Geburtsdog.

Zur Spätnachmittagsstund‘ in Gmund: Das Fräulein erfreut sich am Hundestrand, ich mich am menschenleeren Nachsaison-See.

Nun weiter zum Papa, wieder einer dieser Wer-weiß-wie-viele-noch-Geburtstage.

Ein Geburtsdogstänzchen für den Opi (und eine Gedenkminute für P., der uns seinerzeit Hauptmanns „Und Pippa tanzt“ schenkte, zum Einzug des Dackelfräuleins).

„That was it, I was in at the deep end where I still swim to this day.“

(Wir sind immer noch dort drüben unterwegs, aber dieser Beitrag muss unbedingt auch hier erscheinen, weil sonst was Wichtiges fehlen würden.)

Who’s the Boss?!?

23. September 2019.

Bereits Springsteens letzten runden Geburtstag verbrachte ich in Niedersachsen, damals auf der A7, unterwegs Richtung Heimat, nach einem Rügen-Urlaub, der NDR dudelte die großen Hits rauf und runter, es war eine herrliche Heimreise.
Zehn Jahre später verbringe ich ihn nun im Weltvogelpark Walsrode.

Deshalb bleibt am heutigen Morgen auch keine Zeit für lange Retrospektiven zu meiner lifelong relationship mit Bruce.
Mittags auch nicht, denn nach drei Stunden im Vogelpark steht das große Gassi mit dem Fräulein auf dem Programm, und danach geht’s nochmal in den Vogelpark. Abends werde ich nach all dem Gezwitscher wohl zu platt sein. Vielleicht werde ich im Hotelbett liegend noch den einen oder anderen Artikel lesen, der heute anlässlich dieses 70. Geburtstags erscheinen wird, und mit Sicherheit werden einige erscheinen.

„(…) now there’s wrinkles around my baby’s eyes“ (Quelle des Fotos leider unbekannt, ich erhielt es von einem anderen Fan per Mail.)

Mal sehen, ob es dann am Abend noch irgendeinem dieser Artikel gelingen wird, mich ähnlich zu berühren wie dieser hier, den ich bereits vor drei Tagen an der Nordsee las.

Mir ging es nahezu genauso wie dem Verfasser dieser kleinen, sehr privaten Laudatio, als ich am 10. Mai 2003 im Ludwigshafener Südweststadion zum ersten Mal „Racing in the street“ live hörte.
Und obgleich ich damals bereits über 17 Fan-Jahre hinter mir hatte, war ich wie vom Donner gerührt, als dieses 10-minütige Monument ertönte (dabei habe ich keinerlei Faible für Autos und Straßen und so Kram) und ich stand da neben M. und seinem Sohn und wir wagten es kaum, einander anzusehen, weil jeder von uns in diesen zehn Minuten mit den Tränen zu kämpfen hatte (den Song finden Sie ebenfalls in dem verlinkten Artikel).

Es war eines dieser musikalischen Erlebnisse, die sich einem für immer und ewig einbrennen und in dem ich fühlte, was der Autor des Artikels in einen einzigen Satz gegossen hat: „That was it, I was in at the deep end where I still swim to this day.“

Amen.
Mehr kann und muss ich dazu heute nicht sagen.

(Wobei es mir schon gut gefallen hätte, genau zum heutigen Tag Freundin H. ihre Frage zu beantworten, die sie mir vor anderthalb Wochen nachts recht unvermittelt per Whatsapp nach Stockholm schickte, und aus der – nach all den Jahrzehten, die man Bruce und einander nun kennt – fast eine gewisse Dringlichkeit sprach: „Welche sind eigentlich deine Lieblingslieder, falls es die gibt bzw. sich das nach der langen Zeit überhaupt so einfach sagen lässt…?“ – Ja, liebe H., das lässt sich sagen, nur nicht heute, denn der Schuhschnabel ruft!)

Happy birthday, Bruce.
Thank you for giving my life such a soundtrack & see you next summer!

High (with a little help from my friends).

Dankedankedanke.

Für den schönen Tag, die tollen Überraschungen und all eure Gedanken, Worte, Taten, Freundschaft und Liebe!

(Einzelwürdigung folgt natürlich, aber nicht hier.)

