Mit dem Voltar_Engel durchs Wochenende.

Beim 94. Lauf seit Pandemiebeginn ereilt mich gestern das Gefühl, dass ich den Park nun in- und auswendig kenne. Bald werde ich sowohl die Eichhörnchen anhand ihrer Schneidezähne auseinanderhalten können als auch die Rufnamen aller dort regelmäßig ausgeführten Hunde auswendig kennen, inklusive ihrer Kosenamen. (Man möchte es übrigens kaum für möglich halten, wie rasseübergreifend und größenunabhängig die diversen „Mäuschen“ herbeizitiert oder für die Verrichtung ihrer Geschäfte gelobt werden).
Den alten Mann mit dem einäugigen Hund grüße ich zwischenzeitlich ebenso selbstverständlich wie den ausgeleierten Herrn im gleichermaßen ausgeleierten Cordsakko mit seinem graunasigen Whippet-Rüden oder die Frau, die mit ihrer nussbraun-ondulierten Welsh-Springer-Spaniel-Hündin ungeachtet jeglicher Friseurgeschäftsschließung in Sachen Haarkleid im Dauerpartnerlook unterwegs ist.
Den adipösen Jogginghosenträger, der seinen angeleinten Dackelmischling fahrradfahrend hinter sich herzerrt, grüße ich hingegen niemals, stattdessen erwäge ich diverse Befreiungsaktionen des armen Hundes, der nirgendwo in Ruhe schnüffeln oder seine Duftmarken setzen darf. Dasselbe gilt für die dämliche Tussi, die Gassigehen so auffasst, dass sie telefonierend (oder anderweitig in ihr Handy vertieft) herumsteht oder -sitzt und der Hund für eine Dreiviertelstunde (so lange dauert mein Lauf – was vorher oder nachher geschieht, entzieht sich meiner Kenntnis) sich selbst überlassen wird, irgendwo hinkackt, Mülleimer leerfrisst, Eichhörnchen jagt oder aus Langeweile einen Artgenossen anfällt. Diese Pseudotierfreunde habe ich mindestens so dick wie die Parkvermüller, die von Woche zu Woche mehr zu werden scheinen (oder aus Frust mehr futtern und deshalb mehr Müll hinterlassen, man weiß es nicht).

Dieser 94. Lauf wird für eine Weile mein letzter gewesen sein, denn das Schicksal (oder Laufgott Asicius?) verordnet mir noch am Nachmittag desselben Tages überraschend eine Pause.
Ich hätte es ja netter gefunden, das wäre sanfter eingeleitet worden als mit so einem herben Sturz auf eine Steinplatte, offenbar war es aber anders vorgesehen (fairerweise möchte ich ergänzen, dass mir zuvor noch ein sonniger Spaziergang samt ausgiebiger Rast am geheimen Bootshaus vergönnt war).
Die Uferböschung ist eigentlich durch zwei simple Schrittchen zu überwinden, hinunter gelang mir das auch noch einwandfrei, als ich dem Fräulein folgte, nur hinauf sollte es nicht mehr klappen. Die schmale Steinkante, auf die ich den rechten Fuß aufsetzte zu Schritt Nr. 1, war leider nur noch lose in der Böschung verankert, lockerte sich beim Drauftreten, kippte mir auf die Schuhspitze und hernach kippte ich um.
Fiel mit der Kniescheibe frontal auf einen anderen Stein und knickte dann komplett zur Seite um, plumpste hinein in den einzigen Dornenbusch an diesem Uferstück.

Kaum zu glauben, wie deppert man fallen kann, und noch kaumer zu glauben, dass man den ganzen zähen Winter über selbst die abenteuerlichsten Bergstrecken ohne jedwede Blessur gemeistert hat, erst vorgestern noch stundenlang knietief durch den Schnee gestapft, nix passiert einem da, nirgends, stattdessen semmelt’s einen auf einem seichten Abhang von 70cm Länge dermaßen hin…
Dank des ersten T-Shirt-Wetter-Tages 2021 (gestern: 18 Grad und Sonnenschein am See) konnte der ausgehungerte Strauch gleich eine ordentliche Fleischmahlzeit zu sich nehmen – seine gierigen Fangzähne steckten überall in meinem Arm, als ich mich mühsam wieder hochgerappelt hatte (versuchen Sie das mal: sich mit Knieschaden im Dornenbusch liegend ohne Einsatz der Hände und unversehrt aus jenem zu befreien) und benommen vor Schmerz auf den Weg zurücktaumelte.
Das Dackelfräulein sofort zur Stelle und im Krankenschwestermodus: Wunden verarzten, nicht von der Seite des Patienten weichen und unterwegs aufpassen, dass das wacklige Frauchen beim Anlehnen an einen Zaun nicht noch von dessen Latten aufgespießt wird.
Im Schneckentempo und humpelnd den Steilweg zum Hochufer zurück, wo das Auto geparkt steht. Die Heimfahrt nicht allzu lustig, weil der Wechsel des Beines zwischen Gas- und Bremspedal nur unter Zuhilfenahme des Armes zu bewerkstelligen ist, aber was will man machen, irgendwie muss man ja nachhause kommen.

