Himmel der Bayern (82): Die alljährliche Tour auf den Heimgarten.

So. Der viertägige Besuch von Fräulein Shiva liegt seit Sonntagabend hinter uns und lief durchweg harmonisch und komplikationsfrei ab.

Erkenntnis: 2 Hunde = doppelte Arbeit. Von wegen „das läuft nebenbei“ oder „ob einer oder zwei – das macht keinen Unterschied„. Unterschiedliche Schlaf-, Kuschel-, Fress- und Gassigewohnheiten wollen schließlich erstmal koordiniert und sozialverträglich unter einen Hut gebracht werden.

Besonders herausfordernd: die diametral entgegengesetzten „Essstörungen“. 1x irrwitzige und auf alles irgendwie Fressbare gerichtete Gier und 1x allergrößte und auf jedweden noch so edlen Napfinhalt gerichtete Skepsis. Wenn das Dackelfräulein die Mahlzeit mit 3 Minuten Vorlauf und im Anti-Schling-Napf serviert bekam und man Fräulein Shiva parallel zu ihrer Mahlzeit sehr gut zuredete, waren die beiden Näpfe in etwa zeitgleich geleert.

Fazit: jederzeit gerne wieder, halt nicht länger als 4 Tage bzw. 3 Nächte, vor allem nicht dann, wenn es an 2 von 4 Tagen über 30 Grad hat und man auf den Gassistrecken durchgehend durchs Wasser waten muss, damit alle Flossen halbwegs kühl bleiben. Aber möchte man dem Besuch ja auch was bieten, was er, resp. sie noch nicht kennt, also kann man auch nicht nur an die Isar gehen (eh zu wenig Schatten dort).

Der Gatte hat sich frei genommen und fleißig mit angepackt, die Besuchsdame nachts mit zu sich ins Bett genommen, da ich sonst in meiner Schlafstatt keinen Platz mehr gefunden hätte (Sie machen sich keine Vorstellung davon, wie viel Liegefläche so ein Dackel in Anspruch nimmt), um mich mal für ein kleines Mützchen Schlaf einzurollen.

Nach der Rückgabe der kleinen Portugiesin an den hübsch Bewimperten, der sonnen- und meerverwöhnt sowie frisch corona-getestet heimkehrt, ziemlich platt auf die Couch geplumpst, kurz ein bisschen CL-Finale mitgeguckt und festgestellt, dass mich dieses Spiel ohne den Arjen auf dem Platz einfach nicht wirklich interessiert (außer natürlich in Bezug auf die Stimmung dahoam, versteht sich). Sogar draußen auf der abendlichen Wiesn herrscht FCB-CL-Atmosphäre: extra für diesen Abend haben sie den Olympiaturm in Rotlicht getunkt. Hat was.

Heute ein gänzlich herren- und hundefreier Tag. All by myself und mit der Restbebrütung eines „Schreibprojekts“ befasst (um es keinesfalls „Karriere“ zu nennen, denn der Zug ist abgefahren, zumindest auf herkömmliche Art und Weise, und ich winke ihm allenfalls gelassen hinterher).

Der größte Vorteil des Alleingehens im Berggelände ist ja der, dass mir keiner außer mir in mein Sinnieren, Steigen und Schnaufen hineinfunkt und dass niemand sonst was Trinken oder Pipi muss.

Der größte Nachteil ist, dass einem niemand antwortet, wenn sich aus dem Gedachten eine Frage formiert und dass einen keiner auf ein Gipfelbier einlädt und man nicht gemeinsam trinkend über die überall anzutreffenden, lauten und dauerlabernden Schwaben lästern kann.

Corona sei Dank bleiben einige Bergsteiger vor der Hütte hocken, weil sie weder eine Maske zu tragen noch ihre Kontaktdaten herzugeben bereit sind (bei einem Biertisch mit Maskenmädel dahinter kann die Verweigerer-Fraktion immerhin Getränke erwerben). So ist die Terrasse angenehm locker gefüllt und wundersamerweise teile ich meinen Achtertisch nicht mit Schwaben (die man aber 2 Tische entfernt laut schwätzen hört), sondern mit Kielern (die mir sehr angenehm sind, in Wort und Ton).

Der Zinken beim Abstieg so rot wie das Schuhwerk, überhaupt wohl etwas viel Sonne erwischt, nur gut, dass die Gesamtgehzeit halbiert werden konnte, sonst hätte richtig üble Verkokelungsgefahr bestanden. Dummerweise daheim eine Tube Bodylotion statt Sonnencreme aus dem Badschrank entnommen und in den Rucksack gesteckt. Die Tage bis zur Ganztagsbrille sind nun wohl endgültig gezählt.

Morgen Mittag los nach Graubünden. Mit Brille, damit man nicht in die Löcher im Schweizer Käse hineinfällt.
Oder heißen die dort Löchli?
Wir werden sehen.