Time goes by so slowly (and time can do so much). Zum 13. Mai 2019.

Liebe B.,

am gestrigen Regentag habe ich mich halb totgesucht in den Lyrics des großen Meisters (der dieses Jahr ja auch einen runden Geburtstag feiert), aber nur 2x „clay“ (gänzlich unpassender Kontext) und kein einziges Mal „pottery“ gefunden.

Dafür hab‘ ich was anderes für Dich entdeckt. Ein – wie ich finde – ausgesprochen schönes Töpfervideo. Gerade für mich als Laien auf dem Gebiet gewährt es doch gleich einen recht tiefen Einblick in dieses wundervolle Handwerk. Himmel, ist das aufregend! Und den Song, mit dem die spannenden Minuten an der Drehscheibe unterlegt wurden, den mochte ich auch immer.

Ich schenk es Dir, liebe 13er-Kollegin, also zu Deinem heutigen Ehrentag (obwohl ich nicht weiß, wie Du zu Patrick Swayze stehst – mein Typ war das ja nicht so, wobei in dem Video geht’s sogar einigermaßen) und wünsch‘ Dir weiterhin viel Freude bei der Ausübung und dem Ausbau Deines Herzenshobbies, viele genussreiche Momente an der Drehscheibe und beim Modellieren…

… und natürlich alles Liebe und Gute zu Deinem heutigen Geburtstag!

Ich stoß‘ dann später auf Dich an, zu dieser Stunde muss das Klopfen des Löffels an das Heidelbeermüslischälchen und der erhobene Kaffeepott reichen. Prosit!

Herzlichen Glückwunsch aus München,
Deine Natascha

Wochenende (poop-bag-free).

*****

Auf dem Weg zur U-Bahn greife ich in meine linke Jackentasche, um mich zu vergewissern, dass ich das Zugticket auch wirklich eingesteckt habe. Ich spüre die zusammengefaltete Fahrkarte und bin beruhigt. Und ich spüre ebenfalls: ein Gefühl von Freiheit. Nicht etwa wegen der bevorstehenden Bahnfahrt oder der kleinen Reise an sich, sondern wegen des Fehlens der Hundekotbeutel und den 5-10 Hundekeksen in eben jener linken Jackentasche.

*****

Als ich mich daheim vom Gatten und dem Dackelfräulein verabschiede und in meine Jacke schlüpfe, denke ich: Das gönnst du dir jetzt mal – aus dem Haus gehen ohne irgendeinen dieser Hundehalterappendizes. Ohne Leckerlis und ohne diese grünen, ökologisch abbaubaren poop-bags in der Jacke. Ohne Bällchen, Pfotenhandtuch und Leine im Rucksack. 30 Stunden ohne all das.

Glauben Sie’s mir: Wenn man das fast acht Monate lang nicht mehr hatte, dann hat das was.

Zugleich eine heimliche Vorfreude darauf, dass dort, wo man hinfährt, auch ein Hund sein wird. Sogar einer, der einen Plüschdackel als Lieblingsspielzeug hat. Also schnell noch ein Würstchen aus der Vorratskammer geholt und ins Reisegepäck gesteckt.

*****

„Wir erreichen nun die Frankenmetropole Nürnberg“, verkündet die das „r“ so fränggisch rollende Lautsprecherstimme.

Ich unterbreche meine Lektüre, schaue aus dem Zugfenster und mein Blick fällt als Erstes auf das InterCity Hotel, das hinter dem Bahnhof liegt und das vor langer Zeit mal Treffpunkt war für ein Umsteigen vom Auto des ersten Ehegatten (ein Franke, ich war noch sehr jung und flexibel damals!) ins Auto vom Papa.

Wir kamen aus Würzburg, der Papa war auf Dienstreise in Nürnberg. Der Erstehemann in spe fuhr dann weiter nach Erlangen zu seinen Eltern und ich mit dem Papa nach München. Es war die recht spät stattfindende Erstbegegnung zwischen Martin und meinem Vater, der damals – nachhaltig traumatisiert von einem Wochenende mit K., dem nach Kümmelduschgel riechenden Medizinstudenten aus Wien, den ich als die große Liebe präsentiert und gleich für mehrere Tage nach München eingeladen hatte – strikt verfügt hatte, den „nächsten Aspiranten“ erst dann kennenlernen zu wollen, „wenn der sich mal mindestens ein Quartal gehalten und bewährt“ hätte. Das war mit Martin der Fall, denn nach 4 Monaten hatten wir schon eine gemeinsame Wohnung mit Weinbergblick oberhalb von Würzburg bezogen und sogar tagelang zusammen eine Schrankwand aufgebaut.

