Himmel der Bayern (47): Herbsttag mit Hund.

Frauchen, es ist Zeit,
Der Berg heut‘ war sehr groß.
Leg meine Matte auf den Hüttenboden
Und auf den Weiden lass die Rinder los.

Befiehl all meinen Näpfen voll zu sein,
Gib ihnen die Chance zu füllen meinen leeren Magen,
Dränge sie zur Überbordung hin auf dass ich jage
Die letzte Gemse in den Wald hinein.

Wer jetzt keine Paus‘ macht,
Braucht auch keine mehr.
Wer jetzt an der Lein‘ ist,
Wird es lange bleiben.
Wird wachen, bellen, sehr viel Unfug treiben.
Und wird träumen, auf Bergsteigen rauf und runter rastlos zu wandern
Während die andern im Tale weilen.

(Mal ein bisserl gerilkt, auf dem Heimgarten sitzend, so nach leichtem Weißbier & schweren 1.100 Höhenmetern, zur Feier des Saisonendes hier heroben.)

Right here by my side.

Zurück zuhause.
Abbracci & Dolomiti wirken noch nach, aber es ist der übliche Effekt: Kaum ist man wieder daheim, umarmt einen auch der Alltag wieder (und der besteht wahrlich nicht nur aus panna fresca oder derlei Balsam).

Die Wunden der Urlaubstage heilen allmählich.
Tagsüber wärmt uns noch die heimische Herbstsonne, aber nachts, da müssen wir mittlerweile schon enger zusammenrücken, um nicht zu frieren. Fürs Winterbett ist’s dennoch zu früh, eindeutig.

*****

Heute, so belehrt einen jede Zeitung, jeder Radiosender und sogar die Biergartentischnachbarn, die dem Dackelfräulein unbedingt eine Pommes andrehen wollen, heute ist Welthundetag.
Darüber darf ich dann ausführlich mit den Biergartentischnachbarn sprechen, was mich eigentlich zunächst im stillen Genuss meines nachmittäglichen Getränks etwas stört, aber man will auch nicht unhöflich sein. Gestattet sogar, dass Madame Hund die Pommes verspeisen darf, die ihr angeboten wird. Was soll’s. Von der Figur her kann sie sich’s ja allemal erlauben.
So erfährt man schließlich, woran Basset Ernie seinerzeit tragisch verschied. Das Ehepaar in den späten Sechzigern verdrückt sich ein Tränchen. Ist ja schon über 10 Jahre her, dass Ernie von ihnen ging, man müsse da ja irgendwann mal drüber weg sein, zumal in ihrem Alter.

Nein, das muss man nicht, sage ich zu den beiden.
Über manches kommt man eben nicht hinweg.
Manche Lebewesen hinterlassen Spuren, die unauslöschbar sind – und es auch bleiben dürfen.

Aber noch hab ich leicht reden, ergänze ich, denn noch wuselt das Dackelfräulein ja hier putzmunter umher, gräbt ein Loch nach dem anderen ins biergartennahe Schilf, verbellt mit Inbrunst andere Hunde, die es wagen, auch nur einen Blick in ihr Schilfareal zu werfen oder einfach (ohne im Besitz eines Passierscheins zu sein) an der Grabungsstätte vorbeizugehen, und sie ist so gesund und munter wie man sich das nur wünschen kann.
Wir sind mittendrin, so fühlt es sich an, und es gibt keinen Grund, ans Ende zu denken, oder doch?

In Südtirol brach ich mal urplötzlich in Tränen aus, als mir – anlässlich der Schinkenspeck-Besorgungen für den nahenden 75. Geburtstag vom Papa – erstmals bewusst wurde, dass es, wenn alles normal liefe, womöglich sein könne, dass es den Papa und unsere Dackeldame eines Tages relativ zeitnah erwischen könnte.
Er hat, optimistisch geschätzt, noch ca. 10 Jahre, eher weniger. Und Pippa hat, realistisch geschätzt, auch noch ca. 10 Jahre, ebenfalls eher weniger. Da kann man sich dann schon mal einen Abend lang hineinsteigern in diese gruselige Vorstellung, dass zwei emotionale Großkatastrophen in einen ähnlichen Zeitraum fallen könnten.
Rüsten kann man sich dafür nicht, es gibt für jeden Schwachsinn Seminare, aber auf die großen Schicksalsschläge bereitet einen keine Sau vor. Da muss man drauf vertrauen, dass man, wenn’s soweit ist, in sich selbst Halt findet und bei ein paar nahen Menschen, die einen auffangen (und drauf hoffen, dass der Psychotherapeut des Vertrauens dann noch nicht in Rente gegangen ist, was durchaus knapp werden könnte).

Ich sitze also am See und unterhalte mich mit Fremden über den Welthundetag und die weltschlimmsten Hundetode. Die Tode, die schon gestorben wurden und die, die eines Tages noch zu sterben sind.
Irgendwann haben wir alle wässrige Augen. Und dann sagt der Mann zu mir, ob wir nicht auch noch ein Wort über die Anfänge verlieren wollen. Und fragt, ob ich mich denn an den Anfang erinnern würde und was meine erste, prägende Erinnerung sei.

