Sie hat manchmal wollen den Sonnenschein auf ihren Hut stecken und die Abendröte umarmen.

[Blogbeitragsüberschrift frei nach Adalbert Stifter]

Weil die liebe B., die derzeit in N. auf U. weilt, sich schon latent sorgt, ob wir womöglich im See oder Freibad ertrunken sein könnten, weil es hier derzeit etwas ruhig geworden ist, nun ein kleines Lebenszeichen in Bildern, quasi eine Dokumentation so mancher Stationen oder Aktivitäten der letzten Tage:

Ausflug an den Ammersee: Diesmal Westufer, wieder viele Fotos, vor allem von Fräulein Seehund…

…aber auch von den Sehenswürdigkeiten in Dießen.

Erstes Selfie mit dem neuen Handy: Schön schattig, das kaschiert fast alle Falten.

Begleitung hatten wir auch: Meinen großen Freund S. und seine Kamera, die viel besser ist als meine.

Wanderung von Dießen zur Schatzbergalm: Könnte eine sehr schöne Tour sein, wenn wir nicht auf dem Schatzberg von einer Mückeninvasion heimgesucht worden wären.

Szenen auf dem Tisch: Die König-Ludwig-Desinfektion der Mückenstiche von innen.

Szenen unter dem Tisch: „Warum esst ihr was und ich krieg nur einen doofen Napf voll Wasser?“

Der Sommerhitze trotzen: Erfrischung, und zwar für alle (sagt auch die Abendzeitung – ich check nur nicht, was die Gourmets mit Baden zu tun haben).

Absurd: Die längste Hundewurst der Welt, aus ihrem 60cm x 75cm-Korb gerutscht.

Mein erstes Erfolgserlebnis auf Balkonien (von der blauen Hortensie wollen wir lieber schweigen).

Pfingsten in München: Englischer Garten, große Gassirunde, Rast im Aumeister.

Clever Shoppen: Am Tag nach dem Mega-Unwetter im Münchner Westen in einen Pflanzenmarkt im Münchner Westen fahren und die wegen Topf- und Blattschäden stark reduzierte Ware als Ersatz für so manch misslungenes Balkonprojekt mitnehmen.

Unterschlagen wurden in dieser bunten Auflistung:

  • diverse langweilige Büroarbeiten
  • stundenlange Recherchen für den nächsten Magazinbeitrag
  • einige Akquisitonstätigkeiten
  • Matthias Forenbacher in Endlosschleife hören
  • zeitaufwändiges Einbalsamieren der zehn fetten Mückenstiche nach dem Ausflug mit S.
  • alle weiteren Haushaltstätigkeiten der letzten sechs Tage
  • zwei Läufe im benachbarten Park
  • zwei Schwimmbadbesuche, einer davon mit Kampfeinsatz (Pfingstandrang, Beckenquallen, Randspringer)
  • Kauf und Zubereitung eines sündteuren Bio-Rindersteaks zur Aufrechterhaltung des Ferritinwerts
  • kontemplative Stunden mit Sonne und Weißbier auf der Parkbank vorm Haus
  • Installation eines neuen Handys inkl. Datenübertragung vom alten Handy
  • Reiseplanungen für den Spätsommer samt haarsträubender Mailkommunikation mit etlichen Hotels im Ausland, die sich erdreisten, für einen kleinen Dackel pro Nacht 25€ kassieren zu wollen, was jeweils in keiner Relation zum Zimmerpreis für den Menschen steht
  • extensiver Konsum von Huberbuam-DVDs in den späteren Abendstunden, um den nachfolgenden Träumen ein paar neue Impulse zu geben (leider die 3D-Brille nicht vertragen)

Herzliche Grüße an die Leserschaft & der lieben B. noch eine erholsame Zeit an der Ostsee!
Die Kraulquappe.

In einer kurzen Regenpause oder: Hey, where did we go?

Dieser kleine Hund…
Was für eine Lebensfreude! Was für eine Lust zu spielen und sich zu bewegen!

Da kann man sich echt eine Scheibe von abschneiden.

(Gleich danach im Freibad gewesen, bei 11°C, im Wasser also deutlich wärmer als draußen. Regen prasselt auf den Rücken, leer isses im Becken. So lässt sich’s entspannt Kraulen, ohne Aufschauenmüssen, zwei Kilometer völlig ungestört, wirklich schön. Und trotzdem sehnt man sich nach dem Sommer.)

Hey, where did we go
Days when the rains came ?
Down in the hollow
Playing a new game,
Laughing and a-running, hey, hey,
Skipping and a-jumping
In the misty morning fog with
Our, our hearts a-thumping
And you, my brown-eyed girl,
You, my brown-eyed girl!

