Ge_danke_n 2018 (10).

Zum Jahresende sortiere ich grundsätzlich meine Fotos. Lege Ordner an, Unterordner gar, alles wird durchgesehen, ausgemistet, betitelt und schließlich chronologisch abgelegt. Sonst findet man nämlich in Kürze nichts mehr wieder.
Und außerdem hat das Betrachten und Aufräumen des gesamten Fotobestands eines zu Ende gehenden Jahres stets auch den einen oder anderen kathartischen Effekt.

So zum Beispiel diesmal die Erkenntnis, dass Selfies zu 99% scheiße aussehen, weil man darauf einen Eierkopf hat, ziemlich blöd in die falsche Ecke guckt und mindestens ein Oberarm muckimäßiger daherkommt als er ist. Die Steigerung von Solo-Selfies sind Duo-Selfies, da stimmen dann auch die Größenverhältnisse nicht und immer verzieht es einem von beiden das Grinsen, weil man halt 5 bis 8 Anläufe braucht, bis überhaupt mal beide auf dem Bild drauf sind und man eine einigermaßen passable Position nebeneinander gefunden hat.
Im Jahr 2018 sind 9 unsägliche Selfies entstanden, nur eines davon kann bzw. soll (in milder Sepia-Nachbearbeitung, um den Sonnenbrand zu vertuschen, ansonsten aber ohne weitere Beschönigungen) im Rahmen der heutigen Danksagung veröffentlicht werden.

Straßburg im August, T. und ich am Ende eines langen Sommertages, verschwitzt und vernebelt von den Geruchsschwaden, die der Elsässer Flammkuchen (der mit dem Munsterkäse) durch die ganze Stadt trieb. Abgesehen davon war’s toll dort: ich durfte mir alles aussuchen, das Programm ganz nach meinem Geschmack gestalten und hatte in T. einen Begleiter und Sponsor, der nie murrte oder moserte und bis auf das Absolvieren von 1.500m im örtlichen Freibad für all meine Ideen zu begeistern war.

Ich erinnere mich sehr gern an diese 3 Tage im Sommer 2018 – geburtstagsgeschenktechnisch war das wirklich ein Volltreffer!

Danke, lieber T. alias Bobby Jean – und falls Du Dich finanziell je von dem französischen Strafzettel erholen solltest: einem weiteren Trip wäre ich nicht abgeneigt und selbstverständlich organisiere ich auch wieder das Sightseeing- und Sport-Programm!

À bientôt & merci pour tout!

Wacken (Open Air) und andere Wasserfreuden.

Strasbourg.

Ein kleines Paradies, dieses Städtchen: durchzogen von verwinkelten Gassen, idyllischen Wasserwegen, blühenden Uferpromenaden, französischem Flair, gelungenem Stilmix aus Alt und Neu, unendlich vielen schönen Brücken. Und als Sahnehäubchen das Piscine du Wacken, ein Freibad vom Feinsten, für erfrischende 4€ Eintritt!

Straßburg.

Schwaden von stinkendem Munsterkäse durchziehen die Altstadt, ein Glas Bier ist in vielen Lokalen teurer als in Kopenhagen, überall stolpert man in rotblinkende Poller und astronomisch hohe Parkgebühren gefährden die Urlaubskasse (geschicktes System übrigens: Anfüttern mit 1 harmlosen Euro für 3 Std, danach wird ein Tagessatz von 35 bis 54€ fällig – die spinnen, die Franzosen!).

Verkraftbar aber, muss man halt ein bisserl flexibel damit umgehen: im Lokal je nach Geruch/Windrichtung mehrfach den Tisch wechseln, Wein trinken, ganztags die Sonnenbrille aufsetzen und den Parkautomaten zweimal täglich schamlos austricksen.
Ach ja, und Obacht vor adebarischem Overkill – in der Altstadt ist dem nur schwer zu entkommen!

Storchenwahnsinn überall in der Stadt.

Fazit: Ein absolut lohnenswertes Ziel für eine erholsame Städtereise. Am besten zu bereisen im Sommer und am allerbesten mit einem all-inclusive-Gutschein im Gepäck.

Auf der Passerelle des Deux Rives.

Meinen herzlichsten Dank an T. für das prima Geschenk – und sind wir doch mal ehrlich: ein Trip in ein Landhotel an der Mosel oder ins Schwabenländle, so wie du’s zunächst im Sinn hattest, hätte da niemals mithalten können, nicht wahr?