Ein Foto, entgegne ich.
Darauf der kleine Hund, den wir schon ausgesucht hatten (um nicht die abgedroschene Formulierung „der sich uns ausgesucht hatte“ zu verwenden).
Sie wurde, noch bei der Züchterin lebend, an ihre (von uns mitgebrachte) Hundebox gewöhnt. War ein Tipp der Züchterin, um dem Welpen dann später die Eingewöhnung ins neue Zuhause zu erleichtern.

Herrje, und dann schickte uns die Züchterin DIESES Bild:

Sehen Sie das Auge?
Und diesen Blick, den dieses winzige Häufchen Hund – mit hochgezogener Braue und so vollkommen authentisch! – in die Welt wirft?
So scheu, so klein, so ausgeliefert, so fragend.
Das hat mich zutiefst ergriffen!

6 Jahre, 8 Monate und 2 Tage nach diesem Foto muss ich sagen: Die Scheu hat sie doch ziemlich abgelegt, ein gestandener Dachshund ist aus ihr geworden, ausgeliefert sind wir einander jeden Tag auf andere Art, die wesentlichen Fragen sind zwischen uns längst alle geklärt, wenngleich nicht immer zur beiderseitigen Zufriedenheit.

Aber ihr Blick, wenn sie denn auf eine dieser bestimmten Weisen dreinblickt, was sie regelmäßig tut und natürlich auch bewusst einzusetzen weiß, also wenn sie mich SO ansieht, dann schießt mir das noch immer mitten ins Herz und ergreift mich ganz und gar (falls Sie das näher interessiert, dann lesen Sie dazu doch mal den Artikel „Der Dackelblick. Phänomenologie einer besonderen Hund-Mensch-Vergemeinschaftung.“ – da haben der Gatte und ich das vor einiger Zeit mal zusammengefasst und illustriert).

Wir wünschen allen Hunden und ihren Menschen einen schönen Welthundetag:
Freut euch aneinander und liebt euch, so lange ihr euch habt!

 

Stay with me
My love I hope you’ll always be
Right here by my side if ever I need you
(…)
I will follow you will you follow me
All the days and nights that we know will be
I will stay with you will you stay with me
Just one single tear in each passing year

Rudirallala und Holladrio.

Der September war schon immer mein Lieblingsmonat: Das schönste Licht, die wärmsten Farben, der Sommer noch spür- und sichtbar, auf dem Rücken eine hübsch geschwungene tan line einer langen Freibad-Saison (dieses Jahr sponsored by „Adidas Infinity“), die Biergärten, Hütten und Autobahnen langsam wieder leerer, und zum Ende des Monats hin – quasi als abschließende Krönung – noch der Geburtstag des verehrten Barden aus Freehold, NJ.

So war es ein Leichtes, bei überwiegend septemberlichem Kaiserwetter die viertägige Pressereise durch die Region Hall-Wattens zu absolvieren, zumal wir weder in einer Menschen-, noch in einer Hundegruppe unterwegs sein mussten, sondern individuell betreut wurden und all unsere Änderungswünsche stets berücksichtigt wurden (Lokalbesuch bitte nur außerhalb der gewohnten Gassizeiten, geführte Wanderungen bitte nicht nur auf popligen Themenwegen, sondern in alpinem Gelände, Besuch der Kristallwelten bitte am vernieselten Abreisetag und nicht am sonnigen Bergtag davor usw.).

Der Donnerstag ganz nach unseren Wünschen: Nach üppigen Hundekeks-Kostproben aus Silber-Etagèren am Vormittag…

…trainierte sich Fräulein Hund die angefressenen Kalorien am Nachmittag im Berggelände wieder ab…

…und wir waren ziemlich froh, dass wir uns schon eine gewisse Bergtauglichkeit erlaufen haben in diesem Jahrhundertsommer, der nun hinter uns liegt, denn auf den Schildern fehlten manchmal die Gehzeiten und an manchen Wegstrecken kamen die Warnhinweise auch ein bisserl spät, nämlich erst dann, wenn man bereits zwei Stunden die steilsten Bergwälder und Geröllfelder gequert hatte und sich doch allmählich wunderte, wann man denn mal endlich diese Hinterhornalm erreichen würde, die unten auf der Wandertafel am Parkplatz eigentlich eher unschwierig zu erreichen wirkte (ein Fehler, ohne eigenes Kartenmaterial gereist zu sein!).

Aber is‘ ja auch wurscht, wir hatten schließlich sonst nix zu tun, und so war der Weg tatsächlich das Ziel, wir dann allerdings doch froh, irgendwann die Alm auch mal erreicht zu haben.
Dort dann so erschöpft angekommen, dass für einen Augenblick unklar war, ob man jetzt vielleicht schon deliriert oder halluziniert und Trugbilder am Horizont sieht…

…was gottseidank nicht der Fall war, wie mir das Schnüffeln und Knurren des Dackelfräuleins unterm Tisch schnell verriet: Hinter der Hütte hausten in der Tat knuffige Alpakas, die immer mal wieder um die Ecke lugten und denen beim Kauen zuzusehen eine wahre Wonne ist (diese Zähne! der bewegliche, beinahe frei schwenkbare Unterkiefer!).

Wir ließen uns nieder und ruhten, guckten hinüber zu den Zentralalpen, hinunter nach Wattens und Hall, tranken ein heimisches Weißbier, da die Tiroler kein eigenes haben, das schmecken täte, weshalb sie gleich das unsrige importieren.