Sometime I’m overcome thinking about
Making love in the green grass
Behind the stadium
With you, my brown-eyed girl,
You, my brown-eyed girl.

Ich bin ja auch kein Hund, ich bin ein Dackel!

(frei nach Karl Valentin: „Ich bin ja auch kein Mensch, ich bin ein Bayer!“)

Da schau’n Sie sich das an, wie das heut‘ zugegangen ist in München:

Hunderte Dackel aller Couleur samt ihren Besitzern (ebenfalls aller Couleur) patroullierten pünktlich ab 14 Uhr und bei bestem Wetter vom Deutschen Museum hinüber zum Isartor.

Die Polizei hatte die Straßen zu diesem Behufe ordentlich abgeriegelt, schließlich gab es ja nebenher noch eine Demo mit Schildern in Wurst- und Knochenform, und auch der Trojanische Dackel, der den Zug anführte, bedurfte eines Geleitschutzes.

Am Zielort angelangt gab es eine kleine Kundgebung, keine Ahnung, was deren Inhalt war, man hat es vor lauter Trubel, Bellen und Humtata der Musikkapelle nicht verstehen können, aber eh wurscht: Die ganze Aktion hat einfach Spaß gemacht, es gab so viel zu gucken und zu lachen, Jung und Alt kamen ins Gespräch, natürlich auch die Viecherl untereinander – und nicht zu vergessen: das Münchner Urviech unter den Dackelbesitzern war ebenfalls mit von der Partie, logisch!

Beim großen Abschlussfoto für die Presse spontan und mit einem fixen Sprung just neben diesen Herrn platziert (zoomen Sie sich den unbedingt ran, sonst entgehen Ihnen die Kini-Clips im Bart!), man hat da ja eine gewisse Übung (so als Musik-Fan und Konzertgängerin mit Groupie-Gen) und auf Nachfrage hieß es, morgen oder spätestens übermorgen dürfte das wohl gedruckt werden, „wenn das Foto was hergibt“.

Und ich bin sicher, dass es das tut, weil dieser Parade-Bayer schon x-mal im Fernsehen und in Magazinen zu sehen war, auch in meiner eigenen Reportage über Dackeltouren durch München wollte ihn die Redaktion damals unbedingt drin haben, weil irgendwie müssen sie ja gepflegt werden, diese Klischees.

Also: Wenn Sie das Dackelfräulein ausnahmsweise mal auf Zeitungspapier haben wollen und mit stilistisch schlechtem Text daneben, dann kaufen’S morgen und übermorgen – und so eine Empfehlung wird’s in diesem Blog vermutlich nur ein einziges Mal geben! – die BILD-München oder gleich die ganze Münchner Boulevardpresse 1x querbeet, denn wer weiß, vielleicht hat uns noch ein anderer Fotograf erwischt auf der Parade.

Der vom Spiegel jedenfalls nicht. Was aber auch nicht schad‘ ist, weil de ham ja ned amoi d’Überschrift hikriagt (es hoaßt Wadl, ned Wadel, ihr Preißn!).

Das war also unser sonntägliches Highlight…

…und jetzt legen wir hier wohlverdient alle Füße und Pfoten hoch, denn wir sind gscheid gschafft nach dem gestrigen 22km-Stadtrundgang mit dem Besuch aus der Hauptstadt und heut‘ gleich nochmal 14km Latscherei, weil nach der Parade, da wollte das Fräulein selbstverständlich mal richtig sausen, ohne Leine und dieses Verwandtschaftgschwerl um die Ohren.

Wir wünschen der Leserschaft einen schönen Sonntagabend und verlosen unter all denen, die uns die korrekte Anzahl der Dackelfräulein-Fotos in diesem Beitrag nennen können, einen Freilaufgutschein für einen Flussmarsch mit dem Fräulein und meiner Wenigkeit noch in diesem Frühjahr.

Teilnehmen dürfen alle Leserinnen und Leser, die halbwegs gut zu Fuß sind, einen Ball werfen oder schießen können, ein Freundschaftsanbahnungswürstl mitzubringen gewillt sind, die Kosten für ihre An- und Abreise selbst tragen und nicht herummosern, wenn sie nach der Tour dreckige Schuhe oder Hosenbeine haben.
Der Gewinner der privaten Pippa-Parade wird Ende März bekannt gegeben.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Kängurumutter im Tiefschnee oder: Wozu ein bewegtes 2018 gut war.

