Deckl drauf & bloß nicht Verweilen.

Gestern eine kleine Teststrecke gelaufen, um die Sache mit der aktuellen, alpinen Dackelperformance mal unter vernünftigen Bedingungen gründlich zu überprüfen. Ob es wirklich nur die FSH-Thematik ist oder doch noch was anderes. Lieblingsberg vom Fräulein ausgewählt, mit Lieblingsaufstieg und das auch mit besten Verhältnissen (genug getrunken, moderates Sommerwetter, gut geschlafen usw.).
Vom Ergebnis soll ein andermal die Rede sein, ich muss das noch ein wenig in mir hin und her wenden, mit dem Gatten besprechen und überdenken und dann weitersehen, was wir da tun werden.

Jedenfalls ist eines klar: das Hochgebirge lassen wir gemeinsam momentan mal schön bleiben, denn ich geh keine 6 Stunden (netto) mit Hund irgendwo hinauf, wenn ich nicht so gut wie sicher sein kann, dass das für sie auch wirklich gut geht, denn ich weiß ja nicht mal genau, wie gut es für mich geht, und dieser Umstand zweifacher, latenter Ungewissheit kollidiert dann mit meiner eisernen Devise: Geh mit deinem Hund nur die Touren, bei denen du neben der Kraft, die du für deinen eigenen Aufstieg/Abstieg und deinen Tourenrucksack brauchst, immer noch genug Kraftreserven hast, um den Hund über längere Strecke zu tragen, falls das nötig werden würde.
Also kommt das derzeit nicht in Frage.

Der heiterste Moment gestern, neben einer weiteren angenehmen und gesprächsintensiven Begegnung auf der Alm (Vater, 78, mit Sohn, Anfang 50, aus Deggendorf, sehr nett anzuhören, was Dialekt und auch Inhalt anging) war dieses Schild, das uns gleich nach dem Abstieg am Seeufer begrüßte:

Ich, noch ganz mit dem Abstreifen eines gewissen Reportagenschreibekels (was das typische Reisevokabular und bestimmte touristische Formulierungen angeht) beschäftigt, geh da so und seh dieses Schild und bin geradezu entzückt, dass mitten in dieser paradiesischen Natur an einem der oberbayrischen Parade-Seen ein Hinweis steht, dass an Ort und Stelle mal nichts zum Verweilen einlädt.

Weder irgendeine olle Aussichtsbank noch eine reizvolle Erhebung oder ein lauschiger Biergarten oder ein idyllischer Park oder gar ein romantischer Steg mit Panoramablick.

Bitte zügig durchschreiten und nicht verweilen – das ist auch mal toll, beinahe heilsam, zumindest eine wahre Wohltat für meine gestern noch recht strapazierte Wahrnehmung und Verfassung nach Abgabe meines letzten Magazinbeitrags.

Der Spaziergänger wird also gewarnt und ermahnt sowie zur seeseitigen Straßenseite geschickt, und auch dort lädt nichts zum Verweilen ein, sofern man den Blick vom Karwendelgebirge am Horizont und dem Türkisgrün des Wassers abwendet und ihn einfach mal übers Geländer wirft oder unter dem Geländer hindurch, so wie Pippa das alle paar Meter tat.

Irgendwann guckte ich dann auch mal nach, was sie da eigentlich dauernd zu gucken hat und staunte nicht schlecht: riesige, dicke Schlangen (für hiesige Verhältnisse), alle 2 Meter (!) so ein zusammengekringeltes reptiles Tau (Durchmesser 3 bis 5cm, Länge gottseidank nicht feststellbar, aber enorm viele Tauwindungen), das sich an der steilen Uferböschung sonnt oder munter den Kopf hebt und züngelnd den Hund anguckt, mal schwarz, mal grüngrau mit Muster, ich will’s gar nicht wissen, wie die Genossen heißen und was ihre Hobbies sind.

