Tutto bene?! Der Tourbericht vom 13. Juli 2020.

Lesen Sie heute: „Der To(rt)ur zweiter Teil.“

Wo waren wir doch gleich stehen- bzw. liegengeblieben? Genau! Unter dem Sternenhimmel über der Benediktenwand und der zapfigen Nacht vom 12. auf den 13. Juli zu sechst im Hundezimmer.

Das neue Lebensjahr begann zwar zunächst beidseitig beheizt – links Dackel, rechts Doodle – aber dennoch todmüde. Ein Nachtschlaf von nur drei Stunden sind in meinem Alter das, was vor 20 Jahren drei durchfeierte Nächte am Stück waren. Um kurz vor 7 Uhr blinzelte der erste Sonnenstrahl durch das von Andrea frühmorgens wieder geöffnete Fenster herein, der Gatte schlief noch (oder stellte sich schlafend, um die obligatorische morgendliche Gesangseinlage noch ein wenig herauszuzögern), aber die Betten der Braunschweiger Seilschaft waren bereits verwaist – auch Bobby hatten sie mir schon entrissen, wie mir mein kühles rechtes Bein beim Aufwachen sofort verriet.

Ich stand auf, zog mir Jacke und Mütze über, stieg in die eiskalten Wanderstiefel, kramte das Dackelfräulein aus dem Schlafsack und trat hinaus in die frische Morgenluft und die sagenhaft schöne Stille der Bergwelt.
Sofort machte es „Klick!“ – und mein erster, zaghafter Schritt ins neue Lebensjahr war abgelichtet worden!

Ich ortete das Geräusch bzw. die dazugehörigen Knipser und ging ihnen mit dem Dackelfräulein entgegen. Andrea, Wolfgang und Bobby erwarteten uns vor der kleinen Bergkapelle am Hang hinter der Hütte…

…und gaben ein dreistimmiges Liedchen zum Besten, leise genug freilich, um die Steinböcke nicht bei iher Morgengymnastik zu stören oder noch schlafende Hüttengäste zu wecken.

Wieder zurück in der warmen Stube folgten Bescherung und Frühstück, Katzenwäsche und Hundefütterung, Zimmeraufräumen und eine hochkomplizierte Packlogistik (was lassen wir alles bei der Hütte, was muss mit hoch zum Gipfel).
Um Punkt 9 Uhr war Abmarsch, das hatten Jubilarin und Tourleitung (also ich) so errechnet, ausgehend davon, dass wir um 16:30 Uhr wieder im Tal sein wollten mussten, damit noch genug etwas Zeit bliebe, um zum Gasthof im Tölzer Land zu fahren, dort unsere Zimmer zu beziehen, den Schweiß von zwei Bergtagen gründlich abzuduschen und ab 18 Uhr frisch gekleidet die anderen Gäste Willkommen heißen zu können (eine extrem sportliche Idee übrigens, an diese Tour gleich noch eine abendliche Feier dranzuhängen, aber die geladene Runde freute sich halt schon, einander endlich mal kennenzulernen und auch ich freute mich auf einen schönen Biergartenabend mit einer Handvoll guter Freunde und sogar dem Papa dabei).

Im Frühtau zur Felswand wir zieh’n, fallera!

Für den Westanstieg von der Hütte bis zum Gipfel der Benewand hatte ich anderthalb Stunden kalkuliert (der Weg via Ostflanke schied für die Hunde wegen der Seilsicherungen aus und die beiden sollten natürlich mitgehen können), für den Rückweg ebenso lang, womit die vom DAV angegebene und meist großzügig bemessene Gehzeit um knapp 30 Minuten überschritten wurde, das halbe Bonus-Stündchen war mein Puffer für Pipi- und Trinkpausen (zeitraubende Gipfelbussis würden wegen Corona eh entfallen, so dass oben nur eine kurze Andacht mit Zuprosten stattfinden würde und in der prallen Sonne könnten wir mit den Hunden eh nicht allzu lange verweilen).

Ein Blick zurück: Das Plateau rund um die Tutzinger Hütte.

Was ich allerdings nicht bedacht hatte: Die Braunschweiger Freunde (die ja eigentlich gar keine originären Braunschweiger sind, sondern 1x Penzbergerin, 1x Salzburger und 1x Harzer Wanderkaiser, was ihnen schon qua Herkunft einen alpinen Anstrich verleiht) sind neben leidenschaftlichen Wanderern auch passionierte Hobby-Fotografen (was Sie, liebe Leser, längst an all den schönen Bildern hier gemerkt haben dürften).
Und sie sind Genuss-Geher.
Und versierte Verweiler.
(Womit ich nun nicht sagen will, dass bei mir Genießen und Rasten zu kurz kämen, aber ich bin nicht so der Zwischendrinpausierer und das Fräulein auch nicht, wodurch sich bei uns häufig eher ein Berghinaufwetzen ergibt als ein romantisches Wandern.)

So ließ mich unterwegs der Blick auf die Uhr alsbald ebenso ins Schwitzen geraten wie der steile Aufstieg selbst, und mit zunehmder Höhe kroch plötzlich das alte Trauma von vor 10 Jahren in mir hoch und ich geriet mehr und mehr in ein Dilemma: Sollte ich aus Zeitgründen die Umkehr empfehlen und damit das Gipfelerlebnis vereiteln? Oder mit fröhlich-forschen Feldwebelsprüchen ein bisserl aufs Tempo drücken? Beides wäre gleichermaßen riskant: das eine würde das von den Freunden ersehnte Wandbesteigungsvorhaben versauen, das andere womöglich die bis dahin äußerst harmonische Stimmung in unserer Gruppe.

Was tun? Ich entschied mich dafür, das Stimmungsrisiko einzugehen, trotz der damaligen Erfahrung mit der Kollegin, wo das Ende der Benewand-Tour zugleich das Ende einer Freundschaftsanbahnungsphase bedeutete.
Andrea und ich hatten schließlich schon stabile Freundschaftsjahre und -erlebnisse vorzuweisen, daher klopfte ich mit meinem Trekkingstock dreimal auf den Fels und eine innere Stimme sprach mir Zuversicht und Trost zu: Diese Seilschaft übersteht das schon, wir schaffen das!

Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön?!?

Auf dem weiteren Weg zur Wand knirschte dann nicht nur das Geröll unter unseren Sohlen, sondern auch das eine oder andere Kiefergelenk wegen ein klein wenig Unmut, und es war noch offen, wie groß der allgemeine Heiterkeitsausbruch bei Anblick des Gipfelkreuzes und des sensationellen Panoramas in 1.801 Meter Höhe sein würde. Ein richtig spannendes Bergabenteuer also!