Den Freitagabend dann mit reichlich Ibuprofen, einer Kältekompresse und dem Voltar_Engel (sein Nachname: Forte, was ja schon mal hoffnungsfroh stimmt) auf der Couch gesessen. Der Gatte sorgt mit einem feinen Bierbichler-Film für mentale Ablenkung und stellt sich schon mal drauf ein, dass alle weiteren Beinarbeiten am Wochenende wohl an ihm hängenbleiben werden, was nicht schön ist, da er seinen zweiten Coronazeitengeburtstag eigentlich ausfliegend mit dem Fräulein und mir verbringen wollte, woraus jetzt nichts wird bzw. was auf Montag verschoben wurde, in der Hoffnung, dass der Monsterbluterguss bis dahin wieder einen längeren Ausgang erlaubt.
Sogar die Geburtstagsfrühstückssemmeln und -brezen, die grundsätzlich von dem zu besorgen sind, der nicht Geburtstag hat, muss er sich diesmal selbst beim Bäcker holen, eine äußerst grausame Änderung der üblichen Verhältnisse an einem solchen Jubiläumsmorgen, die mir zutiefst leid tut und die auch das ewig leuchtende Licht des Stern des Südens auf dem Gabentisch nur bedingt wettzumachen vermag.


Als Zeichen meines guten Willens meiner Tapferkeit & meiner unendlichen Liebe schleppe ich mich nach dem Frühstück immerhin noch zum Blumenstand um die Ecke und hole dem Gatten ersatzweise ein bisschen blühendes Leben ins Haus, bevor ich mir den Zinkleimverband ums bläulich-pralle Knie kleistere, auf die Reservebank sinke und Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit diesem Invalidenbericht zutexte, den ich nun jäh abkürzen muss, weil soeben der Paketbote klingelt und ich noch rechtzeitig zur Wohnungstür gelangen möchte (was hinkend etwas dauert), bevor er die letzte Lieferung, die mir zur Vervollständigung meines Neoprensortiments für eine gelenkentlastende Bewegungszukunft im Wasser noch fehlt (die Handschuhe nämlich), wieder mitnimmt oder womöglich bei den falschen Nachbarn abgibt.

Atmosphären des Sports.

Milan über dem Tölzer Land.

Die Regelung der vielfältigen väterlichen Angelegenheiten kostet Einiges an Energie, die – wann immer möglich – andernorts nachgetankt werden muss, um nicht zu sehr aus der Balance zu geraten. Schließlich hat man da jetzt noch eine gehörige Strecke vor sich (und steht ja erst ganz am Anfang).
Und auch der vorerst letzte Vorfrühlingstag (>15 Grad) mahnt dazu, ihm ein paar sonnengetränkte Freiluftstündchen abzutrotzen: schauen wir also die Welt nochmal von oben an und verbinden das mit einer weiteren Gelegenheit zu einem Frühjahrsbad fürs Fräulein.

Eine dreieinhalbstündige Rundtour (falsches Schuhwerk, falsche Jacke, überflüssigerweise die Grödeln im Rucksack, aber wenigstens die Kamera dabei) entpuppt sich als wunderbar herausfordernd für Konzentration und Kondition, so dass an Anderes gar nicht mehr gedacht werden kann.

Wobei mir diesmal nicht nur der Weg Konzentration abverlangt, sondern dass ich parallel zum Aufstieg dem Gatten beim Arbeiten zuhöre. Der sitzt 500 km entfernt allein in seinem Büro und hält seinen ersten Online-Vortrag auf einer Tagung und weil das Thema so schön passt und ich den Zoom-Link dabeihabe, probiere ich dieses Wunder der Technik doch glatt mal aus, trete nach dem Schultern meines Rucksacks dem Meeting bei, überprüfe mehrfach leicht panisch, ob ich auch ja Mikro und Kamera deaktiviert habe (nichts peinlicher, als wenn plötzlich ein energisches „Pfui, Pippa, was frisst du denn da schon wieder?“ durch seinen Vortrag schallen würde oder die ordentlich gekleideten Tagungsteilnehmer mich schwitzend und schnaufend auf dem Wanderweg sähen), klemme mir das Smartphone zwischen Pulli und Hüftgurt, zurre es gut fest und marschiere los.

Der Gatte referiert 30 Minuten lang zu „Atmosphären des Sports“ , lässt sich darüber aus, worin der Unterschied zu Situationen besteht, inwiefern soziales Handeln und soziale Ordnung vom Phänomen der Atmosphäre geprägt werden und wie der Sport davon durchdrungen ist.
Umgeben vom Bergwald und seinen Düften, die gleichermaßen auf das Dackelfräulein und mich einwirken, umfangen von der milden Luft und dem funkelnden Licht, das durch die Tannen fällt und leuchtende Muster auf unseren Pfad malt, all das eingebettet in eine auf jeder Tour sich neu und anders findende Stimmung sowie in ein Gefühl von Rhythmus und Gleichklang, in dem wir uns fortbewegen (stets gemeinsam und aufeinander bezogen und doch auch jeder für sich), so vor mich hingehend und dem Vortrag lauschend denke ich: coole Sache, denn solch eine perfekte Verschränkung von Theorie und Praxis lässt sich wirklich selten erleben (und: wie glücklich ich mich doch schätzen kann, den praktischen Part dieser Verschränkung zu verkörpern!).

