La cage aux Folien.

7 Uhr morgens. Der Handwerkertag beginnt.

Frühstück, Morgengassi, Zähneputzen, Arbeitsklamotten anziehen, Lagebesprechung und los geht’s.
Durch den Folienvorhang fällt gelegentlich ein Sonnenstrahl in die Wohnung…

…Zimmer für Zimmer werden die Türrahmen abgeschliffen und lackiert, es staubt und stinkt, täglich entsorgen wir zwei Mülltüten und einen Berg an Folien.

Während Wiktor werkelt, flüchte ich gelegentlich mit dem Dackelfräulein nach draußen – gottseidank muss der Hund ja bewegt werden! – …

…oder unternehme Fahrten in den nahegelegenen Baumarkt, wo ich ganz nebenbei die Entdeckung meines Handwerkerbetreuerinnenlebens mache:

Wenn man seine Wunschfarbe gefunden hat, zeigt man dem bärtigen Mitarbeiter aus der Abteilung „Farben & Lacke“ ein Kärtchen mit dem Skandinavisch-Rauchgraublau drauf und der bärtige Mitarbeiter lässt – ja, was es nicht alles gibt! – eine EDV-gesteuerte Maschine eben jene Farbe anmischen…

…danach kommt der zusammengemixte Eimer noch in den Rüttler, wo die Farbe „streichbereit“ verrührt wird. Super Sache und das alles in 5 Minuten! Anschließend wird einem der Farbkübel in den Einkaufswagen gestellt, man karrt alles nachhause, stellt Wiktor den 5-Liter-Pott hin und sagt: „Guckstdu – hier neue Arbeit für morgen!“.

Ich werde beim Abkleben und Streichen mithelfen, damit wir eine Chance haben, an einem Tag damit fertig zu werden (Diele rauchgraublau, Flur weiß). Nicht etwa, weil Wiktor langsam wäre, nein, nein, er ist ein Bollwerk an Fleiß und Ausdauer, sondern weil wir mal wieder durch etliche unvorhersehbare Aktionen aufgehalten wurden und ich damit rechne, dass uns noch ein paar weitere Überraschungen bevorstehen, für die ich nun vorsorglich einen zeitlichen Puffer eingeplant habe.

Da will man zum Beispiel eine Glühbirne in der Dielen-Lampe wechseln, damit der Handwerker besseres Lackier-Licht hat, dabei verbiegt es aber die Kontakte in der Lampenfassung, was nach sich zieht, dass Wiktor sogleich die Lackierrolle aus der Hand legt, auf eine Leiter steigt, die Lampe abmontiert und nachsieht, ob sich die Fassung wieder geradebiegen lässt, was leider nicht der Fall ist, so dass ich ins Auto steige und losfahre und eine neue Lampe besorge (die alte war eh zu klein für den Raum), die ich zwar 52 Minuten später in einem großen Karton in die dunkle Diele wuchte, aber beim Öffnen des Kartons bemerken wir, dass wir das neue Teil erstmal zusammenbauen müssen, was ziemlich saublöd ist, wenn es zum Zeitpunkt der Kartonöffnung schon 16:45 Uhr ist und zwei Mägen leer sind und die Cannelloni erst noch gefüllt werden müssen, damit man gegen 18 Uhr endlich mal was zwischen die Kiemen bekommt. Also verschieben wir diese Montagearbeit auf später und Wiktor lackiert weiter und ich stopfe die Spinat-Ricotta-Füllung in die Cannelloni, schiebe das Ganze in den Ofen, stelle den Küchenwecker auf 45 Minuten und verlasse dann mit einem großen Schritt die Küche Richtung Flur, weil ich nämlich auf keinen Fall auf die Türschwelle treten darf, deren Fuge zum Fliesenboden hin heute leider noch nicht wie geplant silikoniert werden konnte, weil Wiktor feststellte, dass der Untergrund der Türschwelle so wacklig ist, dass die neue Silikonfuge in Kürze einreißen würde, weil sie aufgrund der Wackligkeit nicht dort bliebe, wo sie hinverfugt werden würde, weshalb Wiktor am Nachmittag Löcher in den Untergrund der Schwelle bohrte und alle Hohlräume mit Montagekleber ausspritzte, den ich heute Vormittag so eigenständig wie unvorhergesehen im Baumarkt besorgen durfte.

Äh, wo waren wir stehengeblieben? Was hatten wir eigentlich vor?
Richtig: der letzte der 11 Türrahmen sollte heute noch fertig lackiert werden.

Danach wollten wir noch die Lampe zusammenbasteln und aufhängen, damit nachts keiner im Flur über die Lackwanne und den Farbeimer stolpert. Selbstverständlich bemerkten wir dabei, dass die neue Lampe an einzelnen Lamellen beschädigt war, weshalb wir sie wieder verpacken und in den Karton zurückstecken mussten, damit ich das Ding wieder umtauschen kann. Bzw. zurückgeben, denn zwischenzeitlich ist beim Rumwurschteln, Drüberreden und -nachdenken eine neue Lampenidee gereift, die Wiktor und ich sogleich mit dem Gatten besprechen, der vom fernen Frankfurt aus seine Zustimmung zur Plan- und Designänderung (und der nicht unerheblichen Investition) geben muss und auch gibt.

