möchte ich Ihnen, so Sie sich denn überhaupt für die Bergwelt interessieren oder gar begeistern können, diese Tour (ganz egal, welche Wegvariante) nicht etwa als möglichen Erkenntnisgewinntrip oder veritablen Verausgabungs-/Fitnesstest oder als gnadenlosen Beziehungsprüfstein ans Herz legen, sondern schlicht und einfach ob ihrer landschaftlichen Schönheit und der atemberaubenden Aussichten, die sie bietet.

Zugspitze zwischen Bischof und Fricken.

Hetzen Sie sich nicht, übernachten Sie unbedingt dort oben, trinken Sie ein süffiges Mittenwalder und keine dürre, blonde Hopf-Weiße und genießen Sie die stille, wohltuende Bergeinsamkeit da heroben, alleine oder in ausgesuchter Gesellschaft, und mit Blick auf wirklich alles, was meine Heimat in alpiner Hinsicht zu bieten hat.

Falls Ihnen das nicht behagt, weil zu lang, zu hoch oder zu was-weiß-ich-was, dann gehen Sie doch einfach mal auf der anderen Seite des Loisachtales ein bisschen auf dem Kramerplateauweg spazieren, von Burgrain oder Sonnenbichl (beides Ortsteile von Garmisch) nur ein paar Meter hinauf und weiter auf dem Höhenweg bis zum Gasthof Pflegersee oder – noch besser – bis zur Werdenfelser Hütte und gucken Sie von dort aus gemütlich hinüber zum imposanten Estergebirge.

Den Krottenkopf sehen Sie zwar von da aus nicht, doch der ihm vorgelagerte Hohe Fricken tut’s auch, denn zum einen muss man ja echt nicht jeden Hügel in Oberbayern gesehen haben und zum anderen hat der Fricken schon auch mal einen Blick verdient, weil er meist achtlos links liegen gelassen wird, denn durch Oberau rauscht man üblicherweise blicklos hindurch (bzw. stur geradeaus guckend, weil da sieht man schließlich schon die Zugspitze) und ist froh, wenn man (mit oder ohne Stau, meist aber mit) überhaupt bis dorthin vorgedrungen ist – und weiter geht’s nach Garmisch oder Mittenwald (das eine ein so hässlicher, verbauter Ort, das andere zwar wunderbar, aber nochmal eine halbe Stunde mehr zu fahren).

Und Oberau wird in nicht allzu ferner Zukunft noch groß rauskommen, das sage ich Ihnen schon heute, denn sobald der Tunnel, über dessen Bau jetzt alle so fluchen, weil er den Erholungssuchenden noch einen Staugrund mehr beschert, mal fertig ist, wird das Dorf sich zu seinem Vorteil verändern, es wird wieder ein Gesicht bekommen, und zwar ein hübsches, so wie es seinerzeit auch Farchant widerfuhr. Es wird im neuen Tunnel oder kurz davor eine Abfahrt geben, die einen explizit in diesen ehemals trostlosen Transit-Ort führt, der dann ein beliebtes Ausflugsziel sein wird und nicht bloß der Blinddarm der A95 oder das unbedeutende Kaff kurz vor dem Olympiaort Garmisch mit seiner gigantischen Bergkulisse.

Aus der Badewanne wünsche ich Ihnen eine gute Nacht und ein schönes Spätsommerwochenende!

Dreiteiler.

Bevor wir uns zum Sonntagsspaziergang auf den Pfannenstiel, wie der Küsnachter Hausberg heißt, und bald danach auch auf den Heimweg nach München begeben, kommt hier schon mal das Schlussplädoyer zur Woche an der Schweizer Geld-, äh, Goldküste.

Gestrige Tour oberhalb vom Zürisee…
…inklusive von den Jungs designtem Gipfelfoto von H. & mir…
…und Aussichten auf alles, was hier noch zu tun wäre!
Nach dem Ausflug geht’s noch zum Schwimmen…
…im hundefreundlichen Greifensee…
…bei goldenem Septembersonnenlicht.

Bis spätabends dann Crêpes gebacken, zu viel gegessen, zu viel geredet, immerhin nicht nochmal am Gin Tonic vergriffen, trotzdem acht Stunden Schlaf wie betäubt, nur ab und zu unterbrochen von einem wild träumenden Hund unter der Decke.

Zum Abschied kreieren die beiden Jungs eine Fortnite-Superheldin getreu nach meinem Abbild, ich darf sogar ein bisschen mitreden bei der Gestaltung, und fühle mich schließlich wirklich gut getroffen und reite fortan auf einem turboschnellen Kometen durch das pulsierende Universum der Küsnachter PS4-Konsole.

1.307x Danke an H. fürs gelassene Ignorieren der uralten, russischen Regel „Fisch und Gäste stinken nach drei Tagen“, was natürlich auch nicht passieren kann bei der Frequenz an Badi- und Seebesuchen (plus täglicher Dusche) und wenn einem die Gastgeberin zwischendurch sogar die Klamotten wäscht. Auch das Dackelfräulein war äußerst zufrieden hier – maximal 1 Punkt Abzug gibt es für das unmenschliche und sogar konsequente Sofa-Verbot.

