Himmel der Bayern (85): Über den Wolken.

Links die Zugspitze, rechts der Kramer und neben mir meine kleine, treue Gefährtin.
Über allen Gipfeln ist Ruh‘: Nuluensis & ich, wunschlos glücklich.
Namensgeber meiner „Himmel der Bayern“-Serie.

Mittenwald (5).

Heute war Männertag.

Das fing schon in der Nacht an: Im Traum saß ich in einer Pizzeria, irgendwo in südlichen Gefilden, zusammen mit Nicholas Ofczarek, der geträumt noch beleibter war als in echt. Und saumäßig sympathisch und charmant; wir sprachen ohne Mundschutz und Mindestabstand miteinander.

Die morgendliche Fortsetzung meiner Duschgeschichte lassen wir mal beiseite, das Telefonat mit dem Vermieter bzgl. der Psocoptera ebenso.

Am Vormittag durch den Ort spaziert, um noch ein paar Aufnahmen für den Urlaubsprospekt der lieben A. aus B. zu machen. Danach Verpflegung eingekauft.

Unterwegs zu dem für heute ausgesuchten Wandergebiet auf einer Infotafel die riesige Karte „Alpenwelt Karwendel“ angeguckt. Hier könnte man sich mühelos zwei Wochen dauervergnügen, vielleicht auch ein Leben lang.

Ein Mann, der Olli-Kahn-artig aus seiner Oberbekleidung zu platzen droht, stellt sich neben mich und studiert ebenfalls die Karte.
Er ist Franzose, denn er fragt mich nach den Öffnungszeiten der Ochland-Ütte, die eigentlich Hochland-Hütte heißt. Franzosen sehen in meiner Vorstellung völlig anders aus als dieser Schrank. Egal.
Er nimmt den linken Abzweig zur Ochland-Ütte, ich den rechten zur Dammkar-Hütte.

Eine Traumtour für diesen letzten Tag meiner Staubl_Auszeit, denn je schroffer der Fels, desto schöner die Szenerie.

Es ist das Raue und Karge, das mich so anspricht, der grauweiße Kalkstein und das so ganz und gar nicht Liebliche und Geschmeidige, das er ausstrahlt. Ruhe und Kraft, Reduktion und Konzentration – das bedeutet das Karwendelgebirge für mich.
Die Beine zwar etwas schwer von den letzten beiden Touren, aber doch noch beweglich genug für eine dritte und letzte.

Unterwegs überholt mich ein deutlich jüngerer und beweglicherer Kerl, der dann allerdings vor lauter Jugend- und Beweglichkeit zwei Serpentinen weiter übel ausrutscht und knapp vor meinen Füßen landet. Ich finde es an sich erfreulich, wenn mir ein junger Kärntner vor die Füße fällt, in meinem Alter passiert mir das nicht mehr allzu oft, aber der Bursche hat sich ordentlich das Schienbein aufgeschürft und blutet ein bisschen. Ich spendiere ihm Taschentücher und eine Verbandsrolle. Anschließend gehen wir ein kleines Stück gemeinsam, zu kurz, um den netten Dialekt auszukosten, zu lang, um nicht ziemlich außer Atem zu geraten, erst recht, als er erzählt, was er heute noch alles vorhat (den Biwaksack hat er dabei und „an Enzian und was zum Rauchen“, na dann…).

Auf der Dammkar-Hütte erlebe ich ein kleines Highlight in Sachen „Datenschutz zu Coronazeiten“. Wie der Hüttenwirt die bereits ausgefüllten Zeilen seiner selbstgebastelten Gästeliste provisorisch abgedeckt hat, ist einfach total putzig: zwei zusammengetackerte Servietten, die er mit Wäscheklammern an dem Papierbogen befestigt hat und mit jeder neuen Zeile ein Stück weiter nach unten auffaltet. Ich quittiere das mit einem Schmunzeln und ernte ein bajuwarisches Grunzen und ein „Mia ham hier koa Zeid für so an Schmarrn“.
(Könnte man glatt eine Serie draus machen: „Gästelisten & Datenschutz auf Berghütten“. Ganz wunderbar, was man da so sieht!)

Tisch 3 habe ich zunächst für mich allein, wenn man von der aufdringlichen Dohle absieht. Dann kommen zwei schwer bepackte Typen daher und fragen, ob sie sich dazusetzen dürfen. Sie dürfen wohl oder übel, denn es ist der sonnigste der sechs Tische, und der mit der besten Sicht. Man kommt ins Gespräch und ich erfahre: die beiden sind aus Braunschweig, wandern üblicherweise im Harz und sind etwas andere Höhenunterschiede gewohnt.