Das Dackelfräulein und ich stiegen voran, und als sich hinter den letzten Latschenkiefern und Serpentinen das Holzkreuz erhob, und das auch noch fast exakt zur Geburtsminute vor 48 Jahren, zückte ich mein Handy für ein Foto und sah just in dem Augenblick den Anruf des Papas eingehen. Was für eine Fügung!

Mit Tränen in den Augen (vor Erleichterung, dass wir gleich oben sind – es war 10:40 Uhr und somit wäre die ursprüngliche Zeitkalkulation noch haltbar – und vor Rührung, dass ich trotz des lautlos gestellten Telefons genau diesen einen Anruf live mitbekam) traf ich oben ein, drehte mich um und sah hinter mir schon den Rest unserer Truppe nahen, und auf dem Gipfel angekommen schien tatsächlich niemand Ambitionen zu haben, die Tourleitung wegen Fehlplanung oder Antreiberei die Steilkante hinunterzuschubsen und den unbeabsichtigten Trainingslagercharakter dieser prinzipiell schönen Unternehmung zu zerstören (mein Tipp: Machen Sie solche Monstertouren selbst mit guten Freunden sicherheitshalber nur an Ihrem Geburtstag, das garantiert Ihnen etwas Gnade!).

Endlich! Ein Traum geht in Erfüllung & ein Trauma wird überwunden!

Aber damit der Torturen noch nicht genug!
Gut vier Stunden Abstieg ins Tal lagen noch vor uns und wenn wir auf der Hütte nochmal durchschnaufen, einen Liter Flüssiges plus Imbiss zu uns nehmen und nicht nur in Windeseile die Rucksäcke umräumen und schultern wollten, mussten wir uns nun schon wieder beeilen, was ich ganz vorsichtig den aussichtsgenießenden und knipsenden Freunden mitteilte.

Allseits war man der Ansicht, runter käme man ja immer und das ginge sicher viel leichter und fixer als der Aufstieg (erneut regte sich die traumatische Erinnerung in mir: genau das waren seinerzeit auch die Worte der Kollegin, kurz vor dem Abstieg und dem Schweigen für immer, das diesem Talmarsch folgte), mein spröder Kommentar, dass wir die vier Stunden keinesfalls nennenswert unterschreiten würden, verhallte in der herrlichen Weite, die uns da heroben umgab.

Der Gatte zeigt dem großen Braunen das Karwendelgebirge: Bobby hatte nämlich noch einige Urlaubstage in Mittenwald vor sich.

So ging es mit flotter (und gottseidank an allen Schuhen haftender) Sohle zur Hütte hinab, wie betäubt saß man ein urgemütliches Stündchen auf der Terrasse, die beiden Vierbeiner komatös im Gras dösend und der Dinge harrend, die da noch kommen würden.
Eine kleine Diskussion übers Hier und Jetzt sowie die typisch bayrische Gemütlichkeit fand zwischen Obatztem und Hollerschorle auch noch Platz, bevor wir uns dem elenden Gepäckumschichten und -einschichten zuwandten und um Punkt halb zwei der Hütte den Rücken kehrten.

Diesmal über Almwiesen und urwaldähnliche Bergbachtäler abwärts, ach hätte man nur ein Quäntchen mehr Zeit gehabt, um die geschundenen Füße öfter zu kühlen (oder auch das Mütchen), aber Hut ab, es wurde allen von Stunde zu Stunde klarer, dass ich mit Strecken und Zeiten nicht beschissen hatte.

Um 16:30 Uhr waren wir sonnenverbrannt, schweißverkrustet und auch sonst ein wenig derangiert von unserem Spaziergang tatsächlich bei den Autos angekommen.

Und stellen Sie sich vor: Das Trauma wiederholte sich nicht. Alle sprachen noch mit mir! Auch beim Abendessen waren wir vollzählig und – soweit ich das in meiner Erschöpfung beurteilen konnte – guter Dinge. Ebenso am nächsten Morgen beim Frühstück. Vor allem der Humor war den Braunschweigern noch nicht abhanden gekommen: sie lachten schallend, als ich am Frühstückstisch die Wanderkarte vom Karwendelgebirge aufklappte und erste Tourentipps für die nachfolgenden Tage, die sie in Mittenwald verbringen würden, geben wollte. Ich wertete das als gutes Zeichen. Und auch sonst sah eigentlich alles danach aus, als würden sich unsere Wege nicht hier im Tölzer Land für immer trennen – puh!

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Endgültig traute ich dem Braten aber erst 24 Stunden später, als die zwischenzeitlich in ihrem Mittenwalder Quartier eingetroffenen Freunde mich anriefen und einluden, sie dort nochmal zu besuchen.
Vor Ort überzeugte ich mich von der Gemütslage und körperlichen Verfassung (beides gut), verbrachte eine innige Nacht mit Bobby in einem viel zu schmalen Bett (ging trotzdem) und am Tag drauf ließen wir unsere gemeinsame Zeit mit einem harmlosen, feuchtfröhlichen Regenspaziergang in aller Harmonie ausklingen.

So im Nachhinein muss man ja sagen: Es war großes Glück, dass wir überhaupt noch auf die Wand hinaufsteigen konnten, denn nur vier Tage später wurde der Westaufstieg wegen eines drohenden Felssturzes bis auf Weiteres gesperrt.

Wer weiß, wann der Alpenverein den Weg wieder freigibt – jemand der im August Geburtstag hat, muss sich also glatt einen anderen Jubiläumsausflug überlegen.

Außerdem schweißen einen gerade solche Erlebnisse ja manchmal für alle Zeiten zusammen. Was in Erinnerung bleibt, sind nie die Blasen an den Fersen, die zu langen Gehzeiten, die zu kurzen Pausen oder der fehlende Schlaf, sondern die tollen Momente, die wunderbaren Aussichten und das nicht nur in den Wadln spürbare Erfahren des kleinen, aber feinen Unterschiedes zwischen „Freunde im Leben“ und „Freunde fürs Leben“.

Für mich war es jedenfalls ein unvergesslicher Geburtstagsausflug.

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Liebe Andrea, lieber Wolfgang, lieber Bobby,

kommt gut nachhause & bald wieder für eine Urlaubswoche nach Bayern, das Team von Wanderdackel-Tours ist auch beim nächsten Mal gern wieder bei der Organisation eures Traumurlaubs behilflich und bietet neben dem nun schon vertrauten Modul „Trau dich: Torten & Torturen“ demnächst auch den von euch vermissten Baustein „Bilde dich: Botanik & Brauereien“ an.

