Tutto bene?! Der Tourbericht vom 13. Juli 2020.

Lesen Sie heute: „Der To(rt)ur zweiter Teil.“

Wo waren wir doch gleich stehen- bzw. liegengeblieben? Genau! Unter dem Sternenhimmel über der Benediktenwand und der zapfigen Nacht vom 12. auf den 13. Juli zu sechst im Hundezimmer.

Das neue Lebensjahr begann zwar zunächst beidseitig beheizt – links Dackel, rechts Doodle – aber dennoch todmüde. Ein Nachtschlaf von nur drei Stunden sind in meinem Alter das, was vor 20 Jahren drei durchfeierte Nächte am Stück waren. Um kurz vor 7 Uhr blinzelte der erste Sonnenstrahl durch das von Andrea frühmorgens wieder geöffnete Fenster herein, der Gatte schlief noch (oder stellte sich schlafend, um die obligatorische morgendliche Gesangseinlage noch ein wenig herauszuzögern), aber die Betten der Braunschweiger Seilschaft waren bereits verwaist – auch Bobby hatten sie mir schon entrissen, wie mir mein kühles rechtes Bein beim Aufwachen sofort verriet.

Ich stand auf, zog mir Jacke und Mütze über, stieg in die eiskalten Wanderstiefel, kramte das Dackelfräulein aus dem Schlafsack und trat hinaus in die frische Morgenluft und die sagenhaft schöne Stille der Bergwelt.
Sofort machte es „Klick!“ – und mein erster, zaghafter Schritt ins neue Lebensjahr war abgelichtet worden!

Ich ortete das Geräusch bzw. die dazugehörigen Knipser und ging ihnen mit dem Dackelfräulein entgegen. Andrea, Wolfgang und Bobby erwarteten uns vor der kleinen Bergkapelle am Hang hinter der Hütte…

…und gaben ein dreistimmiges Liedchen zum Besten, leise genug freilich, um die Steinböcke nicht bei iher Morgengymnastik zu stören oder noch schlafende Hüttengäste zu wecken.

Wieder zurück in der warmen Stube folgten Bescherung und Frühstück, Katzenwäsche und Hundefütterung, Zimmeraufräumen und eine hochkomplizierte Packlogistik (was lassen wir alles bei der Hütte, was muss mit hoch zum Gipfel).
Um Punkt 9 Uhr war Abmarsch, das hatten Jubilarin und Tourleitung (also ich) so errechnet, ausgehend davon, dass wir um 16:30 Uhr wieder im Tal sein wollten mussten, damit noch genug etwas Zeit bliebe, um zum Gasthof im Tölzer Land zu fahren, dort unsere Zimmer zu beziehen, den Schweiß von zwei Bergtagen gründlich abzuduschen und ab 18 Uhr frisch gekleidet die anderen Gäste Willkommen heißen zu können (eine extrem sportliche Idee übrigens, an diese Tour gleich noch eine abendliche Feier dranzuhängen, aber die geladene Runde freute sich halt schon, einander endlich mal kennenzulernen und auch ich freute mich auf einen schönen Biergartenabend mit einer Handvoll guter Freunde und sogar dem Papa dabei).

Im Frühtau zur Felswand wir zieh’n, fallera!

Für den Westanstieg von der Hütte bis zum Gipfel der Benewand hatte ich anderthalb Stunden kalkuliert (der Weg via Ostflanke schied für die Hunde wegen der Seilsicherungen aus und die beiden sollten natürlich mitgehen können), für den Rückweg ebenso lang, womit die vom DAV angegebene und meist großzügig bemessene Gehzeit um knapp 30 Minuten überschritten wurde, das halbe Bonus-Stündchen war mein Puffer für Pipi- und Trinkpausen (zeitraubende Gipfelbussis würden wegen Corona eh entfallen, so dass oben nur eine kurze Andacht mit Zuprosten stattfinden würde und in der prallen Sonne könnten wir mit den Hunden eh nicht allzu lange verweilen).

Ein Blick zurück: Das Plateau rund um die Tutzinger Hütte.

Was ich allerdings nicht bedacht hatte: Die Braunschweiger Freunde (die ja eigentlich gar keine originären Braunschweiger sind, sondern 1x Penzbergerin, 1x Salzburger und 1x Harzer Wanderkaiser, was ihnen schon qua Herkunft einen alpinen Anstrich verleiht) sind neben leidenschaftlichen Wanderern auch passionierte Hobby-Fotografen (was Sie, liebe Leser, längst an all den schönen Bildern hier gemerkt haben dürften).
Und sie sind Genuss-Geher.
Und versierte Verweiler.
(Womit ich nun nicht sagen will, dass bei mir Genießen und Rasten zu kurz kämen, aber ich bin nicht so der Zwischendrinpausierer und das Fräulein auch nicht, wodurch sich bei uns häufig eher ein Berghinaufwetzen ergibt als ein romantisches Wandern.)

So ließ mich unterwegs der Blick auf die Uhr alsbald ebenso ins Schwitzen geraten wie der steile Aufstieg selbst, und mit zunehmder Höhe kroch plötzlich das alte Trauma von vor 10 Jahren in mir hoch und ich geriet mehr und mehr in ein Dilemma: Sollte ich aus Zeitgründen die Umkehr empfehlen und damit das Gipfelerlebnis vereiteln? Oder mit fröhlich-forschen Feldwebelsprüchen ein bisserl aufs Tempo drücken? Beides wäre gleichermaßen riskant: das eine würde das von den Freunden ersehnte Wandbesteigungsvorhaben versauen, das andere womöglich die bis dahin äußerst harmonische Stimmung in unserer Gruppe.

Was tun? Ich entschied mich dafür, das Stimmungsrisiko einzugehen, trotz der damaligen Erfahrung mit der Kollegin, wo das Ende der Benewand-Tour zugleich das Ende einer Freundschaftsanbahnungsphase bedeutete.
Andrea und ich hatten schließlich schon stabile Freundschaftsjahre und -erlebnisse vorzuweisen, daher klopfte ich mit meinem Trekkingstock dreimal auf den Fels und eine innere Stimme sprach mir Zuversicht und Trost zu: Diese Seilschaft übersteht das schon, wir schaffen das!

Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön?!?

Auf dem weiteren Weg zur Wand knirschte dann nicht nur das Geröll unter unseren Sohlen, sondern auch das eine oder andere Kiefergelenk wegen ein klein wenig Unmut, und es war noch offen, wie groß der allgemeine Heiterkeitsausbruch bei Anblick des Gipfelkreuzes und des sensationellen Panoramas in 1.801 Meter Höhe sein würde. Ein richtig spannendes Bergabenteuer also!

Das Dackelfräulein und ich stiegen voran, und als sich hinter den letzten Latschenkiefern und Serpentinen das Holzkreuz erhob, und das auch noch fast exakt zur Geburtsminute vor 48 Jahren, zückte ich mein Handy für ein Foto und sah just in dem Augenblick den Anruf des Papas eingehen. Was für eine Fügung!

Mit Tränen in den Augen (vor Erleichterung, dass wir gleich oben sind – es war 10:40 Uhr und somit wäre die ursprüngliche Zeitkalkulation noch haltbar – und vor Rührung, dass ich trotz des lautlos gestellten Telefons genau diesen einen Anruf live mitbekam) traf ich oben ein, drehte mich um und sah hinter mir schon den Rest unserer Truppe nahen, und auf dem Gipfel angekommen schien tatsächlich niemand Ambitionen zu haben, die Tourleitung wegen Fehlplanung oder Antreiberei die Steilkante hinunterzuschubsen und den unbeabsichtigten Trainingslagercharakter dieser prinzipiell schönen Unternehmung zu zerstören (mein Tipp: Machen Sie solche Monstertouren selbst mit guten Freunden sicherheitshalber nur an Ihrem Geburtstag, das garantiert Ihnen etwas Gnade!).

Endlich! Ein Traum geht in Erfüllung & ein Trauma wird überwunden!

Aber damit der Torturen noch nicht genug!
Gut vier Stunden Abstieg ins Tal lagen noch vor uns und wenn wir auf der Hütte nochmal durchschnaufen, einen Liter Flüssiges plus Imbiss zu uns nehmen und nicht nur in Windeseile die Rucksäcke umräumen und schultern wollten, mussten wir uns nun schon wieder beeilen, was ich ganz vorsichtig den aussichtsgenießenden und knipsenden Freunden mitteilte.

Allseits war man der Ansicht, runter käme man ja immer und das ginge sicher viel leichter und fixer als der Aufstieg (erneut regte sich die traumatische Erinnerung in mir: genau das waren seinerzeit auch die Worte der Kollegin, kurz vor dem Abstieg und dem Schweigen für immer, das diesem Talmarsch folgte), mein spröder Kommentar, dass wir die vier Stunden keinesfalls nennenswert unterschreiten würden, verhallte in der herrlichen Weite, die uns da heroben umgab.

Der Gatte zeigt dem großen Braunen das Karwendelgebirge: Bobby hatte nämlich noch einige Urlaubstage in Mittenwald vor sich.

So ging es mit flotter (und gottseidank an allen Schuhen haftender) Sohle zur Hütte hinab, wie betäubt saß man ein urgemütliches Stündchen auf der Terrasse, die beiden Vierbeiner komatös im Gras dösend und der Dinge harrend, die da noch kommen würden.
Eine kleine Diskussion übers Hier und Jetzt sowie die typisch bayrische Gemütlichkeit fand zwischen Obatztem und Hollerschorle auch noch Platz, bevor wir uns dem elenden Gepäckumschichten und -einschichten zuwandten und um Punkt halb zwei der Hütte den Rücken kehrten.

