Kängurumutter im Tiefschnee oder: Wozu ein bewegtes 2018 gut war.

2018 ist nun vorbei und fertig archiviert. „Zahltag“ ist ja immer der 31.12., jener Tag, an dem man sich als Hundebesitzer irgendwohin verkriecht, wo Ruhe herrscht und einem keine 500 Öcken pro Nase (oder mehr) für irgendeinen zwei- bis dreitägigen Jahreswechselvollfressverwöhnpensionbespaßungszinnober abgeknöpft werden.

Nicht einfach, da was zu finden für nur eine Nacht, vor allem wenn man erst kurz vor Weihnachten zu suchen beginnt.

In der niederbayerischen Einöde zwischen Deggendorf, Plattling und Isarmündung bot uns ein Gutshof noch einen bezahlbaren Unterschlupf für die anstehende Hundehorrornacht. Das Landgut ist wohl sonst eine Location für Hochzeiten, aber bei 4 Grad und Pissregen am Silvestertag kaum frequentiert. Also auch keine Rüden weit und breit. Stattdessen Matsch und Grau so weit das Auge reicht – und es reichte kaum bis Deggendorf hinüber und die dahinter beginnenden Hügel des Bayerischen Waldes konnte man auch nur mit viel Fantasie aus den Formationen der Regenwolken imaginieren.

Das große Doppelzimmer in jagdlicher Optik gestaltet und mit ebensolchem Interieur versehen, was dem kleinen Jagdhundfräulein freilich bestens zu Gesichte stand, aber auch meinem verregneten Gemüt taten die Wände in hoffnungsfrohem Grün (ein mittleres Dunkelgrün, so dass es auch nicht zu aufdringlich und heiterkeitsheischend daherkam) recht gut.

Zahltag also. In der niederbayerischen Einöde ein bisserl Bilanzieren (= alten Kalender durchblättern, neuen Kalender beginnen, maßvoll Reflektieren, keine Vorsätze notieren, wohl aber ein paar Nachsätze zu diesem doch insgesamt sehr speziellen Jahr, das sich nun bucklig seinem Ende zuneigte), an den Kachelofen gelehnt, im Teeglas rührend und mit dem Herrn Jesu im Gnack, wie sich das auf dem Land so gehört. Aus den Lautsprechern der Bibliothek ertönt „Sempre, sempre“, wird alsbald von Austropop abgelöst, und weil wenig später Costa Cordalis die Stimme erheben will, wird schließlich alles von einem Fausthieb des Gatten erlöst (dieses Satzende fügt sich auf einem Gutshof, der lange ein Jagdsitz war, gefälliger in den Text als: „Wir ersuchten die Bedienung höflichst, das unsägliche Radio abzuschalten.“).

2018.
92x geschwommen, 35x Berge erklommen, 41x gelaufen im Wald/Park, 204x große Spazierrunden mit dem Dackelfräulein absolviert, insgesamt 1972 km per pedes (im Wasser: ca. 150 km) fortbewegt.
Nicht, dass ich das wirklich so exakt errechnen könnte, aber als beim groben Überschlagen der Wegstrecken 1.970 km rauskamen, hab‘ ich einfach noch 2 dazugegeben, um bei meinem Geburtsjahr zu landen.

Ist das jetzt viel oder wenig?
Keine Ahnung. Es hat mir jedenfalls gut getan.

Und am dritten Tag des neuen Jahres offenbarte sich mir dann auch, wozu all der Sport, all die Bewegung, all die gelaufenen, hinauf- und hinabgestiegenen Kilometer gut waren. Wozu der wohltrainierte Arm- und Beinschlag beim Kraulen in Wahrheit dienen sollte. Worauf das alles abzielte und hinauslief.

Auf einen Einsatz als Kängurumutter im Tiefschnee.

Denn wenn Sie da nicht einigermaßen im Training sind, keine Kraft in Armen und Beinen haben oder zu wenig Übung oder Kondition im Berggelände – dann können Sie das knicken. Dann versagen Sie nämlich als Kängurumutter im Tiefschnee kläglich!