Weil es eine extrem wenig frequentierte Bergtour ist, störe ich damit allenfalls die Ruhe des Waldkauzes oder der Wühlmaus, was man für eine halbe Stunde schon mal riskieren kann, finde ich.
Das Kopfschütteln kommt dann aber weder von Waldkauz noch Wühlmaus, sondern von zwei kernigen Kletterern, die uns entgegenlaufen und ein paar Sätze des Gatten über irgendein denkwürdiges Spiel zwischen dem FC Liverpool und dem FC Bayern aufschnappen, das irgendeine These – ich hab‘ leider schon wieder vergessen, welche – illustrieren soll und mich einigermaßen erstaunt angucken.
Aus einem Gefühlsmix zwischen Ertapptwordensein und Scham rechtfertige und erläutere ich ungefragt das von mir verursachte Schreddern der heiligen Bergstille, woraufhin die beiden verschmitzt grinsen und ihrerseits bekennen, auch sie befänden sich gerade mehr oder weniger im Homeoffice und hätten erst eine Viertelstunde zuvor auf einer Lichtung rastend schnell noch ein paar Emails beantwortet, so sei das eben nun in Zeiten wie diesen und man müsse halt derzeit solche Unternehmungen unbedingt wochentags machen, weil die Leute, diese suspekte Spezies, zu der man sich selbst ja grundsätzlich nicht zugehörig fühlt, an den Wochenenden mittlerweile jeden noch so abseitigen Weg bevölkern würden.
Die Zukunft liegt wohl defintiv im flächendeckenden, stabilen und schnellen Internet, wetterfesten Laptops und federleichten mobilen Endgeräten, hintergrundgeräuscheliminierenden Mikrofonen und Kameraprogrammen, die selbständig Schweißtropfen und Stirnband rausfiltern können.

Das Fräulein ist gut in Form, saust wie in alten Zeiten stets ein Stück voraus, dreht sich gleichwohl alle paar Meter brav nach mir um, die ganze Tour ein weitgehend stummer, eingespielter Dialog, ein einziger Blick oder Pfiff genügt (sofern es nicht um Fremdkot geht oder um einen Artgenossen, der einem nicht passt), die eine achtet auf die andere, an den heiklen Passagen wird aufeinander gewartet, ein beinahe meditativer Gleichschritt trägt uns so hinauf zum Gipfelplateau, und dort oben auf der sonnenwarmen Erde beieinander sitzend, immer mit Körperkontakt, versteht sich, bin ich plötzlich atmosphärisch nah an den Freudentränen.
Dieses kleine Wesen neben mir haben zu dürfen, meine Güte – was für ein großes Glück.

Hund haben (22).

Falls Sie auch das Glück haben, einen Hund in Ihr Leben aufgenommen zu haben, werden Sie Folgendes mit Sicherheit kennen: Es ist ein regnerischer, trüber und kühler Tag, an dem Sie null Lust haben, einen Fuß (oder gar zwei) vor die Tür zu setzen. Nach nichts verlangt es Sie mehr, als den Großteil des Tages mit guter Musik oder Lektüre (oder beidem) auf der Couch herumzulümmeln. Aber das geht nicht, weil Sie heute ehegattensplittingbedingt die Arschkarte gezogen haben und „dran“ sind, d.h. derjenige sind, der mit dem Hund raus darf muss.

Routenplanung mit nachträglich eingefügtem gelben Pfeil zur Kenntlichmachung des kulinarischen Highlights.

Sie raffen sich also unter größten Mühen auf, kleiden sich wettergerecht und überwinden sich sogar, mit dem Tier ein Stück hinauszufahren, obwohl es hoch unwahrscheinlich ist, dass es 25 Kilometer südlich der Stadt weniger unwirtlich ist, aber zumindest können Sie dann dieses verregnete Qualprogramm musikalisch ein bisschen umrahmen. Von Dylans neuestem Genäsel beschallt fahren Sie dann Richtung Starnberger See, die Scheibenwischer haben trotz Dauereinsatz nur den Regen, nicht aber Ihre Granaten-Unlust wegwischen können. Sie parken, ziehen sich die Kapuze über den Kopf und treten ins klitschnasse Laub.

Und plötzlich, während Sie so Gassi gehen mit Ihrem Hund und Ihrem Grant, da wendet sich das Blatt und Ihr gerade noch als so unsäglich trostlos und mühevoll empfundenes Regentaghundebesitzerschicksal erstrahlt unerwartet in neuem Licht und Glanze.

Denn nicht nur die ausgewählte Spazierrunde ist viel schöner als gedacht, weil Sie neue Orte und Wege entdecken, sondern auch das Wetter berappelt sich während der sechs Kilometer allmählich, unterwegs verstehen Sie sich außerdem faszinierend wortlos gut mit Ihrem Vierbeiner und dann läuft Ihnen auch noch ein Zwetschgenfleckerl über den Weg, Menschen hingegen treffen Sie fast gar keine, bloß ein paar andere Gassigeher, so dass Sie die herrliche Herbstkulisse am Seeufer mehr oder weniger für sich alleine haben.

Nach drei Stunden ist schier die ganze vormals so graue und grässliche Samstagswelt zu einem kleinen Paradies mutiert und Sie (mal wieder) zum glücklichsten Mensch Hundebesitzer unter der oberbayerischen Oktobersonne.

