St. Paul schlägt 7 oder: Landung in der Ludwigsvorstadt.

Die Stadt hat uns wieder!

Seit 5 Tagen wurschteln wir zwischen 130 Kartons, neuen Straßennamen/Geschäften/Nachbarn, zig Erledigungen/Terminen und allerlei Unerwartetem hin und her.
Aber das Viertel ist super!

Der „Vorstadtdom“ Sankt Paul.

Am Freitag nach 3 Stunden Hotlinek(r)ampf mit Vodafone in einem Mix aus Heulkrampf und Wutanfall aus der Wohnung geflohen.

Abendimbiss auf einer Parkbank in der Abendsonne an der Theresienwiese.
Zum kühlen TAP7 läutet die Paulskirche 7 Mal. Beides wirkt beruhigend. So beruhigend, dass ich einschlief.

Parkbank-Pause.

Von 130 Kartons sind nun 98 ausgepackt und 85 schon wieder per Quoka verkauft.
Vom Erlös 2x ein Abendessen bestellt.

Keine Schleichwerbung, sondern eine klare Empfehlung!

Deliveroo hat uns nämlich wieder und liefert zuverlässig Nervenkost für Umzugswracks.

Die ersten Provisorien im neuen Zuhause sind installiert („Bastel dir ein buntes Badregal aus Klappkisten“ oder „5 Handtücher gekonnt an nur 2 Halterungen aufhängen“).

Manche sind alles andere als beglückend, aber zumindest funktional.
Nächste Woche kommt ja dann handwerkliche Verstärkung – gottseidank, denn ohne etwas Struktur und Ordnung lösen sich meine wenigen inneren Anker leider schnell und der klapprige Lebenskahn kommt ins Schlingern.

Des Dackelfräuleins Gemütslage geriet durch den Umzug ebenfalls ins Schlingern.

„Where have all my puppies gone…?“

Seit Tagen tapert sie orientierungslos durch die neue Wohnung, aber die Suche nach dem fiktiven Nachwuchs bleibt täglich aufs Neue erfolglos.
Geborgenheit bietet nur die zufällig auf der Couch geparkte Bettdecke.

Natürlich kam der Hormon-Lkw mit der Scheinmutterschaft an Bord doch noch vor dem Umzugs-Lkw um die Ecke gebogen.

Teil des Löwenteams – eine super Truppe!

Tja, der Umzugs-Lkw. Und die 6 Löwen. Erst 5 Tage ist das her, unfassbar!
12 Stunden haben sie durchgeschuftet, die Jungs.
War teils nicht so lustig, denn der Aufzug konnte nicht rechtzeitig repariert werden und das ganze Glump musste in den 2. Stock hochgetragen werden.

Kein Männer-Gesprächskreis, sondern eine Löwen-Mittagspause.

Die riesige Pizzalieferung konnte das ein bisserl rausreißen. Und Unmengen an klebrigen Getränken (von denen ich etliche nicht kannte), aber auf Wunsch literweise angeschleppt habe. Pfirsich-Eistee, so habe ich gelernt, ist DER Garant für nicht nachlassende gute Laune, Muskelkraft und Konzentration bis zum Einsetzen des letzten Regalbretts.

Und überhaupt: alles kein Vergleich zum Vorjahresumzug.

Bis auf die vielen Kisten und das Gefühl im Rücken. Letzteres ist vor allem den umfangreichen Putzarbeiten im neuen Zuhause geschuldet, die uns die Vormieter zum Einstand geschenkt haben. An manchen Stellen möchte man nicht mal seine Straßenschuhe parken, geschweige denn sein Kaffeegeschirr.

Das ehemalige Wohnzimmer: Einmal in meinem Leben möchte ich mein eigener Nachmieter sein.

So. Bevor Sankt Paul erneut 7 schlägt, muss die Küche noch eingeräumt werden. Damit man dem befreundeten Handwerker übermorgen exakt sagen kann, wie viele Einlegböden die Speisekammer denn nun bekommen soll.

Wir wünschen allseits noch einen schönen Sonntag und bedanken uns für die herzliche Anteilnahme an unserem Übersiedelungsprozess.

