Gib ihnen noch drei südlichere Tage…

Drei Bayern in Südtirol.

Tag 1.

Kleine Bergtour zum Hexenbödele (klingt schwäbisch, war aber in den Sarntaler Alpen und schön dort) und große Almenwanderung mit Erdpyramidenbesichtigung. Am späten Mittag ein Teller Schlutzkrapfen, ein Schälchen Salat und ein Schluck Weißbier (wieso gibt’s hier ausschließlich Weihenstephaner?). Das Fräulein keift die italienischen Rüden an, ist ansonsten aber guter Dinge. Wir auch – die Aussicht auf Schlern und Latemar und das Wandern durch die kleinen Dörfer mit den hübschen Kirchen sind ein so unerwartetes Geschenk (und wir immer noch so überrascht von uns selbst, dass wir überhaupt hier sind). Abends spartanische Jause (Resteessen aus den Münchner Kühlschränken) in der kleinen Küche, die zu unserem unglaublich günstigen Zimmerchen in dem hübschen 700 Jahre alten Hof gehört (merke: je preiswerter das Zimmer und je älter das Gebäude, in dem es sich befindet, desto mehr Käfer sitzen in der Duschwanne und desto besser ist es insgesamt, die Brille daheim vergessen zu haben).

Tag 2.

Wir wollen nach Bozen. Autofahrt über schmale Sträßchen nach Oberbozen. Keinen Parkplatz gefunden. Von drei kleinen Parkplätzen darf auf zweien nur für 60 Minuten geparkt werden, der dritte Parkplatz ist rappelvoll. Nur 1 Stunde Zeit für Bozen ist natürlich völliger Käse, daher das Schicksal herausgefordert und auf einem der 60-Min-Parkplätze die Parkscheibe auf eine fiktive Ankunftszeit gestellt, die uns mit etwas Glück (oder gutmütiger Politesse) 4 bis 6 Stunden Aufenthalt in Bozen erlaubt. Hat geklappt. Genauso wie das Dackelfräulein in der Seilbahn, die uns von Oberbozen nach Bozen befördert, als Schoßhund (!) zu deklarieren – denn nur die dürfen dort ohne Maulkorb und Fahrschein mitreisen. Bozen empfängt uns mit T-Shirt-Wetter, zahlreichen maskierten Italienern und kaum Grashalmen (geschweige denn Wiesenfleckerln), so dass wir dem Fräulein zuliebe alsbald an den Stadtrand ausweichen, wo sich ein wahres Arboretum befindet, in dem auch ein paar italienische Rüden herumspazieren, deren Interesse auf keinerlei Gegenliebe stößt. Die hormonelle Situation ändert sich schlagartig gegen 17 Uhr, als uns in den Gassen der Altstadt (wir haben zwischenzeitlich fünf Stunden con bassotto a Bolzano hinter uns) ein unscheinbarer, zahnloser Malteserrüde begegnet. Das Fräulein ist nun paarungsbereit und wie immer sind Alter, Aussehen, Rasse, Benehmen und Bildungsstand egal. Nix wie zurück zur Seilbahn! Wir schweben hinauf nach Soprabolzano, erstehen dort noch ein paar Lebensmittel in einem winzigen Laden, fahren zu unserem Quartier zurück und feiern das Leben und dass wir dem biglietto entgangen sind.

Tag 3.