Ruhen taten wir auch unten in der historischen Altstadt ganz gern…

…weil man sich zwischendrin ja einfach mal von der Kopfsteinpflasterlatscherei, den vielen Fotoshootings und all den Eindrücken erholen muss.
Und selbst in solchen Momenten konnte man sich neuer, beeindruckender Wahrnehmungen nicht entziehen.

Tiroler Schnäppchen: Halber Preis, doppelte Größe?!

Hall ist übrigens ein Einkaufsparadies, wenn man der Shopping-Typ ist oder zumindest ein passionierter Schaufensterbummler. Leider bin ich beides nicht, ich hatte dafür bislang entweder nicht die Zeit oder das Geld (oder keins von beidem) oder die Muße oder überhaupt das Bedürfnis – und seit wir einen Hund haben, kommt diese Art „Ausgang“ sowieso nicht mehr vor, außer man braucht neue Gassigeh-Treter oder eine neue Funktionsjacke oder endlich mal eine wirklich regendichte Hose.

Zum Abschluss dann am Freitag noch die unvermeidbaren „Kristallwelten“, Österreichs am zweithäufigsten besuchte Sehenswürdigkeit (nach Schloss Schönbrunn), ein Eldorado für nach buntem Kitsch und teuren Klunkern lechzenden Amerikanern und Indern (und anderen).

An der Kassa erhalten wir ein hinterlegtes Ticket, das einen an der langen Schlange vorbeilässt und direkt zum Schlund des Riesen schleust…

…dahinter wartet schon ein lispelnder, schwuler, niederländischer Scherge, der einem eine Privat-Einführung in die 17 Wunderkammern gibt, die einen in dieser Glitzerwelt erwarten.

Es ist dann besser als gedacht, viel besser sogar, also zumindest wirklich so gut, dass man an einem Regentag und noch dazu für umme da glatt hingehen und sich diese wahnwitzigen, schrillen, mehr oder minder ästhetischen, knallig-kitschigen und jenseits aller Budgetreglementierungen designten Erlebnishöhlen zu Gemüte führen kann.

Kristallwelten / Wunderkammer (1)

Kristallwelten / Wunderkammer (2)

Kristallwelten / Wunderkammer (3)

Ein paar preiswertere Stücke in der Shopping-Area der Kristallwelten.

Kristallweltenwolken vor echten Wolken vor Tuxer Alpen.

So sagten wir also vorgestern Hall und seinen Bewohnern „Servus, danke für alles & schee woars!“:

Nette Menschen, gutes Essen, hübsches Städtchen, tolle Bergwelt – das Dackelfräulein und ich hatten wirklich einen Spaß und eine Freude dort. Vielleicht kooperiert man demnächst mit den Hallern und schreibt noch einen Beitrag für deren Touristenmagazin übers bayerisch-tirolerische Grenzgebiet, das zu durchstreifen ja ein Hochgenuss ist, aber bis es so weit ist, spitzen wir nun den Bleistift und schreiben die Notizen zu der feinen, kleinen Reise mal ins Reine.

Gut gelaunt gondelten wir über den nebligen Achenpass wieder hinüber ins heimatliche Bayern, machten noch einen Zwischenstopp im Tegernseer Tal und dann ab nachhause, wo jetzt der Fünfer-Looping und alles andere fertig aufgebaut vor der Haustür steht und einen sogleich dran erinnert, dass man in gut einer Woche schon wieder das Weite suchen wird dürfen.

Beim Auspacken fiel mir dann nach Jahrzehnten das Lied aus Kindertagen wieder ein, das der Papa manchmal sang, wenn wir in Felix Austria unterwegs waren:

Wenn’S scho a Kriagal intus ham, hearn’S ruhig nei und wenn ned, dann hoid ned 🙂

Dahoam.

(Ein Trugschluss, dass es zu heiß sein könnte für eine Bergtour, denn da herobn isses ja einige Grad kühler als druntn in der Stadt und ein Lüfterl weht auch und die leichte Weiße kostet einen jetzt auch nix mehr. Gut gelaufen. Darf ja auch mal sein.)

Auf ein Isarkindl!

Spätnachmittags auf der Wiesn.

*****

Beim morgendlichen Weg zum Wochenend-Waldlauf bemerke ich, dass nach Langem mal wieder ein dunkler VW Touran vor mir herfährt. Dieses Modell mit den noch leicht eckigen Rücklichtern sieht man mittlerweile nur noch selten. Es war das letzte Auto, das N. fuhr (einer italienischen Prostituierten müsse es gehört haben, behauptete er stets, weil es innen auch noch zwei Jahre, nachdem er es gekauft hatte, penetrant nach billigem, süßem Parfüm roch) und das – genauso wie N. – nirgends mehr zu sehen sein wird, da sein Sohn es kurz nach Ns Tod gegen einen Zaun gesetzt hatte.

Manchmal gingen wir mittags nicht zum Italiener in dem Viertel, in dem unsere Firma lag, sondern fuhren an den Stadtrand zu einem anderen italienischen Lokal. Weil man dort garantiert keine Kollegen treffen würde.
N. sagte dann immer: „Dort können wir mal ganz in Ruhe über Persönliches reden!“. Wir stiegen jeder in sein Auto, um den durch einen gemeinsamen Aufbruch in einem Fahrzeug entstehenden Bürotratsch zu vermeiden (dazu muss man sagen: wir waren stets über 2 Stunden außer Haus, was alle Mittagspausengepflogenheiten sprengte und daher schon genug Fragen aufwarf) und trafen uns meist kurz nach Verlassen der Firmentiefgarage draußen auf der Straße. Er fuhr dann vor mir her, daher haben sich mir die Rücklichter seines Tourans so eingeprägt. Sie passten zu ihm. So unzeitgemäß und eckig (und dennoch so weich wirkend, durch die kleineren runden Lichtkreise in ihrer Mitte).