Doei Dubbeltje!

„Wie voor een dubbeltje geboren is, wordt nooit een kwartje.“

Dafür aber der Lieblingsfußballer meines Lebens.

Foto mit Seltenheitswert (aus der aktuellen Ausgabe von „11Freunde“).

Vorletztes Wochenende dein letztes Tor hier in Minga, eine Woche später das letzte Spiel in Berlin, gestern dann die Double-Feier, die durchs gekippte Fenster herüberdröhnte, während ich den Parkettboden wischte – und nun ist’s vorbei, diese Ära mit dir. Unwiderbringlich vorbei. Kaum zu glauben, wie schnell eine Dekade rum ist.

Du wirst mir fehlen, Arjen!
Und das hab ich noch nie über irgendeinen Fußballer gesagt, vielleicht mal ganz kurz gedacht als der Olić ging, aber so öffentlich gesagt hab ich sowas noch nie.

Wegen dir hab ich sogar gelegentlich Spiele angeguckt, eher zum Leidwesen des Gatten, der meine Kommentare (à la „Muss das Spiel ausgehen?“ oder „Der Hummels hat ja eine neue Frisur!“) selten goutierte. Da du oft genug verletzt warst und ich oft genug zur Spielzeit irgendwo draußen unterwegs, hielt es sich ja auch noch im Rahmen, das gemeinsamene Fußballschauen.

Du warst der einzige Spieler, den ich stets auch ohne Brille und aus wirklich jeder Perspektive erkannt habe. Wegen deiner unvergleichlichen Art zu laufen. Und der einzige, der sich nie sein Trikot vom Leib riss, weil das auch gar nicht einfach so gegangen wäre, bei den engen Leiberln. Deine bis weit ins Frühjahr hinein reichende Verfrorenheit war mir (bekennende Schlafsockenträgerin bis mindestens April) sehr sympathisch, genau wie dein nettes Holländer-Deutsch (das mich an all die Sommerurlaube in der Kindheit auf Walcheren erinnerte).

Servus, Arjen Robben!

Werden das Fräulein und ich wohl jetzt öfter mal die Gassirunde nach Grünwald verlegen, vielleicht auch mal beim Chang einkehren oder in der Eierwiese.

Oder zur Weihnachtszeit in dem unsäglichen Fanclub am Tegernsee vorbeischauen:

(Wenn Sie nicht grad Bayern-Hasser sind, dann schauen Sie sich das ruhig an, da erfahren Sie nämlich, wieso der Arjen vor zehn Jahren nach München kam – profaner hätte der Grund kaum sein können 🙂 )

Bundesliga, letzter Spieltag 2019: Dem Dackelfräulein wirst du wohl nicht fehlen, sie fand es immer langweilig, Samstagnachmittage in Fußballkneipen zu verbringen.

Himmel der Bayern (3): Hirschberg bzw. „Mei, da Waki!“

An sich war das gestern ein fast friedlicher und perfekter Ausflugstag.

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Tegernseer Tal, vom Hirschberg aus betrachtet.

Pippa topfit, ich Voltaren forte, ansonsten genug Sonne, 23 Grad, Parkplatz in Kreuth geradezu leer. Kreuth liegt südlich von Rottach-Egern, dem Ort am südlichen Ende des Tegernsees, wo mein Papa lebt, den wir zuletzt am Vatertag besucht haben. Es wurde also mal wieder Zeit.

Davor ging es auf den Hirschberg (schließlich will das abendliche Wunschgericht, das der Papa kocht, erstmal verdient sein).

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Von Kreuth-Scharling marschierten wir in knapp 2 Std auf den Gipfel. Pippa immer etliche Dackellängen voraus. Da wir erst mittags aufgebrochen waren, kamen uns beim Aufstieg all jene Bergsteiger entgegen, für die exakt das Diktum zu gelten schien, mit dem mich der Papa die gesamte Kindheit lang terrorisiert hat: „Bergtour = Abmarsch um spätestens 8 Uhr“ (am Parkplatz wohlgemerkt, nicht daheim in München). Alles andere war indiskutabel (seit ich erwachsen bin, gehe ich einfach los, wann ich mag, und bin noch nie in der Mittagshitze verkokelt, wegen später Ankunft an der Hütte verhungert oder beim Abstieg im Dunkeln verloren gegangen).

Das Auftauchen jeder neuen Truppe von Wanderern, kündigte sich mir stets dadurch an, dass das Erscheinen meiner Vorhut bei den Leuten jedes Mal einen Kommentar provozierte. Wirklich jedes Mal. Ich meine, dafür dass so ein Hund ja kein Wort sprechen kann, prasseln ganz schön viele Worte auf ihn ein.

Gestern hab‘ ich mal gesammelt.