So vergehen die Stunden und Tage und abends kippen wir hier völlig fertig in die Betten, bis das Dackelfräulein mich um 6:50 Uhr weckt, weil es sich natürlich längst gemerkt hat, dass es um Punkt 7 Uhr nach nebenan flitzen darf, um dort Wiktor aus dem Schlaf zu reißen.
Und täglich grüßt das Murmeltier der Dackelbleschl.

Heut wird also gestrichen!

Es geht sehr gut voran hier, aber eines sag‘ ich Ihnen:
Für die nächsten Jahre will ich die Worte „Umzug“ und „Renovierung“ nicht mehr hören.

And the singer was singin‘ something about going home. Zum 11. November 2018.

Lieber T.,

den Abend vor deinem Geburtstag habe ich damit verbracht, drei deiner Lieblingssongs von unserem Lieblingssänger in allen möglichen Versionen (live, solo acoustic, full band, studio – und das durch vier Jahrzehnte bzw. was YouTube halt so hergibt) durchzuhören und mir zum Ziel gesetzt, bis Mitternacht eine Entscheidung zu fällen…

Hier ist sie: Es wurde dieser Song, in eben jener Version.

Schön, dass sie in Stockholm aufgenommen wurde, denn ich liebe Stockholm, aber ich liebe auch diesen speziellen Bruce-Gesichtsausdruck, so gar nicht sein Shalalala-Face von Sherry darling oder Jole Blon und auch nicht diese Waitin‘ on a sunny day-Miene, die uns ja beiden auf den Keks geht. Eher ein November-Bruce-Gesicht also.

Den Text brauch‘ ich dir nicht hier reinpinseln, den kennst du natürlich auswendig, rauf und runter, vor und zurück.
Viel drin jedenfalls, das passt oder passen könnte (da hast du’s mit Incident als einem deiner favorites besser erwischt als ich mit Racing, dachte ich vorhin).

Für dein neues Lebensjahr wünsch‘ ich dir alles Liebe und Gute, weiterhin viele gute und kreative Ideen, beste Spieler auf dem Platz und allerbeste Mitspieler im Leben, allzeit die richtigen Fragen und Antworten (wozu noch Einiges zu sagen wäre: vielleicht demnächst an dieser Stelle!) und immer genug Windbeutel im Gefrierfach.
Und solltest du für deinen nächsten Geburtstag, der ja ein runder sein wird, noch nach einer Begleitung für einen Trip nach New Jersey (oder wo auch immer ER dann rumtingeln wird) suchen, scheu‘ dich bitte nicht, bei mir anzufragen – die Tage in Straßburg haben wir ja bis auf die Parkuhrensache sehr gut hinbekommen (und diese Parkprobleme wären wir ja eh los, wenn wir über den großen Teich flögen) 🙂

Herzlichen Glückwunsch & hab‘ einen wunderbaren Tag heute!
Deine Natascha

Song des Tages (24).

Für meine liebe A. in Berlin –

die ihrer Lola nach 17 gemeinsamen Jahren noch einmal eine Nacht lang die Pfote hielt, damit diese kleine, treue Gefährtin ganz behütet ihren letzten, schwachen Atemzug tun konnte.

Lola war schön
Lola war klug
Sie war der Star
I’m Tombstone Saloon
Ich hab sie geliebt
Mehr als mein Pferd
Bye, Bye, Bye Lola Blue

(Ich hab es nicht geschafft, die „Lola“ von den Kinks zu nehmen, an der hab ich mich irgendwann mal gründlich überhört. Den Westernhagen mag ich zwar nur bedingt, was vor allem an seinen Augen liegt, die mich ungut an etwas erinnern, aber „Lola Blue“ gefiel mir als Titel und schien mir insgesamt passender, auch wenn A. ihre Lola keinesfalls mehr lieben konnte als ihr Pferd, weil sie nämlich keines besitzt, Lola war also ihre einzige Tierliebe.)

But stories always end.

Da warst Du plötzlich wieder. Nachts um 3, im Zentrum eines Traumes, der ebenso zappenduster wie beschwingt war.

Eine Weihnachtsfeier in der Firma. Die beschwipsten Kollegen tanzen, wir stehen am Rande des Geschehens und schauen ihnen zu, die Szenerie hat was von abendlichem Apfelsinentanz unter Pauschaltouristen auf griechischen Inseln. Die Musik zu laut und zu klebrig, wie ein billiger Fusel, lediglich fürs schnelle Besäufnis geeignet, mit Schädelweh-Garantie. Wir schütteln den Kopf.

Da holst Du Dein iPhone aus der Hemdtasche, stöpselst zwei Kopfhörer dran und reichst mir eines der weißen Kabel. Ich drücke mir die beiden Knöpfe fest in die Ohrmuscheln.

