Von Alpen, Hörnern und Beschaulichkeit.

Heute kamen wir zunächst etwas schwer aus den Federn. Der gestrige Hitzemarsch steckte uns noch arg in den Knochen…

…so dass ich um ein Haar dem auffälligsten und am unstressigsten wirkenden Wegweiser gefolgt wäre…

…wenn das Dackelfräulein nicht plötzlich so verdammt fit gewesen wäre…

…und munter von Alpe zu Alpe bergauf wieselte und nur an manchen Gefahrenstellen mein Geleit suchte.

Nachdem ich 7 kg Dackel durch mehrere Kuhherden und meine müden Gebeine samt des vollen Rucksacks die 850Hm zum Immenstädter Horn geschleppt hatte, dankte ich beinahe dem Herrn, dass wir Gipfel Nr.1 sogar noch vor dem 12 Uhr-Läuten erreicht hatten.

Von den 3 Litern Wasser wurden wir hier oben die Hälfte los…

…danach ging’s weiter, und wenn ich etwas in den Bergen nicht mag, dann sind das Zwischenabstiege, bei denen man den nächsten Anstieg samt Ziel permanent vor Augen hat…

… so wie in dem Fall das Kemptener Naturfreundehaus, dessen Erreichen bei üblem Unterzucker und hochsommerlichen Temperaturen heute echt eine harte Nuss war…

…so hart, dass die eine oder andere schöne Aussicht kaum noch gewürdigt werden konnte.

Bei der Hütte angekommen, mussten zunächst noch die Nachbarschaftsverhältnisse geklärt werden…

…dann ließen wir uns zur wohlverdienten Stärkung nieder und wurden nicht enttäuscht: Bei der Portion hätte glatt noch ein Bernhardiner mitfuttern können!

Mit neuer Energie ausgestattet packten wir noch den Gipfel des Gschwender Horns und sogar den langen Abstieg in praller Sonne…

…die einzige Etappe, auf der ich mich heute besser schlug als mein Hund!

Dank einiger Bäder in Viehtränken hat Pippa dennoch tapfer durchgehalten…

…und geschafft und zufrieden kamen wir beide wieder beim Parkplatz an.

Game over!

Für die Madame hieß es, 2 Stunden bis München gemütlich auf der Rückbank durchratzen, während ihre verklebte, müde Chauffeuse erneut Fußarbeit leisten musste (wg. Landstraßen, Traktoren, LKWs, Entenfamilien).

Schön war’s im Allgäu, wir kommen auf jeden Fall wieder – der Grünten fehlt uns noch und auch Oberstdorf müsste man sich ja endlich mal im Sommer anschauen.

Als irgendwo hinter Huglfing der erste Blick auf Heimgarten, Jochberg und Benediktenwand möglich ist, da kriecht es massiv in mir hoch: Das Gefühl von Heimat, von Nachhausekommen, von Zugehörigkeit. Je älter ich werde, desto häufiger und deutlicher spüre ich das. Vor nicht allzu langer Zeit war mir das noch peinlich, mittlerweile kann ich es genießen.

Eine gute Nacht wünscht

Die Kraulquappe.

PS: Ach ja, liebe Allgäuer, erklärt mir doch bitte mal, was ein „beschaulicher Fußgänger“ sein soll?! Wir haben das Strandpromenaden- und Badevolk gründlich beschaut…

… und waren recht froh, dass wir kein Miteinander mit denen hatten.

Jedem Lappi siis Chappi.

Nein & i wo!

Auch wenn die Banalität meines Vormittagsbeitrags es vermuten ließe: Es geht nun weder um billiges Hundefutter, noch um Stéphane Chapuisat, und erst recht nicht um Putzhilfsmittel oder die Bewohner des nördlichsten Skandinaviens.

Stattdessen möchte ich eine kleine Geschichte erzählen, über Ästhetik, Manufaktur und Luxus aus Helvetien.