Sofort aktiviere ich mein rudimentäres Harz-Wissen, das ich A. aus B. zu verdanken habe und kann mit ein paar Ortsnamen protzen, die ich mir aus dem tollen Blog der besagten Freundin gemerkt habe. Der eine kramt sofort sein Stempelheft aus dem Rucksack hervor, klappt es auf und zeigt mir voller Stolz, dass er schon mehr als die Hälfte der für den „Harzer Wanderkaiser“ erforderlichen Stempel (222 an der Zahl!) gesammelt habe.
Woraufhin ich ihm auf meinem Smartphone ein Foto zeige von einem, der bereits Harzer Wanderkaiser ist und mit dem ich schon ein Bett geteilt habe. Da gucken sie aber, die zwei!

Wegen ihres Harzer Wandertempos bleiben sie nicht lange, denn die Gehzeit zur Nachbarhütte, auf der sie übernachten wollen, sitzt ihnen etwas im Nacken.

Ihren Platz übernimmt dann quasi nahtlos der französische Olli-Kahn-Verschnitt. Ich staune nicht schlecht, als ihn auf einmal da heroben erblicke, denn er wollte ja zur Ochland-Ütte und die liegt viel weiter nördlich.
Hatte sich aber verlaufen und berichtet mir nun aufgeregt und ausführlich von seinen Irrwegen. In Rekordzeit kippt er sich dabei zwei Halbe rein und kommt trotzdem nicht zur Ruhe. Befragt mich nervös zu dem Abstieg nach Mittenwald via Ochsenboden.
Da es drei Abstiegswege gibt, breite ich meine Karte auf dem Tisch aus und zeige ihm, wo er gehen muss. Er wirkt unaufmerksam und in Eile, zieht sich noch eine weitere Wurstpelle über den Leib und springt dann hektisch auf. Völlig unfranzösisch.

Beim Zusammenfalten der Karte erteile ich noch den pädagogisch wertvollen Rat, er solle sich bloß nicht wieder verlaufen, zumal das Gelände wirklich steil sei. Der Franzose nickt und sagt „Isch male dir ein Erz“. Isch verstehe nicht, was er meint und frage nach. Da malt er mit dem Finger ein Herz in die Luft und erklärt mir, er würde das als Beweis, dass er auf dem richtigen Weg ist, auf dem Ochsensteig irgendwo am Wegesrand hinterlassen. Aha.
Komischer Kerl. Er verabschiedet sich und ich bin froh, den Tisch nochmal ganz für mich zu haben.

Als ich eine Stunde später auch über den Ochsensteig ins Tal laufe, entdecke ich tatsächlich ein Erz.
Sogar mehrere. Das rührt mich dann doch.

Mit Sonne im Erzen erreiche ich schließlich Mittenwald und verprasse mein verbliebenes Budget für einen Eisbecher.
Ein Tartufo, wie es sein soll: mit gehackter Schokolade rund um den Eisball.
Und einer knusprigen Waffel, die oben in der Kugel steckt.

In Erzform, versteht sich.

Mittenwald (4).

Fake-Beer auf der Dammkarhütte. Aber sonst alles bestens.

Im Kar turnen die Gamsböcke herum, in der Felswand hinter der Hütte die Gebirgsjäger.

Eine Bergdohle versucht seit einer Viertelstunde, einen Krümel von meinem Kuchen zu stibitzen.

Je höher man hinaufkommt, desto einfacher wird alles.

Probieren Sie’s aus!

Mittenwald (3) & Himmel der Bayern (79): Sternweißblau.