Diesmal über Almwiesen und urwaldähnliche Bergbachtäler abwärts, ach hätte man nur ein Quäntchen mehr Zeit gehabt, um die geschundenen Füße öfter zu kühlen (oder auch das Mütchen), aber Hut ab, es wurde allen von Stunde zu Stunde klarer, dass ich mit Strecken und Zeiten nicht beschissen hatte.

Um 16:30 Uhr waren wir sonnenverbrannt, schweißverkrustet und auch sonst ein wenig derangiert von unserem Spaziergang tatsächlich bei den Autos angekommen.

Und stellen Sie sich vor: Das Trauma wiederholte sich nicht. Alle sprachen noch mit mir! Auch beim Abendessen waren wir vollzählig und – soweit ich das in meiner Erschöpfung beurteilen konnte – guter Dinge. Ebenso am nächsten Morgen beim Frühstück. Vor allem der Humor war den Braunschweigern noch nicht abhanden gekommen: sie lachten schallend, als ich am Frühstückstisch die Wanderkarte vom Karwendelgebirge aufklappte und erste Tourentipps für die nachfolgenden Tage, die sie in Mittenwald verbringen würden, geben wollte. Ich wertete das als gutes Zeichen. Und auch sonst sah eigentlich alles danach aus, als würden sich unsere Wege nicht hier im Tölzer Land für immer trennen – puh!

*****

Endgültig traute ich dem Braten aber erst 24 Stunden später, als die zwischenzeitlich in ihrem Mittenwalder Quartier eingetroffenen Freunde mich anriefen und einluden, sie dort nochmal zu besuchen.
Vor Ort überzeugte ich mich von der Gemütslage und körperlichen Verfassung (beides gut), verbrachte eine innige Nacht mit Bobby in einem viel zu schmalen Bett (ging trotzdem) und am Tag drauf ließen wir unsere gemeinsame Zeit mit einem harmlosen, feuchtfröhlichen Regenspaziergang in aller Harmonie ausklingen.

So im Nachhinein muss man ja sagen: Es war großes Glück, dass wir überhaupt noch auf die Wand hinaufsteigen konnten, denn nur vier Tage später wurde der Westaufstieg wegen eines drohenden Felssturzes bis auf Weiteres gesperrt.

Wer weiß, wann der Alpenverein den Weg wieder freigibt – jemand der im August Geburtstag hat, muss sich also glatt einen anderen Jubiläumsausflug überlegen.

Außerdem schweißen einen gerade solche Erlebnisse ja manchmal für alle Zeiten zusammen. Was in Erinnerung bleibt, sind nie die Blasen an den Fersen, die zu langen Gehzeiten, die zu kurzen Pausen oder der fehlende Schlaf, sondern die tollen Momente, die wunderbaren Aussichten und das nicht nur in den Wadln spürbare Erfahren des kleinen, aber feinen Unterschiedes zwischen „Freunde im Leben“ und „Freunde fürs Leben“.

Für mich war es jedenfalls ein unvergesslicher Geburtstagsausflug.

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Liebe Andrea, lieber Wolfgang, lieber Bobby,

kommt gut nachhause & bald wieder für eine Urlaubswoche nach Bayern, das Team von Wanderdackel-Tours ist auch beim nächsten Mal gern wieder bei der Organisation eures Traumurlaubs behilflich und bietet neben dem nun schon vertrauten Modul „Trau dich: Torten & Torturen“ demnächst auch den von euch vermissten Baustein „Bilde dich: Botanik & Brauereien“ an.

Der Bewertungsbogen geht euch in den nächsten Tagen auf dem Postwege zu, wir hoffen trotz der kleinen Unschärfen unterwegs auf postives Feedback, werfen aber auch eventuelle Kritikpunkte nicht den nächstbesten Steilhang hinunter und wünschen einstweilen gute Erholung für die geschundenen Haxn!

Mit herzlichen Grüßen aus der bayerischen Landeshauptstadt –
Eure Reiseleitung samt Anhang.

Live-Ergebnis von Bierprobe Nr. 2: 8,5 bis 9 Punkte. Ich liebe Österreich!

Molto bene. Tourbericht vom 12. Juli 2020, für Andrea & Wolfgang.

Kleines Dackelfräulein vor großer Felskulisse.

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Dass die Begriffe „Traum“ und „Trauma“ nicht nur im Duden nah beieinanderliegen, wurde mir erst jüngst – nämlich auf dem Gipfelanstieg zur Benediktenwand – so richtig klar.

Mit manchen Bergen verbindet einen ja nicht nur eine traumhaft schöne alpine Erfahrung, sondern auch ein traumatisches Erlebnis. Für mich gehört die Benediktenwand zu eben jenen Bergen, auf die das zutrifft. Denke ich an die Benediktenwand, so fällt mir immer auch dieser Septembersonntag ein. Über zehn Jahre ist’s her, hat sich mir aber für alle Zeiten eingebrannt.

Eine jüngere Kollegin, mit der ich mich damals gerade in einer Art Freundschaftsanbahnungsphase befand, hatte mich wochenlang bequatscht, dass sie für ihre Trekkingreise durch Neuseeland trainieren müsse, und zwar unbedingt auch in Form von Touren durch alpines Gelände, und ich solle sie doch bitte mal zu einer meiner Bergtouren mitnehmen.
Ich schlug ein paar Wanderungen vor, die ihr allesamt zu kurz, zu leicht oder zu niedrig waren, so dass schließlich die Besteigung der Benediktenwand (als eintägige Tour mit kompletter Gratbegehung) in den Fokus rückte: 1.220 Höhenmeter (kleine Gegenanstiege mal außen vor gelassen) und eine Gehzeit von 8 Stunden (ohne Pausen) – das erschien ihr genau passend für ihr Trainingsvorhaben. Da ich die Tour schon mal gegangen war, gab ich zu bedenken, dass wir wirklich den kompletten Tag brauchen würden, also früh in München aufbrechen müssten und erst spät wieder heimkehren würden, und dass es unterwegs anstrengend wird. Weil der Ostaufstieg zur Wand eine seilversicherte Passage beinhaltet, die einem nach dem dreistündigen Zustieg bis dorthin durchaus fordern würde, weil die Gratüberschreitung sich ziemlich hinzöge und weil nach all dem ja noch der ellenlange Abstieg ins Tal folgte. Mit Pausenzeiten auf der Hütte am Fuße der Wand, unterwegs und auf dem Gipfel kam ich auf 10 bis 11 Stunden. Die Kollegin sprühte vor Energie und Tatendrang, wollte auf keinen Fall auf die Gipfelüberschreitung, die alleine schon gut drei Stunden frisst, verzichten und stand am frühen Sonntagmorgen in Top-Ausrüstung am vereinbarten Treffpunkt. Nun gut, dachte ich, sie weiß um die Anforderungen, hat die passenden Sachen an und macht einen fitten Eindruck – wird also alles klappen!

Als wir die Hütte erreicht und eine ausgiebige Pause gemacht hatten, begaben wir uns auf den Steig zur Ostflanke der Benediktenwand. Vor der seilversicherten Stelle riet ich zum Wegpacken der Trekkingstöcke, da man beide Hände brauchen würde, um sich zwischen den mächtigen Felsen durchzuhangeln. Sie ging dicht hinter mir – und auf einmal hörte ich einen Schrei. Die Kollegin war gestürzt (man fällt dort im Felsspalt nicht weit, sondern klemmt sich eher ein bisserl ein, wenn man sich vertritt) und war dann vor allem erschrocken über diesen kleinen Fehltritt. Ich half ihr wieder ans Seil zurück, wir gingen weiter und als wir diese etwas diffizile Passage hinter uns hatten, fragte ich bei einer Trinkpause nochmal explizit nach, wie es ihr ginge, ob sie sich wehgetan hätte. Es ginge ihr gut, sagte sie, aber ihre Knie wirkten zittrig und es bekümmerte sie sichtlich, dass sie sich einen ihrer (für eine Bergtour viel zu langen) Fingernägel abgebrochen hatte. Ob wir denn wirklich die Gipfelüberschreitung machen sollen, fragte ich, meinetwegen müsse das nicht sein. „Auf keinen Fall umkehren!“, war ihre Antwort, sie schaffe das schon, und runter ginge es ja eh immer viel flinker als rauf. Was bei dieser Tour nicht unbedingt der Fall ist, allein aufgrund der Strecke. Sie beharrte aber darauf, das sei alles gar kein Problem, also gingen wir weiter. Einige Stunden und zwei weitere kleine Stürze später saßen wir erneut auf der Hüttenterrasse. Ihre Brille war durch einen Sturz verbogen und ihr Knie aufgeschürft. Sie war mittlerweile schlecht gelaunt und erschöpft. Als ich den Hüttenwirt fragte, ob er meine Kollegin zufällig später mit dem Jeep ins Tal mitnehmen könne, war sie gekränkt und bekräftigte, sie käme da locker noch selbst hinunter.

So begaben wir uns auf den Abstieg. Sie war entkräftet und schwach auf den Beinen, wir brauchten daher dreieinhalb Stunden statt der üblichen zweieinhalb. Unterwegs war sie entsetzt, wie miserabel der Handyempfang war und regte sich nach jeder Serpentine erneut darüber auf, dass sie ihren Freund nicht anrufen konnte, um ihm Bescheid zu geben, dass es sehr spät werden würde, bis sie heimkäme.