Den ausführlichen Bewertungsbogen für unseren Aufenthalt senden wir in den nächsten Tagen per Email, nur so viel schon mal: Wir kommen auf alle Fälle wieder!

Und vielleicht lässt es sich ja einrichten, das Haus gegenüber bis dahin abzureißen, damit wir von der Terrasse aus auf den See gucken könnten – dann müssten wir da nicht mehr zum Dinieren hinunterfahren.

Zamperl goes Züri!

Gestern ein langer Tag in Zürich.
Mit Hund sind solche Stadtrundgänge etwas strapaziös, man muss aufpassen, sich ja nicht zu viel vorzunehmen und – speziell im Sommer – ausreichend Pausen einzulegen. Erst recht, wenn Shopping angesagt ist. Selbstverständlich nicht für mich. Erstens gehe ich so gut wie nie Shoppen und zweitens schon gleich gar nicht in Zürich.

Ich nutze lediglich die Chance, für Pippa wieder ein originales Appenzeller Halsband zu besorgen, das vor einigen Jahren gekaufte hat letzten Winter den Geist aufgegeben (Kuhbruch, Ledermuff, Schnallenriss), so dass sie seither mit einem Tegernseer Plagiat herumlief, was natürlich an sich wurscht ist, vor allem dem Hund, aber da Madame ja gelegentlich als Model arbeitet, muss auf einen gewissen Standard ihrer ohnehin spärlichen Garderobe dann doch geachtet werden.

Der Herr Caspar, mit dem ich bereits von München aus korrespondierte, wegen Maß, Leder und Ornamenten, hatte die gewünschte Halsung extra aus dem Lager geholt und empfing uns zur verabredeten Zeit in der Boutique am Neumarkt (zwei Häuser weiter bemerke ich einen Shop, der meinen Namen trägt, das ist mir noch nirgendwo untergekommen).

Wir mussten uns ein bisschen sputen, um pünktlich zu sein (und Pünktlichkeit wird hier noch größer geschrieben als in heimischen Gefilden), weil wir zuvor mit einer Freundin des hübsch Bewimperten am Tessiner Platz zum Lunch verabredet waren (ein Dankeschön-Treffen für die Überlassung des Maiensässes in Pretty Prättigau) und daher einmal von West nach Ost die Innenstadt zu durchqueren hatten.

Das Dackelfräulein hechelt hinter mir her, an jedem Brunnen, derer es in Zürich gottseidank viele gibt, halten wir für ein Trinkpäuschen an, auch an dem, der zu Ehren des berühmten Herrn Koller erbaut wurde.

Schon ein schönes Einkaufserlebnis in dem Lädchen am Neumarkt, vor allem für das Fräulein: erst ein Hirsch-Snack, dann Anprobe, anschließend Kurzkraulung, zum Abschied nochmal ein Leckerli (ich widerstehe der für ein paar Sekunden aufpoppenden, albernen Versuchung, mir einen Gürtel oder ein Armband im Partnerlook zu kaufen – eh nicht schwer, wenn man die Preisschilder sieht und modisch sowieso einfach nur peinlich, wenn man nicht von hier ist oder die eigenen Klamotten halbwegs dazu passen).

Zweierlei gönne ich mir dann doch: eine Kaffee-und-Kuchen-Pause in einer lauschigen Gasse…

…und eine kleine Rundfahrt auf dem Zürisee, die nichts kostet, weil das Tagesticket für die öffentlichen Verkehrsbetriebe erfreulicherweise auch Wasserwege beinhaltet.

„Klein“, das bedeutet auf dem Zürisee anderthalb Stunden, aber das tut sowas von gut, einfach mal die Füße hochzulegen, in der Sonne zu sitzen und den Blick über all die schönen Ortschaften am Seeufer schweifen zu lassen, einer lippenaufgespritzten Blondine beim Verzehr ihrer drei Salatblätter zuzugucken (vermutlich eine große Mahlzeit für sie), sich darüber zu freuen, dass die Visage ihres Mackers zur Hälfte hinter einer Maske mit Ferrari-Logo verschwindet und nebenbei der Unterhaltung einer Schweizer Familie zu lauschen (diese „ch“-Laute begeistern mich).

Ganymed, der Schönste unter den Sterblichen, winkt uns zurück in den Hafen und in der Abendsonne sitzen wir noch lange im Arboretum, bis wir schließlich über den Mythenquai und den Bürkliplatz zurückspazieren nach Bellevue, von wo aus unser Bus nach Küsnacht abfährt.

Was übrigens so gar nicht zu dem gemächlichen, moderaten Schweizer Naturell passt: die hiesigen Busfahrer und ihr Fahrstil.

Die heizen hier dermaßen durch die Hügel und Uferstraßen, dass man in jeder Kurve und bei jeder Bremsung brutal in den Sitz gepresst wird und den kleinen Hund besser auf den Schoß nimmt, damit er nicht kreuz und quer durch den Bus geschleudert wird. Da blitzt ja glatt mal ein Temperament auf, mannomann, und erstaunlich auch, dass alle anderen Fahrgäste daran schon so gewöhnt sind, dass sie nicht mal mehr mit der Wimper zucken ob des Gebretters.