Ich hoffe, du bist gut heimgekommen und deiner Hüfte geht’s dank des ausgiebigen Schwimmens und des drei Tage hintereinander (locker) erreichten Schrittzahl-Highscores nun besser, und falls nicht, gönn‘ dir mal etwas Ruhe und hau‘ dich gemütlich mit einem Flammkuchen auf die Couch.
Von Dr. Oetker gibt’s hierzulande ’nen recht preiswerten, hab‘ ich gehört. Sogar ohne Munstermief.

Flammkuchen in der sozialverträglichen Variante.

In 4 Jahren, zum 50., dann wie gesagt gern Vancouver, Kapstadt oder Sydney, bis dahin tun’s natürlich auch Tickets für einen Bruce-on-Broadway-Abend (evtl. pünktlich geschickt, damit wir da etwas mehr Vorlauf haben als diesmal?).

Greetings from Munich! 😎
Deine N.

Across the border oder: Auf eine Wassermelone.

In der proppenvollen Arena unterhielt M. wie immer die Leute um uns herum. M. hatte diese Gabe, alle, die sich in seiner Nähe befanden, in Gespräche zu verwickeln. In lockere, zwanglose, meist sogar amüsante Gespräche. An seiner Seite konnte man gar nicht anders, als daran zu partizipieren, zumindest in Situationen, in denen man unter den vorderen 1.000 in einer Arena eingepfercht war, folglich sowieso nicht hätte fliehen können und das auch gar nicht wollte, weil man ja freiwillig und gern dort war, um an einem wundervollen Sommerabend auf den Beginn einer drei- bis vierstündigen musikalischen Messe zu warten.

An einem solchen Abend lernte ich dank M. vor fünf Jahren T. kennen. T. stand links von uns und versuchte, mit einem etwas schwachen Edding ein Request-Plakat zu bepinseln. Ich half ihm dabei. Am Ende stand „Local Hero“ auf der Pappe. Ich stutzte kurz und dachte mir: „Sieh mal an, ein Song, dem du bislang nie irgendeine Beachtung geschenkt hast – und für den ist das sein allergrößter Wunsch…“.
Bruce schenkte dem Plakat leider ebenfalls keine Beachtung, was aber angesichts der Tatsache, dass die Fan-Gemeinde an dem Abend das weltbeste „Back in your arms“ zu hören bekam, auch völlig egal war (ich denke, auch für T.). Bei „Thunderroad“ tauschten wir Telefonnummern und Mailadressen aus, er wollte mir seinen Video-Mitschnitt von „Back in your arms“ schicken (damals hatte ich noch kein Smartphone, was für T. unbegreiflich war).

Fortan schrieben wir uns drei Jahre lang Mails (Sie machen sich keine Vorstellung davon, was es unter Fans alles auszutauschen gibt!) und 2016 sahen wir uns schließlich bei der nächsten Tournee wieder. München, Olympiastadion: ich mit Kalkschulter, dem Gatten und M., er mit Sohn und ebenfalls gesundheitlich etwas angeschlagen.
Eine echte Fanfreundschaft hat natürlich Potenzial (trotz aller Gebrechen und Distanz), so viel ist schon mal klar. Blöd wird’s nur, wenn der gemeinsam verehrte Held seit anderthalb Jahren ausschließlich am Broadway herumtingelt und herumsingt, und nicht abzusehen ist, ob er a) in absehbarer Zeit mal die Freude daran verlieren wird und b) dann gleich die nächste Welttournee in Angriff nimmt, so dass sich wieder ein gemeinsames Konzerttreffen ergäbe.

Und bei den 500km, die zwischen meiner und T.s Heimat liegen, kann man halt nicht einfach mal „auf einen Kaffee gehen“.
Ein Wiedersehen stand also seit 18 Monaten in den Sternen. Wir mailten tapfer weiter.

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Als sehr klug hat es sich übrigens erwiesen, neulich aus einer Laune heraus eine „Nachfrist“ für Geburtstagspräsente zu verkünden.
Denn andernfalls hätte sich T. wohl im Leben nicht getraut, einer Pünktlichkeitsfanatikerin mit einiger Verspätung noch diesen netten Gutschein für eine kleine Butterfahrt zukommen zu lassen.

Als der Gutschein vor ein paar Wochen eingetrudelt war und ich all das Kleingedruckte, das es bei derlei Butterfahrten oder durch Rubbellose gewonnenen Kurzurlauben ja stets akribisch unter die Lupe zu nehmen gilt, ausgiebig studiert hatte, fand ich die Sache dann (bis auf die halbe Wassermelone) doch einigermaßen vertrauenserweckend, so dass ich beschloss, in die detailliertere Planung einzusteigen.