7 Uhr. Vorsichtiges, erstes Räkeln im Pensionsbett. Das Sprunggelenk schmerzt.
7:30 Uhr. Es gibt diese beneidenswerten Menschen, die ohne Frühstück schon munter und bewegungsfähig sind. Ich gehöre nicht dazu. Breze mit Butter, eine halbe Semmel mit Käse, dazu ein Ei, zwei Haferl Kaffee.
8 Uhr. Die Dusche funktioniert immer noch nicht vernünftig. Überraschende Temperaturwechsel verbrühen einem entweder die Kopfhaut oder lassen einen vor Kälte kreischen. Beschwere mich zum dritten Mal.
9 Uhr. Mit sonnencremeverklebten Fingern hänge ich das Handy nochmal ans Ladegerät und mache mir Notizen zum 30-minütigen Beratungsgespräch mit dem Juristen vom Mieterverein, das gerade hinter mir liegt. Noch zwei weitere Jahre als Mieter mit Münchner Mieteralltag, und ich kann den netten Herrn in seinem Job beerben. Danach informiere ich den Gatten über die neuesten Erkenntnisse zur Sachlage, erkundige mich nach seinem Befinden und natürlich nach dem des Dackelfräuleins. Alle sind wohlauf. Auch die Psocoptera.
10 Uhr. Rucksack gepackt. Leichteres Schuhwerk als gestern gewählt, auch kürzere Socken. Dick Kühlgel auf das Sprunggelenk geschmiert. Abmarsch. Von Mittenwald zum Lautersee, weiter zum Ferchensee, dann hinauf auf den Franzosensteig.

11 Uhr. Nächste Weggabelung erreicht. Beherzten Bergsteigern mit intakten Sprunggelenken sei hier der kleine, reizvolle, nur ca. 7-stündige Abstecher zur Oberen Wettersteinspitze empfohlen. Ich bleibe schweren Herzens auf dem Franzosensteig und steuere den Grünkopf an. 700 Höhenmeter und eine 17 km-Rundtour mit vier Stunden Gehzeit reichen mir heute ausnahmsweise.

12 Uhr. Der Franzosensteig trägt seinen Namen übrigens völlig zu recht. In weiten Teilen des Bergwalds umgestürzte Bäume, die wie ein Mikado aus Monsterbaguettes anmuten. Das erschwert den Aufstieg hie und da ziemlich. Und auf Buchenlaubschichten, so lockerluftig wie eine Mousse au chocolat, rutscht man die steilen, circonflexeartigen Kehren auch gern mal wieder hinab. Zudem säumen riesige Ameisenhaufen, die es locker mit dem Montmartre aufnehmen können, den gesamten Steig und laden definitiv nicht zum Verweilen ein. Aber wer weiß: der Franzose ist womöglich erfreut über dieses Gekrabbel, weil er das Getier gern frittiert. Ich kenn mich mit der französischen Küche nicht so aus, hab da aber noch irgendwas von bretonischer Kaldaunen im Hinterkopf. Brrrrr!

12:45 Uhr. Erstmals seit Corona unseren Planeten heimgesucht hat, bin ich wieder im Ausland: Servus Österreich, griaß di Tirol!

13 Uhr. Auf dem Gipfel des Grünkopfes ist niemand. Auch keine Schwaben. Das ist rein akustisch schon mal sehr angenehm. Die Fliegenschwärme dort oben sind lästig, aber im Vergleich zu Schwaben natürlich vollkommen harmlos. Phänomenale Aussicht: Ganz rechts das Karwendelgebirge, daneben die Soierngruppe, in der Ferne sogar der Rücken der Benediktenwand samt der Achselköpfe gut erkennbar, weiter links das Estergebirge. Wundervoll. Ich esse 4 französische Aprikosen und 4 Stückchen Schweizer Schokolade. Auch wundervoll. Ein nettes Paar aus Köln keucht kurz nach mir zum Gipfelkreuz hinauf. Das ist ein Dialekt, den ich gern höre.