Der Bewertungsbogen geht euch in den nächsten Tagen auf dem Postwege zu, wir hoffen trotz der kleinen Unschärfen unterwegs auf postives Feedback, werfen aber auch eventuelle Kritikpunkte nicht den nächstbesten Steilhang hinunter und wünschen einstweilen gute Erholung für die geschundenen Haxn!

Mit herzlichen Grüßen aus der bayerischen Landeshauptstadt –
Eure Reiseleitung samt Anhang.

Live-Ergebnis von Bierprobe Nr. 2: 8,5 bis 9 Punkte. Ich liebe Österreich!

Molto bene. Tourbericht vom 12. Juli 2020, für Andrea & Wolfgang.

Kleines Dackelfräulein vor großer Felskulisse.

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Dass die Begriffe „Traum“ und „Trauma“ nicht nur im Duden nah beieinanderliegen, wurde mir erst jüngst – nämlich auf dem Gipfelanstieg zur Benediktenwand – so richtig klar.

Mit manchen Bergen verbindet einen ja nicht nur eine traumhaft schöne alpine Erfahrung, sondern auch ein traumatisches Erlebnis. Für mich gehört die Benediktenwand zu eben jenen Bergen, auf die das zutrifft. Denke ich an die Benediktenwand, so fällt mir immer auch dieser Septembersonntag ein. Über zehn Jahre ist’s her, hat sich mir aber für alle Zeiten eingebrannt.

Eine jüngere Kollegin, mit der ich mich damals gerade in einer Art Freundschaftsanbahnungsphase befand, hatte mich wochenlang bequatscht, dass sie für ihre Trekkingreise durch Neuseeland trainieren müsse, und zwar unbedingt auch in Form von Touren durch alpines Gelände, und ich solle sie doch bitte mal zu einer meiner Bergtouren mitnehmen.
Ich schlug ein paar Wanderungen vor, die ihr allesamt zu kurz, zu leicht oder zu niedrig waren, so dass schließlich die Besteigung der Benediktenwand (als eintägige Tour mit kompletter Gratbegehung) in den Fokus rückte: 1.220 Höhenmeter (kleine Gegenanstiege mal außen vor gelassen) und eine Gehzeit von 8 Stunden (ohne Pausen) – das erschien ihr genau passend für ihr Trainingsvorhaben. Da ich die Tour schon mal gegangen war, gab ich zu bedenken, dass wir wirklich den kompletten Tag brauchen würden, also früh in München aufbrechen müssten und erst spät wieder heimkehren würden, und dass es unterwegs anstrengend wird. Weil der Ostaufstieg zur Wand eine seilversicherte Passage beinhaltet, die einem nach dem dreistündigen Zustieg bis dorthin durchaus fordern würde, weil die Gratüberschreitung sich ziemlich hinzöge und weil nach all dem ja noch der ellenlange Abstieg ins Tal folgte. Mit Pausenzeiten auf der Hütte am Fuße der Wand, unterwegs und auf dem Gipfel kam ich auf 10 bis 11 Stunden. Die Kollegin sprühte vor Energie und Tatendrang, wollte auf keinen Fall auf die Gipfelüberschreitung, die alleine schon gut drei Stunden frisst, verzichten und stand am frühen Sonntagmorgen in Top-Ausrüstung am vereinbarten Treffpunkt. Nun gut, dachte ich, sie weiß um die Anforderungen, hat die passenden Sachen an und macht einen fitten Eindruck – wird also alles klappen!

Als wir die Hütte erreicht und eine ausgiebige Pause gemacht hatten, begaben wir uns auf den Steig zur Ostflanke der Benediktenwand. Vor der seilversicherten Stelle riet ich zum Wegpacken der Trekkingstöcke, da man beide Hände brauchen würde, um sich zwischen den mächtigen Felsen durchzuhangeln. Sie ging dicht hinter mir – und auf einmal hörte ich einen Schrei. Die Kollegin war gestürzt (man fällt dort im Felsspalt nicht weit, sondern klemmt sich eher ein bisserl ein, wenn man sich vertritt) und war dann vor allem erschrocken über diesen kleinen Fehltritt. Ich half ihr wieder ans Seil zurück, wir gingen weiter und als wir diese etwas diffizile Passage hinter uns hatten, fragte ich bei einer Trinkpause nochmal explizit nach, wie es ihr ginge, ob sie sich wehgetan hätte. Es ginge ihr gut, sagte sie, aber ihre Knie wirkten zittrig und es bekümmerte sie sichtlich, dass sie sich einen ihrer (für eine Bergtour viel zu langen) Fingernägel abgebrochen hatte. Ob wir denn wirklich die Gipfelüberschreitung machen sollen, fragte ich, meinetwegen müsse das nicht sein. „Auf keinen Fall umkehren!“, war ihre Antwort, sie schaffe das schon, und runter ginge es ja eh immer viel flinker als rauf. Was bei dieser Tour nicht unbedingt der Fall ist, allein aufgrund der Strecke. Sie beharrte aber darauf, das sei alles gar kein Problem, also gingen wir weiter. Einige Stunden und zwei weitere kleine Stürze später saßen wir erneut auf der Hüttenterrasse. Ihre Brille war durch einen Sturz verbogen und ihr Knie aufgeschürft. Sie war mittlerweile schlecht gelaunt und erschöpft. Als ich den Hüttenwirt fragte, ob er meine Kollegin zufällig später mit dem Jeep ins Tal mitnehmen könne, war sie gekränkt und bekräftigte, sie käme da locker noch selbst hinunter.

So begaben wir uns auf den Abstieg. Sie war entkräftet und schwach auf den Beinen, wir brauchten daher dreieinhalb Stunden statt der üblichen zweieinhalb. Unterwegs war sie entsetzt, wie miserabel der Handyempfang war und regte sich nach jeder Serpentine erneut darüber auf, dass sie ihren Freund nicht anrufen konnte, um ihm Bescheid zu geben, dass es sehr spät werden würde, bis sie heimkäme.

Den Wanderparkplatz erreichten wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit. In der Stunde, die wir bis München brauchten, saß sie auf dem Beifahrersitz und telefonierte mit ihrem Freund oder schwieg.

