Wien (7): Wieder (da)hoam.

Via Wachau heimgefahren.
Kannten der Gatte und das Dackelfräulein noch nicht, musste ihnen natürlich gezeigt werden, wenn man schon in der Nähe ist.

Sehr schmuck dort. Bestes Wetter, fast schon zu warm. Das Fräulein stürzte sich gleich in die Donau.

Trans Danubia: Von Krems nach Mautern.

Erst lange spaziert, dann – logistisch wohl vorbereitet – das müde Hunderl im kühlen Parkdeck ins Auto gesetzt und das Kremser Karikaturmuseum aufgesucht, zum Deixn und Feixn. Da war ich mal vor ewigen Zeiten und fand das damals schon super. Ist noch vieles hinzugekommen zu der Sammlung.

Wenn Sie mal in der Wachau sein sollten: Fahren Sie da unbedingt hin, wenn das Ihr Humor ist. Am besten vor dem Besuch der Weingüter, damit Ihnen die Nuancen nicht entgehen. Und gucken Sie sich auch Krems an, trotz der vielen steilen Gassen und des Kopfsteinpflasters.

Die Schaumrollen im Café Maria in Mautern – die uns von den Linzer Freunden, die wir im Burgtheater trafen, empfohlen wurden – können Sie sich sparen (wirklich krass pappsüß), drehen Sie dort lieber gleich eine Runde durch das Kastell oder hatschen Sie hinauf zum Stift Göttweig, denn nach dem Verzehr der Schaumrolle fällt Ihnen das viel schwerer!

Kurz vor der Landesgrenze noch ein Stopp zum Abendgassi und -imbiss am Mondsee.

Abendstimmung am Mondsee.

Und weiter nachhause.

Schon hinter Berchtesgaden ein aufkeimendes Heimatgefühl, das sich ein Stück später mit dem Schild „Wendelsteinregion“ intensiviert und im Tölzer Land schließlich spürbar im ganzen Körper ausbreitet.

Das ist mir längst nicht mehr peinlich, dass das bei mir so ist. Ich gehöre wahrscheinlich zu den wenigen Menschen, die, wenn sie auf der A8 (irgendwo auf der Höhe von Unterhaching und Neubiberg) den Olympiaturm am Horizont des Nachthimmels leuchten sehen, tatsächlich vor lauter Freude eine kleine Gänsehaut bekommen. Natürlich nicht jedes Mal, aber immer dann, wenn ich mal länger als drei Tage von daheim weg war.

Ich komme einfach gern heim, ich gehör‘ da hin und irgendwas dort gehört wohl auch untrennbar zu mir.

Ja, das war’s.

Die Palatschinken san verzehrt,
s’letzte Krügerl leidlich g’leert,
oba s’Lebn, des is koa Wunschkonzert,
wann mit’m Zamperl nach Wien man fährt.

Fazit zu Wien: Immer noch Platz 2 auf der Liste der liebsten Großstädte.

Leider keine Option für ein Stadtleben mit Hund, sofern sich diese Frage denn je stellen würde. Außer vielleicht in den Randbezirken, aber dann tät man nicht mittendrin wohnen, in einem der Bezirke innerhalb des Gürtels, wo’s uns so gut gefällt, und das wär ja nicht mehr Sinn der Sache und außerdem herrscht auch am Stadtrand Leinenpflicht (wenngleich wohl weniger kontrolliert wird).
Mal ganz abgesehen von der lausigen Schwimmbadsituation in dieser Millionenstadt und mit einer schätzomativen Fahrzeit von weit über einer Stunde bis in irgendeine nennenswerte Bergregion (= mehrere Gipfel, die über 1.500m hoch sind), die Wien als Wohnort für mich schwierig machen würde (Kategorie Luxusprobleme, schon klar, ich erlaube mir halt solche Gedankenspiele gern).

Wenngleich schätzomativ noch so ein Wort ist, das man nur zu gern im Alltag verwenden täte wie überhaupt so vieles aus dem dortigen Sprachschatz, der uns wohl niemals fadisieren würde.

