Über Erinnerung und Innenarchitektur. Zum 12. Januar 2021.

Ein Scharlatan ist sie, die Erinnerung.
Aus dem Erlebten schnitzt sie sich nachgerade das heraus, was sie behalten möchte oder kann. Heftet sodann jenes willkürlich Herausgeschnitzte als lose (oder wahllos?) aneinandergereihte, biographische Bilder (mit oder ohne Erläuterungstext) an die schier unendlich große Pinnwand unserer Lebenssouvenire.
Von dort gucken sie uns an, all diese arrangierten Andenken. Oder lassen sich von uns angucken.
Etliche lächeln uns freundlich zu, manche zwinkern auffordernd, ein paar strahlen vor Glück und springen uns regelrecht an mit ihrem übermütigem „Mensch, weißt du noch…?“-Gehabe.
Andere hingegen glotzen mahnend oder anklagend oder grausam von ihrem Pinnwandplatz aus herüber, manche blinzeln müde durch einen Tränenschleier hindurch und es ist kaum möglich, länger Blickkontakt mit ihnen zu halten.

Im Laufe der Jahre gewöhnen wir uns an diese Sammlung, leben mit ihr zusammen, ungefähr so, wie man mit einem Möbelstück zusammenlebt, das man liebgewonnen hat, weil es einem gefällt oder weil es seinen Zweck so treu erfüllt oder weil es einfach bloß zu teuer oder zu sperrig ist, um in einer Aufwallung spontanen Unbehagens oder Überdrusses hinausgeworfen zu werden.
Wir kultivieren sie jedenfalls auf die eine oder andere Weise, ordnen die Bilder vielleicht mal neu und anders oder hängen die gesamte Pinnwand an einen lichteren oder finstereren Ort – aber es wird kaum einen geben, der ihre Existenz und Aufrichtigkeit ernsthaft in Frage stellen würde.
Sie ist da, sie begleitet uns, und sie beeinflusst uns, mal mehr, mal weniger.

Zu selten fragen wir uns, ob das Memorierte damals wirklich genau so war, wie wir es uns (in welcher Gemütsverfassung auch immer) irgendwann einmal zurechtgeschnitzt haben, sondern wir pappen ein „So war das damals!“ drauf und heften es zu all den anderen Postkarten aus der Vergangenheit, die wir uns selbst geschrieben haben, um unsere Lebensreise und deren Stationen zu dokumentieren.
Ein Akt der Selbstvergewisserung quasi, denn es muss doch möglich sein, das gelebte Lebens in der Rückschau als etwas wahrzunehmen – ein Etwas, das sich auch irgendwie als irgendwas fassen lässt (damit es nicht dem Vergessen anheimfiele und damit vermeintlich zur Bedeutungslosigkeit verkäme).

In der Erinnerung richtet man sich die Räume der Vergangenheit so ein, wie man sie bewohnen möchte.
Manche werden zu wahren Prunkzimmern ausstaffiert, die von protzigen Kronleuchtern bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet werden, denn erstrahlen soll es, das alte, edle Mobiliar, und uns vorgaukeln, wie toll sie doch gewesen sei, diese Zeit damals. Dabei war die Episode, auf die sich die opulente Inszenierung bezieht, eine recht gewöhnliche, unspektakuläre Lebensphase.
Egal – betreten wir einen so gestalteten Erinnerungsraum, hauen wir uns dort zufrieden in den samtenen Fauteuil, entledigen uns mit einer lässigen Wippbewegung der Pantoffeln und lassen mal alle Fünfe gerade sein.
[Wenn ich das so schreibe, fällt mir sofort ein ehemaliger Freund ein, einer der besten Anekdotenerzähler, die ich je kannte: jeder auch noch so banalen Lebensphase verlieh er durch sein Erzählen mindestens einen Hauch von Glamour, Skurillität oder Sensation, ein Highlight jagte das nächste, ja, man konnte leicht neidisch werden auf diese Vita, die so völlig unbesudelt zu sein schien von glanzloser Gewöhnlichkeit und temporärer Tristesse, und er erzählte seine Glitzerstories über die Jahre so oft und mit so viel Inbrunst, dass er sich nicht nur dauerverliebte in seine Biographie, sondern auch in sich selbst, den Protagonisten all dieser grandiosen Geschichten.]
Anderes hingegen, das klein, zart und schön war, landet zu Unrecht auf dem Speicher, wird von schnödem Spinnweb befallen und allenfalls ein Umzug oder eine Generalsanierung könnten es diesem traurigen Schicksal entreißen, weil man es nur dann nochmal anfassen und drüberpusten würde und plötzlich der Anmut gewahr würde, die viel zu lang unter all dem Staub begraben lag.
Der Großteil unserer erinnerten Vergangenheit verteilt sich aber kreuz und quer durch die alltäglichen Räume unserer Behausung: sickert hier ein in Dielen, klebt dort hinter Spiegeln, schlummert in Schubladen, hängt an Haken oder ruht in Regalen, das eine wird ein bisserl hindrapiert, das andere eher versteckt, und das meiste ist einfach nur zufällig da, wo es eben gerade ist.
Und ein paar unserer Erinnerungen werden schließlich zu hässlichen Kellerkammern, in denen nichts als Moder und Mief wohnt. Orte, an denen es einen schon als Kind gegraust und gegruselt hat und denen auch die Taschenlampe in der Hand des Erwachsenen oder Jahre später die Sitzungen beim Therapeuten nie ganz und gar ihren Schrecken nehmen konnten.

*****

Heute denke ich an den 12. Januar vor fünf Jahren, der Tag, an dem N. starb, und zugleich erinnere ich mich an den 12. Januar vor einem Jahr, als ich zu Gast auf einer Geburtstagsfeier war und neben M. zu sitzen kam, eine Begebenheit, die zur Geburtsstunde einer neuen Freundschaft wurde.
Es ist das erste Mal, dass ich nun zwei Erinnerungen an diesen 12. Januar habe, ab jetzt wird das immer so sein, und wer weiß, vielleicht kommt irgendwann noch eine dritte hinzu.

Während N. nach seinem nächtlichen Lauf heute vor fünf Jahren für immer in den Schnee sank, machten M. und ich uns heute vor einem Jahr bei Sonnenschein auf, fortan als Freunde durch die Welt zu wandern.
Gut, zwischen diesen beiden bedeutsamen Ereignissen im Reich der Freundschaft lagen 4 intensive Lebensjahre, 2 aufreibende Umzüge, 1 gottseidank schnell bemerkter Jobirrtum und allerhand andere Schicksalsschmankerl – so gesehen wäre es ziemlich albern, jetzt zu behaupten, dass sich immer dann eine Tür öffnen würde, wenn eine andere sich schließt, ein Sinnspruch, an den sich ja bereitwillig geklammert wird, wenn man erstmal aus dem Garten Eden vertrieben und von den unvermeidbaren Unbilden des Lebens schon ein wenig zerschunden im Vorgarten der Verzweiflung angekommen ist und um einen herum nirgends ein tieferer Sinn aus dem kargen Erdreich zu sprießen scheint.
Eben jener im Schnee gestorbene Freund war es passenderweise auch, der seinem maturierenden Sohne einst auf die Frage, ob das Leben denn irgendeinen Sinn habe, die ebenso ernüchternde wie ehrliche Antwort gab, dass der Sinn des Lebens im Leben selbst bestünde, was den Filius erst wie besessen ins Pianospiel, dann nach Passau und schließlich in eine psychiatrische Klinik flüchten ließ (was der Vater größtenteils nicht mehr mitbekam und sich wahrscheinlich auch nicht auf dieselbe Weise zugetragen hätte, wenn er noch weiter unter den Lebenden geblieben wäre).

Ständig öffnen oder schließen sich alle möglichen Türen (manchmal bekommt man’s leider erst zeitversetzt oder gar nicht mit), und auch hier spielt einem die Erinnerung nicht selten einen Streich, was die nachträgliche Bewertung angeht.
Fünf Jahre nach dem Tod von N. sortiere ich also heute jene Ecke auf meiner Lebenssouvenirpinnwand, die mit Bildern aus der Zeit, in der wir einander kannten, bestückt ist, plötzlich neu (um nicht zu sagen: ich miste dort gründlich aus). Fünf Jahre hat es gedauert, um zu erkennen, dass da manche Erinnerung in einem vergoldeten Rahmen hing, obwohl ein schlichter Cliprahmen angemessener gewesen wäre. Und dass das eine oder andere Bild arg schief hing, fiel mir, die ich ansonsten sehr genau bin in solchen Dingen, ebenfalls jahrelang nicht auf.
Ist es das Los mancher zu früh aus dem Leben Geschiedenen, dass sie durch ihren so unerwarteten Tod die Nachwelt zu Verklärung und Vergoldung anstiften? Oder war hier abermals der Adjutant der Erinnerung, dieser munter herumstümpernde Innenarchitekt am Werk?

Wie dem auch sei – eigentlich wollte ich anlässlich des heutigen (nun in doppelter Hinsicht) Jahrestages ja nur festhalten, dass ich ein kleines Verdutztsein darüber verspüre, dass es exakt dieses Datum ist, an dem der eine Freund ging und der andere in mein Leben trat, wobei Letzterer binnen eines Jahres ein engerer Freund wurde als Ersterer in einem ganzen Jahrzehnt.

Und ich wollte sagen: Danke, lieber M., für dieses vergangene Jahr, das so reich war an Freude, Ausflügen, Perspektiven, Erlebnissen, Gesprächen, Entdeckungen, Verbundenheit und Kuchenstücken!