Wir hielten auf dem Parkplatz des InterCity Hotels Nürnberg, der Papa stand dort bereits neben seinem Auto und erwartete uns. Mit einem fröhlichen „Grüß dich, Michael!“ streckte er dem Franken seine Hand entgegen. Ich war amüsiert und korrigierte ihn, der künftige Erstehemann tat so als würde er lächeln, der Papa lächelte ebenfalls, aber authentisch, klopfte M. auf die Schulter und meinte, immerhin habe ja der Anfangsbuchstabe gestimmt.

Der Franke rächte sich später damit, dass er seinen Schwiegervater nie Lurchi nannte, wie der Papa aber von allen genannt wird, mit denen er etwas privater oder familiärer zu tun hat. Er sprach ihn bis zu unserer Scheidung mit dem Vornamen an, der in seinem Ausweis steht und auf den er in etwa so gut hört wie das Dackelfräulein auf „Pfui!“ oder „Aus!“.

*****

Wenig später dümpelt der ICE an dem Würzburger Vorort vorbei, in dem einst die beiden Erstsittiche mit bester Aussicht auf den Main zur letzten Ruhe gebettet wurden und ich mir bei einem Sturz von der Schwalbe den Knöchel blutig schürfte, weil ich mit der rechten Hand noch unverändert am Gasdrehgriff hing und das Vehikel mich deshalb in munteren Kreisen über den Asphalt schleifte.

Was für eine braungraue Trostlosigkeit und architektonische Ödnis diesen fränkischen Käffern doch anhaftet.

Am Würzburger Bahnhof bleibt der Zug länger als geplant stehen, um auf Reisende aus einem anderen ICE zu warten.

Rechterhand vom Bahnhof in den Hügeln das Schloss Steinburg, dahinter ein paar Tannen, und ein Stück hinter dem kleinen Wäldchen vielleicht immer noch der Bungalow von Dr. Almuth S., meinem Erstversuch, die Sache mit der Mutter mal aufzuarbeiten.

Sehr beige und cremefarben war das dort, alles in dem Haus mehr Flokati als Psychiater, und ich dann auch schnell wieder weg, als mir diese makeupzugekleisterte Trulla in edler Kamelhaarjoppe in der zweiten Sitzung einreden wollte, dass ich womöglich auch ein Vater-Thema hätte und vorschlug, die vereinbarte Stundenzahl von 20 auf 50 zu erhöhen. Ein Jahr unsinniges Psychogestochere in diesem cremefarbenen Alptraum? Nein danke!

Habe dann den Job im Weinkeller angenommen, dort begonnen, rote Gauloises zu rauchen, erstmals den Kontakt zur Mutter ganz abgebrochen und schließlich noch das Studienfach gewechselt.

*****

Auch so eine späte Erkenntnis: dass man ja auch all das, was man gar nicht zu Ende studiert hat, im Lebenslauf unter „Studium der xy“ auflisten kann (und wohl sogar darf), so liest sich das ja gleich viel besser-länger-klüger.

Hab ich erst letztes Jahr geschnallt, dass andere das so machen und so eine erkleckliche Geistes-Vita zu Papier bringen und damit sogar auf dem Markt auftreten.

Ein echter Wettbewerbsnachteil, dass ich da immer bloß eine bescheidene Zeile stehen hatte, weil ich nur die für relevant hielt. Mittlerweile zwar auch schon wurscht, aber sollte ich je wieder einen CV zusammenbasteln müssen, stünden an der Stelle nun mindestens sieben Zeilen und dem potenziellen Arbeitgeber hoffentlich vor Staunen ob meiner breit gefächerten Interessen und umfassenden Bildungseifers der Mund offen.

