Molto bene. Tourbericht vom 12. Juli 2020, für Andrea & Wolfgang.

Kleines Dackelfräulein vor großer Felskulisse.

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Dass die Begriffe „Traum“ und „Trauma“ nicht nur im Duden nah beieinanderliegen, wurde mir erst jüngst – nämlich auf dem Gipfelanstieg zur Benediktenwand – so richtig klar.

Mit manchen Bergen verbindet einen ja nicht nur eine traumhaft schöne alpine Erfahrung, sondern auch ein traumatisches Erlebnis. Für mich gehört die Benediktenwand zu eben jenen Bergen, auf die das zutrifft. Denke ich an die Benediktenwand, so fällt mir immer auch dieser Septembersonntag ein. Über zehn Jahre ist’s her, hat sich mir aber für alle Zeiten eingebrannt.

Eine jüngere Kollegin, mit der ich mich damals gerade in einer Art Freundschaftsanbahnungsphase befand, hatte mich wochenlang bequatscht, dass sie für ihre Trekkingreise durch Neuseeland trainieren müsse, und zwar unbedingt auch in Form von Touren durch alpines Gelände, und ich solle sie doch bitte mal zu einer meiner Bergtouren mitnehmen.
Ich schlug ein paar Wanderungen vor, die ihr allesamt zu kurz, zu leicht oder zu niedrig waren, so dass schließlich die Besteigung der Benediktenwand (als eintägige Tour mit kompletter Gratbegehung) in den Fokus rückte: 1.220 Höhenmeter (kleine Gegenanstiege mal außen vor gelassen) und eine Gehzeit von 8 Stunden (ohne Pausen) – das erschien ihr genau passend für ihr Trainingsvorhaben. Da ich die Tour schon mal gegangen war, gab ich zu bedenken, dass wir wirklich den kompletten Tag brauchen würden, also früh in München aufbrechen müssten und erst spät wieder heimkehren würden, und dass es unterwegs anstrengend wird. Weil der Ostaufstieg zur Wand eine seilversicherte Passage beinhaltet, die einem nach dem dreistündigen Zustieg bis dorthin durchaus fordern würde, weil die Gratüberschreitung sich ziemlich hinzöge und weil nach all dem ja noch der ellenlange Abstieg ins Tal folgte. Mit Pausenzeiten auf der Hütte am Fuße der Wand, unterwegs und auf dem Gipfel kam ich auf 10 bis 11 Stunden. Die Kollegin sprühte vor Energie und Tatendrang, wollte auf keinen Fall auf die Gipfelüberschreitung, die alleine schon gut drei Stunden frisst, verzichten und stand am frühen Sonntagmorgen in Top-Ausrüstung am vereinbarten Treffpunkt. Nun gut, dachte ich, sie weiß um die Anforderungen, hat die passenden Sachen an und macht einen fitten Eindruck – wird also alles klappen!

Als wir die Hütte erreicht und eine ausgiebige Pause gemacht hatten, begaben wir uns auf den Steig zur Ostflanke der Benediktenwand. Vor der seilversicherten Stelle riet ich zum Wegpacken der Trekkingstöcke, da man beide Hände brauchen würde, um sich zwischen den mächtigen Felsen durchzuhangeln. Sie ging dicht hinter mir – und auf einmal hörte ich einen Schrei. Die Kollegin war gestürzt (man fällt dort im Felsspalt nicht weit, sondern klemmt sich eher ein bisserl ein, wenn man sich vertritt) und war dann vor allem erschrocken über diesen kleinen Fehltritt. Ich half ihr wieder ans Seil zurück, wir gingen weiter und als wir diese etwas diffizile Passage hinter uns hatten, fragte ich bei einer Trinkpause nochmal explizit nach, wie es ihr ginge, ob sie sich wehgetan hätte. Es ginge ihr gut, sagte sie, aber ihre Knie wirkten zittrig und es bekümmerte sie sichtlich, dass sie sich einen ihrer (für eine Bergtour viel zu langen) Fingernägel abgebrochen hatte. Ob wir denn wirklich die Gipfelüberschreitung machen sollen, fragte ich, meinetwegen müsse das nicht sein. „Auf keinen Fall umkehren!“, war ihre Antwort, sie schaffe das schon, und runter ginge es ja eh immer viel flinker als rauf. Was bei dieser Tour nicht unbedingt der Fall ist, allein aufgrund der Strecke. Sie beharrte aber darauf, das sei alles gar kein Problem, also gingen wir weiter. Einige Stunden und zwei weitere kleine Stürze später saßen wir erneut auf der Hüttenterrasse. Ihre Brille war durch einen Sturz verbogen und ihr Knie aufgeschürft. Sie war mittlerweile schlecht gelaunt und erschöpft. Als ich den Hüttenwirt fragte, ob er meine Kollegin zufällig später mit dem Jeep ins Tal mitnehmen könne, war sie gekränkt und bekräftigte, sie käme da locker noch selbst hinunter.

So begaben wir uns auf den Abstieg. Sie war entkräftet und schwach auf den Beinen, wir brauchten daher dreieinhalb Stunden statt der üblichen zweieinhalb. Unterwegs war sie entsetzt, wie miserabel der Handyempfang war und regte sich nach jeder Serpentine erneut darüber auf, dass sie ihren Freund nicht anrufen konnte, um ihm Bescheid zu geben, dass es sehr spät werden würde, bis sie heimkäme.

Den Wanderparkplatz erreichten wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit. In der Stunde, die wir bis München brauchten, saß sie auf dem Beifahrersitz und telefonierte mit ihrem Freund oder schwieg.

Ich fuhr sie nachhause, sie stieg mit einem knappen „Ciao“ aus dem Wagen und sprach nie wieder ein Wort mit mir. Es war das seltsamste Ende einer Noch-Nicht-Freundschaft, das mir je widerfahren war, alle Fragen blieben offen, der Konflikt, von dem ich nicht wusste, worin er überhaupt bestand, wurde nicht ausgetragen und irgendwann blieb mir nichts anderes übrig, als diese Tour mit K. und alles, was daraufhin folgte als eines der ungelösten Rätsel in meinem Sozialleben abzuhaken (und beschloss, froh zu sein, dass sich so früh herausgestellt hatte, dass das wohl sowieso nichts hätte werden können, mit ihr und mir).

