Song des Tages (26).

Fertig sind wir, in jeder Hinsicht.
Das aber immerhin bei gutem Licht in allen Räumen.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt!

Mit einem finalen großen Dankeschön an unseren Handwerksfreund Wiktor und einer Verneigung vor unseren eigenen Kräften & Nerven beschließen wir nun zufrieden und erleichtert das Projekt (besser gesagt: den Lebensabschnitt) „Wohnungswechsel in der Weltstadt mit Herz ( & Wuchermieten)“.

Saw you stretched out in Room Ten O Nine
With a smile on your face and a tear right in your eye
Oh, couldn’t see to get a line on you
My sweet honey love

May the good Lord shine a light on you
Make every song (you sing) your favorite tune
May the good Lord shine a light on you
Warm like the evening sun

And the angels beating all their wings in time
With a smile on their face and a gleam right in their eyes
Could not seem to get a high on you
Come on up now, come on up now, come on up!

Einen lichten ersten Advent wünscht Ihnen –
Die Kraulquappe.

(Kaum war die letzte Leuchte angebracht und der letzte Pinselstrich getan, sank sie mit einer stattlichen Erkältung in die Kissen und zog sich für drei Tage die Decke über den Kopf und lupfte sie nur, wenn der Gatte einen Tee brachte oder das Dackelfräulein hinein oder hinaus wollte.)

It’s dark at night.

Das Panoramahotel in den Bergen empfängt mich eingeschneit, aber panoramalos. Dass das so bleiben würde, war nicht zu erwarten, passt dann aber unerwartet gut zu Allgemeinbefinden und Stimmungslage.

Es lässt sich tagsüber nur erahnen, dass wir von Bergen umgeben sind, das Weiß der Skihänge geht nahtlos über in weißgraue Nebelschleier, die jenseits der 900 Höhenmeter alles verhüllen.
Ein Sessellift, den ich vom Bett aus sehen kann, verschwindet im Nebel, ein seltsam beruhigender Anblick ist das: am rechten Seil verschwindet Sessel um Sessel in dem dichten Dunst und zugleich taucht an der linken Seite der Strippe Sessel um Sessel wieder auf.
Nachts blitzen auch weiter oben an den Berghängen vereinzelt Lichter auf: Hütten, Liftanlagen, Pistenraupen.

Das Zimmer ist wie vor Anreise abgesprochen „puristisch und ohne Schnickschnack“, sieht man mal von dem sehr flauschigen star spangled bathrobe und dem Sinnspruch ab, den sie hier in jedem Zimmer an die Wand über dem Bett gepinselt haben.

Natürlich in jedem Zimmer einen anderen, so dass man leicht geneigt ist, in die vom Zufall zugeteilte Sentenz etwas Schicksalhaftes hineinzudeuten.

Mein Herz fühlt sich bleischwer, folglich ist das wohl nicht mein Zuhause hier, was nicht weiter überrascht, da ich ja auch verreist bin.
An den Sternenmantel gewöhnt man sich, schließlich guckt man nicht dauernd an sich herunter bei den paar Stiegen hinauf zur Sauna.

Aus der Sauna blickt man direkt auf den nachtschwarzen Berghang.

Bei der Nachtrunde mit dem Dackelfräulein ist es so stockdunkel, dass ich mir das Stirnlämpchen über die Mütze ziehen muss, damit wir nicht vom Weg abkommen. Unter dem harschen Schnee ist es eisig geworden, so wie es überhaupt sehr eisig geworden ist (vor drei Wochen erst saß ich mit Hagebuttenkrapfen und offener Jacke auf einer Bank am See und träumte schon vom Frühlingsbeginn).
Nachts drücke ich das Dackelfräulein viel enger als sonst an mich, damit ich morgens durchgewärmt aufwache. Nur gut, dass ihr das eh recht ist.

Tagsüber stapfen wir Stunde um Stunde schlecht gepflegte Winterwanderwege entlang. Gut gepflegt würden sie meine Laune aber auch nur unwesentlich bessern, fürchte ich. Ich friere trotz dicker Vermummung wie eine Irre, bin appetitlos wie nie, Magen und Kehle sind zugeschnürt, vermutlich ein Virus, diesmal wenigstens nicht Noro mit Vornamen. Das mit der Mukiku ist jedenfalls gründlich daneben gegangen.
Man kann halt nicht immer bei blauem Himmel und Sonnenschein glücklich durch die Berge hoppeln, so ist das (L)eben.