Den Wanderparkplatz erreichten wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit. In der Stunde, die wir bis München brauchten, saß sie auf dem Beifahrersitz und telefonierte mit ihrem Freund oder schwieg.

Ich fuhr sie nachhause, sie stieg mit einem knappen „Ciao“ aus dem Wagen und sprach nie wieder ein Wort mit mir. Es war das seltsamste Ende einer Noch-Nicht-Freundschaft, das mir je widerfahren war, alle Fragen blieben offen, der Konflikt, von dem ich nicht wusste, worin er überhaupt bestand, wurde nicht ausgetragen und irgendwann blieb mir nichts anderes übrig, als diese Tour mit K. und alles, was daraufhin folgte als eines der ungelösten Rätsel in meinem Sozialleben abzuhaken (und beschloss, froh zu sein, dass sich so früh herausgestellt hatte, dass das wohl sowieso nichts hätte werden können, mit ihr und mir).

Seither ging ich nur noch eine Teilstrecke dieser Tour und auch die meist alleine. Ich saß dann vor der Hütte auf dem großen Almwiesenplateau und guckte nach oben, zu dem Gipfelkreuz der imposanten Felswand.
Und träumte davon, eines Tages doch noch einmal dort hinauf zu steigen.

*****

Am Sonntag, den 12. Juli 2020 war es dann soweit. Die Braunschweiger Freunde und Labradoodle Bobby waren für meine Geburtstagstour und den von Söder empfohlenen Urlaub in Bayern eingetroffen – und sie waren seit Wochen heiß auf die Benediktenwand. Natürlich mit Gipfelbesteigung.
Herrje! Ob das gutgehen würde?

Bereits mit einer Woche Vorlauf hatte ich Tourdaten und -varianten nach Braunschweig gemailt, damit schon mal alle Fakten bekannt wären. Das Hundezimmer auf der Tutzinger Hütte war gebucht, das Wetter nahm rechtzeitig eine erfreuliche Kehrtwende von Sintflut zu Sommer, und ich schob alle Gedanken an mein damaliges Tourtrauma beiseite: das Abenteuer sollte beginnen, der Traum gelebt werden.

Statt eines Begrüßungsbussis warf ich am Wanderparkplatz unseren Freunden ein Sackerl mit dem eigens für die coronare Hüttennacht besorgten, besonders leichten Spannbettlaken (in hundepfotenfreundlichem Anthrazit) und eine frische Münchner Breze zu.
Mit vollgestopften Backen und Rucksäcken liefen wir bestens gelaunt in das Lainbachtal hinein. Und weit hinten sah man sie schon aufblitzen: die Benediktenwand!

Nur eine schlappe Viertelstunde blieb unser Wanderglück unversehrt, dann rief der Gatte: „Oh!“ und „Wartet mal!“ und „Schaut euch das mal an!“.
Und wir blieben stehen und schauten und staunten nicht schlecht.

 

Seine Sohlen hatten sich vom Schuh getrennt, lappten zur Hälfte vom Stiefel herab und schnappten bei jedem Schritt nach dem Schotter auf dem Wanderpfad.
Dass wir die Trocknungsgeräte in der Wohnung als Verursacher dieses Totalschadens an beiden Schuhen ausmachten, änderte an der misslichen Lage natürlich rein gar nichts. Eine schnelle Entscheidung musste her.
Der Gatte testete kurz die im Rucksack befindlichen Trekkingsandalen, aber das würde keine zweieinhalb Stunden zu ertragen sein – und eine Gipfelbegehung war mit solchem Schuhwerk ohnehin völlig undenkbar.

 

Also machte er auf dem Absatz (der glücklichweise noch an den Schuhen haftete) kehrt, lief zum Auto zurück, düste heimwärts und holte sich dort andere Bergstiefel.
Wir rechneten aus, dass er, wenn alles glatt ginge (unterwegs kein Stau und das Ersatzpaar Bergstiefel noch verlässlich besohlt) und er sich ein bisschen sputen würde, rund zweieinhalb Stunden nach uns bei der Hütte – unserem Tagesziel – ankommen müsste (es waren dann nur anderthalb Stunden, was freilich an seiner Gebirgsjägervergangenheit und nicht etwa am rasanten Tempo auf der Autobahn lag).

Zu fünft liefen wir weiter und hofften, dass es nicht noch einen von uns mit einer derartigen Panne erwischen würde.

Zwei Frauen, zwei Hunde – ein Ziel: Die Benewand.

Die Tutzinger Hütte empfing uns mit Kuchen und Reutberger Weißbier…

 

…und einer sehr konkreten Aussicht auf das, was uns am nächsten Morgen bevorstünde…

…und als wir wieder vollzählig waren, konnte der gemütliche Teil des Tages beginnen: Essen & Trinken, ausgiebig Ratschen & Zimmer einrichten.

Beim Abendgassi liefen wir der Abendsonne noch ein ganzes Stück hinterher…

 

 

…und starrten paarweise bergauf, bergab oder in die Kamera…

…bis die Hunde dann die Schnauze voll hatten von all dem Geknipse und Gegucke und ihrer ersten gemeinsamen Übernachtung zustrebten.

Die Braunschweiger Seilschaft verfügte über die dickeren Schlafsäcke und sank kurz nach Mitternacht in den wohlverdienten Schlaf, das Dackelfräulein hatte sich zum Gatten in den Schlafsack gekuschelt und schnarchte, nur ich lag wach und fror.

Gegen 2 Uhr spazierte ich bei fast null Grad unter sensationellem Sternenhimmel nochmal zum Nebengebäude, in dem sich die Toiletten befanden und beschloss bei Rückkehr ins Zimmer, unser Fenster zu schließen, auch wenn das dem Raumklima nicht zuträglich sein würde. Schliefen ja alle tief und fest, so dass sie mich für diese Aktion erst am Tag drauf kreuzigen könnten.
Ein paar Minuten später stieg Bobby zu mir ins Bett und legte sich an meine Seite, womit gegen 3 Uhr alle meine Probleme gelöst waren und ich meinem Geburtstagsmorgen entgegenschlummern konnte.

*****

Was für ein Abschluss fürs alte Lebensjahr!

Danke an Andrea & Wolfgang für die tollen Fotos, und an den großen Braunen für die Bettwärme.

Teil 2 folgt in Kürze, bleiben Sie dran!

Bene.

Mit zwei Hunden an meiner Seite, was nicht nur wegen der nächtlichen (fast) null Grad und zu dünnem Schlafsack ein Segen war, schlief ich in der Tutzinger Hütte meiner alljährlichen Alterung entgegen.

Ein mehrstimmiges Geburtstagsständchen um 7:13 Uhr vor der Bergkapelle und ein hübsch dekorierter Frühstückstisch trösteten perfekt über das mit Kümmel versetzte Hüttenbrot, die coronabedingt geschlossene Dusche und den allgemeinen Schlafmangel hinweg. Von der Tour rund um diesen Berggeburtstag berichten wir ein andermal, das Bildmaterial muss noch sortiert sowie Falten und Schweiß retuschiert werden.

Nur so viel: Beinahe auf die Geburtsminute genau standen wir bei perfektem Wetter und Weitblick zu viert mit unseren beiden Hunden in 1.801 Meter Höhe auf dem Gipfel der Benediktenwand und waren ebenso glücklich wie fix und fertig – drei Stunden Schlaf kommen in meinem Alter einem Genickbruch nahe, zumindest wenn am Tag drauf anderthalb Stunden Aufstieg, vier Stunden Abstieg und abends noch eine Party mit mehr als 2 Teilnehmern/Präsenten ansteht.

Künftig werde ich mich bei der Begrüßungsansprache für die Gäste eigenständig mit der Ziach begleiten können, sofern der mir zugedachte Akkordeonlehrer dieses Vorhaben nicht als aussichtslos einschätzt.
Auch jenseits der musikalischen Karriere kann einer Zukunft im Spätsommer des Lebens (oder dieses Jahres) nun mit noch mehr Optimismus begegnet werden: an unterstützender Lektüre besteht jetzt keinerlei Mangel mehr und in (beinahe beängstigender) Kürze winkt bereits ein Coaching durch einen echten Österreicher!

Mental health allein ist ja wenig seligmachend. Dank eines umfassenden architektonischen und kulturgeschichtlichen Führers kann ich ab sofort endlich in der Schweiz zum Schwimmen gehen (auch die Vignette traf schon ein), mich vorher und nachher mit edler Seife reinigen, im Anschluss einen Film über schwimmende Männer angucken und dabei in die Genusswelten eines der 12 Weißbiere eintauchen (winziger Kritikpunkt: warum waren in dem Karton nicht gleich 13 drin und wozu soll das eine alkoholfreie Flascherl gut sein?).

Die anderen 11 Halben werde ich mir während der viertägigen Springsteen-Klausur (DVD des letzten real erlebten Konzertes plus zig CDs anderer, legendärer Live-Perlen von Bruce) reinpfeifen. Zwischendurch wird der Blutzuckerspiegel mit bestem brandenburgischen Quittengelee und den einzigen Kirschen, von denen mir nicht der Hals zuschwillt, bei Laune gehalten.