Am See unten sitzend, in einer schlangenfreien, aber ameisenreichen Wiese, vermissen wir dann die liebe D., die eigentlich mitkommen wollte, aber leider noch zu erkältet war, und überhaupt hängt ein Hauch Wehmut über fast allem an diesem Nachmittag, an dem passenderweise kaum etwas zum Verweilen einlädt.

Vater und Sohn, die nette Almbekanntschaft, holen uns nochmal ein, gemeinsam läuft man am Seeufer zurück zum Ausgangspunkt (was für eine Woche: gleich 2x mit Fremden gewandert), und auch die beiden umwittert ein Hauch von Wehmut, denn dem Vater tut das Knie sehr weh und dem Sohn schwant, dass das die letzte gemeinsame Tour gewesen sein könnte, und während Vater müde am See unten sitzenbleibt, steigen Sohn und ich nochmal ein Stück hinauf zum Parkplatz am Kesselberg, wo die Autos stehen, und reden über unsere Väter und das Älterwerden.

Und über unsere Hunde, seiner schon ein paar Jahre tot, aber allein die kurze Erwähnung der ach so guten Zeiten mit dem wunderbaren Cockerrüden treibt dem Sohn die Tränen in die Augen – und ich bin sehr froh um meine Sonnenbrille.

Nun soll’s hier nicht so trüb enden, das Erzählte war ja schließlich gestern und heut sieht die Welt schon wieder bunter aus, die Isar funkelte so schön in der Sonne und das Frisbeespielen im Wasser hat viel Freude gemacht, vor allem dem Dackelfräulein, und während ich die Handyfotos von gestern so durchscrolle, entdecke ich da noch eines, das den pragmatischen Charakter und das bayrische Gemüt der Wirtsleute oben auf der Alm (seit eh und je dasselbe Ehepaar) ebenso prima beschreibt wie die offenbar ständig deppert mit dem Milchkanndl herumhantierenden und herumpritschenden Gäste – und mit diesem Bild wollen wir heut enden.

Und denen, die nicht lesen können, sagt der Wirt einfach kurz Bescheid: Da Deckl bleibt drauf und a Rua is!
Haben Sie einen schönen, geruhsamen Abend.

Abschlussfeier.

Nach 7 durchwachsenen Wochen feiere ich gerade für 13€ das Ende der 7 durchwachsenen Wochen.

Spätes Lunch in der Menterschwaige.

Rituale sollen ja manchmal helfen. Und ich bin ohnehin ein Freund von Ritualen (also ist’s zumindest den Versuch wert).

Genau wie das Dackelfräulein: erst Würstchen, dann Lammfellmatte, dann Ruhe.

Der längste Hund der Welt.

Hoffentlich ist auf die Wirkung des Rituals auch Verlass, solche Mittagessen sind im Budget nämlich nicht vorgesehen. 

Prosit.

Die Kraulquappe. 

Walk tall oder: Der Elch-Test.

Zweite größere Körperkrise dieser Reise. Gehört wohl dazu, so jenseits der 40 (wo man die kleineren Gebrechen schon gar nicht mehr erwähnt).

Beginn: Wieder morgens nach dem Aufstehen, damit auch ja der ganze Tag versaut ist.
Symptome: Diesmal nicht die Knie, sondern mittelschwere HWS-Blockade, stocksteif im Schulter-Nacken-Bereich.

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Auslöser: Mitten in der Nacht schief aufgesetzt und mit dem falschen Arm den Dackel vom unteren Drittel der Bettdecke an den Bettrand verschoben, damit man unter der Decke endlich mal wieder die Beine komplett ausstrecken kann.

Abhilfe: Trotzdem Joggen & Spazierengehen. Ganztags den Gatten und den Dackel volljammern. Starkes Öl als Muskelrelaxans.

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Hat funktioniert.
(Frage mich nur manchmal, wie Besitzer schwererer Hunderassen derlei Probleme lösen, ohne zum orthopädischen Wrack zu werden.)

Nach bestandenem Elch-Test grüßt
Die Kraulquappe.

Kvinnan med kris.