Ich schleppe mich in ein Lokal, in dem die Menschen einen Dialekt sprechen, der meine Ekelgefühle nur noch verstärkt, würge mir eine Kinderportion rein (wie sie einen schon ansehen, wenn man ein 4,90€-Gericht aus der Rubrik „Für unsere Kleinen“ bestellt!), denn irgendwas muss man ja zu sich nehmen außer Salzstangen und Orangen (eigentlich das Einzige, das mir schmeckt).
Das Herz schmerzt und der Magen mag nicht mehr.
Beim Essen entwischt mir eine Nudel, flutscht über den Tellerrand und landet mit ihrem roten Saucenhäubchen auf der bis dahin schneeweißen Tischdecke. Ich pieke sie verschämt von dort auf und verursache dadurch einen noch größeren Fleck.

Dabei fällt mir der Papa ein, den ich neulich, als er für uns gekocht hatte, bei einer neuen Esstechnik beobachtet habe. Der Parkinson versaut ihm schon seit Langem das kleckerfreie Speisen, aber ganz besonders schien es ihn zu ärgern, ja, manchmal beinahe zu quälen, wenn es ihm nicht gelingen wollte, mit seiner Gabel treffsicher in den nächsten Happen zu stechen (vom Hantieren mit dem Messer wollen wir erst gar nicht sprechen).
Nun hat er einen Trick gefunden, dieses deprimierende Harpunieren zu umgehen: Er hält die Gabel jetzt in der linken, nicht zitternden, aber motorisch schon immer ungebildeten Hand, parkt die rechte Hand neben dem Teller, hebt, wenn keiner zu gucken scheint, ein bisschen den Zeigefinger der ruhenden Hand an, so dass dieser knapp über den Tellerrand hervorschaut, und schiebt – sich von links mit dem Besteck nähernd – das aufzugabelnde Häppchen gegen seine Fingerkuppe, so dass es letztlich auf den Zinken landet. Das klappt sehr gut, viel besser als das fahrige Gestocher zuvor. Dennoch kommen mir fast die Tränen, wenn ich daran denken muss (und das muss ich erstaunlich oft) oder das hier so hinschreibe.
Ist etwas erst einmal erzählt, dann existiert es, ist auf bestimmte Weise festgelegt und nicht mehr so leicht veränderbar als wenn es unerzählt geblieben wäre. Das gilt nicht nur für die Gabelgeschichte. Vieles, wenn es erstmal dasteht, in die Worte gegossen, die man eben in jenem Moment des Niederschreibens wählen wollte (oder musste), wird einem dann noch bewusster – oder überhaupt erst bewusst? – in seinem jeweiligen So-sein.

Morgen Früh fahren wir wieder nachhause.
Die Auszeit ist also aus bevor sie an war.
(Cura te ipsum, sag ich mir.)

Von wohlmeinenden Genesungswünschen bitte ich Abstand zu nehmen (hab‘ mich bereits ausführlich genug selbst bedauert), erheiternde Kommentare oder schräge Berichte von in die Hose gegangenen Kurzurlauben sind hingegen jederzeit willkommen!

Haifischzähne und Healing Tootsies.

Wir danken recht herzlich für all die Genesungswünsche!

Das Dackelfräulein ist längst wieder fit (was natürlich die Hauptsache ist), ich hingegen musste mich heute nach kurzer Morgeneuphorie und verfrühtem Kaffeegenuss doch wieder in die Koje hauen. Dabei war ich gedanklich schon auf dem Weg ins Schwimmbad, zumal nach peinlicher, 3-wöchiger Übergangszeit im ausgeleierten, zerfransten und leicht durchsichtigem Schwimmanzug dieser Tage endlich ein passender neuer eingetroffen war.

[Ein Graus, dieser Kauf: Badeanzüge, selbst die namhafter Hersteller, halten mittlerweile keine 100 Schwimmbadbesuche mehr durch, dann beginnt das Material sich bereits an den chlordurchflussstärksten Zonen aufzulösen. Einen neuen Schwimmdress erwirbt sich’s leider keinesfalls en passant, weil a) sich alle Hersteller massiv in Größen und Schnitten unterscheiden (was einen beim Anprobieren bisweilen an der eigenen Figur verzweifeln lässt), b) die Ausgestaltung von „normaler/mittlerer/hoher Beinausschnitt“ eine Wissenschaft für sich ist (nur 1cm Stoff zwischen Taille und Beckenknochen ist schon eher arg wenig statt normal) und c) aufgrund der Farben und Muster sowieso 85% aller Schwimmanzüge ausscheiden (und die Auswahl ist ja ohnehin begrenzt, da es viel mehr plantschorientierte Bademode als schwimmtaugliche gibt). Künftig werde ich mir diese jährliche Qual ersparen und bei einem gut sitzenden Badeanzug gleich doppelt zuschlagen.]