2018 ist nun vorbei und fertig archiviert. „Zahltag“ ist ja immer der 31.12., jener Tag, an dem man sich als Hundebesitzer irgendwohin verkriecht, wo Ruhe herrscht und einem keine 500 Öcken pro Nase (oder mehr) für irgendeinen zwei- bis dreitägigen Jahreswechselvollfressverwöhnpensionbespaßungszinnober abgeknöpft werden.

Nicht einfach, da was zu finden für nur eine Nacht, vor allem wenn man erst kurz vor Weihnachten zu suchen beginnt.

In der niederbayerischen Einöde zwischen Deggendorf, Plattling und Isarmündung bot uns ein Gutshof noch einen bezahlbaren Unterschlupf für die anstehende Hundehorrornacht. Das Landgut ist wohl sonst eine Location für Hochzeiten, aber bei 4 Grad und Pissregen am Silvestertag kaum frequentiert. Also auch keine Rüden weit und breit. Stattdessen Matsch und Grau so weit das Auge reicht – und es reichte kaum bis Deggendorf hinüber und die dahinter beginnenden Hügel des Bayerischen Waldes konnte man auch nur mit viel Fantasie aus den Formationen der Regenwolken imaginieren.

Das große Doppelzimmer in jagdlicher Optik gestaltet und mit ebensolchem Interieur versehen, was dem kleinen Jagdhundfräulein freilich bestens zu Gesichte stand, aber auch meinem verregneten Gemüt taten die Wände in hoffnungsfrohem Grün (ein mittleres Dunkelgrün, so dass es auch nicht zu aufdringlich und heiterkeitsheischend daherkam) recht gut.

Zahltag also. In der niederbayerischen Einöde ein bisserl Bilanzieren (= alten Kalender durchblättern, neuen Kalender beginnen, maßvoll Reflektieren, keine Vorsätze notieren, wohl aber ein paar Nachsätze zu diesem doch insgesamt sehr speziellen Jahr, das sich nun bucklig seinem Ende zuneigte), an den Kachelofen gelehnt, im Teeglas rührend und mit dem Herrn Jesu im Gnack, wie sich das auf dem Land so gehört. Aus den Lautsprechern der Bibliothek ertönt „Sempre, sempre“, wird alsbald von Austropop abgelöst, und weil wenig später Costa Cordalis die Stimme erheben will, wird schließlich alles von einem Fausthieb des Gatten erlöst (dieses Satzende fügt sich auf einem Gutshof, der lange ein Jagdsitz war, gefälliger in den Text als: „Wir ersuchten die Bedienung höflichst, das unsägliche Radio abzuschalten.“).

2018.
92x geschwommen, 35x Berge erklommen, 41x gelaufen im Wald/Park, 204x große Spazierrunden mit dem Dackelfräulein absolviert, insgesamt 1972 km per pedes (im Wasser: ca. 150 km) fortbewegt.
Nicht, dass ich das wirklich so exakt errechnen könnte, aber als beim groben Überschlagen der Wegstrecken 1.970 km rauskamen, hab‘ ich einfach noch 2 dazugegeben, um bei meinem Geburtsjahr zu landen.

Ist das jetzt viel oder wenig?
Keine Ahnung. Es hat mir jedenfalls gut getan.

Und am dritten Tag des neuen Jahres offenbarte sich mir dann auch, wozu all der Sport, all die Bewegung, all die gelaufenen, hinauf- und hinabgestiegenen Kilometer gut waren. Wozu der wohltrainierte Arm- und Beinschlag beim Kraulen in Wahrheit dienen sollte. Worauf das alles abzielte und hinauslief.

Auf einen Einsatz als Kängurumutter im Tiefschnee.

Denn wenn Sie da nicht einigermaßen im Training sind, keine Kraft in Armen und Beinen haben oder zu wenig Übung oder Kondition im Berggelände – dann können Sie das knicken. Dann versagen Sie nämlich als Kängurumutter im Tiefschnee kläglich!