*****

Bevor ich mich nun noch an den nächsten Haltestellen der Erinnerung – Fulda und Kassel – abarbeite, was diesen sonnigen Samstag unnötig mit wirklichem Seelenschmutz überzöge (v.a. die Erinnerung an drei Tage Fulda im Dezember 2013), greife ich nochmal in die kacktütenfreie linke Jackentasche, fummle ein paar Münzen heraus, hole mir im Bordbistro einen Kaffee to go & to verschütt in the shaky train, höre ein bisserl Musik und stimme mich mal auf die große Geburtstagssause ein, die in gut zwei Stunden im Park von Schloss Richmond beginnt.

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Auch Ihnen ein schönes Wochenende, mit guten Gedanken und ebensolcher Gesellschaft & herzliche Grüße an meine beiden Lieben daheim!

But I’m absolutely sane.

Eine größere Sache heute zuende gebracht, danach gleich die nächste angepackt.
Immer noch bleierne Müdigkeit, beinahe ganztags. Und dieser Ausschlag. Und häufiges Frösteln und so manches mehr. Zugleich ab und zu das Gefühl, das Medikament schlüge an und es ginge aufwärts.

Am späten Vormittag bereits Kuchen gebacken, D. hat sich den gewünscht, für morgen, für ihre große, runde Feier. Das Kuchenbacken doch noch nicht verlernt, schön. Sollte man wieder öfter machen, allein der Duft in der ganzen Wohnung ist ja ein Genuss!
Nebenher die Liste der mitzunehmenden Dinge für meinen großen Freund S. erstellt, der morgen die Ehre hat, für einige Stunden das Dackelfräulein zu hüten, nachdem ich Ds Feier beiwohnen werde und der Gatte in Frankfurt ein Wochenendseminar hält, so dass ein gutes Plätzchen gesucht werden musste.

Mittags Kopf, Körper und Hund ausgiebig an der Isar bei Schäftlarn ausgelüftet, um mal wieder von sauberem Weiß umgeben zu sein statt von schmutzigen Altschneeresten in der Großstadt.
Anschließend kommt die Braunschweiger Freundin kurz zu Besuch, seit Mai nicht mehr gesehen und dennoch war’s als wär‘ man gestern erst auseinandergegangen. Nachdem wir uns die Gesichter mit Krapfenmarmelade und -puderzucker verschmiert haben, fahre ich sie nach Schwabing, wo sie auf einen Geburtstag eingeladen ist.
Das hatten wir noch nie, dass wir zum Abschied sagen konnten: „Bis in drei Wochen!“ – dann reise ich zu ihrer Geburtstagsfeier. Auch ein runder Geburtstag. Ich mag Geburtstage ja, den meinen ebenso wie die der anderen.

Von Schwabing aus fahre ich weiter zum Lieblingsbad, fast eine Woche nicht mehr dort gewesen – ein Unding! – und heut‘ Abend versuch‘ ich’s einfach, trotz der null Grad da draußen (es ist ja ein Winter-Freibad, schön beheizt zwar, dennoch muss man 42 Schritte vom Gebäude durch die Eiseskälte bis zum Beckenrand laufen und der erste halbe Meter unter der Wasseroberfläche hat auch nicht gerade Badewannentemperatur), trotz der Müdigkeit und allem.
In der Bahn sind außer mir nur zwei roboterartige Kampfkrauler, man kommt einander also nicht in die Quere und es geht insgesamt erstaunlich gut.

Auf dem Heimweg mache ich etwas, das ich in meinem ganzen Leben noch nicht gemacht habe: ich fahre bei einer Tankstelle raus, um Bier zu kaufen.
Gruselige Assoziationen kommen da hoch: an den, der immer abends zur Tanke ging, um Bier zu kaufen. Und zwar jeden Abend. Und auch nicht nur eine Flasche.
Mit 46 fahre ich also erstmals nur zum Bierkauf an eine Tankstelle. Grund: Der blöde REWE hat seit über einer Woche die für mich einzig wahre Weißbiersorte nicht mehr im Regal stehen, angeblich Lieferschwierigkeiten.

