Alpine Abend-Meditation in Weiß.

Für die Puristen unter Ihnen ein paar Impressionen:

Für die Cineasten unter Ihnen ein Vierteiler:

1. Hinauf

2. Hinein

3. Hin & weg

4. Hinab

ad 1.) Hinweis für besorgte Tier- und Naturfreunde: Was Sie dort hören ist weder ein asthmatischer Schneekauz noch der raue Bergwind in den sturmgebeutelten Fichten, sondern bloß das Geräusch eines dem Hund hinterhechelnden Menschen.

ad 3.) Hinweis für besorgte Pädagogen: Ja genau, wenigstens Sie hören richtig! 8 Jahre Erziehungsarbeit – und der Köter macht immer noch oft genug, was er will, wo er will und so lange er will.

Für diejenigen von Ihnen, denen das Wort lieber ist als das Bild:

Vier Stunden tolle Winter-Bergtour (auf teils selbstgespurten Pfaden), kaum was los wegen des Mistwetters (Dauerschneefall im Tegernseer Tal), das Dackelfräulein so ausgelassen und flott voraus wie lang nicht mehr (und anderthalb teckeltief im Pulverschnee versunken), die Hütte offen und ein kuschlig warmer Platz am Ofen (und halbe Portionen machen sie einem dort auch), äußerst nette Gesellschaft (aus der Steiermark) und sehr viel Ruhe (und die G. weit weg, drunten im Tal).

Kann man jetzt nicht meckern. Endlich mal wieder ein wirklich guter Tag.
Und wer hätte das gedacht, dass der Winter zum Abschied nochmal so gekonnt salutiert!

Mit besonders herzlichen Grüßen an D., die mir heut in München die Baustellen-Kontrolle und das Blumengießen abgenommen und mir die Fahrt erspart hat sowie an B., für die ich heut extra viele Fliegende-Öhrchen-Filme gedreht habe 😉 & Ihnen allen ein erfreuliches restliches Wochenende!

Fräulein Pippas Gespür für Gemütlichkeit.

Frau Kraulquappes seltsamer Durst & Flaschenwärmer.

Himmel der Bayern (73): Der Blick aus dem Fenster und das Wort zum Samstag.

Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist (was ja für vieles gilt, und eben auch für den Winter):

Der Wallberg versteckt sich heute hinter einem dichten Schneevorhang, der Star sucht im Garten verzweifelt nach Frühstück…

… und das Wort zum Samstag schickt Ihnen heute das Dackelfräulein, das sich eh viel besser kurz fassen kann als ich und den Sachverhalt trotzdem manchmal sogar besser auf den Punkt bringt:

Song des Tages (47).

Gestern noch ziemlicher Trubel in der Wohnung: Lolek und Bolek sind auf die ersten gravierenderen Probleme gestoßen (ich erspare Ihnen die Details). Weder Franek noch Miroslav, die flugs hinzugezogen werden, können wirklich helfen. Also ein bisserl umdisponieren hier und dort, den Vermieter anrufen, den Hausmeister verständigen usw.
Wurscht. So ist Handwerk, das ist Baustelle. Ich hatte damit gerechnet.
Als ich mich vom Acker mache, hat Lolek wieder alles im Griff.

Punkt 17 Uhr sitze ich in einem Ledersessel, lasse mir von einem coolen, langhaarigen Kerl den Kopf kraulen und eine Stunde später steige ich mit dem frisch gekürzten Kurzhaarschnitt todmüde ins Auto (drei Nächte in Folge beschissen geschlafen), 52 Minuten drauf lasse ich mich beim Papa in den nächsten Ledersessel fallen (und die Lebensgefährtin dröhnt in meinen Ohren).
Früh zu Bett, weil fix und fertig, und wirklich jedes Geräusch zu laut.

Erster Morgenblick aus dem Fenster: Neuschnee.
Nicht nur oben auf dem Wallberg, sondern auch unten im Garten. Toll!
Leider wieder schlecht geschlafen, daher doch nicht ganz so toll, der Schnee. Auf dem Weg zum Bäcker (beste Landbrezen ever!) fast auf die Fresse gefallen und das lag nicht etwa am Hund, der an der Leine gezerrt hätte, denn der Hund zerrt beim Morgengassi nur in eine Richtung: heimwärts, wo der Napf steht.
Ich bin einfach unausgeschlafen, gerädert, auch nervlich ein bisserl derangiert und daher wacklig auf den Beinen.