Laut Wetterbericht letzter Spätsommersonnentag. Wir sitzen müde beim Frühstück. Die Nacht war schwierig, weil das hormongepeitschte Teckelhirn stündlich Impulse zu ungewöhnlichem Verhalten sendete. Um 3 Uhr büxte sie aus meinem Bett aus, stürzte sich zu D. ins Bett und umarmte sie so heftig und innig, dass an entspanntes Atmen oder gar Schlafen nicht mehr zu denken war. Trotzdem will dieser Tag ausgekostet werden. Während D. an ihrem Teetässchen nippt, wälze ich die Wanderkarte. Noch einmal in diesem Jahr die 2.000m-Grenze überschreiten, das ist die Idee – wir setzen sie auf dem Rittner Horn um. Gute Entscheidung, denn der Hundumblick könnte besser nicht sein – schließlich will man der vierbeinigen Gefährtin ja was bieten am Welthundetag (erst recht, wenn sie schon nicht einen der vier Rüden haben darf, denen wir im Laufe des Bergtages begegnen). Sechs Stunden später noch ein letzter italienischer Kaffee kurz vor dem Parkplatz, der Schlern ist mittlerweile in dichte Wolken gehüllt, das war’s dann wohl mit der Nachspielzeit, die wir dem Sommer abgerungen haben. Um 20 Uhr fallen die ersten dicken Tropfen auf den Sims unseres Küchenfensters, beim Nachtgassi pfeift mir ein eisiger Sturm um die Ohren und das Einzige, was morgen, wenn wir (aller Voraussicht nach) bei leichtem Schneefall über den Brenner heimwärts fahren werden, noch an den Sommer 2020 erinnern dürfte, sind die Autoreifen.

Weiter so, Google!

Wir begrüßen es sehr, dass Google den „Tag des nun wieder läufigen Dackelfräuleins“ würdigt und seine Startseite entsprechend angepasst hat. Sogar mit der exakt richtigen, im Hintergrund vorbeirauschenden Landschaft.
Wir hoffen nur, dass der Protagonist in dem Filmchen kein unkastrierter Rüde ist!

Marode oder: Ein Plädoyer für die Ruhe.

Ein kurzer, kräftiger Atemstoß von Sturmtief Yulia genügte, um eine der morschen Garagentüren dieser Tage endgültig aus ihrer Verankerung in der nicht minder morschen Wand zu reißen.

Jetzt muss man zu zweit sein, wenn man das Auto in die Garage oder aus ihr heraus fahren möchte. Einer bewegt die Karre, der andere hält die Tür fest. Der Hausmeister ist im Fasching verschollen und kümmert sich danach um eine Lösung, wahrscheinlich wird’s ein Provisorium, das bis zum Frühsommer irgendwie halten wird. Denn ab Mai möchte der Vermieter die Garagen im Hinterhof, eine baufälliger als die andere, sanieren lassen, was auch immer das heißt (wenn Münchner Vermieter von „Sanierung“ sprechen, bedeutet das manchmal kaum mehr als einen neuen Anstrich, der die vorhandenen Risse kaschieren soll, so dass man getrost noch ein paar Jahre warten kann, bis die Mauer endgültig zerbröselt).

Manchmal kann ich all das Marode, all das Provisorische, die Notlösungen und das Sanierungsstückwerk, das so ein Durchschnittsaltbau bietet, nicht mehr sehen. Was nicht heißen soll, dass ich mich wieder in den Neubau am Stadtrand zurücksehe, wirklich nicht. Es soll eigentlich nur heißen, dass ich es toll fände, wenn man für seinen saftigen Mietzins einfach mal etwas bekäme, das rundum intakt ist. Eine Utopie in dieser Stadt, ich weiß, und daher stelle ich das unnütze Mietergejammere auch gleich wieder ein.

Was ich auch nicht mehr sehen kann, ist das zu häufige Grau und Geniesel draußen vor dem Fenster. Die Gemütslage ist derzeit nur durch regelmäßigen (!) Sonnenschein und möglichst täglichen (!) Hagebuttenkrapfenkonsum stabilisierbar und beides scheint Mangelware zu sein.

Kaum je mehr als zwei sonnige Tage am Stück, und bei Kustermann, der Münchner Traditionskonditorei hier ums Eck, die wirklich den mit Abstand besten, luftigsten, unfettigsten Hagebuttenkrapfen der Stadt täglich dutzendfach und liebevoll per Hand formt und in ihren Vitrinen zum Verkauf drapiert, ist jeden zweiten Tag bereits vor (!) 12 Uhr das gesamte (!) Krapfensortiment ausverkauft.