Als ich mit dem Bier in der Hand zum Auto zurückgehe, fühle ich mich unwohl, muss an den Papa denken, der mich in meiner kurzen Phase als Raucherin immer ermahnte, bloß nicht draußen auf der Straße und schon gar nicht beim Herumlaufen zu rauchen, weil das Frauen nicht zu Gesichte stünde. Obwohl ich diese Regel schon damals für äußerst fragwürdig hielt, frage ich mich plötzlich, ob sie nicht für das offene Herumtragen einer Bierflasche ebenso gelten könne und fühle mich noch unwohler.
Ein Geschäftsmann im Lodenmantel steigt aus seinem blankpolierten BMW, unsere Blicke kreuzen sich für einen Moment. Eine Frau allein, am späteren Freitagabend, mit dreckigem Auto, in abgewetzter Jeans, uralten Bergstiefeln, mit nassen Haaren, die unter der Fleecemütze rausschauen (er wird sie wohl für strähnige, ungewaschene Haare halten, nicht für schwimmbadnasse) – wie sieht das aus? Ich bin froh, als ich wieder im Auto sitze und ärgere mich, dass es mich auf einmal beschäftigt, was irgendwer sich über mich denken könnte.

Lasse den Motor an, fädle mich wieder auf die Allee ein, hinter einen Porsche 911, der fast denelben Farbton hat wie der von Saga Norén, der mich aber nicht deswegen, sondern wegen seines Kennzeichens zusammenzucken lässt: M-HK 2108. Genau damit fuhr die Mutter einst herum, im orangefarbenen VW Käfer (der mit den netten, feinrändrigen Augen, nicht der mit den Glotzaugen). Ja gibt’s das?!
M-HK 2108 lebt also noch (und in mir denkt es: „maybe everything that dies someday comes back“, einer dieser Fetzen aus dem Lebenssoundtrack) und dabei ist sie jetzt bald drei Jahre unter der Erde.

Um nicht länger als nötig an den orangefarbenen Käfer und die Geschichten, die sich in ihm und um ihn rankten, zu denken, stelle ich das Radio an, den Sender, von dem man jahrzehntelang dachte, man würde ihn niemals hören (so wie man auch never ever an der Tankstelle Bier kaufen würde).
Ich lande mitten in der ersten Strophe eines Bowie-Songs: „(…) but I’m abolutely sane“.
Absolute beginners.
Sehe A. und mich im gleichnamigen Film sitzen (über 30 Jahre her), von dem ich nichts erinnere außer Bowie, der Zebrafrau und eben diesem Song. Am Tag danach sofort die Single gekauft. Im Jugendzimmer auf dem Boden sitzend, ans Klavier gelehnt, mit Blick auf das damals gerade neu erstandene Tunnel-of-love-Poster die Scheibe in Endlosschleife gehört.
Der größte Segen meines vom Zeitungsaustragesalär gekauften Plattenspielers war seine Repeat-Taste.

Ge_danke_n 2018 (10).

Zum Jahresende sortiere ich grundsätzlich meine Fotos. Lege Ordner an, Unterordner gar, alles wird durchgesehen, ausgemistet, betitelt und schließlich chronologisch abgelegt. Sonst findet man nämlich in Kürze nichts mehr wieder.
Und außerdem hat das Betrachten und Aufräumen des gesamten Fotobestands eines zu Ende gehenden Jahres stets auch den einen oder anderen kathartischen Effekt.

So zum Beispiel diesmal die Erkenntnis, dass Selfies zu 99% scheiße aussehen, weil man darauf einen Eierkopf hat, ziemlich blöd in die falsche Ecke guckt und mindestens ein Oberarm muckimäßiger daherkommt als er ist. Die Steigerung von Solo-Selfies sind Duo-Selfies, da stimmen dann auch die Größenverhältnisse nicht und immer verzieht es einem von beiden das Grinsen, weil man halt 5 bis 8 Anläufe braucht, bis überhaupt mal beide auf dem Bild drauf sind und man eine einigermaßen passable Position nebeneinander gefunden hat.
Im Jahr 2018 sind 9 unsägliche Selfies entstanden, nur eines davon kann bzw. soll (in milder Sepia-Nachbearbeitung, um den Sonnenbrand zu vertuschen, ansonsten aber ohne weitere Beschönigungen) im Rahmen der heutigen Danksagung veröffentlicht werden.