Abends dann ein Gin Tonic, der mir etwas zusetzte, weil ich alles, was prozentual krasser daherkommt als mein sanftes, bernsteinfarbenes Weißbier nicht vertrage. Erst morgens, nach dem recht frischen Freibadbesuch (der Schweizer schwimmt kälter, und zwar deutlich), wieder einen vollständig klaren Kopf gehabt.

Heute relativer Ruhetag. Nur eine zweistündige Wasserfall- und Drachenhöhlenrunde durch den Tobel. Die Fee ist glücklich. Ich auch. Gefällt uns letztlich besser als jeder Stadtausflug.

Die Freundin hat ihre Arbeitswoche nun beendet, zum Abendessen geht es nachher hinunter an den See. Morgen eine Wanderung mit Kind und Kegel, d.h. mit den 2 Jungs und dem 1 Jagdhund.

Von sieben (!) verschiedenen Seiten erhalte ich die Nachricht, der Barde aus New Jersey habe nun das Release-Datum seines neuen Albums verkündet.
Danke, ihr Lieben, ich hätte das hier im fernen Nicht-EU-Ausland und mit nur sehr sporadischem Netzzugang glatt verpasst!

„The Power Of A Prayer“ heißt einer der zwölf Titel, „If I Was A Priest“ ein anderer.

Na dann.

Mit der Tobelfee am Nobelsee.

Unsere gestrige Fahrt führte uns nach Küsnacht am Zürichsee.

Für einige Tage lassen wir uns bei meiner Schulfreundin H. nieder, die es vor vier Jahren beruflich hierher verschlagen hat (und genauso lange lädt sie uns auch schon ein, endlich mal vorbeizukommen, nie hat’s gepasst oder geklappt – jetzt aber).

Die Eindrücke des ersten Tages lassen sich in einen simplen Satz fassen: Hier ist einfach alles schön, nobel, hell, klar, aufgeräumt und blitzblanksauber.

Wirklich alles: die Straßen, die Häuser, die Bürgersteige, das Freibad, die Spazierwege, die Läden und Cafés, die Luft und das Wasser, die Seepromenade und der Hundestrand.

Letzterer eh der Hammer: anderswo wären sie schon froh, wenn sie nur annähernd solche Strände für Menschen hätten.

Gut, über die Preise für ein schnödes Tässchen Cappuccino oder ein Kaltgetränk mit Seeblick wollen wir jetzt lieber nicht reden, auch von der Rentner- und SUV-Dichte nicht. Unser tschechischer Kombi fällt jedenfalls richtig auf. „Oh je, eine arme Münchnerin!“, werden sich die Anrainer denken, wenn wir hier durch die Straßen zuckeln. Egal, und heute blieb das Auto eh stehen.

Vormittags in die Badi, die 50m-Bahnen für mich allein, im Süden glitzern die Glarner Alpen, die Hautevolee rückt erst nach Prosecco und Pediküre an und belegt dann auch eher die Sonnenliegen als das Sportbecken.

Mittags die zwei Jungs der Freundin bekocht, beim Tischgespräch einen prima Einblick in die Welt der präpubertierenden Schulcommunity erhalten und in die Geheimnisse von Fortnite eingeweiht worden. Himmel, ist man als Kinderlose weit weg von all dem!

Anschließend über vier Stunden draußen gewesen. Durch den Küsnachter Tobel, eine traumhafte Schlucht mit Wasserfällen und Ruinen, hinunter zum See gewandert, dort am Hundestrand gebadet und gespielt, an der Uferpromenade (mit aus monetären Gründen verdrängtem Zwischenstopp im Café) weiter zum Kusenbach, von dort wieder den ganzen Hang hinauf. Steigungen sind das hier! Da zahlt sich das ständige Bergtraining echt mal aus.

Abends gibt es Köstliches vom Grill, zum Dessert hat die Freundin nach der Arbeit in Zürich noch was beim Läderach besorgt, das sich gerecht durch vier teilen lässt, was ein Muss ist, wenn mal was vom Läderach auf den Tisch kommt.

Das Dackelfräulein räkelt sich auf der Terrasse unter dem Oleander in der Abendsonne, bis a) eine Fliege zu nerven beginnt und b) klar ist, dass es sich ausgrilliert hat (und somit keine Zucchini mehr für sie abfallen wird).

Ein Tag wie im Film.

Beim Abwaschen sage ich zu H., dass ich bis Weihnachten bleibe.

Im Dunstkreis der Drusenfluh (IV).

Dauerregen trommelt mich in den Schlaf.