Das Leben, ein Tanz & wir pfeifen dazu. Zum 28. Dezember 2020.

Meiner kleinen, treuen, klugen und tapferen Begleiterin zum 9. Geburtstag:
Mögest Du noch lange mit mir durchs Leben tanzen, und ich mit Dir!

Aus der Steiermark kommt das Geburtstagslied…

…und aus der Münchner Küche der Videoclip dazu.

Manchmal ist das Leben ein Eiertanz und das einzig vernehmbare Pfeifen jenes, das aus dem letzten Loch ertönt, so dachte ich in den vergangenen Wochen des Öfteren.
Wir wollen diese Gedanken nun so gut es geht abschütteln und mit Zuversicht und Mut das neue (Lebens-)Jahr beginnen.

Eine Ode an die Vergänglichkeit.

München, 23. Oktober 2020, um kurz nach 7 Uhr.
Die noch müden Augen weiten sich schlagartig, als ich die Tageszeitung vom Fußabstreifer nehme.

Der Boss auf dem Titelblatt?!? Das gab’s noch nie!
So gering meine Erwartungshaltung bezüglich des heute erschienenen Springsteen-Albums auch war – da macht das Fan-Herz allein schon aus Gewohnheit einen Sprung.

Beim ersten Morgenkaffee mischt sich bald ein Gefühl des Bedauerns hinzu: leider kein Willi-Winkler-Artikel, und auch Herr Kister hatte selbstverständlich Besseres zu tun, also musste durfte der Hentschel den Verriss schreiben, den die anderen beiden so nicht bzw. anders und würdiger in Worte gekleidet hätten. Was soll’s.

Kosmischer Motor? Brief an Gott? Nun ja.
„Letter to you“, so viel ist klar, ist meilenweit davon entfernt, nochmal ein ganz großer Wurf zu sein. Vielmehr wirkt Springsteen auf diesem Album wie einer, der etwas müde – das Leben ist, man muss das so sagen, weitgehend gelebt und ein langer ruhiger Fluss geworden – am Ufer steht, auf die Weiten eines Sees (vermutlich in seinem Privatbesitz) hinausblickt und nochmal ein paar Steinchen springen lässt. Aus Zeitvertreib, aus Melancholie, aus Nostalgie, und weil er wissen will, ob er’s noch kann.

Manche flutschen ihm etwas zu glatt aus der Hand und über die Wasseroberfläche, manche gehen nach nur einem kläglichen Hüpfer plump unter und nur wenigen auserwählten Steinchen gelingt plattelnderweise eine Fluglinie, die dem Zuschauer/-hörer spontan ein ehrfürchtiges Wow! entlockt. Ja, da schau her, er kann’s noch!

Der 71-jährige Springsteen bückt sich keinesfalls wie alter Mann, wenn er Stein um Stein aufhebt und zum Wurf ansetzt, aber inhaltlich und musikalisch dreht er sich wie ein Kreisel um sich selbst, hat nichts Neues mehr zu erzählen, vertraute Versatzstücke werden aneinander gereiht (und bestenfalls neu gemischt), er sucht nicht mehr nach Antworten auf Fragen, die zu stellen er längst aufgehört hat, zumindest im tonkünstlerischen Teil seines Seins.
Die großen Geschichten, sie sind auserzählt, ab einem gewissen Punkt wird halt vieles Wiederholung, und das ist auch nicht weiter verwunder- oder verwerflich (die wenigsten erfinden sich permanent neu oder sprudeln bis ins hohe Alter ungebrochen vor Kreativität), sondern der übliche Lauf der Dinge, erst recht in einem privilegierten, weil zumindest materiell vollkommen wattierten und abgesicherten Leben.

Der Mann mag zwar immer wieder mit seinen Dämonen und Depressionen zu kämpfen haben, die zahlreichen seiner Songs eine gänsehautbescherende Tiefe einhauchten, aber eine gewisse Sorte „Hungergefühle“, wie sie dem Schaffen seiner frühen Jahre noch anzuhören war, peinigt ihn längst nicht mehr.
Er ist satt. Nicht überfressen, aber eben sehr gut gesättigt. Alles, was jetzt noch kommt, ist der Nachschlag zum Nachschlag, die ebenso überflüssige wie klebrige Kirsche auf dem Sahnehäubchen eines Desserts, das bereits aus purem Genuss verzehrt wurde und für dessen Verspeisen nicht mal mehr ein kleines Hüngerchen die Kaumuskeln in Gang gesetzt hatte.
Aus gediegener Gewohnheit wird die Kirsche nun abermals zerkaut, pappt sich wie immer in die Krone des maroden Backenzahns, aber ja, sie schmeckt schon noch, und sie schmeckt erwartungsgemäß süß. Ein Überraschungsgefühl stellt sich beim Verzehr nicht ein, und so ähnlich ist das auch mit den zwölf Songs von „Letter to you“.

Das im Herbst des Lebens produzierte Winter-Album.

In Summe ist’s ein etwas glanzloser Abgesang auf die ehemaligen Glory Days geworden, das neue Album, zwar sind ein paar Perlen dabei (besser gesagt: schöne Momente und tröstende, poesiealbumartige Miniaturen, sogar ein paar verheißungs- und kraftvolle Ausbrüche hie und da), aber das war’s dann auch schon.
Der einst so wunderbar wummernde Zug, die von einem donnernden Herzschlag angetriebene Dampflok, die ihre treue Fangemeinde über Jahrzehnte stets mitzureißen verstand, hat das Land of Hope and Dreams längst verlassen.
Am Horizont ist ihre Rußwolke noch erkennbar, mit kohlegrauen Kringeln malt sie ein farewell in den düsteren Himmel dieser gespaltenen, zerfallenden, immer fremder werdenden Nation.

Oder steht da doch eher fair well?
Man kneift die Augen zusammen, versucht, ganz genau hinzusehen, aber die Schrift am Horizont, sie verblasst zusehends, mit jedem Lidschlag verschwimmt sie ein bisschen mehr. Und es ist auch unerheblich.
Worte sind manchmal kaum mehr als Schall und Rauch, den Noten ergeht es da keinen Deut besser, und bekantlich ist alles, was man mit Liebe betrachtet (oder hört), auf seine ganz eigene Art und Weise schön (wenngleich über Jahrzehnte wiederholte Liebeserklärungen etwas von einer hängengebliebenen Schallplatte haben – sei’s drum, ich steh‘ dazu).

Die Titelschlagzeile der Süddeutschen, gleich unter der Ankündigung der Rezension zum neuen Springsteen-Album, lautet: „Die Situation ist sehr ernst“.
Freilich gilt diese Überschrift weder dem Boss noch seinem Schaffen, sondern der Pandemie und dem Virus, das der Welt zu schaffen macht, bemerkenswerterweise trifft sie aber auch ein bisschen den Kern des neuen Albums: Es ist eine Ode an die Vergänglichkeit und insofern ist seine Botschaft durchaus ernst.
Leider ist es eine etwas öde Ode. Selbst aus den großen Themen der Menschheit (Freundschaft, Liebe, Abschied, Tod…) lässt sich nicht auf Biegen und Brechen ein großer Klangteppich weben, manchmal wird eben nur ein kleiner Bettvorleger draus.

Nun, da die kalte Jahreszeit anbricht, wird manch einer froh und dankbar sein, wenn er seine noch nackten, bettwarmen Füße auf dieses anheimelnde, flauschige Etwas stellen kann, anstatt sie schon frühmorgens dem unwirtlichen, kühlen Boden auszuliefern.

Ja, es wird kalt.
Hüllen wir uns also ruhig ein in diese testamentarischen Töne, die – bei aller erlauchten Ernsthaftigkeit, die ihren Erschaffer getrieben haben mag – nirgends unangenehm pieken, an alten Narben ziepen oder im verwitterten Mansion on the hill (einem seiner besten Songs der frühen Jahre) fest verriegelte Türen jäh aufreißen und das dahinter eingelagerte Innenleben verstaubter und dunkler Räume offenbaren, dessen Anblick man gerade jetzt (oder überhaupt) womöglich nicht mehr ertragen könnte.

One minute you’re here, next minute you’re gone.
Wo er recht hat, hat er recht, der altersweise, gute Mr. Springsteen.

So, ich geh‘ dann mal eine Runde Schwimmen, grüße die Tramps unter meinen Lesern ganz herzlich, wünsche eine angenehme Lektüre des Briefes, der uns heute aus New Jersey gesandt wurde – und allen anderen ein schönes Wochenende.

Song des Tages (60).

Zum 23. September 2020.

„His hair is silver and black, cropped short, and on his still-lean torso is a thin white undershirt not unlike the one he wore on the cover of Darkness on the Edge of Town, with a low, ribbed neck and a tiny hole on the side.“
[Brian Hiatt: „Ghosts, Guitars, and the E Street Shuffle“, in der aktuellen Ausgabe des Rolling Stone]

Gemeint ist dieses Cover aus dem Jahre 1978.

Muss man(n) auch erstmal hinkriegen, den still-lean torso, mit 71 Lenzen.

Aber das ist natürlich nicht der Grund, weshalb es sich – womöglich sogar für Nicht-Fans – lohnt, das lange Feature zu lesen (und das Video vom Fotoshooting am Ende des Artikels rückt das mit dem Oberkörper dann eh etwas zurecht: müde schaut er aus, und der depressive Zug um die Augen, der ist auch wieder stärker erkennbar).