Saßen wir schließlich bei dem Stadtrand-Italiener und waren völlig ungestört, kam es entgegen Ns Ankündigungen niemals zu besonders persönlichen Gesprächen.
N. nahm sich nämlich selbst nicht so wichtig, und wenn er mal kurz (und womöglich sogar ungefragt) von sich sprach, dann auf eine bescheidene, zurückhaltende Weise, obwohl es durchaus Einiges gegeben hätte, worüber zu klagen oder gar zu verzweifeln gewesen wäre. Es war seine Sache nicht, in den immer lauter werdenden Ich-Ich-Ich-Kanon der Zeitgenossen drumherum einzustimmen, im Gegenteil. Seine Haltung war die, nicht aus jeder Seelenregung, Kränkung oder Belastung eine Nabelschau oder ein Drama zu machen, sondern auch mal von sich abzusehen und den Blick bewusst nach außen zu wenden. Ihn auf ein Tun zu richten oder auf andere Menschen (oder auch bloß auf das Fußballspiel am Feierabend oder auf die Natur, durch die er bei seinen Runden an der Isar streifte).

Wie sehr ich diesen Zug an ihm mochte!, denke ich, als der Touran vor mir abbiegt und auf Nimmerwiedersehen im Dunkel des Luki-Tunnels verschwindet.

*****

Neulich erzählt mir der Papa am Telefon, dass ein gemeinsamer Bekannter von uns (den wir jetzt einfach mal so nennen wollen, obwohl wir eigentlich keine „Bekannten“ zu haben pflegen, weder der Papa, noch ich, aber „Freund“ wäre wiederum übertrieben, und leider gibt’s für die Nähegrade dazwischen ja irgendwie keinen treffenden Begriff) an Krebs erkrankt sei.

Schlagartig wird mir klar, wieso ich so lange nichts von dem Bekannten gehört habe. Ich ringe einige Tage nach den passenden Worten und dem passenden Zeitpunkt (und da er bald Geburtstag hat, eilt es, denn der Geburtstag ist mit Sicherheit nicht der passende Zeitpunkt). Vor ein paar Tagen, in der Abendsonne an der Theresienwiese sitzend, finde ich dann Sätze, die mir einigermaßen angemessen erscheinen und ich schicke sie ihm aufs Handy, was sich ein kleines Bisserl absurd anfühlt, da er ja dort drüben auf der anderen Seite der Theresienwiese wohnt, sofern er da grad überhaupt wohnt und nicht in einer Klinik ist.

Letzteres ist der Fall, wie ich heute erfuhr, als mir mein Handy seine Antwort überbrachte.
Die John-Lennon-Frisur fiel der wochenlangen Chemo zum Opfer, die anschließende OP habe er halbwegs gut überstanden, schreibt er. Und dass er sich freue, so unverhofft von mir zu hören und jetzt gern zur Motivation vor seiner Reha fest ausmachen würde, dass wir noch diesen Sommer (weil das sei dann mal eine konkrete Aussicht!) zusammen nach Lenggries fahren und aufs Seekar oder Demeljoch steigen. Oder sogar auf den Scharfreuter, wenn er es packen würde.

Aber natürlich machen wir das!, schreibe ich sofort zurück, und dabei fällt mir eine Passage aus einem Glattauer-Roman ein, bei der ich mich seinerzeit in den Untiefen und Alltagsabgründen meines Charakters so wunderbar verstanden fühlte und die mir auch auf diese Situation zu passen scheint, in der wir ja irgendwie einen Optionsschein auf die Zukunft auszustellen versuchen:

„In der Küche machte ich Wasser heiß und goss es in die dicke gelbe Tasse, in die ich vor dem Schlafengehen einen Beutel Schwarztee mit Pfirsichgeschmack hineingehängt hatte. So machte ich es immer. Immer die gleiche gelbe Tasse. Immer Schwarztee mit Pfirsichgeschmack. Und immer hatte ich den Beutel schon am Vorabend in die Tasse gehängt. Damit war schon etwas vom nächsten Tag verraten. Das nahm mir die Scheu davor.“

Dieser Absatz fand sich auf der ersten Seite des Romans und er war der Hauptgrund, weshalb ich das Buch damals auf einen Schlag zu Ende las. Obwohl ich aromatisierte Tees verabscheue, erst recht welche mit Pfirsicharoma.
Eine gelbe Tasse verwende ich allerdings ebenso, nur halt für Kaffee, der aber – wie ich gern umgehend klarstellen möchte, damit Sie mich nicht für deppert halten! – natürlich nicht am Vorabend irgendwo eingefüllt wird (das Aroma ginge ja über Nacht flöten!) – ich pflege das im Roman beschriebene Ritual für ein anderes Segment meiner Frühstücksgewohnheiten und nehme mir auf diese Weise die Scheu vor dem nächsten Tag.

*****

Apropos Lenggries & die dortige Bergwelt.