14 Uhr. Abstieg zur Ederkanzel. Aus Verlegenheit lande ich schon wieder bei Schinkennudeln mit Salat, genau wie gestern auf der Brunnsteinhütte. Ich ersuche um wenig oder keinen Schinken, staune, genau wie gestern, über das Ergebnis meiner Bitte und erspare Ihnen das Bild dazu. Der Berggasthof Ederkanzel liegt zur einen Hälfte in Bayern, zur anderen in Tirol. Wegen des kosmopolitischen Feelings setze ich mich in den österreichischen Teil, allerdings unter einen bayerischen Sonnenschirm. Das wahre Highlight hier oben ist nämlich das echte Himmel-der-Bayern-Weißbier: auf eine Sternweiße von Hacker Pschorr trifft man in freier Wildbahn äußerst selten. Sie rangiert bei mir auf Platz 2 bis 3 meiner persönlichen Weißbier-Top-Five, und teilt sich diesen uneindeutigen Rang mit der Unertl-Weißen. Die Sternweiße ist bernsteinfarben und schmeckt sensationell. So wie fast alles nach gut drei Stunden Marschieren und Schwitzen echt toll schmeckt.
Einen Tisch weiter sitzen – wie könnte es anders sein? – Schwaben, zwei sogenannte rüstige Rentner. Solche, die mit E-Bikes hier raufgekommen sind. Schwaben, so denke ich, während ich ihnen zwangsweise zuhören muss, sind eigentlich genauso wie der Gatte gern die Italiener beschreibt: laut und ohne Unterlass am Labern. E-Bikes haben ja nach meinem Dafürhalten auf dem Berg nichts verloren, es ist eh schon genug los, und schauen Sie sich einfach mal an, wer auf diesen Vehikeln hockt: die, die so unsportlich sind, dass sie per pedes oder mit einem Mountainbike gar nicht mehr hinaufkämen. Das Problem: die meisten können weder lenken noch bremsen und sind auf Schotterstrecken schnell aufgeschmissen. Je nach Wegstück und Frequentierung desselben ist das brandgefährlich. Sollen sie Seilbahn fahren oder Sessellift oder – wenn es denn unbedingt sein muss – einen Kurs besuchen, wie so ein Pedelec zu bedienen ist.

15 Uhr. Es war doch noch etwas früh für ein Hopfengetränk, wie ich beim Aufstehen und Rucksackaufsetzen merke.

Sternweiße vor Brunnsteinspitze.

15:45 Uhr. Erreiche meine Unterkunft. Vor der Tür parkt immer noch der VW Caddy mit der Aufschrift „Toni Auer – Sanitär & Installationen“. Das verheißt nichts Gutes, denn der stand um 10 Uhr auch schon dort. Korrekt, die Dusche kann nach wie vor nur heiß oder kalt. Die Chefin kommt meiner vierten Beschwerde zuvor und bietet mir zur Beschwichtigung einen Gutschein für eine Bootsfahrt an. Nun gut, ich wollte eh noch an den See.

16:15 Uhr. Ich komme am Lautersee an und bin entzückt von dem Bootsverleih. Sie wissen ja, Bootsverleiher wäre einer meiner Traumjobs gewesen, wenn ich nur rechtzeitig und konsequent genug so etwas wie eine berufliche Laufbahn eingeschlagen hätte, um so richtig Karriere zu machen. Heute ist irgendwie ein gelber Tag, weshalb ich mich für Manu entscheide. Ein gelbes Tretboot, leider ohne Rutsche und Leiter, aber sonst recht flott.

 

16:23 Uhr. In Seemitte ziehe ich Badeanzug und Flossen an und lasse mich ins Wasser gleiten. Huijuijui! Sagen wir’s mal so: knapp 18 Grad sind nicht ganz meine bevorzugte Schwimmtemperatur. Schöner Bergsee hin oder her. Tapfer kraule ich ein Stück von Manu weg, drehe aber bald wieder um. Ich verschone Sie mit der Schilderung des graziösen Erklimmens des Tretboots nach dem Schwumm und bin schon gespannt auf die blauen Flecken. Blöde Bindegewebsschwäche und blöde Ungelenkigkeit. Gottseidank sieht einen keiner, so in Seemitte.
17:15 Uhr. Im Seebiergarten gönne ich mir noch ein Eis und eine Hollerschorle. Dann ist mein Tagesbudget aufgebraucht und die Wirksamkeit der LSF-30-Creme ebenfalls.
19:07 Uhr. Ich trete den Rückweg nach Mittenwald an. Der Installateurs-Caddy ist weg. Die Dusche funktioniert immer noch nicht. Das bringt mir nun mindestens einen weiteren Bootsgutschein ein, vielleicht schlage ich auch noch eine Kutschfahrt zum Schachenhaus raus. Da oben haben sie so guten Kaiserschmarrn.

Mittenwald (2).

…und nach der Rast weiter: hoch zur Brunnsteinspitze, mit Blick auf die Tiroler Alpen.

Alpin-Lyrik? Kann ich auch!

Beim Sprinten über nasse Wurzeln
Kommt selbst ein Gämslein mal ins Sturzeln
Muss hinken dann mit dicken Knöcheln
Ertragen plumper Wand’rer Röcheln

Bis endlich erreicht ist die Brunnsteinhütt’n
Um Weißbier auf den Schmerz zu schütt’n
Das ruckzuck seine Dienste tut
Worauf des Gämsleins Übermut

Es drängt, zur fernen Brunnsteinspitz’n
Erneut zu flott hinaufzuflitzen
So dass recht knapp vor der Zweitausend
Das Hirn befiehlt hinab zu sausen(d)

Der Order folgt das Gämslein brav
Wohl zur Belohnung trifft’s ein Schaf
(Mit allerliebstem Unterbiss
Vor Lachen s’Gämslein fast zerriss!)