Das Geburtstagsständchen haben andere Tramps bereits vorbereitet, dem schließe ich mich voller Inbrunst an und danke an dieser Stelle dem geschätzten Mr. Spike ganz herzlich für seinen diesbezüglichen Hinweis samt Link sowie der impliziten Aufforderung, dass das doch was für meine Blog-Rubrik „Song des Tages“ wäre.
So einem Leserwunsch kommen wir freilich gerne nach!

Achten Sie übrigens unbedingt auf die Deko in den diversen Fan-Haushalten, die herrlichen Tanzstile und diese köstliche Mischung aus Andacht und Pausbackigkeit in mindestens 50% der Gesichter (mein klarer Favorit ist der nette, langhaarige und äußerst dynamische Bursche vor seiner rauchgraublauen, mit Devotionalien verzierten Wand, dicht gefolgt von dem coolen, jungen Saxophonisten im weißen Muskelshirt).
Nach 35 Fanjahren, die ich nun auf dem Buckel habe, fühl‘ ich mich da vergleichsweise harmlos!

In diesem Sinne: Happy Birthday, Bruce 💙💛💙 & special greetings to Oberkirch, Kos, Göteborg, Küsnacht, Köln, Zweibrücken, Berlin &Teisendorf!

Einer fehlt noch oder: Der Weg ist das Ziel.

Lessen Sie heute aus der Reihe „Schicksalsberge„: Der Krottenkopf.

Zum sechsten Mal war ich nun dort oben. Zweimal habe ich auf der knapp unter dem 2.088m hohen Gipfel des Krottenkopfes gelegenen Weilheimer Hütte genächtigt, die anderen vier Male bin ich an einem Tag rauf & runter gelaufen.

Mindestens ein weiteres Mal werde ich noch auf diesen Berg hinaufgehen, denn: von den möglichen Zustiegen fehlt mir nur noch einer, und der Krottenkopf ist nun mal einer der Berge, den ich mir von allen erdenklichen Seiten erlaufen haben möchte, bevor ich ins Gras beiße.

Aussichtskanzel: Die Weilheimer Hütte.

Bayern par excellence: Was vom Wochenende übrig blieb.

Da wäre man ohne die Beschriftung echt nicht draufgekommen…

Jede der bisherigen Touren erinnere ich präzise. Keiner der wesentlichen Eindrücke ist im Schweiß zeronnen oder über die Jahrzehnte verblasst, denn es waren stets denkwürdige Unternehmungen (logisch, sonst hätte er es ja auch nicht zum Schicksalsberg gebracht):

a) Die Erstbesteigung mit dem Ex-Ehemann im Jahre ’95, als wir noch blutjung, übermütig und unverheiratet waren und gerade erst so richtig anfingen, längere Touren zu gehen.
Von Eschenlohe stiegen wir über das Pustertal und die Hohe Kisten hoch zum Krottenkopf und über eine leicht östlich des Aufstiegsweges verlaufende Forststraße, die ziemlich dröge 12 km lang ist, wieder hinunter. Ich schwor mir damals, die Tour nie wieder auf diesem Weg zu beenden.

b) Die Zweitbesteigung von Wallgau aus, zusammen mit H., dem Mega-Sportler und Mega-Eifersüchtler, mit dem ich beim Abstieg in einer Diskussion über … (ach, vergessen Sie’s, es war einfach unschön) so heftig aneinandergeriet, dass Hs Brille, weil er sich gar so echauffierte, zu Boden fiel und dabei zu Bruch ging, genau wie diese unselige Beziehung, und ich sagte kein Wort mehr und heulte, bis wir wieder in Wallgau am Parkplatz waren (oder heulte ich sogar bis zur Ankunft in München?). Zwei Tage später brachte ihm eine Freundin von mir all sein Geraffel, das er in meiner Wohnung deponiert hatte, in einigen großen Tüten vorbei, und danach war erstmal für ein paar Jahre Schluss mit dem Krottenkopf, ich wollte ihn keinesfalls allzu bald wiedersehen, um mich ja nicht an H. und dieses Ende erinnern zu müssen. Das war 2001.

c) Die Drittbesteigung dann etliche Jahre später, im Sommer 2007, mit dem Mann meines Lebens, dem wenige Tage zuvor die Tour auf den Schachen zu gemütlich gewesen war und der sich nach Größerem sehnte. Sollte er haben! Der Krottenkopf war ihm dann allerdings etwas zu groß, nicht im Aufstieg (wieder von Eschenlohe via Pustertal), dafür aber im Abstieg via Forststraße. Jene, die ich lebenslang nicht mehr hatte gehen wolle , und dann gingen wir sie doch, weil der Gatte in spe keinesfalls durch das Kar voller Geröll, das wir beim Aufstieg im zähen Tippelschrittgang gequert hatten, auch wieder hinuntergehen wollte, also blieb uns nur diese Forststraße, und sie war leider immer noch 12 km lang, und der Zukünftige war gelinde gesagt not amused als wir erst spätabends im (eigentlich ja romantischen) Mondschein das Auto erreichten (die noch frische Verliebtheit half ihm gottseidank bald über dieses Tourerlebnis hinweg, heutzutage dürfte ich es nicht mehr wagen, mit so einem „Spaziergang“ daherzukommen).

d) Zum vierten Erklimmen des Krottenkopfes 2014 schien es mir ratsam, mal alleine zu gehen. No man, no cry, wie es ja schon in der uralten, weisen Reggae-Ballade heißt. Und überhaupt wollte ich diesmal alles anders machen: Nicht per Auto, sondern mit dem Zug anreisen, von Farchant aus auf einem neuen Weg hochgehen, oben auf der Hütte übernachten, über den Fricken nach Oberau hinunterlaufen, mit dem Zug wieder nachhause. Hat auch genauso geklappt. Problem diesmal: ich selbst. Zumindest während des Aufstiegs. Ich wälzte unablässig schwierige Themen (die Kündigung, die Zukunft, der Hirntumor der Mutter), die mir ebenso im Nacken saßen wie der übervolle Tourenrucksack. Auf der Hütte dann halb ohnmächtig vor Erschöpfung angekommen, nach dem sensationellen Sonnenuntergang wurde plötzlich alles besser bzw. leichter und tags drauf hätte ich Bäume ausreißen können, nahm ungeplant einen weiteren Gipfel mit, den Bischof, und hüpfte leichtfüßig hinunter ins Tal.

e) Fünfte Begehung vor drei Jahren, 2017, mit Übernachtung und mit einem, der vorgab, ein Freund zu sein und keiner war (oder sein konnte), weil er fortwährend nur in sich selbst verschraubt war und zur Tour nicht nur eine Überdosis Unausgeschlafenheit mitbrachte, sondern auch ein zu Viel an Unaufrichtigkeit, aber wir wollen das jetzt nicht vertiefen oder wiederkäuen. Denn die Tour, erneut von Eschenlohe aus gestartet, war eine äußerst schöne, zumal ich den ganzen langen Abend (inklusive Alpenglühen drüben im Zugspitzmassiv) für mich allein hatte, weil der Nichtfreund vor lauter Müdigkeit bereits nach dem Abendmahl in die Koje gekippt war und sich erst am nächsten Morgen wieder regte. Der Abstieg via Esterbergalm nach Farchant war dann eine interessante neue Variante und wäre die der Tour folgende Entwicklung mit dem Begleiter eine erfreulichere gewesen, hätte mich Farchant mit Sicherheit nicht erst drei Jahre später wiedergesehen.

f) Der sechste Marsch auf diesen besonderen Berg also vor drei Tagen, mit dem Morgenzug nach Oberau, den Oberauer Steig hinauf, zu Füßen des Hohen Fricken kurze Tomaten-Mozzarella-Rast (keine Alm, eigener Proviant), am Bischof vorbei, an dessen Nordflanke noch eine kleine Trinkpause (dabei an den passenden Springsteen-Song gedacht und fast ein Freudentänzchen vollführt), danach mit Krottenkopfblick flott weiter, erst hoch zum Gipfelkreuz, danach ziemlich bedient von dem stundenlangen Gesteige auf der Hüttenterrasse niedergelassen. Der Wirt weist mir einen Tisch in der Sonne an der Hauswand zu, dort sitzt schon eine Einzelperson. J. ist auch aus München, wir kommen beim Anstoßen mit dem verdienten Weißbier ins Gespräch, über Kuchensorten, über Corona und über die jeweils hinter uns liegenden Aufstiege, und kommen dann gar nicht mehr raus aus dem Gespräch, brechen schließlich gemeinsam auf und als wir die Esterbergalm passieren, liegen nicht nur über 700 Höhenmeter Abstieg in erstaunlicher Harmonie des Gehtempos hinter uns, sondern auch zwei in Auszügen erzählte Biografien, die bis zum Abschied vor meiner Haustür noch diverse weitere Ausschmückungen erfahren, denn J. hat sein Auto unten in Farchant auf dem Wanderparkplatz stehen und ich bin so dermaßen platt von dem Tag, dass ich heilfroh bin, nicht mehr über die ruppigen Asphaltsträßchen bis zum Farchanter Bahnhof laufen zu müssen, sondern direkt am Ende des Bergsteigs die schweren Stiefel ausziehen und mich in den Beifahrersitz plumpsen lassen kann.

Auf geht’s, hinab!

Die spinnen, die Bayern (abgelegene Alm auf 1.300m).

