Himmel der Bayern (86): Auf den Spuren des „Man in black“.

Unangenehm kalt und windig ist es in der Früh. Der Gatte schleppt seine Reisetasche zur Tür, schlüpft in den Mantel und reist ab in sein Erdhaus, das dann in letzter Sekunde doch noch zu einem Quartier mit anständigen Mauern drumrum (und drinnen mit einem richtigen Bett anstelle des Laubhaufens) mutiert ist. Somewhere out of Rosenheim.
Wir wünschen ihm gute Erholung, schließlich steht die strapaziöse Phase der Läufigkeit des Fräuleins erst noch bevor, und dann werde ich ohne Hund ausgeflogen sein (endlich mal wieder eine Gelegenheit für das Futur II) und er ein paar Tage allein daheim.

Bis kurz vor 12 sitze ich am Schreibtisch, dann packe ich das Dackelfräulein mit der Androhung „Heut machen wir mal was ganz anderes!“ ins Auto. Sie schaut mich etwas bang an, rollt sich dann aber auf ihrer Decke ein und pennt.

46 Minuten später steigen wir an einem Waldparkplatz westlich von München aus.
Es weht noch immer ein frischer Wind, der Himmel ist grau, es riecht nach Regen. Wurscht, auf geht’s!

Als erstes ein Gruß aus dem feuchten Unterholz: Eine Mücke fliegt mir in den Ausschnitt und sticht mich neben das Schlüsselbein. Andenken, von denen ich mindestens zwei Wochen lang intensiv zehre und die seit Neuestem einen lila Fleck auf meiner Haut hinterlassen, der noch Monate nach dem Stichtag erkennbar ist (wenn ich das bei meiner Mückenstichausbeute pro Saison mal grob hochrechne, dürfte ich spätestens zu meinem 60. Geburtstag völlig lila sein).

Anstelle einer Wandertafel oder eines Wegweisers begrüßt uns das hier:

Da flieht man vor dem Virus und der Großstadt und den Menschen und den Rüden… – aber irgendwas ist immer, irgendeine Gefahr lauert halt auch noch in der letzten Einöde oder in den Weiten der Wälder.

Und dieser Wald hier, der ist sowieso anders. Ganz anders.
Wir geraten zwar nicht in einen Regen, folglich auch nicht von dort aus in eine Traufe, stattdessen aber in Teufels Küche.

Die allerdings der Wahnsinn ist, so rein landschaftlich betrachtet. Die Teufelsküche ist ein riesiges Quell- und Naherholungsgebiet südlich von Landsberg am Lech, sie gehört zur Pössinger Au und ist durchzogen von zahlreichen Wanderwegen.

Wilde Schluchten, hinabstürzende Bächlein, urwaldähnliche Steilufer, modrige Waldtümpel, vermooste Hänge, kleine Wasserfälle – das Fräulein ist außer sich vor Freude.

Der Sage nach ist in der Gegend einst eine Frau, die im Rufe stand, eine Hexe gewesen zu sein, ihrem Sarg entstiegen und hatte an ihrer Grabstelle nur einen Kohlenhaufen hinterlassen. Die entsetzten Landsberger trugen diese Kohlen aus der Stadt hinaus, zur Teufelsküche, um sie dort ins Wasser (also in den Lech) zu kippen, doch die Kohlen gerieten plötzlich von selbst in Brand und der Rauch ist angeblich immer noch über der Teufelsküche zu sehen.

Der einzige Rauch, den man hier und heute noch sehen könnte, wäre wohl der des Schornsteins der gleichnamigen Ausflugsgaststätte. Weil die aber montags Ruhetag hat, weshalb wir, die Freunde der Einsamkeit und Ruhe, ja heute dort unterwegs sind, raucht es nirgends.

Das türkisgrüne Wasser des kleinen Waldsees erinnert mich an die Blaue Lagune auf Gotland, der Weg durch die Schlucht lässt mich an die Wanderung durch den Küsnachter Tobel zurückdenken…, aber ein Schild holt mich jäh in die Gegenwart zurück:

Kopfbedeckung tragen? Langsam gehen? Angriff mitteilen? Sappradi!

Schnell steigen wir hinauf zum Lech-Höhenweg, verkrümeln uns auf dicht bewipfelte Nebenpfade, und googeln sicherheitshalber mal, wann er denn brütet, dieser Kampfgeier, der sich auf mein Mäuschen und mich stürzen könnte. Ende März bis Anfang Mai, na dann!