Vormittags alles ausgepackt, mich eingerichtet, fürs Abendessen eingekauft, alle Geräte mit dem WLAN verbunden, dem Papa am PC geholfen (heute: „Wie stornier‘ ich eine Bestellung bei Amazon“ und „Wie geht das mit den neuen QR-Codes beim Online-Banking“). Schwupps ist der Vormittag rum, die türkische Zugehfrau schellt an der Tür und traut sich kaum ins Haus rein, weil ein Dackelfräulein freudig wedelnd im Flur steht.
Ich flüchte. Ist sowieso Zeit für die Hunderunde.

Rüber nach Kreuth, wo’s ollawei an Schnee hod, mehr als in den see-nahen Orten des Tegernseer Tals, die Stiefel geschnürt und los. Die momentan hormongebeutelte, streckenweise lethargische Hundemadame taut plötzlich auf, hat Lust zu hüpfen und zu graben (doch, Schnee ist schon was Tolles!) und ist sogar zu kleinen Spielchen aufgelegt.

Reiße ich mich also zusammen, dem Hund zuliebe, und mache aus der mittellangen doch eine große Runde, gute zehn Kilometer werden’s (und danach hat man wenigstens allen Grund, sich wieder hinzulegen, ein Stünderl wenigstens, bis man wieder aufsteht und die ganze Familie bekocht, so zum Auftakt und Dank für die Zeit des Asyls).

Unterwegs im Schnee und bei guter Luft endlich zur Ruhe und auch mal wieder zum Denken (einem, das über den Fliesenrand hinausgeht) gekommen, und als wir das Schild nach Siebenhütten passieren, spontan auch zum Dichten.

Manchmal betrittst die Wohnung lieber ohne Blick
Manchmal wünschst dir nur ein ruhig’s Zuhaus‘ zum Glück
Manchmal bricht des Nachbarn Rohr im Nu
Manchmal gießt s’Schicksal dir die Bude völlig zu

Manchmal fühlst dich alt und manchmal greis
Manchmal weißt auch kaum mehr wie du heißt
Meistens bist sogar schon mittags müd
Doch dann fährst du los mit deinem Jeep

Hoch nach Siebenhütten musst du gehn
Sieben dunkle Wochen übersteh’n
Siebzig Jahre lang wirst Mieter sein
Drunt in Minga kriagst koa Eigenheim

Und hier haben Sie den Ton dazu, nicht den Originalton, sondern den vom bayrisch-rumänischen Bruce-Springsteen-Pseudo-Plagiat:

Nach Siebenhütten noch ein Stück Richtung Schildenstein und Halserspitz hinauf, aber ohne Stöcke und Grödeln alsbald vernünftigerweise umgedreht und wieder hinab, an der Herzoglichen Fischzucht vorbei und hinüber nach Wildbad Kreuth.

Unterwegs begegnet einem die Herzogin höchstselbst in Begleitung ihres Jagdteckels (beide in den gleichen Loden gehüllt, beide dennoch eher von zerrupfter Optik), der Rüde verliebt sich sofort ins Fräulein, aber das will lieber den edlen Gebirgsschweißhund im nahegelegenen Gasthaus besuchen und vor lauter Schneegestapfe ist ihr der dann plötzlich auch einerlei (nicht so umgekehrt).

Erst als ich die Speisekarte zuklappe, check‘ ich das plötzlich, wo ich hier eigentlich gelandet bin, und dass es ja kaum einen passenderen Platz geben könnte für einen herzoglich-nachmittäglichen Windbeutel, der die gebeutelte Person, die ihn bestellt, also mich!, wieder aufpäppelt, während Lolek daheim in München die marode Sanitärzelle umbaut.

So begibt man sich vielleicht unbewusst auf genau jene Wege und an jene Orte, die das Alte abzuschließen helfen, es unter einer dicken SahneSchneeschicht begraben und den Blick aufs Neue, Kommende, Zukünftige freimachen.

Vom Ausziehen.

Die letzten Tage in der Wohnung fühlen sich an wie Umzug – nur ohne Umzug. Ich leide trotzdem, beiße aber die Zähne zusammen und versuche, nach vorn zu schauen und nicht auf die zerlegten Regale, die zusammengerollten Teppiche, die abgedeckten Sideboards, die abgehängten Bilder.

Einige Zimmer sind komplett leergeräumt, andere mit Kisten und Möbeln vollgestellt, es sieht aus wie kurz vor einer Übersiedelung.
Im Flur nur noch ein paar verwaiste Nägel in den Wänden, die einen anstarren und zu fragen scheinen: Und was nun?