Heut‘ Nacht hat’s dick geschneit im Voralpenland. Das Kreuther Tal, gleich hinterm Tegernsee gelegen, ist ohnehin ein Schneeloch, ein Kälteloch ebenso.
Wir (viel zu spät und viel zu wetteroptimistisch) hinauf Richtung Roß- und Buchstein, unterwegs setzt erneuter Schneefall ein, man muss die Grödel aufziehen, damit man im steileren Gelände nicht abrutscht. Der Gatte, früher zwar mal Gebirgsjäger, aber heutzutage mehr Tagungsjäger, ist an seinem ersten Urlaubstag seit Monaten nicht wirklich begeistert von diesen Strapazen, schlägt sich aber wacker. Am wackersten schlägt sich allerdings das Dackelfräulein: immer drei Schneepfluglängen voraus, trotz der kurzen Beinchen, unterwegs noch ein paar Tannenzapfen unter der Schneedecke ausbuddelnd, um den Zweibeinern mit lustigen Spielangeboten noch zusätzlich einzuheizen, obwohl der Schweiß eh schon rinnt. Ein Bollwerk an Ausdauer, an Lebens- und Bewegungsfreude sowieso. Irgendwann ist die Hütte erreicht, zu dritt sitzen wir auf der Bank, bei Heißgetränken und Kalorien, die uns für den Abstieg präparieren sollen.

Draußen schneit’s mittlerweile wie blöd. Der Zustiegsweg kaum noch zu erkennen. Um noch vor Anbruch der Dunkelheit wieder hinunter zu kommen, muss die Pause in der Hüttenwärme kurz gehalten werden: Umziehen, Essen fassen, was Trinken, Aufwärmen, Durschnaufen, neu Vermummen und Aufbruch.

Dann der fatale Fehler: Wir stehen nach dem Aufbruch ein paar Minuten im Schneesturm vor der Hütte, um die Grödel wieder aufzuziehen (kein Hüttenwirt hat das gerne, wenn man das drinnen tut). Es ist eiskalt, man sieht vor lauter Schneegestöber kaum die Hand vor den Augen. Das Fräulein fiept und fängt an zu zittern, weil sie ja warten muss, bis wir mit dem Schneekettengefummel fertig sind. Als wir endlich losgehen, läuft sie eng neben mir, bibbert erbärmlich und steckt bis zum Hals im Tiefschnee. Kalt loslaufen ist das Dämlichste, was man machen kann. Und so ein Dackel wird nun mal nicht mehr warm, wenn er zu 85% im Schnee versinkt, unsere Chancen stehen weitaus besser, da wir immerhin zu 85% aus der weißen Pracht herausragen. Wir versuchen alles, um sie zu ermuntern, ich renne mit ihr ein Stück, aber sie kommt nicht hinterher. Bleibt stehen, setzt sich sogar hin, guckt mich mit vereistem Bärtchen hilfesuchend an – und dann begreife ich: Sie schafft es nicht, das hatten wir noch nie, aber ihr ist so kalt, dass es einfach nicht geht. Also Rucksack runter, Stöcke rein, Rucksack wieder hoch, Hüftgurt festzurren, dann Jacke auf, Hund rein, Jacke zu, einmal tief Luft holen, höchste Konzentration und nun ohne Stöcke und im Trab bergab, eine Hand unter den Dackelpopo, die andere um das Köpfchen, das schon völlig eingeschneit ist. Die Sicht ist beschissen, der Weg von Schneewehen teils wie weggefegt, es schneit mir zum Kragen rein, ab und zu – so wacklig bergabsurfend – verdreht’s auch das Knie, aber tief in mir drin ist diese Gewissheit spürbar: Ich werde das schaffen. Das flüstere ich mit blaugefrorenen Lippen auch dem Fräulein zu, das erst noch friert wie ein Schneider, aber nach einer Viertelstunde – so gut und sicher eingepackt in seinem Kängurubeutel – doch langsam wieder auftaut und warm wird.

Nach einer halben Stunde schmerzen die Arme, vor allem die Handgelenke, eigentlich auch der Rücken und die Beine, aber eine Pause können wir uns um die Uhrzeit und bei den Wetterverhältnissen nicht erlauben.
Der Gatte holt uns immer mal wieder ein, rubbelt die Eisklümpchen vom Dackelkopf und putzt mir die Nase, denn eine freie Hand hab‘ ich ja nicht.

Nach anderthalb Stunden Dauerlauf erreichen die Kängurumutter und ihr Kleines schließlich und endlich mit erfrorenen Rüsseln, aber ansonsten gut durchwärmt das Auto.
Arme und Beine haben tatsächlich durchgehalten, keine Sehne ist gerissen, kein Muskel gezerrt, kein Finger gebrochen. Und der Hund ist wohlauf, was ja eh das Wichtigste ist.

Es lebe der Sport.
Und es lebe auch die Sitzheizung, die einem die triefnassen Klamotten bis München wieder trocknet.

Song des Tages (18).