Heut‘ Nacht hat’s dick geschneit im Voralpenland. Das Kreuther Tal, gleich hinterm Tegernsee gelegen, ist ohnehin ein Schneeloch, ein Kälteloch ebenso.
Wir (viel zu spät und viel zu wetteroptimistisch) hinauf Richtung Roß- und Buchstein, unterwegs setzt erneuter Schneefall ein, man muss die Grödel aufziehen, damit man im steileren Gelände nicht abrutscht. Der Gatte, früher zwar mal Gebirgsjäger, aber heutzutage mehr Tagungsjäger, ist an seinem ersten Urlaubstag seit Monaten nicht wirklich begeistert von diesen Strapazen, schlägt sich aber wacker. Am wackersten schlägt sich allerdings das Dackelfräulein: immer drei Schneepfluglängen voraus, trotz der kurzen Beinchen, unterwegs noch ein paar Tannenzapfen unter der Schneedecke ausbuddelnd, um den Zweibeinern mit lustigen Spielangeboten noch zusätzlich einzuheizen, obwohl der Schweiß eh schon rinnt. Ein Bollwerk an Ausdauer, an Lebens- und Bewegungsfreude sowieso. Irgendwann ist die Hütte erreicht, zu dritt sitzen wir auf der Bank, bei Heißgetränken und Kalorien, die uns für den Abstieg präparieren sollen.

Draußen schneit’s mittlerweile wie blöd. Der Zustiegsweg kaum noch zu erkennen. Um noch vor Anbruch der Dunkelheit wieder hinunter zu kommen, muss die Pause in der Hüttenwärme kurz gehalten werden: Umziehen, Essen fassen, was Trinken, Aufwärmen, Durschnaufen, neu Vermummen und Aufbruch.

Dann der fatale Fehler: Wir stehen nach dem Aufbruch ein paar Minuten im Schneesturm vor der Hütte, um die Grödel wieder aufzuziehen (kein Hüttenwirt hat das gerne, wenn man das drinnen tut). Es ist eiskalt, man sieht vor lauter Schneegestöber kaum die Hand vor den Augen. Das Fräulein fiept und fängt an zu zittern, weil sie ja warten muss, bis wir mit dem Schneekettengefummel fertig sind. Als wir endlich losgehen, läuft sie eng neben mir, bibbert erbärmlich und steckt bis zum Hals im Tiefschnee. Kalt loslaufen ist das Dämlichste, was man machen kann. Und so ein Dackel wird nun mal nicht mehr warm, wenn er zu 85% im Schnee versinkt, unsere Chancen stehen weitaus besser, da wir immerhin zu 85% aus der weißen Pracht herausragen. Wir versuchen alles, um sie zu ermuntern, ich renne mit ihr ein Stück, aber sie kommt nicht hinterher. Bleibt stehen, setzt sich sogar hin, guckt mich mit vereistem Bärtchen hilfesuchend an – und dann begreife ich: Sie schafft es nicht, das hatten wir noch nie, aber ihr ist so kalt, dass es einfach nicht geht. Also Rucksack runter, Stöcke rein, Rucksack wieder hoch, Hüftgurt festzurren, dann Jacke auf, Hund rein, Jacke zu, einmal tief Luft holen, höchste Konzentration und nun ohne Stöcke und im Trab bergab, eine Hand unter den Dackelpopo, die andere um das Köpfchen, das schon völlig eingeschneit ist. Die Sicht ist beschissen, der Weg von Schneewehen teils wie weggefegt, es schneit mir zum Kragen rein, ab und zu – so wacklig bergabsurfend – verdreht’s auch das Knie, aber tief in mir drin ist diese Gewissheit spürbar: Ich werde das schaffen. Das flüstere ich mit blaugefrorenen Lippen auch dem Fräulein zu, das erst noch friert wie ein Schneider, aber nach einer Viertelstunde – so gut und sicher eingepackt in seinem Kängurubeutel – doch langsam wieder auftaut und warm wird.

Nach einer halben Stunde schmerzen die Arme, vor allem die Handgelenke, eigentlich auch der Rücken und die Beine, aber eine Pause können wir uns um die Uhrzeit und bei den Wetterverhältnissen nicht erlauben.
Der Gatte holt uns immer mal wieder ein, rubbelt die Eisklümpchen vom Dackelkopf und putzt mir die Nase, denn eine freie Hand hab‘ ich ja nicht.

Nach anderthalb Stunden Dauerlauf erreichen die Kängurumutter und ihr Kleines schließlich und endlich mit erfrorenen Rüsseln, aber ansonsten gut durchwärmt das Auto.
Arme und Beine haben tatsächlich durchgehalten, keine Sehne ist gerissen, kein Muskel gezerrt, kein Finger gebrochen. Und der Hund ist wohlauf, was ja eh das Wichtigste ist.