Tja, was nun?
Listen abhaken, ‚zig Sachen zurechtlegen, Klappkisten befüllen, Auto beladen. Blumenversorgung planen, Zeitung abbestellen, Kühlschrank leerfuttern. Letzte Wäsche waschen, Müll entsorgen, den Nachbarn Servus sagen.
Fühlt sich an wie Urlaub – nur ohne Urlaub. Denn Anlass des Verreisens sind ja die morgen beginnenden Sanierungs- und Bauarbeiten hier daheim, und das Reiseziel ist nur der Dachboden in dem Papa seiner Lebensgefährtin ihrem Haus (um mal wieder einen Genitiv zu bemühen, der die innere Verfassung recht treffend widerspiegelt).

Am Samstagmittag unterbreche ich das Gewerkel für ein paar Stunden, weil D. mich zu einer Gassirunde abholt. Eine Unternehmung, die quasi unter Praxiseinheit läuft, innerhalb des noch eher neuen Konzepts in meinem Leben, das da lautet: nicht mehr Durchrödeln an solchen Großkampf- und Erledigungstagen, lieber schon ein oder zwei Tage eher loslegen und dafür nicht mehr dieses Dauergerödel von morgens bis abends. Klappt gelegentlich schon ganz gut.

Es ist mild draußen. So mild, dass wir bei der großen Tour durch den Westpark, in dem es überall zu knopsen und zu sprießen beginnt, spontan ins Café „Gans am Wasser“ einkehren – das dortige Badewannenbankerl ist frei!

Erfrischt und erholt nachhause gekommen, noch schnell das Bad ausgeräumt, zu Abend gegessen und nach dem Abwasch die ellenlange Samstags-Liste gegen eine erfreulich kurze Sonntags-Liste ausgetauscht.

Unseren letzten gemeinsamen Abend zuhause verbringen wir damit, die leeren Räume mit den Stimmzetteln zur Kommunalwahl am 15. März auszulegen.
Gerade noch rechtzeitig vor dem Auswandern sind nämlich die Briefwahlunterlagen eingetroffen. Wir sind froh, ausnahmsweise mal zuhause mit diesen Ungetümen hantieren zu dürfen, denn an diesen kleinen Schultischchen, die üblicherweise in den Wahllokalen stehen, hätte man zumindest den Stimmzettel für die Stadtratskandidaten niemals so schön übersichtlich auffalten können wie in einer leeren 14m²-Diele.

Und es ist eh gut, etwas Ruhe und Raum zu haben, um seine Wahlentscheidung zu treffen, angesichts der Kandidatenvielfalt sollte das keinesfalls übers Knie gebrochen werden, schon gar nicht aus Platznot. Es dauert ein wenig, bis wir auf dem leintuchgroßen Stimmzettel unseren seit der morgendlichen Zeitungslektüre zum Favoriten erklärten Kandidaten finden können:

(aus: Süddeutsche Zeitung, Ausgabe vom 29.02.2020)

Dem muss inhaltlich erstmal einer das Wasser reichen können!
Aber nicht auszuschließen, dass noch wer auf die Idee kommt, den Verlauf des Oberjägermeisterbachs im Englischen Garten einer Dachshundsilhouette anzupassen oder den Eichenlaubkranz, den die Bavaria in der Hand hält durch einen Maßkrug zu ersetzen.

Wir werden die Entwicklungen vom Tegernseer Exil aus im Auge behalten, wo wir uns unter die letzten Schneemänner der Saison mischen.

Ihnen einen guten Start in den März & bis die Tage!

Ein Gesicht wie eine topografische Karte vom Steinernen Meer…

Foto: Stefan Kümmritz

…und eine Stimme, knarzig und verschrammelt wie ein alter Bauernschrank, eher: wie eine alte Bauernkommode, denn das richtig Tiefe und das ganz große Volumen, das hatte er ja stimmlich nie.

Wurscht. Toller Typ, klasse Konzert!
Ein unverwüstlicher Haudegen, dieser Söllner, phantastische Präsenz, wunderbarer Dialekt (oana, der wo goa ned anders ko, selbst wenn er woin dad!), nach wie vor gradraus in Sachen Meinungsäußerung, so abgründig und charmant im Humor – möge es seiner Kandidatur zum OB von Bad Reichenhall zuträglich sein.

