Staubl_auszeit.

Vielleicht haben Sie sich ja schon gefragt, ob der Kammerjäger mich am Freitag zusammen mit den Psocoptera ausgeräuchert hat?

Vielleicht hatten Sie aber auch andere Sorgen oder einfach Wichtigeres zu tun.

Für den Augenblick nur so viel: Der Kammerjäger war ein sympathischer Typ im Holzfällerhemd, mit Vollbart, ein Touch Harleyfahrer, in etwa mein Alter, nettes Münchnerisch.

War eine Stunde zu Besuch, hat viel geguckt und geredet. Die Vertreibung der ungebetenen Mitbewohner wird sich hinziehen. Ausräuchern is nich. Was ja gut ist.

Aber die Perspektive, die Genossen im übelsten Fall noch bis zum Herbst dulden zu müssen, die ist nicht so gut.

Danach noch ein bisschen Vermietergedöns bzw. Kommunizierenmüssen von Sachverhalten, die ähnlich unangenehm sind wie die Psocoptera selbst. Rechtsberatung beim Mieterverein folgt noch. Hurra.

Steuererklärung fertiggestellt und abgegeben. Hurra.

Dazwischen Regen, Regen und nochmal Regen.

Viel Gassigehen im Regen, einmal sogar mit Kuchenessen im Regen. Ausflug mit dem hübsch Bewimperten und seiner Hundedame, im Regen.

Freibadbesuche im Regen mit kalt Duschen im Regen und An- und Ausziehen im Regen. Hurra, hurra, hurra.

Und dann plötzlich beim Aufwachen das glasklare Gefühl, dass es jetzt mal reicht mit den lausigen Themen und Tätigkeiten.

Und auch mit dem Regen.

Der Papa schickt einen Geburtstagsvorschuss, ich schicke eine Mail gen Süden und informiere den aus Frankfurt heimkehrenden Gatten, dass er nun ein paar Tage ganz tapfer und ganz alleine das Dackelfräulein und die Psocoptera beaufsichtigen darf.

Weil die Hausherrin sich jetzt mal eine Staubl_auszeit nimmt.

Die Bergluft wird’s schon wieder richten. Prosit!

(Wie k.o. man ist, merkt man u.a. auch daran, dass man, wenn man auf dem Weg in die Auszeit auf einem Parkplatz anhält, um dort ein WC aufzusuchen, vor dem Verlassen des Autos doch tatsächlich der dackelleeren Rückbank ein „Ich komm gleich wieder!“ zuruft.)

Possierlichkeiten in Paarbeziehungen oder: Die Staublaus.

Nach acht Wochen des coronabedingten (relativen) Kaserniertseins in Stadt und Wohnung war es diese Woche soweit: der Gatte durfte musste nach der längsten Pendelpause, die es in unserer Beziehung je gab, nun doch mal wieder an seinen Dienstort reisen. Die Universität Frankfurt hat zwar immer noch geschlossen bzw. praktiziert aktuell ein Online-Semester, es standen aber ein paar Termine an, die der Gatte nur vor Ort wahrnehmen wollte konnte.

Und sagen wir es mal so: Obwohl unsere Langzeitbeziehung überwiegend unter dem Label „Ein Tag ist schöner als der andere“ läuft, ist es nach acht Wochen am Stück dann doch nicht ganz so dramatisch, wenn die Wohnungstür auch mal wieder ins Schloss fällt und der Kontakt zum Lieblingsmenschen für vier Tage nur via Telefon und Email möglich ist.

Gestern stand nun des Gatten Rückkehr an. Die Wochenendeinkäufe waren gerade erledigt und die Spuren von vier Tagen Strohwitwenleben beseitigt, da fiel mir in der Küche – konkret: beim Rühren des Gugelhupfteigs – ein, dass es vielleicht ganz geschickt wäre, den Gatten noch vor seiner Heimkehr über ein Ereignis zu informieren, das sich während seiner Abwesenheit in der Wohnung zugetragen hatte und das womöglich in die Kategorie „Kleine Störenfriede in einer großen Liebe“ fallen könnte, da es einem Themenbereich entstammt, bei dem in der Vergangenheit nie nicht immer Einigkeit herrschte und die Wahrnehmungen signifikant ein wenig voneinander abwichen.