Seit meinem Hüttenwochenende erreichen mich auf diversen Kanälen Nachfragen, wie es denn nun war und wann es denn jetzt weiterginge, mit mir, dort oben, hinter dem Zapfhahn (und am Spülbecken). Manch ein Leser scheint sogar aufgrund des Beitrags vor zwei Wochen davon auszugehen, ich wäre seither dort oben – und das nun durchgehend und heidi-idyllisch bis zum Ende der Bergsaison.

Höchste Zeit, diese Illlusion gründlich zu zerstören und die Nachfragen konkret zu beantworten. Da mich der Ausgang der Sache immer noch etwas schmerzt, fasse ich mich eher kurz (außerdem geziemt es sich nicht, zu viele Interna von dort oben zu verraten).

Nachdem ich von den 52 Stunden dort oben schlappe 32 Stunden gearbeitet (besser: brutal malocht) hatte, zwar in einem netten Team, in schönster Umgebung und sogar mit einem täglichen Springsteen-Song, der trotz der Koch-/Spüldämpfe und -geräusche bis an meine Ohren drang, war klar: das machen weder ich, noch mein lädierter Ellbogen ein zweites Wochenende lang mit.

Das ist körperliche Akkordarbeit, täglich 12 bis 14 Stunden ohne nennenswerte Pausen, für die man gemacht sein muss. Und das ist man definitiv nur, wenn man zwei kerngesunde Arme und jahrelange Erfahrung in der Gastronomie hat.

Am Samstag vor 2 Wochen wankte ich nach 14 Stunden Schuften (in allen Bereichen der Berghütte) in meine Kammer und selbst dort war an Erholung nicht zu denken, weil Andreas Gabalier noch gefühlte 90 Minuten auf meiner Bettkante saß und plärrte (der Junggesellenabschied, der Mountainbiker-Stammtisch? – beide nebenan im Gastraum und nur durch eine dünne Holzwand getrennt!).

Eine tiefgreifende Erfahrung war’s allemal, auf vielen Ebenen, aber nach dem vergeblichen Versuch, dort oben anzuregen, dass man so einen 14-Std-Tag ja vielleicht auf 2 Personen aufteilen könne, die dann jeweils nach 7 Stunden Reinklotzen noch ohne zu stammeln ihren Namen sagen und aufrecht in ihren Feierabend gehen könnten, hab ich das Projekt für mich ganz schnell als beendet erklärt.

Seit ein paar Jahren bin ich gut drin geworden, Dinge, die mich über Gebühr strapaziert haben (oder es noch tun würden), ganz schnell ad acta zu legen. Bringt nix.
Mit Mitte 40 weiß man langsam, was man stemmen kann (oder will) – und was nicht.

*****

Durch das gekippte Fenster wummert das Getrommel der Afrika-Tage ins Zimmer hiein. Wie ein wilder Herzschlag des Sommers, direkt vor unserer Tür, pulsierende Lebensfreude, mitten in der Stadt (man hört ja gerne das, was man hören will oder was man eh schon fühlt).

Es ist so unglaublich schön hier. Das muss einfach mal gesagt werden.

Die Aussicht aus dem Fenster, hinunter in die breite Allee voller Linden (die einem täglich aufs Neue das Auto dermaßen zukleistern mit ihrem Saft), das Gassigehen mit Blick auf die Weiten der Wiesn, hinüber zur Bavaria (geht ein Lüftchen, und das ist häufig der Fall, muss man beinahe den Atem anhalten, weil die Kamille so wuchert und blüht), die Menschen, die hier flanieren, pausieren, mit ihren Hunden oder Kindern spielen, auf Bänken sitzen, sinnieren, musizieren und auf der riesigen Freifläche alle möglichen Sportarten praktizieren (an die noch ausstehende Disziplin „Kampftrinken“ mit ihren begleitenden gymnastischen Verrenkungen wollen wir jetzt lieber noch nicht denken) – all das hat mir binnen der fünf Wochen, die wir jetzt hier leben, eine Energie und Freude geschenkt, die das gesamte Lebensgefühl doch ziemlich schnell und nachhaltig verändert hat.

Ein Geschenk, für das ich mich gern bedanken würde, wenn ich denn wüsste, bei wem.

*****

Ich strahle die Spätnachmittagssonne an und sie strahlt zurück (oder umgekehrt? – egal!), sitze auf der Parkbank (mehr und mehr bin ich geneigt, sie „meine Bank“ zu nennen, denn ich verweile recht oft hier, schaue, denke und schreibe hier vor mich hin) und genieße mein tägliches Feierabendbier (das eine, das ich mir am Tag gestatte).

Endlich wieder ein Zuhause.
Eine Heimat nicht nur draußen, sondern auch drinnen.

Irgendwer hat ja mal gesagt, Heimat sei kein Ort, sondern ein Gefühl.
Auf mich passt der Satz überhaupt nicht. Ich kann „Heimat“ nur an speziellen Orten empfinden und es wird kein Zufall sein, dass diese Orte alle regional recht nah beisammenliegen.
„Beheimatet“ fühle ich mich an und zwischen all diesen Heimatorten aber nur dann, wenn der Kern des Ganzen passt (bzw. es überhaupt einen gibt).

Gern heimzukommen und zu spüren, dass man genau dort am richtigen Fleck ist.
Auch das ein Geschenk.

*****

Ein schönes Wochenende wünsch‘ ich Ihnen und dass Sie sich wohlfühlen, dort, wo Sie sind!