Wir wagen uns wieder auf die Hauptwege zurück und später auch an den Lech hinunter. Nichts los auf dem schönen Uferweg, nur ab und an ein Nagelfluhbrocken. Außer dem Ruf des Eichelhähers und dem whirlwind in the thorn trees (geklaut aus dem Song „The Man Comes Around“ von Johnny Cash) ist es herrlich still hier.

Das war arg jetzt holprig, ich weiß schon, aber irgendwie muss ja die Überleitung gelingen.
Hä?, denken Sie nun sicher, oder (die etwas Komplexeren unter Ihnen): Was hat denn der versoffene Cash jetzt mit der Teufelsküche und dem Lechwanderweg zu tun?

Ganz einfach: „I went downtown to a store in 1952 in Landsberg and paid about 20 marks for the guitar. That’s where I learnt to play on.“ (aus einem Interview mit J. Cash, 1997)

Dass Elvis Presley als Soldat in Deutschland war, das weiß so ziemlich jeder. Weitaus weniger bekannt ist dagegen die Geschichte von Staff Sergeant John Ray Cash, der in der Landsberger Kaserne bei Penzing, die man sogar von der Autobahn aus erspähen kann, zur Musik fand. Fast auf den Tag genau vor 69 Jahren kam der junge Cash in Landsberg an. Kurz drauf, am 13. Oktober 1951, sah er im Truppenkino den Film „Inside the Walls of Folsom Prison“. Ein paar Monate später kaufte er sich eine Gitarre, fünf Jahre danach veröffentlichte er, wieder zurück in den USA, den „Folsom Prison Blues“, einen Song, den er hier, in der oberbayerischen Lechstadt, komponiert hatte.

Cash schrieb in den drei Jahren, die er in Landsberg stationiert war etliche Songs, übte wie ein Besessener Mundharmonika und Gitarre, tingelte durch die Lokale der Stadt und spielte sich nächtelang die Finger wund. Trank zu viel, langweilte sich in seinem Job, guckte sich an seinen freien Tagen in Oberbayern um und vermisste seine Vivian, in die er sich kurz vor seiner Versetzung nach Deutschland verliebt hatte:

„Liebste Viv, heute bin ich in die Poststelle und habe nach meiner Post gefragt. Und stell dir vor! Ich habe von dir noch keine Briefe bekommen. Was ist los, Schatz? Hast du deinen Stift verloren? Gut, ich habe meinen noch, und ich werde dich mit meinen Briefen quälen, bis ich einen von dir kriege. Ich habe ohnehin nichts anderes zu tun, als zu schreiben, obwohl es Samstagabend ist. Ich hatte bisher einen sehr friedlichen Abend. Ich war heute im Kino und habe den Thriller „Folsom Prison“ gesehen – und weißt du was? Wir haben heute Vollmond, und er ist fast so groß wie in Texas. Das einzige, was nicht passt, ist, dass wir nicht zusammen sind.“ (J. Cash in einem Brief vom 13.10.1951)

Telefonieren war den Soldaten nur einmal im Jahr erlaubt (verklickern Sie das mal heutzutage einem verknallten Twen!), Heimaturlaub erhielt er gar keinen (das heißt, das Pärchen sah einander drei Jahre lang nicht!), also schrieb er Vivian fast täglich einen Brief (kann sich heut auch kaum einer mehr vorstellen: einen Stift zur Hand zu nehmen und der/dem Liebsten zu schreiben!). Das waren noch Zeiten!

Direkt nach seiner Rückkehr heirateten die beiden.

„Einen schrecklichen Moment lang dachte ich, sie [Anm.: das Militär] würden versuchen, mich lebenslänglich an sich zu binden, aber das taten sie nicht. Sie ließen mich gehen. Es war gut, dass sie mich gehen ließen. Das Bier und die Wurst schmeckten hervorragend, aber ich sehnte mich danach, wieder in den Südstaaten zu sein.“ (aus einem Interview mit J. Cash, 1997)

Kurz vor der Heimreise nahm Cash in München noch seine erste Platte auf, in einem kleinen Studio in Hauptbahnhofnähe, danach begann seine Weltkarriere beim Label Sun Records.

