Jahresanfang oder: Brachia plastica.

Da sind wir also nun in 2018. Bislang läuft’s so leidlich. 

Hormone hier, Hormone dort. Das Dackelfräulein hat beschlossen, pünktlich läufig zu werden. Nämlich dann, wenn der Gatte nächste Woche für 11 Tage nach Frankfurt muss und wir Frauen hier ganz unter uns sind. Das bedeutet: 33x alleine Schutzhöschen an- und ausziehen. Ein Volltreffer, eine Punktlandung. Hurra.

Der traumhafte Schnee komplett weggeschmolzen, dafür traumhaft neue Lekis erstanden, sogar mit Wintertellern dran. Jetzt muss es nur wieder schneien, sonst wirkt man albern mit den Dingern.

Den verregnetsten Tag der Woche für einen ersten Ausflug mit meinem großen Freund S. an den Starnberger See genutzt. Angepeiltes Café hatte spontan geschlossen. Das Grau des Ufers ging nahtlos in das Grau des Sees und jenes in das des Himmels über. Aber tolle Gespräche führten wir, so ganz und gar unabgelenkt von schönen Ausblicken und Kuchenstücken.

Beim Schwimmen dachte ich heut‘: Eine Typologie der Typen und Typinnen im Wasser, die gehört dringend mal geschrieben. Vielleicht sogar nach Jahreszeiten (oder Monaten) sortiert. 

Der Januar (maximal das erste Quartal) steht ganz im Zeichen der Qualle. Feiertagsfrieda und Vorsatzvroni ziehen in dauerratschender Schieflage ihre Bahnen bis zur Nackenstarre oder bis ihnen kühl wird, denn wir sind zwar im Winterwarmfreibad (großzügig beheizt), aber bei Schneckentempo wird’s einem mit Wind um die Ohren und die plappernden Münder halt doch irgendwann frisch. Wuchten sich nach 300m in 30 Minuten die Stufen aus dem Becken hinaus und watscheln unter die warme Dusche, wo weitergeratscht wird (nun doppelt so laut, da das Wasserplätschern ja übertönt werden muss). 

Sie müsse nun dringend Abnehmen, meint Feiertagsfrieda zur sofort zustimmend nickenden Vorsatzvroni, und Schwimmen sei da ja so ideal, weil so gelenkschonend. Man wolle jetzt mindestens 2x die Woche das Bad aufsuchen. Oh Gott. 

Da aber die Leiber das Fasten eh lieber dem Hirn überlassen würden, kann getrost abgewartet werden, bis der Februar kommt oder spätestens der März, dann ist die Saison der Quartalsquallen nämlich wieder rum.

Die Münchner Abendzeitung, sonst wahrlich nicht meine Lieblingspostille, weiß um die Qual(l)en der Leibesertüchtigung und empfiehlt als ebenso kluge wie ressourcenschonende Altenative:

Das soll sogar (!) leichter gehen als Abnehmen. Eine wirklich gute Idee: Plastikmüllvermeidung statt Schwimmbeckenverstopfung.

Nur Rewe, den ich sowieso nicht mag, hat davon noch nichts mitbekommen und offeriert just zum Auftakt ins neue Jahr dem rundum auf Reduktion gepolten Kunden ein heimisches Grundnahrungsmittel in neuem Gewand: 

Butterbreze in Plastikschale mit Plastikfolie drüber. 😨😨😨

Hirnfasten für Fortgeschrittene.

Einen gelungenen Jahresbeginn gehabt zu haben – das wünscht Euch

Die Kraulquappe.

PS: Und danke, liebe Abendzeitung, dass Du in derselben Ausgabe gleich noch den Polt erklären lässt, was Humor ist. Der wird, so wie ich das kommen sehe, wohl auch dieses Jahr vonnöten sein.

Champion of the Wohnung.

