Ruhig, Brauner!

Im Gewölk bricht Blitzesglanz aus, eine Walküre hoch zu Ross wird sichtbar, über ihrem Sattel hängt ein gefallener Krieger.
Beim Zusammentreffen der Walküren, die auf ihren Pferden die Gefallenen mit sich führen, kommen sich zwei der Rösser zu nahe, wodurch Helmwige sich veranlasst sieht, dem durch seine tote Traglast in Aufruhr geratenen Hengst mit den Worten „Ruhig, Brauner! Brich den Frieden nicht!“ Einhalt zu gebieten.

Die Szene entstammt Wagners „Die Walküre“, Teil der Tetralogie „Ring des Nibelungen“. Ich musste das googeln, denn Opernhäuser gehören nicht zu meinem natürlichen Habitat.

Manche solcher Redewendungen erschließen sich einem sowieso besser im praktischen Erleben und nicht durch Opern- oder Theaterbesuche (oder die Lektüre der Bibel).

Der Braune, hier ganz ruhig.

Als ich am späten Donnerstagabend in Braunschweig eintraf und das liebevoll für mich hergerichtete Gästezimmer betrat (inkl. Dackelstofftier, falls einen das Heimweh überkäme sowie einem Kopfkissensortiment für Mehrfach-Lädierte), wärmte mir Hausherr Bobby bereits meine Schlafstatt vor.

Momente, in denen man spürt: Man ist willkommen hier, die Gastgeber haben an alles gedacht – und frieren würde man des Nachts auch nicht.

Auch am nächsten Morgen war er noch recht ruhig, der Braune. Dann landete das Münchner Mitbringsel im „Napf“ (der in der Wahrnehmung eines Dackelfrauchens einer Auflaufform für 4 Personen glich)…

Die (kurze) Ruhe vor dem Sturm auf den Bottich.

…und zu Recht guckt ein echter Harzer Bursche erstmal skeptisch, wenn man ihm ungewohntes Bavarian-Street-Food – „Ochsenfetzen mit Wurzelgemüse, Hopfen und Kräutern“ – vorsetzt. 

Bavarian bowl for Bobby.

Zwei Minuten später war die Freundschaft besiegelt und ich vollends als Rudelgast akzeptiert.

Frisch gestärkt war es nun vorbei mit der Ruhe. Geschirr und Rucksäcke wurden angelegt – und los ging es!
Zum Dank für die Ochsenfetzen erhielt ich eine 13 Kilometer lange Privatführung durch den Nationalpark Harz.

Andrea, Bobby und ich fuhren nach Bad Harzburg: Details unserer schönen Rundwanderung empfehle ich im „Anwolf“-Blog nachzulesen, denn dort finden sich auch die besseren Fotos.

Vom Parkplatz aus wanderten wir über die Zwischenetappe Molkenhaus hinauf zu den Rabenklippen…

Von den Rabenklippen eröffnet sich der Blick zum verschneiten Brocken (rechts hinten).

…unterzogen die Redensart „Augen wie ein Luchs haben“ einem Praxistest, scheiterten kläglich und waren froh, dass wenigstens einer von uns den richtigen Riecher hatte und die Wildkatze orten konnte.

Luchs in der Nase – da wurde er unruhig, der Braune.

Wir passierten das Kreuz des Ostens…

Meine Reise vom Stern des Südens zum Kreuz des Ostens.

…und erreichten schließlich den Burgberg, von dem aus man eine schöne Sicht auf Bad Harzburg hätte haben können, wenn nicht wieder dichter Nebel aufgezogen wäre. Entschädigung für den entfallenen Talblick bot – namentlich wie kulinarisch – das Hotelrestaurant „Aussichtsreich“. Hier stärkten wir uns so ausgiebig, dass wir die letzte Etappe in der Dämmerung zum Auto zurückwanderten und erst im Dunkeln dort ankamen.