In schönster Frühlingssonne durch den Wald gesprintet (erstmals seit Monaten in leichtem Gewand), den uralten iPod wiederbelebt (kein Ersatz für den schönen Schlanken in pink, aber mei), die 380 Songs umfassende Liste auf Zufallswiedergabe gestellt (ausschließlich der Lebenssoundtrack, der in letzter Zeit viel zu kurz kam) und auf dem Trampelpfad mit Blick hinüber zu den Bergen (dort hinten am heimatlichen Horizont leuchtend und lockend) eine Dynamik und Freude verspürt wie schon lange nicht mehr.

Grab your ticket and your suitcase, thunder’s rolling down this track
Well, you don’t know where you’re going now, but you know you won’t be back
Well, darling, if you’re weary, lay your head upon my chest
We’ll take what we can carry, yeah, and we’ll leave the rest

Well, big wheels roll through the fields where sunlight streams
Meet me in a land of hope and dreams

I will provide for you and I’ll stand by your side
You’ll need a good companion now for this part of the ride
Yeah, leave behind your sorrows, let this day be the last
Well, tomorrow there’ll be sunshine and all this darkness past

Well, big wheels roll through fields where sunlight streams
Oh, meet me in a land of hope and dreams

Mit dem Song grüß‘ ich ganz besonders die S. aus dem schönen Wien (in großer Vorfreude auf unseren Konzerttrip nach Leipzig: das grab your ticket ja gerade noch mal gerettet, trotz der kleinen Panne…) sowie den S., der mich bei einem aktuellen Zukunftsprojekt so großartig unterstützt (worüber beizeiten noch zu berichten sein wird).

Einen Frühlingsschwung wünsch‘ ich der geschätzten Leserschaft sowie einen schönen, sonnigen Feiertag!

*****

@Wien: Kanntest du diese Version schon? (Veteranenvorspann überspringen & Einstieg bei 1:23!)

Erschlagen.

Ich liege in der Badewanne und versuche, mich ein bisschen mit albernen Cartoons und oberflächlichen Zeitungsartikeln abzulenken, die mir Facebook so in den Reader spült.

Vorhin beim allwöchentlichen Waldlauf war Parkourbegabung gefragt: Überall Sturmschäden, die die kleine oder größere Kraxeleien erforderten.

Auf eine dieser Hürden zulaufend sah ich einen Mann mit seinem Hund vor mir, die sich ebenfalls dem Hindernis näherten. Ein großer Baum lag quer über dem Weg, sein Stammdurchmesser betrug etwa 60cm.

Als ich mich den beiden näherte, waren sie bereits unmittelbar vor dem Baumstamm angelangt. Ich bemerkte die Vibration in den Hinterläufen des schwarzen Hovawarts, als er mich wahrnahm, wandte er mir ein graubebrilltes und fast weißschnäuziges Gesicht zu und blickte mich aus seinen müden Hundeaugen an.

Sein Herr ermahnte ihn mehrfach mit lauter Stimme: „Geh weiter!“, „Los jetzt!“. Der alte Hund wedelte beschämt und verzweifelt – er wollte so gern, was er sollte. Gleichwohl mangelte es ihm an Kraft, an Mut, an Geschick.

Da trat ihn sein Herr mit dem Stiefel fest in den Hintern und schrie ihn an: „Scheißköter!“. Der Hund jaulte, sank fast zu Boden, fing sich aber dann und versuchte, die Vorderläufe auf den Stamm zu hieven. Vergeblich.

Ich bot an, dass wir gemeinsam seinen Hund über das Hindernis heben könnten. Der Herr lehnte ruppig ab – der blöde Hund werde ja wohl noch selbst gehen können und ich solle mich gefälligst um meinen Kram scheren.

„Scheißmensch!“, sagte ich, sprang über den Baumstamm und wagte es leider nicht, noch hinzuzufügen, dass ich wünschte, die Riesenfichte hätte ihn erschlagen.

Song des Tages (13).

Will you tell me when the fighting’s over
Cos I can’t take, I can’t take no more
Will you tell me when the day is done
Cos I can’t run, I can’t run no more

She said I don’t know what you did it for
She said I don’t know what you did it for at all
He said I don’t know what you did it for
He said I don’t know what you did it for at all

But I will run until my feet no longer run no more
And I will kiss until my lips no longer feel no more
And I will love until my heart it aches
And I will love until my heart it breaks

And I will love until there’s nothing more to live for

Himmel der Bayern (23): Auslüften.

Part I: Urban style.

Part II: Alpine style.

Piep, piep oder: Skizzen aus der Blogpause.

Piep, piep.