Erstmal folgte allerdings eine Ernüchterung. Es stellte sich nämlich heraus, dass T. nur noch an genau 5 Tagen im August Zeit haben würde – und da der Gutschein ja bloß drei Wochen gültig ist, musste da Einiges hin und her geschoben und eilig mit dem Gatten koordiniert werden. So ist es ja immer bei diesen Pseudo-Schnäppchen und den geschenkten Gäulen: der Teufel steckt im Detail.

Und nicht nur terminlich, auch räumlich bin ich T., der tief im Südwesten lebt, deutlich entgegengekommen. Damit er nur ein Training versäumt. Ja, allen Ernstes, das war auch so eine der Vorgaben! Dabei darf er selbstverständlich stattdessen mit mir trainieren, wenn auch Schwimmen nicht so sein Ding ist, aber mei, so ein Fußballer kann seine Wadln ja durchaus auch mal ins Wasser bewegen.

T. versuchte zunächst noch perfide, Werbung für ein landschaftlich und preislich idyllisches Landhotel an der Mosel oder im Schwabenländle zu machen, aber keine Chance: Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und das Saarland schloss ich von vornherein rigoros und aus zutiefst empfundenen Vorurteilen aus. Im Gutschein stand schließlich ausdrücklich drin, dass es ein Ort meiner Wahl sein dürfe. Nachdem ich T. dann mit der Steiermark, dem Salzkammergut oder gar Wien – „mal so als erste Überlegung eines möglichen Zieles“ – geschockt hatte, war er schlussendlich geradezu selig, als ich mit der Frankreich-Idee um die Ecke gebogen kam: „Wie wär’s denn mit Straßburg?“
Für ihn sind’s nur anderthalb Stunden mit dem Auto, für mich eine hoffentlich hübsch klimatisierte Zugfahrt unter vier Stunden und anschließendem Shuttle im hoffentlich krümelfreien Auto vom Straßburger Bahnhof zum Hotel.

Auch bzgl. der Hotelwahl verhielt ich mich äußerst entgegenkommend, habe von wirklich reizenden Schloss- und Boutiquehotels sowie noblen 5-Sterne-Palästen Abstand genommen (obwohl’s mich ja mal interessiert hätte, wie es da so ist) und einfach was Solides und Freibadnahes gewählt. Straßburg hat nämlich ein architektonisch äußert schickes Bad mit 50 Meter-Becken, das sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn man schon mal dort ist. Nach einer kurzen, von T. initiierten Diskussion, ob im angedachten Hotel evtl. auch zwei Einzelzimmer mit Durchgangstür in Frage kämen (weil einen Zacken billiger), wurden dann zwei Doppelzimmer zur Einzelnutzung und ohne Verbindungstür gebucht. Es geht nix über ein eigenes, unbeengtes Zimmer mit nur einem Zugang, da bin ich strikt. Wir sind ja nicht auf der Berghüttn! Außerdem teile ich mir ungern Badezimmer mit Männern (den Gatten mal ausgenommen).

Dafür, so sagte ich zu T., verzichte ich auch auf die im Gutschein aufgeführte halbe Wassermelone. Ich hasse nämlich Obst, aus dem man Kerne entweder umständlich rauspopeln muss oder die Dinger einem nach Verzehr zwischen den Zähnen klemmen.
Auf Antibrumm Forte, das in den Gutscheinleistungen inkludiert ist, da T. weiß, dass Abende mit mir zum Horrortrip werden können, wenn auch nur eine einzige Mücke vorbeischwirrt, verzichte ich ebenfalls, da ich mitten in der Stadt nicht mit solchen Mückenhorden rechne wie sie mich in einem Landhotel an der Mosel überfallen hätten. Zum Ausgleich darf T. die Tourismusabgabe, die zum Übernachtungspreis hinzukommt, übernehmen (Antibrumm Forte wäre sowieso viel teurer gekommen – vielleicht ist da jetzt sogar noch ein Croissant drin, wir werden es sehen).

Jedenfalls ist nun alles geritzt & gebucht und das auch schon seit zwei Wochen und sofern die Gleise nicht von der Hitze geschmolzen sind oder „Nadine“ irgendwelche Oberleitungen auf der Alb beschädigt hat, geht’s dann morgen los.

Lieber T., danke für das prima Geschenk – ich freu mich sehr auf unsere Butterfahrt, sei pünktlich am Bahnhof, gern auch direkt am Bahngleis (du weißt ja, das Gepäck & mein Ellbogen sind keine gute Kombination), leg den richtigen Bruce in den CD-Player, vergiss die Badehose nicht und lass bloß diese unsägliche Wassermelone daheim!

Il ne faut pas laisser croitre l´herbe sur le chemin de l‘amitié.

In diesem Sinne: See you tomorrow in Strasbourg!

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Tonight my bag is packed
Tomorrow I’ll walk these tracks
That will lead me across the border