Der Gatte, dieser Glückspilz, hat am heutigen Sonntag Gassidienst – und natürlich scheint seit dem frühen Morgen unentwegt die Sonne. Die Stimmung im Rudel ist also gleich viel heiterer als gestern, wobei dazu auch andere Einflüsse beigetragen haben mögen, wie beispielsweise das gestrige 5:0 gegen die Eintracht oder der zufällig bei der Frühstückslektüre wiederentdeckte Cartoon mit dem Titel „Die Zeitumstellung – der Jetlag des Proletariats“ (was mich an einen wunderbaren Satz zum selben Thema aus einem Roman von Christoph Hein erinnert, ich muss das umgehend nachschlagen, sobald ich proletarisch ausgekichert und die Winterzeit verinnerlicht habe).

Der Zeitumstellungs-Gag wird gegen Mittag von einem anderen Witz übertrumpft. Weil ich meine hundefreie Zeit ebenso nutzen möchte wie das tolle Wetter, beschließe ich, ein bisschen mit dem Rad durch die Stadt zu fahren (eine Unternehmung, die mit Hund unmöglich ist, weil der Hund davon nix hat und man selbst auch nicht), mir vielleicht ein Sonnenplätzchen in einem Café zu suchen (falls nicht zu viel los ist), oder mich irgendwo auf einer Parkbank niederzulassen (und dort ein Getränk zu genießen). Als ich meine Schuhe anziehe, fragt mich der Gatte, seinerseits auch gerade im Aufbruch (zu seinem Glückspilzgassi) begriffen, ob ich denn nachher wieder zuhause sei, wenn das Dackelfräulein und er zurückkämen oder ob ich länger unterwegs wäre. „Ich bin mit dem Rad weg und setz‘ mich mal irgendwo hin, um über mein Leben nachzudenken“, antworte ich ihm. „Achso, na dann bist du ja spätestens in einer Stunde wieder daheim!„, kommentiert er ohne Umschweife, und ich muss sofort schallend lachen über diese seine Bemerkung, wir verabschieden uns folglich froh und heiter voneinander und jeder entschwindet in seinen Nachmittag.

Erst einige Zeit später, auf der Parkbank sitzend und über mein Leben nachdenkend (bzw. nachgedacht habend), frage ich mich, ob mein Spontangelächter wirklich die adäquate Entgegenung war. Bin ich etwa jemand, der tatsächlich in der Dauer des Kurzreinigungsprogramms der Geschirrspülmaschine über sein Leben nachzudenken imstande ist? Oder braucht’s dafür nicht eher eine mindestens einwöchige Klausur in der Abgeschiedenheit der Berge? Oder genügt mir am Ende gar das halbe Stündchen auf der sonnigen Bank, in dem die leichte Weiße getrunken, den Eichhörnchen beim treehopping zugeguckt und die Feststellung gemacht wurde, dass das Leben, zumindest heute, völlig unbegrübelt ein recht gutes ist?

Apropos Parkbank und Nachdenken – schließen möchte ich für heute mit der Schilderung eines der vielen Phänomene, die ich immer wieder beobachte und intensiv bedenke, aber beim besten Willen nicht verstehe: Als ich mich auf der Bank niederlasse, entdecke ich zu meinen Füßen eine rote Tüte. Es handelt sich um ein erfolgreich befülltes (und sogar erfolgreich zugeknotetes!) Gassisackerl. Es liegt da. Auf dem Boden, unter der Bank. Und nur einen Meter neben der Parkbank steht ein Mülleimer. Was ist da schiefgelaufen, frage ich mich, wie um alles in der Welt kann das passieren? Dieses absurde Phänomen, das übrigens weit weniger selten auftritt als der Vernunftbegabte nun vielleicht meinen möchte, beschert mir manchmal erheblich mehr Grübelzeit als mein Leben.

Himmel der Bayern (87): Rutschpartie am Exzessberg.

21. Oktober 2020.
Der Papa wird heute 77 und „feiert“ das thermalbadend mit der Lebensgefährtin im fernen Venetien. Einmal (!) in diesem quarantäneähnlich verbrachten Jahr doch noch für ein paar Tage rauszukommen, das hat er sich gewünscht, und in dem italienischen Hotel ist er keinesfalls gefährdeter als daheim am Tegernsee, also bringt eine überstürzte Heimreise wegen steigender Fallzahlen jetzt auch nichts. Trotzdem ein komisches Gefühl, dass er nicht da ist, denn die Anzahl der Geburtstage, die man noch bei einigermaßen guter Gesundheit miteinander verbringen wird, sind vermutlich an einer Hand abzuzählen.

Es passt mir an diesem 21. Oktober emotional und überhaupt ganz ausgezeichnet, dass der Gatte sich spontan frei nimmt und den Wunsch äußert, endlich einmal (!) auf den Wallberg zu steigen, denn das ist schließlich der Berg, auf den der Papa gucken würde, wenn er am heimischen Geburtstagstisch säße.

Da die Wettervorhersage milde 21 Grad verspricht, muss der Gatte nur noch davon überzeugt werden, dass es keine Tour auf den Wallberggipfel, sondern auf den um 16 Meter niedrigeren Nachbarberg werden wird, damit es auch ein erholsamer Tag ohne Kolonnenkraxeln ist.
Denn wir wissen: Wenn’s im Oktober wärmer als 20 Grad wird, schwärmt halb München aus (ja, auch wochentags!) und ein Großteil der Ausschwärmer bikt, hikt (schreibt man das so?) oder gondelt dann in der oberbayerischen Bergwelt herum.