Dann hören wir das hier und weinen und alles ist gut.

If I could read your mind
What a tale your thoughts could tell
Just like a paperback novel
The kind the drugstores sell
When you reached the part where the heartaches come
The hero would be me
But heroes often fail
And you won’t read that book again
Because the ending’s just too hard to take

If you could read my mind
What a tale my thoughts could tell
Just like an old time movie
‚Bout a ghost from a wishing well
In a castle dark or a fortress strong
With chains upon my feet
But stories always end
And if you read between the lines
You’ll know that I’m just tryin‘ to understand

The feelin’s that you lack.

Heart and soul. Zum 18. September 2018.

„No one you have been and no place you have gone ever leaves you. The new parts of you simply jump in the car and go along for the rest of the ride. The success of your journey and your destination all depend on who’s driving.“
[Bruce Springsteen: „Born to run“, 2016.]

In diesem Sinne wünsche ich dir, liebe S., für deine Reise durchs neue Lebensjahr immer den richtigen Chauffeur, allzeit die passende Geschwindigkeit, in heiklen Kurvenlagen ausreichend Stabilität und gute Bremsen – und vor allem viel Vergnügen auf all deinen Wegen!

Von Fan zu Fan ist es ja die allergrößte Herausforderung, einen adäquaten Geburtstagssong aus dem riesigen Werk unseres Meisters herauszufischen. „Glory Days“, das du ja sehr magst, war mir zu retrospektiv, „The ties that bind“, das dir sehr viel bedeutet (mir auch!), ist für dich ja arg speziell „besetzt“, ein paar Songs, die ich gern genommen hätte, waren mir zu beach-beer-summer-shalalala-mäßig und so vertiefte ich mich schließlich in die Rubrik „songs that matter through all my life“ und durchforstete sie gründlich .
Dort lagert das, was ich üblicherweise eher selten rauslasse, weil: zu melancholisch, zu sperrig, zu persönlich, zu unspektakulär, zu erinnerungsbeladen, zu unzugänglich oder musikalisch/poetisch einfach zu unbedeutsam.
Aber wenn das überhaupt jemand versteht, dass man an genau solche Songs sein Herz für immer verlieren kann, dann wohl du!

Und so widme ich dir heute einen meiner heart&soul-Songs, in dem es nebenbei passenderweise auch um eine längere Fahrt geht (wenngleich ich dich ebenso wenig wie mich für eine passionierte Schuhkäuferin halte), in dem es aber vor allem diese beiden Worte sind, die mich wieder und wieder erschaudern lassen (hier, in der wunderbaren Version aus Göteborg, bei 6:14 zu hören):

„(through the wind, through the rain, the snow, the wind, the rain),
girl, you’ve got my love, heart and soul!“

 

Zehn Minuten und achtzehn (!) Sekunden aus einer schwedischen Sommernacht (begeistert er dich eigentlich im Profil genauso wie mich?) hier und heute für dich mit meinen herzlichsten Glückwünschen und lieben Grüßen aus München, wo wir uns ja in Kürze wiedersehen werden!

Greetings from tramp to tramp with all my heart and soul –
Deine Natascha

Knarzende Scharniere oder: I got my finger on the trigger.

Mit Süßkram hab ich’s nicht so sehr.
Würde sich der gezuckerte Teil der Welt auf Nutella, Pistazieneis und Streuselkuchen beschränken, würde mir nichts Wesentliches fehlen (wenn mir hingegen die Brezen genommen würden – dann gute Nacht!). Letzterer, also der Streuselkuchen, hat jetzt Hochsaison, das erntereife Obst, so wirkt’s, wenn man den Blick über die Kuchenvitrinen schweifen lässt, kann es kaum erwarten, sich dicht aneinander geschmiegt unter die buttrigknusprigen, goldbraunen Streusel zu legen und sein Fruchtfleisch genüsslich auf Hefe- oder Mürbteigböden auszustrecken.

Heute Morgen rief mich überraschend B. an. Ob er kurz vorbeikommen dürfe, er hätte zwei Bleche Streuselkuchen gebacken und das sei eigentlich als kleines kulinarisches Beiwerk für den geplanten Umtrunk im Büro zu viel des Guten. Die Kollegen wüssten das eh nicht zu schätzen. Da habe er an mich gedacht.
Eher Birne oder Zwetschge, habe er sich gefragt, sich dann aber erinnert, dass ich in derlei Gebäck lediglich die Matschigkeit von Äpfeln nicht allzu sehr goutiere. Ob der Gatte da sei, dann brächte er gern die doppelte Menge. Er könne ruhig die doppelte Menge bringen, obwohl der Gatte in Frankfurt sei, entgegnete ich. Bei Streuselkuchen darf man mir ruhig was zutrauen.
Und so fuhr er mittags zu mir, stellte mir vier große Stücke des duftenden Kuchens in die Küche, drückte mich kurz, sah mich an, machte eine Bemerkung zur Müdigkeit, die mir wohl ins Gesicht geschrieben stand sowie zur Herpesinvasion auf meiner Oberlippe, gab damit zu erkennen, dass er in etwa wusste, wie es mir geht, schnürte daraus noch einen anteilnehmenden Schlusssatz und musste leider gleich wieder los, zurück ins Büro.