Du bist so groß und i nur a Zwerg!

„Du bist so groß und i nur a Zwerg!“ (Des Dackelfräuleins Ode an den Watzmann und Bobby)

Für 36 Stunden raus aus der Stadt, der Wohnung, dem Umzugs-, Umbau- und Ausbaukosmos. Auch mal wieder ein Segen, zumal bei der Gegend, dem Wetter und in der Gesellschaft!

Gestern Abend in Bad Reichenhall: Gustl vom Fass und zwei Ungustl unterm Tisch.

Süffig, süffiger, Suffikator.

Alpenländische Bierkultur.

Für den Großen Braunen immerhin eine Hundmaß.

Heute dann zu sechst in die Berge bei Berchtesgaden: „Gasthof Sahnegletscher“ klingt ja schon mal verlockend.

Mit Dog&Blog-Freundin Andrea morgens vor Watzmann-Kulisse.

Auf dem Soleleitungsweg oberhalb von Ramsau.

Noch zwei Minuten bis zum Toten Mann!

„Jetzt reicht’s aber langsam mit Bergaufgehen bei der Hitze!“

Oben angekommen: Während die Männer „Toter Mann“ spielen…

…halten sich die Frauen an den Hunden fest.

Pures Bergglück eben!

Danke an Andrea, Wolfgang, und Bobby für den wunderbaren gemeinsamen Tag – kommt gut nachhause & kommt bald wieder!

Anschließend noch einen Abstecher in die Vergangenheit des Gatten unternommen, zur Gebirgsjäger-Kaserne nach Berchtesgaden…

…wo das Dackelfräulein sogleich dem Löwen den Rang streitig machte…

…derweil wir herzliche Grüße an Mr. Speedhiking ins Allgäu sandten, der hier einst ebenfalls mit Watzmannblick diente.

Danach noch schnell ein Bad im Königssee…

…und anschließend mit einer Schlafenden Hexe vor uns (und einer hinten auf der Rückbank) zurück nach München.

Vor zwei Jahren stand ja mal kurz im Raum, ob wir uns vielleicht Richtung Frankfurt verlagern, um dem Gatten das Pendeln zu ersparen, aber nach solchen Tagen sag‘ ich immer: „Gottseidank hat’s mich nicht in den Taunus verschlagen, denn da wär‘ ich nie und nimmer glücklich geworden.“

Soweit das Wort zum Sonntag und herzliche Grüße an die treue Leserschaft!

Himmel der Bayern (37): Saisonbeginn.

Endlich wieder am Seelenort.

Mit Weißbier, See- und Zugspitzblick, kurzes Durchschnaufen vor der nächsten Etappe der Umzugsorganisation.

Das Dackelfräulein munter im Schilf kruschelnd, die jahrelang eingeübten Grenzen vorbildlich wahrend – nach links hin die große Kastanie, rechts rüber das Bächlein – und immer in Sichtweite.

Manchmal wirklich der weltbravste Hund.

Bright spots.

Schöne Aussichten tun sich auf und verschwinden ebenso plötzlich.
Gefrieren in weißgrauer Kälte über Nacht zur Erinnerung.
Oder nehmen – gerade noch im Fluss und voller Dynamik – während ihres langsamen Zerrinnens die Gestalt eines Eiszapfens an.

So warten wir aufs Frühjahr, wenn es wieder zu tauen und zu fließen beginnt, wenn Temperatur und Licht den Widerfahrnissen einen anderen Anstrich geben.

Ein jahreszeitlich passendes Zitat aus dem ZEIT-Magazin fällt mir da ein:

*****

Immerhin doch drei gute Gefühle/Zustände in dieser Woche:
1. die Heimfahrt mit Musik
2. ins Wasser eintauchen und schwimmen
3. die warme Mahlzeit samt kühlem Hopfengetränk

[Höre plötzlich die längst verblichene Mutter, wie sie zu sagen pflegte: „Hopfen ist gut für die Nerven, heiße Milch mit Honig ist gut für den Schlaf, Lindenblütentee ist gut gegen Erkältung“ – nur Ersteres konnte ich ohne Würgereiz an- und übernehmen.]

*****

Heimat, das ist dort, wo sich der Anblick eines am Straßenrand vorbeihuschenden Landkreis-Schildes (durch Witterung und abblätternde Farbes so verblichen wirkend) anfühlt wie ein warmes, beruhigendes Streicheln über deine müden, geröteten Wangen.

Du passierst diese unsichtbare Grenze, durchbrichst die äußerste Schicht deiner Zwiebel, spürst sofort den Trost im Schoße dieser Landschaft, die schon immer dein Zuhause war und es immer sein wird, denn mein Radius ist überschaubar – nicht jeder ist dafür gemacht, „in der Welt zuhause zu sein“.

Tränen schießen dir in die Augen und verschleiern deinen Blick auf die winterliche Straße (mehr als es deine abgewetzten Wischerblätter erlauben).

Was für ein guter Moment – trotz allem anderen, was gerade ist oder nicht ist oder viel zu vage ist.