Ich fuhr sie nachhause, sie stieg mit einem knappen „Ciao“ aus dem Wagen und sprach nie wieder ein Wort mit mir. Es war das seltsamste Ende einer Noch-Nicht-Freundschaft, das mir je widerfahren war, alle Fragen blieben offen, der Konflikt, von dem ich nicht wusste, worin er überhaupt bestand, wurde nicht ausgetragen und irgendwann blieb mir nichts anderes übrig, als diese Tour mit K. und alles, was daraufhin folgte als eines der ungelösten Rätsel in meinem Sozialleben abzuhaken (und beschloss, froh zu sein, dass sich so früh herausgestellt hatte, dass das wohl sowieso nichts hätte werden können, mit ihr und mir).

Seither ging ich nur noch eine Teilstrecke dieser Tour und auch die meist alleine. Ich saß dann vor der Hütte auf dem großen Almwiesenplateau und guckte nach oben, zu dem Gipfelkreuz der imposanten Felswand.
Und träumte davon, eines Tages doch noch einmal dort hinauf zu steigen.

*****

Am Sonntag, den 12. Juli 2020 war es dann soweit. Die Braunschweiger Freunde und Labradoodle Bobby waren für meine Geburtstagstour und den von Söder empfohlenen Urlaub in Bayern eingetroffen – und sie waren seit Wochen heiß auf die Benediktenwand. Natürlich mit Gipfelbesteigung.
Herrje! Ob das gutgehen würde?

Bereits mit einer Woche Vorlauf hatte ich Tourdaten und -varianten nach Braunschweig gemailt, damit schon mal alle Fakten bekannt wären. Das Hundezimmer auf der Tutzinger Hütte war gebucht, das Wetter nahm rechtzeitig eine erfreuliche Kehrtwende von Sintflut zu Sommer, und ich schob alle Gedanken an mein damaliges Tourtrauma beiseite: das Abenteuer sollte beginnen, der Traum gelebt werden.

Statt eines Begrüßungsbussis warf ich am Wanderparkplatz unseren Freunden ein Sackerl mit dem eigens für die coronare Hüttennacht besorgten, besonders leichten Spannbettlaken (in hundepfotenfreundlichem Anthrazit) und eine frische Münchner Breze zu.
Mit vollgestopften Backen und Rucksäcken liefen wir bestens gelaunt in das Lainbachtal hinein. Und weit hinten sah man sie schon aufblitzen: die Benediktenwand!

Nur eine schlappe Viertelstunde blieb unser Wanderglück unversehrt, dann rief der Gatte: „Oh!“ und „Wartet mal!“ und „Schaut euch das mal an!“.
Und wir blieben stehen und schauten und staunten nicht schlecht.

 

Seine Sohlen hatten sich vom Schuh getrennt, lappten zur Hälfte vom Stiefel herab und schnappten bei jedem Schritt nach dem Schotter auf dem Wanderpfad.
Dass wir die Trocknungsgeräte in der Wohnung als Verursacher dieses Totalschadens an beiden Schuhen ausmachten, änderte an der misslichen Lage natürlich rein gar nichts. Eine schnelle Entscheidung musste her.
Der Gatte testete kurz die im Rucksack befindlichen Trekkingsandalen, aber das würde keine zweieinhalb Stunden zu ertragen sein – und eine Gipfelbegehung war mit solchem Schuhwerk ohnehin völlig undenkbar.

 

Also machte er auf dem Absatz (der glücklichweise noch an den Schuhen haftete) kehrt, lief zum Auto zurück, düste heimwärts und holte sich dort andere Bergstiefel.
Wir rechneten aus, dass er, wenn alles glatt ginge (unterwegs kein Stau und das Ersatzpaar Bergstiefel noch verlässlich besohlt) und er sich ein bisschen sputen würde, rund zweieinhalb Stunden nach uns bei der Hütte – unserem Tagesziel – ankommen müsste (es waren dann nur anderthalb Stunden, was freilich an seiner Gebirgsjägervergangenheit und nicht etwa am rasanten Tempo auf der Autobahn lag).

Zu fünft liefen wir weiter und hofften, dass es nicht noch einen von uns mit einer derartigen Panne erwischen würde.

Zwei Frauen, zwei Hunde – ein Ziel: Die Benewand.

Die Tutzinger Hütte empfing uns mit Kuchen und Reutberger Weißbier…

 

…und einer sehr konkreten Aussicht auf das, was uns am nächsten Morgen bevorstünde…

…und als wir wieder vollzählig waren, konnte der gemütliche Teil des Tages beginnen: Essen & Trinken, ausgiebig Ratschen & Zimmer einrichten.

Beim Abendgassi liefen wir der Abendsonne noch ein ganzes Stück hinterher…

 

 

…und starrten paarweise bergauf, bergab oder in die Kamera…

…bis die Hunde dann die Schnauze voll hatten von all dem Geknipse und Gegucke und ihrer ersten gemeinsamen Übernachtung zustrebten.

Die Braunschweiger Seilschaft verfügte über die dickeren Schlafsäcke und sank kurz nach Mitternacht in den wohlverdienten Schlaf, das Dackelfräulein hatte sich zum Gatten in den Schlafsack gekuschelt und schnarchte, nur ich lag wach und fror.

Gegen 2 Uhr spazierte ich bei fast null Grad unter sensationellem Sternenhimmel nochmal zum Nebengebäude, in dem sich die Toiletten befanden und beschloss bei Rückkehr ins Zimmer, unser Fenster zu schließen, auch wenn das dem Raumklima nicht zuträglich sein würde. Schliefen ja alle tief und fest, so dass sie mich für diese Aktion erst am Tag drauf kreuzigen könnten.
Ein paar Minuten später stieg Bobby zu mir ins Bett und legte sich an meine Seite, womit gegen 3 Uhr alle meine Probleme gelöst waren und ich meinem Geburtstagsmorgen entgegenschlummern konnte.

*****

Was für ein Abschluss fürs alte Lebensjahr!

Danke an Andrea & Wolfgang für die tollen Fotos, und an den großen Braunen für die Bettwärme.

Teil 2 folgt in Kürze, bleiben Sie dran!

Staubl_auszeit Nr. 3.

…und ein drittes Mal binnen weniger Wochen sagen wir den Psocoptera leise Servus & verabschieden uns für ein paar Tage in (hoffentlich) nicht kontaminierte Gefilde mit besserer Luft als die neuen Dehumidifier sie hier daheim produzieren.

Zum Lockermachen vor der großen Tour nochmal ausgiebig die Haxn ausgeschüttelt…

…und einen der Liebslingsseen durchschwommen…

…während das Dackelfräulein am Ufer mit dem frisch aus Frankfurt heimgekehrten Gatten ein paar Runden Pfannkuchenwerfen spielt und sich nach dem Baden sonnt.

