Mittenwald (2).

…und nach der Rast weiter: hoch zur Brunnsteinspitze, mit Blick auf die Tiroler Alpen.

Alpin-Lyrik? Kann ich auch!

Beim Sprinten über nasse Wurzeln
Kommt selbst ein Gämslein mal ins Sturzeln
Muss hinken dann mit dicken Knöcheln
Ertragen plumper Wand’rer Röcheln

Bis endlich erreicht ist die Brunnsteinhütt’n
Um Weißbier auf den Schmerz zu schütt’n
Das ruckzuck seine Dienste tut
Worauf des Gämsleins Übermut

Es drängt, zur fernen Brunnsteinspitz’n
Erneut zu flott hinaufzuflitzen
So dass recht knapp vor der Zweitausend
Das Hirn befiehlt hinab zu sausen(d)

Der Order folgt das Gämslein brav
Wohl zur Belohnung trifft’s ein Schaf
(Mit allerliebstem Unterbiss
Vor Lachen s’Gämslein fast zerriss!)

Und kurz drauf folgt auch noch ein Esel
Mit Vornamen exakt wie der Fesl
Der Tag, so scheint’s, birgt mehr als Wunden
Zwei neue Freund‘ hat’s Gämslein g’funden!

Läuft glücklich ins Tale, zur Brauerei
Doch dort, da erlebt’s a Sauerei
Die Werdenfelser Weiße, die is a Fake-Beer
A Hopfeng’söff that has not been brewed here

Im Mittenwalder Krügerl verkauft
Damit’s da depperte Touri sauft!
Und die Moral von dera G’schicht?
Trau keinem hübschen Glaserl nicht.

Aber nach einundzwanzig Kilometern
Ist’s Gämslein z’miad, um weiter zu zetern
Humpelt jetzt heim in sein Quartier
Um hochzulegen alle Vier

Ins Flachland schick‘ ma liebe Grüße
Wer mag, der nehme sich auch Küsse!

Und morg’n, wann d’Sunn uns wieda lacht
Da fabulier’n ma aufs Neue, bis dass es kracht.

(Tipp der Redaktion: Halten Sie die Maus auf die Fotos, sonst entgehen Ihnen die unglaublich geistreichen Bildunterschriften!)

Feiern mit Frederico.

Mit dem Kirchweihfest verhält es sich in Bayern ja so, dass das nur deshalb am dritten Sonntag im Oktober stattfindet, weil es der Obrigkeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts irgendwann mal zu blöd und zu viel war, dass die Landbevölkerung sich ständig anlässlich einer der zahlreich stattfindenden Kirtas zugelötet hat – jede Dorfkirche hatte schließlich einen anderen Jahrestag ihrer Konsekration, also gab’s dauernd irgendwo was zu feiern – und dann zu nix mehr zu gebrauchen war.
Mit der Einführung eines zentralen Festtages für alle hoffte man, der Sauferei und Feierei drastisch Einhalt zu gebieten, indem man sie auf einen Tag begrenzte. Da den Leuten das zu wenig war, etablierte sich über die Jahrhunderte dann die Verlängerung des Kirchweihfestes: der Montag wurde als Feiertag drangehängt, um nochmal durch die Gasthäuser zu strawanzen, zu karteln, zu schlemmen und zu trinken – wo man doch grad schon so gut drin war im Feiern…

Heutzutage ist das Kirchweihfest in vielen Gegenden Oberbayerns, in denen sich bäuerliche Strukturen weitgehend aufgelöst haben, zu einem allgemeinen Herbst-Event verkommen. Und die Kirchweihmontagstradition ist sowieso völlig in Vergessenheit geraten. Der Montag ist längst schon kein Feiertag mehr, in den dörflichen Betrieben wird gearbeitet, der eine oder andere geht halt lediglich etwas verkatert auf Maloche.

Aber das gilt nicht für ganz Oberbayern. Nein! Ein von unbeugsamen Geigenbauern und Gebirgsjägern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Niedergang der Tradition Widerstand zu leisten. Die Rede ist von Mittenwald.

Oberhalb von Mittenwald liegt die Brunnsteinhütte. Als einzige Berghütte in der Alpenregion Karwendel hat sie ihre Pforten nicht spätestens am Kirchweihsonntag geschlossen, sondern die Saison erst mit dem gestrigen Montag ausklingen lassen.

Brunnsteinhütte im Westlichen Karwendel (1.560m).

Die Sonne brannte vom Himmel, das Bier floss in Strömen, die Aussicht wurde von Glas zu Glas grandioser, die Küche war auf den Ansturm ebenfalls bestens vorbereitet, Musik gab’s auch – und Hüttenesel Frederico verabschiedete jeden Gast persönlich.

Frederico, der Hüttenesel (und das Dackelfräulein, dem der Esel nicht geheuer war).

Und als uns beim Abstieg ganz unerwartet noch ein Alphorn den zum Marsch blies, hielten wir voller Andacht inne, blickten hinauf zu den steinigen, schroffen Gipfeln, lauschten dem kräftigen Klang (für einen Moment hat nicht viel gefehlt zum Gläubigwerden!) und waren dankbar und glücklich, einen Tag wie diesen erleben zu dürfen.

Danke, liebe D., für den schönen gemeinsamen Bergtag!

Kurz nach dem Aufbruch in Mittenwald.

 

D. beim Betrachten der Arnspitzen.

 

Das Highlight des Leitersteigs: die wacklige Hängebrücke über die Sulzleklamm.

 

Wegen des Bodengitters der Brücke muss das Dackelfräulein getragen werden …

 

… und ich gebe zu: ein bisserl unheimlich war’s schon, wenn man keine Hand mehr zum Festhalten frei hat …

 

… dafür wurde man kurz drauf mit bestem Wettersteinblick belohnt …

 

… Rotwandl- und Brunnsteinspitze weisen den Weg hinauf …

 

… und mit Erreichen der Hütte ist sowieso jede Strapaze vergessen!