Seither ging ich nur noch eine Teilstrecke dieser Tour und auch die meist alleine. Ich saß dann vor der Hütte auf dem großen Almwiesenplateau und guckte nach oben, zu dem Gipfelkreuz der imposanten Felswand.
Und träumte davon, eines Tages doch noch einmal dort hinauf zu steigen.

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Am Sonntag, den 12. Juli 2020 war es dann soweit. Die Braunschweiger Freunde und Labradoodle Bobby waren für meine Geburtstagstour und den von Söder empfohlenen Urlaub in Bayern eingetroffen – und sie waren seit Wochen heiß auf die Benediktenwand. Natürlich mit Gipfelbesteigung.
Herrje! Ob das gutgehen würde?

Bereits mit einer Woche Vorlauf hatte ich Tourdaten und -varianten nach Braunschweig gemailt, damit schon mal alle Fakten bekannt wären. Das Hundezimmer auf der Tutzinger Hütte war gebucht, das Wetter nahm rechtzeitig eine erfreuliche Kehrtwende von Sintflut zu Sommer, und ich schob alle Gedanken an mein damaliges Tourtrauma beiseite: das Abenteuer sollte beginnen, der Traum gelebt werden.

Statt eines Begrüßungsbussis warf ich am Wanderparkplatz unseren Freunden ein Sackerl mit dem eigens für die coronare Hüttennacht besorgten, besonders leichten Spannbettlaken (in hundepfotenfreundlichem Anthrazit) und eine frische Münchner Breze zu.
Mit vollgestopften Backen und Rucksäcken liefen wir bestens gelaunt in das Lainbachtal hinein. Und weit hinten sah man sie schon aufblitzen: die Benediktenwand!

Nur eine schlappe Viertelstunde blieb unser Wanderglück unversehrt, dann rief der Gatte: „Oh!“ und „Wartet mal!“ und „Schaut euch das mal an!“.
Und wir blieben stehen und schauten und staunten nicht schlecht.

 

Seine Sohlen hatten sich vom Schuh getrennt, lappten zur Hälfte vom Stiefel herab und schnappten bei jedem Schritt nach dem Schotter auf dem Wanderpfad.
Dass wir die Trocknungsgeräte in der Wohnung als Verursacher dieses Totalschadens an beiden Schuhen ausmachten, änderte an der misslichen Lage natürlich rein gar nichts. Eine schnelle Entscheidung musste her.
Der Gatte testete kurz die im Rucksack befindlichen Trekkingsandalen, aber das würde keine zweieinhalb Stunden zu ertragen sein – und eine Gipfelbegehung war mit solchem Schuhwerk ohnehin völlig undenkbar.

 

Also machte er auf dem Absatz (der glücklichweise noch an den Schuhen haftete) kehrt, lief zum Auto zurück, düste heimwärts und holte sich dort andere Bergstiefel.
Wir rechneten aus, dass er, wenn alles glatt ginge (unterwegs kein Stau und das Ersatzpaar Bergstiefel noch verlässlich besohlt) und er sich ein bisschen sputen würde, rund zweieinhalb Stunden nach uns bei der Hütte – unserem Tagesziel – ankommen müsste (es waren dann nur anderthalb Stunden, was freilich an seiner Gebirgsjägervergangenheit und nicht etwa am rasanten Tempo auf der Autobahn lag).

Zu fünft liefen wir weiter und hofften, dass es nicht noch einen von uns mit einer derartigen Panne erwischen würde.

Zwei Frauen, zwei Hunde – ein Ziel: Die Benewand.

Die Tutzinger Hütte empfing uns mit Kuchen und Reutberger Weißbier…

 

…und einer sehr konkreten Aussicht auf das, was uns am nächsten Morgen bevorstünde…

…und als wir wieder vollzählig waren, konnte der gemütliche Teil des Tages beginnen: Essen & Trinken, ausgiebig Ratschen & Zimmer einrichten.

Beim Abendgassi liefen wir der Abendsonne noch ein ganzes Stück hinterher…

 

 

…und starrten paarweise bergauf, bergab oder in die Kamera…

…bis die Hunde dann die Schnauze voll hatten von all dem Geknipse und Gegucke und ihrer ersten gemeinsamen Übernachtung zustrebten.

Die Braunschweiger Seilschaft verfügte über die dickeren Schlafsäcke und sank kurz nach Mitternacht in den wohlverdienten Schlaf, das Dackelfräulein hatte sich zum Gatten in den Schlafsack gekuschelt und schnarchte, nur ich lag wach und fror.

Gegen 2 Uhr spazierte ich bei fast null Grad unter sensationellem Sternenhimmel nochmal zum Nebengebäude, in dem sich die Toiletten befanden und beschloss bei Rückkehr ins Zimmer, unser Fenster zu schließen, auch wenn das dem Raumklima nicht zuträglich sein würde. Schliefen ja alle tief und fest, so dass sie mich für diese Aktion erst am Tag drauf kreuzigen könnten.
Ein paar Minuten später stieg Bobby zu mir ins Bett und legte sich an meine Seite, womit gegen 3 Uhr alle meine Probleme gelöst waren und ich meinem Geburtstagsmorgen entgegenschlummern konnte.

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Was für ein Abschluss fürs alte Lebensjahr!

Danke an Andrea & Wolfgang für die tollen Fotos, und an den großen Braunen für die Bettwärme.

Teil 2 folgt in Kürze, bleiben Sie dran!

Bene.

Mit zwei Hunden an meiner Seite, was nicht nur wegen der nächtlichen (fast) null Grad und zu dünnem Schlafsack ein Segen war, schlief ich in der Tutzinger Hütte meiner alljährlichen Alterung entgegen.

Ein mehrstimmiges Geburtstagsständchen um 7:13 Uhr vor der Bergkapelle und ein hübsch dekorierter Frühstückstisch trösteten perfekt über das mit Kümmel versetzte Hüttenbrot, die coronabedingt geschlossene Dusche und den allgemeinen Schlafmangel hinweg. Von der Tour rund um diesen Berggeburtstag berichten wir ein andermal, das Bildmaterial muss noch sortiert sowie Falten und Schweiß retuschiert werden.