Derweil im fernen Niedersachsen des Fräuleins großer brauner Freund die Vorbereitungen für seine Abreise nach Bayern genauestens überwacht…

…und wenn wir das richtig sehen, auf dem hübschen Foto, das man uns hat zukommen lassen, dann waren wir offenbar fast alle nochmal beim Friseur, bevor wir uns wiedersehen 😉

Mittlerweile sind auch in der Münchner Ludwigsvorstadt alle Kisten, Taschen und Rucksäcke gepackt:

„Lang nicht mehr gesehen!“ – Pippa begrüßt Nuluensis, unsere Bergbiene.

Und wie kriegen wir jetzt das ganze Glumpp in den Rucksack?

Ganz einfach: Der Gatte, immerhin ja ehemaliger Gebirgsjäger, darf den Großteil tragen 😉

Nach neun Monaten – eine Zeitspanne, in der ganze Kinder heranreifen und Pandemien ausbrechen können – ist es morgen nun soweit: Das Anwolf-Rudel und wir gehen nach einer viel zu langen Durststrecke endlich wieder gemeinsam auf Tour!

Vor uns liegen über 1.200 Höhenmeter (zu einem der schönsten und aussichtsreichen Gipfelgrate im Voralpenland), eine Hüttenübernachtung (die für uns alle die erste Nacht mit zwei Hunden in einem Zimmer ist) und sicherlich das eine oder andere Abenteuer (Corona-Richtlinien auf der Hütte, Steinböcke in der Felswand, Bettwanzen in der Souterrainkammer – wer weiß, was einen so alles erwartet?!).

Für mich geht mit dieser Unternehmung ein lang gehegter Traum in Erfüllung: Einmal an meinem Geburtstag hoch oben in den Bergen aufwachen und zusammen mit einer Handvoll Lieblingsmenschen und -tieren von einem Gipfel aus die Aussicht auf das neue Lebensjahr genießen.

Drücken Sie uns die Daumen, dass es sich hier tatsächlich in den letzten 24 Stunden ausgeregnet hat (von der Menge her möchte man es ja meinen) und wir ohne auszurutschen da hinauf und auch wieder hinunter kommen und bis auf vier Paar Augenringe äußerlich unversehrt bleiben, damit wir dann auch die zweite Nacht im Tale noch gscheid feiern können.

Gratulationen senden Sie bitte an die Tutzinger Hütte am Fuße der Benediktenwand (mit der freundlichen Bitte um Übermittlung) oder über die üblichen Kanäle (wobei der Empfang dort oben nur auf einem kleinen Hügel hinter der Hütte einigermaßen funktioniert).
Postalische Grüße sowie kleinere und größere Sachspenden können ab Dienstag wieder in München entgegengenommen werden.
Da ich nicht mehr die Jüngste bin und nach der Heimkehr sicher erstmal durchschnaufen muss, kann es mit den Danksagungen ausnahmsweise ein bisserl dauern – nehmen Sie’s also bitte weder krumm noch persönlich.
Oder machen Sie sich’s leicht und denken Sie im Stillen an mich, das tut’s ja auch mal.

Ihnen eine gute Zeit & bis bald in alter Frische!

Wir sind dann mal weg!

3 Jahre, 2 Hunde, 1 Freundschaft.

Es gibt nichts Verbindenderes als so intensiv und gut verbrachte gemeinsame Zeit.

Danke Euch dreien für diesen wunderbaren Bergtag in Garmisch!

(Für nähere touristische oder persönliche Hinweise halten Sie bitte einfach den Mauszeiger auf das Bild Ihres Interesses – oder klicken Sie’s direkt an.)

Anything else?

Für Andrea & Wolfgang.

Das Equipment für die Jubiläumsfeier steht bereit! Mehr braucht’s nicht, oder?

Räumt schon mal ein Platzerl im Kühlschrank frei, bürstet den großen Braunen, legt den Forenbacher ein und lüftet das Gästezimmer durch – Pippa und ich sind bald im Anmarsch 😎🐕💕

Betthupferl.

Kriecht man spätnachts in sein Gästebett und findet – wie im Hotel – ein Betthupferl vor, sehr hübsch drapiert, so knapp unterm Kopfkissen.

Ein Schuh vom Hausherrn. Wau! Welch noble Geste! Der Hund des Hauses scheint einen zu mögen.

Als man morgens unerwartet früh aufwacht, weil man des nachts ins Hormonjammertal katapultiert wurde, also nicht in der Lage ist, schon aufzustehen oder mehr als eine Ibuprofen zu sich zu nehmen, da naht sogleich die Rettung auf vier Pfoten.

Größte Wärmflasche ever! Und so mitleidig und einfühlsam und lang angeguckt worden, dass die Schmerzen sich tatsächlich bald verziehen…

…Bobby aber findet, dass man noch liegenbleiben sollte, also tun wir das.

Wie sollte man auch diesen beachtlichen Kopf beiseite schieben, der einem so warm auf den Bauch gesunken ist (doch ein ganz ordentliches Kaliber, wenn man sonst 7kg Dackel gewohnt ist)?

Danke an die Penzbergerin, den Salzburger und den großen Braunen für das schöne Wiedersehen, die gelungene Party und den hohen Kuschelfaktor der Gastfreundschaft!

Wochenende (poop-bag-free).

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Auf dem Weg zur U-Bahn greife ich in meine linke Jackentasche, um mich zu vergewissern, dass ich das Zugticket auch wirklich eingesteckt habe. Ich spüre die zusammengefaltete Fahrkarte und bin beruhigt. Und ich spüre ebenfalls: ein Gefühl von Freiheit. Nicht etwa wegen der bevorstehenden Bahnfahrt oder der kleinen Reise an sich, sondern wegen des Fehlens der Hundekotbeutel und den 5-10 Hundekeksen in eben jener linken Jackentasche.

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Als ich mich daheim vom Gatten und dem Dackelfräulein verabschiede und in meine Jacke schlüpfe, denke ich: Das gönnst du dir jetzt mal – aus dem Haus gehen ohne irgendeinen dieser Hundehalterappendizes. Ohne Leckerlis und ohne diese grünen, ökologisch abbaubaren poop-bags in der Jacke. Ohne Bällchen, Pfotenhandtuch und Leine im Rucksack. 30 Stunden ohne all das.

Glauben Sie’s mir: Wenn man das fast acht Monate lang nicht mehr hatte, dann hat das was.