Zurück im Tal & ein Schatten meiner selbst.

Offenbar ist der Krottenkopf für mich ein Berg, mit dem ich so Einiges auszutragen habe, und wenn der Begegnungsrhythmus mit diesem einzigen Zweitausender in der Region sich wie gehabt fortsetzt, dürfte irgendwann zwischen 2023 und 2026 die nächste Begehung anstehen. Und die wird von Krün aus starten, denn das ist der einzige Weg, der mir noch fehlt in meiner Krottenkopfserie (und wer weiß; vielleicht ist es der Zustieg, der alles abrundet und zu einem Ganzen fügt, vielleicht ist es aber auch bloß ein weiterer Zugang, der mich in die Höhen des Estergebirges führt und mit meinen Abgründen bekanntmacht, ich werd’s sehen).

Der Weg ist das Ziel (oder auch einfach nur ein Weg).

Jedenfalls möchte ich Ihnen, so Sie sich denn überhaupt für die Bergwelt interessieren oder gar begeistern können, diese Tour (ganz egal, welche Wegvariante) nicht etwa als möglichen Erkenntnisgewinntrip oder veritablen Verausgabungs-/Fitnesstest oder als gnadenlosen Beziehungsprüfstein ans Herz legen, sondern schlicht und einfach ob ihrer landschaftlichen Schönheit und der atemberaubenden Aussichten, die sie bietet.

Zugspitze zwischen Bischof und Fricken.

Hetzen Sie sich nicht, übernachten Sie unbedingt dort oben, trinken Sie ein süffiges Mittenwalder und keine dürre, blonde Hopf-Weiße und genießen Sie die stille, wohltuende Bergeinsamkeit da heroben, alleine oder in ausgesuchter Gesellschaft, und mit Blick auf wirklich alles, was meine Heimat in alpiner Hinsicht zu bieten hat.

Falls Ihnen das nicht behagt, weil zu lang, zu hoch oder zu was-weiß-ich-was, dann gehen Sie doch einfach mal auf der anderen Seite des Loisachtales ein bisschen auf dem Kramerplateauweg spazieren, von Burgrain oder Sonnenbichl (beides Ortsteile von Garmisch) nur ein paar Meter hinauf und weiter auf dem Höhenweg bis zum Gasthof Pflegersee oder – noch besser – bis zur Werdenfelser Hütte und gucken Sie von dort aus gemütlich hinüber zum imposanten Estergebirge.

Den Krottenkopf sehen Sie zwar von da aus nicht, doch der ihm vorgelagerte Hohe Fricken tut’s auch, denn zum einen muss man ja echt nicht jeden Hügel in Oberbayern gesehen haben und zum anderen hat der Fricken schon auch mal einen Blick verdient, weil er meist achtlos links liegen gelassen wird, denn durch Oberau rauscht man üblicherweise blicklos hindurch (bzw. stur geradeaus guckend, weil da sieht man schließlich schon die Zugspitze) und ist froh, wenn man (mit oder ohne Stau, meist aber mit) überhaupt bis dorthin vorgedrungen ist – und weiter geht’s nach Garmisch oder Mittenwald (das eine ein so hässlicher, verbauter Ort, das andere zwar wunderbar, aber nochmal eine halbe Stunde mehr zu fahren).

Und Oberau wird in nicht allzu ferner Zukunft noch groß rauskommen, das sage ich Ihnen schon heute, denn sobald der Tunnel, über dessen Bau jetzt alle so fluchen, weil er den Erholungssuchenden noch einen Staugrund mehr beschert, mal fertig ist, wird das Dorf sich zu seinem Vorteil verändern, es wird wieder ein Gesicht bekommen, und zwar ein hübsches, so wie es seinerzeit auch Farchant widerfuhr. Es wird im neuen Tunnel oder kurz davor eine Abfahrt geben, die einen explizit in diesen ehemals trostlosen Transit-Ort führt, der dann ein beliebtes Ausflugsziel sein wird und nicht bloß der Blinddarm der A95 oder das unbedeutende Kaff kurz vor dem Olympiaort Garmisch mit seiner gigantischen Bergkulisse.

Aus der Badewanne wünsche ich Ihnen eine gute Nacht und ein schönes Spätsommerwochenende!

Song des Tages (58).

Langer und aufwühlender Ausflug heute. War so nicht geplant, ergab sich dann aber.

Wacklige Verfassung, trotz Morgenschwimmen. Müde, schwach, ständig nah am Unterzucker. Morgens viel zu früh wach, weil Loleks Bruder bereits um 6:58 Uhr im Hinterhof den ersten Hammerschlag tat. Dummerweise nachts von 3 bis 5 Uhr wachgelegen, weil ich wild geträumt hatte und das Fräulein wild nach einer Mücke schnappte, die wir beide hörten, aber nicht zu fassen bekamen.
Fürchterlich. Wird immer schlimmer, mit jedem Lebenjahr, jede dieser kleinen, leicht paranoiden Anwandlungen. Und zwar bei uns beiden.

Münsing, Holzhausen, Oberambach, Ambach, Seeheim und zurück.
Unterwegs zweimal umgezogen, Leinenhose aus, Shorts an, später wieder umgekehrt, und am Schluss war eh alles wurscht, weil alles nass war. Zweimal lange auf schönen Bänken gerastet.

Traumgegend, nur auf Nebenpfaden unterwegs, nichts los. Erst unten am See ein paar Radfahrer.
Beim „Fischmeister“ auch nichts los. Seltsam. Im Netz stand, bei gutem Wetter hätten sie ab 12 Uhr den Kiosk offen und ab 16 Uhr den Biergarten.

Es ist 15 Uhr und der Kiosk ist zu, dabei rinnt mir der Schweiß auf Stirn und Rücken hinunter und das Fräulein hechelt, weil die Sonne so vom Himmel brennt – wenn das nicht gutes Wetter bedeutet, dann weiß ich auch nicht..

Ich sehne mich nach einem Getränk und der nächsten Bank und Pippa sehnt sich nach einem Bad im See.
Die Seegrundstücke am Ostufer sind weitgehend verrammelt, alles Privatbesitz und eingezäunt oder mit hohen Hecken vor den sehnsüchtigen Blicken des Pöbels geschützt. Oder Erholungsgelände und damit von Mai bis September für Hunde verboten.
Der „Fischmeister“ hat gegenüber vom Biergarten ein kleines Areal direkt am Wasser, und wenn nicht viel los ist und man den Wirt nett fragt, lässt er einen dort auch mit Hund hinein. Was aber nur funktioniert, wenn der „Fischmeister“ wenigstens seinen Kiosk geöffnet hat.

Erst stehe ich ratlos herum, dann gehe ich frustriert weiter. Hinter einem Traktor am Straßenrand tritt ein Mann hervor, alles behäbigbeige und greisgrau an ihm, die Kleidung, die Haare, der Teint, der Gang. Nur die Augen so wach und funkelnd und in letzter Sekunde, ich bin schon fast an ihm vorbeigegangen, kapier ich, wer das ist: Sepp Bierbichler.
Mich reißt’s und ich dreh mich um und er guckt auch her und grüßt freundlich, so freundlich, wie einen nur die grüßen, die das gewöhnt sind, dass sie ständig erkannt werden und trotzdem im Herzen Philantropen geblieben sind.

Ich grüße zurück und starre ihn wahrscheinlich eine Sekunde zu lang an oder aber er ist einfach so nett, das soll’s ja auch geben, jedenfalls wendet er sich nun mit zwei weiteren freundlichen Sätzen an die Dackeldame.
Da jene immer noch hechelt, antworte ich stellvertretend für sie. Und als er daraufhin fragt, ob er uns irgendwie helfen könne, ob wir was suchen würden, weil wir vor dem „Fischmeister“ ja ein Weilchen herumgestanden wären, da frage ich zurück, ob er vielleicht eine Bademöglichkeit für meinen Hund wüsste, hier sei das ja überall so schwierig und ich hätte auf den Mini-Strand vom „Fischmeister“ gehofft, aber der hätte leider zu.

Er fischt mit seiner großen Hand einen Schlüsselbund aus der Tasche seiner beigen Hose, dreht sich schwerfällig um und sagt „Kommen’S mit, ich sperr Ihnen wo auf, da kann das Zamperl ins Wasser!“ und so gehen wir ein paar Meter weiter zu einem kleinen Seegrundstück, dessen Gartentürl er uns öffnet. Wendet den wuchtigen Körper wieder und sagt zum Abschied „Ziehen’S einfach die Tür wieder zu, wenn’S fertig san“ und weg ist er. Wenig später badet die Hundedame glücklich im See und ich hocke erschöpft auf einer Bank in der Sonne und trinke das im Rucksack viel zu warm gewordene Wasser.

Drüben in Possenhofen und Starnberg ist der Himmel schon dunkelblau bis schwarz, ein Wind zieht auf, die blöden Wespen weht’s allesamt davon, ein rauer Wellengang entsteht, der See saugt die Farben des Gewitterhimmels auf, mit jeder Woge schnappt er sich eine neue Farbe und verleibt sie sich gierig ein, und als wir aufbrechen, fallen erste, dicke Tropfen auf den Uferweg und eine halbe Stunde später erreichen wir, zuletzt durch Pfützen rennend, das Auto und sind von Kopf bis Fuß tropfnass.

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In der Mittagssonne lag es da, ganz unschuldig, am äußersten Rand der Holzbank. Daneben eine zusammengeknüllte Brotzeittüte mit dem blauweißen Aufdruck der Hofpfisterei und eine leere Halbliterflasche Maracujaschorle.