*****

Als ich die Tür hinter ihm schloss, war mir nach Heulen zumute.
Weil B. – obwohl sehr sprachgewandt und sicher im Ausdruck – Gefühle kaum je mit schönen Worthülsen ummantelt, sondern überwiegend in Taten ausdrückt.
In den anderthalb Jahrzehnten, die wir uns kennen, hat er mit einer Kontinuität hinhören, sehen und wissen wollen, wie ich sie nur bei wenigen Menschen erlebt habe. Beständig stellte er Fragen, wenn er nicht verstand, und gab Antworten, wenn ich verstehen wollte. Mit Kritik hielt er ebensowenig hinterm Berg wie mit Zuspruch. Von allergrößter Einigkeit bis hin zu kaum überbrückbaren Differenzen haben wir alle Stadien an Mitteilungslust und -frust durchlaufen. Beide hassen wir Rumsitzen und Rumtrödeln, beide lieben wir es, wenn der andere Ideen hat und die Initiative ergreift, beide freuen wie uns, den anderen mitreißen zu können, beide sind wir bekennende Resonanzjunkies und ekelhafte Korinthenkacker, wenn es um Klippen und Klappen der Kommunikation geht.
Es gibt nicht viele Menschen, von denen ich behaupten würde, dass sie mich wirklich kennen oder erkannt haben (und umgekehrt), B. gehört jedenfalls zu ihnen.

Dieses Glück ist wie ein Scheck, den man überall und jederzeit einlösen kann, selbst wenn man einander zwischendurch, so wie B. und ich, zweimal zwei Jahre nicht gesehen hat, unterbrochen nur von einer Beerdigung und einem Krankenhausbesuch (absurd eigentlich, aber so ergab es sich).
Man steht sich gegenüber, nimmt den Faden wieder auf als hätte man ihn erst gestern fallen lassen oder sowieso nie aus der Hand gelegt, nichts ist verloren oder vergessen, aber alles verziehen und verwunden.
Ein Glück, dass wir seit ein paar Monaten wieder in Verbindung sind.

Ich legte mir eines der Kuchenstücke auf den Teller, nahm es mit an den Schreibtisch, begann genussvoll zu essen und riss mir bereits beim zweiten Bissen eines meiner Beulenpestbläschen an einer krustigen Streuselkante auf. Es war nicht das Bläschen, das ich mir morgens beim Abtrocknen mit dem Frotteehandtuch aufgehobelt hatte, sondern ein anderes. Etwas Blut tropfte hinunter und landete recht adrett exakt zwischen zwei Zwetschgenschnitzen.
Man wird also beim Zubeißen in den nächsten Tagen ebenso Acht geben müssen wie beim Lachen oder Schreien oder Zähneputzen.

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Manche Menschen überschütten einen mit Liebesschwüren, man fühlt sich wonnig überzogen von ihrem verbalen Zuckerguss, schleckt mal links, mal rechts an der süßen Schicht, überfrisst sich vielleicht sogar ein bisschen an der köstlichen Klebrigkeit. Und stellt wenig später erstaunt fest: praktisch und faktisch bleibt nicht viel mehr davon übrig außer einem klebrigen Gefühl auf der Zunge.

Den größten Worten folgen oft nicht mal die kleinsten Taten. Eine leise Kritik, ein falsches Wort, ein einziges mitgeteiltes eigenes Bedürfnis kann ausreichen und schon treten sie den Rückzug an, wenden sich gekränkt ab. Flugs verwandelt sich das gerade noch lodernde Feuer ihrer Zuneigung zum kläglich glimmenden Kohleklumpen, der noch ein Weilchen die Temperatur hält und wenig später in stummer Kälte erlischt.

Sie lieben sich in ihrem Liebestaumel und in der Vorstellung ihrer selbst als Liebende so sehr, sonnen sich in ihren Bekundungen, wälzen sich wohlig darin und vergessen darüber völlig, dass sie den anderen, die Zielscheibe ihrer Schwüre, entweder gar nicht oder nicht gut genug kennen, um ihn überhaupt und noch dazu mit diesem Überschwang lieben zu können.

Aber ums Kennen geht es ihnen ja auch nicht, schon gar nicht ums Erkennen, dazu sind sie viel zu verstrickt in sich selbst, verheddert in die ewige Nabelschau ihres von der Welt ach so missachteten oder beschädigten Ichs oder völlig aufgeweicht vom Bad in ihren zerquälten Seelentümpeln, in denen schon seit Jahren keine Rose mehr gedeihen möchte und alles Lebendige mangels Licht und Pflege längst veralgt oder verendet ist.