Und so ist es auch. Der Parkplatz an der Wallbergbahn ist um kurz nach 10 Uhr schon fast voll – alles will da hoch. Wir schnüren die Stiefel, lassen die Ausflügler links liegen und steigen in den menschenleeren Regionalbus nach Kreuth.

Vom Kreuther Kurpark aus starten wir unsere Tour auf den Setzberg, der in zweiter Reihe hinter dem meist überlaufenen Wallberg liegt und weder über eine Seilbahn noch eine Gastronomie verfügt (derzeit nehme ich die während der Sommermonate ein wenig vernachlässigte Arbeit an meinem im März begonnenen Wanderführer „Panoramawege durch die Pandemie“ wieder auf: sollten Sie Tipps für abgelegene Wege durch Oberbayern brauchen, melden Sie sich ruhig).

Gut, der Gatte zuckt ein wenig zusammen, als er die ausgeschilderte Gehzeit registriert und ein paar Schritte weiter auch noch von einem anderen Schild unmissverständlich darauf hingewiesen wird, was ihn erwartet.

Die Herausforderung besteht dann aber weder in den zweieinhalb Stunden Aufstieg noch in der Überwindung von 1.000 Höhenmetern, sondern darin, vom Setzberg auch wieder hinunter zu kommen.

Blick vom Setzberg gen Süden: Im Vordergrund der Risserkogel und die Blaubergkette, am Horizont die Tiroler Alpen.

Pippa macht Pause.

Als wir nach einer sonnigen Rast auf dem Gipfel des Setzberges – die Aussicht hier oben steht der, die man vom Wallberggipfel aus hätte, in nichts nach! – über die Nordflanke zum Berggasthof Altes Wallberghaus absteigen, geraten wir in der suppigen Schneematschspur so krass ins Rutschen, dass wir die angegebene Gehzeit von 30 Minuten beinahe verdoppeln.

In einer tiefen, braunplätschernden Schlammrinne (es taut wie Hölle und wegen der Schneereste links und rechts der Rinne sieht man nicht, wohin man tritt, wenn man neben die Rinne tritt, sackt also hie und da übel ein, rutscht weg und entscheidet sich dann doch für die Rinne selbst) geht es 300 Höhenmeter hinab, das Fräulein sieht anschließend aus wie eine verkrustete Fangowurst und was uns angeht, so sind Originalform und -farbe unserer Schuhe schlicht nicht mehr erkennbar.
Ein Wunder (den Trekkingstöcken sei Dank!), dass es keinen von uns geschmissen hat.
Ebenfalls ein Wunder, dass wir auf der Sonnenterrasse des Alten Wallberghauses einen super Platz bekommen. Und einen Kaiserschmarrn vom Feinsten!

Erfreulich wenig los um die Zeit, wahrscheinlich liegt’s daran, dass drüben am Wallberg die letzten Gondeln ins Tal nun schon deutlich früher fahren und der hinaufgegondelte Turnschuhtourist nach zwei Halben zeitig den Rückweg zur Bahn antritt.

1 = Setzberggipfel / 2 = Altes Wallberghaus / 3. Familie mit Kind

Drei Tische hinter uns lässt sich eine Familie nieder. Als der Familienvater zur Essensausgabe geht, um dort ebenfalls einen Kaiserschmarrn in Empfang zu nehmen, raunt mir der Gatte zu, dass der ja aussähe wie Gómez (also der Familienvater, nicht der Kaiserschmarrn).
Diese Promis erkennt man wegen der Maske ja nun nicht mehr auf Anhieb, außerdem trägt der Kerl eine dermaßen schlecht sitzende Jeans, dass es unmöglich ist, abzuschätzen, ob sich darunter die Oberschenkel von Super-Mario verbergen oder nur irgendwelche stinknormalen Haxn.

Als das Kleinstkind des Schlabberjeansträgers sich wenig später verselbständigt und auf den Wanderweg ausbüxt, klärt sich die Gómez-Frage schnell: der Familienvater rennt nun ohne Maske hinter dem Filius her und trägt den Kleinen auf seinen Schultern zurück.
Als wir kurz darauf aufbrechen, schnappe ich mir die Maske vom Gatten, hetze das Dackelfräulein auf den Ex-Bayern-Star und provoziere nach dem Einfangen unserer Hundedame ein Gruppenfoto, für das der Fußballprofi sogar Maske und Sonnenbrille abnimmt.

Legenden des deutschen Sports & Mario Gómez.

Dem Fräulein (Hunde können ja nicht heucheln) sieht man an, dass es sich bei dem Shooting um keine besondere Herzensangelegenheit handelt, aber mei. Ich betrachte die kleine Aktion als halbwegs gelungene Vorübung für kommende Gipfeltreffen mit Prominenz, für die wir uns deutlich mehr erwärmen können (Arjen Robben, Bruce Springsteen, Ronald Zehrfeld, Rupert Friend etc.).
Bemerkenswert an der Gómez-Begegnung war sowieso eher die Ehefrau. Die ist ein Top-Model. Sowas sieht man ja auch nicht alle Tage auf einer Berghütte. Und ich muss sagen: in natura (=relativ ungeschminkt) und aus 2 Meter Nähe betrachtet ist die völliger Durchschnitt. Nix, wo man als Frau zusammenzuckt und denkt Oh Gott, ist die schlank und schön und perfekt!, sondern einfach nur Durchschnitt.