Es ist unsere letzte Nacht im Graubündner Maiensäss. Um 3:20 Uhr reißt mich wildes Gebell aus dem Schlaf. Ruckartig setze ich mich im Schlafsofa auf und sehe, wie das Dackelfräulein dem hübsch Bewimperten, der im Flur steht, unter lautstarkem Gekläffe entgegenschießt. Als sie ihn erkennt, verstummt sie sofort beschämt und begrüßt ihn umso inniger. Das wiederum erzürnt Fräulein Shiva, die im anderen Schlafraum weilt, sofort ertönt das nächste Bellen. Kurzum: alle vier sind wir nun putzmunter.

Was ist geschehen?
Die kleine Portugiesin hat mitten in der Nacht irgendein Geräusch vernommen, das ihr nicht behagt. Pflichtbewusst schlägt sie an. Da sie nicht gleich zu beruhigen ist, steht M. auf, um nachzusehen, ob vielleicht der Sturm irgendwo einen Fensterladen gelöst hat, der nun scheppert oder ob durch das Gewitter andere Schäden an unserem Häuschen entstanden sind.

Er öffnet seine Schlafzimmertür, tritt auf leisen Sohlen hinaus in den Flur, der nur durch einen Raumteiler von meiner Schlafstatt getrennt ist, betätigt dort bewusst keinen Lichtschalter, um mich ja nicht zu wecken, sondern leuchtet vorsichtig mit einer Taschenlampe auf den Boden.
Das Dackelfräulein wiederum hört die Türklinke und sieht den ungewohnten Lichtstrahl, beides zusammengenommen ist ein eindeutiges Indiz für einen Einbrecher, also muss sofort mit größtmöglichem Getöse und Einsatz das schlafende Frauchen verteidigt werden.

Nach diesem nächtlichen Zwischenfall liegen M. und ich eine gute Stunde wach, die Hunde hingegen ratzen schon fünf Minuten später wieder friedlich in ihren Kuhlen auf den dicken Daunendecken.

Aber es ist nicht weiter schlimm, dass wir unausgeschlafen in den nächsten Tag starten. Außer Packen, Putzen und der Heimreise steht nichts auf dem Programm.

Als ich gegen halb 8 aufstehe und einen ersten Blick durchs Küchenfenster riskiere, bricht mir der Anblick der beiden Kühe im Regen fast das Herz:

Und auch sonst ist die Aussicht gelinde gesagt wenig erheiternd. Die Drusenfluh in dichte Wolken gehüllt, die Almwiesen vor dem Haus so durchweicht, dass die Hundefräuleins nur schwer zu einem Morgengassi zu animieren sind und der Regen so unbarmherzig und trotzig, dass man schon ahnt, er würde das den ganzen langen Tag über hartnäckig so durchziehen.

Die kleine Portugiesin kontrolliert den großen Beladevorgang.

Noch im Schlafgewand packen wir unsere Siebensachen und putzen das Maiensäss gründlich durch. Am späten Vormittag ist alles sauber und das Gepäck (aka „das Nötigste“) steht im Flur vor der Tür. Wir sind startklar. Zum Auto sind es zwar nur ein paar Meter, dennoch wird alles nass, bis es im Kofferraum verstaut ist. Vor allem der Mensch, der es dorthin trägt.

Die wunderbaren Tage in der Einöde sind vorbei, der Sommer wohl auch.
Bedrückt begeben wir uns auf das Serpentinensträßchen. Letzter Stopp auf 1.500 Hm: die Kantonsmülltonne beim Berggasthof.

Von der Rückbank blickt einen das geballte Hundeelend eines Regen- und Abreisetages an.

Stumm legt der hübsch Bewimperte den Gang ein und fährt los, durch das nasse Grau, hinab.
Stumm lege ich die CD ein und filme die Straße, die uns zurückführt, in die Welt, dort unten.


„The path is so long, the river is deep

But soon you’ll be changing the side
The curtains are falling, the audience is gone
I think I’ll escape for a while.“

[Music written by Matthias Forenbacher, Rain filmed by Natascha H., Car driven by Marcus M.]

Im Dunstkreis der Drusenfluh (III).

Quo vadis?

Nach der zweiten Nacht im Maiensäss spüren wir morgens eine leichte Körperschwere. Die ist nicht etwa der Nacht geschuldet, sondern dem Chrüz. Oder den sechs Stunden Draußensein. Oder dem Gewerkel im Haus. Oder dem Doppel-Gedöns rund um den Hund.

Egal. Jedenfalls ist klar, dass heute statt sechs auch fünf Stunden Draußensein und statt einer Bergtour auch eine Almenwanderung völlig ausreichen wird, deren Höhenunterschiede sich laut Wanderkarte hoffentlich und trotz einiger Gegenanstiege von dem unterscheiden würde, was das Chrüz uns am Tag zuvor aufgebürdet hatte.

Für den Abend ist schon seit Tagen der große Wetterumschwung angekündigt (womöglich gar der Schlussgong dieses Sommers?), von dem wir uns, noch daheim in München und im Stundentakt die diversen Wetter-Apps prüfend, beinahe von der gesamten Reise hätten abhalten lassen.

Nach einem bis aufs zu weiche Ei äußerst formidablen Frühstück schlüpfen wir daher alsbald in die Trekkingschuhe und brechen auf.