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Auch die Mutter war so gestrickt.
Sie gefiel sich so sehr in den wenigen Szenen unseres 17 Jahre währenden Theaterstücks, in denen sie als „die Liebende“ auftrat. Dankbarkeit und Applaus waren angesagt, wurden geradezu eingefordert: „Schau her, wie ich dich liebe und was ich dir alles opferte!“ lag in jedem ihrer Schritte, mit denen sie über die Bühne stolzierte, das Haar in den Nacken und mir ein Lächeln zuwerfend.

Dankbar sollte ich sein, wenn sie, die ewig Angeschlagene, trotz allem in der Lage war, mir dieses Lächeln zu schenken.
Einmal im Jahr gab es Streuselkuchen, mit matschigen Äpfeln darin, dankbar sollte ich sein für diese Anstrengung, die sie meinetwegen auf sich genommen hatte.
Hatte sie sich tagelang von allem zurückgezogen und kam für einen Moment wieder hervorgekrochen aus ihrem Elendssumpf, hätte ich besonders dankbar sein müssen, denn schließlich hatte sie diesen Kraftakt nur für mich vollbracht.

Für mich, die ich sie qua meiner Existenz in dieses Jammertal verbannt hatte, weil man als Frau mit Kind am Hals in den 70er Jahren nun mal nicht hätte davonlaufen können aus einer Ehe, die nichts weiter war als die Eintrittskarte in das Tal der Tränen.
Also schickte sie den Mann davon, diesen undankbaren Klotz, dem sie doch ihre besten Jahre geschenkt hatte, die ihr nun niemand mehr zurückgeben konnte. Blieb, wo sie war, behielt das Kind und den Hund, und war fortan noch überforderter.

Mit aufgeschlagenen Kinderknien konnte sie noch umgehen, auch mit Erkältungen, aber als die Wunden und Infekte des Heranwachsens größer und schwieriger wurden, begann ein Wettstreit, bei dem der Sieger bereits feststand. Egal, was ich auch hatte: ihr Leid war größer, wichtiger, langwieriger.
Die wenigen Male, die ich es wagte, trotz ihres schwereren Leidens um Aufmerksamkeit, Zuwendung oder Trost für mich zu bitten, wies sie mich schroff und zutiefst erschüttert von sich.
Ob ich denn nicht sähe, wie schlecht es ihr ginge und dass es ihr nicht möglich sei, sich jetzt auch noch mit mir zu befassen. Es ginge um ihr Überleben, ob ich das denn nicht begreifen würde. Noch ein Mucks und sie verstummte mit einer Dramatik, die einem Angst und Bange werden ließ (von den Strafen soll hier und heute nicht die Rede sein).
Schon Jahre vor dem ersten Krebs gab es dieses gefühlte „Es“, dieses unheimliche Etwas, das größer war als sie und das über sie kam wie eine Heimsuchung, der sich alles zu beugen hatte. Ich beugte mich. So tief ich konnte, aber nur bis zu einem Punkt, von dem aus es immer noch möglich war, hinaufzuschielen zu der Mater dolorosa, um die ich mich zu kümmern hatte und nach deren Befinden alles ausgerichtet werden musste.

Ich verschwand ganz und gar hinter dieser Aufgabe, wurde unsichtbar und zugleich an der Oberfläche zur perfekten Marionette und zur allzeit aufmerksamen Besorgerin, wie die Haushaltshilfen in Österreich so schnöde tituliert werden. Und wetzte des nachts in meinen Träumen die Messer, mit denen ich eines Tages diese Schnüre alle durchtrennen würde.

Ab und an ließ ich eine der noch unfertigen Klingen aufblitzen, wenn ich in Diskussionen merkte, dass meine Argumente die besseren waren und ich sie damit mühelos in die Enge hätte treiben können, was ich freilich niemals gewagt hätte (die drohende Strafe, nicht auszudenken!), ritzte meine Worte damit heimlich unter die Tischplatte, wo ich sie später, in den vielen so hilflosen Momenten, zumindest noch mit den Fingerspitzen ertasten konnte wie ein Blinder die Brailleschrift.
Zur Selbstvergewisserung und zur Ablenkung von dem Unsäglichen, das sich oberhalb der Tischplatte zutrug.

Als der erste Krebs kam, und er kam leider recht früh, hatte sie zeitgleich mit der Diagnose auch ihr ultimatives Totschlagargument erhalten. Sie nutzte es reichlich.
Selbst in den Runden, in denen sie das schlechtere Blatt hatte, zog sie dieses düstere Ass aus ihrem Ärmel und warf es mit versteinerter Miene auf den Tisch. Game over.
Da lag es, glotzte uns mit seinen fahlen Augen drohend an und verdammte uns für die noch folgenden Jahrzehnte ihres Überlebens zum Schweigen.