Wenn mir dann mal nicht mehr nach New-Jersey-Flair, sondern nach schick & hip ist, schwinge ich mich mit sommerlich lackierten Zehennägeln (exakt in Schwimmflossenfarbe!) in einen roten Alfa Spider und lasse mich zum Eisessen chauffieren. Weil einem diese sommerlichen Cabriofahrten ja selbst die noch so kurze Frisur zerzausen können, hat man mich mit einem teckelverzierten Kosmetikspiegelchen für die Handtasche, die ich nicht habe, bedacht (überhaupt nehmen ja die schönheitsbezogenen Geschenke von Jahr zu Jahr zu, und ich wage nicht, mir auszumalen, wie der Gabentisch zum nicht allzu fernen 50. oder gar nach der nächsten durchlebten Dekade aussehen wird).
Und von den sieben Brücken, über die man angeblich gehen muss, ziert nun schon die zweite den Flur, und da wohl noch fünf folgen, habe ich offenbar noch ein paar weitere Geburtstage vor mir, was mich grundsätzlich eher hoffnungsfroh stimmt.

So sperre ich also rundum zufrieden, zuversichtlich und vermuskelkatert die Tür zum neuen Lebensjahr auf, am Schlüssel baumelt ein neuer Anhänger (raten Sie mal, welches Tier!) und all der vergangene Käse interessiert nicht mehr – denn den kann ich ganz elegant und diskret unter dem hübschen Almwiesen-Käseglöckchen verschwinden lassen und mich auf all das vor mir Liegende fokussieren konzentrieren freuen.

All den lieben, treuen und wohlmeinenden Gefährtinnen und Gefährten ein ganz herzliches: Danke, danke, danke!

Staubl_auszeit Nr. 3.

…und ein drittes Mal binnen weniger Wochen sagen wir den Psocoptera leise Servus & verabschieden uns für ein paar Tage in (hoffentlich) nicht kontaminierte Gefilde mit besserer Luft als die neuen Dehumidifier sie hier daheim produzieren.

Zum Lockermachen vor der großen Tour nochmal ausgiebig die Haxn ausgeschüttelt…

…und einen der Liebslingsseen durchschwommen…

…während das Dackelfräulein am Ufer mit dem frisch aus Frankfurt heimgekehrten Gatten ein paar Runden Pfannkuchenwerfen spielt und sich nach dem Baden sonnt.

Derweil im fernen Niedersachsen des Fräuleins großer brauner Freund die Vorbereitungen für seine Abreise nach Bayern genauestens überwacht…

…und wenn wir das richtig sehen, auf dem hübschen Foto, das man uns hat zukommen lassen, dann waren wir offenbar fast alle nochmal beim Friseur, bevor wir uns wiedersehen 😉

Mittlerweile sind auch in der Münchner Ludwigsvorstadt alle Kisten, Taschen und Rucksäcke gepackt:

„Lang nicht mehr gesehen!“ – Pippa begrüßt Nuluensis, unsere Bergbiene.

Und wie kriegen wir jetzt das ganze Glumpp in den Rucksack?

Ganz einfach: Der Gatte, immerhin ja ehemaliger Gebirgsjäger, darf den Großteil tragen 😉

Nach neun Monaten – eine Zeitspanne, in der ganze Kinder heranreifen und Pandemien ausbrechen können – ist es morgen nun soweit: Das Anwolf-Rudel und wir gehen nach einer viel zu langen Durststrecke endlich wieder gemeinsam auf Tour!

Vor uns liegen über 1.200 Höhenmeter (zu einem der schönsten und aussichtsreichen Gipfelgrate im Voralpenland), eine Hüttenübernachtung (die für uns alle die erste Nacht mit zwei Hunden in einem Zimmer ist) und sicherlich das eine oder andere Abenteuer (Corona-Richtlinien auf der Hütte, Steinböcke in der Felswand, Bettwanzen in der Souterrainkammer – wer weiß, was einen so alles erwartet?!).

Für mich geht mit dieser Unternehmung ein lang gehegter Traum in Erfüllung: Einmal an meinem Geburtstag hoch oben in den Bergen aufwachen und zusammen mit einer Handvoll Lieblingsmenschen und -tieren von einem Gipfel aus die Aussicht auf das neue Lebensjahr genießen.

Drücken Sie uns die Daumen, dass es sich hier tatsächlich in den letzten 24 Stunden ausgeregnet hat (von der Menge her möchte man es ja meinen) und wir ohne auszurutschen da hinauf und auch wieder hinunter kommen und bis auf vier Paar Augenringe äußerlich unversehrt bleiben, damit wir dann auch die zweite Nacht im Tale noch gscheid feiern können.

Gratulationen senden Sie bitte an die Tutzinger Hütte am Fuße der Benediktenwand (mit der freundlichen Bitte um Übermittlung) oder über die üblichen Kanäle (wobei der Empfang dort oben nur auf einem kleinen Hügel hinter der Hütte einigermaßen funktioniert).
Postalische Grüße sowie kleinere und größere Sachspenden können ab Dienstag wieder in München entgegengenommen werden.
Da ich nicht mehr die Jüngste bin und nach der Heimkehr sicher erstmal durchschnaufen muss, kann es mit den Danksagungen ausnahmsweise ein bisserl dauern – nehmen Sie’s also bitte weder krumm noch persönlich.
Oder machen Sie sich’s leicht und denken Sie im Stillen an mich, das tut’s ja auch mal.

Ihnen eine gute Zeit & bis bald in alter Frische!

Wir sind dann mal weg!

Aloha! (Halluzinationen nach Besuch des Kammerjägers.)

Nur wenige Stunden nach Entstehung dieses Pool-Pics der Extraklasse…

…brach auch schon wieder der verlauste, urbane Alltag über mich herein.

Daheim angekommen begrüßten mich die beiden neuesten Mitbewohner mit einem sonoren Schnurren…

…und stellten sich mir einigermaßen höflich als die kleinen Cousins der Corroventen vor. Sie erinnern sich bestimmt, und wenn nicht, können Sie den verlinkten Beitrag ja nochmal lesen, ist ja schon fünf Monate her.

Bei 27 Grad Außentemperatur trifft einen dennoch ein klein wenig der Schlag, wenn man einen der Räume betritt, in denen diese Dehumidifier, wie wir sie korrekterweise nennen wollen, weil das laut Bedienungsanleitung auch ihr Name zu sein scheint, ihre Arbeit tun.
Brüllheiß, staubtrocken, tinnitusfördernd. Aber mei, so ist das jetzt eben.

Erst kam Lolek, um die Steckdosen- und Lichtschalterverkleidungen in den Psocoptera-befallenen Räumen abzunehmen, damit der Kammerjäger – übrigens diesmal ein Checkertyp namens Mr. Richardson mit ungefähr dem IQ der Spezies, die zu bekämpfen er anrückte – sogleich mit seiner Kartusche lossprühen konnte.

The exterminator at work.

Das Silkatpulver war hellrosa, stank nach Zitronella und fand sich danach überall in dem behandelten Raum wieder. Ein rosaroter Hausfrauentraum, der schöne, abendliche Putzstunden bescherte – aber hey, leichtbekleidet und mit der passenden Mucke dazu war das ein Summer-Workout vom Feinsten!

In die Innenseite der Steckdosen- und Lichtschalterverkleidungen brachte er noch ein Aerosolgel ein, „das wo zusätzlich tötet, wenn die da durchkriechen tun“, um den Fachmann zu zitieren. Na dann!

Im Nachbarraum werkelte zeitgleich Lolek im Schweiße seines Angesichts vor sich hin.

Der WC-Spülkasten hatte sich ja letzte Woche ganz spontan überlegt, den Geist aufzugeben, damit der gute Lolek nicht blöd rumstehen muss, während Mr. Richardson sein Pulver verschießt. Der Kammerjäger bestand nämlich bei der Terminvereinbarung drauf, dass die Schalter/Dosen zuvor von einem Handwerker abgenommen und danach auch wieder dranmontiert werden, was mir zunächst lächerlich vorkam, sich dann aber nach fünfminütiger Bekanntschaft mit Mr. Richardson doch als sinnvolle Vereinbarung erwies.

Lolek w pracy.

So waren also zwei Kerle parallel am Arbeiten und ich konnte derweil auf der Couch sitzen und meine Zehennägel lackieren. Spaß beiseite, ich war natürlich mit Zugucken, Nachfragen und Assistieren beschäftigt.
Mr. Richardson hatte seinen Auftrag nach 40 Minuten erledigt, wünschte viel Glück und noch mehr Geduld, und machte sich aus dem Staub (beachten Sie bitte den Bonus-Gag in dieser Formulierung – bei diesen hochsommerlichen Temperaturen gehen einem solch sprachliche Finessen ja gern mal durch die Lappen, deshalb erlaube ich mir ausnahmsweise diesen Hinweis).

Lolek blieb bis zum Abend, denn bei der Montage des neuen Spülkastens zerbarst mal wieder ein Teil des Mauerwerks und das zog Folgearbeiten nach sich, mit denen weder Lolek noch ich gerechnet hatten. Da wir uns nach wie vor ausgezeichnet verstehen, ist das kein Problem, ich hatte ihn sogar gefragt, ob er nicht noch zum Essen bleiben wolle, aber er müsse noch nach einer Baustelle schauen bevor es dunkel würde, meinte er.

Um 23 Uhr hatte ich alle Spuren, die die beiden Herrenbesuche hinterlassen hatten, wieder beseitigt und ging zufrieden zu Bett. Beim Löschen des Lichts sah ich noch eine Staublaus an der Wand weghuschen, der letzte Gedanke daher ein „Ah, treten die Viecher also schon die Flucht aus dem Bad an!“ und schon sank ich in Morpheus‘ Arme.

Mitten in der Nacht schreckte ich aus üblen Träumen auf und lag bis 5 Uhr wach. Dachte über den Vermieter nach und über den Stromverbrauch der neuen Luftentfeuchter, was man halt so denkt, wenn man wieder daheim ist.

Guten Morgen, Ludwigsvorstadt!