Das Österreichische klingt ja um so viel weicher und lebendiger als das Deutsche (das Hochdeutsche vor allem), sogar Hässliches bekommt in dieser Sprache teils einen menschlicheren Anstrich (oder macht’s der Tonfall?).
Das Österreichische nimmt sich Zeit, gestattet sich Umständlichkeiten und Altertümelndes (ja pflegt diese geradezu!), denen das Hochdeutsche wenig Platz einräumt.

Die deutsche Sprache hat im Vergleich zur österreichischen einfach keine Zeit, sie hetzt durch die von ihr geformten, harten Sätze, ist effizienter und kälter, schlägt die Hacken zusammen und steht stramm. Das passt schon, dass wir hier Hackfleisch sagen (zackzack, hackhack) und es bei unseren Nachbarn Faschiertes heißt (wenn Sie einmal in einem dortigen Supermarkt an der Theke gehört haben, wie jemand „I bekomm bitte zehn Deka Faschierts“ sagt, werden Sie wissen, was ich meine).
Die Sprache der Alpenrepublik lümmelt gmiatlich aufm Diwan im Tschecherl umanand während sich das Hochdeutsche hastig einen Kaffee im Plastikbecher reinkippt, to go, versteht sich, and not to sit comfy and just looking around.

Schön war’s.
Sehr inspirierend und horizonterweiternd.

Und nun steht Anderes an, dringende Arbeiten & drängende Terminsachen.

Ich verabschiede mich also an dieser Stelle für ein Weilchen in die Konzentration und Klausur, danke Ihnen allen für Ihre wunderbare Reisebegleitung und die zahlreichen Kommentare und bitte nicht beleidigt zu sein, wenn ich hier die nächsten Tage auch lesenderweise nur selten oder gar nicht auftauchen werde.

Auf bald, machen Sie’s gut, Tschau & Baba –
Ihre Kraulquappe.

Wacken (Open Air) und andere Wasserfreuden.

Strasbourg.

Ein kleines Paradies, dieses Städtchen: durchzogen von verwinkelten Gassen, idyllischen Wasserwegen, blühenden Uferpromenaden, französischem Flair, gelungenem Stilmix aus Alt und Neu, unendlich vielen schönen Brücken. Und als Sahnehäubchen das Piscine du Wacken, ein Freibad vom Feinsten, für erfrischende 4€ Eintritt!

Straßburg.

Schwaden von stinkendem Munsterkäse durchziehen die Altstadt, ein Glas Bier ist in vielen Lokalen teurer als in Kopenhagen, überall stolpert man in rotblinkende Poller und astronomisch hohe Parkgebühren gefährden die Urlaubskasse (geschicktes System übrigens: Anfüttern mit 1 harmlosen Euro für 3 Std, danach wird ein Tagessatz von 35 bis 54€ fällig – die spinnen, die Franzosen!).

Verkraftbar aber, muss man halt ein bisserl flexibel damit umgehen: im Lokal je nach Geruch/Windrichtung mehrfach den Tisch wechseln, Wein trinken, ganztags die Sonnenbrille aufsetzen und den Parkautomaten zweimal täglich schamlos austricksen.
Ach ja, und Obacht vor adebarischem Overkill – in der Altstadt ist dem nur schwer zu entkommen!

Storchenwahnsinn überall in der Stadt.

Fazit: Ein absolut lohnenswertes Ziel für eine erholsame Städtereise. Am besten zu bereisen im Sommer und am allerbesten mit einem all-inclusive-Gutschein im Gepäck.

Auf der Passerelle des Deux Rives.

Meinen herzlichsten Dank an T. für das prima Geschenk – und sind wir doch mal ehrlich: ein Trip in ein Landhotel an der Mosel oder ins Schwabenländle, so wie du’s zunächst im Sinn hattest, hätte da niemals mithalten können, nicht wahr?

Ich hoffe, du bist gut heimgekommen und deiner Hüfte geht’s dank des ausgiebigen Schwimmens und des drei Tage hintereinander (locker) erreichten Schrittzahl-Highscores nun besser, und falls nicht, gönn‘ dir mal etwas Ruhe und hau‘ dich gemütlich mit einem Flammkuchen auf die Couch.
Von Dr. Oetker gibt’s hierzulande ’nen recht preiswerten, hab‘ ich gehört. Sogar ohne Munstermief.

Flammkuchen in der sozialverträglichen Variante.

