Dreiteiler.

Bevor wir uns zum Sonntagsspaziergang auf den Pfannenstiel, wie der Küsnachter Hausberg heißt, und bald danach auch auf den Heimweg nach München begeben, kommt hier schon mal das Schlussplädoyer zur Woche an der Schweizer Geld-, äh, Goldküste.

Gestrige Tour oberhalb vom Zürisee…
…inklusive von den Jungs designtem Gipfelfoto von H. & mir…
…und Aussichten auf alles, was hier noch zu tun wäre!
Nach dem Ausflug geht’s noch zum Schwimmen…
…im hundefreundlichen Greifensee…
…bei goldenem Septembersonnenlicht.

Bis spätabends dann Crêpes gebacken, zu viel gegessen, zu viel geredet, immerhin nicht nochmal am Gin Tonic vergriffen, trotzdem acht Stunden Schlaf wie betäubt, nur ab und zu unterbrochen von einem wild träumenden Hund unter der Decke.

Zum Abschied kreieren die beiden Jungs eine Fortnite-Superheldin getreu nach meinem Abbild, ich darf sogar ein bisschen mitreden bei der Gestaltung, und fühle mich schließlich wirklich gut getroffen und reite fortan auf einem turboschnellen Kometen durch das pulsierende Universum der Küsnachter PS4-Konsole.

1.307x Danke an H. fürs gelassene Ignorieren der uralten, russischen Regel „Fisch und Gäste stinken nach drei Tagen“, was natürlich auch nicht passieren kann bei der Frequenz an Badi- und Seebesuchen (plus täglicher Dusche) und wenn einem die Gastgeberin zwischendurch sogar die Klamotten wäscht. Auch das Dackelfräulein war äußerst zufrieden hier – maximal 1 Punkt Abzug gibt es für das unmenschliche und sogar konsequente Sofa-Verbot.

Den ausführlichen Bewertungsbogen für unseren Aufenthalt senden wir in den nächsten Tagen per Email, nur so viel schon mal: Wir kommen auf alle Fälle wieder!

Und vielleicht lässt es sich ja einrichten, das Haus gegenüber bis dahin abzureißen, damit wir von der Terrasse aus auf den See gucken könnten – dann müssten wir da nicht mehr zum Dinieren hinunterfahren.

Zamperl goes Züri!

Gestern ein langer Tag in Zürich.
Mit Hund sind solche Stadtrundgänge etwas strapaziös, man muss aufpassen, sich ja nicht zu viel vorzunehmen und – speziell im Sommer – ausreichend Pausen einzulegen. Erst recht, wenn Shopping angesagt ist. Selbstverständlich nicht für mich. Erstens gehe ich so gut wie nie Shoppen und zweitens schon gleich gar nicht in Zürich.

Ich nutze lediglich die Chance, für Pippa wieder ein originales Appenzeller Halsband zu besorgen, das vor einigen Jahren gekaufte hat letzten Winter den Geist aufgegeben (Kuhbruch, Ledermuff, Schnallenriss), so dass sie seither mit einem Tegernseer Plagiat herumlief, was natürlich an sich wurscht ist, vor allem dem Hund, aber da Madame ja gelegentlich als Model arbeitet, muss auf einen gewissen Standard ihrer ohnehin spärlichen Garderobe dann doch geachtet werden.

Der Herr Caspar, mit dem ich bereits von München aus korrespondierte, wegen Maß, Leder und Ornamenten, hatte die gewünschte Halsung extra aus dem Lager geholt und empfing uns zur verabredeten Zeit in der Boutique am Neumarkt (zwei Häuser weiter bemerke ich einen Shop, der meinen Namen trägt, das ist mir noch nirgendwo untergekommen).

Wir mussten uns ein bisschen sputen, um pünktlich zu sein (und Pünktlichkeit wird hier noch größer geschrieben als in heimischen Gefilden), weil wir zuvor mit einer Freundin des hübsch Bewimperten am Tessiner Platz zum Lunch verabredet waren (ein Dankeschön-Treffen für die Überlassung des Maiensässes in Pretty Prättigau) und daher einmal von West nach Ost die Innenstadt zu durchqueren hatten.