Müssen wir wohl beide noch eine Weile herumhängen bis zur Einweihung.

Schonung ist also angesagt, nicht Ungeduld, denn morgen muss man hier wieder fit sein, wenn der Ernährer&Versorger frühmorgens für ein paar Tage zum Dienstort entschwindet.

Gucke YouTube-Videos über die Åland-Inseln (so viele Brücken, so viel Stein, so viel Wasser!), die Gemeinden tragen so schöne Namen wie Lumparland, Jomala und – nomen est omen – Hammarland. Sich ein paar Monate in so eine Hütte am Wasser verkriechen, mit eigenem Steg und Boot, dort ein Buch oder auch nur eine Reisereportage schreiben – das wär’s. Hin über Stockholm, zurück über Turku.
Im Hintergrund läuft der näherliegendere Traum in Endlosschleife: das 360-Grad-Panorama von der Skisprungschanze in Garmisch, wo es Neuschnee hat, die Sonne die Gipfel leuchten lässt und aus der Partnachklamm die letzten Nebelschwaden aufsteigen. Ich hasse Krankdaheimrumliegen und sehne mich nach frischer See- oder Bergluft.

Zu Wochenbeginn diesmal keinen Pressespiegel vom Gatten erhalten, sondern das großformatige Ungetüm selbst gelesen und so auch mal wieder amüsante Annoncen mitbekommen. Wäre ich ungebunden und zu Experimenten aufgelegt, tät‘ ich mich glatt melden auf eine Bekanntschaftsanzeige mit der Überschrift „Der Haifisch, der hat Zähne und die trägt er im Gesicht!“, ein Spitzen-Intro, wie ich finde, und das nicht nur im Vergleich zu „Gutsituierter Akademiker in den besten Jahren…“ oder „Einsamer Bengel sucht hübschen Engel“ oder dem brechreizerzeugenden „Nur mit dem Herzen sieht man gut“ (und offenbarte der Kandidat tatsächlich Haifischzähne oder ein Pferdegebiss, könnte man ja immer noch das versteckte Messer zücken und die Sache abkürzen).

Staubtrockener Zwieback rutscht besser with a little coke and sympathy & some music und das viele Liegen wird einem doch erheblich versüßt von einer kleinen Beiliegerin, die einem die reizenden Hasenfüßchen fast ins Gesicht streckt.

Well, we all need someone we can lean on
And if you want it, you can lean on me

She said „My breasts, they will always be open
Baby, you can rest your weary head right on me
And there will always be a space in my parking lot
When you need a little coke and sympathy“

We all need someone we can feed on
And if you want it, well you can feed on me
Take my arm, take my leg, oh baby, don’t you take my head.

[Das Video muss leider wegen der grimassierenden Fratze von Mr. Jagger, die meiner Übelkeit heute gar nicht zuträglich wäre, entfallen.]

Remembering Kölnarena, 13. Dezember 2007.

Grad noch fröhlich über Krapfenwerbung herumgeblödelt – und schon war Schluss mit lustig.

So einen Zusammenbruch zuletzt an jenem Abend vor über 10 Jahren in Köln erlebt: The Boss himself bespielte seinerzeit mit Inbrunst die Halle und ich bespie mit Inbrunst die Sanitärkeramik, am Ende des Abends auf du und du mit der Klofrau (es schweißt zusammen, wenn man ein spektakuläres 15-minütiges „The river“ gemeinsam im weißgefliesten WC-Vorraum hört, die Klofrau mir mit Tüchern den Schweiß von der Stirn tupfend). Santa Claus had been coming to town für 16.000 Fans, nur nicht für mich. Der beste Freund tauchte alle paar Songs vor den Damentoiletten auf, um mich zu überreden, mich wenigstens an den Hallenrand zu verfrachten (wo ja auch die Sanitäter sofort zur Stelle wären), aber nicht mal daran war zu denken. Zu schwach für alles. Dann noch eine gruselige Nacht, Tür an Tür, am nächsten Tag der Rückflug nach München mit Schüttelfrost und Immodium. Ein kurzer, heftiger Alptraum, so ein Norovirus.