Und kurz drauf folgt auch noch ein Esel
Mit Vornamen exakt wie der Fesl
Der Tag, so scheint’s, birgt mehr als Wunden
Zwei neue Freund‘ hat’s Gämslein g’funden!

Läuft glücklich ins Tale, zur Brauerei
Doch dort, da erlebt’s a Sauerei
Die Werdenfelser Weiße, die is a Fake-Beer
A Hopfeng’söff that has not been brewed here

Im Mittenwalder Krügerl verkauft
Damit’s da depperte Touri sauft!
Und die Moral von dera G’schicht?
Trau keinem hübschen Glaserl nicht.

Aber nach einundzwanzig Kilometern
Ist’s Gämslein z’miad, um weiter zu zetern
Humpelt jetzt heim in sein Quartier
Um hochzulegen alle Vier

Ins Flachland schick‘ ma liebe Grüße
Wer mag, der nehme sich auch Küsse!

Und morg’n, wann d’Sunn uns wieda lacht
Da fabulier’n ma aufs Neue, bis dass es kracht.

(Tipp der Redaktion: Halten Sie die Maus auf die Fotos, sonst entgehen Ihnen die unglaublich geistreichen Bildunterschriften!)

Mittenwald (1).

Blick aus dem Fenster: Abendliches Alpenglühen.

Nach nur 15 Stunden legt sich bereits ein Friede ums Herz, den ich nur im Wasser oder in den Bergen finde.

Badesee nur 15 Minuten entfernt!

Auf den Wörnerkopf oder durchs Dammkar oder zur Brunnsteinspitze, das frage ich mich, während mir zum Frühstück eine Breze serviert wird, die auch nach Breze schmeckt und nicht nach aufgebackenem Teigling.

Die schwäbelnden Gäste am Nebentisch sind coronabedingt angenehm weit entfernt, freuen sich aber ebenfalls über die Brääätzel und die Morgensonne, die die letzten Nebelschwaden und Wölkchen von der Westlichen Karwendelspitze verscheucht.

Blick aus dem Fenster: Guten Morgen, Karwendel!

Mit diesem und den kommenden Beiträgen grüßen wir ganz besonders die liebe A. aus B., für die und deren Begleiter auf zwei und vier Beinen wir hier schon mal Tipps für gelungene Urlaubstage sammeln werden – Prospekt folgt!

Staubl_auszeit Nr. 1.

Vielleicht haben Sie sich ja schon gefragt, ob der Kammerjäger mich am Freitag zusammen mit den Psocoptera ausgeräuchert hat?

Vielleicht hatten Sie aber auch andere Sorgen oder einfach Wichtigeres zu tun.

Für den Augenblick nur so viel: Der Kammerjäger war ein sympathischer Typ im Holzfällerhemd, mit Vollbart, ein Touch Harleyfahrer, in etwa mein Alter, nettes Münchnerisch.

War eine Stunde zu Besuch, hat viel geguckt und geredet. Die Vertreibung der ungebetenen Mitbewohner wird sich hinziehen. Ausräuchern is nich. Was ja gut ist.

Aber die Perspektive, die Genossen im übelsten Fall noch bis zum Herbst dulden zu müssen, die ist nicht so gut.

Danach noch ein bisschen Vermietergedöns bzw. Kommunizierenmüssen von Sachverhalten, die ähnlich unangenehm sind wie die Psocoptera selbst. Rechtsberatung beim Mieterverein folgt noch. Hurra.

Steuererklärung fertiggestellt und abgegeben. Hurra.

Dazwischen Regen, Regen und nochmal Regen.

Viel Gassigehen im Regen, einmal sogar mit Kuchenessen im Regen. Ausflug mit dem hübsch Bewimperten und seiner Hundedame, im Regen.

Freibadbesuche im Regen mit kalt Duschen im Regen und An- und Ausziehen im Regen. Hurra, hurra, hurra.

Und dann plötzlich beim Aufwachen das glasklare Gefühl, dass es jetzt mal reicht mit den lausigen Themen und Tätigkeiten.