Wir laufen also begleitet von den whirlwinds in the thorn trees lechaufwärts, bis wir Cash-City erreichen.
Drehen eine große Runde durch das hübsche Städtchen…

…bis das Fräulein etwas müde wirkt und ich hungrig und durstig bin. Seit meiner bescheidenen Stulle (Dinkelsesamseele mit Käse drauf) und einem Heißgetränk (Tee aus der Thermoskanne) in der Teufelsschlucht habe ich nichts mehr zu mir genommen und wir sind ja nun doch schon einige Zeit unterwegs.

Merken Sie sich bitte unbedingt: in Landsberg am Lech haben montags fast alle Lokalitäten geschlossen. Das ist coronatechnisch prima, weil in der Stadt absolut nix los ist, denn die Touris wollen schließlich Futter und dafür nicht ewig herumlaufen und suchen müssen.

Mit Müh und Not finden wir ein kleines Café, das geöffnet hat und lassen uns an einem der drei Tischchen nieder. Für einen Safrankeks nebst Cappucino tut’s das schon, gemütliche Einkehr geht anders.

Beleidigter Hund unterm Barhocker.

Wir sind schließlich nicht zum Mampfen hergekommen, sondern wegen der Teufelsschlucht, den Auwäldern und der Kleinstadt, in der ich zuletzt vor vielen Jahren (empfundenermaßen: in einem früheren Leben) bei einem Betriebsausflug war (ich erinnere nur noch die Kollegen, neben denen ich im Bus saß und das sehr durchschnittliche Essen auf irgendeiner Terrasse in einem Altstadtwirtshaus, bevor es wieder heimwärts ging).
Ziemlich sicher hat mich der Papa in meiner Kindheit auch schon mal hierher gekarrt (denn es gab keine oberbayerische Stadt, die nicht irgendwann aufgesucht und angeguckt wurde, damit das Kind eine Bildung und eine Orientierung bekommt), aber jener Besuch muss mir komplett entfallen sein. Wahrscheinlich gab es kein leckeres Eis oder keine Tiere, die man streicheln konnte, und dass es hinter der östlichen Stadtmauer von Landsberg fast genauso ausschaut wie in den Wiesenhügeln neben der Ringmauer in Visby auf Gotland, wo bekanntlich Pippi Langstrumpf gedreht wurde, damit hat er mich nicht locken können, der Herr Vater, weil er das nicht wusste, da er mit Skandinavien leider nie was am Hut hatte.

Nach dem Kaffeepäuschen und ein paar kontemplativen Minuten am Lechfall – zwischenzeitlich pfeift der Wind etwas weniger und die Sonne blinzelt immer öfter durch die Wolkendecke – geht’s weiter.
Eine letzte Station haben wir noch, bevor wir uns auf den Rückweg zum Wanderparkplatz machen wollen.

Landsberg am Lech: Die nördliche Seite der Schulgasse.

Das Musikhaus Ballach in der Schulgasse, in dem Johnny 1952 seine Gitarre erstand, die er anschließend sechseinhalb Kilometer durch den eiskalten Wald hinauf zum Fliegerhorst trug, existiert nicht mehr. Erwartbar, dennoch schade.
Der Herrenausstatter, bei dem ich nachfrage, kann den Standort der ehemaligen Musikalienhandlung zumindest auf vier Hausnummern und eine Straßenseite eingrenzen – suchen Sie sich also einfach aus, welches Häuschen Ihnen für einen Klampfenkauf am geeignetsten erscheint.
Ich bin für die Vinothek Wein & Sein und beschließe einfach, dass das der Cash-Laden gewesen sein soll (auf keinen Fall war es das Nagelstudio Orchid Nails am Ende der Gasse, so viel ist klar).

Die Stunde Fußmarsch zurück vergeht dann wie im Fluge, weil wir diesmal den Weg durch den Wildpark wählen. Bevor wieder jemand mault und meckert: Ja, da darf man mit Hund hinein. Angeleint, versteht sich. Ja, machen wir auch brav, wir sind ja nicht deppert. Denn da laufen ja Rehe herum. Und Wildschweine. Letztere erfreulicherweise nur im Gehege.
Jedenfalls gibt es viel zu schauen und viel zu schimpfen, das gilt für uns beide gleichermaßen.Nach 13,92 Kilometern sind wir wieder am Parkplatz angelangt. Der whirlwind hat sich gelegt. Der Bussard hat uns nicht den Skalp geraubt. Der afrikanischen Schweinepest sind wir hoffentlich auch entkommen.Schön war’s. Vielfältig. Regenfrei. Bunt.
Wir kommen auf alle Fälle nochmal hierher. Durchaus wieder montags, wenn fast alles zu hat.Auf der Heimfahrt hören wir…, na was wohl? Genau!
Aus dem Spätwerk hier für Sie eine nächtliche Kostprobe, in meinen Augen bzw. Ohren einer der besten Cash-Songs überhaupt.