Schaut auch immer noch fesch aus, seit er seine Dreads für 800 Öcken bei eBay verscherbelt hat, eigentlich noch viel fescher als früher, finde ich, oder ist’s etwa wieder mal dieser weibliche Blick, irgendwo zwischen Verklärung und Verblendung oszillierend, mit dem man früher, als man bzw. frau noch keine Ahnung hatte von der Realität längeren Zusammenlebens und der wahren Bedeutung des Wortes Alltag, sich solche Burschen nicht nur betrachtet, sondern sich manchmal auch so einen gewünscht hat: gelernter Koch und Kfz-Mechaniker (fehlt ja nur noch die Drittausbildung zum Physio) und zugleich Musiker, eine saftige Prise Wilderer und Rebell obendrauf, bodenständig, heimatverbunden, clever, engagiert, gewitzt, furchtlos, lange Haare, kerniger Bart, halt ein Kerl, der am Ufer vom Thumsee, die Fluppe lässig im Mundwinkel hängend und mit hochgekrempelten Ärmeln, beim Holzhacken, der Bootsreparatur oder dem Gitarrenspiel anzutreffen ist, bevor er sich dann die Arbeiterhände kurz an der abgewetzten Jeans abklopft und einen die paar Stufen auf die Veranda der kleinen Hütte am See hinaufträgt und dort in eine jamaikafarbene Hängematte hineingleiten lässt, die bei jeder Schaukelbewegung leicht gegen den großen Terracottatopf dotzt, Sie wissen schon, den mit dem Marihuana-Bäumchen drin, im Hintergrund leuchtet die Abendsonne oder die Bergkulisse oder beides – und fertig war das Traumbild von einem Leben, wie man dachte, dass es doch unbedingt sein sollte oder könnte: einfach, authentisch, unkompliziert, pur, geerdet, wild, romantisch, naturnah.
Vieles davon rosarote Jungmädchenträume und naiver Schmarrn aus Teenietagen, nicht alles, schon klar, aber halt doch das Meiste, zumindest wenn man – so wie ich – im Laufe der Jahrzehnte erkennen musste, dass man doch eher der Typ Frau geworden ist, der eine regelmäßig staubbefreite Wohnung, einen Toaster mit integrierter Krümelschublade und ein Auto mit Sitzheizung zu schätzen weiß – alles nicht wirklich Inbegriffe der Simplizität, Naturnähe oder Wildheit.

Äh, wo waren wir gleich nochmal stehengeblieben? Richtig. Beim heutigen Abend. In Bad Tölz. Im Kurhaus. Etwas ungewohnte Location zwar, aber altersmäßig kein Schaden (was für den Künstler und den Großteil der Besucher gleichermaßen galt), so ein Sitzabend im Kursaal des hübschen Isarstädtchens (ich sag’s ungern, aber mir steckt der Abstieg von letzter Woche immer noch ein wenig in den Knochen, auch 1x Schwimmen und 1x Genusswandern konnten das nicht ganz wegzaubern).

Jetzt aber mal fix des Noagerl austrinken und los hier. Gemütlich (und mit eingeschalteter Sitzheizung!) über die nächtlichen Hügel und Dörfer des nebligen Oberlands heimwärts fahren, bzw. zum Papa an den Tegernsee, wo das Dackelfräulein heute Abend be- und gehütet wurde, was mittlerweile so ausschaut, dass die beiden einfach vier Stunden gemeinsam im Sessel fläzen und fernsehen und zwischendurch allenfalls mal in die Küche schlurfen.

Dort, beim Papa, schon vor der Fahrt zum Söllner-Konzert einen recht schönen Nachmittag und Abend verbracht.

Als das Fräulein und ich von der verschneiten Schwarztennalm runterkamen, war seine Lebensgefährtin bereits zum Tennis und dann zur Canastarunde ausgeflogen, also herrliche Ruhe im Salon, und nicht, wie beim letzten Mal, solch haarsträubende Dispute, wieso man keine Eier aus Bodenhaltung kaufen sollte und was industrielle Milchproduktion für die Kuh bedeutet (und was das wiederum für den Verbraucher bedeuten sollte, wenn er denn nicht wegschauen möchte).
Diese Stunden zu zweit mit ihm, die sind ebenso selten wie kostbar geworden.

Mit einem Liebeslied, das heut Abend Teil des Programms war, verabschiede ich mich aus dem zapfigen Tölzer Land von Euch…

…wünsche allseits eine gute Nacht und, denkt’s dran: liebt euch!

Und wenn’s grad nix von Liebe hören wollt’s, dann pfeift’s euch doch diesen Klassiker hier rein, noch im ursprünglichen Look dargeboten:

Nachträglich…

…alles Gute zum gestrigen Welthundetag, meine geliebte Pippa, und ich hoffe, es ist mir gelungen, die gestern buchstäblich ins Wasser gefallene Würdigung dieses wichtigen Feiertages wie versprochen heute angemessen nachgeholt zu haben.

Endlich wieder Sonnenschein, dazu eine kleine Bergtour ganz nach deinem Geschmack, also ohne Forststraßen und mit vielen schmalen Steigen sowie Pfotenkühlen im Schwarzenbach. Auf der Tegernseer Hütte dann eine Extraportion Futter für dich und anschließend noch ein ausgiebiger Besuch bei deinem Opi.