So kann‘ s gehen, wenn man a) die Brille für Kleingedrucktes nie zur Hand hat und b) umzugsbedingt immer noch zwei, drei Pakete pro Woche geliefert bekommt mit so spannendem Zeug wie „Schubladeneinsatz 60×40“ oder „Filzgleiter, 250 Stück, in allen Größen“.

Da klingelt DHL oder DPD, ein im Akkord arbeitender Bote sprintet die Stufen hinauf, man setzt mit einem abgegriffenen Plastik-Pseudostift seinen Servus unter/auf/in das verschmierte Display, schließt die Tür, holt das Teppichschneidemesser (=das Signal für den Hund, sofort aufzuspringen und sich am Aufschlitzvorgang zu beteiligen) und öffnet die Sendung.

Erwartet wird die letzte fehlende Sortierbox für die Werkzeugschublade, die im Moment ein bislang ungekanntes Dasein als prominenteste Schublade des Haushalts erlebt.

Aber was ist das? Ein güldener Engel reckt sich aus der Schachtel empor und hält mir einen Stern entgegen.

Habe ich aus Versehen ein Weißbier zu viel erwischt?
Ich befreie den Engel aus seiner papiernen Hülle und erkenne: Das ist ein Pokal!

Und so gerade noch ohne Brille kann ich die Inschrift lesen, die er trägt:

Ja leck mich am Arsch – da steht ja mein Name drauf (nein, nicht „Störtebeker“, sondern weiter links unten!)!

Das ist aber mal fair vom Leben: Da hockt also doch irgendwo einer, der sieht, was man geschafft hat und der das honoriert.
Meist hacklt man ja vor sich hin wie deppert und es gibt kaum einen feuchten Händedruck für all die Mühsal. Geschweige denn einen Dank, eine Anerkennung, einen Scheck, einen Orden oder gar einen Pokal. Da tät‘ ich nun glatt ein Zweitbier drauf trinken, wenn noch eines im Kühlschrank wär‘, um die Preisverleihung an mich mit mir zu feiern.

Beim Kartonzerschneiden frag‘ ich mich, wieso das Paket eigentlich an den Gatten adressiert war … ach nein, sag bloß… echt jetzt … also doch keine unabhängige Institution … wieder nix, was für den CV taugt … obwohl es so schön glänzt …

Trotzdem: Danke, danke, lieber Gatte.
Aber glaub bloß nicht, dass dich das von der Teilnahme am finalen Umzugsdreckwegputzen und den letzten Fahrten zum Wertstoffhof entbindet, gell! Gute Zugfahrt noch!

Prosit,
Die Kraulquappe.

(Nachtrag: Erfuhr soeben per WhatsApp aus dem Zug, dass es sich nicht um einen Engel, sondern um Victoria handelt. Ich kenn mich nicht so aus mit Siegen.)

Song des Tages (6).

Das Meiste mündet doch in die ewig gleichen Fragen: Warum, wohin, wie, wann, mit wem – und was man währenddessen am besten hören könnte.

Das Wohin fand ich dieser Tage wunderbar beantwortet, von Gerhard Polt.

Heute, genervt und gehetzt im Stau zwischen Pasing und Neuhausen stehend, fiel mir der Polt sofort wieder ein, als mir ein Radiosender den Ohrwurm des Tages einpflanzte:

The river it touches my life like the waves on the sand
And all roads lead to Tranquillity Base
Where the frown on my face disappears
Take me down to my boat on the river
And I won’t cry out anymore

Wenn ich das ganze Gewurschtel hinter mir habe, hock‘ ich mich allein an den See und stell‘ mir das mal konkreter vor: So ein Dasein als Bootsverleiher. Die Ruhe, das Wasser, die Zeitung, eine Wurst dazu – und alle Störungen mit einem gekonnten Tritt beseitigen. Sehr verlockend (and the frown on my face disappears). Vielleicht fahr‘ ich auch gleich morgen an den See raus.

Mit den besten Wünschen für eine gute Nacht –
Die Kraulquappe.