Noch 30km bis nachhause, du wechselst die CD, hörst zum vielleicht 100. Mal in den letzten Wochen diesen Song, von dem du die Finger ebenso wenig lassen kannst wie von warmem Toast mit Nutella als Seelenpflaster in trüben Phasen, weil sich die Lyrics so schön mitsprechen lassen, ein bisschen monoton, einem kindlichen Auszählreim gleich (und noch verstärkt durch den simplen Takt): „you were the only one I ever had, the only bright spot in a life that went bad“.
Vor allem fühlt sich das so weich an, auf der Zunge und den Lippen (sprechen Sie’s mal nach, am besten mehrfach), eben wie samtweiches Nutella am Gaumen (das oder die Nutella? Wurscht.).

Und ein paar Strophen später dann „when they flip the switch I hope all I can see“ und wie sich’s zu dem schlichten, anrührenden Jahrmarktmusikgeplätscher auflöst in „is you in my arms dancing with me“
So weich, das alles, obwohl hier ein Todgeweihter seine letzten Verse von sich gibt.

Werde das vielleicht noch 100x mitsprechen müssen, bis ich mit dem Lied und dem Gefühl, das es erzeugt oder an dem es sich abarbeitet (denn wer weiß das schon, was zuerst da war), fertig bin und es zum normalen Repertoire der SD-Speicherkarte „Automusik“ gehören wird.

Vielleicht komme ich auch nie über diese Zeilen hinweg, so dass „baby, tie your hair back in a long white bow, meet me in the fields out behind the dynamo“, „I got this guitar and I learned how to nake it talk“, „and if you say hide, we’ll hide“ und „with charcoal eyes and Monroe hips she went and took that California trip“ (und an was man halt sonst noch so hängengeblieben ist nach fast 4 Jahrzehnten Hinhören & Rückenschauern) weitere Gesellschaft bekommen.

Ach, diese Zeilen aus Songtexten, die wegen ihrer Betonung oder ihres Rhythmus ein Leben lang so zuverlässig eine Gänsehaut bescheren, wie es früher, in den Studienjahren, stets der Anblick des Olympiaturms vor der föhnigen Alpenkulisse vermochte – an dieser einen Stelle auf der A9, von Würzburg nach München heimfahrend, um das Wochenende oder die Semesterferien beim Papa oder in dem kleinen Haus am Moorsee zu verbringen (wo manche der geliebten Tiere unter Begleitung der passenden Musik zu ihrer letzten Ruhe gebettet wurden).

*****

War nicht so meine Woche.
Insgesamt auch nicht mein Monat.
Aber zur Prognose oder Gesamtsumme sollte man’s jetzt auch nicht aufbauschen (erst recht nicht zur Bilanz), das lehrt die Lebenserfahrung.
Und der Gatte bekräftigt es auch, dass dem so sei.

Darauf vertrauend also weiter.
Vielleicht wirklich mal wieder einen Sprung ins kalte Wasser wagen?
Denn Schwimmen, das kann ich doch?!

Einen möglichst warmen Start ins wohl kälteste Wochenende des Jahres wünscht –
Die Kraulquappe.

Ekstrem Turglede oder: Das Vorstellungsgespräch.

Zum gestrigen Tag der Liebe hatte ich mit dem Dackelfräulein vereinbart, dass wir uns diesmal keine Rosen/Knochen schenken, sondern stattdessen lieber was Gscheids für unsere Beziehung tun – etwas, das wir beide lieben.

Also ab in die Berge!
(Merke: Wähle einen Ort, an dem genug Ski-Firlefanz für die Faschingsleichen und Feriengäste angeboten wird und wähle dann den Berg gegenüber, an dem nix los ist.)

Lenggries!

Natürlich nicht das Gebiet rund ums Brauneck, sondern eben die andere Seite.
(Merke: Brich ruhig spät in München auf, dann kommen die paar Tourengeher schon wieder vom Berg runter, wenn du grad aufm Parkplatz eintriffst.)

Wenn es mich jemals aufs Land verschlägt, dann wohl hierher, in dieses Tal.

So sehr ich das Tegernseer Tal auch mag – in erster Linie mag ich es, weil der Papa dort lebt. Ein paar nette Berge dort, prima Loipen auch, schöne Ufer zum Baden, aber letztlich ist es mir dort zu eng (die Berge enden ja quasi im See) und in den Orten zu bonzig (Pelzmantelpublikum, teure Geschäfte, noble Lokale).

Biege ich hingegen von Tölz auf die Bundesstraße nach Lenggries ab, geht mir einfach – beim Gucken! – das Herz auf. Die Rückseite der Benediktenwand lugt hinterm Brauneck hervor, neben der Straße plätschert die Isar in ihrem breiten Bett dahin und auf den 9 km zwischen Tölz und Lenggries klebt beinahe an jedem Kilometer eine Erinnerung.
Alles dabei: vom Per-Anhalter-Fahren zum Tanzen nach Tölz über den Motorradunfall eines Jugendfreundes über Lagerfeuer auf Isarinseln mit Gitarren, Bierkästen und Küssen bis hin zum Kentern mit dem Kajak, damals, als ich an den freien Tagen meines Sommerferienjobs in der Jugendherberge die Zivildienstleistenden bei ihren Wasserausflügen begleiten durfte.

Dieses unerklärbare Gefühl, wenn ein Ort, eine Gegend, eine Landschaft einfach passt, wenn etwas in einem aufatmet und eine innere Stimme einem den Slogan der kurzen Spots im Bayerischen Fernsehen zuflüstert: „Da bin i dahoam.“ (in dem Fall mehr ein „Da kannt i dahoam sei.“).