Johnny Cash erzählte einmal, dass ihn kein Song so viel Zeit gekostet habe wie dieser – mehrere Dutzend (!) Strophen schrieb er und nur vieren gelang der Einzug in die finalen Lyrics (plus die beiden Refrainstrophen). Die Idee für das Lied entsprang einem Traum, den Cash in den 1990er Jahren hatte und in dem er der Königin von England begegnet war, die ihn mit einem Dornbusch im Wirbelwind verglich. Coole Sache, oder? Wenig später stieß Cash dann im Buch Hiob erneut auf diese Metapher und verwurstete nun den whirlwind in the thorn tree im Refrain von „The Man Comes Around“.
Ein biblisch düsterer und berückend morbider Song. Einer seiner letzten zudem.

Lassen Sie sich für ein paar Minuten mitnehmen von den apokalyptischen Reitern und schlafen Sie danach trotzdem gut!

Hear the trumpets, hear the pipers
One hundred million angels singin‘
Multitudes are marching to the big kettle drum
Voices callin‘, voices cryin‘
Some are born and some are dyin‘
It’s Alpha and Omega’s Kingdom come.

And the whirlwind is in the thorn tree
The virgins are all trimming their wicks
The whirlwind is in the thorn tree
It’s hard for thee to kick against the pricks.

But stories always end.

Da warst Du plötzlich wieder. Nachts um 3, im Zentrum eines Traumes, der ebenso zappenduster wie beschwingt war.

Eine Weihnachtsfeier in der Firma. Die beschwipsten Kollegen tanzen, wir stehen am Rande des Geschehens und schauen ihnen zu, die Szenerie hat was von abendlichem Apfelsinentanz unter Pauschaltouristen auf griechischen Inseln. Die Musik zu laut und zu klebrig, wie ein billiger Fusel, lediglich fürs schnelle Besäufnis geeignet, mit Schädelweh-Garantie. Wir schütteln den Kopf.

Da holst Du Dein iPhone aus der Hemdtasche, stöpselst zwei Kopfhörer dran und reichst mir eines der weißen Kabel. Ich drücke mir die beiden Knöpfe fest in die Ohrmuscheln.

Dann hören wir das hier und weinen und alles ist gut.

If I could read your mind
What a tale your thoughts could tell
Just like a paperback novel
The kind the drugstores sell
When you reached the part where the heartaches come
The hero would be me
But heroes often fail
And you won’t read that book again
Because the ending’s just too hard to take

If you could read my mind
What a tale my thoughts could tell
Just like an old time movie
‚Bout a ghost from a wishing well
In a castle dark or a fortress strong
With chains upon my feet
But stories always end
And if you read between the lines
You’ll know that I’m just tryin‘ to understand

The feelin’s that you lack.

Himmel der Bayern (14): Muddy waters & whirlwind.

Das herrliche Glitzerweiß hat in schlammiges Graubraun gewechselt. (Passendes Wetter zur Schlammschlacht des Tages mit der Hausverwaltung.)

Wind pfeift unangenehm durch die Mütze. Vielleicht der Vorbote von Blizzard Egon? (Was für ein unwürdiger Name für einen Blizzard).

Ein lichter Fleck am verhangenen bayrischen Himmel als einzige Reminiszenz an hellere Tage…

…and the whirlwind is in the thorn tree,
it’s hard for thee to kick against the pricks…

… mit herzlichen Grüßen an Gerhard, seinen Flow und die Drinks!
Die Kraulquappe.

As sure as night is dark and day is light. Zum 23. Dezember 2016.

In memoriam memoriae

Die Erinnerung ist eine mysteriöse
Macht und bildet die Menschen um.
Wer das, was schön war, vergißt, wird böse.
Wer das, was schlimm war, vergißt, wird dumm.
(Erich Kästner)

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Für Niklas.