Nur so viel: Beinahe auf die Geburtsminute genau standen wir bei perfektem Wetter und Weitblick zu viert mit unseren beiden Hunden in 1.801 Meter Höhe auf dem Gipfel der Benediktenwand und waren ebenso glücklich wie fix und fertig – drei Stunden Schlaf kommen in meinem Alter einem Genickbruch nahe, zumindest wenn am Tag drauf anderthalb Stunden Aufstieg, vier Stunden Abstieg und abends noch eine Party mit mehr als 2 Teilnehmern/Präsenten ansteht.

Künftig werde ich mich bei der Begrüßungsansprache für die Gäste eigenständig mit der Ziach begleiten können, sofern der mir zugedachte Akkordeonlehrer dieses Vorhaben nicht als aussichtslos einschätzt.
Auch jenseits der musikalischen Karriere kann einer Zukunft im Spätsommer des Lebens (oder dieses Jahres) nun mit noch mehr Optimismus begegnet werden: an unterstützender Lektüre besteht jetzt keinerlei Mangel mehr und in (beinahe beängstigender) Kürze winkt bereits ein Coaching durch einen echten Österreicher!

Mental health allein ist ja wenig seligmachend. Dank eines umfassenden architektonischen und kulturgeschichtlichen Führers kann ich ab sofort endlich in der Schweiz zum Schwimmen gehen (auch die Vignette traf schon ein), mich vorher und nachher mit edler Seife reinigen, im Anschluss einen Film über schwimmende Männer angucken und dabei in die Genusswelten eines der 12 Weißbiere eintauchen (winziger Kritikpunkt: warum waren in dem Karton nicht gleich 13 drin und wozu soll das eine alkoholfreie Flascherl gut sein?).

Die anderen 11 Halben werde ich mir während der viertägigen Springsteen-Klausur (DVD des letzten real erlebten Konzertes plus zig CDs anderer, legendärer Live-Perlen von Bruce) reinpfeifen. Zwischendurch wird der Blutzuckerspiegel mit bestem brandenburgischen Quittengelee und den einzigen Kirschen, von denen mir nicht der Hals zuschwillt, bei Laune gehalten.

Wenn mir dann mal nicht mehr nach New-Jersey-Flair, sondern nach schick & hip ist, schwinge ich mich mit sommerlich lackierten Zehennägeln (exakt in Schwimmflossenfarbe!) in einen roten Alfa Spider und lasse mich zum Eisessen chauffieren. Weil einem diese sommerlichen Cabriofahrten ja selbst die noch so kurze Frisur zerzausen können, hat man mich mit einem teckelverzierten Kosmetikspiegelchen für die Handtasche, die ich nicht habe, bedacht (überhaupt nehmen ja die schönheitsbezogenen Geschenke von Jahr zu Jahr zu, und ich wage nicht, mir auszumalen, wie der Gabentisch zum nicht allzu fernen 50. oder gar nach der nächsten durchlebten Dekade aussehen wird).
Und von den sieben Brücken, über die man angeblich gehen muss, ziert nun schon die zweite den Flur, und da wohl noch fünf folgen, habe ich offenbar noch ein paar weitere Geburtstage vor mir, was mich grundsätzlich eher hoffnungsfroh stimmt.

So sperre ich also rundum zufrieden, zuversichtlich und vermuskelkatert die Tür zum neuen Lebensjahr auf, am Schlüssel baumelt ein neuer Anhänger (raten Sie mal, welches Tier!) und all der vergangene Käse interessiert nicht mehr – denn den kann ich ganz elegant und diskret unter dem hübschen Almwiesen-Käseglöckchen verschwinden lassen und mich auf all das vor mir Liegende fokussieren konzentrieren freuen.

All den lieben, treuen und wohlmeinenden Gefährtinnen und Gefährten ein ganz herzliches: Danke, danke, danke!

Staubl_auszeit Nr. 3.

…und ein drittes Mal binnen weniger Wochen sagen wir den Psocoptera leise Servus & verabschieden uns für ein paar Tage in (hoffentlich) nicht kontaminierte Gefilde mit besserer Luft als die neuen Dehumidifier sie hier daheim produzieren.

Zum Lockermachen vor der großen Tour nochmal ausgiebig die Haxn ausgeschüttelt…

…und einen der Liebslingsseen durchschwommen…

…während das Dackelfräulein am Ufer mit dem frisch aus Frankfurt heimgekehrten Gatten ein paar Runden Pfannkuchenwerfen spielt und sich nach dem Baden sonnt.

Derweil im fernen Niedersachsen des Fräuleins großer brauner Freund die Vorbereitungen für seine Abreise nach Bayern genauestens überwacht…

…und wenn wir das richtig sehen, auf dem hübschen Foto, das man uns hat zukommen lassen, dann waren wir offenbar fast alle nochmal beim Friseur, bevor wir uns wiedersehen 😉

Mittlerweile sind auch in der Münchner Ludwigsvorstadt alle Kisten, Taschen und Rucksäcke gepackt:

„Lang nicht mehr gesehen!“ – Pippa begrüßt Nuluensis, unsere Bergbiene.

Und wie kriegen wir jetzt das ganze Glumpp in den Rucksack?

Ganz einfach: Der Gatte, immerhin ja ehemaliger Gebirgsjäger, darf den Großteil tragen 😉

Nach neun Monaten – eine Zeitspanne, in der ganze Kinder heranreifen und Pandemien ausbrechen können – ist es morgen nun soweit: Das Anwolf-Rudel und wir gehen nach einer viel zu langen Durststrecke endlich wieder gemeinsam auf Tour!

Vor uns liegen über 1.200 Höhenmeter (zu einem der schönsten und aussichtsreichen Gipfelgrate im Voralpenland), eine Hüttenübernachtung (die für uns alle die erste Nacht mit zwei Hunden in einem Zimmer ist) und sicherlich das eine oder andere Abenteuer (Corona-Richtlinien auf der Hütte, Steinböcke in der Felswand, Bettwanzen in der Souterrainkammer – wer weiß, was einen so alles erwartet?!).

Für mich geht mit dieser Unternehmung ein lang gehegter Traum in Erfüllung: Einmal an meinem Geburtstag hoch oben in den Bergen aufwachen und zusammen mit einer Handvoll Lieblingsmenschen und -tieren von einem Gipfel aus die Aussicht auf das neue Lebensjahr genießen.

Drücken Sie uns die Daumen, dass es sich hier tatsächlich in den letzten 24 Stunden ausgeregnet hat (von der Menge her möchte man es ja meinen) und wir ohne auszurutschen da hinauf und auch wieder hinunter kommen und bis auf vier Paar Augenringe äußerlich unversehrt bleiben, damit wir dann auch die zweite Nacht im Tale noch gscheid feiern können.