Um Punkt 7 Uhr riss mich ein Höllenlärm aus dem Bett.

Lolek war eingetroffen. Heute zusammen mit Bolek (Schwager, Bruder, Vetter – was weiß ich). Die beiden schnitten im Hinterhof mit der Flex die morschen Garagentore aus den maroden Betonmauern. War angekündigt und auch überfällig, das Auto klebt nun unter den Linden, bis die neuen Tore eingebaut sind.

Gerädert stand ich auf, weil an Weiterschlafen nicht mehr zu denken war, winkte grüßend aus dem Fenster in den Hof hinunter, kochte mir einen Kaffee und zog mich an, um zum Morgengassi aufzubrechen.

Beim Spaziergang durch die schöne Allee blinzelte ich durch die Linden hinüber zur Bavaria. Ein Ritual gewissermaßen, vor allem, wenn ich ein paar Tage nicht in der Stadt war. Irgendwas stand heute meinem Blick in der Quere, das mich irritierte. Ich kniff die Augen zusammen, guckte genauer hin, und das Etwas entpuppte sich als großer Sandhaufen mit einer Palme drin, ach nein, nicht nur ein Haufen, sondern gleich mehrere!

Das sind dann so die Momente, in denen man sich als unausgeschlafener, wasserschadenzermürbter und psocopteragepeinigter Großstädter ganz kurz fragt: Ja spinn‘ ich jetzt?

Mit drei Tagen Tegernsee-Erholung intus, die mich ja nun doch ein klein wenig imprägniert hatte gegen das, was mich bei Rückkehr in die Stadt erwarten würde, ging ich aber eher davon aus, dass es sich nicht um Halluzinationen handelte und sah mir die neue Installation an.

Alo-alo-alo-ahe, mia san die Anwohner, oh weh!

Aha. Bekommen wir jetzt also die Karibik direkt vor die Haustür gesetzt, wenn man da derzeit schon nicht hinfahren kann. Bestimmt werden Cocktailbuden und Tänzerinnen in Baströckchen folgen. Womöglich auch noch schauerliche Musik à la Buena Vista Social Club. Schließlich fällt ja die Wiesn heuer aus und die Freifläche schreit nach Nutzung. Schade, denn wenn es nach mir ginge, dürfte dieser Schrei gerne ungehört verhallen und es könnte hier einfach weiterhin ruhig bleiben.

Palmenstrand-Feeling auf der Wiesn.

Hätte zwar gedacht, dass die Stadt München das Geld anderweitig sinnvoller einsetzen könnte bzw. müsste, aber offenbar kollabiert das Volk, wenn es keine Fernreisen machen darf und auch daheim kein ausreichendes Bespaßungsangebot vorgesetzt bekommt.

Sei’s drum. Wir werden auch das noch überleben.
Am Sonntag geht’s sowieso schon wieder in die Berge, diesmal gemeinsam mit einer befreundeten Seilschaft, die extra aus Niedersachsen anreist. Und mit Übernachtung! Denn meinen alljährlichen Alterungstag wollte ich in diesen lausigen Zeiten unbedingt in luftigen Höhen feiern, wenngleich auch ungeduscht, da das wegen des Hygienekonzepts auf den Hütten derzeit nicht drin ist, aber man kann halt nicht alles haben.

Aloha!

Das Dackelfräulein stürzt sich in den Sandhaufen und beginnt zu buddeln. Sie liebt ja Sand und ist allein schon rassebedingt eine gute Gräberin. Und ich mach mir jetzt mal mein Feierabendbier auf.

Prosit & kommen Sie gut durch diese Hundstage!

Solgul och vattenblå. Zum 6. Juli 2020.

Der Morgenschwumm heute aus gegebenem Anlass von oben bis unten in den Landesfarben Schwedens: Himmel und Zehen blau, Sonne und Flossen gelb.

Zweite im 50m-Sportbecken: The early fish catches the wave (uralte Schwimmerweisheit).

Grattis på födelsedagen till min blogg- och Bruce-följeslagare Anna 😎💕
(Keine Ahnung, ob der Satz so passt, hoffen wir einfach mal, das sprachbegabte Geburtstagskind versteht ihn.)

(Aus der Serie „Geheime Schätze im Smartphonespeicher“, Bildrechte leider nicht mehr nachvollziehbar)

Himmel der Bayern (74): From a distance.

Dieses Jahr auffallend viele Ostergrüße. Per Post, Email, WhatsApp, Telefon. Und eine klasse CD, voll mit Frauenpower, zusammengestellt von einem Mann, ist auch mit dabei: überfällige Erinnerungen an Cyndi, Cher und v.a. an die einst sehr von mir verehrte Bette Midler, die ja nicht nur dieses zeitlos-großartige Stück über die Nervensägen gesungen hat, sondern auch einen Song für Coronazeiten:

From a distance we are instruments
Marching in a common band
Playing songs of hope
Playing songs of peace
They are the songs of every man

*****

Der hübsch Bewimperte und ich stellen einander Osternester ins Treppenhaus bzw. vor die Tür. Mit den Nachbarn, mit denen man sich etwas verbundener fühlt, tauscht man Häschen oder Eier aus. Der Papa freut sich über den Karton mit Cresta-Schokoeiern und ruft jeden zweiten Tag an, allmählich fällt ihm die Decke auf den Kopf.

Lolek schicke ich als Ostergruß ein Foto von dem täglich dicker werdenden Kaninchen, das in der Toilettenwand wohnt, und schreibe ihm, dass ich mich auf unser baldiges Wiedersehen freue.

****

Dem Wanderführer mit dem Arbeitstitel „Panoramaschleichwege durch die Pandemie“, an dem ich zu schreiben begonnen habe, seit ich den täglichen Spießrutenlauf mit Hund durch die überfüllten städtischen Grünanlagen leid bin, füge ich heute das Kapitel „Mit dem Vierbeiner über verlassene Golfplätze“ hinzu. Eine der Premiumtouren in dem künftigen Büchlein! Früher, als die Winter noch regelmäßig Schnee auf das Münchner Umland fallen ließen, war das mal meine Langlauf-Hausstrecke, zu allen anderen Jahreszeiten kann man sich dort eigentlich nur als Clubmitglied frei bewegen, heißt: ich kenne das Gelände nur auf Skiern.

Daher hat dieses kurze Golfplatzgassi was von einem heimlichen Hikingabenteuer, wie ja so vieles zur Zeit. Wir kicken ein bisschen herum, spazieren achtsam durchs gepflegte Hügelland, machen ein Imbisspäuschen in einem Strandkorb für Golfer – und das Schönste: hier müssen wir niemandem ausweichen, weil wir niemanden treffen.

Danach weiter zu den Weihern und den Wäldern, eine Gegend, in der man Thoreau lesen und „Walden Pond“ hören sollte.

Stattdessen umrunden wir auf schmalen Trampelpfaden die vielen kleinen Weiher (einzige Chance, den Radfahrern zu entgehen), rasten auf einem einsamen Steg und lassen uns ungestört die Sonne auf die Nase scheinen.

*****

Gestern vor 50 Jahren haben meine Eltern geheiratet. Und unser Freund Bobby aus dem fernen B. feierte sein sechstes WiegenWurfkistenfest.

Heute hat einer der wenigen Geburtstag, die je tollkühn genug waren, mir einen Heiratsantrag zu machen und als Erstehemann wäre er vielleicht eine bessere Wahl gewesen als der Gymnasiallehrer, aber was soll’s.

Morgen ist Ostern und ein bisschen Auferstehung täte langsam wirklich not, das werden sich wohl grad fast alle wünschen.

Bis es soweit ist, wünsche ich Ihnen und Ihren ones and onlys sonniges Herumeiern und frohe Feiertage!

spooky & retro.

Binnen fünf Tagen haben die vier Supermärkte im näheren Umfeld sukzessive neue Einkaufsregeln eingeführt.

In zwei Geschäften gibt es jetzt „Türsteher“, deren Job es ist, grimmig zu gucken, wenn im Eingangsbereich zu viel Gedrängel entsteht. In einem anderen Laden laufen „Kontrolleure“ durch die Regalreihen und sprechen die eventuell zu distanzlose Kundschaft direkt an. Der vierte Supermarkt hat die Türen nun vorsorglich geschlossen und ein Security-Mensch lässt die Kunden nur portionsweise hinein, nie mehr als 20 auf einmal. Zusätzlich haben sie seit heute noch einen neuen Mitarbeiter, der einem nach Betreten des Geschäfts den Einkaufswagen „vorbereitet“: aus den ineinandergeschobenen Wägen zieht er einen raus, sprüht den Griff mit Desinfektionsspray ein, wischt gründlich nach und übergibt einem das Gefährt. Und zwar zwingend, d.h. jeder muss einen Wagen nehmen, selbst wenn er nur ein paar Dinge besorgen möchte oder einen eigenen Korb dabeihat. Hintergrund: so lässt sich das mit den 20 Besuchern noch einfacher kontrollieren (alle Wägen weg = 20 Leute drin) und zudem fungieren die Einkaufswägen als „Abstandhalter“, wie mir der nette, für die Griffreinigung und Wagenausgabe zuständige Mitarbeiter erklärt.