*****

I got my finger on the trigger
But I don’t know who to trust
When I look into your eyes
There’s just devils and dust
We’re a long, long way from home
Home’s a long, long way from us
I feel a dirty wind blowing
Devils and dust

Well I dreamed of you last night
In a field of mud and bone
Your blood began to dry
And the smell began to rise

And I’m just trying to survive
What if what you do to survive
Kills the things you love
Fear’s a dangerous thing
It can turn your heart black you can trust
It’ll take your God filled soul
Fill it with devils and dust

*****

Hier stehe ich nun. Das ist meine Geschichte.
Nun kann ich sie erzählen, die Zeit ist reif dafür.

30 Jahre sind vergangen seit „damals“.
30 Monate, seit sich ein Deckel für immer geschlossen hat. Ihrer.
Und ein anderer sich öffnen konnte. Meiner.

Ich drücke ihn nach oben, stemme mich gegen den Widerstand seiner knarzenden Scharniere, hebe ihn schließlich ganz hoch, bis er einrastet und ohne mein Zutun geöffnet bleibt, recke meinen Kopf empor und sehe den Himmel.

So rein die Luft – und so weit der Raum.

*****

Song des Tages (23).

Starry, starry night, portraits hung in empty halls
Frameless heads on nameless walls with eyes that watch the world and can’t forget
Like the stranger that you’ve met, the ragged man in ragged clothes
The silver thorn of bloody rose, lie crushed and broken on the virgin snow

Lang nicht mehr gehört, diesen Song, der im Sommer meiner Geburt durch die Top Ten’s wanderte.
Den H. und ich zusammen in unseren Teenie-Jahren zelebrierten, auf Hs cremeweißen IKEA-Sofa sitzend, die geblümten Vorhänge ihres Jugendzimmers wehten sanft im Sommerwind (der durch die gekippten Fenster die ersten zarten Verheißungen kommender Verliebtheiten hineintrug in unseren musikerfüllten Raum).
An Melancholie und Wehmut nur noch zu toppen durch „Seasons in the sun“.

Danke übrigens für die zahlreichen Nachfragen auf allen Kanälen.
Mir geht’s gut. Ehrlich.
Der innere Katalysator läuft halt manchmal auf Hochtouren, aber das putzt das System ja meist wohltuend durch.

Genießen Sie den Sommerabend, schon morgen steht wieder ein Temperatursturz bevor!

Wacken (Open Air) und andere Wasserfreuden.

Strasbourg.

Ein kleines Paradies, dieses Städtchen: durchzogen von verwinkelten Gassen, idyllischen Wasserwegen, blühenden Uferpromenaden, französischem Flair, gelungenem Stilmix aus Alt und Neu, unendlich vielen schönen Brücken. Und als Sahnehäubchen das Piscine du Wacken, ein Freibad vom Feinsten, für erfrischende 4€ Eintritt!

Straßburg.

Schwaden von stinkendem Munsterkäse durchziehen die Altstadt, ein Glas Bier ist in vielen Lokalen teurer als in Kopenhagen, überall stolpert man in rotblinkende Poller und astronomisch hohe Parkgebühren gefährden die Urlaubskasse (geschicktes System übrigens: Anfüttern mit 1 harmlosen Euro für 3 Std, danach wird ein Tagessatz von 35 bis 54€ fällig – die spinnen, die Franzosen!).

Verkraftbar aber, muss man halt ein bisserl flexibel damit umgehen: im Lokal je nach Geruch/Windrichtung mehrfach den Tisch wechseln, Wein trinken, ganztags die Sonnenbrille aufsetzen und den Parkautomaten zweimal täglich schamlos austricksen.
Ach ja, und Obacht vor adebarischem Overkill – in der Altstadt ist dem nur schwer zu entkommen!

Storchenwahnsinn überall in der Stadt.

Fazit: Ein absolut lohnenswertes Ziel für eine erholsame Städtereise. Am besten zu bereisen im Sommer und am allerbesten mit einem all-inclusive-Gutschein im Gepäck.

Auf der Passerelle des Deux Rives.

Meinen herzlichsten Dank an T. für das prima Geschenk – und sind wir doch mal ehrlich: ein Trip in ein Landhotel an der Mosel oder ins Schwabenländle, so wie du’s zunächst im Sinn hattest, hätte da niemals mithalten können, nicht wahr?

Ich hoffe, du bist gut heimgekommen und deiner Hüfte geht’s dank des ausgiebigen Schwimmens und des drei Tage hintereinander (locker) erreichten Schrittzahl-Highscores nun besser, und falls nicht, gönn‘ dir mal etwas Ruhe und hau‘ dich gemütlich mit einem Flammkuchen auf die Couch.
Von Dr. Oetker gibt’s hierzulande ’nen recht preiswerten, hab‘ ich gehört. Sogar ohne Munstermief.

Flammkuchen in der sozialverträglichen Variante.

In 4 Jahren, zum 50., dann wie gesagt gern Vancouver, Kapstadt oder Sydney, bis dahin tun’s natürlich auch Tickets für einen Bruce-on-Broadway-Abend (evtl. pünktlich geschickt, damit wir da etwas mehr Vorlauf haben als diesmal?).