Gratulationen senden Sie bitte an die Tutzinger Hütte am Fuße der Benediktenwand (mit der freundlichen Bitte um Übermittlung) oder über die üblichen Kanäle (wobei der Empfang dort oben nur auf einem kleinen Hügel hinter der Hütte einigermaßen funktioniert).
Postalische Grüße sowie kleinere und größere Sachspenden können ab Dienstag wieder in München entgegengenommen werden.
Da ich nicht mehr die Jüngste bin und nach der Heimkehr sicher erstmal durchschnaufen muss, kann es mit den Danksagungen ausnahmsweise ein bisserl dauern – nehmen Sie’s also bitte weder krumm noch persönlich.
Oder machen Sie sich’s leicht und denken Sie im Stillen an mich, das tut’s ja auch mal.

Ihnen eine gute Zeit & bis bald in alter Frische!

Wir sind dann mal weg!

Song des Tages (54).

Eine neue, andere Etappe der Selbstquarantäne hat begonnen.
Neben dem obligatorischen MNS möchte man da draußen nun manchmal auch Ohrstöpsel und ein Klappvisier tragen.

Schon nach einer Woche kann ich das Krakeelen an lauen Abenden hier auf der großen Freifläche vor der Haustür nicht mehr hören: „F*** Corona!“ plärren sie – und dazu ein lautstarkes, scherbenklirrendes Prosit der Ungemütlichkeit, weil man ja leider in Scharen und dicht gedrängt auf den Steintreppen zu Füßen der Bavaria herumlungern und sich dort zulöten muss, weil die F***-Politiker die Kneipen nicht aufsperren wollen.
Ja, manches ist durchaus unlogisch in dem sogenannten Lockerungsfahrplan (die Abfahrtszeiten wirken oft ungünstig und wenig abgestimmt, auch die Gleiswechsel und Umstiege holpern ziemlich), manches auch unsinnig, aber beileibe nicht alles.
Und die Demokratie ist genauso wenig abgeschafft worden wie die Grundrechte und auch Bill Gates befindet sich nicht auf der Zielgeraden, um übermorgen die Weltherrschaft zu übernehmen.

Ich wünschte mir Hygieneregeln für die mediale Überschriftengestaltung, denn wenn ich noch einmal irgendwo lesen muss „War’s das mit dem Sommerurlaub 2020?“ oder „10 Überlebensstrategien zwischen Homeoffice und Homeschooling“ oder „Widerstand ist Pflicht!“, dann… – tja, was dann?
Raus zur Gegen-Demo oder doch besser Flucht nach vorn bzw. nach oben, hinauf auf den Berg, wo das ganze Gebrodel und Geschwurbel zu Tale nicht mehr zu hören und zu sehen ist?

Vermutlich Letzteres, und beim Gehen ein bisschen drüber nachdenken, wie das alles wohl weitergeht und wie man sich besser abschotten könnte, wenn man spätabends Gassi geht, und parallel dazu das arme, der häuslichen „Kriegsgefangenschaft“ für ein paar Stunden entfleuchte Volk wahrnimmt, das voller Wut oder Ignoranz oder zu viel Bier auf der Wiesn abhängt und seinen Widerstandswohlstandspartymüll in die ohnehin schon überfüllten Mülleimer schmeißt (oder gleich daneben, so dass die Krähen die Burger- und Pizzakartons nicht erst mühsam zwischen den Pfandflaschen herauspicken müssen aus den Metallkübeln, sondern gleich bequem in der Wiese sitzend die Verpackungen zerhacken können, damit der Niedriglöhner am Tag drauf noch ein paar Stunden mehr niedergebückt niedriglöhnen kann, bis er alles aufgeklaubt hat aus den nassen, erdigen Grünstreifen).
Besser noch, man denkt beim Gehen gar nicht allzu viel über sowas nach, nicht dass es einen zu sehr beschwert, weshalb ich auch a priori ein Freund des Hinaufgehens bin, und zwar des beschwerlichen, schweißtreibenden Emporsteigens, weil das, wie es so schön heißt, den Kopf frei macht, denn auf manch steilem Pfad lässt man besser den Gedanken fallen als dass man sich selbst zu Fall brächte.

Ich beschränke also weiterhin meinen Ausgang auf das Notwendige, ergänze das gelegentlich um das Wohltuende und halte bei all dem Abstand, völlig freiwillig und ein Stück weit auch als emotionale und mentale Hygienemaßnahme.
Verzicht ist blöd, schon klar, jeder vermisst gerade etwas oder jemanden (ich könnte drei Seiten dazu verfassen, was mir momentan fehlt und „was das mit mir macht“, aber wozu soll das gut sein?) und hat mit Entbehrungen (mehr oder weniger) zu kämpfen, aber ist es wirklich ein Problem, wenn jetzt einmal (!) der Sommer- oder gar der Jahresurlaub ausfällt bzw. im eigenen Land verbracht werden muss (!), zumal wir von zwei Meeren über etliche Heidelandschaften, Seenplatten, Mittelgebirge bis hin zu prächtigen Bergen so ziemlich das ganze Spektrum an landschaftlicher Schönheit zur Verfügung haben?
Vertreibt einem das nur die Instagram-Follower, wenn man bloß lauter öde Fotos mit Untertiteln wie „Sonnenuntergang am Sylvensteinsee“ oder „Picknick am Pilsumer Leuchtturm“ oder „Wastl auf dem Watzmann“ posten kann oder macht das ernsthaft unglücklich?
Könnte man nicht einfach mal die Kirche im Dorf lassen – und sich diese vielleicht sogar einmal genauer ansehen, anstatt immer nur das, was weit weg ist, interessiert betrachten zu wollen?

Der winzige Ort Bichl zum Beispiel, der soll eine sehr sehenswerte kleine Dorfkirche haben, St. Georg heißt sie, wie mir der Papa neulich berichtete, als er seine erste kurze Ausfahrt seit drei Monaten wagte, um eben jenes kunsthistorische Kleinod zu besichtigen.
Leider hab ich’s nicht so mit Kirchen, zumindest nicht übers Architektonische und die Orgelmusik hinaus, er ja eigentlich auch nicht, aber da er nunmal nicht mehr gut zu Fuß ist, weil ihn Mr. Parkinson gnadenlos seiner Bewegungsfreiheit beraubt hat, schaut er halt, was noch geht und wofür er nicht zu viel gehen muss, um noch ein bisschen was von der Welt zu sehen, und richtet sein Interesse, was dem Wortstamme nach auch „dabei sein“ bedeutet, eben auf die Dinge, zu denen er noch gut hingelangt – und das sind ja auch gar nicht so wenige.