Zugleich eine heimliche Vorfreude darauf, dass dort, wo man hinfährt, auch ein Hund sein wird. Sogar einer, der einen Plüschdackel als Lieblingsspielzeug hat. Also schnell noch ein Würstchen aus der Vorratskammer geholt und ins Reisegepäck gesteckt.

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„Wir erreichen nun die Frankenmetropole Nürnberg“, verkündet die das „r“ so fränggisch rollende Lautsprecherstimme.

Ich unterbreche meine Lektüre, schaue aus dem Zugfenster und mein Blick fällt als Erstes auf das InterCity Hotel, das hinter dem Bahnhof liegt und das vor langer Zeit mal Treffpunkt war für ein Umsteigen vom Auto des ersten Ehegatten (ein Franke, ich war noch sehr jung und flexibel damals!) ins Auto vom Papa.

Wir kamen aus Würzburg, der Papa war auf Dienstreise in Nürnberg. Der Erstehemann in spe fuhr dann weiter nach Erlangen zu seinen Eltern und ich mit dem Papa nach München. Es war die recht spät stattfindende Erstbegegnung zwischen Martin und meinem Vater, der damals – nachhaltig traumatisiert von einem Wochenende mit K., dem nach Kümmelduschgel riechenden Medizinstudenten aus Wien, den ich als die große Liebe präsentiert und gleich für mehrere Tage nach München eingeladen hatte – strikt verfügt hatte, den „nächsten Aspiranten“ erst dann kennenlernen zu wollen, „wenn der sich mal mindestens ein Quartal gehalten und bewährt“ hätte. Das war mit Martin der Fall, denn nach 4 Monaten hatten wir schon eine gemeinsame Wohnung mit Weinbergblick oberhalb von Würzburg bezogen und sogar tagelang zusammen eine Schrankwand aufgebaut.

Wir hielten auf dem Parkplatz des InterCity Hotels Nürnberg, der Papa stand dort bereits neben seinem Auto und erwartete uns. Mit einem fröhlichen „Grüß dich, Michael!“ streckte er dem Franken seine Hand entgegen. Ich war amüsiert und korrigierte ihn, der künftige Erstehemann tat so als würde er lächeln, der Papa lächelte ebenfalls, aber authentisch, klopfte M. auf die Schulter und meinte, immerhin habe ja der Anfangsbuchstabe gestimmt.

Der Franke rächte sich später damit, dass er seinen Schwiegervater nie Lurchi nannte, wie der Papa aber von allen genannt wird, mit denen er etwas privater oder familiärer zu tun hat. Er sprach ihn bis zu unserer Scheidung mit dem Vornamen an, der in seinem Ausweis steht und auf den er in etwa so gut hört wie das Dackelfräulein auf „Pfui!“ oder „Aus!“.

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Wenig später dümpelt der ICE an dem Würzburger Vorort vorbei, in dem einst die beiden Erstsittiche mit bester Aussicht auf den Main zur letzten Ruhe gebettet wurden und ich mir bei einem Sturz von der Schwalbe den Knöchel blutig schürfte, weil ich mit der rechten Hand noch unverändert am Gasdrehgriff hing und das Vehikel mich deshalb in munteren Kreisen über den Asphalt schleifte.

Was für eine braungraue Trostlosigkeit und architektonische Ödnis diesen fränkischen Käffern doch anhaftet.

Am Würzburger Bahnhof bleibt der Zug länger als geplant stehen, um auf Reisende aus einem anderen ICE zu warten.

Rechterhand vom Bahnhof in den Hügeln das Schloss Steinburg, dahinter ein paar Tannen, und ein Stück hinter dem kleinen Wäldchen vielleicht immer noch der Bungalow von Dr. Almuth S., meinem Erstversuch, die Sache mit der Mutter mal aufzuarbeiten.

Sehr beige und cremefarben war das dort, alles in dem Haus mehr Flokati als Psychiater, und ich dann auch schnell wieder weg, als mir diese makeupzugekleisterte Trulla in edler Kamelhaarjoppe in der zweiten Sitzung einreden wollte, dass ich womöglich auch ein Vater-Thema hätte und vorschlug, die vereinbarte Stundenzahl von 20 auf 50 zu erhöhen. Ein Jahr unsinniges Psychogestochere in diesem cremefarbenen Alptraum? Nein danke!

Habe dann den Job im Weinkeller angenommen, dort begonnen, rote Gauloises zu rauchen, erstmals den Kontakt zur Mutter ganz abgebrochen und schließlich noch das Studienfach gewechselt.

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Auch so eine späte Erkenntnis: dass man ja auch all das, was man gar nicht zu Ende studiert hat, im Lebenslauf unter „Studium der xy“ auflisten kann (und wohl sogar darf), so liest sich das ja gleich viel besser-länger-klüger.

Hab ich erst letztes Jahr geschnallt, dass andere das so machen und so eine erkleckliche Geistes-Vita zu Papier bringen und damit sogar auf dem Markt auftreten.

Ein echter Wettbewerbsnachteil, dass ich da immer bloß eine bescheidene Zeile stehen hatte, weil ich nur die für relevant hielt. Mittlerweile zwar auch schon wurscht, aber sollte ich je wieder einen CV zusammenbasteln müssen, stünden an der Stelle nun mindestens sieben Zeilen und dem potenziellen Arbeitgeber hoffentlich vor Staunen ob meiner breit gefächerten Interessen und umfassenden Bildungseifers der Mund offen.

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Bevor ich mich nun noch an den nächsten Haltestellen der Erinnerung – Fulda und Kassel – abarbeite, was diesen sonnigen Samstag unnötig mit wirklichem Seelenschmutz überzöge (v.a. die Erinnerung an drei Tage Fulda im Dezember 2013), greife ich nochmal in die kacktütenfreie linke Jackentasche, fummle ein paar Münzen heraus, hole mir im Bordbistro einen Kaffee to go & to verschütt in the shaky train, höre ein bisserl Musik und stimme mich mal auf die große Geburtstagssause ein, die in gut zwei Stunden im Park von Schloss Richmond beginnt.

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Auch Ihnen ein schönes Wochenende, mit guten Gedanken und ebensolcher Gesellschaft & herzliche Grüße an meine beiden Lieben daheim!

Ge_danke_n 2018 (3).

Das heutige Ge_danke_n-Stückchen 2018 ist für meine Bloggerfreundin Andrea.

