Beglückend.

Schwer zu sagen, welcher dieser Anblicke mich heute am meisten beglückt hat:

a) der des kleinen gelben Fischleins, das heute so überraschend meine Bahn kreuzte und quasi mitten im Kraulschlag entzückend an meine Schwimmbrille dotzte, in diesem schönen, erst diese Woche neu entdeckten Schwimmbad, das ich zunächst nur notgedrungen als Alternative zum Lieblingsbad, das wg. der üblichen Revision grad zu hat, aufsuchte, das aber glatt das Zeug hat, mein dauerhaftes Zweitbad zu werden

oder

b) der des Trailers, der mich via Whatsapp von M. aus Berlin erreichte und in dem ich sofort dieses Gefühl von Aufbruch und Verheißung und Zukunftsoffenheit, jenes übermütige, allen äußeren Widerständen trotzende „Alles ist möglich“-Empfinden wiedererkannte und wiederspürte, das sich am 18. Juni 1985 so tief und unauslöschlich in mich eingegraben hat:

oder

c) der des grünspargeligen Abendessens, wie es vorhin so duftend vom Ofen auf den Tisch hinüberwanderte und dann auch noch genau so geworden ist, wie’s gedacht war.

Is there somethin‘ else you’re searchin‘ for?

Liebe Leserinnen,

wussten Sie, dass gestern Weltmädchchentag war? Hoffentlich! Und hoffentlich haben Sie sich anlässlich dieses hohen Feiertages auch etwas Schönes gegönnt!

Ich kaufte mir für 99 Cent eine pinkfarbene Haarspange, vereinbarte einen Friseurtermin für Ende Oktober, besuchte nachmittags kurz eine Freundin – auf die etwas zähen Stunden am Schreibtisch wollen wir an dieser Stelle ebenso wenig eingehen wie auf den spontanen Tierarztbesuch, weil das Dackelfräulein sich am Auge verletzt hatte – und ging abends noch ins Kino um die Ecke, inklusive Popcorn, versteht sich.

„A star is born“ hieß der Film. Er stand auf meiner inneren Merkliste, seit ich im August zufällig im Internet über den Trailer gestolpert war und sofort wusste: Das muss ich sehen und hören!

Alles drin, was mich anspricht: berührende Musik, ein fescher Kerl, eine Frau mit Nasentrauma, Open Air Konzerte, wichtige Väter, große Liebe, lodernde Leidenschaft – und sogar ein netter Hund!

Und sollten Sie, liebe Leserinnen, sich gestern nichts gegönnt haben, weil Sie entweder nichts von diesem Feiertag wussten oder keine Zeit hatten, ihn zu würdigen, das aber nachholen wollen, so kann ich Ihnen diesen Film nur wärmstens empfehlen.

Lassen Sie Ihren Mann daheim, nehmen Sie stattdessen ein Päckchen Taschentücher mit und werfen Sie gleich beim Betreten des Kinosaals eventuelle Hemmungen über Bord. Die anderen heulen nämlich auch alle, manche heimlich, andere unheimlich. Und lassen Sie sich am Schluss ausreichend Zeit: alle bleiben hier bis weit nach dem Abspann sitzen, bis der letzte Ton des Soundtracks verhallt und die letzte Träne getrocknet ist.

Durch die unerwartet milde Herbstnacht schwankt man schließlich heimwärts und weiß mal wieder ganz genau, dass es letztlich doch ein Segen ist, diese Art von Ergriffenenheit empfinden zu können.

I’m off the deep end, watch as I dive in
I’ll never meet the ground
Crash through the surface, where they can’t hurt us
We’re far from the shallow now

Snowflakes are perfect. Zum 4. März 2018.

Liebe H.,

vor ein paar Tagen, als ich dir auf deine Mail antwortete, gestand ich dir ja bereits, dass mein Brief in diesem Jahr nicht mehr bis zum 4. März eintreffen würde. Nicht nur wegen der Zustelldauer der Post bis in die Schweiz, nein, allein, weil er noch gar nicht geschrieben wurde. Und auch das Geschenk wird es nicht mehr rechtzeitig geschafft haben, ist aber immerhin schon unterwegs.
So bleibt mir heuer nur dieser Weg, um meine Gratulation noch pünktlich zwischen Frühstücksei und Blumen auf deinem Gabentisch zu platzieren.

Anlässlich deines Geburtstages ging ich in den Keller, natürlich nicht zum Lachen und auch nicht, um nach meinen Leichen zu sehen, sondern um dort nach einem alten Filmplakat zu suchen, das ich für dich abfotografieren wollte, um den Blogbeitrag ein bisschen geburtstäglich zu bebildern. Hinter den eingemotteten Langlaufski und den Krücken von der Knie-OP fand ich es schließlich auch, es lagerte in einer großen Posterrolle, zusammengerollt mit etlichen anderen Gedenktafeln unserer Jugend.

Leider war es beidseitig durch zu lange, unsachgemäße Lagerung (heiße Speicher, feuchtkalte Keller) und zu viele morsche Gummiringe verklebt und verbacken – auf der Vorderseite mit dem großen Klaus Maria Brandauer und auf der Rückseite mit dem Hintern des Holzfällers aus Freehold (man kann wahrlich einen schlechteren klebrigen Liegeplatz erwischen). Die Farben des Posters haben durch die Jahrzehnte der Einlagerung auch etwas gelitten und die Beschriftung hatte mitten in der entscheidenden Zeile einen kleinen Riss – kurz: das Ganze war einfach untauglich.
Es wäre das „Beaches“-Plakat gewesen, under the boardwalk & man findet nur einmal (…) und so, du weißt schon.
Schade, wirklich, denn ich habe das all die Jahrzehnte nicht nur aus Nostalgie, sondern vor allem für dich aufbewahrt.