Eure/Ihre Kraulquappe & Co.

Geschüsselt, nicht geniert.

Gestern im Moloch „Mietwohnungsmarkt“ einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Mittäglicher Besichtigungstermin in einem der bevorzugten Viertel, eigentlich den Fotos nach die Traumwohnung. Vom Balkon hätte man fast ins geliebte Schwimmbecken gucken können. Hundehaltung erlaubt (!), rund um die Wohnanlage Grünstreifen en masse fürs Dackelfräulein, sogar ein Stellplatz fürs Gefährt, zunächst netter Kontakt zu den Vermietern per Mail.

Dezenter Hinweis einen Tag vor Besichtigung, dass aus unerfindlichen Gründen das Parkett etwas geschüsselt habe („geschüsselt“?, nie gehört! – wir googeln das erstmal, aha: „geschüsselt“ kann man also ganz wörtlich nehmen!), vielleicht die Kälte oder so, oder das viele Lüften während der Badrenovierung, man müsse da nun nach einer „gemeinsamen Lösung“ suchen.

Die sah dann vor Ort, als sich beim Anblick des durchgehend geschüsselten Holzbodens unsere Zehennägel vor Schreck beinahe ebenfalls zu schüsseln begannen, so aus, dass der kleinkarierte, näselnde Schwabe allen Ernstes vorschlug, der Mieter dürfe sich ein Parkett ganz nach eigenem Geschmack aussuchen und das dann in Eigenregie verlegen lassen. Natürlich auf eigene Kosten („desch koschd au ned mehr als 6.000€!“). Und vorher müsse halt der geschüsselte Boden entfernt werden, sind ja nur schlappe 80m². Natürlich auch auf eigene Kosten.

Mietbeginn müsse dennoch zum 1. März (gestern war der 25. Februar!) sein, man könne sich jetzt unmöglich noch weitere Monate Leerstand leisten (gerade sei der Umzug ins eigene Haus erfolgt). In 4 Tagen sicher eine etwas sportliche Leistung, aber wenn man gleich morgen loslegte, ja durchaus zu schaffen (er habe da einen Bekannten an der Hand…, wenn man wolle, stelle er den Kontakt her…).
Dafür sei die Kaltmiete ja auch absolut fair (einen Kotau dafür: sie lag nur 250€ über dem nach gültigem Mietspiegel ermittelten Preis für diese Lage und Ausstattung, anderswo liegt sie schon mal 400€ drüber).

Worin das „Gemeinsame“ dieser Lösung bestand, wurde nicht verraten. Dafür verriet man uns beim Streifzug durch die Wohnung an der einen oder anderen Stelle noch die bis dahin nirgends erwähnten Ablösesummen für uralte Schränke oder Regale in potthässlichem 80er-Jahre-Design („desch is Massivholz, desch häld no a Ewigkoit!“).
Wir kamen recht gut an bei dem Vermieterpaar, hatten beste Chancen, den Zuschlag für die Wohnung zu bekommen.

Nach dem Termin schlich ich deprimiert um die Ecke zum Schwimmbad, sprang bei minus 8 Grad Außentemperatur ins geliebte Becken, schwamm mir den Frust aus den Knochen, ließ mir den eisigen Wind um Nase und Schultern wehen, und schrieb danach eine vernichtende Email an den kleinkarierten, näselnden Schwaben. Dass wir natürlich wüssten, dass es Gang und Gäbe sei, aus der Wohnungsknappheit ungeniert Kapital zu schlagen, und dass das mit Sicherheit leider auch in seinem geschüsselten Fall von Erfolg gekrönt sein würde, er sich aber andere Deppen als uns suchen müsse, denen er zum 1. März seine renovierungsbedürftige Bude zum schwäbischen Schnäppchenpreis andrehen könne.

Manchmal überkommen mich Mordgelüste und Amokphantasien (das schrieb ich ihm nicht, ich hab mich schließlich im Griff).
Das Schlimmste sind die Ohnmachtsgefühle und diese immer wieder entstehende und wenig später sich zerschlagende Hoffnung.