Dankenswerterweise saust der Gatte heute extra vor 9 Uhr aus dem Haus, um an der Krapfenmangelfront verlässlich Abhilfe zu schaffen, denn morgen (Aschermittwoch!) ist ja das köstliche Gekrapfe leider schon wieder vorbei und die in Kürze in den Bäckereien Einzug haltenden Osterbackwaren sind bis auf den klassischen Hefezopf (ohne klebrige Rosinen und anderes Beiwerk) allesamt nicht so mein Ding.

Oder man greift zur dritten, verlässlich stimmungsfestigenden Maßnahme: 2.000 Meter durchs Lieblingsbad pflügen. Aber selbst das wird einem bisweilen vergällt. Grad noch schön und friedlich die 40 Bahnen gezogen und wie neugeboren dem Wasser entstiegen, wird man schon wieder ungut beschallt.

In der Dusche plärren zwei mitduschende Frauen in meinem Alter einander Banalitäten zu („Nein, zu dem Shampoo gibt’s leider keinen Conditioner“ / „Ich hatte von gestern noch Quinoasalat übrig, den hab ich mir für nach dem Schwimmen gleich mitgenommen“). In dem gekachelten Raum hallt ja alles dreimal so laut wie draußen oder in der Umkleide, aber nein, man muss überall labern und auch die Umwelt an dem Gelabere teilhaben lassen. Noch dazu erzeugen ja bereits die Duschen einen nicht unerheblichen Dauerlärmpegel.

Ich gebe mir einen Ruck (und Mühe, nicht zu gucken wie ein Kojote kurz vor dem Erlegen seiner Beute), bitte die beiden höflich um etwas mehr Ruhe, werde dann aber angepöbelt: Ja man müsse hier in der Dusche doch lauter sprechen, weil man sich ja sonst bei dem lauten Geplätschere nicht verstünde. Themaverfehlung!, denke ich, gebe den Kampf um Ruhe aber sofort auf, verzichte spontan auf die Haarwäsche und suche das Weite bzw. die Umkleide auf.

Momentan muss ich jeden nicht zwingend nötigen sozialen Aufruhr und Kraftakt meiden, um Energie zu sparen für den Kontakt mit der Firma, die den Wasserschaden saniert und mit anderen Unbilden, die im Kontext der heimischen Misere daherkommen.

[Und die Erfahrung sagt: da kommen schon noch welche daher, wenn es nächste Woche am Montag mit all den Handwerkereien erstmal so richtig losgeht für mehr als zwei Wochen. Leider ist ja Lolek nicht für alles zuständig, schade auch, denn mit dem läuft es weiterhin wie am Schnürchen – wir schicken uns mittlerweile sogar kleine, selbstgedrehte Videos von Duschtüren mit Hebe-Senk-Mechanismus in Aktion. Alles Zubehör ist nun bestellt-besprochen-bereitgestellt, auch ein großer Vorrat an Vinzenz-Murr-Gutscheinen ist schon besorgt, den wir Lolek zu Beginn der Bauphase überreichen werden, damit er für sich und Bolek täglich eine Krakauer kaufen kann. Das wird ihn sicher ebenso freuen wie die Tatsache, dass ich ihm zwei tolle, haargenaue Skizzen zum neuen Badezimmer angefertigt habe („Was kommt wo hin“) und ihm schon am Nachmittag von Tag 1 den Hausschlüssel anvertrauen werde, um ihm hier nicht weiter auf den Wecker zu gehen…]