Greetings from Munich! 😎
Deine N.

Across the border oder: Auf eine Wassermelone.

In der proppenvollen Arena unterhielt M. wie immer die Leute um uns herum. M. hatte diese Gabe, alle, die sich in seiner Nähe befanden, in Gespräche zu verwickeln. In lockere, zwanglose, meist sogar amüsante Gespräche. An seiner Seite konnte man gar nicht anders, als daran zu partizipieren, zumindest in Situationen, in denen man unter den vorderen 1.000 in einer Arena eingepfercht war, folglich sowieso nicht hätte fliehen können und das auch gar nicht wollte, weil man ja freiwillig und gern dort war, um an einem wundervollen Sommerabend auf den Beginn einer drei- bis vierstündigen musikalischen Messe zu warten.

An einem solchen Abend lernte ich dank M. vor fünf Jahren T. kennen. T. stand links von uns und versuchte, mit einem etwas schwachen Edding ein Request-Plakat zu bepinseln. Ich half ihm dabei. Am Ende stand „Local Hero“ auf der Pappe. Ich stutzte kurz und dachte mir: „Sieh mal an, ein Song, dem du bislang nie irgendeine Beachtung geschenkt hast – und für den ist das sein allergrößter Wunsch…“.
Bruce schenkte dem Plakat leider ebenfalls keine Beachtung, was aber angesichts der Tatsache, dass die Fan-Gemeinde an dem Abend das weltbeste „Back in your arms“ zu hören bekam, auch völlig egal war (ich denke, auch für T.). Bei „Thunderroad“ tauschten wir Telefonnummern und Mailadressen aus, er wollte mir seinen Video-Mitschnitt von „Back in your arms“ schicken (damals hatte ich noch kein Smartphone, was für T. unbegreiflich war).

Fortan schrieben wir uns drei Jahre lang Mails (Sie machen sich keine Vorstellung davon, was es unter Fans alles auszutauschen gibt!) und 2016 sahen wir uns schließlich bei der nächsten Tournee wieder. München, Olympiastadion: ich mit Kalkschulter, dem Gatten und M., er mit Sohn und ebenfalls gesundheitlich etwas angeschlagen.
Eine echte Fanfreundschaft hat natürlich Potenzial (trotz aller Gebrechen und Distanz), so viel ist schon mal klar. Blöd wird’s nur, wenn der gemeinsam verehrte Held seit anderthalb Jahren ausschließlich am Broadway herumtingelt und herumsingt, und nicht abzusehen ist, ob er a) in absehbarer Zeit mal die Freude daran verlieren wird und b) dann gleich die nächste Welttournee in Angriff nimmt, so dass sich wieder ein gemeinsames Konzerttreffen ergäbe.

Und bei den 500km, die zwischen meiner und T.s Heimat liegen, kann man halt nicht einfach mal „auf einen Kaffee gehen“.
Ein Wiedersehen stand also seit 18 Monaten in den Sternen. Wir mailten tapfer weiter.

*****

Als sehr klug hat es sich übrigens erwiesen, neulich aus einer Laune heraus eine „Nachfrist“ für Geburtstagspräsente zu verkünden.
Denn andernfalls hätte sich T. wohl im Leben nicht getraut, einer Pünktlichkeitsfanatikerin mit einiger Verspätung noch diesen netten Gutschein für eine kleine Butterfahrt zukommen zu lassen.

Als der Gutschein vor ein paar Wochen eingetrudelt war und ich all das Kleingedruckte, das es bei derlei Butterfahrten oder durch Rubbellose gewonnenen Kurzurlauben ja stets akribisch unter die Lupe zu nehmen gilt, ausgiebig studiert hatte, fand ich die Sache dann (bis auf die halbe Wassermelone) doch einigermaßen vertrauenserweckend, so dass ich beschloss, in die detailliertere Planung einzusteigen.

Erstmal folgte allerdings eine Ernüchterung. Es stellte sich nämlich heraus, dass T. nur noch an genau 5 Tagen im August Zeit haben würde – und da der Gutschein ja bloß drei Wochen gültig ist, musste da Einiges hin und her geschoben und eilig mit dem Gatten koordiniert werden. So ist es ja immer bei diesen Pseudo-Schnäppchen und den geschenkten Gäulen: der Teufel steckt im Detail.

Und nicht nur terminlich, auch räumlich bin ich T., der tief im Südwesten lebt, deutlich entgegengekommen. Damit er nur ein Training versäumt. Ja, allen Ernstes, das war auch so eine der Vorgaben! Dabei darf er selbstverständlich stattdessen mit mir trainieren, wenn auch Schwimmen nicht so sein Ding ist, aber mei, so ein Fußballer kann seine Wadln ja durchaus auch mal ins Wasser bewegen.