Am Abend liegen wir wie erschlagen auf der Couch, stöbern in den diversen Wohnungsportalen, schütteln die Köpfe und schütten uns die Gläser voll.
Zwei brauchbare Angebote finden wir noch, von denen eines bei näherer Betrachtung sofort unter den Couchtisch fällt, da Absätze wie diese an Tagen wie diesen nichts als ein inneres Messerwetzen auslösen:

Zum Besichtigungstermin bringen Sie bitte Folgendes mit:
– gültiger Personalausweis / Reisepass
– Bonitätsauskunft der Schufa
– Gehaltsnachweise der letzten drei Monate
(alternativ Steuererklärung bzw. Bestätigung durch Wirtschaftsprüfer / Steuerberater bei selbständiger Tätigkeit)

– Schriftlicher Nachweis der Mietschuldenfreiheit vom letzten Vermieter
– Mieterzeugnisse vom Vorvermieter bzw. bisheriger Mietvertrag und Kontaktdaten vom Vorvermieter.

[Habt ihr jetzt vollends den A…. offen: „Mieterzeugnis“?!? Und wo bleibt das Gegenstück, das „Vermieterzeugnis“? Wo kann man endlich Noten vergeben für die Kategorien „Ausbeutung & Abzocke“, „Schamlosigkeit & Schurkerei“, „Gier & Geiz“?]

Irgendwann schlägt der Gatte, müde am Rotwein nippend, vor, doch mal „völlig verrückt“ über das ganze Thema nachzudenken:
Auswandern nach Bodø (er hatte da doch mal einen universitären Kontakt)?
Raus aufs Land (neulich sah ich ein Inserat eines herrlichen Hauses am Schliersee, zum Preis einer Zweizimmerwohnung in München)?
Drastisch verkleinern (Möbel verkaufen, das Wohnzimmer abschaffen, Abende mit Gästen kriegt man auch am Küchentisch rum)?

Wir surfen weiter suchend durchs Netz, vom Nordkap bis zum Alpennordkamm, vom Haus am See übers Appartment in der Au und Schwabinger Hochhäuser bis hin zur Hütte in den Bergen.

Meinen Sonntag beende ich mit diesem Bild:

48m² Wohnfläche, 1.600m² Dackelfläche, 800€ warm.

Kann man dann auch entspannt Teilzeit arbeiten, ist ja nix mehr groß zu finanzieren.
Urlaube und Ausflüge überflüssig, den Berg vor der Nase habend und das Karwendel einen Katzensprung entfernt.
Ich von dort aus direkt hoch zur Hütte für den Saisonjob, der Gatte 1x wöchentlich zur BOB für den Einsatz in Frankfurt.
Klamotten braucht man eh nicht mehr viele, ist auch kein Platz da, um die aufzuhängen (außer draußen).
Stattdessen: Gartenhausbau erwägen. Oder gleich ein Austragshäusl für die Teckelzucht.
Wohnzimmerfrage kann man ebenso abhaken wie den ganzen Schwachsinn mit offenen Küchen und modernen Belüftungssystemen.
Kino etc. haben wir sowieso reduziert seit wir den Hund haben und ein DVD-Player nimmt nicht viel Platz weg.
Die Süddeutsche kann man auch online lesen. Der Paketbote hat endlich Platz zum Parken und stört niemanden sonst.
Grünstreifensuche entfällt ebenfalls, eher sucht man nach der Teerstraße für die Fahrt ins Dorf, zum Einkaufen.
Aber das ginge auch mit dem Bollerwagen.
Zeit hat man dann ja ebenfalls, und der Dackel würde sich gut machen vorn drin im Wagerl, so als bayerische Galionsfigur.

Um 21 Uhr verkrümle ich mich ins Bett, absolviere so mühelos wie selten einen zehnstündigen Erholungsschlaf.
Träume von planen Ahornholzböden in überteuerten Wohnungen, wackligen Baumhäusern in dichten Wäldern und windigen Tipis am tosenden Wildbach.

Neue Woche, neues Glück.

Selbiges wünscht Euch
Die Kraulquappe.

Song des Tages (16) oder: Eine Ode an das Wasser.