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Apropos Papa. Ein Besuch am Tegernsee steht nun an, und mir kommt es so vor, als stünde der sogar recht dringend an. Weil am Telefon ging es in letzter Zeit auffallend oft um – wie soll ich’s ausdrücken? – final anmutende Tätigkeiten, mit denen sich der Papa über die Coronawochen hinweg zunehmend zu befassen schien.
Listen hat er sich angelegt, in denen aufgeführt ist, wo er welche Versicherung oder Mitgliedschaft abgeschlossen hat, mit welcher Nummer und wer der Ansprechpartner ist.
Alle seine Ordner hat er ausgemistet und neu beschriftet, „(…) damit du weißt, wo du was findest“.
Aber ich suche doch gar nichts, Papa!
Und da ist sie wieder, seine Formulierung: „Ist ja nur für den Fall der Fälle.“
Auf die Nachfrage hin, von welchem Fall wir denn nun genau reden, meint er schnörkellos: „Ja wenn mich dieses Virus erwischt und vielleicht außer Gefecht setzt oder ganz hinwegrafft, dann hab ich sicher nicht mehr die Zeit, das alles zu ordnen.“ – wo er recht hat, hat er recht, der Herr Vater.

Trotzdem weiß ich nicht, was ich davon halten soll, dass er mir zwei Umzugskartons „mit Sachen“ angekündigt hat, die er ebenfalls aussortiert hat und mir nun gerne zur weiteren Verwendung oder Verräumung übergeben möchte: die Familienfotos, alle Fotos aus seinen 40 Berufsjahren, etliche sogenannte „persönliche Gegenstände“, ein paar Bildbände, Schallplatten und andere Habseligkeiten (was für ein schönes Wort, denke ich gerade, wenn ich das so tippe: Hab_selig_keiten – war der Papa selig, weil er sie hatte?).
„Du musst doch jetzt nicht dein ganzes Leben auflösen wegen eines Konjunktivs bzw. diesem Fall der Fälle“, sage ich zu ihm und weiß schon beim Aussprechen dieser Bemerkung, dass ich darauf keine Antwort erhalten werde, weil… (und diese Antwort, die versage ich mir nun selbst, zumindest heute).

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Ob die Gesellschaft sich nun (noch mehr) spalten wird, und wenn ja, wie und warum und in welche „Lager“, gehört ebenfalls zu den momentan intensiv und kontrovers diskutierten Themen.

Ins Politische möchte ich jetzt nicht abdriften, allein wenn ich die letzten zwei Monate hier in meinem kleinen Orbit so Revue passieren lasse, dann stelle ich fest, dass ich (teils recht erstaunt) feststellen durfte, mit wem ich diese Wochen wirklich geteilt habe und mit wem ich sie nicht teilen konnte oder wollte (oder der/die das mit mir nicht konnte oder wollte).
Zwei Freundschaften, von denen die eine noch im Entstehen und die andere längst schon abgestanden war, fielen Corona zum Opfer. Gar nicht mal so wenig, für nur zwei Monate!
Was natürlich totaler Humbug ist (überall liest man das ja derzeit: was alles „Corona zum Opfer fiel“ und damit sind zumeist nicht die Erkrankten oder Toten gemeint), denn nicht etwa das C-Virus hat diese mitmenschlichen Bande zerfressen, sondern die Infektionen schwelten da jeweils schon länger und sind nun einfach eskaliert-explodiert-erodiert, „dank“ dieses Brennglaseffekts. Eine Verdichtung, ein Aufplatzen von Eiterherden, eine Sezierung, das ist es, was diese C-Krise mit sich bringt.

Es gibt einige Tage, die fühlen sich ein bisschen so an wie sonst die paar Stunden, die ich jährlich am 31.12. mit gewissen „Bilanzen“ und „Überträgen“ zubringe: ich mache eine Bestandsaufnahme dessen, was so war (Berge, Bäder, Begeisterungen, Befreiungen, Begegnungen, Beschlüsse und ihr Scheitern u.v.m.) und ein Fortschreiben dessen, was auch weiterhin sein kann-darf-soll (welche Adressen nehme ich mit ins neue Jahr – und meist steckt ja hinter einer Adresse auch ein Adressat -, welche Vorhaben notiere ich neu oder erneut, was schreibe ich ab, weil es nicht mehr passt oder noch nie gepasst hat…, um nur ein paar Beispiele zu nennen).
Dabei haben wir erst Mitte Mai und normalerweise ist das die Jahreszeit, in der ich mich eher auf meine Wunschliste für den Geburtstag fokussiere, was natürlich arg übertrieben, aber offen gestanden auch nicht völlig untertrieben ist.
Die fällt nun dieses Jahr erstaunlich kurz aus, einzeilig gar, das gab es eigentlich noch nie, aber der Gatte freut sich, weil es die Angelegenheit schließlich sehr vereinfacht und ich sonst ja schon kompliziert genug bin (was jetzt ebenfalls ein klein wenig übertrieben ist).

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Beim Laufen im Park (an dieser Stelle und bei dem Thema muss ich mir mein Gejammere über das nach wie vor geschlossene Schwimmbad übrigens am meisten verkneifen, weil ich es beim Laufen seltsamerweise am meisten spüre, wie sehr mir das Schwimmen fehlt) treffe ich mittlerweile nicht mehr gelegentlich J. (der wird längst wieder durch die Berge laufen, wo uns der Zufall eher nicht regelmäßig zusammenführen wird), dafür jedesmal den alten, einäugigen Hund.

Manchmal sitzt er vor einem Baum und guckt mit mildem Interesse den Eichhörnchen zu. Völlig entspannt ist er dabei, weil er weiß, dass es sich mit der Jagd für ihn erledigt hat und er schon froh sein kann, dass sie ihm nach dem üblen Unfall nur ein Lid zugenäht haben und er deshalb neben seiner guten Nase noch ein winziges Restaugenlicht hat, um sich zu orientieren in seinem kleinen Ausschnitt der Welt, in dem er zuhause ist und wo er gelernt hat, mit dem zufrieden zu sein, was er hat: Seinem Menschen, seinem Auslauf, seiner Wiese und ein paar munter umherflitzenden, unerreichbaren Eichhörnchen hoch droben in den Wipfeln der schönen, grünen Kastanien. Ein Stoiker ist er, und ein Epikureist.