Und auch mit dem Regen.

Der Papa schickt einen Geburtstagsvorschuss, ich schicke eine Mail gen Süden und informiere den aus Frankfurt heimkehrenden Gatten, dass er nun ein paar Tage ganz tapfer und ganz alleine das Dackelfräulein und die Psocoptera beaufsichtigen darf.

Weil die Hausherrin sich jetzt mal eine Staubl_auszeit nimmt.

Die Bergluft wird’s schon wieder richten. Prosit!

(Wie k.o. man ist, merkt man u.a. auch daran, dass man, wenn man auf dem Weg in die Auszeit auf einem Parkplatz anhält, um dort ein WC aufzusuchen, vor dem Verlassen des Autos doch tatsächlich der dackelleeren Rückbank ein „Ich komm gleich wieder!“ zuruft.)

Deckl drauf & bloß nicht Verweilen.

Gestern eine kleine Teststrecke gelaufen, um die Sache mit der aktuellen, alpinen Dackelperformance mal unter vernünftigen Bedingungen gründlich zu überprüfen. Ob es wirklich nur die FSH-Thematik ist oder doch noch was anderes. Lieblingsberg vom Fräulein ausgewählt, mit Lieblingsaufstieg und das auch mit besten Verhältnissen (genug getrunken, moderates Sommerwetter, gut geschlafen usw.).
Vom Ergebnis soll ein andermal die Rede sein, ich muss das noch ein wenig in mir hin und her wenden, mit dem Gatten besprechen und überdenken und dann weitersehen, was wir da tun werden.

Jedenfalls ist eines klar: das Hochgebirge lassen wir gemeinsam momentan mal schön bleiben, denn ich geh keine 6 Stunden (netto) mit Hund irgendwo hinauf, wenn ich nicht so gut wie sicher sein kann, dass das für sie auch wirklich gut geht, denn ich weiß ja nicht mal genau, wie gut es für mich geht, und dieser Umstand zweifacher, latenter Ungewissheit kollidiert dann mit meiner eisernen Devise: Geh mit deinem Hund nur die Touren, bei denen du neben der Kraft, die du für deinen eigenen Aufstieg/Abstieg und deinen Tourenrucksack brauchst, immer noch genug Kraftreserven hast, um den Hund über längere Strecke zu tragen, falls das nötig werden würde.
Also kommt das derzeit nicht in Frage.

Der heiterste Moment gestern, neben einer weiteren angenehmen und gesprächsintensiven Begegnung auf der Alm (Vater, 78, mit Sohn, Anfang 50, aus Deggendorf, sehr nett anzuhören, was Dialekt und auch Inhalt anging) war dieses Schild, das uns gleich nach dem Abstieg am Seeufer begrüßte:

Ich, noch ganz mit dem Abstreifen eines gewissen Reportagenschreibekels (was das typische Reisevokabular und bestimmte touristische Formulierungen angeht) beschäftigt, geh da so und seh dieses Schild und bin geradezu entzückt, dass mitten in dieser paradiesischen Natur an einem der oberbayrischen Parade-Seen ein Hinweis steht, dass an Ort und Stelle mal nichts zum Verweilen einlädt.

Weder irgendeine olle Aussichtsbank noch eine reizvolle Erhebung oder ein lauschiger Biergarten oder ein idyllischer Park oder gar ein romantischer Steg mit Panoramablick.

Bitte zügig durchschreiten und nicht verweilen – das ist auch mal toll, beinahe heilsam, zumindest eine wahre Wohltat für meine gestern noch recht strapazierte Wahrnehmung und Verfassung nach Abgabe meines letzten Magazinbeitrags.

Der Spaziergänger wird also gewarnt und ermahnt sowie zur seeseitigen Straßenseite geschickt, und auch dort lädt nichts zum Verweilen ein, sofern man den Blick vom Karwendelgebirge am Horizont und dem Türkisgrün des Wassers abwendet und ihn einfach mal übers Geländer wirft oder unter dem Geländer hindurch, so wie Pippa das alle paar Meter tat.

Irgendwann guckte ich dann auch mal nach, was sie da eigentlich dauernd zu gucken hat und staunte nicht schlecht: riesige, dicke Schlangen (für hiesige Verhältnisse), alle 2 Meter (!) so ein zusammengekringeltes reptiles Tau (Durchmesser 3 bis 5cm, Länge gottseidank nicht feststellbar, aber enorm viele Tauwindungen), das sich an der steilen Uferböschung sonnt oder munter den Kopf hebt und züngelnd den Hund anguckt, mal schwarz, mal grüngrau mit Muster, ich will’s gar nicht wissen, wie die Genossen heißen und was ihre Hobbies sind.