Straßburg im August, T. und ich am Ende eines langen Sommertages, verschwitzt und vernebelt von den Geruchsschwaden, die der Elsässer Flammkuchen (der mit dem Munsterkäse) durch die ganze Stadt trieb. Abgesehen davon war’s toll dort: ich durfte mir alles aussuchen, das Programm ganz nach meinem Geschmack gestalten und hatte in T. einen Begleiter und Sponsor, der nie murrte oder moserte und bis auf das Absolvieren von 1.500m im örtlichen Freibad für all meine Ideen zu begeistern war.

Ich erinnere mich sehr gern an diese 3 Tage im Sommer 2018 – geburtstagsgeschenktechnisch war das wirklich ein Volltreffer!

Danke, lieber T. alias Bobby Jean – und falls Du Dich finanziell je von dem französischen Strafzettel erholen solltest: einem weiteren Trip wäre ich nicht abgeneigt und selbstverständlich organisiere ich auch wieder das Sightseeing- und Sport-Programm!

À bientôt & merci pour tout!

Ge_danke_n 2018 (9).

„Dass mir der Hund das Liebste sei,
sagst du, o Mensch, sei Sünde?
Der Hund blieb mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde.“

Den heutigen Ge_danke_n wollte ich – garniert mit diesem Spruch vom Assisi Franze – meiner über alles geliebten Pippa zu ihrem 7. Geburtstag zueignen. Weil diese Sentenz absolut den Tatsachen entspricht. Eigentlich.

Denn ausgerechnet heute ist mir das Fräulein quasi untreu. Gestern auch schon. Und morgen vermutlich auch noch.

Man muss es so hart sagen: Madame Hot Dog würde uns gerade gegen jeden dahergelaufenen Rüden eintauschen ohne mit dem Barthaar zu zucken. Wirklich gegen jeden! Alter, Aussehen, Abstammung, Ausbildung – alles wurscht. Hauptsache Rüde. Zur Not auch kastriert. Oder Chihuahua.

Das ist hormonell gesehen zwar nachvollziehbar, aber menschlich betrachtet dennoch etwas enttäuschend. Was ich ihr auch gesagt habe. Schließlich würde ich sie umgekehrt für keinen Mann der Welt drei ganze Tage lang links liegen lassen außer vielleicht für Peter Quinn, Bruce Springsteen, Arjen Robben, Kiefer Sutherland,… .

Nun gut. Übermorgen wird das Zitat wieder zutreffen. Und ein bisserl leid tut sie mir ja auch, weil wir ihr nicht gestatten, ihrer Natur zu folgen und sie dann einfach unterstützen, wenn in 9 Wochen ein paar maulwurfswinzige Welpen durch unseren Flur wuseln würden.

Mein Dank gilt also den anderen 362 Tagen voller Liebe, Treue, Abenteuer, Freude, Aufmerksamkeit und Aufrichtigkeit, auch das ist ja mehr als genug. Kriegt kein Mann Mensch hin.

Alles Gute zu Deinem Geburtstag, Du kleines Luder, Du mutiger, fröhlicher und kluger Hund, Du beste Gefährtin in allen Lebenslagen – meine ganz große Hundeliebe bist Du.

Hand in Pfote und Seite an Seite werden wir hoffentlich noch mindestens weitere 7 Jahre zusammen durch die Welt und das Leben wandern!

Be the person your dog thinks you are!

Sky of memory and shadow (a dream of life). Zum 21. November 2018.

Lieber P.T.,

es ist an der Zeit, Ihnen mal ganz explizit zu danken.
Und Ihr Geburstag ist ein sehr guter Anlass dafür.

Ohne Ihren beharrlichen Zuspruch und Ihre Unterstützung hätte ich es vor vier Jahren mit Sicherheit nicht so (vergleichsweise und für meine Verhältnisse) schnell geschafft, mich aus meiner beruflichen Sackgasse zu befreien und den Horror vor all den damit verbundenen „Amtswegen“ zu überwinden (und erst recht den, anschließend ins Bodenlose zu fallen).
All meine Schreckensvisionen haben Sie sich angehört, nachgefragt, seziert und behutsam darauf hingewirkt, sie zu eliminieren oder sie zumindest auf ein realistisches, rationales Maß zurechtzustutzen. Heute muss ich über so manches schmunzeln, was ich damals für unmöglich oder nicht umsetzbar hielt (und feststellen: sogar noch viel mehr als DAS war machbar und die Welt ist selbst dann nicht untergegangen, sogar die in dem Kontext innerlich ausgemalten Kleinkatastrophen blieben aus – das Schicksal ist wirklich in vielerlei Hinsicht ein mieser Verräter).