Es lebe der Sport.
Und es lebe auch die Sitzheizung, die einem die triefnassen Klamotten bis München wieder trocknet.

Von Poleposition und Schwellenwerten.

Am Wochenende schnell noch etwas Körper- und Seelenhygiene betrieben, so als innere und äußere Prophylaxe für das nun Anstehende.

Mit Mütze, Handschuhen und dem Fräulein in dichter Nebelsuppe hinauf zur Buchsteinhütte…

…die uns Tee und Guglhupf spendet bevor wir wieder hinabhupfen ins Tal…

…wo wir den Papa besuchen, der uns zum Küchen-Kehraus in ein Kreuther Lokal ausführt…

…und „Kehraus“ steht hier keinesfalls für schnödes Reste-Essen, sondern für vier Gänge Augen- und Gaumenschmaus, damit verabschiedet sich das Lokal in die Betriebsferien.

Gut durchgelüftet und gesättigt und nach einem wunderbaren Abend zu zweit mit dem Papa dann zurück nach München, dort alles vorbereitet für „Handwerksphase, die Letzte“:

Utensilienkisterl für den Handwerksfreund.

Die neue Woche beginnt um 7:13 Uhr mit dem Hämmern des Polen (heute ausnahmsweise nur Lolek, seinen Bruder Bolek hat er daheimgelassen – „Türschwellen is nix Arbeit für zwei“, achso ist das).

Runderneuerung: Schwellen, über die einen dann eh keiner trägt, aber wenigstens reißt man sich künftig nicht mehr die Socken dran auf.

Ich koche Kaffee.
Der Gatte trinkt ihn schwarz. Lolek mag ihn mit Milch, genau wie ich. Der nachher anreisende Handwerksfreund nimmt Milch und Zucker, und zwar reichlich. Wie der Jalousien-Reparateur, der dann auch noch vorbeischneien wird, den Kaffee präferiert, weiß ich noch nicht.
Man sollte eine Excel-Tabelle anlegen, zur besseren Verwaltung der Handwerkervorlieben und -nummern und -termine, mit Filter, versteht sich (nicht für den Kaffee oder die Kippen, sondern zur Sortierung).

In der Poleposition: Keine Lebkuchenhausverzierung, sondern beeindruckende Türschwellenklebekunst.

Es soll ja Menschen geben, die bestens damit zurechtkommen, wenn ihr Zuhause sich temporär in eine Baustelle verwandelt und die mühelos in der Lage sind, sich währenddessen bereits vorzufreuen auf die Reaparaturen, Erneuerungen, Verschönerungen und Verbesserungen, die irgendwann (hoffentlich) aus der Baustelle resultieren.
Mich strapaziert sowas leider überwiegend: Krach in den frühen Morgenstunden, all die strengen Gerüche, überall Staub und Dreck, von den diversen Kollateralschäden, die ja fast immer entstehen, mal ganz zu schweigen (in so einem Altbau gibt es kaum ein Handwerksgewurschtel, das nicht noch irgendeine weitere, natürlich ungeplante Arbeit nach sich zöge wegen bröselnder Wände, brechender Hölzer, idiotisch verlegter Leitungen oder sonstigen Verfallserscheinungen, mit denen kein Mensch vorher gerechnet hat).

Ich sollte mir eine Scheibe abschneiden von Loleks Gleichmut („Isse irgendeine Problem, musse eben lösen!“) oder von Pippas Perspektive auf das Ganze („Ui, lustige Holzresterl und feines Werkzeug, damit kann man ja toll spielen, und der nette Mann kniet ja eh schon spielbereit am Boden!“).

Für die nächsten 11 Tage wäre das die ideale Einstellung.

Auch Ihnen einen gelingenden Wochenstart und allzeit den richtigen Kaffee dazu.
Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (46): Vernunftbegabte und Irrationale on tour.

Der letzte Bergsommertag 2018.

Sonnenschein, 25 Grad, weiß-blauer Bayernhimmel, der gestandene Münchner, resp. Münchnerin, am Hackln oder am Dirndl-Aufbügeln – was man halt so macht an einem Freitag Ende September, wenn man in Lohn und Brot steht und/oder sich innerlich und äußerlich fürs morgige „Ozapft is“ präpariert.

Wir hingegen verbringen den Tag auf einer der unfreundlichsten Hütten in den Münchner Hausbergen: dem Hirschberghaus.

Einzig die Weißbiersorte reißt’s raus, aber abgesehen davon konzentriert man sich hier lieber komplett auf die herrliche Umgebung und den bewegten Part der Tour.

