Wien (3): Flossenlos zwischen Fadlpappn und Fetznschädln.

Das Amalienbad in Favoriten gereicht dem Bezirksnamen wirklich nicht zur Ehre. Als 5. kraulquappen-getestetes Wiener Schwimmbad gesellt es sich direkt zu den anderen dreien, die ich keinesfalls jemals wieder aufsuchen würde.

Übrig bleibt damit bisher allein das Schönbrunner Sommerbad: das war erste Sahne (oder muss es heißen „erstes Obers“?), allerdings mit 12€ Eintritt auch das teuerste Freibad, in dem ich je meine Bahnen zog.

Tja, das Amalienbad im 10. Bezirk. Ein trauriges Beispiel für den Niedergang der Schwimmkultur und des Schwimmsports. Die architektonisch an sich großartige Halle – verschwendet an ein Badepublikum, das überwiegend aus Fadlpappn und Fetznschädeln besteht.

Keine Sau hält die Schwimmrichtung ein, wirklich schwimmen kann bestenfalls jeder 10. Gast da herin, viele kleben feist am Beckenrand oder watscheln im vorderen, flachen Teil des 33,3m-Beckens umanand, der Rest versucht sein „Bestes“ und plantscht-rudert-fuchtelt hinüber zur anderen Seite des Beckens, dazwischen ringen die zwei bis drei sportlich ambitionierten Schwimmer, die sich hierher verirrt haben, verzweifelt darum, mal 200 oder gar mehr Meter einfach störungsfrei durchzukraulen.

Flossen sind verboten, weil wohl irgendwanm amal irgendein Schraz einen Kratzer abbekam, Leinen sind keine gespannt, so dass dem Wildschwumm Tür und Tor geöffnet sind, das Getöse im Kinderbecken unweit des Hauptbeckens dröhnt unangenehm herüber. Insgesamt Note 4- für die Bedingungen im Wasser und unmittelbar drum herum.

Es gibt noch ein gesondertes 25m-Trainingsbecken, leider ist das Schulen und Vereinen vorbehalten, und wird nur sonntags für die Öffentlichkeit freigegeben, wie ich von einem Bademeister (dem Grant in Person) erfuhr, als ich es wagte, auf den Abgang zu diesem Becken zuzusteuern.

Hygienisch ist das Bad mit Lippenherpes- und Fußpilzfaktor 3 von 5 zu bewerten, Tendenz zu 4: Umkleiden, Duschen, Becken sind jeweils nur mäßig sauber, sowohl das Reinigungspersonal als auch der Wischmopp machen ebenfalls einen unappetitlichen Eindruck.

Aber der absolute Knüller – was Position und Konstruktion angeht – ist die „Föhnstation“. Noch nie zuvor gesehen, so einen Schmarrn. Eine neben dem Schwimmbecken installierte, ca. 3×5m große Platte, im 45°-Winkel aufgehängt, aus der etwa 15 Gebläsedüsen ragen.

Das Absurde daran ist nicht nur die Vorstellung, dass sich hier tatsächlich ca. 15 Personen eng nebeneinander und orgelpfeifenartig hintereinander aufgestellt föhnen sollten, sondern der Ort dieser Föhnstation: neben dem Schwimmbecken, weit weg von den Umkleiden (die sich 1 oder 2 Etagen drüber befinden) – man müsste sich also im Badeanzug oder ins Handtuch gewickelt direkt nach dem Duschen hierher begeben. Ergo föhnt sich da auch fast keiner. Gottseidank war’s so mild heute, dass ich mit nassen Haaren und Kapuze drüber heimfahren konnte.

Ja was ist man da verwöhnt von dem noblen, sauberen, preiswerten Lieblingsbad daheim in München!

Jetzt mal langsam die Frisur richten und auf ins Burgtheater.

Dran.

20170207_110531-002

Seit Sonntag starke Schwankungen bei der Heizung und dem Warmwasser.
Heute Morgen ging dann gar nichts mehr, also kalte Katzenwäsche und mit noch kälteren Füßen am Schreibtisch gesessen und versucht zu arbeiten.

Unsere reizende Hausverwaltung, bei deren Angestellten eine innerhalb einer Firma selten hohe Dummschwätzer-, Idioten- und Verweigererquote erzielt wird, ist von rund 10 Mietern im Haus seit 8 Uhr behelligt worden.

Gegen 10:45 Uhr dann der trostspendende Rückruf: Man sei mit Hochdruck an der Sache „dran“. (Mit Hochdruck sind die angeblich auch schon seit April 2016 an den gemeldeten Mängeln hier in unserer Wohnung „dran“. Passiert ist bislang gar nichts.)

Aber (und es gibt immer ein „aber“, egal, um was es geht): Der Installateur hätte schon gesagt, die Pumpe wäre erst im Dezember überprüft worden, also daran könne es kaum liegen, vermutlich seien die Stadtwerke schuld und bis man dort mal jemanden erreichen würde, das könne dauern.
Und schließlich: „Ja schaun’S, in unserer Wohnanlage in der Bajuwarenstraße, da warten die Mieter seit 1 Woche auf Warmwasser, nicht erst seit heute Morgen.“.

Achso, na, wenn das so ist, bin ich natürlich sofort still und friere, niese und miefe demütig weiter. Das dauernde Niesen geht eh nichts aufs Konto einer nahenden Erkältung, sondern kommt vom Haselflug. Da darf man nix vermischen und muss fair bleiben.

Hilfsangebote wie warme Wannenbäder am Abend oder Duschasyl am Morgen – bevorzugt im Münchner Westen – werden dennoch gerne unter kraulquappe@web.de entgegen genommen. Herzlichen Dank!

Die Kraulquappe.