Ohne Ihren klugen und empathischen Beistand hätte ich mich noch weitere Jahre mit dem Fehlen einer Antwort auf diese eine zentrale Frage (die Mutter betreffend, Sie wissen schon) herumgequält, die mich vor 13 Jahren erstmals in Ihre Praxis führte. Mittlerweile liegen Frage und Antwort ungeahnt friedvoll nebeneinander in einem Ruheforst und die Qualen sind weitgehend über- und ausgestanden.

Ach ja, und dann noch diese andere Riesensache aus der Rubrik „Endlosschleife der Verhaltensmuster aus der Kindheit“. Ohne Ihr geduldiges Zuhören und Ihr kritisches Nachfragen hätte ich mich vermutlich noch ein weiteres Jahr in dem absurden Rettungsprogramm dieser recht hoffnungslosen Knalltüte Person (der U., Sie erinnern sich) sinnlos aufgearbeitet. Und den Absprung erst viel später geschafft und dann womöglich den Gatten nicht mehr getroffen, endlich einen Menschen, der nicht gerettet werden musste und nicht im düsteren Kerker seines nicht gelebten Lebens und seiner Ideenlosigkeit vor sich hin trank und jammerte.

All die Jahre war ich Ihnen übrigens auch immer wieder dankbar dafür, wenn ich heulend dasitzen durfte ohne dass Sie dann je in einen betulichen Trostmodus verfallen wären – ich schätzte es immer sehr, dass Sie meine Tränen mit genau dem richtigen Gesichtsausdruck ausgehalten und angenommen haben (und einfach ein Taschentuch herüberreichten).

Nicht zu vergessen: Ihr Hinweis auf einen definitiv lebenswichtigen Film für Hunde- und Dackelliebhaber. Auch dafür herzlichen Dank. Denn seit wir Pippa haben, kriegen wir das Kinoprogramm meist nicht mal mehr mit, sondern sind zu Serienjunkies auf der heimischen Couch avanciert, weil da der Hund mit dabeisein kann.

Zu guter Letzt sei erwähnt, dass ohne Ihre Impulse diese Zeilen heute wohl nicht hier stünden, denn Sie waren es, der mir den Widerwillen (und die Vorurteile) gegen das Bloggen nahm und mich vor meiner großen Schwedenreise 2014 zum Schreiben animierte.
Wer weiß, ob ich ohne diesen Anfang später je versucht hätte, meine Texte auch anderswo unterzubringen und das eines Tages sogar gegen Bezahlung…

Und wissen Sie was? Wenn alles gutgeht, dann fahre ich nächstes Jahr erneut über die geliebte Öresundbrücke, wo Sie zwar leider wieder nicht als Kassierer sitzen und mir ein fröhliches „Hej hej“ und „Trevlig resa“ zurufen werden, aber ich würde diesmal die Brückenmaut auch nicht mehr selbst bezahlen müssen, weil mir die gesamte Fahrt gesponsert würde, bis nach Gotland!
Sollte das wirklich klappen, fotografiere ich Ihnen alle schwarzen Schafe, die ich auf der Insel treffe und bring‘ Ihrem Hund eine Decke aus Gotlandwolle mit – versprochen!

Als Zeichen meines Danks für alles, das Sie für mich getan haben bzw. mich konsequent anstupsten und ermutigten, es selbst für mich tun zu können, gebührt auch Ihnen ein Song vom Boss (Sie ahnten es natürlich, dass das kommen würde 🙂 ).

Es ist keiner meiner favorites, dafür sind über weite Strecken die lyrics wirklich sehr passend für das, was ich damals empfand und das, was über die Jahre daraus erwuchs: The rising (somehow).