Gestern ab 18 Uhr dann Norovirus 2.0. Diesmal ohne Springsteen in Köln, dafür mit Tierklinikbesuch in Oberhaching, dort leider ohne nette Klofrau und passende musikalische Untermalung. Das Dackelfräulein hatte ein Kauknochenendstück verschluckt und quer im Hals stecken, jaulte wie wir sie noch nie hatten jaulen hören. Gottseidank rutschte das Ding dann doch noch bis in den Magen durch. Gruseliger Abend, gruselige Nacht. Den kleinen Hundekörper ganz nah bei mir, mich immer wieder ihres Herzschlags vergewissernd (übertrieben & irrational).

Heute komatöser Zustand, aber mit allerbester Pflege: Auf einen Schluck Elektrolytelösung zwei Schluck Cola, das Ganze mit Zwieback abdichten, alle paar Stunden eine Palette Chemie reinpfeifen, der Gatte hatte schließlich die halbe Apotheke leergekauft, ansonsten Wärme und Schlaf, und am Abend feststellen, dass das Gröbste wohl schon überstanden ist.

Himmel der Bayern (15): Uphill, downhill.

Von wegen Ruh-Polding.

Schon die Nacht war alles andere als ruhig. Gerade friedlich eingeschlummert, werde ich wieder wach, weil dem Dackelmädchen übel ist. Sie stupst mich an und trottet mit Hängeohren und Würgen zum Bad, dort erbricht sie sich (wegwischfreundlich – was man einem Hund nicht alles beibringen kann!). So ging das dann im 2 Stunden-Takt bis die Morgensonne durch die Eiszapfen vor dem Balkon hereinlugte.

Beim Morgengassi zittert der Hund trotz Mantel am ganzen Körper, immerhin hat sie keinen Durchfall, aber in Sorge ist man trotzdem. Zumal unser Hund quasi nie Magenprobleme hat und – wenn überhaupt – nur 1x kotzt (danach ist’s stets wieder gut). Nach dem Gassi verkroch sie sich ins Bad, kauerte sich in eine Ecke und blickte erbärmlich drein.

Gerädert zum Frühstück gegangen, die einzige morsche Semmel im riesigen Brotkorb erwischt. Egal, dem Rührei sei Dank rutschte sie schon runter. Der Hund immer noch im Bad.
Um 9:30 Uhr Termin in Vorderbrand 4 vereinbart, bei Dr. H.. Mein eigentlich recht gutes Hörverständnis des Bayrischen wird auf eine harte Probe gestellt, aber das Wichtigste ist ja zunächst, dass der Tierarzt meinem Hochdeutsch entnehmen kann, was mit Pippa los ist. Und „Schnee-Streusalz-Gastritis“ verstehe ich dann gottseidank sofort, das klingt auf Ruapaddingerisch fast genauso.

Wie kommt’s? Erwischen Hunde zu viel eiskalten Schnee – und den zu erwischen ist beim Sausen und Spielen im Tiefschnee keine Kunst, da so ein Dackel mit der Schnauze ja recht bodennah unterwegs ist – kann sich die Magenschleimhaut entzünden. Kommt dann noch der Chemie-Cocktail diverser Streusalzmischungen hinzu, reagieren einige Hunde mit Erbrechen, manche sogar direkt während oder nach den Spaziergängen. 

Hatten wir noch nie. Dr. H. meint, das käme in strengeren Wintern häufiger vor und allzu oft gibt’s die ja nicht mehr. Auch diese arktische Kälte kann den Hundekörper zusätzlich strapazieren. Nun ja.
Mit einer Dose magenschonendem Diätfutter und dem guten Rat, der Hund solle heute geschont und warm gehalten werden, marschierten wir wieder von dannen.

Um 10:30 Uhr stieg ich folglich taufrisch, bestens ausgeschlafen, ziemlich erholt und energiegeladen in die Loipe hinterm Haus ein. Traumwetter! Nix los!

In beiden Richtungen bot sich nach wenigen Metern nur eine steile Abfahrt an. Um Himmels Willen. Ich steh doch erst zum vierten Mal seit der Knie-OP wieder auf den Brettern… „So you’re scared and you’re thinking that maybe we ain’t that young anymore“ – singt es in mir (merke: Es gibt keine Lebenslage, für die es kein Springsteen-Zitat gäbe.)
Jedes Bangen um meine Menisken und Schultern ignorierend wählte ich beherzt die sich gen Süden hinunterstürzende Spur. Natürlich war die Spur unten ausgefranst, vereist noch dazu, aber in einem dämlichen, ungelenken Pflug dem Ende des Hangs entgegenbremsend konnte ich das Gröbste verhindern. 