Am See unten sitzend, in einer schlangenfreien, aber ameisenreichen Wiese, vermissen wir dann die liebe D., die eigentlich mitkommen wollte, aber leider noch zu erkältet war, und überhaupt hängt ein Hauch Wehmut über fast allem an diesem Nachmittag, an dem passenderweise kaum etwas zum Verweilen einlädt.

Vater und Sohn, die nette Almbekanntschaft, holen uns nochmal ein, gemeinsam läuft man am Seeufer zurück zum Ausgangspunkt (was für eine Woche: gleich 2x mit Fremden gewandert), und auch die beiden umwittert ein Hauch von Wehmut, denn dem Vater tut das Knie sehr weh und dem Sohn schwant, dass das die letzte gemeinsame Tour gewesen sein könnte, und während Vater müde am See unten sitzenbleibt, steigen Sohn und ich nochmal ein Stück hinauf zum Parkplatz am Kesselberg, wo die Autos stehen, und reden über unsere Väter und das Älterwerden.

Und über unsere Hunde, seiner schon ein paar Jahre tot, aber allein die kurze Erwähnung der ach so guten Zeiten mit dem wunderbaren Cockerrüden treibt dem Sohn die Tränen in die Augen – und ich bin sehr froh um meine Sonnenbrille.

Nun soll’s hier nicht so trüb enden, das Erzählte war ja schließlich gestern und heut sieht die Welt schon wieder bunter aus, die Isar funkelte so schön in der Sonne und das Frisbeespielen im Wasser hat viel Freude gemacht, vor allem dem Dackelfräulein, und während ich die Handyfotos von gestern so durchscrolle, entdecke ich da noch eines, das den pragmatischen Charakter und das bayrische Gemüt der Wirtsleute oben auf der Alm (seit eh und je dasselbe Ehepaar) ebenso prima beschreibt wie die offenbar ständig deppert mit dem Milchkanndl herumhantierenden und herumpritschenden Gäste – und mit diesem Bild wollen wir heut enden.

Und denen, die nicht lesen können, sagt der Wirt einfach kurz Bescheid: Da Deckl bleibt drauf und a Rua is!
Haben Sie einen schönen, geruhsamen Abend.

Hund haben (16).

Wie könnte ein Dienstag schöner beginnen!?

Direkt aus dem Nachthemd in die Regenmontur gestiegen. Hund liegt noch im Bett, hebt ein Augenlid und guckt einen ungläubig an. Man fragt dann höflich, ob er, resp. sie, einen freundlicherweise begleiten würde, weil man unbändige Lust hätte, einen schönen Morgenspaziergang zu machen. Hund gähnt, räkelt und erhebt sich, dehnt sich ausgiebig und fällt beim Zweitgähnen seitlich um. Offenbar keine Lust.
Bevor man in der Ganzkörpergoretexhülle zu schwitzen beginnt, beschleunigt man das Ganze etwas, hebt den Hund aus dem Bett und trägt ihn zur Wohnungstür, legt ihm das Halsband an, was nicht so einfach ist, weil der Hund sich schon wieder zur Seite umfallen lässt. Dann steigt man in die wasserdichten Schuhe und verlässt die Wohnung, schiebt den Hund aus der Wohnung raus ins Treppenhaus. Hund sitzt nun wie ein Pflock auf dem Fußabstreifer und guckt einen groß an, schlurft nach dem dritten Rufen gnädig zum Aufzug rüber, der uns nach unten befördert.

Draußen dann zwei Meter durch die Pfützen gestakst. Igitt. Wie ungemütlich, das alles. Schnüffeln an den unteren Ästchen der Hecke vorgetäuscht (worum es eigentlich geht: unter der Hecke liegt ein aufgeweichtes Stück Breze). Erster kleiner Disput.

Zweiter Disput hundert Meter weiter, als – noch vor dem ersten Morgengeschäft – der asoziale Husky im Dackelterritorium aufkreuzt und das Fräulein vor lauter Wut abhebt (kennen Sie das: wenn sich der Hund bellenderweise so echauffiert, dass er vor lauter Bellen ein kleines Stück vom Boden abhebt?).