T. versuchte zunächst noch perfide, Werbung für ein landschaftlich und preislich idyllisches Landhotel an der Mosel oder im Schwabenländle zu machen, aber keine Chance: Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und das Saarland schloss ich von vornherein rigoros und aus zutiefst empfundenen Vorurteilen aus. Im Gutschein stand schließlich ausdrücklich drin, dass es ein Ort meiner Wahl sein dürfe. Nachdem ich T. dann mit der Steiermark, dem Salzkammergut oder gar Wien – „mal so als erste Überlegung eines möglichen Zieles“ – geschockt hatte, war er schlussendlich geradezu selig, als ich mit der Frankreich-Idee um die Ecke gebogen kam: „Wie wär’s denn mit Straßburg?“
Für ihn sind’s nur anderthalb Stunden mit dem Auto, für mich eine hoffentlich hübsch klimatisierte Zugfahrt unter vier Stunden und anschließendem Shuttle im hoffentlich krümelfreien Auto vom Straßburger Bahnhof zum Hotel.

Auch bzgl. der Hotelwahl verhielt ich mich äußerst entgegenkommend, habe von wirklich reizenden Schloss- und Boutiquehotels sowie noblen 5-Sterne-Palästen Abstand genommen (obwohl’s mich ja mal interessiert hätte, wie es da so ist) und einfach was Solides und Freibadnahes gewählt. Straßburg hat nämlich ein architektonisch äußert schickes Bad mit 50 Meter-Becken, das sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn man schon mal dort ist. Nach einer kurzen, von T. initiierten Diskussion, ob im angedachten Hotel evtl. auch zwei Einzelzimmer mit Durchgangstür in Frage kämen (weil einen Zacken billiger), wurden dann zwei Doppelzimmer zur Einzelnutzung und ohne Verbindungstür gebucht. Es geht nix über ein eigenes, unbeengtes Zimmer mit nur einem Zugang, da bin ich strikt. Wir sind ja nicht auf der Berghüttn! Außerdem teile ich mir ungern Badezimmer mit Männern (den Gatten mal ausgenommen).

Dafür, so sagte ich zu T., verzichte ich auch auf die im Gutschein aufgeführte halbe Wassermelone. Ich hasse nämlich Obst, aus dem man Kerne entweder umständlich rauspopeln muss oder die Dinger einem nach Verzehr zwischen den Zähnen klemmen.
Auf Antibrumm Forte, das in den Gutscheinleistungen inkludiert ist, da T. weiß, dass Abende mit mir zum Horrortrip werden können, wenn auch nur eine einzige Mücke vorbeischwirrt, verzichte ich ebenfalls, da ich mitten in der Stadt nicht mit solchen Mückenhorden rechne wie sie mich in einem Landhotel an der Mosel überfallen hätten. Zum Ausgleich darf T. die Tourismusabgabe, die zum Übernachtungspreis hinzukommt, übernehmen (Antibrumm Forte wäre sowieso viel teurer gekommen – vielleicht ist da jetzt sogar noch ein Croissant drin, wir werden es sehen).

Jedenfalls ist nun alles geritzt & gebucht und das auch schon seit zwei Wochen und sofern die Gleise nicht von der Hitze geschmolzen sind oder „Nadine“ irgendwelche Oberleitungen auf der Alb beschädigt hat, geht’s dann morgen los.

Lieber T., danke für das prima Geschenk – ich freu mich sehr auf unsere Butterfahrt, sei pünktlich am Bahnhof, gern auch direkt am Bahngleis (du weißt ja, das Gepäck & mein Ellbogen sind keine gute Kombination), leg den richtigen Bruce in den CD-Player, vergiss die Badehose nicht und lass bloß diese unsägliche Wassermelone daheim!

Il ne faut pas laisser croitre l´herbe sur le chemin de l‘amitié.

In diesem Sinne: See you tomorrow in Strasbourg!

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Tonight my bag is packed
Tomorrow I’ll walk these tracks
That will lead me across the border

Stadtflucht.

Danke an D. für die schöne Wanderung durch den Wildbach, das gemeinsame Radeln zum See und all die guten Gespräche – und an den Papa fürs mehrtägige Hitzeasyl am bergnahen See, wo all das und mehr stattfinden konnte. An einem Ort sein zu dürfen, wo man einfach sein kann, wo man sich auskennt, wo man gekannt wird, wo es nach Heimat riecht, obwohl man dort nicht Zuhause ist.

Morgens frische Brezen, jeden Tag 2x zum Schwimmen und große Eisbecher mit Waffelröllchen drin: das fühlte sich vorübergehend so sorglos und leicht an wie Sommerferien zu Schulzeiten (dass man erwachsen ist, merkt man dann unangenehm plötzlich daran, dass einem während des Gassigehens irgendein Depp den Stoßfänger anfährt, übel verschrammt, sich einfach aus dem Staub macht und es einem leider niemand mehr abnimmt, sich mit so einem Sch*** rumzuschlagen).

Dennoch: Gut gewässert (ich) und mit allen Wassern gewaschen (das Dackelfräulein) sind wir wieder in die Stadt zurückgekehrt.