Wir starten im Ortsteil Hohenburg bei bestem Bayernwetter und schönstem Schnee …

… und nehmen diesmal nicht den Sulzersteig, der überwiegend im Schatten liegt …

Blick bis ins Vorkarwendel.

… sondern den Grasleitensteig Richtung Seekarkreuz, auf dem der Blick nach vorn genauso schön ist wie der Blick zurück ins Tal, treffen keine Menschenseele …

Blick aufs Brauneck und nach Lenggries.

… und das Einzige, was ein bisserl beschwert, ist der spürbare Verlust der Kondition durch den Virus, so dass ich gar nicht anders kann, als die eine oder andere zusätzliche (Foto-)Pause einzulegen, damit wir die 650 Höhenmeter bis zur Hütte ohne Kreislaufkollaps schaffen (naja, das „wir“ ist gelogen, denn das Hündchen hat keine Schwierigkeiten und schaut dauernd von drei Serpentinen über mir hinab, wo ich denn nur bleibe) und auch die Marterl am Berg drosseln eher das Tempo, als Flügel zu verleihen …

… aber irgendwann guckt sie endlich hinter den Schneemassen hervor, die Hütte, das Ziel!

Wir richten uns ein: Die Matte fürs Dackelfräulein wird ausgebreitet, ich geh‘ mich – klitschnass geschwitzt! – erstmal Umziehen, dann wird das DAV-Mitglieder-Essen bestellt, ein Hohentanner dazu und erstmal gradaus geschaut, geruht und gegessen.

Ein Blick über die Schulter hinüber zum Seekar (Gipfelkreuz links neben der mittigen Tanne) – nein, das wird heut‘ nix mehr, das pack‘ ma nicht (zumindest ich nicht)!

Und dann, nach dem Essen, die Hütte leert sich schon, der Wirt hat jetzt etwas Zeit, da gebe ich mir einen Ruck, gehe zum Tresen und sprech‘ den Aushang im Hüttenflur an: „Mitarbeiter gesucht“.
Immer schon wollte ich das ja mal machen, seit der Jugendzeit, aber immer sprach ‚was dagegen: der Papa, die Lebensphase, das Studium, der Job, der Partner, die Karriere, das Geld, die Gesundheit, der Zeitmangel, die Umstände.
Nun, da manche dieser „Hindernisse“ sich in Luft aufgelöst haben (der Job, die Karriere, das Geld, der Zeitmangel), ist da plötzlich diese Freiheit, einfach mal nachzufragen.

Der Wirt gibt ein Getränk aus und setzt sich zu mir. Wir bereden das. Ob, wie, wann, warum.
Es ist das entspannteste Vorstellungsgespräch meines Lebens: mit verklebten Haaren, rotgefrorener Nase, Pippa zu meinen Füßen, Bergstiefel offen, Bier in der Hand sitze ich da und fühl‘ mich prima. Kein „Was sind Ihre Stärken und Schwächen“-Schwachsinn, sondern die Ansage „Es sollt‘ scho oana sei, der wo si do herobn auskennt, falls mal a Gast frogt, wie die Berg‘ do heißn oder wo’s obi geht“.
Letzte Saison hat er eine gehabt, die „ned mal an Scharfreiter oder die Zugspitz kennt hod“, also das geht gar nicht! Zupacken können sollte man auch, und dann strahlt er, als ich von den Lenggrieser Sommern erzähle, von der Großküche (und dem anderen Gewurschtel) unten in der Jugendherberge und von all den Touren hier in der Gegend.

Zwischendrin kommt Hüttenhündin Tessa angeschwänzelt und will gekrault werden, wir reden über die Hunde, wie alt und woher und welche Macken, beide heißen sie „Mäuschen“, was eigentlich nicht sein kann, denn die Entlebucherin ist eine recht Stämmige („vom Nibelungenblut“) und das Dackelfräulein im Vergleich ja so zart (und nur eine „vom Schwindauer Land“).

Ein paar späte Skitourengeher betreten die Stube und wir unterbrechen unser Gespräch, der Wirt muss rüber zum Tresen und in die Küche. Während er den Eintopf für die Neuankömmlinge erhitzt, schaut er aus einer Luke neben dem Kachelofen nochmal rüber in den Gastraum und ruft mir zu: „Hosd an Dudn?“
„Äh, ja, daheim hab‘ ich einen Duden.“
„Also dann kannst ein Wort da drin gleich streichen: „Hüttenromantik“. Des gibt’s da herobn ned!“.
Er grinst breit, ich nicke zustimmend, proste ihm mit dem Noagerl zu und wir verabschieden uns bis demnächst oder bis zum Saisonbeginn – dann probier’n wir das vielleicht tatsächlich mitanand, so tageweise zwischen meinen Schreibarbeiten und einfach mal für eine Saison, da herobn.

Aschermittwoch 2018: Ekstrem Turglede (= außergewöhnliches Tourenglück)!

Ganz neue Aussichten jedenfalls!

Winterschläfchen.

Hundemüde. Wenn Menschen zu früh aufstehen.

Wallberg im Nebel. Weiter oben auch nicht besser.

Hundeleben. Im Tal kann man auch Spaß haben.

Bei der Irmi. Endlich mal ein paar Stunden allein.

Bräustüberl und Tegernsee im Nebel. Die Faschingsseppln ebenso.

In der Irmi. Zum Hirschberg gucken oder ein Nickerchen machen?