Zwei Täler weiter ist heute dein großer Freund Bobby angereist, damit du ihn endlich wiedersehen kannst. Und morgen darfst du zum Mantrailing-Schnupperkurs.

Zufrieden? Es sah zumindest ganz danach aus!

Weibaleitdog oder: Be happy.

Freitag. Frauentag im Kreuther Tal.
Das Fräulein und ich auf der Halserspitz, der Königsalm und danach in der Weißach. Mal wieder ganz ohne beruflichen Blick auf irgendwas, einfach nur gehen und gucken, keine Notiz, zu nichts, kein beim Gehen im Geiste verfasster Absatz zu einem Wegstück oder einer Beobachtung. Nur wir, der Berg und die Sonne.

Naja, nicht ganz. Wir gerieten etwas unerwartet mitten in den Almauftrieb, der dieses Jahr im Kreuther Tal so spät stattfand wie schon lang nicht mehr.
Überall Kühe, nicht ideal, wenn man mit Hund da durchmarschiert. Zumal die Kühe, wie ich gestern erleben durfte, ihren ersten Freilauf auf der Weide mit wilden Hüpfern und Sprüngen feierten – das verstört dann sogar den kuhgewohntesten Hund.
Also doch den Weg genommen, der als „gesperrt“ markiert war, wegen diverser Winter- und Sturmschäden. Klaro: vorher nachgefragt, ob man das riskieren dürfe, aber wenn der Almwirt meint, wir schaffen das, wenn wir trittsicher sind und über ein paar umgefallene Bäume klettern können, dann schaffen wir das auch).

Das Dackelfräulein liebt waldige Berghänge, Kraxeln über umgefallene Bäume und schmale Nebenpfade – und ich liebe es, wenn der Hund glücklich ist.
Auf den sonnigen Strecken weiter oben hechelt sie dann sehr und ich auch und ich sage zu ihr: „Mäuschen, wir sind nicht mehr die Jüngsten, mach langsam!“, was sie sogar beherzigt.
Hieve sie in jede Viehtränke (wirklich wie gemacht für die Dackelstatur, diese Wannen), hieve unseren Proviant den Berg hoch (der Rucksack, halb so voll wie bei den Wintertouren, kommt mir doppelt so schwer vor). Auf der Alm fast eingeschlafen, trotz Kaffee.
Demnächst, so denke ich dort im Schatten vor mich hin dösend, gibt’s hier im Blog mal einen Beitrag über Tabuthemen. Es ist zum Beispiel eine Schande, dass kaum jemand weiß, was Endometriose ist und was das im Alltag bedeutet. Und ebenso, dass über manche Symptome der Wechseljahre nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird.

Anschließend in Rottach-Egern im Garten des Papas die Füße hochgelegt (korrekt müsste es heißen: im Garten der Lebensgefährtin des Papas, denn er ist dort „nur“ Mitbewohner und ich somit keine Haus-am-Tegernsee-Erbin in spe, leider).
Ersten Aperol des Jahres serviert bekommen. Erstes Grillen in diesem Sommer genossen. Erstmals bis spätabends draußen gesessen.
Fräulein Hund hellauf begeistert von all den Gerüchen und Gaben und noch heller aufgeregt vom Kurzbesuch der Nachbarskatze. So ist das auf dem Land.

Wie oft wir wohl noch genau so dasitzen werden?, frage ich mich. Das frage ich mich schon lange und bei jedem Besuch. Eine unnütze Frage, und doch nicht abzuklemmen in diesem Hirn, das ständig vor sich hindenkt.

Der Papa und seine Lebensgefährtin zanken jetzt öfter als früher. Wenn im Alter alles immer beschwerlicher wird, sind manche Klüfte offenbar schwerer durch Humor oder Toleranz zu überbrücken.
Ihn nervt, dass sie so viel vergisst/verlegt/verdreht und sie nervt sein immer kleiner werdender Radius und sein immer größer werdendes Bedürfnis nach Struktur.
Ich sage es den beiden im Laufe des Abends, dass sie mittlerweile arg viel herumkeifen und dass sie doch froh sein sollen, dass jeder von ihnen noch Dinge kann, die der andere schon nicht mehr kann. Weil sich das doch immerhin ergänzt. Der Papa lächelt fast beschämt, die Lebensgefährtin guckt auf ihren Buchsbaum und ich bin nicht sicher, ob sie’s überhaupt gehört hat.