Das Dackelfräulein hechelt hinter mir her, an jedem Brunnen, derer es in Zürich gottseidank viele gibt, halten wir für ein Trinkpäuschen an, auch an dem, der zu Ehren des berühmten Herrn Koller erbaut wurde.

Schon ein schönes Einkaufserlebnis in dem Lädchen am Neumarkt, vor allem für das Fräulein: erst ein Hirsch-Snack, dann Anprobe, anschließend Kurzkraulung, zum Abschied nochmal ein Leckerli (ich widerstehe der für ein paar Sekunden aufpoppenden, albernen Versuchung, mir einen Gürtel oder ein Armband im Partnerlook zu kaufen – eh nicht schwer, wenn man die Preisschilder sieht und modisch sowieso einfach nur peinlich, wenn man nicht von hier ist oder die eigenen Klamotten halbwegs dazu passen).

Zweierlei gönne ich mir dann doch: eine Kaffee-und-Kuchen-Pause in einer lauschigen Gasse…

…und eine kleine Rundfahrt auf dem Zürisee, die nichts kostet, weil das Tagesticket für die öffentlichen Verkehrsbetriebe erfreulicherweise auch Wasserwege beinhaltet.

„Klein“, das bedeutet auf dem Zürisee anderthalb Stunden, aber das tut sowas von gut, einfach mal die Füße hochzulegen, in der Sonne zu sitzen und den Blick über all die schönen Ortschaften am Seeufer schweifen zu lassen, einer lippenaufgespritzten Blondine beim Verzehr ihrer drei Salatblätter zuzugucken (vermutlich eine große Mahlzeit für sie), sich darüber zu freuen, dass die Visage ihres Mackers zur Hälfte hinter einer Maske mit Ferrari-Logo verschwindet und nebenbei der Unterhaltung einer Schweizer Familie zu lauschen (diese „ch“-Laute begeistern mich).

Ganymed, der Schönste unter den Sterblichen, winkt uns zurück in den Hafen und in der Abendsonne sitzen wir noch lange im Arboretum, bis wir schließlich über den Mythenquai und den Bürkliplatz zurückspazieren nach Bellevue, von wo aus unser Bus nach Küsnacht abfährt.

Was übrigens so gar nicht zu dem gemächlichen, moderaten Schweizer Naturell passt: die hiesigen Busfahrer und ihr Fahrstil.

Die heizen hier dermaßen durch die Hügel und Uferstraßen, dass man in jeder Kurve und bei jeder Bremsung brutal in den Sitz gepresst wird und den kleinen Hund besser auf den Schoß nimmt, damit er nicht kreuz und quer durch den Bus geschleudert wird. Da blitzt ja glatt mal ein Temperament auf, mannomann, und erstaunlich auch, dass alle anderen Fahrgäste daran schon so gewöhnt sind, dass sie nicht mal mehr mit der Wimper zucken ob des Gebretters.

Abends dann ein Gin Tonic, der mir etwas zusetzte, weil ich alles, was prozentual krasser daherkommt als mein sanftes, bernsteinfarbenes Weißbier nicht vertrage. Erst morgens, nach dem recht frischen Freibadbesuch (der Schweizer schwimmt kälter, und zwar deutlich), wieder einen vollständig klaren Kopf gehabt.

Heute relativer Ruhetag. Nur eine zweistündige Wasserfall- und Drachenhöhlenrunde durch den Tobel. Die Fee ist glücklich. Ich auch. Gefällt uns letztlich besser als jeder Stadtausflug.

Die Freundin hat ihre Arbeitswoche nun beendet, zum Abendessen geht es nachher hinunter an den See. Morgen eine Wanderung mit Kind und Kegel, d.h. mit den 2 Jungs und dem 1 Jagdhund.

Von sieben (!) verschiedenen Seiten erhalte ich die Nachricht, der Barde aus New Jersey habe nun das Release-Datum seines neuen Albums verkündet.
Danke, ihr Lieben, ich hätte das hier im fernen Nicht-EU-Ausland und mit nur sehr sporadischem Netzzugang glatt verpasst!