Über herrliche Almpfade wandernd werden die bisherigen Panoramaerlebnisse endlich noch um Ausblicke in den Westen ergänzt…

…und unterwegs etliche Maisensässe bestaunt, die wir alle sofort erwerben würden, wenn man nur wohlhabend wäre (oder einem ein Leben als Erbe beschieden wäre)…

…außerdem ist es der Tag des Rastens, Ruhens und Ratschens, wann immer sich die Möglichkeit dazu bietet.

Die Nusskipferl heißen hier Nussgipfel (alpenrepublikanische Angeberei?), zu den Semmeln sagen sie Weggli (was mich ungut an meinen Studienort erinnert), der Bergkäse ist zum Alpkäse mutiert und der Tretroller zum Trottinett, was deutlich netter klingt als die fußfaulen Gestalten dreinblicken, die da draufstehen und mit einem Affenzahn an uns vorbeiheizen, als wir mal ein Sträßchen queren müssen.

Am frühen Nachmittag bewölkt sich der Himmel über dem schönen Prättigau zusehends und ich bin erleichtert, dass wir unsere kleine Hütte gerade so rechtzeitig erreichen, dass der hübsch Bewimperte sich noch im Trockenen fürs Holzhacken und Ofenbeheizen aufwärmen kann:

Als bekennender Fan von Routinen und Gewohnheiten, die einem den Alltag nicht nur strukturieren, sondern auch erleichtern, endet der Tag so wie der vorige auch: in Etappen wird geduscht, erst die Hunde, dann wir, bald drauf bullert das Feuer im Ofen und die Nudeln köcheln auf dem Herd, das Weißbier perlt verheißungsvoll im Glase und die Themen an diesem langen Abend gleichen einer kleinen Familienaufstellung.

Zu später Stunde, als nur noch Noagerl in den Gläsern sind, basteln wir die Protagonisten aus den übriggebliebenen Holzscheiten und ein paar anderen Utensilien, die das Häuschen und sein Keller so hergeben, nach.

Ihnen diese Genossen nun einzeln näher vorzustellen, würde an dieser Stelle aber wirklich zu weit führen.
Nur so viel: die Figur ohne Gesicht, das bin nicht ich, und die mit dem Gummiknäuel auf dem stumpfen Schädel auch nicht.

Wenn Sie mögen (und noch nicht der Ansicht sind, dass sich langsam ein gewisser Höhenkoller in die Berichterstattung eingeschlichen haben könnte), sehen wir uns dann morgen zu einem (kurzen!) vierten und letzten Teil der Drusenfluh-Serie wieder.

Guäts Nachtli einstweilen!

Im Dunstkreis der Drusenfluh (II).

Grüezi mitenand!

Hier kommt Teil 2 der „Aufarbeitung“ der kleinen Reise ins Prättigau!

Und falls Sie sich gewundert haben sollten, wieso diesmal die Live-Berichterstattung ausblieb: es gab kein Internet und überhaupt wenig Empfang da oben auf 1.700 Metern Höhe.
Wofür allerdings weder Graubünden noch die Drusenfluh etwas konnten, wohl aber mein Mobilfunkanbieter, der aus ominösen Gründen und ohne mich je explizit darauf hinzuweisen die Schweiz aus dem im Vertrag inkludierten „Europapaket“ gestrichen hat, was ich aber erst bemerkte, als mich unterwegs lediglich Österreich und Liechtenstein per SMS willkommen geheißen hatten, nicht aber die Schweiz.

Was soll’s, Digital Detox entspricht ja ganz dem Zeitgeist – und der hübsch Bewimperte hilft mir netzmäßig aus, informiert den Gatten über unsere Ankunft und Unversehrtheit, liest mir ab und zu auf seinem Smartphone ein paar Nachrichten aus der Welt da unten vor, recherchiert unsere Touren sowie die Öffnungszeiten der Berggasthäuser. Letzteres eh relevanter als die diversen deprimierenden Pressemeldungen aus dem Flachland.

Das Leben in der alpinen Abgeschiedenheit reduziert für ein paar Tage alles aufs Wesentliche.
Das da wäre:
– Wann stehen wir auf?
– Wer kocht Kaffee?
– Wieso dauert das Eierkochen hier oben so lang?
– Wird das Weißbier Brot bis zur Abreise reichen?
– Wohin wandern wir heute?
– Was nehmen wir auf die Tour mit?
– Wo rasten wir?
– Wie heißen all die Berge auf der anderen Seite des Tales?
– Wieso ist nach dem kurzen Abduschen der beiden Hundefräuleins der Boiler schon wieder leer?
– Wer macht Feuer?
– Wie viele Holzscheite braucht man, um die Stube für die Abendstunden zu beheizen?
– Was kochen wir?
– Wie dünstet man auf dem Holzofen das Gemüse, ohne dass einem was anbrennt?
– Wird es bis zum Abwasch schon wieder warmes Wasser geben?
– Wer darf muss in den Keller gehen und dort Holz hacken?
– Wem fällt im Hüttenkeller die beste Gruselstory ein?
– Werden die Wandersocken bis morgen Früh trocken?
– Wie schafft man es, sich nachts über knarzende Dielen zur Toilette zu schleichen, ohne dass einer der Hunde (oder beide) aufwacht und bellt und danach alle hellwach sind?
– Wo und wie haben eigentlich die beiden Kühe geschlafen, die frühmorgens unter dem Küchenfenster stehen und bimmelnd zu einem hochgucken?
– Und: Warum können wir wir nicht einfach bis zum Wintereinbruch hierbleiben?