Weiter geht’s, Richtung Wallberg. Ein Abstieg kommt heute nicht in Frage, dreieinhalb Stunden Bewegung inkl. 50 Minuten Rutschen sind mehr als genug.
Die letzte Gondel fährt um 17 Uhr, vorher wollen wir noch zur Wallbergkapelle, um von der kleinen Aussichtsplattform rund um das Kircherl (die man an Tagen wie diesen nur noch sehr früh oder spät am Tag ohne Schlangestehen besuchen kann) nochmal das tolle Panorama und die wunderbare Weite zu inhalieren, bevor wir wieder nach Rottach-Egern hinunterschweben.

 

Das Quarantänevermeidungsquartier.

Wo man derzeit als Münchner/Bayer noch einigermaßen kostengünstig, kurzfristig, stressfrei und ohne mehrseitige Reisewarnungen studieren zu müssen (in welche Länder sollte ich besser nicht fahren bzw. wo will man uns Münchner/Bayern derzeit keinesfalls beherbergen) Urlaub machen kann:

Sicher möchten Sie nun wissen, wie ich auf dieses verlockende Inserat stieß, und bestimmt vermutet der eine oder andere Leser schon irgendein abstruses Dackelfräulein-Abenteuer und schüttelt sorgenvoll den Kopf, dabei ist das alles ganz anders als Sie denken, sofern Sie überhaupt schon etwas gedacht haben sollten.

Also: Innerhalb des Freistaats dürfen wir Münchner ja noch bedenkenlos verreisen, und da ich gerade die kleine Auszeit für den Gatten, die er – um sich für das Wintersemester, das in vielerlei Hinsicht anstrengend zu werden verspricht, ein bisschen zu sammeln und zu rüsten – in einem abseits jeglichen Trubels gelegenen Dorf in Tirol gebucht hatte, wegen der aktuellen Reisewarnung für Tirol storniert habe (da er es sich wegen des eben erwähnten Semesterbeginns nicht erlauben kann, sich nach vier Tagen in Tirol anschließend 14 Tage in Quarantäne zu begeben), bin ich nun dabei, seiner Bitte nachzukommen, und mich nach einer passenden Alternative umzusehen (er weilt derzeit in Frankfurt und kommt vor lauter Terminen nicht dazu, sich selbst darum zu kümmern).

Das Problem: Ganz Oberbayern ist entweder ausgebucht oder in den ländlichen/bergigen Regionen dermaßen absurd überteuert, dass da gar nix mehr geht, außer, man erbt überraschend oder man begnügt sich mit einer Reise nach Ottobeuren, Wolnzach oder Waldkraiburg (und ich könnte Ihnen zu jedem der genannten Orte eine Übernachtungsstory erzählen, bei der Ihnen alles vergehen würde).
Erschwinglich und schön (eh eine seltene Kategorie bei Hotels) wären allenfalls diverse Stadthotels in München (fährt ja derzeit keiner hierher, was Dumpingpreise nach sich zieht), aber das ist natürlich totaler Käse, denn hier wohnen wir ja schließlich das ganze Jahr über und am Ende läuft man sich dann noch beim Spaziergang zufällig über den Weg und so käme ja kein Urlaubs-/Auszeit-/Alleinsein-Feeling auf.

Als ich alle gängigen Hotel-Portale durchforstet hatte, guckte ich schlussendlich ziemlich frustriert noch bei AirBnb vorbei und gab dort verzweifelt das gesamte Voralpenland als Zielregion ein. Potthässliche Apartments in Holzkirchen hinterm S-Bahnhof („zentral gelegenes Kleinod“), bedrückend enge und düstere Dachgeschosse in Wallgau („alpines Dachstudio“), gruselige Souterrain-Wohnungen in Prien („kuschliges Zuhause in Seenähe“) – es war nix Adäquates zu finden!
Bis auf die oben abgebildete Unterkunft, ebenso schonungslos wie verheißungsvoll „Survival Laubhütte“ oder (für den eher nüchtern-sachlichen Kunden:) „Privatzimmer in Erdhaus“ genannt. Ein Volltreffer, mit dem ich nicht mehr gerechnet hatte.
Denn was will man(n) mehr? Das ist Romantik und Abenteuer pur! Der totale Thoreau für nur 110€ am Tag, ein echtes Schnäppchen, andere fahren dafür unnötigerweise bis nach Kanada (und Sie müssen zugeben: Valley, das klingt sowieso fast wie Kanada)!

Leb wohl, Tirol! Pandemie, ade! Adieu, Reisewarnung!
Down in the Valley wird von Corona nichts mehr zu hören und zu sehen sein, sofern einem nicht der infizierte Förster aufs Dach hustet, von gästereichen Dorfhochzeiten ausgebüxte Elstern den dort gemopsten und verseuchten Kaffeelöffel vor die Erdhaustür schmeißen oder die Baum-Umarmer-Truppe sich im selben Wald tummelt, und sich dummerweise einer von denen im überfüllten Shakti-Chor-Workshop, den er noch vor dem Baum-Umarm-Seminar besucht hat, angesteckt hat und nun vor lauter Waldglück und Seelenheil in genau die Baumrinde heult, an der der Laubhüttengast abends eine Leine befestigt, auf der er seine Wandersocken zum Trocknen aufhängt.
Sie werden mir zustimmen: all diese Szenarien eher unwahrscheinlich und damit eine Destination mit sensationell niedrigem Infektionsrisiko!