Als ich dann frustriert ob der Unbrauchbarkeit meiner Idee wieder vom Keller nach oben ging, dachte ich an andere Filme, die wir zusammen gesehen hatten und aus denen wir uns seinerzeit diverse Zitate wie an ein fernes und zugleich nahendes Schicksal gerichtete Fürbitten vorgetragen hatten, so oft, bis wir sie auswendig aufsagen konnten (ein so umfangreiches Credo, aus dem ich noch bis zu deinem 80. werde schöpfen können!).
Ich ging also auf die Suche (im Netz verklebt und vermodert ja gottseidank nichts) und konnte eines davon tatsächlich in voller Länge finden, und es erschien mir irgendwie genau richtig für jetzt, hier und heute.

Zu deinem Geburtstag also diesmal kein Bruce, kein Song, keine alten Fotos oder Plakate. Sondern das hier (v.a. ab 2:29):

Erinnerst du dich?

An diese Szene, an diese Zeilen und an dieses Gefühl, in dem wir das vor 30 Jahren sahen und hörten (with those romantic dreams in our heads)?

Als ich mir die Sequenz ansah, musste ich schmunzeln – nach drei Jahrzehnten hört man das doch mit anderen Ohren (und vor allem mit echten Erfahrungen im Nacken). Vieles ist anders, aber nicht alles, und vor allem kann ich mich noch präzise an die erinnern, die ich war, als ich es erstmals hörte, zusammen mit dir.
Einer dieser Augenblicke, in denen Vergangenes und Gegenwärtiges verschmelzen und man für den Bruchteil einer Sekunde tatsächlich meint, sich selbst auf die Spur gekommen zu sein: wer man war und geworden ist und vielleicht noch sein könnte.

Für dein neues Lebensjahr wünsche ich dir viele Momente, die dich im Inneren berühren, deinen Weg bereichern und dein Herz wärmen.
Und für alle anderen Momente lässt sich jederzeit auf dem kurzen Dienstweg eine Konsultation vereinbaren 🙂

Alles Liebe zum Geburtstag,
Deine Natascha.

PS: Who the fuck is Natascha? – wirst du dich jetzt fragen.
Alles gut, ich bin’s natürlich, die T., wollte nur den Spitznamen hier raushalten, das ist alles 🙂

Luxusprobleme.

Seit einem Jahr vorfreue ich mich darauf, dass in Deutschland der Film „Pets“ in die Kinos kommt. Mein langjähriger Arzt, der als Kenner meiner diversen Leiden auch um meine unheilbare Dackelliebe weiß, gab mir seinerzeit diesen grandiosen Tipp und schickte mir den Trailer. An düsteren Winterabenden wärmte und erheiterte dieser Clip besser als jeder Glühwein.

Vor ein paar Wochen haben wir dann mitbekommen, dass es im Juli 2016 endlich soweit ist. „Pets“ läuft in den Kinos an.
Nämlich heute. Hurra!

Für alle interessierten Haustierbesitzer hier ein Appetithäppchen:

Zum Frühstück also das Kinoprogramm in der Zeitung aufgeschlagen und geschaut, welche Kinos den Film zeigen:

– Cinemaxx am Isartor scheidet aus, zu weit weg und für uns blöd zu erreichen.
– Mathäser kommt auch nicht in Frage, ich hasse diese Mega-Kino-Tempel mit 34 Kassenschaltern.
– Cadillac & Veranda passt ebenfalls nicht, zu weit im Osten der Stadt.
– Royal Filmpalast wäre ok, mag ich, da hab ich schon als Kind „Bernhard und Bianca, die Mäusepolizei“ gesehen, aber leider läuft „Pets“ da nur nachmittags, was für den Gatten nicht geht (so mitten im Arbeitstag).
– So bleibt nur das Leopold-Kino in Schwabing übrig, ist nur eine Viertelstunde mit dem Rad entfernt, die spätere Abendvorstellung ist auch ideal, oft fällt da ja die Werbung weg, was Zeit spart.

Unser oberstes Gebot bei Kinobesuchen ist nämlich: Die ganze Aktion muss in drei Stunden machbar sein, damit Pippa nicht zu lang alleine ist.
Als ich mir gerade die Uhrzeit des Filmbeginns notieren will, fällt mein Blick auf die anderen drei Filme, die heute noch in den Leopold-Kinos laufen.

kino

Ja, was haben wir denn da? Einen „Wiener dog“?!? Echt jetzt?

Für die nicht ganz so hundekundigen Leser: „Wiener dog“ ist ein Verwandter vom „Sausage dog“, beides meint den Dackel (vornehmlich die Glatt- oder Langhaarvariante) – warum auch immer es so beliebt ist, dessen wurstähnliche Gestalt sprachlich zu verunglimpfen.

Ich recherchiere umgehend, welch cineastische Perle uns da bislang durch die Lappen gegangen ist…

… und stelle erfreut fest: es ist tatsächlich ein Dackelfilm und er läuft – genau wie „Pets“ – heute an. Zwei Tierfilme in derselben Woche!
Hätten die sich nicht besser absprechen können?

Was für ein Tagesbeginn!
Schon zum Morgenkaffee ein Luxusproblem serviert zu bekommen.
Einen Tag lang die Frage zu wälzen, ob wir abends nun haustierübergreifend oder wienerisch ins Kino dackeln werden.

Solche Probleme hätte ich gern öfter 🙂
Eure Kraulquappe.