Die Rede ist von sich anbahnenden Defekten/Schäden/Katastrophen im gemeinsamen Zuhause. In unserer Dyade bin grundsätzlich meist ich diejenige, die derlei zuerst sieht/hört/riecht/ahnt, den Gatten folglich darauf aufmerksam macht bzw. danach befragt, ob er „es“ denn auch sähe/höre/röche/ahne.
Und Sie ahnen schon, was jetzt kommt, nicht wahr? Genau!
Solche Situationen gehen in 100 99% aller Fälle zu meinen Ungunsten aus, d.h. ich muss mich der Übertreibung und/oder der Hypersensibilität bezichtigen lassen und anschließend zusehen, wie ich alleine mit meiner angeblichen „Paranoia“ zurechtkomme.
Was dann immer meist so endet, dass eines Tages der Hausmeister, Lolek oder ein anderer Helfer zu Besuch kommt (fairerweise muss ich sagen, dass dann, wenn diese Besuche anstehen, auch der Herr Gemahl bereits etwas sieht/hört/riecht/ahnt, wenn auch nicht immer dasselbe wie ich, aber das sind zu dem Zeitpunkt dann vernachlässigbare Differenzen, deren Ausführung hier nicht weiter lohnt).

Ein Beispiel: Kurz nach der langwierigen Badrenovierung und Wasserschadensanierung nahm ich in dem ans Bad angrenzenden Schlafzimmer in einer Ecke des Raumes plötzlich einen minimal modrigen Geruch wahr, und zwar exakt dort, wo einst wochenlang eine der Heizplatten zur Trocknung der Wände aufgestellt worden war. Die Ecke war längst von der Wasserschadenfirma als getrocknet bezeichnet und von Lolek frisch gestrichen worden. Oben an der Decke meinte ich zudem, wieder einen neuen (oder alten?) Fleck durch das frische Weiß durchscheinen zu sehen. „Einbildung!“, sagte der Gatte, er sähe und röche dort rein gar nichts, ich sähe wohl Gespenster.
Genauso verhielt es sich übrigens mit der ans Bad angrenzenden Toilette: auch dort sah ich zwei Wochen nach Abschluss der Badrenovierung erste verdächtige Flecken an der frisch gestrichenen Wand. Was für „Gespenster“ daraus wurden, darüber berichteten wir hier und hier.

Mit diesem Erfahrungsschatz im Nacken setzte ich mich, nachdem der Gugelhupf in den Ofen bugsiert war, an den Schreibtisch und schrieb dem Gatten fix eine Mail. Wir sind beide keine Mit-dem-Handy-in-der-Öffentlichkeit-Telefonierer und da ich ihn im ICE auf dem Heimweg wusste (und zudem davon ausging, dass er in seine Arbeit vertieft sein würde), wählte ich diese diskrete Form der Mitteilung, um ihn auf seine Ankunft daheim einzustimmen.

Der Einfachheit halber kopiere ich Ihnen den entscheidenden Part der Mail in diesen Blogbeitrag hinein, da mich die Verwendung der indirekten Rede über längere Strecke dann doch etwas anstrengt:

„(…) Im Bad gibt es übrigens eine neue, unschöne Entdeckung. Ich habe das jetzt erstmal ein paar Tage beobachtet, bevor ich es dir sage, denn sonst wärst du mir vermutlich gleich wieder ins Gesicht gesprungen. Aber nun halte ich meine These/Diagnose für relativ gesichert und daher für mitteilbar: Wir haben Staubläuse im Bad. Das ist keine klassische Lausart, sondern ein kleines, an sich harmloses, aber in seinem Wohnverhalten dann doch irgendwie lästiges Tierchen. Wie ich jetzt auf „diesen Schmarrn“ komme? Ganz einfach!
Das, was ich neulich für deine unachtsam verstreuten Rasurkrümel hielt (du erinnerst dich bestimmt an meine Nachfrage, ob dir der Barthaarschneider ausgekommen sei), hatte ich ja bereits weggewischt. Am Tag drauf waren die kleinen, grauen Pünktchen aber wieder da. Nun gut, dachte ich, ist ja auch viel Bart, der da gut gepflegt wurde, beim Lüften könnte sich da schon nochmal was verteilt haben. Also wieder weggeputzt. Am nächsten Tag – und da warst du dann schon außer Haus und konntest als (erneuter) Verursacher definitiv nicht mehr im Frage kommen: schon wieder graue Brösel. Ich war irritiert, guckte, wo die überall rumliegen (ausschließlich auf dem nagelneuen, blitzblanken, weißen Waschtisch) und stellte plötzlich fest, dass die sich ja bewegen! Da dachte sogar ich kurz, ich würde halluzinieren. Aber letztlich ging es mir wie einst Galileo: sie bewegten sich tatsächlich!
Wieder den Lappen genommen, wieder alles entfernt. Dabei die Entdeckung, dass die größte Horde der kleinen Genossen in deinem Zahnputzbecher saß. Alles ausgewischt, mit kochendem Wasser ausgespült usw. Am nächsten Morgen dann die nächsten Tierchen. Dann hat es mir gereicht und ich habe recherchiert, was das sein könnte. Am Fenster sitzen die nämlich nie, immer nur auf dem Waschtisch, also kommen sie eher nicht von draußen rein, sondern leben bereits irgendwo in unserem neuen Bad. Im Spiegelschrank waren sie gottseidank nicht anzutreffen, allerdings vereinzelt an den Fliesen, die an den Waschtisch grenzen.
Die Recherche ergab dann: Es handelt sich um Staubläuse. Diese Spezies tritt in Räumen auf, die feucht sind, v.a. aber in Räumen, in denen es Schimmelbildung gab oder gibt oder in denen versteckte Feuchtigkeit vorhanden ist. Staubläuse sind ein häufiges Phänomen in Neubauten, die noch nicht durchgetrocknet sind, und ein nicht seltenes Phänomen in renovierten Räumen, in denen sich nach Verputzungen oder Verfliesungen o.ä. Bauarbeiten noch Staunässe verbergen könnte. Staubläuse sind an sich ungefährlich (und haben seltsamerweise weder was mit Staub noch mit Laus am Hut), können aber bei Menschen, die zu Allergien neigen, diese verstärken oder neue auslösen, erfreulicherweise aber nur, wenn sie in Massen auftreten (die Population in unserem Bad würde ich trotz all meiner „paranoiden Neigungen“ noch nicht als Masse bezeichnen). Chemie hilft gegen die Tierchen nur kurzfristig; wird die Ursache nicht beseitigt, kommen sie immer wieder. Sie ernähren sich überwiegend von Schimmelsporen und Flechten.
Das war eine unangenehme Erkenntnis, zumal sie auf denselben Tag fiel wie die Erkenntnis, dass leider an allen Türrahmen durch das Malerkrepp, das Lolek & Co. dort angebracht hatten, beim Abziehen der Klebebänder Lackflächen abgesprungen sind, so dass der alte vergilbte Lack nun wieder durchscheint.

Wenn du also wieder da bist, würde ich dich bitten, dir das Staublausphänomen mal anzusehen und es dann mit zu beobachten. Mir geht es jetzt erstmal drum, rauszufinden, wo die Viecher verstärkt sitzen und wie viele es sind. Wir werden zudem ab sofort die Lüftungsweise etwas umstellen und in den nächsten Tagen die Heizung im Bad volle Pulle laufen lassen, das wird auf einschlägigen Seiten (es gibt übrigens allen Ernstes die Seite: www.staublaus.de !) empfohlen. Oberstes Ziel ist, den Raum so trocken und warm wie möglich zu halten, denn Staubläuse hassen Wärme. Ich hoffe, es ist damit in Griff zu bekommen (weil es sich vielleicht und hoffentlich nur um Restfeuchte von den Bauarbeiten handelt), denn wenn nicht, dann heißt das, dass der Wasserschaden nicht komplett behoben war und hinter den neuen Fliesen noch Feuchtigkeit steckt – und dann gute Nacht!
Das mit dem abgeplatzten Lack werde ich Lolek sagen, ich hab nämlich keine Lust, das so zu belassen oder selbst nachzupinseln, weil das nicht so einfach ist mit dem Türlack an solchen Kanten. Nächste Woche kommt Lolek ja eh mehrfach zu uns, sofern er bis dahin mit seiner Baustelle in Mühldorf fertig ist, und verputzt das Loch in der WC-Wand, behebt die Undichtigkeit an der einen Silkonfuge und streicht das WC, da muss er halt dann auch noch mit dem Lack an den Türrahmen nacharbeiten.
Ich vermute übrigens, das Ganze ist eine Strafe Gottes oder aber Bill Gates steckt dahinter. Lass uns, wenn es ganz arg kommt, doch ggf. über ein Auswandern nach Nordkorea nachdenken, wo einen der Staat weniger verarscht und manipuliert. Vielleicht wird dort auch besser gebaut und renoviert. (…)“

Nur bei robustem Nervenkostüm oder allgemeiner Wurschtigkeit rate ich zur Vergrößerung dieses Beweisfotos.