Auch in der Umkleide ist nicht das zu finden, was ich mir unter Ruhe vorstelle. Einen Gang weiter kreischen vier aufgekratzte Teenager herum, weil der einen das iPhone auf den gefliesten Boden gefallen ist und das Display nun ein Spinnennetzmuster hat (wie konnte ich nur vergessen, dass dieser Tage ja schulfrei ist?).
Neben meinem Spind sitzt eine ältere Frau auf der Bank und ölt sich mit schmatzenden Glitschgeräuschen und unter permanentem Stöhnen eine gruselige, 30 cm lange, blutrote, halbverkrustete Narbe auf ihrem Schienbein ein. Vor dem Spiegel verrenkt sich eine Amazone, um sich ihre Achselhöhlen zu rasieren und daneben verteilt ein Mauerblümchen die Ladung einer ganzen (FCKW-)Haarspraydose auf ihrer Frisur, die durch die betonartige Fixierung kein bisschen schöner wird, im Gegenteil.

Respekt vor der Intimsphäre anderer Menschen und/oder Hemmungen (gar Scham?!), was die Präsentation der eigenen Intimverrichtungen angeht, verkommen im öffentlichen Raum mehr und mehr zu Fremdworten und zu verblassten Phänomenen aus einer anderen, leider fernen und ziemlich vergangenen Zeit. Einer, in der die Menschen noch nicht dauerdämlich, laut und indiskret vor sich hinlabernd mit diesen weißen Pfriemeln im Ohr durch die Stadt stolperten (oder, wie eine Nachbarin: sogar durchs Treppenhaus des Mietshauses) und in der nach den allwöchentlichen Unwettern und Stürmen die Bürgersteige noch nicht zuhagelt waren von diesen blödsinnigen Vehikeln für „die letzte Meile“, die seit letztem Sommer den bis dahin angenehm geringen Unratsfaktor in dieser schönen Stadt verzehnfacht haben.

[Woran man merkt, dass man selbst marode älter wird? Unter anderem daran, dass einen neue Trends und Moden seltener begeistern und die Alltagstoleranz ungefähr im selben Maße abnimmt, in dem die Alltagsdünnhäutigkeit zunimmt. Ich tippe diese Zeilen übrigens in einem der Lieblingscafés sitzend, zwei Tische weiter zwei italienische Pärchen, die so laut sind, dass man von der schönen Musik, die hier üblicherweise läuft, nicht mehr das Geringste hört. Auch deshalb sind mir Skandinavier die angenehmeren Zeitgenossen.)

Verzehnfacht haben wird sich auch unser Stromverbrauch für den Monat Februar. Die Corroventen pusten nach wie vor 24/7 vor sich hin, Ende der Woche werden die Dinger endlich abgeholt. Dank des Geräuschpegels in unserer Wohnung geht uns allerdings die sechsstündige Faschingsparty der Familie unter uns weniger auf den Keks als sie es täte, wenn wir hier ohne Trocknungsgeräte wohnen würden. Eigentlich muss die Bausubstanz dieses Hauses doch eine recht robuste sein: dass das 4. OG und das 1. OG, wo die jeweils zwei kinderreichsten Mitbewohner leben, noch nicht eingestürzt ist bei den vielen Feiern und Familienbesuchen, grenzt an ein Wunder.

Was hingegen an eine Zumutung grenzt: dass in Staffel 2 von „Big little lies“ ausgerechnet Meryl Streep , die ich früher mal so gern mochte, frappierend an die Mutter erinnert. Dasselbe Geschau, wenn man Kritik an ihr übt, derselbe Opferblick, wenn man sich von ihr abwendet, dasselbe Lächeln und derselbe Zuckertonfall, wenn sie einem gleich die nächste Gemeinheit reinreiben wird. Ich schlafe unruhig nach allen drei Serienabenden, was aber wurscht ist, da ich sonst (halt aus anderen Gründen) bestimmt ähnlich unruhig geschlafen hätte.