Seit über zwei Jahren hegen und pflegen wir, was seinerzeit beim Gipfeltreffen im unvergessenen Nörten-Hardenberg begann, wo ich (beinahe noch unvergessener) auf Springsteens Spuren lustwandelte. Das allein ist schon ein Grund, dankbar zu sein, denn oft lassen sich neue Verbindungen, die von Anfang an mit einer räumlichen Distanz von 500km verbunden sind, nicht allzu lang aufrecht erhalten.

Letztes Jahr 1x München und 1x Braunschweig und dieses Jahr dann unser Abend in Reichenhall und die Tour bei Berchtesgaden, das war – so mitten im Umzugsstress – ein echtes Highlight und eine willkommene Abwechslung. Ein ganz tolles Wochenende zu sechst war das!
Vor allem aber möchte ich Danke sagen für all den Austausch das ganze Jahr über und: es gibt nur wenige Menschen, bei denen ich mich mit meinen gelegentlichen Hundesorgen so gut aufgehoben fühle.

Und ganz aktuell danken wir auch noch für das Weihnachtspaket.

Eine der wenigen Sendungen, die durch den Briefkastenschlitz aufs Parkett segelte und nicht sofort angebellt wurde. Beim Öffnen verstand ich natürlich, wieso: Ein Hunde-Wurst-Lolli kullerte heraus, das hatten wir noch nie! Pippa war ganz aufgeregt und es war schwer, ihr zu vermitteln, dass das ein verfrühtes Geburtstagspräsent ist und kein Weihnachtsgeschenk, an das man sofort ran darf, wenn einem Weihnachten so lolliwurscht ist wie uns.

An die anderen Köstlichkeiten wollte sie auch sofort ran, aber die in der Sternchentüte, die hab ich ihr weggefressen, die waren nämlich ganz klar für die menschliche Vorweihnachtszeit gedacht. Sie tröstete sich dann mit dem Pin-up-Boy-Kalender von ihrem großen braunen Freund, der ja wieder ein kleines Kunstwerk ist, sowohl der Freund als auch der Kalender.
Mal ehrlich: wir hatten uns schon etwas bang gefragt, was wir machen, wenn der dieses Jahr nicht in DIN A5-Format, sondern aufgrund unseres überschwänglichen Lobes im Upgrade auf ein DIN A2-Format eingetroffen wäre – vorsorglich haben wir eine große Wand im langen Flur freigehalten! -, aber gottseidank kam er in der gewohnten Version und Größe hier an, so dass er 1:1 auf den Nagel des 2018er-Vorgängers passt 🙂 – und ich würde mich freuen, wenn du das bald persönlich begutachten kämest.

Danke für alles, liebe Andrea, grüß Deine drei Männer & bis bald im neuen Jahr!

PS: Sorry, es hat doch nicht geklappt mit der Aufbewahrung bis zum 28.12….

You better run you little wild heart.

Für Andrea & Pippa.

Vor ein paar Tagen las ich morgens, noch gemütlich mit dem schnarchenden Dackelfräulein im Bett kuschelnd, den neuesten Blogbeitrag meiner Freundin Andrea aus Braunschweig.

Dass Andrea neulich mit Mann und Labradoodle Bobby in Berchtesgaden eine Woche „Hundeurlaub“ gemacht hatte – genauer gesagt: an einem „Antijagdtraining“-Kurs teilgenommen hatte – war mir natürlich nicht mehr neu, denn wir hatten die drei direkt nach Kursende dort besucht und anderthalb schöne Tage miteinander verbracht. Bei einer gemeinsamen Wanderung hatte Andrea mir auch bereits ausgiebig von der Trainingswoche berichtet und wir konnten live zusehen, wie sie die Kursinhalte fleißig unterwegs übten.

Nun reichte sie noch ein Interview zu der Thematik nach, das sie im Anschluss an den Kurs mit der Hundetrainerin geführt hatte.
Beim Lesen blieb mir an einigen Stellen die Spucke weg und die gerade noch so gemütliche Morgenstimmung wandelte sich zu einem Gefühlsmix aus Beschämung und schlechtem Gewissen.

Etwas benommen stand ich auf und wurschtelte mich so durch den Tag, immer wieder mit einem mulmigen Gefühl an diesen Beitrag denkend.

Warum?

Nachdem ich das Ganze ein Weilchen habe sacken lassen, ist es mir klar geworden: Weil mir manche Antworten der Hundetrainerin die Augen für die momentanen Defizite in der Beziehung zu meinem Hund ebenso geöffnet hatten wie für ein paar lang gehegte Fehlinterpretationen (wie z.B. dass Buddeln auch zum jagdlichen Verhaltensrepertoire gehört), für Gedankenlosigkeiten (im Umgang mit dem Hund) und für den üblichen, leider immer wieder mal einreißenden Alltagsschlendrian in unserem Zusammenleben (kein Miteinander, sondern ein Nebeneinander).

Seit drei Monaten dreht sich hier fast alles nur noch um die neue Wohnung, die Renovierung derselben, etliche berufliche Dinge und das Abhaken von diversen Erledigungslisten. Der Gatte ertrinkt ebenfalls in Arbeit und schleppt sich tapfer und ziemlich überarbeitet durch sein Sommersemester.

Nun bin ich zwar gut im Organisieren und auch ein passabler Stressphasen- und Umzugs-Manager, bekomme daneben sogar noch ein gewisses Maß an Sozialleben und Freundschaftspflege auf die Reihe, dasselbe gilt fürs Schwimmen und etwas Bewegung überhaupt.
Aber vor lauter Gewurschtel und Geplane ist Pippa im Laufe der Wochen ganz unmerklich zu einem Pflichtprogramm geworden, das ich zwar diszipliniert in den Tag einbaue wie alles andere Notwendige oder zu Erledigende auch, nur ließ die Freude an der Zeit miteinander, ein echtes Aufeinander-Bezogensein, die Intensität unserer Bindung mehr und mehr nach.

Bei Spaziergängen warf ich ein paarmal pflichtschuldig den Ball, ließ sie buddeln oder das Ufergebüsch durchstöbern, weil ich dann nicht weiter gefordert war, sie zu beschäftigen. Stand unbeteiligt daneben. War froh, einfach mal eine Weile irgendwo rumzustehen und irgendeinen Punkt zu fixieren: das Loch, das sie grub, die Stelle auf der Wiese, in der sie sich wälzte, ihr wackelndes Hinterteil, wenn sie vor mir her lief. Viel mehr ist zwischen uns in den letzten Wochen nicht passiert. Ich war einfach zu erschöpft – von den Wohnungsdingen, von manch zwischenmenschlichen Strapazen, von viel Arbeit mit einem kaputten Ellenbogen.