Man nehme den Aufstieg vom Kreuther Ortsteil Point…

…übers Rauheck (zumal mit Rauhaardackel)…

Rauhaardackel

Rauheckalmen

…erfreue sich beim Blick über die Schulter der schönen Sicht auf den Wallberg samt der dazugehörigen hölzernen Kapelle…

…gehe direttissima hinauf zum Hirschberggipfel…

…wähle unbedingt den Weg für Vernunftbegabte und nicht den für Vollidioten…

…wische sich am Gipfelkreuz den Schweiß von der Stirn, reiche der vierbeinigen Begleitung ein Schüsserl Wasser…

…schaue von dort wahlweise ins Lenggrieser Tal…

…(und winke dem Seekar zu, das dort oberhalb der geliebten Hütte liegt, auf der man nun doch demnächst nochmal mithelfen wird)…

…bestaune die milchigen Konturen der Zugspitze am Horizont, oder blicke hinab zum Lago di Bonzo…

…der bilderbuchartig umrahmt von bewaldeten Hügeln und hübschen Berglein da unten im Tale liegt.

Anschließend – innerlich imprägniert von diesen Impressionen – hinab zum unfreundlichen Hirschberghaus, dort eine leichte Weiße auf der herrlichen Sonnenterrasse…

Roter Pfeil => Gipfel des Hirschbergs

…und dem Hündchen eine Zwischenmahlzeit unter den Tisch gereicht.

Man selbst mümmle heimlich die mitgebrachte Brotzeit, und zwar am besten auch gleich unterm Tisch, aber der unfreundliche Wirt wird’s eh sehen und von drinnen mit dem Zeigefinger fuchtelnd mahnen. Und wenn er grad da herin so gar nix zum doa hod, kimmt er a no aussi und grantelt umanand.

Tipp: Sagen Sie dann, Sie wären mindestens Diabetiker, besser noch: Diabetiker mit Histaminintoleranz und/oder Laktose- und Gluten-Unverträglichkeit, dann hält der Wirt sei Goschn und Sie für einen dieser depperten Städter, die wo moana, dass sie nix Normales mehr fressn kenna, und begnügt sich damit, dass Sie da herobn nur eine 4,30€ (!) teure Weiße konsumiert haben und leider, leider wega da Gsundheit Abstand von den diversen (gruseligen) Gerichten aus seiner Hüttenküche nehmen mussten (!), weil Ihr Arzt das nunmal so angeordnet hat – und schon können Sie entspannt in Ihr Käsebrot beißen und die Cocktailtomaten aus der Box holen.

Steigen Sie danach via Bolzeck wieder nach Kreuth hinab…

…und lassen Sie den Tag nach Möglichkeit im Gasthaus zum Hirschberg oder beim Hagn-Wirt in Kreuth ausklingen, die Seele baumelt dort erfahrungsgemäß vortrefflich vor sich hin.

Das Dackelfräulein und ich fahren freilich weiter nach Rottach zum Papa, bei dem wir eine Dusche, ein Abendessen und eine Hopf-Weiße bekommen.

Dort strecken wir die Haxn aus, denen der heutige Marsch hoffentlich die leichte Schwere der anstrengenden Gratquerung von vor ein paar Tagen genommen hat.

Aber der wahre Grund der heutigen Tour ist sowieso der Papa und der etwas irrationale Drang, dass man einander vor der Abreise nach Südtirol nochmal sehen sollte, was totaler Schmarrn ist, da wir uns ja sonst auch oft wochenlang nicht sehen (und dass man dann statt der üblichen 70km die vierfache Strecke voneinander entfernt ist, ändert ja rational betrachtet rein gar nichts).

Heut in einem Monat wird er 75 und je höher die Zahl hinter der 7 wird, desto irrationaler wird’s bei mir.

Übrigens: der dritte Freitag in Folge, den wir am Tegernsee verbringen, was ich jetzt allerdings nicht mit der Reise nach Südtirol begründen möchte und auch nicht mit dem Papa oder seinem Alter oder Zustand, weil das glatt geflunkert wäre.

Es ist nämlich wirklich schön hier. Vor allem wochentags. Und erst recht, wenn’s der letzte Bergsommertag ist.

Von den blauen Bergen kommen wir.

Auf dem Blaubergkamm mit Blick Richtung Achensee.