Das Büchlein wirkte auf mich zunächst wie ein Kalender: schnöde Optik, schwarzes Kunstleder, ein bisschen abgestoßen an den Ecken, ein Gummiband um seine Mitte, damit keiner der in seinem Inneren verborgenen Termine herauspurzeln würde.

Eine Stunde saßen wir ohne jede Berührung beisammen, das verschlossene Etwas und ich, bis mir klar wurde: der Besitzer oder die Besitzerin der kleinen Kladde würde wohl nicht mehr kommen, um sie zu holen.
Ich entsorgte Brotzeittüte und Flasche im Mülleimer hinter der Bank, nahm das schwarze Lederbüchlein in die Hand, löste den Gummi und schlug es auf. Möglicherweise fänden sich ja Kontaktdaten des Eigentümers darin.

Weder vorne noch hinten war ein Name, eine Telefonnummer oder Adresse zu finden. Stattdessen stand auf der Innenseite handgeschrieben und in Großbuchstaben DIESES BESCHISSENE JAHR UND ICH.
Um einen klassischen Terminkalender würde es sich wohl eher nicht handeln, schlussfolgerte ich, und begann zu lesen.

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Noch bevor sie einander näher kamen, also zu einem frühen Zeitpunkt ihrer Bekanntschaft, ließ er nebenbei die Bemerkung fallen, er habe sich schon vor vielen Jahren sterilisieren lassen. Sie hörte das wohl und obwohl es noch zu früh war, diese Information konkret auf das Geschehen zwischen ihr und ihm zu beziehen, merkte sie, wie diese Tatsache sie entspannte. Würde sie je – was natürlich hoch unwahrscheinlich war, weil sie beide anderweitig liiert waren – in seinen Armen landen, dann wäre im Falle des Falles das Fallenlassen ein leichteres und sorgloseres. In ihrem Alter wollte sie keine Kinder mehr und aufgrund ihrer labilen Gesundheit konnte sie sich auch sonst keine Eskapaden erlauben.

Die Ereignisse nahmen ihren Lauf, wenngleich von Anbeginn einen komplizierten, trotz dieser erleichternden Nebenbemerkung, die weit vor dem eigentlichen Anfang fiel. Nichts war einfach mit diesem Mann und seiner Persönlichkeitsstruktur, klug war er zwar und auch nicht ganz unpraktisch veranlagt, aber im Sozialen und Emotionalen überwiegend unbeholfen und von allem und jedem schnell überfordert. Mit dem Leben hatte er einerseits auf seltsame Weise bereits abgeschlossen, andererseits gierte er geradezu nach einer Zugabe, bevor der Vorhang endgültig fiele.

Sie wusste von Anfang an, dass eine Beziehung mit ihm – welcher Art auch immer – zum Scheitern verurteilt wäre, sie erkannte sehr früh, dass er ihr gegenüber nicht immer aufrichtig war und ihr schillernde Facetten seines Charakters vorspielte, die er momenthaft gut als Rolle inszenieren konnte, aber niemals auf lange Strecke durchhalten würde.
Das und noch vieles mehr fühlte sie mit starker Gewissheit und dennoch hechelte sie der Fährte, die gelegt worden war (von ihm, von ihr, von ihnen beiden?), hinterher wie eine läufige Hündin.

Sie kratzte ihr Geld zusammen, um ihn zu treffen oder um ihm – er war nahezu mittellos – die Fahrten zu gemeinsamen Treffpunkten zu bezahlen. Sie schrieben einander, telefonierten, hangelten sich von Wiedersehen zu Wiedersehen, und in den Zeiten dazwischen sehnten sie sich nach einander bzw. nach der Vorstellung, die sie sich bei ihren wenigen Begegnungen in der Realität von einander gemacht hatten.

Dennoch kam es eines Tages wie es wohl kommen musste, obwohl es besser nie so hätte kommen sollen und daher beileibe kein Schicksal war, sondern eine Entscheidung von zwei erwachsenen Menschen. Die Zeit des Balztanzes war jämmerlich kurz und die beiden fanden sich alsbald auf einem Laken wieder und zerwühlten es heftig.
Fortan wurden die Laken oft gewechselt, teils auch die Betten und die Orte, an denen der noch so frischen und so heimlichen Verbindung Kapitel um Kapitel beigefügt wurde. Dazwischen blieb es kompliziert, verworren und verlogen. Beide rangen in ihren Partnerschaften um das unauffällige Beibehalten einer Normalität, die schon längst zerbrochen war, weit vor dem, was man landläufig Betrug nannte.

„Vielleicht nennt man es ja „Fremdgehen“, weil man mit einem Fremdem geht?“, fragte sie sich. Aber sie wollte in ihm partout einen Vertrauten sehen, weil sie halb blind war vor Glück, dass da einer war, der vorgab, nur sie zu wollen, und das auch noch in einer Intensität, die ihr schon lange nicht mehr begegnet war.
Große Worte wechselten den Besitzer und es war schwer zu sagen, wer daraus mehr Wonne sog: der, der sie aussprach oder der, der sie empfing. Der ganze Reigen von Du bist die große Liebe meines Lebens bis hin zu Wir müssen zusammenleben wurde abgefackelt, in vergleichsweise kurzer Zeit. Sogar in sehr kurzer, bedenkt man, dass die beiden bis zu diesen Versprechungen zusammengerechnet höchstens drei Wochen miteinander verbracht hatten (und diese nicht mal am Stück, was ja, wie man weiß, die rosarote Brille schnell beschlagen lassen würde).

Eines schönen Sommertages dann der große Knall. Ihre Regelblutung war eine Weile ausgeblieben, für die Wechseljahre war es noch deutlich zu früh und so trieb sie schließlich die Sorge, es könne sich um eine Zyste oder ähnliches handeln, in eine Arztpraxis. Dort gratulierte man ihr jedoch nach kurzer Vergewisserung zu einer Zwillingsschwangerschaft.
Das kann nicht sein!, weinte sie in den Ultraschallmonitor hinein, den ihr der Arzt hindrehte, damit sie die zwei kleinen schwarzen Punkte selbst sehen konnte. Denn er sei doch sterilisiert, dieser Mann, mit dem sie das Bett und all die geheimen Pläne geteilt hatte. Ob er das je habe kontrollieren lassen, wollte der Arzt wissen, weil mit dem bloßen Eingriff sei die Sache ja noch nicht für alle Zeiten wasserdicht.

Natürlich hatte er es nicht kontrollieren lassen. In einem Leben, das längst außer Kontrolle geraten war, ließ er nichts mehr kontrollieren. Das erfuhr sie, als sie ihm davon erzählte, dass sie Zwillinge in sich trug.
Unter Schock stehend wollte zunächst sie sich umbringen. Kurz darauf, als die erste Wut unter dem Schock hervorkroch, ihn. Schlussendlich brachte sie die Zwillinge um, wenngleich sie es eher als Notwehr und Selbstschutz empfand, denn als Mord am ungeborenen Leben.

Er war nicht bei ihr an diesem Tag. Auch am Tag danach nicht.
Er überwies ihr in Raten seinen Anteil an diesem letzten Kapitel ihrer verkorksten gemeinsamen Geschichte. Er fragte nicht nach, wie es ihr ginge und er war auch dann nicht bei ihr, als es ihr schlecht ging und ihr Leben in lauter Einzelteile zerfiel, die sich nicht mehr zusammensetzen ließen.
Er hatte Angst, dass ihm dasselbe widerfahren könnte und verschwand auf Nimmerwiedersehen in den auf einmal so schützend erscheinenden Schoß seiner ausgeleierten Beziehung.

So stand sie allein vor den Trümmern ihres Lebens und denen des zerbrochenen Traumes von einer Zukunft mit ihm. Nach einiger Zeit fand sie einen Besen und begann nach und nach, in unendlicher Langsamkeit, aber größter Akribie, all den Schmutz und die Scherben dieses einen beschissenen Jahres aufzukehren und zu entsorgen.

„Lieben mal wieder mit Leiden verwechselt, trotzdem muss ich nicht alles verzeihen können, was ich erlitten habe.“, lautete der letzte Satz.

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Als ich die 30 eng beschriebenen Seiten gelesen habe, lege ich das Buch wieder neben mich. Überlege, ob ich es auf der Bank liegenlassen, es beim Fundbüro abgeben oder es mitnehmen und einen Aushang im Umkreis der Bank machen soll, auf der ich es gefunden habe.
Nach einigem Nachdenken entscheide ich mich gegen jede dieser Optionen.

Schließlich hatte die Verfasserin auf einer der mit türkisblauer Tinte beschriebenen Seiten, zwei klare Wünsche geäußert, was mit dieser ihrer Geschichte geschehen solle.
Zwei Wünsche, die ich hier nicht zitieren möchte, die ich ihr aber beide erfüllen werde bzw. nun schon zum Teil erfüllt habe.

Der letzte Eintrag in dem Buch war auf März 2019 datiert, die darauffolgenden Seiten allesamt leer geblieben.
Ganz hinten hatte sie noch ein Foto mit einer Büroklammer befestigt, darauf zwei Menschen, auf einer Bank sitzend und einander anblickend als ginge es um etwas und als bestünde Einigkeit darüber, dass man das um nichts in der Welt verlieren dürfe.