Neben dem Obst- und Gemüsebereich steht ein weiterer „Aufpasser“, der den Kunden Sätze wie „Bitte warten Sie, bis die Dame vor Ihnen fertig ist“ oder „Bitte fassen Sie nur die Karotte an, die Sie dann auch kaufen oder benutzen Sie die Zangen“ zuruft.
Als ich das Fach mit dem Trevisano inspiziere, steht fünf Fächer neben mir ein braungebrannter, sportlicher Mann, Typ Surfer oder Beachvolleyballer, vor dem Spinat und spricht mich von der Seite an: „Hey, das ist ja alles voll spooky hier – wie lang ist das denn schon so?“. Ich wundere mich zwar etwas über diese Frage, erkläre ihm aber in ein paar Sätzen, dass und wie sich „das alles“ in den letzten zwei Wochen nach und nach so entwickelt hat, wegen des Coronavirus („…davon haben Sie ja bestimmt schon gehört, oder?“, woraufhin er erfreulicherweise lächelt und nickt) und erfahre dann, dass er heute Morgen aus Bali zurückgekommen sei, mit dem letzten Flieger, mit dem Touristen nachhause transportiert wurden. „Tja“, sage ich, „dann mal herzlich Willkommen und gutes Einleben im neuen Alltag!“.

Im Kassenbereich begegnen wir einander nochmal und da er mit der Bedeutung der gelben Punkte auf dem Boden noch nicht vertraut ist (jeder gelbe Punkt markiert einen Standort für einen Einkaufswagen), erläutere ich ihm erneut ein paar Regeln.
In seiner sonnengegerbten Urlaubervisage mischen sich Verwunderung und Amüsement, wieder sagt er „spooky!“ und schüttelt den Kopf und dann verabschieden wir uns zum zweiten Mal.

*****

Gegenüber, an einem corona-verwaisten Spielplatz, hat die Nachbarschaft am Donnerstag einen „Gabenzaun“ organisiert.

Als ich gestern vom Joggen heimkomme, steht das Kamerateam eines lokalen TV-Senders vor dem Zaun und bittet mich um ein „Kurzinterview“. Ich fahre mir noch schnell durchs verschwitzte Haar, lasse den Sportwalkman in der Jackentasche verschwinden (für eine TV-Premiere will man selbst mitten in einer Pandemie nicht völlig derangiert aussehen) und beantworte die Fragen:

Bemerkt habe ich den Zaun am Vorabend, beim Nachtgang mit dem Dackelfräulein (das die vielen Tüten erstmal irritiert angebellt hat, bis ich ihr erklärt hatte, was es damit auf sich hat). Ja, finde ich gut. Ja, wir werden da mitmachen. Wahrscheinlich zuerst mit einer Tüte voller Hundefutter.
Nein, die bisherigen Tüten, die da hängen, finde ich trotz Beschriftung noch nicht ideal, zu viel Verschiedenes drin (Klamotten, Essen, Trinken, Körperpflegeprodukte, Tierfutter – alles kreuz und quer).

Letzteres bewahrheitet sich bereits einen Tag später.
Heute Morgen sind zwar alle ca. 25 Tüten von gestern Abend weg, aber der gesamte Zaun hängt nun mit einzelnen, offenbar nicht benötigten oder unpassenden Klamotten voll. Sieht bunt und fröhlich aus, noch.

Spätestens übermorgen, wenn es kalt und windig wird, ist es nicht mehr bunt und fröhlich, sondern ein weiterer Beitrag zur Vermüllung der Stadt, die eh schon munter voranschreitet.

Denn im Viertel wird eifrig ausgemistet und da die Wertstoffhöfe geschlossen haben, stellt jeder Trottel seinen Sperrmüll nun im Karton auf die Straße, weil er ihn anderweitig nicht mehr los wird und sich die Hausmülltonne derzeit nicht mehr so gut heimlich und rücksichtslos vollmüllen lässt, weil halt zu viele Nachbarn zuhause sind und diese Unsitte daher zu leicht bemerkt werden könnte.

Und man will sich dieser Tage schließlich nicht schlecht stellen mit seinen Nachbarn. Wer weiß, was noch kommt und wozu man einander noch brauchen wird.

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Der Badumbau und die Wasserschadensanierung in unserer Wohnung sind nun tatsächlich zu 97% über die Bühne. Grad noch rechtzeitig geschafft, das Wesentliche, denn ab sofort bekommt man Handwerkertermine nur noch bei Notfällen. Lolek wird noch einmal hier vorbeikommen, wenn die Duschabtrennung ausgetauscht werden muss, sofern der Hersteller noch die Kapazitäten hat, sie diesmal in den korrekten Maßen zu produzieren – und zu liefern. Wir werden sehen, ob der Osterhase uns dieses Geschenk bringen wird oder ob es erst mit dem Heiligen Geist eintrifft.

„Jetzt darf hier nichts mehr kaputtgehen!“, sage ich dieser Tage zum Gatten, nachdem ich die nach acht Wochen endlich (!) wieder in die wasserschadensanierte Kammer eingebauten Regale glücklich mit all dem Krempel befülle, der nun wochenlang irgendwo herumstand oder zwischen- und ausgelagert wurde.

Noch am selben Abend schwächelt erst der Fernseher (HDMI-Buchse hat einen Wackelkontakt) und kurz drauf segnet eine der beiden Unterschrankleuchtschienen in der Küche das Zeitliche (dummerweise die über dem Spülbecken).

Das TV-Gerät entscheidet sich nach diversen Fehlertestszenarien dazu, ab sofort jeden zweiten Abend zu funktionieren und dazwischen zu pausieren. Einen Kundenservicemitarbeiter bekommt man derzeit weder ans Telefon noch ins Haus, ein Neukauf ist uns wegen eines läppischen Wackelkontakts (noch) zu absurd und kostspielig. Wir behelfen uns also mit dem Laptop des Gatten und gucken nun dort die Coronanachrichten, wenn der Fernseher streikt.

Mit dem Ersatz für die defekte Unterschrankleuchtleiste hatte ich riesiges Glück. Nachdem ich online alle relevanten Baumärkte und andere Händler durchforstet hatte, und dort meist mit Lieferzeiten von 3-6 Wochen (für ein Produkt, das man noch vor 10 Tagen völlig problemlos und ad hoc in jedem Baumarkt hätte kaufen können) oder dem Hinweis „derzeit nicht auf Lager“ konfrontiert wurde, ergatterte ich schließlich die beiden letzten Leuchtschienen dieser Art bei lampenwelt.de. Ich habe zwei bestellt, weil die, die wir bislang hatten, überall ausverkauft waren, und wenn man Wert auf dieselbe Lichtstärke (und -farbe) legt – ein Luxus, den ich mir derzeit glatt noch erlaube – blieb mir nichts anderes übrig, als gleich beide Leuchtleisten zu erneuern, auch auf die Gefahr hin, dass ich damit nun zu den Unterschrankleuchtleisten-Hamsterern gehöre.

Auch die Konsumentenpersönlichkeit verändert sich momentan ja ähnlich rasch wie die Nachrichtenlage und der Alltag im Allgemeinen und im Besonderen.

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Gestern ein Geburts_Tag im Retro-Stil.
Das eigentliche Geschenk, das ich dem Gatten zugedacht hatte, entfiel, weil Alpaka-Wanderungen mit mehr als 1 Mensch und 1 Alpaka nun als unbotmäßige Versammlung gewertet werden und nicht mehr zulässig sind und weil das in der Nähe des voralpenländischen Alpaka-Hofes gelegene Hotel, in dem ich uns anlässlich dieser Exkursion eingebucht hatte, seine Pforten schließen musste. Auch die Idee fürs Ersatz-Geschenk zerschlug sich, weil das bestellte Produkt aus Schweden anreisen müsste, die Schweden aber momentan noch mit Skifahren und einem relativ normalen Leben beschäftigt, die haben grad keine Zeit für Geburtstagssendungen ins verseuchte Nachbarland.
Blieb nur noch ein kleines Packerl auf dem Frühstückstisch übrig, ein schon lange in meiner Schublade lagerndes Sommershirt für den Gatten (Rubrik „Präsente für zwischendurch“), das ihm aber vielleicht demnächst als eine Art Passierschein dienen könnte, falls noch Zeiten kommen sollten, in denen man nur noch mit absolut triftigem Grund vor die Tür dürfte (= Verrichtung der Geschäfte des Dackelfräuleins).

Das Hauptpräsent bestand nun darin, wie anno dazumal eine kleine Ausfahrt ins Grüne zu machen. Erstmals seit zwei Wochen gönnen wir es uns, ein ganzes Stück raus zu fahren aus München (um Himmels Willen aber nicht an den Tegernsee, wo sie inzwischen die Autos mit Münchner Kennzeichen mit Eiern oder Vorwürfen bewerfen, wie der Papa mir berichtet). Vorher bestücke ich daheim einen geburtstäglichen Picknickkorb und schleppe ihn mit (bzw. lasse den Jubilar schleppen).

Der vierstündige Spaziergang tut unglaublich gut, die einsamen Fleckerl, an denen es erst Brotzeit und später Kuchen gibt, liegen so idyllisch, dass ich mich frage, warum eigentlich erst ein Virus daherkommen muss, damit man so einen Tag mal auf diese Weise verbringt: back to the roots, ohne großen Zinnober, ohne irgendwas Besonderes, sondern einfach nur wandernd in der Natur, die ja besonders genug ist (besonders im schönen Oberland), auf Bänken rastend, alle möglichen Leckereien spachtelnd und aus viel hübscheren Tassen trinkend als man sie je in einem Ausflugscafé vorgestezt bekäme. So eine Unternehmung ist zudem auch viel preiswerter als ein Ausflug mit Einkehr, außerdem ist alles bio und mitnichten von geringerer Qualität als im Biergarten.