Bewundernswert, wie er das macht.
Und wie er einfach unerschütterlich ist.

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Nothing unusual, nothing strange
Close to nothing at all
The same old scenario, the same old rain
And there’s no explosions here

Then something unusual, something strange
Comes from nothing at all
I saw a spaceship fly by your window
Did you see it disappear?

Amie come sit on my wall
And read me the story of O

And tell it like you still believe
That the end of the century
Brings a change for you and me

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Was vom Winter übrig blieb.

Der Winter 2020 braucht kein Faschingsgetöse mehr, um vertrieben zu werden, nur noch ein paar Sonnentage und dann war’s das mit ihm.

Die Grödeln hätte man getrost daheim lassen können, von den Würstln für die beiden Hundedamen hingegen hätten’s ruhig ein paar mehr sein dürfen. Nicht mal ansatzweise Futterneid, Popo an Popo liegend auf der Hütte die Eckbank geteilt, bei der Heimfahrt um ein Haar noch gemeinsam in einem (!) Körbchen geschlafen – ja, dass wir DAS noch erleben dürfen, solch eine Harmonie und Gelassenheit…
Nun gut, die Chef-Frage war von der ersten Begegnung an eindeutig geklärt und dann funktioniert das halt auch. Hunde kommunzieren untereinander in einer Klarheit, von der sich mancher Mensch eine Scheibe abschneiden könnte.

Eine neue Hundefreundschaft beginnen zu sehen und parallel dazu den Anfang einer neuen Menschenfreundschaft zu (emp)finden – welch Geschenk!
Danke an den großen M. & die kleine Shiva für den gemeinsamen Ausflug in die Tegernseer Berge.

Anything else?

Für Andrea & Wolfgang.

Das Equipment für die Jubiläumsfeier steht bereit! Mehr braucht’s nicht, oder?

Räumt schon mal ein Platzerl im Kühlschrank frei, bürstet den großen Braunen, legt den Forenbacher ein und lüftet das Gästezimmer durch – Pippa und ich sind bald im Anmarsch 😎🐕💕

Freaked out.

Auf heute bezogen lautet die Antwort ganz klar: Nein danke!

Die E-Scooter flitzen seit einiger Zeit durch unsere Stadt.
Erwartungsgemäß tun sie das auch dort, wo sie nicht fahren dürften. Keine drei Wochen hat es gedauert seit Beginn der E-Scooter-Ära, bis uns so ein Vollpfosten vor die Füße fällt. Mitten auf der Allee hier vor der Haustür, alles reiner Fußgängerbereich, fett beschildert.

Kommt uns entgegengebraust, hat lässig eine Hand am Lenker, hält mit der anderen sein Smartphone fest, guckt auch auf selbiges und fährt fröhlich vor sich hin. Irgendwann beschließe ich, mich bemerkbar zu machen und rufe „He, Vorsicht!“, weil das Fräulein und ich wollen nicht in die Rabatten springen, um dieser Blindschleiche auszuweichen, die einen heftigen Linksdrall hat. Der Typ guckt auf und will nach rechts lenken, dabei verliert er erst das Smartphone und in der Sekunde danach die Kontrolle über den Roller – und stürzt. Direkt vor unsere Füße.

Lässt man den jetzt liegen und zeigt im Weitergehen auf das blaue Fußgängerschild, das zwei Meter neben ihm steht? Nein, macht man nicht. Und Pippa schon gleich gar nicht. Menschliches Aua bestürzt sie und aktiviert sofort ihren Krankenschwestermodus. Aus anatomischen Gründen ist sie als Erste am Unfallort, bemerkt das Blut (Schienbein aufgeschürft, nicht dramatisch) und verpasst dem Vollpfosten eine Ohrwäsche, die jeglichen Schock sofort vertreibt. Ich ziehe sie an der Leine von dem Gestürzten weg, beuge mich zu ihm herunter und frage: „Alles ok?“ und „Soll ich Ihnen beim Aufstehen helfen?“. Er bejaht das Erste und verneint das Zweite und rappelt sich etwas wacklig auf.
Der E-Scooter hat auch eine Schramme abbekommen, das Smartphone einen Displaybruch. Ich nicke dem Typen zu, nicht so genau wissend, was mein Nicken eigentlich ausdrücken soll, und gehe langsam mit Pippa weiter. Drehe mich nach ein paar Schritten im Gehen nochmal kurz um, um zu schauen, ob der Kerl wirklich so weit in Ordnung ist, dass auch er weitergehen (oder -fahren) kann. Kann er.

Mich wieder nach vorn drehend denke ich „Blödes E-Scooter-Zeug!“ und „Hab ich’s mir doch gedacht, dass man mit denen kollidiert!“ und als ich mir gerade noch ausmalen will, wie sich das wohl entwickeln wird mit diesen neuen Verkehrsteilnehmern, sehe ich, wie auf dem Wiesenstreifen, der neben der Allee verläuft, ein schäferhundgroßer Mischling auf uns zuschießt. Im Laufen lässt er den Ball, den er in der Schnauze hält, fallen und die letzten Meter bis zu uns bestehen nur noch aus ein paar großen Sprüngen. Dann stürzt er sich direkt auf das Dackelfräulein, reißt sein Maul auf und fletscht die Zähne. Pippa duckt sich, jault laut und kann nicht flüchten, weil sie ja angeleint ist.

Ich lasse die Leine fallen und schreie panisch „Lauf!“ und tatsächlich rennt sie los. Der Angreifer will hinterher, ich springe dazwischen, stampfe mit dem Fuß auf und brülle den Hund an, fuchtle mit meinem Rucksack vor ihm herum. Dann entdecke ich endlich sein Frauchen, eine übergewichtige Trulla, Gothic-Style, Kippe in der einen, Smartphone in der anderen Hand. Behäbig über die Wiese watschelnd ruft sie „Timmy!“, aber Timmy schert sich nicht drum und Trulla ist leider zu unbeweglich, um einen Zahn zuzulegen und sich ihren Timmy zu schnappen. Ich plärre, sie solle sich beeilen und ihren Hund festhalten, weil der meinen um ein Haar gebissen hätte und ernte dafür ein dröges „Komm ja schon“, zwischenzeitlich ist Pippa wieder bei mir angekommen, sucht hinter mir Schutz, aber Timmy sieht sie und will erneut auf sie losgehen.