Es reicht, merkte ich plötzlich. Und zwar reicht’s mit Einigem (wovon heute nicht die Rede sein soll und vielleicht auch überhaupt nicht hier).
Manchmal braucht’s ja diesen Schubs von außen, damit man kapiert: Zeit wird’s, wieder in ein anderes Fahrwasser zu kommen. Höchste Zeit! Und genau diesen Impuls gab mir Andreas Beitrag.

Noch bevor nächste Woche das Bad renoviert wird und man wieder vor lauter Sägespänedunst, der den Handwerksfreund und mich hier Woche für Woche umgibt, kaum noch erkennen kann, welcher Wochentag eigentlich ist, habe ich beschlossen, ab sofort mein Dackelmädchen nicht mehr wie einen Programmpunkt zu behandeln und draußen überwiegend ermüdende Pflichtrunden abzuspulen, sondern schleunigst wieder zu der Beziehung zurückzukehren, die wir den Großteil unserer sechseinhalb gemeinsamen Jahre über hatten und die mich immer so froh gemacht hat (beinahe hätte ich gesagt: auf die ich immer so stolz war, aber mit Stolz und so Sachen hab‘ ich’s nicht so).
Zwei, die nacheinander gucken, die aufeinander achten, die miteinander durch die Welt und durchs Leben gehen – und sich dabei aneinander freuen.

Es gibt so viele Gelegenheiten dazu, man muss sie nur ergreifen und zulassen – und genau damit habe ich heute wieder begonnen.

Die Tour:
Traubling – Golfplatz Tutzing – Deixlfurter Weiher – Ilkahöhe – Forsthaus – und über Obertraubling und Monatshausen zurück. 12 Kilometer. Passables Wetter. Nicht überlaufen, kaum störende Mountainbiker, keine Wildschweine oder Rehe.
Schöne Einkehr mit Weitblick aufs Alpenvorland und auf der Terrasse sogar herrlich Ruhe gehabt, weil das lärmende Sonntags-Familienvolk von einer dichten Hecke abgeschirmt nebenan im Biergarten tobt. Kostet nicht mal 2€ mehr, den Imbiss im Bedienbereich einzunehmen, das war’s wert.

Unterwegs kein stumpfsinniges Bällchenschießen, kein gedankenloses Buddelnlassen, stattdessen gemeinsam durchs mannshohe Schilf gekämpft, unwegsamste Wege ausprobiert, zweimal verlaufen, Schlangen bestaunt, auf wackligen Stegen herumgeturnt, Seerosen beschnuppert, im Moorsee gebadet, auf urwaldähnlichen Sumpfpfaden im Morast versunken (der Dackelpopo danach wie in Tonerde eingebacken, im nächsten Weiher gleich abgewaschen), über Bachläufe gesprungen, einen toten Fuchs gefunden, auf umgefallenen Riesenbäumen herumgeklettert, von Golfspielern angepöbelt worden und zusammen zurückgemotzt – und nach vielen Stunden müde und zufrieden wieder am Auto angekommen.

Auf der Heimfahrt wählt die Shuffle-Funktion des CD-Players aus der Musiksammlung das hier aus:

You make up your mind, you choose the chance you take
You ride to where the highway ends and the desert breaks
Out on to an open road you ride until the day
You learn to sleep at night with the price you pay
(…)
Now they’d come so far and they’d waited so long
Just to end up caught in a dream where everything goes wrong
Where the dark of night holds back the light of the day
And you’ve gotta stand and fight for the price you pay
(…)

Als Springsteen bei der Zeile „So let the games start, you better run you little wild heart“ angekommen ist, halte ich gerade an einer Ampel in Starnberg. Nutze die Gelegenheit, drehe mich um und gucke zu Pippa, die friedlich auf der Rückbank schläft. Ihre Pfötchen zucken ein bisschen, vermutlich träumt sie.

Ich verrenke mir den Arm, greife nach hinten und streiche über ihren kleinen Kopf.
My little wild heart, sage ich zu ihr – let the games start again!

(Dies, liebe Andrea, als Antwort auf deine Frage aus der Mail von heute Mittag.)

Du bist so groß und i nur a Zwerg!

„Du bist so groß und i nur a Zwerg!“ (Des Dackelfräuleins Ode an den Watzmann und Bobby)

Für 36 Stunden raus aus der Stadt, der Wohnung, dem Umzugs-, Umbau- und Ausbaukosmos. Auch mal wieder ein Segen, zumal bei der Gegend, dem Wetter und in der Gesellschaft!

Gestern Abend in Bad Reichenhall: Gustl vom Fass und zwei Ungustl unterm Tisch.

Süffig, süffiger, Suffikator.

Alpenländische Bierkultur.

Für den Großen Braunen immerhin eine Hundmaß.

Heute dann zu sechst in die Berge bei Berchtesgaden: „Gasthof Sahnegletscher“ klingt ja schon mal verlockend.

Mit Dog&Blog-Freundin Andrea morgens vor Watzmann-Kulisse.

Auf dem Soleleitungsweg oberhalb von Ramsau.

Noch zwei Minuten bis zum Toten Mann!

„Jetzt reicht’s aber langsam mit Bergaufgehen bei der Hitze!“

Oben angekommen: Während die Männer „Toter Mann“ spielen…

…halten sich die Frauen an den Hunden fest.

Pures Bergglück eben!

Danke an Andrea, Wolfgang, und Bobby für den wunderbaren gemeinsamen Tag – kommt gut nachhause & kommt bald wieder!

Anschließend noch einen Abstecher in die Vergangenheit des Gatten unternommen, zur Gebirgsjäger-Kaserne nach Berchtesgaden…

…wo das Dackelfräulein sogleich dem Löwen den Rang streitig machte…

…derweil wir herzliche Grüße an Mr. Speedhiking ins Allgäu sandten, der hier einst ebenfalls mit Watzmannblick diente.

Danach noch schnell ein Bad im Königssee…

…und anschließend mit einer Schlafenden Hexe vor uns (und einer hinten auf der Rückbank) zurück nach München.

Vor zwei Jahren stand ja mal kurz im Raum, ob wir uns vielleicht Richtung Frankfurt verlagern, um dem Gatten das Pendeln zu ersparen, aber nach solchen Tagen sag‘ ich immer: „Gottseidank hat’s mich nicht in den Taunus verschlagen, denn da wär‘ ich nie und nimmer glücklich geworden.“

Soweit das Wort zum Sonntag und herzliche Grüße an die treue Leserschaft!