Thermoskannenhersteller werden wohl zu den Profiteuren dieser Krise gehören, denke ich unterwegs. Und zum ersten Mal spüre ich ein Bedauern darüber, dass ich den noblen Picknick-Koffer, den ich einst 1997 zu meiner Ersthochzeit mit dem Gymnasiallehrer geschenkt bekam (und der seinerzeit auf Platz 2 der Top 5 der geistlosesten Hochzeitsgeschenke landete), nach ein paar staubigen Jahren im Kellerregal ins Sozialkaufhaus getragen habe, weil M. und ich damals nie auf die Idee gekommen wären, mit diesem spießigen, geflochtenen Köfferchen ins Grüne zu fahren. Nun gut, das unruhige florale Design der im Koffer enthaltenen Keramik würde mir immer noch nicht zusagen.

Schöner Tag jedenfalls, auch der Gatte war zufrieden mit Programm und Gaben.

*****

Dennoch (und mal ganz banal formuliert): ich wünsche mir mein Leben zurück, so wie es vor dem Wasserschaden und vor allem vor Corona war.

Ich wünsche mir, dass es beim Lieblingsbäcker wieder jeden Tag Brezen gibt und nicht nur ein Schmalspur-Sortiment. Ich wünsche mir, dass das Lieblingsschwimmbad wieder öffnet und man dort in der glitzernden Frühlingssonne seine Bahnen ziehen kann. Ich wünsche mir, den Papa wieder besuchen zu können, ohne danach Eier von der Motorhaube wischen zu müssen. Ich wünsche mir, die Triftigkeit von Gründen wieder nach eigenem Ermessen festlegen zu können. Ich wünsche mir, meine Freunde wiedersehen zu können. Ich wünsche mir, einen Kaffee im „Isarfräulein“ trinken zu können, während Pippa mit dem Hund der Cafébesitzerin schmust. Ich wünsche mir, dass auch all die kleinen Geschäfte hier im Viertel nach der Pandemie noch am Leben sind und jetzt nicht reihenweise Existenzen zerstört werden. Ich wünsche mir, dass meine Auftraggeber diese Zeiten überstehen und weiterhin Aufträge vergeben können. Ich wünsche mir, dass die Risikogruppen den Schutz bekommen, den sie brauchen und dass es bald einen Test auf Immunität gegen SARS-CoV-2 gibt und dass all die, die dann immun sind, besser mitanpacken können. Ich wünsche mir, dass die Welt sich nach dem Ende dieses Spuks in mancher Hinsicht anders weiterdreht als zuvor und wir alle etwas dankbarer und vielleicht auch demütiger werden, so wir es momentan sind, wenn man beim Samstagmorgeneinkauf tatsächlich alles, was man auf dem Einkaufszettel notiert hat, auch bekommt oder man in den eigenen vier Wänden jemanden hat, mit dem man gerne frühstückt und den man sogar bitten kann, einem die Haare zu schneiden, in Zeiten, wo einen ja eh kaum jemand sieht.

Der wachsende Andrang beim Coronatest-Drive-In auf der Theresienwiese deutet aber, wie so vieles andere auch, eher nicht darauf hin, dass diese Rückkehr zum Leben wie es mal war in Kürze schon wieder bevorstünde.
Es heißt wohl weiterhin, das Leben erstmal anders weiterzuleben, sich auf vielen Ebenen neu zu sortieren und zu justieren in diesem ungewöhnlichen Frühling 2020. Und dabei nicht zu verzagen, froh zu sein, dass man nicht hustet und dass zumindest der Gatte ein krisensicheres Einkommen hat, den Humor nicht zu verlieren und gleichwohl diese schwierige Zeit auch zum Nach- und Überdenken von so manchem zu nutzen.

Ein schönes Wochenende und alles Gute Ihnen!

Für H. zum 4. März 2020: Die überfällige Antwort.

 

 

Liebe H.,

vor genau sechs Monaten, ich kämpfte gerade mit der defekten Waschmaschinentür in meiner Stockholmer AirBnb-Wohnung, schicktest du mir eine Whatsapp, in der du fragtest, ob ich eigentlich sagen könne, welche meine Lieblingssongs vom Hohepriester unseres gemeinsamen Erstkommunionsfestes seien.
Damals war jedoch leider nicht die Zeit und Muße, um dir diese lebenwichtige Frage (als die du sie selbst tituliertest) zu beantworten, da ich wie gesagt in Stockholm war und mit einer Waschmaschinentür kämpfte (neben mir den Koffer mit der Schmutzwäsche von zwei Wochen Gotland, es war also wichtig, den Kampf zu gewinnen).

Heute Morgen kämpfe ich ausnahmsweise mal mit nichts (außer Müdigkeit), denn vor drei Tagen sind wir aus unserer Wohnung ausgezogen, gestern habe ich Lolek den Schlüssel in die Hand gedrückt – und nun komme, was wolle (bzw. hoffentlich: was solle, nämlich ein neues Badezimmer und diverse Verputzungen und Anstriche), ich werd‘ mir das Ganze erst in 9 Tagen ansehen und bis dahin lebe und arbeite ich hier im Tegernseer Asyl vor mich hin (es gibt wahrlich scheußlichere Orte für Geflüchtete).

Daher nutze ich nun während eines Frühstücks in völliger Ruhe, weil alle – der Papa, seine Lebensgefährtin und die Pippa – hier im Haus noch schlafen, die günstige Gelegenheit, dir zu deinem heutigen Jubeltage deine zwar nicht mehr ganz taufrische (im Unterschied zu dir 💕!), aber in ihrer Bedeutung natürlich unverändert lebenswichtige Frage endlich zu beantworten.

Hier also, in aufsteigender Reihenfolge (wie zu unseren Teenie-Tagen, als wir noch gemeinsam der von Thomas Brennicke, Gott hab ihn selig!, moderierten Hitparade lauschten), meine in schlappen sechs Monaten ausgebrütete, mehrfach überarbeitete und überprüfte und dennoch hier und heute nur unter Vorbehalt zu veröffentlichende Top Ten der Bruce-Songs, die ich, wenn ich mich je ernsthaft und für längere Zeit auf eine einsame Insel oder ins Exil (ha!) begeben müsste, mitnehmen würde, um mein musikalisches Überleben zu sichern.
Eine Top Twenty wäre mir leichter gefallen, aber ich übe mich ja zumindest gelegentlich in der Kunst der Beschränkung (wie es mir meine Deutsch-LK-Lehrerin schon 1990 empfahl).

Selbstverständlich bekommst du zu allen 10 Songs nicht nur Titel, sondern auch Ton (seinen) und Text (meinen).

*****

Platz 10: „Jole Blon“

Das war für mich 2012 im MetLife-Stadium DIE Neuentdeckung schlechthin.
Ein typisches Sommerliedchen, ein klassisches Sha-la-la-la-Bruce-Ding wie „Sherry darling“, wenngleich nicht originär von ihm, aber wurscht, das Lied war so herrlich leicht, luftig, locker, liebestoll, einfach ein Traum, damals, in dieser lauen Nacht in New Jersey, in der ich acht Songs zuvor meine Hand auf seine schweißnasse Schulter gelegt hatte und in der ich eines meiner besten Geschenke zu meinem 40. feierte – eben jenes Konzert.

Platz 9: „Bobby Jean“

Mit „Bobby Jean“ verbinde ich gleich mehrere Ereignisse (oder sogar Phasen) in meinem Leben und wahrscheinlich hat der Song vor allem deshalb einen Platz auf dieser Liste bekommen. Denn musikalisch ist das eigentlich eine Komposition, die mich nie absolut vom Hocker gehauen hat. Und trotzdem liebe ich „Bobby Jean“ seit dem ersten Hören. Das war mit dir, damals, am 18. Juni 1985. Es war der 25. Song der Setlist unseres (nennen wir’s mal so:) Initiationsabends.
Und du warst es auch, die diesem Song erstmals eine gewichtige Bedeutung verlieh, als du ein paar Jahre später für ein Schuljahr nach Kanada verschwunden bist und ich in München zurückblieb.
Vom 18. Juni ’85 gibt’s keine Aufnahme/Video, ich wollte aber unbedingt eine von damals erwischen, daher nimm bitte mit dieser hier vorlieb, die ist nur 11 Tage später entstanden, in Paris.

Platz 8: „Across the border“

Sommer 2014. 17 Jahre Maloche lagen hinter mir, die letzten 7 davon ziemlich grenzwertig. Ich quittierte den Dienst, kratzte mein letztes Geld zusammen, packte meine Siebensachen und mein Dackelmädchen ein, hörte auf den Rat meines Arztes und eröffnete mein erstes Konto bei WordPress – und fuhr los. Across the border: Über die Öresundbrücke, durch ganz Schweden, bis hinüber nach Gotland, was mir seit Kindheitstagen ein Eiland der Verheißung war (Pippi Langstrumpf!), und nun war ich endlich groß und frei genug, sie mir anzusehen.
Vor der Überquerung der Öresundbrücke lege ich seither bei jeder Fahrt nach Schweden genau diesen Song ein, drehe die Lautstärke voll auf und heule voll los.