Da platzt mir der Kragen und ich raste aus. Von irgendwo ganz tief in mir drin rollt eine Welle an Kraft und Energie heran, die mich völlig überrascht, weil a) ich heute zum einen stark erkältet und zusätzlich von Blutungen ziemlich entkräftet bin und b) der Tag bis hierhin sowieso schon gelinde gesagt eher schwierig war und das nicht etwa nur wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen.
Was dann geschah, schreibt man vielleicht besser nicht in so einen Blog rein.

Jedenfalls ist Pippa nichts geschehen, ihre letzte Bisswunde ist ja grad mal drei Monate her, und auch mir ist nichts passiert. Und auch sonst gab es keine Verletzten oder Toten.
Beim Nachhauselaufen denke ich innerlich wie äußerlich noch ziemlich zitternd über den Vorfall nach und auch darüber, wie man nur plötzlich solche Kräfte entwickeln kann und woher dieses Begleitvokabular kommt und warum das alles binnen Bruchteilen von Sekunden einfach da ist und so fix abläuft wie ein Film im Daumenkino.

Und ich denke auch an den Running Gag zwischen dem Gatten und mir, den wir seit ein paar Jahren pflegen.
Wenn einer von uns mal in eine dieser Ausnahmesituationen geraten ist, in der er/sie sich nur mit Müh und Not beherrschen konnte, um nicht total die Fassung zu verlieren, also zumindest nicht so, dass dabei Sach- oder Personenschäden entstehen, und man dem anderen danach von dieser Ausnahmesituation und ihrer Bewältigung berichtet, beenden wir solche Berichterstattungen meist mit dem natürlich scherzhaft gemeinten Satz: „Ich bin gespannt, wer von uns den anderen zuerst aus der U-Haft abholen muss.“

Seit zwei Stunden bin ich mir nicht mehr sicher, ob es sich meinerseits wirklich noch um einen Scherz handelt.
Aber wenigstens hätte es der Gatte nicht weit. Die nächste Polizeidienststelle ist in der Beethovenstraße und der Weg dorthin wirklich sehr idyllisch, sofern einen auf der schönen Allee keine E-Scooter anfahren oder Hunde anfallen.

Jetzt versuche ich mal, meinen Arbeitstag fortzusetzen und öffne mir ein Fläschchen Hopfengetränk, zur Nervenberuhigung.

Prosit!
Auf einen ruhigen Abend & betrachten Sie diesen Beitrag bitte in erster Linie als eigentherapeutische Maßnahme.

Ge_danke_n 2018 (3).

Das heutige Ge_danke_n-Stückchen 2018 ist für meine Bloggerfreundin Andrea.

Seit über zwei Jahren hegen und pflegen wir, was seinerzeit beim Gipfeltreffen im unvergessenen Nörten-Hardenberg begann, wo ich (beinahe noch unvergessener) auf Springsteens Spuren lustwandelte. Das allein ist schon ein Grund, dankbar zu sein, denn oft lassen sich neue Verbindungen, die von Anfang an mit einer räumlichen Distanz von 500km verbunden sind, nicht allzu lang aufrecht erhalten.

Letztes Jahr 1x München und 1x Braunschweig und dieses Jahr dann unser Abend in Reichenhall und die Tour bei Berchtesgaden, das war – so mitten im Umzugsstress – ein echtes Highlight und eine willkommene Abwechslung. Ein ganz tolles Wochenende zu sechst war das!
Vor allem aber möchte ich Danke sagen für all den Austausch das ganze Jahr über und: es gibt nur wenige Menschen, bei denen ich mich mit meinen gelegentlichen Hundesorgen so gut aufgehoben fühle.

Und ganz aktuell danken wir auch noch für das Weihnachtspaket.

Eine der wenigen Sendungen, die durch den Briefkastenschlitz aufs Parkett segelte und nicht sofort angebellt wurde. Beim Öffnen verstand ich natürlich, wieso: Ein Hunde-Wurst-Lolli kullerte heraus, das hatten wir noch nie! Pippa war ganz aufgeregt und es war schwer, ihr zu vermitteln, dass das ein verfrühtes Geburtstagspräsent ist und kein Weihnachtsgeschenk, an das man sofort ran darf, wenn einem Weihnachten so lolliwurscht ist wie uns.

An die anderen Köstlichkeiten wollte sie auch sofort ran, aber die in der Sternchentüte, die hab ich ihr weggefressen, die waren nämlich ganz klar für die menschliche Vorweihnachtszeit gedacht. Sie tröstete sich dann mit dem Pin-up-Boy-Kalender von ihrem großen braunen Freund, der ja wieder ein kleines Kunstwerk ist, sowohl der Freund als auch der Kalender.
Mal ehrlich: wir hatten uns schon etwas bang gefragt, was wir machen, wenn der dieses Jahr nicht in DIN A5-Format, sondern aufgrund unseres überschwänglichen Lobes im Upgrade auf ein DIN A2-Format eingetroffen wäre – vorsorglich haben wir eine große Wand im langen Flur freigehalten! -, aber gottseidank kam er in der gewohnten Version und Größe hier an, so dass er 1:1 auf den Nagel des 2018er-Vorgängers passt 🙂 – und ich würde mich freuen, wenn du das bald persönlich begutachten kämest.

Danke für alles, liebe Andrea, grüß Deine drei Männer & bis bald im neuen Jahr!

PS: Sorry, es hat doch nicht geklappt mit der Aufbewahrung bis zum 28.12….

Wofür ich mein Schwimmbad liebe.

Super Sache, so zum endgültigen Ende der Freibadsaison (das dieses Jahr um 10 Tage rausgeschoben wurde, so dass ich 2x „zum letzten Mal“ Schwimmen gehen musste):
Ein Hundebadetag bevor morgen das Wasser aus dem Becken abgelassen wird!