In 4 Jahren, zum 50., dann wie gesagt gern Vancouver, Kapstadt oder Sydney, bis dahin tun’s natürlich auch Tickets für einen Bruce-on-Broadway-Abend (evtl. pünktlich geschickt, damit wir da etwas mehr Vorlauf haben als diesmal?).

Greetings from Munich! 😎
Deine N.

Et ici? Kaka de Kiki!

Schön hier, trotz der seltsam ohrlosen Hunde mit pinken Halsbändern.

It’s dark at night.

Das Panoramahotel in den Bergen empfängt mich eingeschneit, aber panoramalos. Dass das so bleiben würde, war nicht zu erwarten, passt dann aber unerwartet gut zu Allgemeinbefinden und Stimmungslage.

Es lässt sich tagsüber nur erahnen, dass wir von Bergen umgeben sind, das Weiß der Skihänge geht nahtlos über in weißgraue Nebelschleier, die jenseits der 900 Höhenmeter alles verhüllen.
Ein Sessellift, den ich vom Bett aus sehen kann, verschwindet im Nebel, ein seltsam beruhigender Anblick ist das: am rechten Seil verschwindet Sessel um Sessel in dem dichten Dunst und zugleich taucht an der linken Seite der Strippe Sessel um Sessel wieder auf.
Nachts blitzen auch weiter oben an den Berghängen vereinzelt Lichter auf: Hütten, Liftanlagen, Pistenraupen.

Das Zimmer ist wie vor Anreise abgesprochen „puristisch und ohne Schnickschnack“, sieht man mal von dem sehr flauschigen star spangled bathrobe und dem Sinnspruch ab, den sie hier in jedem Zimmer an die Wand über dem Bett gepinselt haben.

Natürlich in jedem Zimmer einen anderen, so dass man leicht geneigt ist, in die vom Zufall zugeteilte Sentenz etwas Schicksalhaftes hineinzudeuten.

Mein Herz fühlt sich bleischwer, folglich ist das wohl nicht mein Zuhause hier, was nicht weiter überrascht, da ich ja auch verreist bin.
An den Sternenmantel gewöhnt man sich, schließlich guckt man nicht dauernd an sich herunter bei den paar Stiegen hinauf zur Sauna.

Aus der Sauna blickt man direkt auf den nachtschwarzen Berghang.

Bei der Nachtrunde mit dem Dackelfräulein ist es so stockdunkel, dass ich mir das Stirnlämpchen über die Mütze ziehen muss, damit wir nicht vom Weg abkommen. Unter dem harschen Schnee ist es eisig geworden, so wie es überhaupt sehr eisig geworden ist (vor drei Wochen erst saß ich mit Hagebuttenkrapfen und offener Jacke auf einer Bank am See und träumte schon vom Frühlingsbeginn).
Nachts drücke ich das Dackelfräulein viel enger als sonst an mich, damit ich morgens durchgewärmt aufwache. Nur gut, dass ihr das eh recht ist.

Tagsüber stapfen wir Stunde um Stunde schlecht gepflegte Winterwanderwege entlang. Gut gepflegt würden sie meine Laune aber auch nur unwesentlich bessern, fürchte ich. Ich friere trotz dicker Vermummung wie eine Irre, bin appetitlos wie nie, Magen und Kehle sind zugeschnürt, vermutlich ein Virus, diesmal wenigstens nicht Noro mit Vornamen. Das mit der Mukiku ist jedenfalls gründlich daneben gegangen.
Man kann halt nicht immer bei blauem Himmel und Sonnenschein glücklich durch die Berge hoppeln, so ist das (L)eben.

Ich schleppe mich in ein Lokal, in dem die Menschen einen Dialekt sprechen, der meine Ekelgefühle nur noch verstärkt, würge mir eine Kinderportion rein (wie sie einen schon ansehen, wenn man ein 4,90€-Gericht aus der Rubrik „Für unsere Kleinen“ bestellt!), denn irgendwas muss man ja zu sich nehmen außer Salzstangen und Orangen (eigentlich das Einzige, das mir schmeckt).
Das Herz schmerzt und der Magen mag nicht mehr.
Beim Essen entwischt mir eine Nudel, flutscht über den Tellerrand und landet mit ihrem roten Saucenhäubchen auf der bis dahin schneeweißen Tischdecke. Ich pieke sie verschämt von dort auf und verursache dadurch einen noch größeren Fleck.