Platz 7: „This hard land“

Einer der berühmtesten, meistgesungenen Psalmen der Bruce-Gemeinde: „(…) well, if you can’t make it, stay hard, stay hungry, stay alive – if you can and meet me in a dream of this hard land (…)“ – dieser Vers ist ohne jeden Zweifel lebenswichtig und lebensrettend bzw. entfaltet diese Wirkung, wenn ihn die ganze Gemeinde in die Dunkelheit hinausplärrt, aber er ist nicht der Hauptgrund, warum ich dieses Lied in die Top Ten aufnehmen musste.
Es sind die gesamten viereinhalb Strophen davor, die mich so umhauen und die ja nur in diesem letzten Aufschrei gipfeln (oder sich in ihm auflösen). Dieser verdammte Song hat mich dermaßen gefesselt, als ich ihn Ende der 1990er Jahre erstmals hörte, dass ich monatelang gar nicht in der Lage war, mir all den anderen verdammt guten Stoff auf „Tracks“ reinzuziehen (das Greatest-Hits-Album, auf dem er schon früher erschienen war, hatte ich damals noch nicht).
Dreimal gehört, und für immer auswendig gekonnt, du könntest mich nachts um 3 wecken und bitten, „This hard land“ zu rezitieren und es würde mindestens genauso flutschen wie Goethes „Willkommen und Abschied“ oder Schillers „Ring des Polykrates“ oder Hölderlins „Mitte des Lebens“, um jetzt mal ein bisschen bewandert zu tun (und das mal nicht nur im alpinistischen Sinne).
Hier für dich eine der Akustik-Versionen, in der ich ihn (nicht den Song, aber Bruce) besonders mag, du wirst wissen, wieso.
Und hör‘ dir unbedingt auch den Prolog genau an: „(…) the older you get, the more it means“. Genau so ist es, und zwar mit sehr vielem.

Platz 6: „Atlantic City“

Immer schon geliebt. Und schon vor 15 Jahren beschlossen, dass das der Song sein soll, der mal auf meiner Beerdigung gespielt wird:

Now our luck may have died and our love may be cold
But with you forever I’ll stay
We’re goin‘ out where the sands turnin‘ to gold now
Put on your stockin’s cause the nights gettin‘ cold and
Everything dies, baby, that’s a fact but maybe
Everything that dies someday comes back

Nicht, weil ich nochmal wiederkommen möchte. Sondern weil ich summa summarum gern hier war. Und weil ich immer Trost fand in diesem Lied, wenn es mir schlecht ging.

Platz 5: „The Ghost of Tom Joad“

Eine Wucht, der ganze, lange Song.
„Tom Joad“ war das erste Springsteen-Album seit 1973, das die Top Five verpasst hat, obwohl es einen Grammy für das beste zeitgenössische Folk-Album gewann. Sein Titelsong, „The Ghost of Tom Joad“, in einer später entstandenen Live-Version zusammen mit Tom Morello (von Rage Against the Machine), rüstete den ursprünglichen Folk-Song zu dem um, was er dann auf dem „High Hopes“-Album geworden ist: ein moderner Rocksong mit einer unglaublichen Intensität. Erst als Duett eroberte er schließlich die Herzen von noch mehr Fans, so auch das meine.
Ich finde, die beiden sollten mindestens noch „Youngstown“ und „Lost in the flood“ gemeinsam spielen (und aufnehmen). Immer wieder sind es auch diese düsteren Geschichten von Springsteen, die ich live wirklich zum Niederknien schön finde.

Platz 4: „Dream, baby, dream“

Man braucht nicht viele Akkorde, um einen Song zu komponieren, der den Fans eine Gänsehaut beschert. Man braucht auch nicht notwendigerweise viele Instrumente oder eine Band drumrum. Manchmal genügt es, wenn sich ein Mann allein ans Piano setzt und gefühlvoll in die Tasten greift und seine Stimme erhebt.
„Dream, baby, dream“ ist für mich wie Schwimmen: ich tauche ein, ich folge dem schwarzen Balken, hin und zurück, hin und zurück, alles wiederholt sich, Bahn für Bahn, immer dasselbe. Vordergründig könnte man nun geneigt sein, das für Monotonie, Ödnis oder gar Langeweile zu halten. Das wäre aber viel zu kurz gedacht bzw. empfunden.
Denn das Schwimmen (und anderen mag es mit anderen Ausdauersportarten ähnlich ergehen) und eben auch ein Song wie dieser können einem den Zugang eröffnen zu einer anderen Sphäre. Zu einem selbstvergessenen, dahinfließenden, dahinträumenden, dahingleitenden und dadurch beinahe meditativem Zustand.
Und exakt darum steht dieses Lied so weit oben auf meiner Liste.

Platz 3: „Backstreets“

Dieses kraftvolle Epos von einer bedeutsamen Freundschaft (oder Liebe?) und ihrem Verblassen (und über zerplatzte Ideale der Jugendzeit überhaupt) war einer meiner sehnlichsten Live-Wünsche, der leider erst sehr spät (2016 in Berlin) in Erfüllung ging. Der Song ist ein klassisches Drama in fünf Akten (wie es ein Dylan auch nicht besser hinbekäme!), er ist einer seiner wuchtigsten, umfassendsten und „vollständigsten“ Songs.
„Backstreets“ konkurrierte in meiner Fan-Seele seltsamerweise immer mit „Jungleland“, wofür es keinen rationalen Grund gibt. Mal bedeutet mir das eine mehr, mal das andere, manchmal höre ich ein ganzes Jahr lang fast nur den einen, dann wieder nur den anderen Song. Dieses Jahr ist bislang eher ein „Backstreets“-Jahr, deshalb hier und heute Platz 3.

Platz 2: „Tougher than the rest“

Das ultimative Liebeslied aus der Feder Springsteens.
Es gibt keines, das mich in letzten dreißig Jahren kontinuierlicher begleitet und häufiger zu Tränen gerührt hätte.
Es ist ehrlich, authentisch, romantisch – und zugleich so schonungslos und traurig, voller Sehnsucht und Herzschmerz.
Es spielte in allen Liebesbeziehungen, die in meinem Leben wichtig waren oder sind, eine Rolle.
Unbedingt im 1980er-Jahre-Stil anzugucken, dieser Zeit, in der für uns alles begann (auch diese Sache mit der Liebe).

Platz 1: „Thunder Road“

Von all den vielen Perlen aus seinem riesigen Lebenswerk ist es diese, die ich über alles liebe.
So vieles ist schon gesagt und geschrieben worden über diese Straße des Donners: Für die einen hat der Song eher etwas Auswegloses und alles andere als ein Happy End, für andere birgt er hingegen eine Menge Hoffnung und mündet in einen positiven Aufbruch (ich zähle mich zu Letzteren).
„Thunder Road“ ist in meinen Augen ein Versprechen: für heute, für morgen, für die Zukunft. Egal, wie jung oder schön wir (noch) sind. Eine Ode an die Liebe, sogar an die Langzeitliebe, mit all ihren Versehrtheiten und Schrammen. Ein Tritt in den womöglich über die Jahre etwas träge gewordenen Hintern. Ein Appell, nicht alles auf morgen zu verschieben, sondern mit manchem lieber jetzt und heute loszulegen. Eine Ermahnung zu mehr Mut und Zuversicht, zu mehr Selbstvertrauen und Offenheit. Ein großes Versprechen an das Leben.
Auch an das gerade erst geborene, wie dieser Kommentar eines Fans (den ich unter einer der Donnerstraßenversionen auf YouTube entdeckte) verdeutlicht: „I insisted this song be the first music my newborn daughter heard on earth. That was 23 years ago. I’d make the same choice again today. It just doesn’t get any better than this.“
Und so sehe ich das auch: Besser geht es einfach nicht.
Das hier ist nicht die musikalische „Thunder Road“-Interpretation, die mich am tiefsten bewegt (das wäre eine der Acoustic– und keine der Fullband-Versionen), aber es ist eine von denen, in der mich sein Gesichtsausdruck am meisten berührt, möge es dir ähnlich gehen.

*****

Ein Update zu dieser Top Ten kommt dann ggf. zu deinem nächsten runden Geburtstag, der ja in nicht allzu ferner Zukunft ansteht, aber doch noch weit genug entfernt ist, damit ich nochmal in aller Ruhe weiterbrüten kann über deine wahrlich lebenswichtige Frage und meinen bescheidenen Antwortversuch.

Mit ein paar knapperigen Krümeln (danke nochmal!) zwischen den Zähnen stoße ich nun mit meinem letzten Schluck Morgenkaffee auf dich und dein Wohlergehen an, gratuliere dir ganz herzlich und wünsche dir einen besonders schönen, sonnigen Tag (du weißt noch, was der Chloroplast an einem solchen tun würde?!), vielleicht ja mit etwas Neuschnee, so wie hier am Tegernsee.

In alter, unverbrüchlicher Freundschaft grüßt dich –
Deine T.

PS: Deine ausführliche Stellungnahme zu dieser Liste lässt du mir bitte ebenfalls binnen 6 Monaten zukommen.

Songs des Tages (41+42) – und ein Text zur Nacht.

Für meine kleine, treue Gefährtin zum 8. Geburtstag: Eine Trilogie.

(1)

Well, people turn their heads around
When I walk with you, baby, straight through town
You’re mine, baby, baby, you’re mine
You’re my little baby, I’m proud, baby, that you’re mine

Ja, genau: Stolz bin ich, wie am ersten Tag, dass du mein Hund bist.
Und glücklich!

 

(2)

We said we’d walk together baby come what may
That come the twilight should we lose our way
If as we’re walking a hand should slip free
I’ll wait for you
And should I fall behind
Wait for me

We swore we’d travel darlin‘ side by side
We’d help each other stay in stride
But each lover’s steps fall so differently
But I’ll wait for you
And if I should fall behind
Wait for me

…so wollen wir’s auch auf unserer zweiten Weghälfte halten.

 

(3)

Und nun lass uns hinausgehen in die Rauhnacht,
in der Du zur Welt gekommen bist,
lass uns rennen, spielen und den Mond anheulen,
so wie es schon Deine Ahnen taten!