Der Große Braune hatte sich so ausgetobt, dass er für den restlichen Abend friedlich schnarchend mein Gästebett okkupierte, wohingegen wir Menschen nach dem zweiten Weißbier (und dank der inspirierenden musikalischen Untermalung zu den Antipasti) nochmal auftauten und angeregt diverse Ideen zu gemeinsamen privaten und beruflichen Unternehmungen diskutierten.
Geschwiegen wurde in Braun_schweig jedenfalls nicht viel, dachte ich mir, als ich etwas übernächtigt und mit leichtem Halskratzen in den ICE nachhause einstieg.

Wer hätte das gedacht, dass sich aus einer Bekanntschaft in der Blogosphäre und dem ersten Beschnuppern in Nörten-Hardenberg ein so wohltuender und ergiebiger Kontakt entwickeln würde? Schön war’s!

Herzlichen Dank an die drei Anwölfe für die tolle gemeinsame Zeit, die guten Gespräche und die perfekten Frühstückseier…

Brooding Bobby Brown.

…und allen anderen Lesern einen gemütlichen Ausklang des ersten Adventswochenendes!

Nothin‘, it ain’t nothin‘, honey, if it ain’t free. Zum 10. April 2017.

Lieber Bobby,

lang, lang ist’s her, leider!

Aber ich hab‘ den Tag nie vergessen, an dem wir uns zum ersten Mal gesehen haben, bei unserem Blind Date, dort oben in Nörten-Hardenberg.

    

Es hätte der Beginn einer großen Hundeliebe werden können, wenn sie uns nicht nach diesem einen Tag schon wieder auseinandergerissen hätten!

Seither sieht die Situation so aus: 603 Kilometer voneinander entfernt döst jeder einsam vor sich hin…

  

… und sieht den anderen bestenfalls in irgendeinem Hundejournal.

  

Das ist doch kein Zustand!

Ich kann nur hoffen, dass wir uns im Herbst tatsächlich in der Rhön treffen, so wie unsere MamasFrauchen es schon ausgemacht haben. Dann scheuchen wir die beiden den Kreuzberg hinauf, abgemacht? Lassen sie kurz ihr Klosterbier runterkippen und weiter geht’s! Es gibt schließlich viel Aufregenderes als Rumhocken in Lokalen. Ich hab‘ da schon eine Menge Ideen, was wir anstellen können…

Für deinen heutigen Ehrentag wurde mir bei der Songauswahl freie Pfote gelassen, und weil ich dauernd diesen Bruce hören muss, hab‘ ich gedacht, ich wähle mal eine Frauenstimme, das erfreut einen Kerl wie dich bestimmt mehr als männliches Gebell, denn das kannst du schließlich selbst 😉

Ich habe mich für einen meiner All-time-favorites entschieden, weil mich der Text ein bisschen an uns erinnert.

I pulled my harpoon out of my dirty red bandana
I was playin‘ soft while Bobby sang the blues
Windshield wipers slappin‘ time
I was holdin‘ Bobby’s hand in mine
We sang every song that driver knew

Freedom’s just another word for nothin‘ left to lose
Nothin‘, it ain’t nothin‘ honey, if it ain’t free
And feelin‘ good was easy, Lord, when he sang the blues
You know feelin‘ good was good enough for me
Good enough for me and my Bobby McGee

Gut, wie man auf den Fotos sieht, war es eine hellblaue Bandana. Und deine Pfote ist viel zu groß als dass ich sie je in meiner halten könnte. Außerdem saßen wir auch nur zusammen in einem VW-Bus, und der Fahrer war eine Frau.

In meiner Erinnerung haben wir trotzdem zusammen gesungen – und vor allem haben wir unsere Freiheit genossen. Als hätten wir nichts zu verlieren, als ginge es nur um diesen Moment, diese Ackerfurche, diese Hasenfährte, diesen Pferdeapfel oder diesen Knochen…
Das können wir schließlich viel besser als die Menschen!

Für dein neues Lebensjahr wünsche ich dir daher stets genug Freiheit, Freilauf, Freiraum und freie Wahl beim Fressen!

In diesem Sinne: A very happy Dogday & see you on the trail!
Deine Pippa.