Zum Beispiel, weil seit zehn Tagen die linke Niere schmerzt, sogar in Ruheposition. Ich bin ja kein Freund von diesen pseudopsychologischen Pathogenesen, dennoch passt das grad hervorragend zusammen: diese Redewendung „etwas geht einem an die Nieren“ und eben genau dieser Schmerz. Also setze ich darauf, dass die Niere sich auch wieder beruhigt, wenn ich mich erstmal im Tegernseer Exil befinden und hier die Bauarbeiten im Gange sein werden (und ein Ende dieser Unbehaustheit absehbar wird).
Wenn sie dort weiterhin piekt, die Niere, kann ich’s für die Dauer des Exils ja auch noch auf die Lebensgefährtin des Papas schieben oder auf den Schwimmbadentzug (zumindest was das 50m-Becken angeht).
Sicherheitshalber habe ich mir dennoch eine nephrologische Praxis am Tegernsee rausgesucht, die Gegend dort ist ja gesegnet mit einer hohen Arztpraxendichte, und gegebenenfalls möchte man ja schnell handeln können.
Spätestens, wenn Lolek mir den Hausschlüssel zurückgibt und die Wohnung wieder ein Ort ist, an dem man gerne wohnt, wird die Niere jeden Schmerz eingestellt haben.

Und bis dahin müsste auch das Dackelfräulein wieder in eine normale mentale und körperliche Spur zurückgefunden haben. Seit zwei Wochen brütet Madame permanent in einem Filzkorb, in dem wir unsere zwei Sofadecken aufbewahren, ihre Nachkommen aus, und vor wenigen Tagen wurde (während einer unserer kurzen Abwesenheiten) der Schaumstoff ihrer Liegeunterlage zu 10.000 Flöckchen zerrupft, mit denen das Nest für den Nachwuchs ausgepolstert werden sollte, damit es die Welpenschar auch gemütlich hat.

Praktischerweise musste ich eh in den Baumarkt, um für Lolek die rauchblaue Farbe anmischen zu lassen (nett: das freundliche Männeken an der Farbenmischstation erinnert sich an einen, „Ist ja erst anderthalb Jahre her!“ sagt er und stellt den Farbkübel fröhlich in die Rüttelmaschine), mit der die Diele zu streichen ist, also dort gleich noch neue Schaumstoffplatten besorgt und zuschneiden lassen.

Und als Konsequenz dieser sonst nie auftretenden Zerstörungswut kommt die Hundedame nun einfach überallhin mit. Natürlich nicht mit mir zum heutigen Konzertabend, dafür darf sie aber nachher den Gatten in die lauschige Lokalität begleiten, wo dieser zum Fußballgucken in größtmöglicher Ruhe hinzugehen pflegt.

Die vier Italiener haben das Café soeben verlassen, man hört die Musik wieder. Ein Aufatmen ist das! Der Cafébesitzer nickt mir zu und dreht die Lautstärke hoch. Manchmal liegen die gesamte Ruhe und das ganze Glück des Universums in einem richtig laut gehörten „You Angel You“.

Was mich auch glücklich machen würde: eine Ruhebank unter den alten Linden an der Theresienwiese mit einem eigens für mich und dieses Mußeplätzchen angefertigten Messingschildchen (ich bastle gedanklich schon seit Jahren an der ultimativen Inschrift, wenn ich bei Regen durch den Englischen Garten oder die Isarauen spaziere).

Impfmüdigkeit.

Großer morgendlicher Arzttermin in Oberhaching, inklusive Jahresimpfung.

Es ist alles bestens: das kleine Dackelherz pumperlgesund, die momentane Scheinträchtigkeit in unbedenklicher Ausprägung, Beweglichkeit und Gewicht top, die Bisswunde ordentlich verheilt, der Zahnstatus viel besser als gedacht, wir erhalten sogar ein Lob für die gut gepflegten Beißerchen.

Bis auf einen kurzen Piekser kann also nichts weh tun, trotzdem zittert das Tier die gesamte Dreiviertelstunde über wie Espenlaub.

Hernach, weil man ja eh schon so nah an der A8 ist, gleich weiter gen Süden, ins Tegernseer Tal, den geräderten Hund bei einer Wanderung an der Weißach auf andere Gedanken bringen.