Tja, solche Tage gibt’s eben auch. Kvinnan med tax war heute eher kvinnan med kris (inkl. tax).

Aufgestanden, Knie tut weh. Beim Morgengassi im Regen dann die ernüchternde Feststellung: es sind sogar beide Knie, die weh tun. Zu viel gejoggt, zu viel gegangen, das Alter,…? Der Regen entwickelt sich noch während der Morgenrunde zu Starkregen. Beim Abtrocknen des Hundes bzw. in die Hocke gehen noch mehr Knieschmerzen. Schlechte Laune zieht auf.
Als nächstes kocht die blöde Milch über. Ceranfeldputzen ist totaler Mist, wenn dieser Spezial-Schaber nicht im Haus ist. Dann halt den Kaffee mit kalter Milch getrunken.

Den Vormittag mit Arbeiten verbracht. Das Grau der Wolken geht nahtlos in das Meeresgrau über, eigentlich ist auch die Wiese grau. Dahin ist sie, die grandiose Aussicht, und mit ihr auch die Inspiration.

Mittags mit dem Auto ein Stück gen Westen, wo es einen 6km langen Sandstrand gibt. Extra für das Dackelfräulein und trotz des miesen Wetters – sie soll ja ihren Spaß haben. Der Dank dafür? Die Madame nagt an einem toten Fisch rum, was ich zu spät merke, da ich mit den Engerzurrgummis meiner blöden Kapuze beschäftigt bin. Sauteurer Regenparka und dann ein so dämliches Zurr-Ösen-Glump. Auch sonst folgt der Hund heute gar nicht. Alles ist spannender als ich (was mir heute im Grunde ja genauso geht, aber ich fress‘ deshalb trotzdem keinen verdorbenen Fisch).

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Nein, ich sehe und rieche gar nichts, kein einziges Stück Krabbe, echt nicht, nirgends!

Wieder daheim den dreckigen Hund geduscht. Erneut Kniestechen, diesmal mit Aufschreizwang. Und nun? Ich hatte heute Ystad geplant, das tolle Schwimmbad. Endlich mal wieder Bahnenschwimmen außerhalb der Provinz. Egal, mach‘ ich trotzdem. Oft geht’s mir nach dem Schwimmen besser, mit allem.

Die Reichsstraße Nr.9 führt in 12km direkt nach Ystad. Das geht eigentlich ruckzuck, wenn man nicht hinter einem Schwertransporter herkriechen muss. Immerhin, ich finde in Ystad das Schwimmbad sofort wieder, obwohl der letzte Besuch 2 Jahre her ist.

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Arena Ystad.

Ja, die Schweden können auch schöne Schwimmhallen bauen. Die Ystad Arena ist wirklich top! Und der Eintritt ist sogar günstiger als in Bromölla, dieser Provinzschwimmhölle.

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Eingangsbereich mit Kasse.

Als Entschädigung für den bis 14:30 Uhr eher bescheidenen Tag erwartet mich ein fast menschenleeres Becken: 3 Bahnen für mich allein, und im Wasser tun nicht mal die Knie weh, herrlich! Ich sag ja immer: Sportarten wählen, die man bis ins hohe Alter und trotz diverser Gebrechen meist noch (oder schnell wieder) ausüben kann!

Danach heimgeflitzt, nun auch Knieschmerzen beim Kupplungtreten, dafür kein Schwertransporter unterwegs, also nur 20 Minuten gebraucht, es muss ja fix gehen. Schließlich wartet der Hund allein daheim, der hoffentlich den verfaulten Fisch noch nicht ausgekotzt hat. Hat er nicht. Dafür lag er auf dem Sofa und hat dort seinen Restsand vom mittäglichen Strandvergnügen verteilt. Nun ja, gibt Schlimmeres.

Nächster intensiverer Spaßpunkt nähert sich aber bereits. Das Abendessen will vorbereitet werden. Ich hatte mittags kurz bei einem Bauern angehalten, weil mich diese „potatis och pumpor“-Schilder so ansprachen (vor allem vom Klang her). Also habe ich Kartoffeln und Kürbis gekauft, sogar bio. Für einen riesengroßen Gratin.