Der Gugelhupf war längst fertig, als ich eine Antwort auf meine Mitteilung erhielt.

„Liebste Natascha,
habe eben erst deine Mail gelesen, weil ich in ein Gutachten vertieft war. Die letzten Minuten vor Einlaufen des ICEs in den Münchner Hbf habe ich nun aber natürlich damit verbracht, mich auf die Ankunft in unserem kontaminierten Heim vorzubereiten, indem ich mir nach Lektüre deiner Mail ein äußerst hilfreiches Video zur Einstimmung ansah (siehe unten).
Bis gleich, ich bringe Brezen mit! Dein R.“

Nie wird man als Frau und/oder Hausvorstand mit seinen Sorgen und Nöten ernst genommen!

Sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, persönliche Erfahrungen mit Staubläusen und/oder Langzeitbeziehungen haben, dürfen Sie gern aus dem Nähkästchen plaudern, vielleicht haben Sie den einen oder anderen brauchbaren Tipp?!
Und ansonsten freue ich mich über jedweden Zuspruch (verbitte mir hingegen Kritik, Augenbrauenhochziehen, Spott und die Zusendung von weiteren Horrorvideos zur geschilderten Thematik) und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Bleiben Sie staublausfrei!

Das Kopfende oder: Wie es eigentlich NICHT gedacht war.

Verloren.

Mein Ellenbogen und ich auf dem Weg in die orthopädische Praxis. Mal wieder.

Als ich in Großhadern aus der U-Bahn steige und die Treppe zum Ausgang hinaufschnaufe, höre ich ein vertrautes Schimpfen. Tschätschätschätschätschä schallt es mir von oben entgegen. Es klingt nah. Sehr nah sogar. Nach über 30-jährigem Zusammenleben in der Vergangenheit weiß ich a) sofort, wer der Verursacher ist und b) was das Gemecker zu bedeuten hat: Ein Wellensittich ist mit irgendetwas nicht einverstanden – und äußert das in aller Deutlichkeit (eine Deutlichkeit, die ich 12 Semester lang auf meiner Schulter oder der Schreibtischlampe sitzen hatte, während ich Seminararbeiten schreiben musste).

Auf den letzten Treppenstufen gucke ich bereits neugierig nach oben, dort ein nah gelegenes Wohnhaus vermutend, in dem auf einem Balkon der unteren Stockwerke ein Käfig zu sehen sein wird, in dem der kleine, energische Grantler hockt.

Stattdessen sitzt er auf dem Treppengeländer des U-Bahn-Aufgangs.

Grün-gelb ist er, dünn vor Schreck oder Aufregung und seine Füßchen finden nicht richtig Halt auf dem glatten Handlauf des Metallgeländers. Für den Bruchteil einer Sekunde haben wir Blickkontakt, dann rutschen seine streichholzdünnen Beinchen endgültig ab und er flattert davon.

Ich renne ihm hinterher. Erst zur Mauer, dann zur Kastanie, doch von dort fliegt er in den Hinterhof einer Wohnanlage.

Der Hausmeister ist nicht da. Ein anderer Bewohner, bei dem ich läute, schnauzt mich an, dass ich mir fürs Hausieren eine bessere Story ausdenken müsse. Der dritte Versuch ist erfolgreich: eine Omi lässt mich ins Haus. Ich irre durchs Erdgeschoss und finde die Tür zum Hinterhof. Es ist ein riesiger Hof, mit vielen Bäumen. Ich stelle mich in die Mitte der Anlage und lausche. Fünf Minuten hoffe ich inständig, dass ich das Tschätschätschätschätschä höre. Nichts.