Aber das Fräulein hat heute nicht ihren sportlichsten Tag. Sie mag nicht. Gar nicht.

Weder Schwimmen noch Sausen noch Springen. Macht nichts. Bleibt sie halt mal innerhalb des Laubfroschradius‘.

Weltrekorde im Weitsprung sind ja eh allein schon wegen ihrer Seltenheit eine Rarität – wie es ein Sportjournalist mal so treffend sagte.

Die 9 km bis zum Alten Bad waren dann heut das absolute Maximum und nun betonieren wir die allgemeine Hormonlage einfach mit ein paar Kalorien zu und lassen uns später vom Papa abholen und zurückkutschieren, denn an Zurücklaufen ist nicht zu denken.

Frohe Ostern allerseits & dieses Gasthaus sei Ihnen streuselkuchentechnisch sehr ans Herz gelegt, sollten Sie mal in der Gegend sein – und die CSU tagt ja kaum noch hier, so dass nur die etwas aufdringliche Bracke vom Wirt ein bisserl stört.

Hund haben (2).

Es ist mal wieder so weit: Die drei Ausnahme-Wochen des Jahres haben begonnen und wir haben schon fast ein Viertel davon überstanden.
Das Dackelfräulein ist läufig (bzw., wie der Gatte zu sagen pflegt: „hat ihre Tage“). Diesmal haben wir uns sogar gefreut, als es losging. Allerdings nur aus dem schlichten Grund, weil es seit Wochen überfällig war.

Alle 10-11 Monate ziehen wir Pippa drei Wochen lang mindestens 3x am Tag, wenn wir nach den Spaziergängen in die Wohnung zurückkehren, ein Schutzhöschen an. Diese Dinger sind allesamt eine Fehlkonstruktion. Entweder sie verrutschen oder sitzen zu eng oder sind kompliziert anzulegen. Oder alles auf einmal.
Innen haben sie eine doppelte Stoffschicht eingenäht, deren obere Lage eine Öffnung hat. Zwischen die Stoffschichten soll man ein Taschentuch schieben, das scheint dann durch die Öffnung und darauf soll dann das Blut landen. Das klappt nie, absolut nie! Das Blut landet überall, aber niemals auf diesem Taschentuchkreis.

Also wurden preiswerte Slipeinlagen ohne Duftstoffe und Plastikbestandteile im Großpack besorgt. Davon schneiden wir zu Beginn einer neuen Läufigkeit 30 Stück in der Mitte durch, das reicht so in etwa. Die ganz billigen taugen nichts, da sie schlecht kleben, die mittelpreisigen funktionieren halbwegs. Die pappen wir innen in das Läufigkeitshöschen, an eine von uns durch genaue Beobachtung ermittelte, passende Stelle. Bei jedem Höschen-Ausziehen wird das Ding rausgezupft, entsorgt und ein frisches reingeklebt. Klappt echt super.

Solides Schutzhöschen mit halbierter „Jessa“.

Am Ende der Läufigkeit waschen wir alle Höschen und beten, dass keiner der Nachbarn die Dinger auf der Leine im Wäschekeller näher betrachtet und/oder blöde Fragen dazu stellt.

Bleibt nur noch das Gefummel beim Anziehen. Hund hinstellen, Höschen mit halbierter Slipeinlage drin bereitlegen, dann Rute durch das Loch fädeln, anschließend Höschen am Hund positionieren, Gürtelband durch die Schlaufe fädeln, die befindet sich schwer einsehbar unten am Bauch des Hundes und dabei rutscht garantiert die Rute wieder aus der vorgesehenen Öffnung – und man beginne von vorn. Meistert man diese Hürde im dritten Anlauf, muss das Ende des Gürtelbands nur noch in den Klemmverschluss geschoben werden. Auch hierfür bedarf es meist mehr als eines Versuchs. Hat man auch das geschafft, wird das Höschen nur noch festgezurrt, so dass es gut sitzt, aber nirgends kneift, und man klappt den Verschluss um und wischt sich genervt über die Stirn. Fertig. Die Konstruktion hält dann für Stunden.