Meine Güte, wie der Schein doch trügen kann oder wie zerbrechlich so ein Augenblick ist, den eine Kamera als eindeutig und stimmig eingefangen hat.

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Als kleines Requiem am Buchgrabe, dessen Ort ich nicht benennen möchte, ein paar passende Worte von einem, den ich momentan manchmal vermisse, vor allem die alten Zeiten mit ihm.

When the promise is broken you go on living
But it steals something from down in your soul
Like when the truth is spoken, and it don’t make no difference
Something in your heart turns cold

Wieder hoam (erste Etappe: von Graz nach Goisern).

Kurzentschlossen die 430 Kilometer lange Heimfahrt auf zwei Etappen aufgeteilt. Keine Lust, die Strecke mehr oder weniger am Stück und an einem 30°C-Hochsommertag mit Dauerklimaanage runterzureißen. Solche Fahrten versauen einem immer jedes Gefühl von Urlaubgehabthaben, was ich eh erst seit gestern so empfinde. Dem gestrigen Ferientag also noch einen hinzugefügt.

Von Graz über die Landstraßen – meine Güte, ist das schön in der Steiermark! – nach Altaussee. Wollte sowieso schon seit Jahren mal wieder hierher.
Unvergessen, diese Pfingsttage damals an diesem Ort (wie lang mag das her sein? 15 Jahre? länger?): Brandauers Heimat einatmen. Geliebtes Endstationsgefühl. Tägliche Seeumrundung. Auf den Loser. In den See. Den Kirchhoff gelesen. Wichtige Briefe geschrieben. Rote Gauloises auf dem Balkontischchen.

Alles sofort wiedererkannt. Und doch ist alles so anders.
Es gibt nun mehrere riesige Parkplätze mit teuren Tagestickets. Halb Wien tummelt sich hier in der Sommerfrische, dazwischen ein paar Porsches mit Salzburger Kennzeichen. Und so viele andere, dass kein einziger Stellplatz mehr frei ist.
Die Zugangswege zum See und in den Ort sind nun perfekt beschildert, die Touristenströme werden geleitet. Ein megaschickes Wellness-Resort (oder Hideaway oder wie der Quatsch auch heißen mag) neben der Seevilla. Jedes zweite Haus vermietet Ferienwohnungen. Kein Quadratmeter mehr ungenutzt.
Ich muss an den Horror am bayrischen Königssee oder Eibsee denken: beides wunderschöne Seen umgeben von traumhafter Bergkulisse, aber heillos überlaufen, ein Alptraum. Kann man nur noch an nicht-sonnigen Wochentagen in der Nebensaison aufsuchen, außer man liebt es, sich in Kolonnen am Ufer entlangzuschieben.

So habe ich mir das nicht vorgestellt. Enttäuscht lege ich den Rückwärtsgang ein und will den staubigen Parkplatz wieder verlassen, da sehe ich eine Heckklappe aufspringen. Ein Paar nähert sich, wirft die Badesachen in den Kofferraum, ich lasse das Fenster runter und frage, ob sie etwa im Aufbruch seien. Was sie sind. Ich stelle den Motor ab und warte. Der Mann kommt zu mir ans Fenster und schenkt mir seinen Parkschein: „Hier, das ist ein Ganztagesticket, nehmen Sie’s bitte gern!“.In Ortsnähe wie befürchtet ein Strandbadwahnsinn vom Feinsten. Corona? War da was? Hatte nicht Österreich angeblich irgendwelche zu früh gelockerten Maßnahmen wieder verschärft? Was versteht man hier unter Verschärfung?

Auf dem 7 km langen Rundweg trennt sich glücklicherweise bald die Spreu vom Weizen und das gute Aerosol vom womöglich bösen Aerosol. Eltern wollen die Leiterwagen mit dem ganzen Badegeraffel drin nicht so weit ziehen, Kinder wollen nicht so weit laufen um endlich ins Wasser dürfen, adipöse Rentner schaffen es eh nur bis zur Terrasse des See-Cafés, Sportlern ist es zu eng zum Sporteln, bis auf die Wassersportler, aber die sind ja im Wasser und verstopfen den Weg nicht.

Nach 2 km wird es immer leerer, nicht mehr jede Bucht ist belegt, das Dackelfräulein darf längst frei laufen und wir suchen uns ein schattiges Plätzchen am Ufer, wo wir ungestört sind. Auf Baden war ich nicht eingestellt, aber im Rucksack ist gottseidank ein Hundehandtuch, das als Unterlage für eine Einkehr gedacht war, weil manchmal passt der Untergrund dem Fräuleini nicht (zu heiß, zu staubig, zu was weiß ich was) und dann ruht Madame lieber auf so einem Stück Frottee. Nun dient es eben der Trocknung des Menschen nach dem Bade, was ja eh sein eigentlicher Zweck ist.

Auf der anderen Seite des Sees angelangt, kehren wir ein und erwischen einen Tisch mit Rasen drunter, ideal fürs Fräulein. Der Gugelhupf ist leider schon ausverkauft. Ich ringe mit der Entscheidung zwischen fünf offerierten Strudelsorten, da bringt mir die Bedienung, eine charmante steirsiche Version von Annie Lennox, den „Verschnitt“ aller Gugelhüpfe des Tages. Gratis! Ja so ein Glück!

Die restlichen 4 km verläuft der Weg auf sehr sonniger Strecke, weshalb wir alle Viertelstunde die Haxn zur Kühlung in den See halten. Pippas Verband habe ich abgenommen, ob das Sprühpflaster wirklich wasserdicht ist, wage ich zu bezweifeln. Da der See Trinkwasserqualität hat, wird der verletzten Daumenkralle schon nichts passieren.

Der Rundweg um den Altausseer See ist paradiesich, weil gänzlich unverbaut. Vom Nordufer guckt man bis ins schneebedeckte Dachsteinmassiv, östlich auf den Trisselkogel und westlich auf den Loser. Damals mit dem weltbesten Kaiserschmarrn oben auf der Hütte, auch unvergessen.

Im Ortsteil Fischerndorf besuchen wir noch den Friedhof, der eine Lage hat, die wirklich zum Sterben schön ist. Der Loser, passenderweise einer der Ausläufer des Toten Gebirges, wacht dort über die Toten und zur anderen Seite hin können sie auf den See gucken, wenn sie nachts aus ihren Gräbern kommen.

Nach viereinhalb Stunden sind wir zurück am Parkplatz. Noch 20 km Fahren, dann haben wir das Tagesziel erreicht: Bad Goisern.
Mit Müh und Not das letzte Einzelzimmer im Ort erwischt. Hätte nicht unbedingt das kleine Hotel sein müssen, in dem mich M., der Gymnasiallehrer, vor weit über 20 Jahren mit Verlobungsringen überraschte. Hat er geschickt gemacht damals, mich in so einem Bergurlaub, in dem ich der Euphorie stets arg nahe bin, mit sowas zu überrumpeln.
Zwischenzeitlich hat das Hotel einen Anbau und ist gar nicht mehr klein, aber unter den Balkonen rauscht immer noch der Bach vorbei.

Zur Ankunft drückt mir die Rezeptionistin eine Kurkarte und eine Freikarte fürs Freibad in die Hand. Wir lassen ja hier nix anbrennen, also noch schnell ein paar Bahnen richtig geschwommen. Danach Abendessen auf der Terrasse mit Bergblick, das Bächlein plätschert, das Fräulein liegt friedlich im Körbchen unterm Tisch. Nur Weißbier können sie hier nicht, schon wieder dieses mittelmäßige Edelweiss.

Die Abendsonne taucht den Predigtstuhl, den Goiserer Hausberg, in kupfernes Licht. Die Gäste am Nebentisch erzählen von einem Konzert, das morgen hier stattfindet. Beides wirkt verlockend.
Ich frage den Hotelchef, ob das Zimmer eventuell noch eine Nacht länger zu haben wäre, was er verneint. Sie sind komplett ausgebucht hier, wie überall in der Region.

Nach einer Weile kommt er nochmal raus auf die Terrasse, beugt sich zu mir hinunter und macht mir mit gedämpfter Stimme ein Angebot: „Also wenn Sie möchten, dann könnten wir Ihnen und Ihrem Hund die Sauna herrichten. Die ist ja wegen Corona nicht in Betrieb. Wir stellen Ihnen ein Bett in den Ruheraum, Dusche usw. haben Sie dort eh und absperren können Sie die Räume auch. Mehr als den Preis fürs Frühstück kann ich Ihnen dafür allerdings nicht berechnen. Überlegen Sie sich’s einfach bis morgen Früh.“

Na dann schlafen wir da mal drüber 🙂

Schöckled and drawn.

So läuft das ja häufig im Leben.
Irgendwas verstopft kolossal den Kanal, es hakt hier und dort, manches verheddert sich, nichts kommt so recht ins Fließen, erst recht nichts ins Sprießen.

Und siehe da – kaum hatte ich gestern einen Schlussstrich gezogen unter dieses arg bemühte Projekt „Graz mit Hund“, das mir von ein paar Umgebungsvariablen hier nicht nur verhagelt, sondern auch insgesamt verleidet wurde, und kaum hatte ich diesen Beschluss mit einem kleinen, äußerst erholsamen Vormittagsnickerchen besiegelt, war es danach plötzlich, als hätte jemand den Badewannenstöpsel gezogen (oder den Wasserhahn wieder aufgedreht oder welches Bild auch immer Ihnen für das Freiwerden verstopfter Energiekanäle genehm ist).
Die Sache hier kam auf einmal wieder in Fluss!