Sogar rutschfeste Matten haben sie rund um den Beckenrand ausgelegt, damit die Vierbeiner nicht auf dem Edelstahl ausrutschen. Ein bisserl Zoff gab’s um die zahlreichen Aqua-Toys, die von Herrchen und Frauchen ins Becken geworfen wurden, denn wenn sich Lilly die Frisbeescheibe von Nougat schnappen will und dann noch Bruno dazwischenschwimmt, ist halt ganz schnell Schluss mit lustig…

Alles in allem aber eine total entspannte Aktion.
Zwei Bademeister zur Stelle, falls Flocki sich verschlucken würde oder Maya doch noch nicht das Seepferdchen gemacht hat und in Beckenmitte Panik bekäme.

Pipimachen auf der Liegewiese auch kein Problem. Über Badetücher hopsen auch nicht.
Nur der Würstchen-Kiosk hat gefehlt oder ein paar mit Katzenfell ausgekleidete Relax-Liegen oder ein Kuhfladen-Planschbecken für die Kleinen.

Der Erlös der ganzen Aktion wird dem Münchner Tierheim gespendet.
Weiter so, Münchner Stadtwerke!

Von Unschuld und Liebe oder: Die vierte der zwölf Rauhnächte.

Als ob Weihnachten einen nicht schon genug strapazieren würde. Mitten in diesem großen Familien-, Feier- und Fress-Spektakel beginnen auch noch die Rauhnächte. Zwölf an der Zahl und mythologisch recht aufgeladen, da für unsere Vorfahren jede dieser Rauhnächte (inkl. des dazugehörigen Tages) stellvertretend für einen Monat des folgenden Jahres stand und kräftig zum Deuten und Oraklen herhalten musste.
Alles wurde beobachtet: das Wetter, die Träume, das Befinden, die Bekömmlichkeit der Mahlzeiten, kleine Probleme, große Sorgen.
Alles hatte Bedeutung, und wer in der Lage war, diese herauszulesen oder hineinzulegen, der konnte für den dazugehörigen Monat des bevorstehenden neuen Jahres so kluge und hilfreiche Prognosen treffen wie: „im Januar führt einen jemand aufs Glatteis“ oder „der April wird ein regenreicher Monat“ oder „im Juni droht Durchfall“ oder „im Oktober erschlägt man die Nachbarin aus dem 2.OG“.

Dem 28.12. kommt innerhalb der Rauhnächte eine besondere Bedeutung zu: Es ist der Tag der unschuldigen Kinder.
Und es ist Pippas Geburtstag. Zwei Tatsachen, die nicht wirklich harmonieren.

Wer das Dackelfräulein beispielsweise gestern in den Wäldern gesehen hätte, wüsste sofort wieso, weil er/sie dann miterlebt hätte, wie der kleine Raubauz ins Unterholz abgehauen ist, um sich dort an einem halb verwesten Rehschädel zu laben (ja, da war immer noch ein bisschen was Leckeres zum Abnagen dran!), dass es nur so knusperte.
Bis Sie da hinterher kommen, um Ihrem Hund – der natürlich in solchen Augenblicken von Spontan-Taubheit befallen wird – am Tatort ein Stück Rehunterkiefer aus dem Maul zu fischen, rieseln Ihnen im Unterholz nur so die Tannennadeln zum Mantelkragen hinein, und während Sie dann grad versuchen, sich die stinkenden, klebrigen Finger abzuputzen, um sich im Anschluss daran die Jacke und den Pullover ausklopfen zu können (so Tannennadeln am Rücken pieken ganz ordentlich!), sehen Sie auch schon aus den Augenwinkeln, dass sich Ihr Hund in diesen 15 Sekunden hinterrücks nochmal ans Buffet gepirscht hat, um sich ein Dessert zu schnappen. Sie verbrauchen ca. fünf Taschentücher für die ganze Sauerei (Hund, Hände), ziehen für den Rückweg Ihre Handschuhe wegen eventueller Aasrückstände lieber nicht mehr an und marschieren fluchend und mit eiskalten Händen heimwärts, vor Ihnen schleicht Ihr Hund mit angelegten Ohren und hängender Rute übers Trottoir, dreht sich alle paar Meter zu Ihnen um und wirft Ihnen einen Blick der unterwürfigsten, leidvollsten, erbärmlichsten und treuherzigsten Sorte zu. Es geht nämlich auf 16 Uhr zu, Futterzeit am heimischen Napf, und da will man schon mal rechtzeitig beschwichtigen und sich wieder gut stellen mit dem Dosenöffner, der grad aus unerklärlichen Gründen so todbeleidigt herumschnaubt und grantig dreinschaut.

Das war nur ein Beispiel für die vielen freudigen Momente, die das Hundehalterjahr ebenso treu begleiten wie Zeckenpulen, Zähneputzen und Zyklusprobleme (um noch ein paar weitere zu nennen). Von Unschuld der am 28.12. Geborenen kann also keine Rede sein (handelt es sich zusätzlich um einen Dackel, gibt’s sogar „ab Werk“ noch das kostenlose Schlawiner-Upgrade obendrauf, Glückwunsch!).

Früher, so las ich, gab es am 28. Dezember den Brauch, dass Kinder den Erwachsenen lustige Streiche spielen durften, vereinzelt soll das in manchen Gegenden Bayerns und Österreichs noch heute der Fall sein. Aha.
Weil sich so ein Rauhaardackel um Rauhnächte genauso wenig schert wie um Brauchtum, Kirchentage und Jubiläen aller Art, spielt er einem ganzjährig lustige Streiche, tanzt einem mal mehr, mal weniger auf der Nase herum, versucht immer wieder hartnäckig, einem den Platz auf dem Chefsessel streitig zu machen oder einen wenigstens davon zu überzeugen, dass zwei Stunden im Regen aufregender sind als gemütlich daheim im Sessel zu hocken (ganz gleich, in welchem).

6 Jahre geht das nun schon so – und ungeachtet all der Gaunereien und Rangeleien gehören diese Jahre zum Besten, was mir je passiert ist: die Dosis an Freude & Liebe sowie an Naturerleben & Bewegung ist unübertroffen!

Dafür danke ich Dir, meine liebe Pippa, von ganzem Herzen und koche Dir, obwohl Du gestern im Wald schon Rehbraten hattest, für heute eine große Portion Hühnchenfilet.

Auf Dich, Deinen 6. Geburtstag & noch viele gemeinsame Jahre da draußen & hier drinnen!

Pippa, draußen (Hirschberg).

Pippa, drinnen (Haifisch).