Guten Morgen, Graubünden!

Drusenfluh“ ist übrigens nicht das einzige Wort, das mich hier begeistert.
Der Kantonsdialekt klingt drollig und urwüchsig zugleich, teils verstehe ich schlicht gar nichts, wenn entgegenkommende Bergsteiger uns oder eines der Fräuleins ansprechen. Lediglich anhand der Antworten des hübsch Bewimperten, der recht gut Schwyzerdütsch spricht, weil er mal eine Weile in Zürich gelebt hat, kann ich auf das Gesagte oder Gefragte schließen.
Immerhin lerne ich, die Einheimischen fehlerfrei zu begrüßen und mich adäquat zu verabschieden. Viele Menschen treffen wir zwar eh nicht, dennoch will man sich ja nicht völlig blamieren oder als tumb-trampeliger Touri dastehen.

Dass die Apfelschorle auf der knappen Speisekarte des Berggasthofs „Shorley“ heißt, gefällt mir ebenso wie die „Salginatobelbrücke“ oder ein kleiner Ort namens „Pany“ , in dem, nebenbei bemerkt, das schönste Bergfreibad der Schweiz liegt – nur einen zweistündigen, knackigen Fußmarsch von unserer Haustür entfernt.
Oder wie finden Sie „Nigglisch Wis“ , auch so ein netter Ortsname, der uns auf den Wanderwegweisern begegnete?
Oder das „Chrüz“ ?
Da gehen wir nämlich hoch, an diesem sonnigen Tag, den wir mit nichts außer Bergluft, guten Aussichten & Gesprächen füllen wollen.

Natürlich findet sich unterwegs nicht nur Sprachliches, das zu Spontanverzückungen führt. Wir treffen auch wunderbare Tiere, lachen viel über unsere Tiere, die Höhenluft animiert ja nicht nur zum Schweigen, sondern auch zum Rumblödeln, außer der Weg ist arg steil oder beschwerlich oder die Sonne brennt gar zu heiß vom Himmel.

Auf einem aussichtsreichen Grat, der an einem Hochmoor vorbeiführt, springen Pippa und Shiva sofort in das rostbraune Gewässer, wälzen sich selig eingesaut im Gras und trotten anschließend mit ihren selbstgemachten Pfotenfangopackungen weiter tapfer bergauf.

Als wir das 2.195m hohe Chrüz erklommen haben, empfangen uns rund um das Gipfelkreuz Heerscharen einer uns unbekannten Berghummelart, die emsig brummenlnd und ohne Wahrung von Abstandsregeln dort herumschwirrt.

Nach 45 Sekunden sind beide Hunde kurz vor dem Durchdrehen, nach weiteren 45 Sekunden kauern wir zu viert in einer Senke der Wiese unterhalb des Gipfelplateaus, in der wir ein klein wenig geschützt schnell einen Happen essen und einen Schluck trinken können, während die Hunde weiterhin nervös herumzappeln, weil sie von oben natürlich immer noch das Hummelbrummeln vernehmen können.

Gipfelkreuz auf dem Chrüz mit Beispielberghummel.

Bergtouren mit Hunden beinhalten ja viele Überraschungsmomente und erfordern ebenso viel Improvisationsgeschick, im Laufe meiner achteinhalb Dackeljahre war schon Einiges geboten: von Kühen verfolgt, von Bremsen umzingelt, von Schlangen erschreckt, in Kuhfladen gewälzt (das Fräulein) und danach für den Rest des Weges von Fliegen gejagt (wir beide), von Bergsteigern angepöbelt und von Murmeltieren ausgepfiffen worden.
Nur ein Steinadler hat uns noch nicht auf den Kopf gekackt, das fehlt noch, auch von Gamsböcken sind wir noch nicht auf die Hörner genommen worden und die Wolfsbegegnung blieb uns bislang auch erspart.

Trotz der Insektenlage auf dem Gipfel finden wir noch genug Zeit, den Blick nicht nur über die sogenannten Bündner Dolomiten (deren Teil auch die Drusenfluh ist) schweifen zu lassen, sondern auch erstmals weiter gen Osten zu schauen, auf die Wiss Platte, das Rätschenhorn und die Madrisa.

Die Aussicht ist (wie das Filmchen hoffentlich zeigen kann) der Hammer und erfreulicherweise begleitet sie uns auch auf dem Abstieg noch eine ganze Weile, erst an der überall als „verfallen“ ausgeschilderten Alp Valpun wendet sich der Weg wieder ausschließlich in westliche Richtung.