Spätnachts nachhause gefahren. Herrliche Fahrt durch die Sommernacht. Telefonat mit dem Gatten, der auf einer Theologen-Tagung weilt, seinen Vortrag hinter sich gebracht und sich auf sein protestantisch-asketisches Zimmerchen zurückgezogen hat, auf dem es eine Bibel, aber keinen vernünftigen Internetempfang gibt.

Nach nur 51 Minuten die Ludwigsvorstadt erreicht.
Daheim Ankommen nach so einem Tag ist ein etwas größerer Akt.
Erst fahre ich in den Hinterhof, dort halte ich vor dem Garagentor an. Dann steige ich aus, schließe das Tor auf, hole mein Rad aus der Garage, schiebe es zur Seite, befestige die Flügeltüren des Garagentores. Danach klappe ich den rechten Außenspiegel ein, hole das Dackelfräulein aus dem Auto, binde sie an einem Dachrinnenabflussrohr im Hinterhof an. Öffne den Kofferraum, hole das ganze Glump des Tages heraus, stelle es neben dem Hund ab. Steige wieder ein, lasse den Motor an, fahre das Auto vorsichtig in die enge, miserabel ausgeleuchtete Garage (in den 1950er Jahren hat keiner damit gerechnet, dass die Menschen 70 Jahre später mal viel breitere Autos fahren würden).
Ein Moment höchster Konzentration, jedesmal. Vor allem das mit dem Außenspiegel sollte man nicht vergessen!
Aussteigen, Rad vors Heck schieben, Garage absperren, Sachen schultern, Hundeleine aus der Öse am Dachrinnenabflussrohr ausfädeln und ums Handgelenk legen.
So bepackt nochmal kurz vors Haus schlurfen, damit der Hund sein Nachtpipi auf dem Grünstreifen machen kann – und dann mit einer ziemlichen Verrenkung den Schlüssel aus der Hosentasche fummeln, die Haustür aufsperren und mit Hund und Gepäck zum Aufzug gehen.

Oben angekommen eine große nächtliche Freude vor der Tür: die Expresslieferung von Freund T. aus Z. ist eingetroffen. Das neue Springsteen-Album liegt endlich auf der Fußmatte, mit einem Tag Verspätung.
Ich mache einen Knicks, aus Dankbarkeit – und um es aufzuheben.

Und nun verabschieden wir uns in eine kleine Klausur: Ein Auftrag muss dringend fertig werden, eine Planung vollends abgeschlossen sowie ein paar andere Baustellen endlich zuende gebracht werden.

Aber wenn Sie mal ganz ehrlich sind, haben Sie ja fürs Erste eh genug Sommer-, See-, Dackel- und Bayernhimmel-Fotos gesehen, nicht wahr?

Be happy & bis bald –
Ihre Kraulquappe.

Kneippen in Kreuth.

Die auf dem Berg heißgelaufenen Pfoten kühlen.

Ein Wasservideo mit Elementen aus der Schnorchelkunde und der Gehmeditation.

Und nun zum Papa, Grillen im Garten. Schmeckt wie Urlaub.

Impfmüdigkeit.

Großer morgendlicher Arzttermin in Oberhaching, inklusive Jahresimpfung.

Es ist alles bestens: das kleine Dackelherz pumperlgesund, die momentane Scheinträchtigkeit in unbedenklicher Ausprägung, Beweglichkeit und Gewicht top, die Bisswunde ordentlich verheilt, der Zahnstatus viel besser als gedacht, wir erhalten sogar ein Lob für die gut gepflegten Beißerchen.

Bis auf einen kurzen Piekser kann also nichts weh tun, trotzdem zittert das Tier die gesamte Dreiviertelstunde über wie Espenlaub.

Hernach, weil man ja eh schon so nah an der A8 ist, gleich weiter gen Süden, ins Tegernseer Tal, den geräderten Hund bei einer Wanderung an der Weißach auf andere Gedanken bringen.

Aber das Fräulein hat heute nicht ihren sportlichsten Tag. Sie mag nicht. Gar nicht.

Weder Schwimmen noch Sausen noch Springen. Macht nichts. Bleibt sie halt mal innerhalb des Laubfroschradius‘.

Weltrekorde im Weitsprung sind ja eh allein schon wegen ihrer Seltenheit eine Rarität – wie es ein Sportjournalist mal so treffend sagte.

Die 9 km bis zum Alten Bad waren dann heut das absolute Maximum und nun betonieren wir die allgemeine Hormonlage einfach mit ein paar Kalorien zu und lassen uns später vom Papa abholen und zurückkutschieren, denn an Zurücklaufen ist nicht zu denken.