Nach ein paar weiteren Kilometern – immer noch sonnig, menschenleer und bester Schnee – schwante mir, dass ich mich für die falsche Abfahrt entschieden hatte: Mir kamen andere Langläufer entgegen, die mich anmeckerten, dass ich gefälligst die Laufrichtung einhalten solle. Ich fuhr weiter und nahm in Kauf, dass ich in ein paar Kilometern erneut einen Anschiss kassieren würde. War grad so gut reingekommen in die Bewegung, die alten Fischerski flitzten noch wie eh und je.

Ein zweiter Rüffel blühte mir nicht mehr, stattdessen aber eine Loipe, die kein Ende zu nehmen schien. Künftig empfiehlt es sich, die Lesebrille aufzusetzen, wenn man den Loipenplan studiert. Dann sähe man auch, dass die angebliche Verbindungsstelle von zwei Loipen (die Taille einer 8, die ich brillenlos klar zu erkennen glaubte) keine Verbindung ist, sondern dass da noch Platz dazwischen ist. Im Gelände gestalten sich diese 2 Milimeter Platz dann so: bewaldeter Hang mit unpassierbarem Tiefschnee. Kein Abkürzen, sondern Weiterlaufen (vom gestrigen Lohengrin Nr.2 ist spätestens jetzt kalorientechnisch nix mehr übrig, so viel ist gewiss).

Fast zwei Stunden später (geplant war eine!) kroch ich nach 17 Kilometern inklusive viel zu vielen Steigungen und Abfahrten sowie zwei schmerzenden Blasen an den Fersen die letzte Steigung zu meiner Unterkunft hoch.

Pippa schnarchte in ihrem mit Decken ausgepolsterten Krankenfauteuil noch tief und fest ihrer Genesung entgegen, war dann aber sofort hellwach und im Krankenschwester-Modus, als ich meine Socken auszog und sich die eine Blase als kleines Blutbad entpuppte.
Nach einer heißen Dusche und notdürftigem Abkleben der Fersen wandertenhumpelten wir gemeinsam nach Ruhpolding-City. 

Ja, wir humpelten beide. Dem Hund taten nun auch noch die Pfoten weh. Die Kälte? Das Streusalz? Die miese Allgemeinverfassung? Das hündische Solidarisieren mit Frauchens Leiden? Keine Ahnung. 

Somit hatte mein geplanter Gang zur Apotheke gleich doppelt Sinn: zu Compeed-Extra (das Beste, was man auf kaputte Füße kleben kann!) gab’s nun auch noch eine Tube Vaseline. Zwei Stunden später und wieder „daheim“ im Warmen, konnten alle 6 Füße erfolgreich verarztet werden.

Einen zweiten cross-country-Ausflug kann ich mir glatt sparen, dachte ich mir beim Compeeden und Cremen, während Pippas Magen schon wieder beunruhigend blubberte und rumorte. Wir reisen nicht am Freitag, sondern morgen ab. 
Obwohl es hier wirklich schön ist, aber in dem Zustand wäre nur noch eine Pferdeschlittenfahrt (in Bärenfelle gehüllt und mit becherweise Punsch) möglich, die das Touristenamt Ruhpolding 3x täglich anbietet (eine davon sogar mit Einkehr bei der Windbeutelgräfin).

Rundum ramponiert (erwähnte ich schon mein seit dem Wohnungstermin entflammtes Halsweh? und das allmonatliche Hormonübel?) schlurfte ich runter in den Hotelkeller und schlief in der finnischen Sauna fast ein. Urlaub pur eben.

Das mit dem Abstandgewinnen von den nervigen Themen daheim in der Stadt, das hat echt voll super geklappt. 

So ist es ja oft mit diesen Kurzurlauben: man ist intensiv mit all den neuen Eindrücken und Erlebnissen beschäftigt, taucht völlig ein in das Hier und Jetzt, da kommt man gar nicht mehr auf die Idee, dem Schnee von vorgestern noch länger nachzuhängen und sich das Leben davon vermiesen zu lassen. 

Das müssen manchmal gar keine 3 Tage Auszeit sein, wenn so ein kleines Urlaubsparadies mit einem Event nach dem anderen aufwartet.

Da reichen sogar zwei Tage. Locker.

Aus dem Biathlon-Mekka grüßt euch etwas angeschossen
Die Kraulquappe.