Die Alp Valpun ist kein bisschen verfallen, zwar ist kein Mensch dort anzutreffen und das Areal wirkt eher unbewirtschaftet, aber vor den alten Stallgebäuden stoßen wir auf einen Tisch, auf dem Getränke stehen, die für ein paar Fränkli in die Vertrauenskasse erworben werden können. Unter anderem auch Kaffee aus einer Nespressokapselmaschine (!), die an einen kleinen Generator angeschlossen ist, der sich nebenan im Stall befindet.
Absurd, sowas. Ist uns in der Höhenlage (1.800m) jedenfalls noch nicht untergekommen.

Wieder daheim im Maiensäss angekommen, springe ich gleich im Flur aus der Wanderhose und begebe mich sofort mit den zwei vierbeinigen Schmutzfinken in die Dusche und befreie sie dort gründlich von allen Moor- und Kuhfladenkrusten.
M. kniet vor der Dusche, nimmt die triefenden Hunde entgegen und rubbelt sie trocken.
Eine Choreografie, die wir beibehalten, weil das auf diese Weise prima klappt und danach nicht das ganze winzige Bad unter Wasser steht.

Anschließend haben wir Zeit zur freien Verfügung, denn der Boiler ist leer, das Wasser, das aus der Dusche kommt kälter als eiskalt, also müssen wir warten, bis wir uns duschen können. Aber Hauptsache, die Hunde liegen frisch gebadet auf ihren Matten und widmen sich dem rekreativen Boule-Spiel, bevor sie beide endlich mal ein Nickerchen machen.

Während ich die Wanderkarten studiere und das Gemüse putze und schneide, macht sich der hübsch Bewimperte vor dem Haus für die nächste Runde Holzhacken und das Entfachen des Feuers im Küchenofen locker.

Es ist unser erster gemeinsamer Urlaub und beide sind wir begeistert von der Harmonie, der Aufgabenaufteilung und der gelungenen Teamarbeit (und von allem anderen sowieso). Nach zwei Tagen Dauerzusammensein hat keiner was am anderen zu meckern, das will schon was heißen (und es sollte tatsächlich bis zum Ende so bleiben) – wobei ich gestehe, ihn nicht gefragt zu haben, wie er mein Naseputzgeräusch findet oder auch die Tatsache, dass ich morgens schon um kurz nach 7 Uhr in der Küche herumwerkle, weil ich sofort nach dem Aufstehen etwas essen und trinken muss (morgendlicher Blutdruck, wenn’s hochkommt, 60:40, Sie verstehen vielleicht).

Pretty Prättigau macht sich fertig für die Nacht, wir verabschieden uns für heute und morgen gibt’s dann den dritten Teil der Reisedepesche.

Bis dahin & machen Sie’s gut!

Im Dunstkreis der Drusenfluh (I).

Wieder zurück aus dem Land der 1000 Gipfel, 150 Täler und 615 Seen.
Viel zu kurz war sie, die Zeit in Graubünden, und doch in sich so lang, so reich, so schön. Empfundenermaßen waren das nicht drei Tage, sondern mehr als das Doppelte.

Bergurlaub in der Ostschweiz: Unsere Unterkunft.

Der hübsch Bewimperte und seine kleine Hundedame fahren zur vereinbarten Zeit an der Theresienwiese vor und laden das Dackelfräulein & mich und unser „aufs Nötigste“ beschränkte Gepäck in das kleine blaue Auto ein.
Da die beiden ebenfalls nur das Nötigste dabeihaben, sind schlussendlich nicht nur der Kofferraum, sondern alle Fußräume und Seitenfächer im Wagen komplett vollgestopft.
Vom Pfotenverbandsmaterial über zwei elektrische Zahnbürsten, einer Auswahl an Energieriegeln, die locker für eine viertägige Hochgebirgsdurchquerung ausgereicht hätte, sowie etlichen lebenswichtigen CDs, Medikamenten und Outdoorutensilien, bis hin zum Toaster und Bialetti-Espresso-Kocher hatten wir an alles gedacht. Nur nicht daran, dass der Schuko-Stecker vom gotländischen Toaster nicht in die eidgenössischen Steckdosen passen würde.
Aber mei, wir wollten ja ein bisschen Wildnis und Abenteuer und haben – so viel sei vorab schon verraten – glatt ohne Toaster dort oben in den Bergen überlebt.

Erster Zwischenstopp am Kaiserstrand kurz vor Bregenz, damit die beiden Hundemädels sich im Bodensee erfrischen können. Draußen hat es 27 Grad, und obwohl ein ordentlicher Wind von Lindau herüberpfeift, ist es affenheiß. Letztendlich stehen wir dann alle mit den Füßen im kühlen Wasser und werfen Stöckchen und Steinchen in den See oder schnorcheln danach.

Der Freund weiß eine schöne Kaffeeterrasse mit Seeblick und anschließend eine noch schönere Eisdiele und so geht es erst anderthalb Stunden später wieder weiter.
Bregenz, St. Margareten, Vaduz, Bad Ragaz – ein Panorama rundum und einen Himmel dazu, der einen schier umhaut. Bei Landquart verlassen wir die Autobahn Nr. 13.