Dafür müssen die Kartoffen geschält und in Würfel geschnitten werden, auch der Kürbis wird gewürfelt, ich hatte gleich eine doppelte Portion vorgesehen, damit es morgen dasselbe gibt und ich nicht Kochen muss.
Nur: Schält mal 800 Gramm Kartoffeln ohne Sparschäler! Es gab zwar einen, aber der war stumpf. Ich fluche selten, aber da habe ich geflucht. Der Hund legte die Ohren an, fühlte sich wie immer gemeint, und verzog sich sicherheitshalber in seinen Korb, sich wohl daran erinnernd, dass die Stimmung zwischen uns ja seit dem Strandspaziergang – na sagen wir es mal milde – etwas in Schieflage geraten war.

Das einzige kleine Gemüsemesser hatte seine besten Zeiten auch hinter sich, aber mit viel Gekratze und Druck ging es dann irgendwie. Vermutlich waren danach nur noch 500 Gramm Kartoffeln übrig. Trotzdem teile ich alles auf zwei Portionen auf. Die Auflaufform ist eh winzig, das geht also gut. Kokosmilch drüber – und ab in den Ofen.

In der Ofenzeit mit dem Hund raus. Hurra, der Regen ist vorbei! Sogar so vorbei, dass die Sonne wieder scheint. Und ganz neue Perspektiven aufzeigt.

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Kvinnan med tax – und langsam nachlassender Krise.

Hungrig kehren wir nach einer Stunde nachhause zurück…

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… und geschlagene zwei Stunden nach Zubereitungsbeginn ist der Gratin dann auch fertig…

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Hart erarbeitetes Abendessen.

… und weder verbrannt, noch versalzen, sondern einfach nur lecker.

Mit den Möwen ist die Krise hoffentlich auf und davon geflogen.

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Nur die Knie, die fliegen nirgendwohin, sondern ziepen und stechen. Nun bei fast jedem Schritt.

Es wird höchste Zeit für eine Gehhilfe. Die habe ich in Deutschland geordert. In 48 Stunden landet sie in Kopenhagen, in 50 Stunden hole ich sie am nächstgelegenen Bahnhof ab (wenn ich bis dahin die Kupplung noch treten kann).

Der Gatte kommt 🙂 🙂 🙂 !!!

Ehrlich gesagt kommt er gar nicht wegen meiner Knie oder als Dogwalker, davon weiß er nämlich noch gar nichts, sondern es war ausgemacht, dass er uns vor Semesterbeginn eine Woche hier in Schweden besucht – und übermorgen ist es soweit.

Jedenfalls: Selten so gefreut auf den Partner!
Und gleich noch eine Mail losgeschickt, dass er bitte den Sparschäler und ein vernünftiges Gemüsemesser von daheim mitbringen solle. Dann haben wir wieder alles, was wir brauchen.

Mit dieser schönen Perspektive und Störtebeker sinke ich nun auf die Couch und wünsche euch einen gemütlichen Feiertagsabend!
Die Kraulquappe.

PS: Da einige Leser gespannt in Sachen Restaurantbesuch nachfragten: Ja, es hat gestern wirklich geklappt. Und die Unternehmung ist sogar gleich noch ins andere Extrem gekippt. Pippa wurde nicht nur überschwänglich begrüßt, sondern der Koch kam später höchstpersönlich am Tisch vorbei, um ihr ein Schälchen Tartar und Wasser zu servieren („Napf“ wäre tatsächlich das falsche Wort).

Das hab ich noch nie erlebt, hätte auch nicht sein müssen – lieber wär’s mir, man könnte mehrere Lokale mit Hund aufsuchen, als nur ein einziges, das dann gleich den Delikatessenschrank für den Hund plündert. Seltsames Land!

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Einen Extra-Stern für das Restaurant in Abbekas!

 

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2 Sekunden später…