Ich hänge meine Bettdecke über das Balkongeländer vor meinem Zimmer und gucke eine Weile ins Grün des Nachbargrundstücks. Die im großen Garten liegende Eingangstür des 8-Parteien-Mietshauses gegenüber öffnet sich. Eine Frau, deren graue Haarsträhnen ähnlich wirr wirken wie ihr Geisteszustand, tritt heraus und ruft „Piep, piep. Piep, piep!“

Morgens, mittags, abends. Manchmal gibt’s auch noch eine Sonderschicht am Nachmittag.

Piep, piep. Immer in derselben Tonlage, immer 2×2 Pieper, immer dieselbe schmuddeligweiße Schlabberhose an. Nach dem ersten Piep-Piep schüttet sie den Inhalt einer kleinen Plastikschüssel in ein Vogelhäuschen, tritt zurück, blickt in den Garten, hinauf zu den Baumkronen. Ruft erneut ein fast mahnendes zweites Piep-Piep, meist mit geschlossenen Augen, und geht wieder ins Haus zurück. Sekunden später schlagen sich die ersten Meisen um die Leckereien, Meisen erkenne ich zweifelsfrei auch auf einige Entfernung. Danach tummelt sich hellbeiges bis braunes Geflatter in dem Häuschen. Wenn der Buntspecht anrückt, ziehen sie Leine, die Kleinen.

Man fixiert sich schnell auf das tägliche Piep-Piep. Wartet fast schon darauf. Nach ein paar Wochen ist bereits klar: Es würde zu den Ritualen gehören, die einem fehlen würden, blieben sie plötzlich aus. Ich würde rübergehen, bei der Frau mit den wirren Haaren klingeln und nach dem Rechten sehen.

*****

Die neue Gegend.

Tja. Vor- und Nachteile, wie überall. Neulich beim Laufen im Wald eine erste Zwischenbilanz gezogen. Ist wie Listenschreiben, und da ich seit Beendigung des Umzugsprojekts keine Listen mehr schreiben muss (außer Einkaufslisten), bilanziere ich jetzt wieder so vor mich hin. Sofern nicht doch noch umzugsbezogene Arbeiten nachklappern wie Rechnungen bezahlen, Reklamationen mitteilen, Mängel anzeigen und nicht zu vergessen: die Fahrten zum Wertstoffhof. So oft war ich da, dass ich beim letzten Mal (vorgestern!) schon dachte, jetzt ist’s so weit, jetzt hast du Halluzinationen und siehst Raubtiere auf den Containern hocken.

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Also, die neue Gegend.

Pro: Mehr Natur (schier unendlicher Wald!), mehr Vögel (nicht nur wegen Piep-Piep, sondern: wann sah man zuletzt einen Stieglitz in der Stadt?), mehr Wohnung (+ 10m²), schönere Wohnung (alles neu), mehr Balkon (+ 2m²), mehr Luft (vor allem bessere), mehr Stil (das Bad hat was von einem SPA, das Parkett was von einer Villa, zumindest für uns Ausstattungs-Entwöhnte), super Nachbar (wie bereits berichtet), bis Benediktbeuern nur noch 25 Minuten (endlich in die Berge fahren ohne Pipipause unterwegs).

Contra: Mehr Technik (Fensterlüfter mit 4 Stufen, Fußbodenheizung, High-Tech-Türsprechanlage, Jalousien, Wäschetrockner), mehr Fliegen (Pippa am Rande des Nervenzusammenbruchs), mehr Katzen (Pippa am Rande der Heiserkeit), DM weiter weg als zuvor (dafür Biomarkt und Pfister näher), sonst eher Großmärkte mit großen Parkplätzen davor (was ich noch nie mochte).

Aus manchen Vorgärten der Einfamilienhäuser ertönt nun zum Samstagsgrillen Andreas Gabalier oder die Spider Murphy Gang. In der alten Gegend wurden wir von der Mariachi-Mucke der spanischen Eckkneipe oder dem Italo-Pop des Freaks im 5. Stock des Hauses gegenüber beschallt. Schwer zu sagen, welches Grauen das größere ist. Beides jedenfalls ein Grund, die eigene Anlage lauter aufzudrehen. Wenn man denn eine vernünftige hätte.

Statt Trambahnquietschen hört man nun morgens um 5 Uhr die Autobahn in einiger Entfernung rauschen. Offene Fenster? Mal wieder Fehlanzeige bzw. nur mit Ohrstöpseln drin. Leider hört man dann nicht mehr, wenn der Hund sich anschickt zu kotzen oder sich die Flanke wegen einer Zecke blutig beißt und man helfen müsste.

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Überhaupt, die Geräusche.