Tanga-Modell für den Hochsommer: Ein Hauch von nichts.

 

Robustes Einsteiger-Modell in Schottendesign mit Klettverschluss: Easy to fix, verrutscht aber total.

Nachteil der wenigen gut sitzenden Höschen: Die Hündin kann sich nicht mehr selbst putzen, also zwischendurch mal das Höschen abnehmen, um das natürliche Bedürfnis des Tieres nicht zu lange zu unterbinden, dann das Teil wieder anziehen.

Auch innerhalb der Partnerschaft bringt das ganz neue Impulse: Mal flucht der eine, mal der andere, mal hilft man einander und steht einträchtig über den Hund gebeugt, einer hält, der andere wurschtelt und fädelt herum, denn die ganze Aktion geht mit vier Händen doppelt so schnell über die Bühne, dauert also gemeinsam nur 2 Minuten statt 4 oder 5. Gute Teamarbeit schweißt ja immer zusammen.

Man muss das einfach mal so beschreiben, denn ein Rüdenhalter oder ein Nicht-Hundehalter oder ein Nichts-von-Tieren-Halter macht sich da ja keine Vorstellung davon!
Auch ich habe an solche Tätigkeiten & Utensilien nicht im Entferntesten gedacht, als wir vor sechs Jahren mit dem Gedanken schwanger gingen, uns einen Hund zuzulegen.
Und das ist ja nur einer der Indoor-Aspekte, die so eine Läufigkeit mit sich bringt. Ein weiterer ist die größere Anhänglichkeit des Dackelfräuleins, tagsüber, nachts, immer. Ebenso eine höhere Sensibilität gegenüber Geräuschen, Wortgefechten, ach, eigentlich gegenüber allem. So eine Art Langzeit-PMS, nur nicht vorher, sondern währenddessen.

Außerhalb der Wohnung müssen wir jetzt noch mehr mit anderen Hundehaltern sprechen: Man muss „Ist das ein Rüde?“ auf 100m Entfernung plärren und anschließend ggf. höflich, aber nachdrücklich ein „Könnten Sie ihn bitte anleinen, unsere Hündin ist läufig!“ nachschieben. Parallel dazu schirmt man den eigenen Hund ab so gut es geht, je nach Zudringlichkeit der Rüden hilft Pippa dabei hervorragend mit und ist sehr zickig zu den teils dreisten Aspiranten, die ihr mit den Nasen am Hinterteil kleben.

Demnächst folgen noch die 3-4 Tage, an denen Pippa nicht mehr zickig ist, sondern ihrerseits Interesse an der Männerwelt hätte, wenn man sie ließe. An den Tagen heißt es von der Wohnung aus direkt in die Garage flüchten, um den hinreißenden Duft nicht zu sehr in den Rüdennasen der näheren Umgebung zu verteilen, und die an Orten spazieren gehen, an denen man möglichst niemanden trifft. Da fährt man dann schon mal mehr als 20 Minuten, um die Hündin ungestört ihre Geschäfte erledigen zu lassen.

Nach 18 bis 21 Tagen ist alles überstanden. Naja, fast alles. Ungefähr 9 Wochen später, zum fiktiven Wurfzeitpunkt, geht’s nochmal weiter: Mit der Scheinträchtigkeit- und mutterschaft. Häufig eine sehr verzwickte Phase, in der die Hormone erneut alles auf den Kopf stellen…

Zu dem Thema melden wir uns dann im Wonnemonat Mai wieder.
Womit keinesfalls gesagt sein soll, dass die Beiträge auf diesem Blog bis dahin hundefrei bleiben 😉

Einen schönen Sonntagabend ohne lästiges Gepfriemel mit Tier-„Dessous“ wünscht euch
Die Kraulquappe.