Zweiter Zwischenstopp, etwas weniger idyllisch als der erste, in Schiers auf dem Coop-Parkplatz.
Dort den letzten Schattenplatz ergattert, somit können die Hunde im Auto bleiben während wir zu zweit schnell zum Einkaufen sausen, damit wir für unsere Tage im Maiensäss auch noch mit Käse, Eiern, Butter, Obst und Gemüse ausgerüstet sind und nicht mehr hinunter in den Ort müssen.
Eine sehr kluge Entscheidung, wie wir schon wenige Minuten später, auf der extrem kurvenreichen, steilen und schmalen Bergstraße feststellen, denn diese Straße möchte man keinesfalls öfter als nötig hinauffahren (am besten nur einmal pro Saison und dann den ganzen Sommer oben bleiben).

M. bugsiert das kleine Auto wirklich großartig bergaufwärts, Serpentine um Serpentine, mal mit grellem Gegenlicht, mal ohne, einmal kommt uns sogar der Postbus entgegen und fast möchte man Gott, wenn man denn an ihn glaubte, dafür danken, dass er einem just an dieser Stelle eine Mini-Ausweichbucht geschenkt hat, denn die Leitplanken haben, so es denn überhaupt welche gibt, doch schon etliche Dellen und jenseits der Planken geht’s besorgniserregend bergab.
Schon als Beifahrerin bricht mir streckenweise der Angstschweiß aus, aber vor allem bin ich so dermaßen heilfroh, dass ich den Kombi daheim beim Gatten gelassen habe, nicht auszudenken, ob bzw. wie man mit diesem Schiff da hochkäme (so routiniert ich auch Auto fahre: sowas ist echt gar nix für mich).

Das kleine Sträßchen führt uns durch winzige Bergdörfer, vorbei an alten Holz- oder Steinhäusern, die Zeit wirkt wie stehengeblieben in diesen Weilern, wir passieren zwei idyllische Gasthöfe und ein paar Steilhänge mit Viehweiden, schrauben uns langsam und mühsam in die Höhe, immer Stoßgebete in den Himmel Graubündens schickend, dass ja kein Gegenverkehr mehr auftauchen möge.
Nach einer halben Stunde dann endlich: Ende Gelände!

Nun noch einen Schotterweg hinauf, die Freundin von M., der das Maiensäss gehört, das unser Zuhause für die nächsten Tage sein wird, hat in der Wegbeschreibung vermerkt, dass dieser durch ein Wäldchen führe (wir lernen: für den Schweizer sind 5 zusammenstehende Bäume ein Wäldchen) und gleich dahinter, links auf einer Almwiese, die Hütte zu finden sei.

Als M. den Motor abstellt, kommt mir kurz diese Strophe aus dem uralten U2-Song in den Sinn – I want to feel sunlight on my face / I see that dust cloud disappear without a trace / I wanna take shelter from the poison rain / Where the streets have no name -, dann sind wir auch schon mit Aussteigen, Schauen und Staunen beschäftigt. Und das Auffinden des Hausschlüssels stellt uns gleich vor die nächste kleine Herausforderung, die erst nach einigem Suchen und dank Ms Beweglichkeit zu bewältigen ist.

Wir sind da. Grüezi Graubünden!

Um uns herum nur Berge, Himmel, Wolken, Wiesen, Blumen, Kühe und Kuhfladen. Die Geräuschkulisse hier oben in 1.700m Höhe besteht aus dem sanften Wehen des Windes, den dauerbimmelnden Kuhglocken und ein paar geschäftigen Grunzgeräuschen, die die mit ihren Nasen in die Mauselöcher hineinpustenden Hundedamen von sich geben.

Wir schleppen unser Equipment in das Häuschen, diskutieren kurz die Betten- bzw. Zimmeraufteilung, legen die Hundedecken auf den Boden, schalten Hauptsicherung und Boiler ein, befüllen den Kühlschrank, ziehen uns um und brechen zu einer ersten Spazierrunde auf.
Ein Stück unterhalb von unserem Häuschen liegt ein Berggasthof, den wir zum Abendessen ansteuern. Es gibt köstliche Rösti und Bier von der Brauerei Engel, dazu einen göttlichen Blick hinüber zur Drusenfluh.

Der Name dieses spektakulären Bergmassivs, das das österreichische Montafon vom schweizerischen Prättigau trennt und dessen Gipfel zu den zehn höchsten des Rätikons gehört (der Große Drusenturm misst 2.830m), begeistert mich sofort, und ich sage ihn in den Folgetagen so oft es geht: Drusenfluh, Drusenfluh und nochmals Drusenfluh!

Die Hunde und uns in Schweizer Armeedecken gewickelt bleiben wir so lange draußen in dem Berggasthof sitzen, bis die Sonne tief im Westen vollends hinter den Bergspitzen versunken ist.

Die Drusenfluh leuchtet nun nachtblauschwarz, nur ganz oben, an den Drei Türmen, noch leicht orangerot, und ein mildes Mondlicht weist uns den Weg zurück zum Maiensäss.