Kein einziger Regentropfen fiel seitdem mehr vom Himmel, geschweige denn ein Hagelkorn, die Hundedame lief wieder flotter und fröhlicher mit mir herum, und mir ging’s genauso. Befreit von der schweren Kamera und dem ebenso schweren Moment der finalen Mitteilung an die netten Sponsoren, dass ich hierüber nichts schreiben kann (was ich freilich auch nicht muss), weil ich das Bildmaterial nicht zusammenbekommen werde bzw. es nur zusammenbekäme, wenn ich in jeder Regenpause loshetze und in einem Affenzahn die Foto-Spots abklappere, was ich aber nicht tun (und schon gar nicht dem Dackelfräulein antun) will, und dass ich allenfalls eine ganz andere Story über diese Tage in Graz anbieten kann (die von A bis Z sehr besonders und intensiv waren) oder eben gar nichts (und überhaupt: künftig erzähle ich nur noch meine Geschichten, ein Fazit, das mir durch die Gespräche mit dem Einheimischen endlich völlig klar wurde, dass es nur so gehen kann und nicht anders), und befreit von all dem hatte ich dann schlagartig wieder Lust, mich hier – egal bei welchem Wetter – zu bewegen und Stadt und Gegend zu erkunden.

Eine Architekturführung (danke an Roswitha!), ein Freibadbesuch (repariert bitte eure Wärmepumpe, 20°C sind einfach zu frisch!), ein Ausflug zu einer Ruine (super Tipp vom Einheimischen), ein Morgenlauf im Park (alles rausgeschwitzt) und schlussendlich haben wir es heute sogar noch auf den Schöckl geschafft (der Grazer Hausberg).

Und all das mit Freude, mit Genuss, ohne Fotografierzwang, ohne irgendeine Ambition außer der, dass wir hier was sehen und erleben möchten, was uns entspricht.

Lieber den Spatz auf dem Teller als die Taube auf dem Balkon! (Alte Großstädterweisheit)

Den Titel dieses Beitrags wählte ich in Anlehnung an Bruce Springsteens „Shackled and drawn“, hatte das Lied beim Bergaufsprinten auf einmal im Kopf.
Keiner meiner favourites, aber der Text passt im Rückblick einfach so gut und außerdem mag der Gatte den Song, also sei er ihm gewidmet – mit der Zusicherung, dass seine beiden Frauen demnächst in aufgeräumter und zufriedener Verfassung heimzukehren gedenken.

Gray morning light spits through the shade
Another day older, closer to the grave
Closer to the grave and come the dawn
I woke up this morning shackled and drawn

Shackled and drawn, shackled and drawn
Pick up the rock son, carry it on
I’m trudging through the dark in a world gone wrong
I woke up this morning shackled and drawn

Like a window in your heart.

Drei Tage hab ich gebraucht.

Drei Tage, um den Deckel des Kartons, den mir der Papa am Abend des Vatertagsbesuchs mitgegeben hatte, ein zweites Mal zu lupfen, vorsichtig in das Innere der Kiste zu greifen, erneut eine Handjedervoll Fotos herauszunehmen und sie zu betrachten.

Der Erstversuch mündete nach wenigen Sekunden in einen Sturzbach aus Tränen. Nur ein einziges Foto hatte ich am Freitag einer dieser typischen 70er Jahre Agfa-Fototaschen, derer ungefähr 8 bis 10 in dem Karton schlummern, entnommen:

Und dieses eine Bild, das riss mich dermaßen…
Der Papa und ich bei einer Bergtour, in uralten Zeiten, er noch so schlank und ich vermutlich noch so quengelig, seine Frisur, sein kariertes Hemd und überhaupt: diese Klamotten!, und mein roter Kinderrucksack, den ich völlig vergessen hatte!

Wie ich mich da an ihn klammere, und wie er so dasteht mit der kleinen Tochter, also mit mir, und wie mir in diesem (im wahrsten Wortsinne:) Augen-blick letzte Woche am Freitagmorgen so schlagartig bewusst wird, wieso ich heute so bin wie ich bin (bzw. zumindest ein großer Teil von mir genau so ist wie er eben ist). Quasi ein Donnerschlag der Bewusstwerdung, den dieses eine Bild auslöste.

Und was ich nicht alles von ihm habe, was er mir nicht alles vermittelt und mitgegeben hat. Wie er sich bemüht und abgestrampelt hat, um nicht nur beruflich seine Sache so gut wie möglich zu machen, sondern auch als Vater.
So bewusst wird mir das, dass ich eben nach nur ein paar Sekunden nichts mehr sehen kann vor lauter Tränen und dann schluchzend wie ein Kleinkind im Flur stehe, bis das Dackelfräulein in wilder Sorge angaloppiert kommt und mich so lange und mit so vielen Hundebussis bedrängt (es ist mit diesem Hund beim besten Willen nicht möglich, mal ungestört und ungetröstet zu heulen – wie ist das eigentlich: machen andere Hunde das genauso, sind das auch solche Heul-Hemmer und Trost-Tyrannen?) bis dann auch noch der Gatte etwas irritiert herbeieilt, mir das Foto abnimmt und mich eine Weile festhält, bis ich mich wieder beruhigt habe.

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Drei Tage später schaffe ich ganze drei Bilder, mehr geht nicht.

(Wenn ich mich in dem Tempo weiter durch den Karton wühle, bin ich mit der Sichtung des Inhalts vielleicht gerade noch rechtzeitig fertig, bevor mir eine bis dahin hoffentlich top bezahlte Pflegekraft eine Schnabeltasse in die Hände drückt und ich mit runzligen Lippen meinen vorletzten Schluck Fencheltee daraus nehme.)

Bild Nr. 2.

Der Papa und ich im Ruderboot, auf dem Starnberger See. Bis auf meine flotte Oberbekleidung und das alberne Käppi tragen wir fast die gleichen Sachen wie auf dem Bergfoto. Meine Güte: diese großen Hände, die immer wussten, was zu tun ist (und wie es zu tun ist), neben meinen kleinen, speckigen Kinderfingern.

Er war für mich damals der Größte. Er wusste alles, er konnte alles, nichts schien ihn je umhauen zu können, und ich hatte noch keinen blassen Schimmer, welch naiver Illusion ich da aufsaß.
Kinderglück eben. Selig sind die Ahnungslosen, zumindest manchmal (oder für kurze Zeit).

Allzu viel Glück gab es bei uns ja sowieso nicht, also klammerte ich mich an jedes Stück Glück, das ich finden konnte. Und der Papa, der war diesbezüglich zehn Jahre lang eine prima Fundgrube.

Erst danach dämmerte mir allmählich, wie es um die Eltern und ihr Glück bestellt war, nämlich schlecht, vermutlich sogar schon sehr schlecht, aber bis ihnen ihr Unglück sichtbar aus jeder Pore quoll und in jede Ritze unseres Lebens sickerte, sollte es noch ein Weilchen dauern, ungefähr anderthalb Jahre, bis ich knapp zwölf war und die Mutter in Schladming auf der Planai ihre Unsportkarriere mit einem dramatischen Skiunfall beschloss (ach ja, die Mutter, sie beherrschte die Kunst des Dramas auf wirklich jedem Terrain), womit der Anfang vom Ende besiegelt war, und fortan ging es nur noch bergab (erst mit dem Akia und dem lädierten Bein der Mutter, dann mit unserer Familie).

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Das dritte Foto.

Holland, Vrouwenpolder, Sommerferien. Der Papa und ich am Strand.
Auf meinen weißen Haarspangen war ein Schmetterlingsmotiv aufgeklebt und der beige Gummi der Spange riss ständig. Unsere Windjacken rochen in diesen Sommern nach Salzluft und Wattwanderungen.
Es war eh die Ära der Windjacken, so nannte man diese spießigen Blousons mit Strickbund, jeder besaß damals so ein Ding, heute läuft fast niemand mehr in sowas herum.
Mein ockergelbes Exemplar trug ich, bis die Bündchen morsch und ausgeleiert und das Innenfutter mit dem Ankermuster total zerschlissen war. Ich hing so an dieser Jacke, weil an ihr die Erinnerungen an diese wenigen Sommer der Unversehrtheit hingen.

Holland, das waren jene drei oder vier Wochen im Sommer, in denen der Papa jeden Tag Zeit hatte. Zeit, in der wir uns auch mal vor der Mutter davonstahlen und an der Bude hinterm Deich Pommes futterten oder auf der anderen Seite des Deiches Wattwürmer ausgruben, gestrandete Quallen auf einem Spaten ins Meer zurücktrugen oder mit einem Kescher Garnelen fingen, sie in einen Eimer setzten, ein Weilchen beobachteten und wieder freiließen.

Holland, das bedeutete kartonweise Vla (in drei Geschmacksrichtungen) und Schokohagel (in zwei Hagelgrößen) und zum Frühstück diese Labbersemmeln, die Bolletjes hießen und auf die wir ungeachtet des Geschimpfes der Mutter erst dick Sahnequark schmierten und dann noch dicker diese köstliche Sauerkirschmarmelade obendrauf packten, die wir aus dickbauchigen Gläsern mit lustigen Zwergen drauf (die „De Vruchtenplukkers van Hero“ oder so ähnlich hießen) herauslöffelten.