Frohe Ostern allerseits & dieses Gasthaus sei Ihnen streuselkuchentechnisch sehr ans Herz gelegt, sollten Sie mal in der Gegend sein – und die CSU tagt ja kaum noch hier, so dass nur die etwas aufdringliche Bracke vom Wirt ein bisserl stört.

Kängurumutter im Tiefschnee oder: Wozu ein bewegtes 2018 gut war.

2018 ist nun vorbei und fertig archiviert. „Zahltag“ ist ja immer der 31.12., jener Tag, an dem man sich als Hundebesitzer irgendwohin verkriecht, wo Ruhe herrscht und einem keine 500 Öcken pro Nase (oder mehr) für irgendeinen zwei- bis dreitägigen Jahreswechselvollfressverwöhnpensionbespaßungszinnober abgeknöpft werden.

Nicht einfach, da was zu finden für nur eine Nacht, vor allem wenn man erst kurz vor Weihnachten zu suchen beginnt.

In der niederbayerischen Einöde zwischen Deggendorf, Plattling und Isarmündung bot uns ein Gutshof noch einen bezahlbaren Unterschlupf für die anstehende Hundehorrornacht. Das Landgut ist wohl sonst eine Location für Hochzeiten, aber bei 4 Grad und Pissregen am Silvestertag kaum frequentiert. Also auch keine Rüden weit und breit. Stattdessen Matsch und Grau so weit das Auge reicht – und es reichte kaum bis Deggendorf hinüber und die dahinter beginnenden Hügel des Bayerischen Waldes konnte man auch nur mit viel Fantasie aus den Formationen der Regenwolken imaginieren.

Das große Doppelzimmer in jagdlicher Optik gestaltet und mit ebensolchem Interieur versehen, was dem kleinen Jagdhundfräulein freilich bestens zu Gesichte stand, aber auch meinem verregneten Gemüt taten die Wände in hoffnungsfrohem Grün (ein mittleres Dunkelgrün, so dass es auch nicht zu aufdringlich und heiterkeitsheischend daherkam) recht gut.

Zahltag also. In der niederbayerischen Einöde ein bisserl Bilanzieren (= alten Kalender durchblättern, neuen Kalender beginnen, maßvoll Reflektieren, keine Vorsätze notieren, wohl aber ein paar Nachsätze zu diesem doch insgesamt sehr speziellen Jahr, das sich nun bucklig seinem Ende zuneigte), an den Kachelofen gelehnt, im Teeglas rührend und mit dem Herrn Jesu im Gnack, wie sich das auf dem Land so gehört. Aus den Lautsprechern der Bibliothek ertönt „Sempre, sempre“, wird alsbald von Austropop abgelöst, und weil wenig später Costa Cordalis die Stimme erheben will, wird schließlich alles von einem Fausthieb des Gatten erlöst (dieses Satzende fügt sich auf einem Gutshof, der lange ein Jagdsitz war, gefälliger in den Text als: „Wir ersuchten die Bedienung höflichst, das unsägliche Radio abzuschalten.“).

2018.
92x geschwommen, 35x Berge erklommen, 41x gelaufen im Wald/Park, 204x große Spazierrunden mit dem Dackelfräulein absolviert, insgesamt 1972 km per pedes (im Wasser: ca. 150 km) fortbewegt.
Nicht, dass ich das wirklich so exakt errechnen könnte, aber als beim groben Überschlagen der Wegstrecken 1.970 km rauskamen, hab‘ ich einfach noch 2 dazugegeben, um bei meinem Geburtsjahr zu landen.

Ist das jetzt viel oder wenig?
Keine Ahnung. Es hat mir jedenfalls gut getan.

Und am dritten Tag des neuen Jahres offenbarte sich mir dann auch, wozu all der Sport, all die Bewegung, all die gelaufenen, hinauf- und hinabgestiegenen Kilometer gut waren. Wozu der wohltrainierte Arm- und Beinschlag beim Kraulen in Wahrheit dienen sollte. Worauf das alles abzielte und hinauslief.

Auf einen Einsatz als Kängurumutter im Tiefschnee.

Denn wenn Sie da nicht einigermaßen im Training sind, keine Kraft in Armen und Beinen haben oder zu wenig Übung oder Kondition im Berggelände – dann können Sie das knicken. Dann versagen Sie nämlich als Kängurumutter im Tiefschnee kläglich!

