Vergessene Berge.

Treffpunkt: Kochel am See. 16 Grad, Nebel, ein feuchtkühler Herbstsamstag.

Mit seiner alten BMW biegt B. auf den Parkplatz ein, steigt ab und hält mir die Wanderkarte unter die Nase. Sein erster Vorschlag ist die Sonnenspitz, ich studiere kurz die Karte und willige ein. Denn das sieht exakt nach der Art von Tour aus, die das Dackelfräulein am meisten liebt: null Forststraße, null Asphalt, ausschließlich schmale Bergpfade.

Wir gehen die 700 Höhenmeter auf die Sonnenspitz (die sich heute Mittag leider überwiegend in Wolken hüllt) sehr flott hoch. Und das nicht etwa, weil wir Lust auf einen Bergsprint haben (ganz im Gegenteil: B. steht kurz vor seiner zweiten Hüft-OP und ich spüre noch die Tour vom Donnerstag in den Waden, außerdem ist es das erste Wiedersehen seit Wochen, so dass es viel zu erzählen gäbe).

Nein! Wir gehen so zügig da hinauf, weil Pippa so freudig und vital vorauswieselt wie seit Monaten nicht mehr. Den Spaß will ich ihr unbedingt lassen, also hecheln wir hurtig hinter ihr her und staunen, wie sie in dem wild zugewachsenen Bergwald überall sofort den richtigen Pfad findet – was gar nicht so einfach ist, denn die Zustiege auf die Sonnenspitz werden seit ein paar Jahren nicht mehr gepflegt, weil die Berge drumrum (Herzogstand, Heimgarten, Jochberg) allesamt beliebter sind als die etwas schroffe, steile Sonnenspitz. Man ist x-mal an ihr vorbeigefahren und hat ihr nie Beachtung geschenkt, geschweige denn, dass man auf sie hinaufgestiegen wäre. Zu Unrecht!

Der Reiz solch vergessener Berge besteht nämlich genau darin, dass sie vergessen wurden. Dass sie nicht gut genug waren für die Top Ten im Blauen Land, nicht spektakulär/hoch/aussichtsreich genug. Das hat zur Folge, dass sie nie überlaufen sind und ihre Wege unberührt wirken. Trifft man doch mal auf andere Bergsteiger, sind es Einheimische, Mountainbiker verirren sich gar keine hierher.

Das Beste: es herrscht völlige Ruhe auf einem vergessenen Berg. Und für die Hundenase herrschen paradiesische Zustände. Hier gibt es bereits mitten auf den Wegen die pure Natur (fast schon: Wildnis!) zu entdecken (anstatt von Bergstiefeln und Fahrradreifen zermalmte Böden). Wunderbare Tour, da waren wir sicher nicht zum letzten Mal!

Und als wir zufrieden und erschöpft wieder im Tal ankommen, trollt sich dann auch das letzte Wölkchen gen Osten, in die Jachenau oder ins Karwendel, so dass der Tag am Seeufer ausklingen kann, weil die Spätnachmittagssonne glatt noch die durchgeschwitzen Klamotten zu trocknen vermag.

Was für eine Woche, was für ein schöner Oktober!

Himmel der Bayern (64a): Süßer die Glocken nie klingen.

Heute: Laut Wetterbericht letzter Hochsommertag 2019. Ich habe Ausgang. Heißa! Keine Männer, keine Hunde, kein Haushalt. Für jedes dieser „Keins“ gönnt Frau Kraulquappe sich heut einen Gipfel. Rötelstein, Heimgarten, Rauheck. Zwei hamma scho, nach der Weißbier-Kuchen-Kaffee-Pause dann den dritten. Ein Hammertag für die letzte große Sommerbergtour und bevor es in 9 Tagen dann in den hohen Norden geht.

Hören Sie sich das mal an! Das war die Mittagspausenmusik. Und dazu eine Aussicht vom Feinsten: auf den Grat zwischen Heimgarten und Herzogstand, dahinter lugt der Schafreuter hervor, dann weiter über den Jochberg bis zur Benediktenwand und hinunter zum Kochelsee. Später mehr & bis dahin herzliche Grüße!

Up up and away.

Am Donnerstagabend hab ich den Gutschein vom Gatten doch noch gefunden!

Samstags wurden die Taschen gepackt…

…die neuen Schuhe geschnürt und los ging’s…

…ins Wochenende am Kochelsee.

 Für die Menschen: 1. Room with a view

2. Cruise with a view

3. Walk with a view

Für den Dackel: 1. Machtspiele mit Einheimischen.

2. Flugspiele mit Herrchen.

3. Ohrenspiele im Wind.

Morgen noch Berg oder Baden oder Tretboot. 45 sein ist bislang echt ok.

Einen schönen Sonntagabend wünscht – Die Kraulquappe.