Spontan habe ich mich entschlossen, ab sofort nicht deines Todestages im Januar zu gedenken, sondern deines Geburtstages.
Heute hätte ich dir, wie jedes Jahr, um 23:12 Uhr zum Geburtstag gratuliert, so wie du mich immer um 13:07 Uhr beglückwünscht hast, meist in der Kantine sitzend.

Seit du tot bist, hallen Sätze in mir nach, die du gesagt hast, während wir im „La Fiera“ saßen. Mal diese, mal jene. Im Augenblick ist es einer von Erich Kästner, den du gern zitiert hast: „Das Leben muss noch vor dem Tode erledigt werden.“. Exakt zeitgleich mit David Bowie hast du dich dann still und plötzlich vom Acker gemacht und vieles unerledigt zurückgelassen.

Ich kannte dich 13 Jahre lang. 50% unserer gemeinsamen Zeit haben wir im „La Fiera“ verbracht, einem Italiener im Westend, um die Ecke von unserer Firma. 20% haben wir mit Rumsitzen und Reden in deinem Büro verbracht. Und die restlichen 30% haben wir am Kicker gestanden, uns gefreut und beschimpft. Dein elendes Gekurbel hat uns so manche Punkte gekostet- und leider war das Kickern eines der ganz wenigen Dinge, bei denen ich je ehrgeizig war (und du wie immer überhaupt nicht)!
Draußen pfiff der Wind um die 15. Etage des Hochhauses, in die unsere Firma den Kicker verbannt hatte, damit die Mitarbeiter nicht in jeder Pause dort landeten und zu spät oder verausgabt an ihren Arbeitsplatz zurückkehrten.
Wir haben mit anderen Kicker-Junkies ganze Feierabende da oben verbracht und sind mit klitschnassen T-Shirts und wunden Handflächen heimgefahren. Wir haben dort für 2 EMs und 2 WMs trainiert. Du warst Kroatien, ich war Argentinien, gewonnen haben aber immer die Jungs von der Haustechnik, egal, welches Land das Los ihnen zugeteilt hatte.

Im Winter haben wir immer in der Tiefgarage ins Auto des anderen geschielt, um zu sehen, wer wohl zuerst die Langlaufski eingepackt und die Saison eröffnet hat. Jeden Montag haben wir uns über die sportliche Wochenendbilanz ausgetauscht. So viele Kilometer in der Loipe wie du hab‘ ich nie geschafft. Du meintest dazu nur, ab 40 liefe man dem Tod davon, das würde ich schon noch verstehen, wenn ich mal 40 wäre (ich bin jetzt 44 und rätsle noch immer). Hast du etwas geahnt, hast du es kommen sehen, bist du deshalb so viel gerannt?, frage ich mich.

Dein Geburtstag ging immer unter. Du sagtest, einen oder acht Tage später wäre noch doofer gewesen. Niemand hatte je den Nerv, mit dir zu feiern, so dass du dir das Feiern bereits mit 18 abgewöhnt hast, die meisten Präsente erst am Tag drauf bekommen hast und stattdessen deinen Geburtstag genutzt hast, um Geschenke für andere zu kaufen oder den Weihnachtsbaum in euer Haus zu schleppen.

In manchen Jahren lief es besser für dich, nämlich dann, wenn der 23.12. noch ein Arbeitstag war, dann haben immerhin ein paar Kollegen in eh schon vorweihnachtlicher Arbeits-und-Jahresausklangs-Verfassung mit dir angestoßen (dieses Jahr hättest du also Glück gehabt). Und im „La Fiera“ hast du dir dann mittags ausnahmsweise 2 Stamperl von diesem ekelhaften Limoncello gegönnt, den du mir all die Jahre lang beharrlich anzudrehen versuchtest (1x hab ich dieses WC-Reiniger-artige Gesöff auch tatsächlich probiert, brrr!).

Genug erinnert für heute.

Statt der üblichen SMS, die nun unverschickbar ist, bekommst du diese Zeilen, pünktlich um 23:12 Uhr und obwohl ich eigentlich gerade blog-pausiere (was ich anschließend auch wieder tun werde).

Und einen Song, den du mochtest, noch obendrauf.

Wish you’d kept a closer watch on this heart of yours.