[Ganz schnell muss ich dann einen Gedanken verdrängen, der immer hochkommt beim Thema „entflogene Vögel“: Die Ex-Schwägerin, die sich zur Unterstützung in einer ihrer labilen Phasen mal ein Wellensittichpärchen angeschafft hatte, dann aber bald von Gezwitscher und Käfigputz überfordert war und den beiden vom Balkon ihrer Wohnung aus, die im 12. Stock eines Erlanger Hochhauses lag, „die Freiheit schenkte“, wie sie es damals relativ ungerührt berichtete und wäre es nicht das Kaffeekränzchen zum 70. der Ex-Schwiegermutter gewesen, hätte ich sie vermutlich angeschrien oder geohrfeigt (oder am liebsten beides).]

Ich verlasse den Hof wieder und trotte traurig die Straße entlang. Verloren ist er, der kleine Kerl. Mit großer Sicherheit ist er verloren.

Es sind oft diese kleinen Erlebnisse, die mir das Herz brechen, so unerwartet und mitten im Tag.

So nicht. Oder: Das Nobelsofa.

Ein paar Tage zwischen Mängelbeseitigungsaufforderung, fruchtloser Korrespondenz mit der Hausverwaltung, Rechtsberatung beim Mieterverein, Vorsorgevollmachtstermin (den Papa betreffend), neuen Arbeitsaufträgen und sogar normalem Alltagskram hin und her geeiert, während Lkws in Weihnachtsmärkte rasen, der Tag naht, an dem mein im Januar gestorbener Freund nicht mehr 55 werden wird und mir vorhin die Nachbarin so ganz nebenbei im Treppenhaus berichtet, dass ihre beiden Kater am Wochenende aufs Nobelsofa von Ligne Roset gepinkelt haben („Das hat 5.000€ gekostet!“) und gestern auf die Marmorplatte der Kommode („Die sind vielleicht verhaltensgestört!“), weshalb sie nun eine Anzeige aufgegeben hat („So kann es unmöglich weitergehen!“), um die Kater abzugeben („Natürlich nur in gute Hände!“).

Die beiden sind 12 und die Nachbarin hat sie von klein auf. Da bleibt einem doch echt die Spucke weg.

Fast bin ich geneigt, ihr zu wünschen, dass man sie auch eines Tages abgibt, falls sie aus psychischen oder altersbedingten Gründen ins Bett pinkeln sollte. Aber vielleicht haben es die beiden, nachdem sie 12 Jahre stinklangweiliges Katzenleben allein in der Wohnung verbringen mussten, nie raus durften und während der zahlreichen dreiwöchigen Urlaube ihres Frauchens 1x am Tag von einem Katzensitter ihr Futter in die Schüssel geworfen bekamen, anderswo eh besser. Hoffentlich.

Und hoffentlich bringt sich die Nachbarin dann nicht ein neues Tier von einem dieser Urlaube mit, die sie gern mal in Länder wie Rumänien, den Irak oder die Türkei unternimmt („Da ist alles so schön, weil noch so ursprünglich!“), an dem sie dann ihre mehrfach lautstark kundgetane große Tierliebe („Ich hätte ja sooo gern ganz viele Tiere!“) ausleben könnte („Diese Straßenhunde sind ja so süß und so arm!“). Sie ist bewegungsfaul und fett korpulent, die Nachbarin, möge sie also bloß die Welpen verschonen.

Na gut, ich gebe es zu: Meine ohnehin schon angeknacksten Filter sind jetzt definitiv zu durchlässig geworden. Da brennt die Sicherung dann schneller durch als üblich.
Daher schließe ich mich nun doch den zahlreichen Bloggerkollegen an, die über Weihnachten die Schotten dicht machen.

Euch allen schöne und friedliche Feiertage, mit oder ohne Weihnachtsfest, mit oder ohne Familientrubel, mit oder ohne Geschenke.

Manchmal ist weniger ja mehr und Hauptsache, der Stress bleibt mal für eine Weile draußen vor der Tür (wie die Eiseskälte ja auch), so dass ihr es drinnen gemütlich und kuschelig warm habt, allein, mit euren Lieben und Haustieren. Das ist doch dann schon was.
Sogar verdammt viel, finde ich.

Gute Zeit für euch – wir hören und lesen uns wieder in alter oder neuer Frische ab dem 27.12.!
Eure Kraulquappe.

wp-1482343407565.jpg

(© Dorthe Landschulz)