Absoluter Spitzenreiter war: „Mei, da Waki!“ (was auch immer dieser Ausruf genau bedeuten soll). Für die Preußen unter den Lesern: Der Dackel an sich heißt in Bayern pauschal Waki, Waldi oder Wastl, unabhängig von Rau-, Kurz- oder Langhaar und Geschlecht. Und weil jeder seinen Namen kennt, muss ihn wohl auch jeder anquatschen (so meine Theorie).

Dicht auf „Mei, da Waki!“ folgten „Mei, da muass da Waki aba schnaufn!“ (offen gestanden habe ich gestern deutlich mehr geschnauft, aber das interessiert halt kein Schwein) sowie „Ja, wen hamma denn do? Wos deasdn du do herobn?“ (ja, wen sollen wir da schon haben, wer zum Teufel ist überhaupt „wir“ und woher nehmen die Leute eigentlich das Recht, eine erwachsene Hundedame zu duzen?).

Weitere Kommentare waren: „Mei, da arme Waki, mit de kurzn Haxn…“ (äh ja, wie man sieht geht das erstaunlich gut und flink, aber die Stummelbeinchen erregen fast immer Spott, Erstaunen oder Mitleid).

Nettes Erlebnis dann mit einer vor Entzücken tirilierenden Familie aus Holland: „Ou, ein echte Teckel, können wir Foto machen?“ (klaro, ich mag Holländer, wenn das semmelblonde Quartett samt Dackel fotografiert werden möchte, jederzeit, was ich dann auch tat, als Entschädigung durften sie mir was zu den Hundestränden in Zeeland erzählen, wohin wir schon lange mal verreisen wollen).

Aber auch Unverschämtheiten begegneten uns: „Der muss ja aufpassen, dass er sich nicht auf die Zunge tritt, hahaha!“ (Depp, damischer, noch nie was davon gehört, dass Hunde sich nur so etwas Kühlung verschaffen können?)

Und natürlich die unvermeidbaren Frauen-Kommetare: „Ja schau, ein Dackele, wie süss, die sieht man ja nur noch so selten, dabei sans so liab!“ (hat aber nix mit den Bergen zu tun, hören wir auch anderswo ständig).

So war die herrliche Ruhe auf dem Berg immer wieder unterbrochen von derlei ungebetenen Äußerungen, man hat dann die Wahl, ob man darauf eingeht (denn eigentlich richtet sich der Ausruf ja an den Hundehalter) oder stumm vorbeistapft (wozu ich tendiere, obwohl man dann zu spüren bekommt – durch Grummeln und Grunzen oder einen weiteren Spruch -, dass sie einen für einen Stoffel halten, was mir aber wurscht ist).

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Auf dem Gipfel haben wir kaum Platz, weil eine ganze Schulklasse sich gackernd dort tummelt, aber auf der Hütte war dann genug Stille – außer uns nur ein Lüneburger Vater mit seinem Sohn, die ihre Rast auf meherere Stunden ausdehnten, da der Sohnemann keine Lust hatte, den doofen Weg, den er sich hinauf gequält hatte, auch wieder hinunter zu gehen (angeblich war ich auch mal so, wenn man meinem Vater Glauben schenken will, falls das stimmen sollte, wird es daran gelegen haben, dass man mich im Tiefschlaf auf den Berg gescheucht hat).

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Pippa und ich teilten uns zwei Weißwürste, füllten die Flüssigkeitsvorräte auf, machten ein Nickerchen und traten dann den Rückweg an (ich würde sagen, die Konditionskrise des Dackels ist endgültig überwunden und die Ball-Entwöhnung steht kurz vor dem erfolgreichen Abschluss, wir geben uns aber auch alle Mühe, ein attraktives Alternativprogramm anzubieten, also da kann uns keiner Faulheit oder Ideenlosigkeit vorwerfen).

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In Rottach erwarteten uns nach einer Dusche leckere Wiener Schnitzel – „uns“, weil der Papa immer ein paar Rand-Stückchen für den Hund beiseitelegt – mit selbstgemachtem Kartoffelsalat und einem kühlen Hopf-Bier (ich muss gestehen: wenn der vegetarische Gatte auf Tagungsreise ist, unterlaufen mir manchmal solche „Fleisch-Tage“).

Die Heimfahrt nach München ging – der EM sei Dank! – so zügig wie noch nie, auf der A8 und dem Mittleren Ring gähnende Leere, ein Traum! Beim 2:0 der Franzosen ruhten Waki und ich bereits in Morpheus‘ Armen (seit ich im Tippspiel irgendwo zwischen Rang 10 und 13 liege, hat mein EM-Interesse schwer nachgelassen).

Einen guten Start in eines der wenigen Sommer-Wochenenden 2016 (und meiner Freundin B. eine gute Fahrt ins Land der voraussichtlichen EM-Sieger!) wünscht euch –
Die Kraulquappe.