Ich habe also sofort zugeschlagen, denn der Gatte wollte eh gern möglichst viel Ruhe und Natur um sich haben, und ich denke mal, die in der Anzeige erwähnten „mütterlichen Arme“ (sofern die grammatikalisch etwas missglückte Unterüberschrift im Inserat das meint, was ich denke) stören ihn auch nicht weiter, sondern vermitteln vielmehr eine anheimelnde Geborgenheit, dort, in der heiß ersehnten Einsamkeit und Klausur.
Die Gegend rund um Valley kennt er auch schon ein bisserl, dank unserer wunderbaren Ausflügen ins Mangfalltal, zur nächsten Gaststätte kann er, so sagt Google Maps, direkt von der Haustür aus wandern (hin und zurück ein Tagesmarsch, wenn man all die Bachquerungen und Böschungen mit einrechnet, total super, um den Kopf mal so richtig freizukriegen), die Orientierung wird ihm als ehemaligem Gebirgsjäger nicht schwerfallen, so dass ich auch keine Sorge hätte, dass er in den Wäldern verlorenginge.
Und wenn die Temperaturen des nachts schon arg anziehen sollten, was im Oktober durchaus der Fall sein kann, so wird das der Stabilität und Windfestigkeit der Unterkunft nur zuträglich sein. Nicht, dass es da zu sehr raschelt und pfeift, wenn mal ein Herbststurm durch den Wald fegt und man dann nicht schlafen kann wegen dem dämlichen Naturkrach (man kennt dieses höchst ägerliche Phänomen ja von den berühmten „Haus am Meer“-Urlauben, in denen man nächtelang wachliegt, weil es so verflucht laut rauscht und brandet und man das plötzlich live nicht mehr halb so idyllisch findet wie noch zum Zeitpunkt der Quartiersuche), da wäre ein kleiner Bausubstanzzustandswechsel in Richtung Iglu ja kein Schaden.

Jetzt warte ich nur noch auf eine Antwort des Vermieters zu meiner kleinen Nachfrage, wie man sich denn das erwähnte Badezimmer so ungefähr vorzustellen habe (schließlich möchte man vorher Klarheit haben, ob der Barthaarschneider überhaupt ein nützliches Reise-Utensil ist oder besser gleich daheimbleibt) sowie die erbetene Reservierungsbestätigung – und dann steht der Vorfreude des Gatten auf einen traumhaften Tapetenwechsel in diesem urgemütlichen Unterschlupf nichts mehr im Wege.

Himmel der Bayern (85): Über den Wolken.

Links die Zugspitze, rechts der Kramer und neben mir meine kleine, treue Gefährtin.
Über allen Gipfeln ist Ruh‘: Nuluensis & ich, wunschlos glücklich.
Namensgeber meiner „Himmel der Bayern“-Serie.

For you.

[Same question as every year: Wohin mit dem Dackelfräulein (und uns) an Silvester?
Gerne wären wir in irgendeine stille Lodge in die Berge verreist (zu teuer),
beinahe hätten wir uns mit Freunden in der feuerwerksfreien Zone einer Kleinstadt einquartiert (zu spät dran),
spontan dachten wir noch an eine Nacht im Hilton Munich Airport (zu wenig Grün)
– und letztlich bleiben wir nun doch zuhause.]

Gerade bin ich vom letzten Schwimmausflug des Jahres zurückgekehrt. Der Schwimmsport ist ja, so übers Jahr oder die Jahrzehnte betrachtet, ein Abbild des Lebens im Allgemeinen wie im Besonderen. Manchmal ein friedliches, genussvolles Dahingleiten, mal ein ambitioniertes, beständiges Vorankommen, mal ein energisches, verzweifeltes Herumrudern. Mal liegt man entspannt auf dem Rücken und guckt in den weißblauen Bayernhimmel, mal zieht man an allen anderen ohne jede Anstrengung vorbei, mal haut einem der Nebenmann seine Flossen in die Fresse, dass einem der Atem stockt und entschuldigt sich nicht mal. Schwimmen ist wie das Leben, nur chlorreicher. Bemerkenswert ist übrigens, dass sich bei den diversen Varianten die Zeiten pro Kilometer kaum unterscheiden – auch hier ist eine gewisse Analogie zum Leben außerhalb des Wassers feststellbar: wie oft könnt‘ man sich das ganze Gezappel sparen, weil schlussendlich eh vieles aufs Gleiche hinausläuft.

Im Becken war es heute erwartungsgemäß voll:  All diejenigen, die noch die persönliche Sportbilanz frisieren, sich die Weihnachtspfunde wegschwimmen oder den Frust über den binnen 24 Stunden komplett weggeschmolzenen Winterzauber rauskloppen wollen. Oder die, die sich vor der Silvesterparty nochmal was Gutes tun möchten sowie die, die eh immer sonntags zum Schwimmen gehen – plus ein Schwung Väter, von daheim rausgeworfen mit den Worten „Jetzt mach du halt auch mal was mit den Kindern!“. Urlaubszeit, Schulferien, Sonne und milde 13 Grad locken an einem Silvestersonntag leider viel zu viele ins Schwimmbad.

