Songs des Tages (41+42) – und ein Text zur Nacht.

Für meine kleine, treue Gefährtin zum 8. Geburtstag: Eine Trilogie.

(1)

Well, people turn their heads around
When I walk with you, baby, straight through town
You’re mine, baby, baby, you’re mine
You’re my little baby, I’m proud, baby, that you’re mine

Ja, genau: Stolz bin ich, wie am ersten Tag, dass du mein Hund bist.
Und glücklich!

 

(2)

We said we’d walk together baby come what may
That come the twilight should we lose our way
If as we’re walking a hand should slip free
I’ll wait for you
And should I fall behind
Wait for me

We swore we’d travel darlin‘ side by side
We’d help each other stay in stride
But each lover’s steps fall so differently
But I’ll wait for you
And if I should fall behind
Wait for me

…so wollen wir’s auch auf unserer zweiten Weghälfte halten.

 

(3)

Und nun lass uns hinausgehen in die Rauhnacht,
in der Du zur Welt gekommen bist,
lass uns rennen, spielen und den Mond anheulen,
so wie es schon Deine Ahnen taten!

From small things big things one day come. Zum 19. April 2017.

Liebe B.,

beim sonntäglichen Laufen höre ich besonders gern einen speziellen Springsteen-Song, weil der so gut zu meinem Laufrhythmus passt. Und bei einer der Strophen muss ich oft an dich denken, weil sie mich – nicht ganz im Wortsinne, aber fast! – an deinen Anfang mit E. und eure weitere Geschichte erinnert. Vor allem aber passt der Liedtitel zu dir: From small things big things one day come.

Du bist nämlich eine der mutigsten, treuesten, beharrlichsten, zuverlässigsten und zähesten Frauen, die ich kenne und mein (bislang unerreichtes) Vorbild in Sachen Nicht-Jammern sowie in der Kunst, dem Leben auch in schwierigsten Phasen unverzagt und optimistisch das Beste abzugewinnen, anstatt in Missmut und Schwarzmalerei zu versinken.

Aber nun soll Bruce sprechen!

It was late one Friday, he pulled in out of the dark
He was tall and handsome, first she took his order then she took his heart
They bought a house on the hillside, where little feet soon would run
From small things, mama, big things one day come

(Als das Video entstand, war ich live dabei, aber diese Info macht die erste, teils arg verfinsterte Minute und den schlechten Sound wohl auch nicht wett.)

Mit dem weiteren Text befass‘ dich bitte erst gar nicht, denn bis auf die „blue-eyed daughter“ und den „handsome son“ ist da nichts mehr dabei, was auf deine Situation passt. Denn ich glaube nicht, dass du je mit einem Immobilienmakler durchbrennst, den du zum Abschluss eurer Affäre erschießt und dann in das Häuschen zu E. und den Kindern zurückkehrst. Das Leben ist ja auch ohne solche Eskapaden schon spannend genug.

Zwölf Tage vor dem Umzug und am Tag der ersten großen Möbelmontage in der neuen Wohnung musste ich mich etwas jetzt etwas kürzer fassen.

Trotzdem kommt meine Gratulation von Herzen und ich wünsche dir, dass es auch im neuen Lebensjahr für dich immer aufwärts und dem Licht entgegengehen möge (und im Fall der Fälle immer jemand da ist, der dich bei der Hand nimmt 🙂 ).

Hab einen wunderschönen Tag, der dir hoffentlich mehr Frühling als Winter beschert, lass dich beschenken und verwöhnen! Wenn wir uns im Sommer endlich wiedersehen, feiern wir nach!

Happy birthday & alles Liebe und Gute aus deiner alten Heimat wünscht dir
Deine Kraulquappe.

 

PS: Nochmals vielen Dank für den Umzugsratgeber, den du mir geschickt hast. Er leistet partiell wertvolle Inspiration, und Hinweise wie die, dass man am Umzugstag leger, aber trotzdem nicht stillos gekleidet sein solle und keinesfalls an die noch ausstehende Steuererklärung denken dürfe, überlese ich ganz entspannt (= in meiner alten Jogginghose und ohne erledigte Steuererklärung 2016).

I wish you all the very best. Die 44er Nachlese.

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Vorgestern bin ich 44 geworden. An sich ein relativ unspektakulärer Geburtstag. Keine Party, keine Besuche, keine Bergtour – nicht mal Sonne. Dafür umso mehr Zeit für angenehme, entspannende Dinge und Unternehmungen. Beispielsweise war ich in der Sauna. Kann mich nicht erinnern, das schon mal an einem 13. Juli gemacht zu haben, denn meist war das Wetter viel zu gut.

Ebenso Zeit, die im Laufe des Tages eingetrudelten Gratulationen am späteren Abend zu kategorisieren und gründlicher zu betrachten, als es bei Partygetümmel und Ausüben der Gastgeberrolle je möglich wäre.