Kennt noch irgendwer dieses Lied? Heute fiel es mir plötzlich beim Abstieg von der Königsalm ein. Leider bekam ich nur anderthalb Strophen hin, den Rest summte ich so vor mich hin. Zuletzt hab ich es mit dem Papa gesungen, das dürfte nun fast vier Jahrzehnte her sein…

Das Dackelfräulein und ich waren heute in den Blaubergen unterwegs. Die Königsalm war unsere letzte Raststation vor dem Endspurt ins Tegernseer Tal.

Was für eine Rundtour: Kreuth – Wildbad Kreuth – Siebenhütten – Große Wolfsschlucht – Blaubergkamm – Schildenstein – Königsalm – Goaßalm – Wildbad Kreuth – Kreuth (und danach noch weiter zum Papa an den Tegernsee). 15 km – 830 Hm – 4,5 Std Gehzeit – 3 Pausen – 3 Liter getrunken – gut 6 Std unterwegs.

Alles ja noch im üblichen Rahmen soweit, aber was neu – wirklich komplett neu! – war heute: die konkrete Erfahrung, ja geradezu das spürbare Be_greifen!, des Unterschieds zwischen „Trittsicherheit“ und „absoluter Trittsicherheit“. Letztere brettlbreit auf den Schildern gefordert, bevor’s dann so richtig in die Höhe ging.

Nach der Wolfsschlucht und etlichen Abkühlungen im Bachbett also in schrofigem Gelände steil bergauf gekraxelt – mehrere lange, drahtseilgesichterte Passagen waren zu bewältigen. Wir haben ja schon viele alpine Situationen zusammen gemeistert, aber noch nie derartige Kletterpartien!

Stehenbleiben, „Sitz und warte!“ für Pippa, Rucksack runter, Stöcke zusammengeklappt und verstaut, Rucksack rauf, Dackel unter den rechten Arm geklemmt, höchste Konzentration, linke Hand ans Drahtseil – und los. Schritt für Schritt nach oben. Zwischendrin kleine Pausen, Dackel mitten im Fels abgesetzt, „Sitz und warte!“, Durchschnaufen, Dackel wieder hochgehoben und weiter. Unterwegs Entgegenkommende, die nach Angstschweiß mieften und jammerten so gut es ging ignoriert, vor allem das aufgescheuchte Gerede („Oh Gott, Horst, schau nur, die Frau trägt einen Hund und einen Rucksack hier rauf, und ich sterbe bereits ohne jedes Gepäck!“). Natürlich auch noch Schwaben, die sind ja immer und überall.

Eine Stunde später sind wir oben, also zumindest fast.

Das Tolle an dieser etwas unerwartet herausfordernden Aktion: sie beschert einem Momente, die an Intensität kaum zu übertreffen sind. Mein Hundemädchen und ich, ganz und gar eine Einheit, 100% Vertrauen, hinter uns geht’s quasi in Falllinie runter in eine tiefe Schlucht, kein Gezappel, weder von ihr noch von mir, wir hecheln zwar beide, sind aber zugleich die Ruhe selbst, alles klappt dank absoluter Trittsicherheit, die ich mir neulich schon absprechen wollte (frisch gealtert, Knie-OP 2013 immer noch spürend, kaputten Ellbogen dazu, nachlassende Sehkraft etc.), ganz wunderbar.

Nach drei solchen Passagen stehen wir dann oben auf dem Blaubergkamm, links geht’s zur Halserspitz und zum Guffert, rechts zum Schildenstein, unserem heutigen Ziel.

Ich küsse Pippa mitten auf die Nase und sage ihr, wie stolz ich auf sie bin und dass sie der tollste Hund der Welt ist – und setze sie in die Almwiese unterhalb des Kamms. Sie saust zum nächstbesten dampfenden Kuhfladen und beißt hinein. Ich schimpfe sie ein Riesenferkel und drohe ihr übelst mit Futter- und Liebesentzug, sie wieselt unbeirrt und fröhlich weiter bergauf.

Und als wir wenig später zu zweit und ohne eine Menschenseele da oben auf dem Schildenstein sitzen, da sind wir über jeden Kuhfladen erhaben und aufs Innigste verbunden, und ich kann mir ein, zwei Tränchen nicht verkneifen, weil ich so dankbar bin, hier mit ihr zu sitzen und überhaupt: diesen mutigen, kleinen, wunderbaren Hund an meiner Seite zu wissen und mich an ihrer.

Nur Weniges im Leben hat mich je glücklicher gemacht.