Heut‘ Nacht hat’s dick geschneit im Voralpenland. Das Kreuther Tal, gleich hinterm Tegernsee gelegen, ist ohnehin ein Schneeloch, ein Kälteloch ebenso.
Wir (viel zu spät und viel zu wetteroptimistisch) hinauf Richtung Roß- und Buchstein, unterwegs setzt erneuter Schneefall ein, man muss die Grödel aufziehen, damit man im steileren Gelände nicht abrutscht. Der Gatte, früher zwar mal Gebirgsjäger, aber heutzutage mehr Tagungsjäger, ist an seinem ersten Urlaubstag seit Monaten nicht wirklich begeistert von diesen Strapazen, schlägt sich aber wacker. Am wackersten schlägt sich allerdings das Dackelfräulein: immer drei Schneepfluglängen voraus, trotz der kurzen Beinchen, unterwegs noch ein paar Tannenzapfen unter der Schneedecke ausbuddelnd, um den Zweibeinern mit lustigen Spielangeboten noch zusätzlich einzuheizen, obwohl der Schweiß eh schon rinnt. Ein Bollwerk an Ausdauer, an Lebens- und Bewegungsfreude sowieso. Irgendwann ist die Hütte erreicht, zu dritt sitzen wir auf der Bank, bei Heißgetränken und Kalorien, die uns für den Abstieg präparieren sollen.

Draußen schneit’s mittlerweile wie blöd. Der Zustiegsweg kaum noch zu erkennen. Um noch vor Anbruch der Dunkelheit wieder hinunter zu kommen, muss die Pause in der Hüttenwärme kurz gehalten werden: Umziehen, Essen fassen, was Trinken, Aufwärmen, Durschnaufen, neu Vermummen und Aufbruch.

Dann der fatale Fehler: Wir stehen nach dem Aufbruch ein paar Minuten im Schneesturm vor der Hütte, um die Grödel wieder aufzuziehen (kein Hüttenwirt hat das gerne, wenn man das drinnen tut). Es ist eiskalt, man sieht vor lauter Schneegestöber kaum die Hand vor den Augen. Das Fräulein fiept und fängt an zu zittern, weil sie ja warten muss, bis wir mit dem Schneekettengefummel fertig sind. Als wir endlich losgehen, läuft sie eng neben mir, bibbert erbärmlich und steckt bis zum Hals im Tiefschnee. Kalt loslaufen ist das Dämlichste, was man machen kann. Und so ein Dackel wird nun mal nicht mehr warm, wenn er zu 85% im Schnee versinkt, unsere Chancen stehen weitaus besser, da wir immerhin zu 85% aus der weißen Pracht herausragen. Wir versuchen alles, um sie zu ermuntern, ich renne mit ihr ein Stück, aber sie kommt nicht hinterher. Bleibt stehen, setzt sich sogar hin, guckt mich mit vereistem Bärtchen hilfesuchend an – und dann begreife ich: Sie schafft es nicht, das hatten wir noch nie, aber ihr ist so kalt, dass es einfach nicht geht. Also Rucksack runter, Stöcke rein, Rucksack wieder hoch, Hüftgurt festzurren, dann Jacke auf, Hund rein, Jacke zu, einmal tief Luft holen, höchste Konzentration und nun ohne Stöcke und im Trab bergab, eine Hand unter den Dackelpopo, die andere um das Köpfchen, das schon völlig eingeschneit ist. Die Sicht ist beschissen, der Weg von Schneewehen teils wie weggefegt, es schneit mir zum Kragen rein, ab und zu – so wacklig bergabsurfend – verdreht’s auch das Knie, aber tief in mir drin ist diese Gewissheit spürbar: Ich werde das schaffen. Das flüstere ich mit blaugefrorenen Lippen auch dem Fräulein zu, das erst noch friert wie ein Schneider, aber nach einer Viertelstunde – so gut und sicher eingepackt in seinem Kängurubeutel – doch langsam wieder auftaut und warm wird.

Nach einer halben Stunde schmerzen die Arme, vor allem die Handgelenke, eigentlich auch der Rücken und die Beine, aber eine Pause können wir uns um die Uhrzeit und bei den Wetterverhältnissen nicht erlauben.
Der Gatte holt uns immer mal wieder ein, rubbelt die Eisklümpchen vom Dackelkopf und putzt mir die Nase, denn eine freie Hand hab‘ ich ja nicht.

Nach anderthalb Stunden Dauerlauf erreichen die Kängurumutter und ihr Kleines schließlich und endlich mit erfrorenen Rüsseln, aber ansonsten gut durchwärmt das Auto.
Arme und Beine haben tatsächlich durchgehalten, keine Sehne ist gerissen, kein Muskel gezerrt, kein Finger gebrochen. Und der Hund ist wohlauf, was ja eh das Wichtigste ist.

Es lebe der Sport.
Und es lebe auch die Sitzheizung, die einem die triefnassen Klamotten bis München wieder trocknet.