„Jedem Lappi siis Chappi“ ist Schwiizerdütsch und bedeutet in etwa „Jedem Narr seine Kappe.“. Oder, freundlicher formuliert: „Jedem Tierchen sein Pläsierchen“ – was hier besonders gut zutrifft. Das lang ersehnte Pläsierchen für das Dackelfräulein – oder meins, ganz wie man’s nimmt – ist nämlich heute eingetroffen.

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Ich suche seit Monaten nach einem Ersatz für Pippas von unzähligen Bade-, Rauf-, Wälz- und Wanderfreuden mittlerweile etwas verschlissenem und miefendem Halsband, von dem wir uns in naher Zukunft werden verabschieden müssen.

Natürlich möchte ich wieder ein Appenzeller-Sennen-Halsband haben – für mein Empfinden das einzig wahre Halsband für einen echten Dackel.
Dieser Wunsch erwies sich als kompliziert. Der Versand, bei dem ich es vor 5 Jahren gekauft hatte, existierte nicht mehr. In Wolfratshausen gab es noch einen Händler, der die Halsbänder aus der Schweiz bezog, aber das tut er seit letztem Jahr leider nicht mehr. Blieb nur ein Allgäuer Sattler, den ich mehrfach anschrieb, der aber zu muffig war, um zu antworten oder bereits dermaßen in Aufträgen erstickt, so dass er auf die läppischen Einkünfte aus 28cm-Halsumfang gut verzichten kann.

Als alle regionalen Bezugsquellen ausschieden, recherchierte ich auf dem Schweizer Markt – und wurde fündig. Hochwertiges Rindsleder, handgefertigtes Halsband, produziert in einer Appenzeller Gurt-Manufaktur, verkauft in Zürich (auf Wunsch ergänzbar um Gürtel für Herrchen und Frauchen, im Partnerlook, versteht sich). So stellt man sich das vor – kein asiatisches Lederimitat oder olle Fressnapf-Ware, bei der die Messing-Kühe nicht genietet, sondern geklebt werden und sich schon während der ersten Badesaison verabschieden.

Das Problem: Das eh schon teure Schweizer Produkt hätte sich durch exorbitant hohe Zölle und Versandkosten nochmal erheblich verteuert.
Die Lösung: Freundin H. hat erfreulicherweise genau rechtzeitig Berlin verlassen und ihre Zelte dauerhaft in der Nähe von Zürich aufgeschlagen.

H., grundsätzlich gut eingespannt mit zwei Jungs und Ehemann sowie Job und Alltag, hat sich bestimmt insgeheim überschlagen vor Freude als ich mit meiner Bitte daherkam: Die kleine Gurt-Dependance in Zürich öffnet ihre Pforten nur nach persönlicher Terminvereinbarung, wenigstens war die Dackelgröße des Halsbands in der gewünschten Leder- und Kuh-Farbe bereits vorrätig.

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Praktischerweise besucht H. gelegentlich nicht nur die Zürcher Innenstadt, sondern auch ihre Eltern in München, so dass jegliche Zölle und Versandkosten entfallen. Unpraktischerweise hat sie dabei vor lauter Familienpflichten meist keine Zeit mehr übrig, so dass sie zwar letztes Wochenende kurz in München, aber nicht bei mir war. Dafür trifft sich ihr Vater gern mit mir.

Und so hat das Original-Appenzeller-Sennen-Halsband nun seine weite Reise beendet und seinen Bestimmungsort erreicht:

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Wir danken dir, liebe H., tausendmal dafür, dass du dem Lappi zu seinem Chappi verholfen hast und ersuchen dich erneut, uns bitte mitzuteilen, wie viele Franken du dafür berappen musstest und wann, wie und wo wir unsere Schulden begleichen dürfen: über deinen Vater, per Auslandsüberweisung oder persönlich und vor Ort, wenn wir uns im Frühling auf einen Arbeitsurlaub bei dir am Zürichsee einquartieren?

Ein herzliches Hoi & Salü –
von der Kraulquappe und ihrem Dackel.

„Ein bisschen arg gülden kommt es noch daher, aber ich werde es in Kürze abgewetzt haben!“