Wie man doch plötzlich feststellt, an Geräuschen zu hängen, wenn sie erstmal fehlen. Da lese ich die Tage zufällig im Netz, dass Depeche Mode im Olympiastadion war – und die Info trifft mich, sticht mir ins Herz, ganz unvermittelt. Ich hasse Depeche Mode, aber ich liebte es, wenn der Sommerwind die Klangfetzen der Open Airs auf unseren Balkon wehte. Dann wusste man: „Igitt, Depeche Mode ist mal wieder da“ oder der Grönemeyer jammerte vor sich hin oder Axl Rose war mal wieder zu hacke, um die Töne zu treffen.
Alle paar Jahre kam  Springsteen vorbei, und ich war sowas von happy, da hinradeln oder -laufen zu können. Für 1 Konzert alle 3 Jahre muss man wirklich nicht in Stadionnähe wohnen, rational betrachtet, da tut’s auch die U-Bahn (zumal die von hier direkt zum Olympiapark fährt). Aber es hatte was. Jetzt liest man’s in der Zeitung, welches Open Air man nicht rübergeweht bekam und wird sentimental.
So war ich schon immer gestrickt, ich brauche ewig, um irgendwo anzukommen.
Wahrscheinlich bin ich deshalb auch der Typ, der gern mehrfach an denselben Ort reist. Am liebsten fahre ich nach Wien. Da steige ich aus dem Zug aus und bin da und verliere keine Zeit mit Ankommen.

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Zeitgefühl.

Ja, das Ankommen. Binnen 14 Tagen muss man sich umgemeldet haben. Dazu braucht man seit irgendeiner Änderung im Bundesmeldegesetz vor ein paar Jahren eine „Wohnungsgeber-Bestätigung“, zumindest dann, wenn man ein Mietersklave ist. Als Wohnungsnehmer bittet man dann den Wohnungsgeber höflich, ein solches Formular auszufüllen, das beim Amt vorgelegt werden muss. Ein paar Stempel und Formulare später klebt ein Fitzelchen Amtspapier mit der neuen Adresse auf dem Personalausweis.
Bei der Gelegenheit erstmals seit Jahren einen genauen Blick auf diese Ausweisscheckkarte geworfen. Das blonde Wesen darauf hat eigentlich nicht mehr viel mit mir zu tun. Als Ablaufdatum ist der 02.06.2024 eingestanzt – und kurz habe ich das Gefühl, dass dieses Datum auch nicht mehr viel mit mir zu tun hat. Der in der ebenfalls wegen des Wohnsitzwechsels geänderten Zulassungsbescheinigung eingetragene TÜV-Termin fühlt sich anders an, aber der ist ja auch schon im nächsten Mai.

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Laufen und Schwimmen.

Dickes Plus fürs Laufen – jedes Mal eine andere Runde, nur noch Waldboden, herrliche Ruhe. Aber ein Minus fürs Schwimmen – der Weg zum geliebten Bad hat sich zeitlich verdreifacht, 15 Minuten statt 5, wenn man gut durchkommt. Was ist man doch verwöhnt. Ebenfalls entfällt das sommerliche Heimradeln mit nassen Haaren.
Alternativ könnte ich das Freibad der Kindheit und Jugend aufsuchen, das wär‘ jetzt wieder schön nah, aber das läuft bei den Einheimischen immer noch unter „Maria-Neipiesel“ (korrekter Name: Maria-Einsiedel) und ich seh mich da noch vorm Kiosk anstehen, 20 Pfennig fest umschlossen in der Kinderhand, um zwei weiße Mäuse zu kaufen, und dann bin ich endlich dran und der Junge vor mir hat mir die letzte Maus weggekauft (ich hab dann diese gelb-pinken Speckrollen genommen, nicht halb so gut). Die Radtaschen hätten sie uns da auch fast vorm Schwimmbadeingang weggeklaut, wenn der Papa nicht damals den Dieb bis auf den Thalkirchner Campingplatz verfolgt und ihn so beeindruckend am Schlawittchen gepackt und geschüttelt hätte, dass der die Radtaschen (echt gute aus Holland) wieder rausrückte. Alles in allem nicht so die beste Erinnerung. Also lieber ins Auto und zum Dantebad.

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Arbeit und Struktur.

Zäh wie Kaugummi war das zuletzt. Vor allem deshalb auch die Blogpause. Jetzt ist eine Sache endlich mal fertig und die nächste wartet schon. Und die, die mir am Wichtigsten gewesen wäre, hat sich erstmal zerschlagen. Dabei hatte ich da schon manches drauf abgestimmt.
Dafür neue Ideen, auch schön. Alpenüberquerung vom Tegernsee nach Sterzing, mit dem Dackelfräulein. Oder mal wieder nach Wien. Oder auf die Ålandinseln. Oder in die Dolomiten. Oder an den Zürichsee, endlich H. besuchen. Mal sehen. Vorher sinnvollerweise Kassensturz und: die Steuererklärung, die Bayern haben da ja bis Ende Juli Aufschub. Paralell dazu den ganzen Wohnungskram abheften, neue Ordner anlegen. Eigentlich mach‘ ich sowas lieber im November.