„The Power Of A Prayer“ heißt einer der zwölf Titel, „If I Was A Priest“ ein anderer.

Na dann.

Song des Tages (59).

Frechheit, oder?

Haben uns mit raumgreifender Ganzkörpergymnastik am Hundestrand gerächt.

Da haben sie aber geguckt, die überfressenen Promiköter!

This week I took that ride
‚Crossed the border to the helvetic side
Took my baby to the Zurich Lake
Walked her and watched the waves gently break

‚Cause down the shore everything’s all right
Me and my baby in sweet September light
Nothing matters in this whole wide world
When you’re together with a dachshund girl

Von unseren sieben Stunden in Zürich berichten wir Ihnen wahrscheinlich erst morgen.

Das mit dem MNS klappt dort jedenfalls nicht so perfekt.

1 Ordnungspunkt Abzug für die Schweiz!

Mit der Tobelfee am Nobelsee.

Unsere gestrige Fahrt führte uns nach Küsnacht am Zürichsee.

Für einige Tage lassen wir uns bei meiner Schulfreundin H. nieder, die es vor vier Jahren beruflich hierher verschlagen hat (und genauso lange lädt sie uns auch schon ein, endlich mal vorbeizukommen, nie hat’s gepasst oder geklappt – jetzt aber).

Die Eindrücke des ersten Tages lassen sich in einen simplen Satz fassen: Hier ist einfach alles schön, nobel, hell, klar, aufgeräumt und blitzblanksauber.

Wirklich alles: die Straßen, die Häuser, die Bürgersteige, das Freibad, die Spazierwege, die Läden und Cafés, die Luft und das Wasser, die Seepromenade und der Hundestrand.

Letzterer eh der Hammer: anderswo wären sie schon froh, wenn sie nur annähernd solche Strände für Menschen hätten.

Gut, über die Preise für ein schnödes Tässchen Cappuccino oder ein Kaltgetränk mit Seeblick wollen wir jetzt lieber nicht reden, auch von der Rentner- und SUV-Dichte nicht. Unser tschechischer Kombi fällt jedenfalls richtig auf. „Oh je, eine arme Münchnerin!“, werden sich die Anrainer denken, wenn wir hier durch die Straßen zuckeln. Egal, und heute blieb das Auto eh stehen.

Vormittags in die Badi, die 50m-Bahnen für mich allein, im Süden glitzern die Glarner Alpen, die Hautevolee rückt erst nach Prosecco und Pediküre an und belegt dann auch eher die Sonnenliegen als das Sportbecken.

Mittags die zwei Jungs der Freundin bekocht, beim Tischgespräch einen prima Einblick in die Welt der präpubertierenden Schulcommunity erhalten und in die Geheimnisse von Fortnite eingeweiht worden. Himmel, ist man als Kinderlose weit weg von all dem!

Anschließend über vier Stunden draußen gewesen. Durch den Küsnachter Tobel, eine traumhafte Schlucht mit Wasserfällen und Ruinen, hinunter zum See gewandert, dort am Hundestrand gebadet und gespielt, an der Uferpromenade (mit aus monetären Gründen verdrängtem Zwischenstopp im Café) weiter zum Kusenbach, von dort wieder den ganzen Hang hinauf. Steigungen sind das hier! Da zahlt sich das ständige Bergtraining echt mal aus.

Abends gibt es Köstliches vom Grill, zum Dessert hat die Freundin nach der Arbeit in Zürich noch was beim Läderach besorgt, das sich gerecht durch vier teilen lässt, was ein Muss ist, wenn mal was vom Läderach auf den Tisch kommt.

Das Dackelfräulein räkelt sich auf der Terrasse unter dem Oleander in der Abendsonne, bis a) eine Fliege zu nerven beginnt und b) klar ist, dass es sich ausgrilliert hat (und somit keine Zucchini mehr für sie abfallen wird).

Ein Tag wie im Film.

Beim Abwaschen sage ich zu H., dass ich bis Weihnachten bleibe.