Can’t see nothin‘ in front of me
Can’t see nothin‘ coming up behind
Make my way through this darkness
I can’t feel nothing but this chain that binds me
Lost track of how far I’ve gone
How far I’ve gone, how high I’ve climbed
On my back’s a sixty pound stone
On my shoulder a half mile of line

A dream of life comes to me
Like a catfish dancin‘ on the end of my line
Sky of blackness and sorrow (a dream of life)
Sky of love, sky of tears (a dream of life)
Sky of glory and sadness (a dream of life)
Sky of mercy, sky of fear (a dream of life)
Sky of memory and shadow (a dream of life)
Your burnin‘ wind fills my arms tonight
Sky of longing and emptiness (a dream of life)
Sky of fullness, sky of blessed life
Come on up for the rising!

 

Wir sehen uns dann demnächst beim üblichen „Jahresabschlussgespräch über die aktuellen Lebensbaustellen“. Das Fundament nun ein so anderes als vor 5 Jahren, das Grundgefühl ein so viel stabileres und die Aussichten bei Weitem nicht mehr so trüb wie damals, im Gegenteil. Nur hätte ich nicht gedacht, wie lange das dauern würde, dieses Sich-Rausschälen aus dem, was nicht mehr passte und vielleicht eigentlich nie passte, was krank machte, einen blockierte und abhielt oder ablenkte.

Auch da hatten Sie recht: es ist ein langer Weg.
Drehe ich mich um, kann ich all den zähen Morast, die tiefen Furchen, die üblen Stolpersteine noch sehen. Schaue ich nach unten, fühle ich jetzt festen Boden unter meinen Füßen. Und richte ich den Blick nach vorn, sehe ich zwar noch keinen klar umrissenen Weg, aber doch schon viel mehr als nur eine Andeutung desselben – und vor allem sehe ich dieses Leuchten am Horizont.

Bis bald & zum heutigen Tag die allerbesten Glückwünsche für Sie –

Ihre N.H. alias Kraulquappe.

And the singer was singin‘ something about going home. Zum 11. November 2018.

Lieber T.,

den Abend vor deinem Geburtstag habe ich damit verbracht, drei deiner Lieblingssongs von unserem Lieblingssänger in allen möglichen Versionen (live, solo acoustic, full band, studio – und das durch vier Jahrzehnte bzw. was YouTube halt so hergibt) durchzuhören und mir zum Ziel gesetzt, bis Mitternacht eine Entscheidung zu fällen…

Hier ist sie: Es wurde dieser Song, in eben jener Version.

Schön, dass sie in Stockholm aufgenommen wurde, denn ich liebe Stockholm, aber ich liebe auch diesen speziellen Bruce-Gesichtsausdruck, so gar nicht sein Shalalala-Face von Sherry darling oder Jole Blon und auch nicht diese Waitin‘ on a sunny day-Miene, die uns ja beiden auf den Keks geht. Eher ein November-Bruce-Gesicht also.

Den Text brauch‘ ich dir nicht hier reinpinseln, den kennst du natürlich auswendig, rauf und runter, vor und zurück.
Viel drin jedenfalls, das passt oder passen könnte (da hast du’s mit Incident als einem deiner favorites besser erwischt als ich mit Racing, dachte ich vorhin).

Für dein neues Lebensjahr wünsch‘ ich dir alles Liebe und Gute, weiterhin viele gute und kreative Ideen, beste Spieler auf dem Platz und allerbeste Mitspieler im Leben, allzeit die richtigen Fragen und Antworten (wozu noch Einiges zu sagen wäre: vielleicht demnächst an dieser Stelle!) und immer genug Windbeutel im Gefrierfach.
Und solltest du für deinen nächsten Geburtstag, der ja ein runder sein wird, noch nach einer Begleitung für einen Trip nach New Jersey (oder wo auch immer ER dann rumtingeln wird) suchen, scheu‘ dich bitte nicht, bei mir anzufragen – die Tage in Straßburg haben wir ja bis auf die Parkuhrensache sehr gut hinbekommen (und diese Parkprobleme wären wir ja eh los, wenn wir über den großen Teich flögen) 🙂

Herzlichen Glückwunsch & hab‘ einen wunderbaren Tag heute!
Deine Natascha