Holland, das waren kleine, khakifarbene Frösche, die in dem sandigen Grundstück rund um das Ferienhaus der Bonner Patentante herumhüpften, unzählige Karnickel, die sich in den Dünen hinterm Haus versteckten und kreischende Möwen, die uns Tag für Tag den gelb-orangefarbenen Windschutz neben unserem Strandhäuschen vollkackten.

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Viertes und letztes Bild.

Mein erstes Stofftier und ich. Dasselbe Baujahr, wir zwei, olympischer Jahrgang 1972.
Auch in diesem Foto bereits ein eindeutiger Bezug zum weiteren Verlauf meines Lebens und zentralen Neigungen erkennbar, manches war mir wohl buchstäblich in die Wiege gelegt worden und hat sich offensichtlich nie verändert.

Gut, ganz so kurze Kleidchen trage ich heutzutage nicht mehr, trotz weniger wulstigen Beinen, deutlich besserer Haltung und meist minimal freundlicherer Miene.

Erst muss ich herzhaft über das Foto lachen, weil mich diese frühkindliche Dackelprägung so erheitert, dann aber kullern mir schon wieder die Tränen übers Gesicht.
Zum einen hat die Mutter meinen Original-Waldi eines Tages einfach konfisziert und nie mehr herausgerückt, und irgendwann wird er kläglich in ihrer Messie-Wohnung verendet sein. Er fehlt mir immer noch, und was gäbe ich drum,… (lassen wir das lieber).
Zum anderen erinnere ich mich auf einmal, dass der Papa nach der Trennung jahrelang drum betteln musste, dass die Mutter die Negative der Familienfotos rausrückte, damit er sich Abzüge machen lassen konnte, und mir wird klar, wie viele Abende oder Nächte er mit zusammengekniffenen Augen über diesen Negativen gesessen haben muss und all die Kreuzerl auf den Nachbestelltäschchen gemacht hat (so wie das damals eben war: man saß da mit einer Lupe und bei möglichst gutem Licht und hat Nummern von Negativstreifen abgeschrieben und dann die entsprechenden Felder angekreuzt), damit er wenigstens einen Teil der bebilderten Erinnerungen an seine 12 Jahre als Ehemann und Familienvater irgendwie retten oder konservieren konnte.

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Wo sind sie nur geblieben, die Jahrzehnte?
Wieso ging das alles nur so verdammt schnell vorbei, es waren doch immerhin über vierzig Jahre?
Wie ging er bloß vonstatten, dieser Übergang vom vermeintlich immerstarken, unverwüstlichen Papa hin zu dem parkinsonkranken, alten Mann?
Was haben wir schon verloren, was ist uns noch geblieben, was können wir weiterhin festhalten – und was werden wir nach und nach loslassen müssen, und vor allem wann und wie?

Als das Coronavirus aufkreuzte, war das für den Papa der Startschuss, um seine Habseligkeiten zu sichten, zu sortieren und gründlich auszumisten. Die Wochen des Lockdowns haben ihm auch gereicht, um dieses Vorhaben abzuschließen.
Die Fotokiste ist nun der erste von drei Kartons, die er mir übergeben möchte. Einen gerahmten Druck von Theuerjahr sollte ich auch gleich mitnehmen, der lehnt jetzt hier an einer Wand und erinnert mich an so vieles, und ich überlege, ihn vorerst in den Keller zu stellen, bis ich ein klares Gefühl dafür habe, ob ich dieses Bild hier bei mir zuhause und in meiner Gegenwart aufhängen kann und will.

Noch zwei solche Übergaben, dann hat er sich von allem befreit. „Mehr zu vererben gibt’s nicht!“, und alles andere sei auch schon geregelt, sagt er. So sehr mir das an die Nieren geht, so klar und gut finde ich es auch. Die Mutter hat einen Mordsverhau hinterlassen als sie abtrat von der Lebensbühne, der Papa würde das nie tun, das war zwar zu erwarten und doch ist’s komisch, wenn er zu einer Zeit „aufräumt“, in der noch schwer vorstellbar ist, dass „es“ bald soweit sein könnte.

Nun ja. Nach diesen beiden ersten Fotokistenerlebnissen bin ich tagelang ein wenig neben der Spur.
Dann fasse ich den Beschluss, mich nun auch vorzubereiten. Auf meine Art: schreibend.

Ich werde anfangen, die Rede aufzusetzen, die eines Tages zu halten sein wird, und die ich – das ist mir nach diesen vier Fotos klar geworden – auf keinen Fall erst dann verfassen kann, wenn dieser Tag schon kurz bevorsteht. Freilich werde ich sie niemals selbst halten, diese Ansprache, diesen Abriss über sein Leben und darüber, was er für mich war, weil ich an dem Tag aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr als einzelne Worte (oder nicht mal die) werde sprechen können, denn je älter, desto näher am Wasser…, na, Sie wissen schon. (Ich setze drauf, dass der Gatte dann das Vortragen übernimmt, ohnehin der geübtere Redner von uns beiden.)

Während ich die ersten Stichpunkte notiere, verspüre ich das Bedürfnis, dabei Musik zu hören.
Musik, die manch gemeinsames Erlebnis begleitet hat oder die meinem Gedächtnis auf die Sprünge hilft beim Nachzeichnen dieses langen Weges.

Ich notiere mir, welche Songs und Interpreten das sind, aus denen der Soundtrack zu dieser Vater-Tochter-Geschichte gewoben wurde, deren Anfänge mir nach so langer Zeit wieder (oder überhaupt erstmals?) klar vor Augen stehen und deren Ende (sofern solche Enden denkbar oder gedanklich antizipierbar sind), mir einst ein beängstigend großes Loch ins Herz fräsen wird, mit dem ich etwas schutzlos und staunend und trotzdem weiterleben werde, darauf wartend und hoffend, dass aus dem Loch mit der Zeit ein Fenster wird.

Ein Fenster mit durchsichtigen Flügeln, die ich zu schließen oder zu öffnen vermag, je nach Windstärke da draußen oder Abwehrschwäche da drinnen.

And I see losing love
Is like a window in your heart
Everybody sees you’re blown apart
Everybody feels the wind blow

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Herzblut.

September 2019. Gotland. Viel Zeit, Sonne und Ruhe. Erinnerungen an eine wunderbare Reise mit meiner kleinen Gefährtin.

Na endlich!
Auftrag erledigt. Die vermutlich letzte der Reisereportagen pünktlich abgegeben. Wieder ein Kapitel, einen Lebensabschnitt abgeschlossen, zumindest fühlt sich’s so an. Vielleicht auch nur, weil’s eine so schwere Geburt war? Es wird sich rausstellen.

Dabei immer der Gedanke: Wenn das dein letztes Werk aus der Sparte ist, dann muss es besondere Würde haben. Werk? Würde? Oh Gott, was für eine Anmaßung und Übertreibung (oder Ausflucht, um den eigenen Perfektionismus von der Leine zu lassen?). Kein Wunder, dass es sich auf diese Weise beschwerlich gebar!

Alles Schall und Rauch, speziell jetzt, weil derzeit ja sowieso niemand ernsthaft Reisepläne schmiedet. Wohin auch? Und erst recht nicht nach Schweden, oder doch?

Mancher Bestandteil des erforderlichen Vokabulars mittlerweile nah am Brechreiz (Idylle, Urlaubsglück, Erkunden, Einladen, Verweilen, Genießen – bäh! – manchmal juckt’s mich glatt, eine monströse Seele in so einen Text hineinbaumeln zu lassen, wobei die Ironie womöglich nicht mal auffiele, weil das absurde Baumelnlassen derselben in den vermeintlich „schönsten Wochen des Jahres“ ja tatsächlich eine so große Hoffnung, ein Lichtblick von so vielen ist, denen ihr trister Alltag und das tägliche Einerlei so vergällt ist, dass sie einzig die Flucht daraus heiß ersehnen und ansonsten längst zu träumen und zu gestalten aufgehört haben).
Die meisten Worte und Sätze werden dem, was man einst fühlte, sah und erlebte eh nicht mehr gerecht, und daher geht’s bestenfalls als Annäherung durch, das, was da letztlich niedergeschrieben steht, aber der Redakteur ist zufrieden, sehr sogar, und die paar Leser werden es schon auch sein.

Und ich? Was bin ich?
Leer. Ausgewrungen. Ausgezuzelt (wie man hier sagt). Blankgeschrieben. Wortwund.

Und doch: es hat auch was gehabt, dieses Sich-Durchquälen durch Strukturfetzen und Erinnerungsmosaike und dieses Wortefinden und -winden, bis sie sich wundgescheuert haben, um einen Platz zu finden, an den sie gehören oder an dem sie sich zumindest gut anhören.

Da steckt ja Herzblut drin!, so äußert sich jemand dann anschließend über den eigenen Text. Aha!, denke ich, und erwäge für einen Moment, mich zu freuen, aber es bleibt zu fraglich, welcher Art das Blut ist, das da drinsteckt, denn vieles, was ich hätte schreiben wollen oder können, blieb unbeschreiblich oder für die Zielgruppe so gänzlich ungeeignet, also kann es gut sein, dass es nichts als nur schnödes Fingerkuppenblut vom vielen Tippen und Am-Kopf-Kratzen war, und dass das Herz bestenfalls organimmanent blutete, weil es eben nicht ungehindert und frei nach außen fließen durfte, dieses wunderbare Herzblut.

(An dieser Stelle nochmals ein Dankeschön an Blog- und Bruce-Kollegin Anna aus Göteborg, die mir ein paarmal mit wertvollem schwedischen Input behilflich war beim Schreiben!)