Dritter Disput drüben auf der Allee: Unterschiedliche Interpretations- und Umgehensweise mit einem halbleeren Pizzakarton, der unter einer Parkbank liegt.
Stimmung droht zu kippen. Der nette Beagle von Hausnummer 30 rettet die Situation. Große Begrüßung, Schwanzwedeln, Spielversuch mitten im Batz. Gute Sache – lockert den morgenmüden Körper, was den Geschäftsvorgängen dann sehr zuträglich ist.

Nach 7 Minuten wieder daheim, trotzdem triefnass und dreckig. Im Treppenhaus aus den Regenklamotten schälen, an der Tür den graubraune Sauce tropfenden Hund ins Handtuch wickeln und dem Gatten in den Arm drücken – ab in die Wanne.

Dezente Vorfreude auf weitere 48 Stunden bei ebendieser Wetterlage (nur ohne Duschassistenz).

Und die bange Frage, ob der Wonnemonat Mai wenigstens noch einen foto-freundlichen Tag beinhalten wird, da man allmählich dringend das Bildmaterial braucht für den nächsten euphemistischen Artikel über das Unterwegssein mit Hund.

Ab morgen am Kiosk: die neue Dog&Travel.

Schlagen Sie zu, wenn Sie – mit oder ohne Teckel – nach Tirol wollen. Und am besten auch, wenn Sie keinen Teckel haben oder da nicht hinwollen – denn vom Fortbestand solcher Magazine hängt ja auch unsere kleine Existenz ein Stück weit ab.

Lesen Sie ab Seite 18 von unseren großartigen Abenteuern im mittelalterlichen Hall und beim Kraxeln im Karwendel.
Leider haben wir es nicht auf den Großen Bettelwurf geschafft, auch nicht auf den kleinen. Dabei gibt es so Berge, die man allein aufgrund ihres Namens als bergsteigender Hundebesitzer eigentlich nicht auslassen darf (immerhin querten wir ein Kar unterhalb des Hundskopfes, leider ohne es fotografisch festhalten zu können, man geriet in ein Unwetter und es verhagelte einem die Ambitionen).

Außerdem lesenswert: der Artikel ab Seite 80 übers SUP, zusammen mit dem Vierbeiner.
Passt gerade gut. Ist einer meiner Geburtstagswünsche, neben zahlreichen anderen. Halt ein klassischer Kraulquappen-Wasserwunsch (und auch schon etwas zurechtgestutzt, da der Gatte mein „Ich würd‘ gern mal Surfen gehen“ mit einer ebenso amüsierten wie rüden Bemerkung abtat, irgendwas mit Alter und so, ich hab’s gleich wieder verdrängt).

Eigentlich wünsch ich mir, das SUP ohne Hund auszuprobieren, weil das in meinen Augen wenig Spaßpotenzial für den Hund birgt, aber wer weiß: das Dackelfräulein ist ja auch eine Wasserratte und in dem Beitrag ist von Hunden die Rede, die das wohl durchaus gern mitmachen.

Ansonsten drücken Sie uns bitte die Daumen, dass wir es hier bald mal wieder ein paar Tage am Stück (!) trocken und sonnig haben, damit Sie auch Ende August wieder in Dog&Travel von uns lesen können!

Kurz vor dem nächsten Gassi durch die Sintflut grüßt Sie herzlich –
Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (43): Aussichten.

…und während man da so saß und nach fast 1.200 Hm Aufstieg bei einem der schönsten Rundumblicke, die Oberbayern zu bieten hat, etwas ausdampfte, da flatterte unbemerkt eine Email herein, eine Einladung von einem österreichischen Tourismusverband, die einen alsbald nach Tirol führen wird.

Das Dackelfräulein und ich werden eine Pressereise machen! Inklusive Besuch einer Bellness-Oase – allein der Name der Lokalität tröstet darüber hinweg, dass das Beauty-Treatment dort nicht mir zuteil wird.

Dafür darf ich bestimmen, ob wir in den Tuxer Alpen wandern möchten oder im Karwendel oder beides und wann & wo man uns die Brettl-Jause kredenzen darf. Es gibt wahrlich unangenehmere Dienstreisen!

(@Tourismusverband Nord-Jütland: Anfang September hätt‘ ich wieder freie Kapazitäten – das Dackelfräulein dürstet es seit Langem danach, die Strände bei Skagen zu erkunden und kostenlos umzugraben, meldet euch einfach!)