Zum einen: die wiederkehrende Feststellung, dass es kaum noch Menschen gibt (dieses Jahr: acht an der Zahl), die einem handschriftlich und auf dem Postwege gratulieren. Obgleich ich das am meisten schätze. Man kann sich die Kärtchen auf den Tisch stellen oder aufhängen und anschließend auch aufheben. Ich liebe die jährlichen Hundepostkarten meiner Freundin A., auch wenn der Gatte sie immer mit dem Satz „Bist du wieder 13 geworden?“ kommentiert (und auch die Katzenkärtchen, die ich an A. schicke, quittiert er mit dieser leicht zynischen Bemerkung).
Zum anderen: der Trend zu elektronischen Geburtstagsgrüßen nimmt weiter zu. Heuer: 14x per WhatsApp, 11x per Mail und 7x per SMS, 4x Facebook.
Dann gibt es noch die paar, die anrufen, in Ermangelung von Zeit, anderer Technik, aus familiären oder anderen persönlichen Gründen. Wie immer: der Papa, die Schwiegereltern, der Exmann, mein Freund S., der Vater meiner Schulfreundin H..
Und die Kategorie „fremde Gratulanten“. Darunter fielen diesmal: Galeria Kaufhof, DM, Telekom und der FC Bayern. Letzterer nicht etwa, weil ich Mitglied wäre, sondern weil ich im Fanshop mal was für den Gatten zum Geburtstag bestellt habe, der Fan ist, aber keine Gratulation vom FC Bayern bekommt (verkehrte Welt!).
Nicht zu vergessen: die Kategorie „Mehrfachgratulanten“. Eine Handvoll besonders guter Freunde gratuliert doppelt bis dreifach: per Post, frühmorgens dann noch per WhatsApp/SMS/Mail und ggf. nochmal auf einem dem Geschenk beiliegenden Kärtchen. Widerfuhr mir vorgestern 4x. Was auch klarstellt, dass ich nicht 44 Freunde habe, sondern – abzüglich der Mehrfachgratulanten – nur 38 bis 40. Was auch gelogen ist. Ich habe schwankend zwei bis acht Freunde (je nach Lebensphase und -einstellung sind es mal nur 2, dann wieder eher 8). Reicht mir auch.

Die besondere Beobachtung, die ich gemacht habe und über die ich hier schreiben wollte, ist aber eine ganz andere. Es ist der erste Geburtstag gewesen, an dem mir – durch welches Medium auch immer – auffallend oft alles erdenklich Gute gewünscht wurde. Alles erdenklich Gute!? Hm.

Bis zum 43. hat’s alles Gute oder, von den ganz Lieben, alles, alles Gute ja auch getan. Kaum wird man 44, ist das Gute neben allumfassend auch noch erdenklich geworden. Ist das nicht bedenklich, diese erdachte Steigerung von alles?

Zufall kann es jedenfalls nicht sein, da diese Formulierung in 6 von 44 Gratulationen auftauchte. Was will mir das sagen? Was wollen die Glückwünscher mir mit auf den Weg geben? Einfach nur ein Schippchen mehr Glückgesundheitfreudezufriedenheit, weil sie denken, dass man das mit 44, mit Kalkschulter und ohne Arbeit, besonders brauchen könnte? Hat jemand eine Idee? Oder möchte sich gar einer der Verfasser des erdenklich Guten hier öffentlich zu seiner hoffentlich unbedenklichen Intention äußern?

Wie oft in solchen Begriffsnöten bemühe ich den Duden.
Aha. Da haben wir’s.

erdenklich

Bedeutung: was, soweit überhaupt denkbar, irgendwie möglich ist. Um Himmels Willen.

Also soweit überhaupt noch etwas Gutes denkbar ist, das für die fragile, labile Mittvierzigerin drin ist in dieser Wundertüte, die man Leben nennt, muss es auch noch irgendwie möglich sein. Au weia. Das irgendwie schränkt die Möglichkeit ja auch irgendwie ein, finde ich.

Aber es kommt noch bedenklicher mit dem Erdenklichen. Die Synonyme für erdenklich sind nämlich: möglich, virtuell, denkbar und vorstellbar.
Wünscht man mir nur noch virtuell alles Gute, weil es real eh schon utopisch wäre? Oder wünscht man mir nur noch das defintiv vorstellbar Gute, wohingegen mir früher für ein neues Lebensjahr auch noch unvorstellbar Gutes zugetraut und gewünscht wurde? Fragen über Fragen!

Aber es gibt Trost! Denn es kann kein Zufall sein, dass dieses heimtückische, kleine erdenklich im Alphabet umrahmt wird von Erdenkind und Erdenlauf. Mittendrin zwischen dem Menschen und dem Lauf des Lebens erd_enkelt es vor sich hin!(*)

Das stimmt doch hoffnungsfroh. Da ist noch was drin!

In diesem Sinne wünsche ich euch ein erdenklich gutes Wochenende 🙂
Eure Kraulquappe.

(*) hab’s mir mal ausgeliehen – danke, kaschpar.