Dabei fällt mir der Papa ein, den ich neulich, als er für uns gekocht hatte, bei einer neuen Esstechnik beobachtet habe. Der Parkinson versaut ihm schon seit Langem das kleckerfreie Speisen, aber ganz besonders schien es ihn zu ärgern, ja, manchmal beinahe zu quälen, wenn es ihm nicht gelingen wollte, mit seiner Gabel treffsicher in den nächsten Happen zu stechen (vom Hantieren mit dem Messer wollen wir erst gar nicht sprechen).
Nun hat er einen Trick gefunden, dieses deprimierende Harpunieren zu umgehen: Er hält die Gabel jetzt in der linken, nicht zitternden, aber motorisch schon immer ungebildeten Hand, parkt die rechte Hand neben dem Teller, hebt, wenn keiner zu gucken scheint, ein bisschen den Zeigefinger der ruhenden Hand an, so dass dieser knapp über den Tellerrand hervorschaut, und schiebt – sich von links mit dem Besteck nähernd – das aufzugabelnde Häppchen gegen seine Fingerkuppe, so dass es letztlich auf den Zinken landet. Das klappt sehr gut, viel besser als das fahrige Gestocher zuvor. Dennoch kommen mir fast die Tränen, wenn ich daran denken muss (und das muss ich erstaunlich oft) oder das hier so hinschreibe.
Ist etwas erst einmal erzählt, dann existiert es, ist auf bestimmte Weise festgelegt und nicht mehr so leicht veränderbar als wenn es unerzählt geblieben wäre. Das gilt nicht nur für die Gabelgeschichte. Vieles, wenn es erstmal dasteht, in die Worte gegossen, die man eben in jenem Moment des Niederschreibens wählen wollte (oder musste), wird einem dann noch bewusster – oder überhaupt erst bewusst? – in seinem jeweiligen So-sein.

Morgen Früh fahren wir wieder nachhause.
Die Auszeit ist also aus bevor sie an war.
(Cura te ipsum, sag ich mir.)

Von wohlmeinenden Genesungswünschen bitte ich Abstand zu nehmen (hab‘ mich bereits ausführlich genug selbst bedauert), erheiternde Kommentare oder schräge Berichte von in die Hose gegangenen Kurzurlauben sind hingegen jederzeit willkommen!

Mukiku.

Viel Aufruhr in den letzten Wochen, in etlichen Lebensbereichen.
Ein bisserl viel und anstrengend war’s, wenngleich sich ein Trend zum Beflügelnden abzuzeichnen schien.
Dennoch: Der Akku muss jetzt ein bisschen aufgeladen werden, die Birne braucht Ruhe und neue Impulse, der Körper ebenso.

Wir sind dann mal für ein paar Tage weg – Richtung Berge, eine Art Crash-Mukiku (kurze Mutter-Kind-Kur) – und sollte uns danach sein, melden wir uns von unterwegs mal mit ein paar Ein- oder Aussichten (also einem Bild aus dem Schnee oder vor großen Kuchenstücken sitzend oder faul aus den Kissen hervorlinsend).

Bis bald & ein schönes restliches Wochenende!
Die Kraulquappe & das Dackelfräulein.

Himmel der Bayern (16): Lauf der Dinge.

Servus, Ruhpolding…

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… du hast dir echt Mühe gegeben mit deiner sonnigen, weißen Pracht …

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… – wir kommen wieder, wenn Fersen und Füße verheilt sind!

Himmel der Bayern (4): Sogar in Tirol.

4km jenseits der Grenze zum Freistaat:

Drei Tage zu dritt nachholen, was letzte Woche ins Wasser fiel. 

Kraxeln, Kühe, Kasnudeln. Karwendel eben.

Morgen: Falkenhütte.

Servus aus dem Rißtal, beim Warten aufs Alpenglühen –

Die Kraulquappe.

PS: Ein großes Dankeschön an unsere Trauzeugin D., die uns durchs Gießen der heimischen Balkonpflanzen den Verlängerungstag ermöglicht 🙂 !