Dennoch war heute unterm Strich noch der bessere Schwimm-Tag als Neujahr, wenn das Becken überquillt vor lauter guten Vorsätzen, die dann erfahrungsgemäß bis Anfang Februar die Bahnen nicht nur zu den beliebten Zeiten sehr unangenehm verstopfen.

Der Gatte bespaßt gerade da draußen in den ruhigen Wäldern das Dackelfräulein, bevor wir am Spätnachmittag dann die Schotten dichtmachen, damit Pippa die Hundehorrornacht des Jahres einigermaßen gut übersteht.
Wir wagen uns erst wieder nach draußen, wenn der ganze Krach vorüber, die letzte Rakete erloschen und das sinnlose Blei vergossen ist.

Diese Ruhe vor dem Sturm möchte ich nutzen, um auch den Kraulquappen-Blog noch in den Reigen der Jahresrückblicke einzureihen.

Erst dachte ich an eine Rückschau in 12 Kapiteln, was ich wieder verwarf, als ich feststellte, dass sich 7 der 12 Kapitel zu sehr ähneln würden in Tat, Wort und Bild. Eine tabellarische Darstellung wäre auch fein gewesen, aber zugleich albern, da die drei vorzeigbaren Kennzahlen fix zu dokumentieren sind: 85-33-58 (und das sind nicht etwa meine Maße, sondern die Zahlen für Schwimmen-Bergtouren-Läufe).
Und auf anderes bezogen tracke ich mein Self oder die von ihm erreichten Ergebnisse/Nicht-Ergebnisse lieber gar nicht erst (wobei: die Gassigänge und die Weißbieranzahl könnten sich auch noch sehen lassen, wenn ich sie denn nicht nur genossen, sondern auch gezählt hätte).

Ebensowenig dürstet es mich nach einem Abgleich der vor genau einem Jahr gefassten Pläne mit der nun hinter ihnen liegenden Realität eines ganzen langen Jahres – das Fazit wär‘ wenig erbaulich. Mehr und mehr komme ich davon ab, überhaupt vorauszuplanen und hinterherzubilanzieren, weil sich das für den tatsächlichen Verlauf des Lebensweges als zu wenig hilfreich erwiesen hat.

Wider die überzogenen, unnützen Erwartungen. (Aus: „Der große Polt: Ein Konversationslexikon.“)

Stattdessen habe ich mich für eine bebilderte Retrospektive entschieden, mit der ich die schönen Augenblicke/Erlebnisse/Begegnungen/Entwicklungen/Impulse aus dem vergangenen Jahr Revue passieren lassen und denjenigen widmen möchte, die daran beteiligt waren.
Die Reihenfolge der Fotos sagt – von den ersten dreien mal abgesehen – nichts über ihren jeweiligen Stellenwert in meinem Leben/Herzen/Jahr aus, bestenfalls ist sie chronologisch, ansonsten aber rein zufällig.

Jubiläum am Tegernsee – mit dem Lieblingsmenschen und allem, was man(n) sonst noch so brauchen kann für eine kurze Auszeit.

Im Zugspitzland unterwegs – mit dem zweitwichtigsten Menschen in meinem Leben.

Zur beruflichen Fotosession auf den Wallberg – mit dem Papa, der Pippa & dem alten Cabrio.

Sommergenuss am Eibsee – mit S., seiner tollen lila Picknickdecke und Zugspitzblick.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – wunderbares Geburtstags-Kunstwerk von H., der Paderborner Postkartenübermalerin.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – sonniges Saisonende mit D. im Karwendegebirge auf dem Weg zur Brunnsteinhütte.

Im Starnberger See – mit den langstrecken-bewährten Kraulquappenflossen auf den Spuren des Kinis.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – wahlweise Karwendel- oder Wettersteinblick mit W. auf dem Krottenkopf, dem höchsten Gipfel im Voralpenland.

Mein zweitliebster Flügelflitzer (nach dem Dackelfräulein) – mit herzlichem Dank an den Lieblingsnachbarn für die (freudig verwackelte) Live-Aufnahme.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – mit Andrea für einen Brockenblick auf die winterlichen Rabenklippen im Harz.

Mit herzlichem Dank an Dr. T. für das Jahresabschlussgespräch über eingebildete Nadelöhre und geglückte Brückenschläge zwischen damals und heute.

Ich danke Euch allen für diese Augenblicke & Erlebnisse!

Diesen letzten Tag des Jahres 2017 möchte ich außerdem zum Anlass nehmen, um mich bei allen Leserinnen & Lesern, allen Freunden & Followern meines Blogs (und natürlich auch bei den vielen treuen Fans des Dackelfräuleins!) herzlich zu bedanken für die rege Anteilnahme, die wohlwollende Unterstützung, die vielen Kommentare und nicht zuletzt auch die wunderbaren Kontakte, die auf diesem Weg entstanden sind!

Danke dafür & kommt alle gut rüber ins neue Jahr!
Eure Kraulquappe.

PS: …and this one’s for you, Sori, pleased to meet you!