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Hundstage.

Nein, nicht die des aufgehenden Sirius ab Ende Juli. Sondern Hundedamenhormonirrsinn. Völlig überraschend hat Pippa beschlossen, ihre durch den Umzugstrubel erfreulicherweise vereitelte Scheinschwangerschaft bzw. -mutterschaft noch nachzuholen. Nicht dass uns das mal eine Saison erspart bleibt!
Seit ein paar Tagen wird viel geweint, des nachts unruhig umhergewandert, immer auf der Suche nach den nicht vorhandenen Kindern. Tagsüber kläglich unters Sofa gezwängt, um den Kummer zu ersticken. Die übrige Zeit anhänglich wie eine Klette und verfressen wie zehn Bären nach dem Winterschlaf. Draußen wie eine Omi unterwegs, man muss sich schließlich schonen, um alle Kräfte für die Aufzucht der Kinder aufzusparen. Der Wäschekorb muss ebenso als Wurfkistenersatz herhalten wie die Decke auf dem Sofa des Nachbarn.
In zwei, drei Wochen dürften wir das Gröbste hinter uns haben. Wer einen imaginären Welpen haben möchte, bitte melden. Ende Juni geben wir sie ab, nur in gute Hände versteht sich.

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Da bin ich also wieder.

Song des Tages (2).

Irgendwie nahm die turbulente Woche mit deutlich weniger Ups als Downs dann doch noch ein gutes Ende.

Das absolut mieseste Down war der ebenso plötzliche wie unerklärliche Verlust einer Konzertkarte für Lambchop (ich verliere so gut wie nie etwas!), so dass ich wie ein auf frischer Tat ertappter Schwarzfahrer am Einlass der Kammerspiele stand und schließlich mitten unter den Leuten in Tränen ausbrach, weil ich es einfach nicht fassen konnte, dass das Ticket WEG war.

Zu verdanken habe ich den plötzlichen Stimmungsumschwung drei eigentlich kleinen Dingen, die sich am heutigen Nachmittag zutrugen.

  1. Einem unerwarteten Lob, das der Gatte aussprach, bevor ich zum Sonntagslauf aufbrach: Für das Gewinnen des nervenaufreibenden, monatelangen Kampfes gegen die dämliche Hausverwaltung und die geizige Vermieterin. Dieser „Sieg“ ist fast an mir vorbeigezogen vor lauter anderem Zeug (oder man ist so leergekämpft, dass man nichts mehr fühlt, gibt’s ja auch).
  2. Der Rückkehr von Hi-Hü-Hi-Hü. Ornithologisch unbewandert wie ich bin, habe ich keinen adäquaten Namen für den kleinen Genossen, dessen hörbares Auftauchen im Baum vor dem Schlafzimmerfenster jedes Jahr den Frühling ankündigt. So wurde er halt nach seinem zwar etwas einfältigen, aber dennoch froh stimmenden Gesang getauft.
  3. Der Zufallswiedergabe-Funktion des iPods beim Laufen. Ich hatte auf nix so recht Lust, also überließ ich dem Zufall das Zepter und dieser kramte aus den Untiefen des Archivs einen ewig nicht mehr gehörten Song aus, zu dem es sich so dermaßen gut laufen lässt (und dabei hoppelte auch noch ein Kaninchen neben mir her, einige Takte lang!)

I wanna run, I want to hide
I wanna tear down the walls
That hold me inside

Da mag man den ollen Bono so schrecklich finden wie man will, der Rhythmus ist spitze. Dennoch habe ich mich für eine Videoversion entschieden, in der einem des Weltretters Anblick erspart bleibt, da er wegen einer Verletzung von einem besseren Prediger vertreten wurde 🙂

Ich kam jedenfalls ziemlich euphorisch und innerlich geglättet nachhause zurück.

I want to feel sunlight on my face
I see the dust-cloud disappear without a trace
I want to take shelter from the poison rain
Where the streets have no name

Jetzt noch den aktuellen Artikel über einen der Lieblingsberge fertigschreiben und danach den neuen Island-Krimi gucken.
Wird schon alles werden!

Es grüßt euch
Die Kraulquappe.