Es gibt ja so Tage, da wachst du auf, sofern du überhaupt geschlafen hast, und fühlst dich schon um 7:13 Uhr, als hätte dir jemand einen Hammer über den Kopf gehauen, gedankenschwer, bleierne Glieder, trüber Blick. Draußen greller Sonnenschein und Faschingsdienstag, tätärä, krasser könnte der Kontrast kaum sein. Alles geht schwer von der Hand, die Tagespost bedrückt, das Tagwerk überfordert.

Und dann gehst du hinein ins Wasser, unerklärlich leer das Feiertagsschwimmbecken, so schön und weich und weit, du kloppst es raus, ohne „es“ genauer benennen zu können oder zu wollen, kletterst nach einer Stunde aus dem Becken, und hast eine Idee, zwei Ideen, drei Ideen, jedenfalls ein freies Gefühl im Kopf und in der Brust, und so fährst du wieder heim, zurück an den Schreibtisch.

Packst etwas Neues an, triffst einfach eine Entscheidung, let’s get things going!, und während du das gerade tust, passieren parallel und ganz ohne dein Zutun noch ein paar Dinge, die dem Tag schließlich eine Wendung geben, die du morgens für ganz und gar undenkbar gehalten hättest, müde und bleigrau wie es da begann.

Wasser ist für mich neben dem Hinaufgehen auf den Berg das Belebendste, Erfrischendste und Rettendste, das es gibt, das vornehmste und reinste Element von allen, die tragende Basis für meine kleine Barke, in der ich durchs Leben schippere oder auch nur durch einen seltsamen Faschingsdienstag (immerhin ein 13.).

Beim abendlichen Kochen nach Langem mal wieder aus voller Kehle gesungen, auch so ein Wohlgefühl.

You can go all around the world
Trying to find something to do with your life, babe,
When you only gotta do one thing well,
You only gotta do one thing well to make it in this world, babe.

Cessante causa cessat effectus.

So simpel ist das: Wenn die Ursache (z.B. vergebliches, stundenlanges Warten auf DHL oder spontan verschobene Handwerkertermine oder unter krassem Unterzucker beinahe verursachter Unfall) wegfällt, entfällt auch die Wirkung (z.B. Wutanfälle, Frust, Kniezittern).

Distanz ist schon was Wohltuendes. Noch dazu bei Sonnenschein.

Gestern war schrecklich. Bis auf den Balkontisch hat nix so geklappt wie es sollte. Nix! Und im Grunde war ja selbst die Sache mit dem Balkontisch eine Abweichung vom Geplanten.

Zur Krönung am Abend: Die mörderisch steile Auffahrt aus der neuen Garage war so sandig, dass die Reifen durchdrehten (und ich mit ihnen). Steht man da, mitten auf der Schräge, mit angezogener Handbremse, weil zuvor fast an die Wand gedotzt, und von oben kommt Nachbar Herr T. mit dem Radl und staunt nicht schlecht als er mich da so kreidebleich hängen sieht. 

Nach 20 Minuten hatten wir’s dann zu zweit geschafft, den Kombi rauszufahren. In solchen Situationen lernt man sich ja gleich richtig gut kennen. Nett ist er, und geduldig. Auto hat er keins, beinahe hätte ich ihm das Geständnis entlockt, dass er’s kurz vor seinem Einzug verhökert hat.

Wenn ich das alles mal hinter mir habe, schreibe ich vielleicht einen Umzugsratgeber inkl. der Kapitel „Bestellungen und Lieferungen ohne Amoklauf meistern“, „Der erfolgreiche Beschwerdebrief als Ventil und Ersatz für die Boxbirne“ sowie „Making friends: In 15 Minuten auf Du und Du mit den neuen Nachbarn“.

Heute bewusst nach drei Stunden am Schreibtisch einen Schnitt gemacht, ab ins Schwimmbad und danach raus zum See. Das Endziel „Bootsverleiher“ muss im Blick behalten werden.

Erholsame Ostertage wünscht 

Die Kraulquappe.

PS: Wegen des lateinischen Zitats und bevor da wieder eine Frage kommt: Nein, das ist kein Klugscheißerblog. Ich mag Latein einfach. Es gehörte zu den wenigen Schulfächern, an denen ich Freude hatte.